Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 28 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28, 9. IV. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Ein jüdischer Forscher Zum 80. Geburtstage von Lucien Levy-Bruhl Der bedeutende französische Soziologe Lucien L e" v y Brühl, Professor an der Pariser Sorbonne, begeht am 10. April seinen 80. Geburtstag. Auch wenn er als Jude niemals hervorgetreten ist, so besteht doch Veranlassung, einen Rückblick auf das Lebenswerk dieses Mannes zu werfen, der stets in vornehmer Zurückhaltung und in sich gekehrt seine Ideen in die Welt hinausgeljen ließ, ohne sich viel um Lob oder Tadel zu kümmern. Eevy-Bruhl, der hervorragendste Mitarbeiter und Fortsetzer Durckheims, hat einen nachhaltigen Einfluß auf die französische und darüber hinaus auf die gesamte Soziologie und speziell auf die Ethno-Soziologic ausgeübt. Eine imponierende Fülle von Werken charakterisiert den langen Weg seines Wirkens. Er ging von der Philosophie aus und schrieb in den Wer Jahren über Leibniz, Jacobi und Comte. Im Jahre 1910 beginnt die entscheidende Wandlung in seiner Arbeit: er wendet sich mit seinem Buche „Lcs Fonctions mentales dans les societes inferieures" der Erforschung und Deutung der sozialen Struktur primitiver Lebensstufen zu. 1922 erscheint das wichtigste Werk „La mentalite primitive", dem 1927, F°>°: *«bi» 1931 und 1935 weitere Bücher über psychologische und mythologische Fragen des primitiven Lebens folgen. Die H a u p t g e d a n k e n Levy-Bruhls lassen sich vielleicht wie folgt zusammenfassen: Er deckt das Bestehen einer primitiven Mentalität auf, in der er einen andersartigen Denktypus sieht, als wir ihn aus höheren Kulturen kennen. Das primitive Denken erscheint ihm wesentlich mystisch bestimmt, es ist kein kausales Denken, sondern „p r ä 1 o - gisch", eine Vorstufe unseres Denkens. Während die animistische Auffassimg die Psychologie des Primitiven wesentlich der des Kulturmenschen anzugleichen versucht hatte, bemüht sich Levy-Bruhl, die spezifische Erlebnisform der primitiven Phase zu rekonstruieren. Diese Form, die er mystisch nennt, wird am ganzen Umkreis der Lebensäußerungen der Primitiven untersucht. Diese Ansichten Levy-Bruhls sind nicht unwidersprochen hingenommen worden. In einer berühmten Auseinandersetzung zwischen Max S c h e 1 e r und dem Philosophen Wilhelm Jerusalem (der ganz die Auffassungen Levy- Bruhls teilte, sie lebhaft propagierte und die Uebersctzung der Bücher Levy-Bruhls ins Deutsche veranlaßte) sagt Scheler u. a.: „"Der interessante Versuch Levy-Bruhls und Durckheims, die sog. Verstandeslcategoricn, d. h. die Struktur des menschlichen Verstandes selbst, welche die transzendentale Schule für eine überindividuelle, einheitliche, unableitbare Mitgift des Menschengeistes hält, 'soziologisch-genetisch herzuleiten (nicht biologisch durch Vererbung erworbener Eigenschaften wie Spencer), erscheint mir allerdings genau so undurchführbar wie Spencers Unternehmen." Andererseits erklärt sich Scheler in diesem gleichen Aufsatz mit der . Annahme der Existenz einer prälogischen Stufe des menschlichen Bewußtseins einverstanden. („Kölner Vierteljahrshefte , für Sozialwissenschaft", 1921.) Die Ethnologie, besonders in Deutschland, bemängelte an Levy-Bruhls Theorie, daß sie das Magische viel zu sehr mit der Person des Primitiven verknüpft, während es tatsächlich eine Sphäre für sich ist, die nicht das ganze Leben umfaßt. Man könne, so meinte der führende Berliner Ethnologe K. Th. Preuß, den gewöhnlichen und den metaphysischen Menschen nicht einfach identifizieren. Andere Einwendungen (z. B. seitens Thurnwalds) richten sich gegen irrige logische Gleichsetzungen von primitivem und wissenschaftlichem Denken. Wir erwähnen diese Auseinandersetzungen, weil sie zeigen, daß in jedem Fall die Arbeiten Levy-Bruhls anregend gewirkt und die Wissenschaft zur Stellungnahme gezwungen haben. Und abgesehen von der Streitfrage, ob seine Bewertung des Magischen richtig ist oder nicht (die Entscheidung kann gar nicht allein nach objektiven Maßstäben erfolgen, sondern ist auch an weltanschauliche Voraussetzungen gebunden), ist doch festzustellen, daß stets von jeder Seite die profunde Materialkenntnis Levy-Bruhls und seine Fähigkeit der Sichtung unumwunden anerkannt worden ist, und daß seine Arbeiten der Völkerkunde und der Gesellschaftswissenschaft viele neue Einsichten und Aspekte vermittelt haben, für die die wissenschaftliche Welt dem Gelehrten immer dankbar gewesen ist. Es läge nahe, bei dieser Gelegenheit auch auf die Iüdische Seite einzugehen. Levy-Bruhl entstammt dem ast hundertprozentig assimilierten französischen Milieu und hat nur noch sehr lose Beziehungen zum Judentum. Das nachstehende Interview mit ihm zeigt, daß das Erlebnis der letzten Jahre auch an Levy-Bruhl nicht spurlos vorübergegangen ist. Vielleicht reichen seine jüdischen Wurzeln tiefer als ihm selbst bewußt ist. Er gehört jedenfalls mit zu der langen Reihe jüdischer Männer, die sich bemüht haben, die menschliche Erkenntnis weiterzuführen. Das Universale schien ihnen das erreichenswerte Ziel, dem gegenüber sich das Judentum klein und unscheinbar ausnahm. Aber der Tag mag kommen, da die jüdischen Gelehrten heimkehren und erkennen werden, daß die Bejahung des Judentums für jüdische Menschen kein Hindernis, sondern geradezu eine Voraussetzung der Arbeit an universalen Aufgaben ist. Dr. Gerhardt Neumann Gespräch mit dem Gelehrten Unser Pariser K.-Bcrichterstarter hatte eine Unterredung mit Levy-Bruhl und berichtet darüber folgendes: Die schlanke, hohe Erscheinung des großen französisch-jüdischen Gelehrten läßt kaum eine Spur seines hohen Alters erscheinen. Lebhaft, manchmal ironisch, aber stets mit der zuvorkommenden Freundlichkeit des gebildeten Franzosen beantwortet Professor Levy-Bruhl unsere Fragen. Wir bitten ihn, etwas über seine Beziehungen zum Judentum und seine Stellung zu den aktuellen jüdischen Problemen zu sagen. Levy-Bruhl lehnt sich nachdenklich zurück: „Sie stellen mir da keine leichte Aufgabe, denn ich bin in der jüdischen Welt stets ein Außenseiter gewesen. Mich haben andere allgemein-menschliche, humanitäre Probleme stets mehr in Anspruch genommen." „Könnten Sie nicht etwas über ihre ersten Beziehungen zum Judentum, über Ihre jüdischen Kindheitserlebnisse erzählen?" „Jüdische Kindheitserinnerungen? Ich habe keine. Ich stamme aus einer Familie, die sich bereits seit längerer Zeit von dem traditionellen Judentum losgelöst hatte. In der lothringischen Heimat meiner Familie und später in Paris, meine verstorbene stammte. Gewiß, gefühlt und geschämt. Das wo ich geboren wurde, kannten wir fast keine Unterschiede zwischen Juden und Nichtjudcn, Ich fühlte mich von Jugend an als Franzose und geistig tief in der französischen Kultur verankert. Meine erste nähere Berührung mit der jüdischen Tradition entstand eigentlich erst durch meine Heirat, da Frau einer jüdisch-religiösen Familie enti c h habe mich stets als Jude meiner Abstammung niemals Gefühl dieser Verbundenheit ist in der heutigen schwierigen jüdischen Lage noch stärker als früher." „Glauben Sie nicht, daß seither eine Veränderung eingetreten ist und daß auch das französische Judentum die Rückwirkungen des Antisemitismus spürt?" „Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Verschärfung der antisemitischen Aktion im Ausland auch ungünstig auf die Lage der französischen Juden zurückgewirkt hat. In einem Teil der französischen Bourgeoisie war stets eine gefühlsmäßige Abneigung gegen die Juden vorhanden und dieser latente Antisemitismus hat durch die Vorgänge in anderen Ländern neue Nahrung erhalten. Aber ich glaube nicht, daß diese Bewegung in Frankreich Fuß fassen wird. Der Antisemitismus ist der Mentalität des französischen Volkes fremd." „Hat aber nicht die Dreyfus-Affaire die Möglichkeit eines antisemitischen Ausbruchs auch in Frankreich gezeigt?" „Gewiß, die ,Affaire" hat uns alle tief erschüttert. Ich selbst wurde in sie besonders stark hineingezogen, da meine verstorbene Frau eine Kusine des Hauptmann Dreyfus war und ich selbst vor Gericht über seinen Leumund aussagen mußte. Aber die Sache ist doch bald über den Rahmen einer antisemitischen Kampagne herausgewachsen und zu einem Kampf um die Grundlagen des republikanischen Staatsregimes in Frankreich geworden. Der Antisemitismus in Frankreich hat damals eine Niederlage erlitten und das französische Volk hat die Lehren der ,Affaire' nicht vergessen." „Wie denken Sie über die Lage der Juden außerhalb Frankreichs, besonders in Osteuropa?" „Ich hatte früher gehofft, daß auch dort — wie in Frankreich — das jüdische Problem durch eine Verschmel- E$ gilt bei der Verlfindllchung des jüdischen Volkes noch mehr, weit mehr als die Lösung eines wirtschaftlichen oder eines Problems der eigenen Volkswürde und der Beziehung zu den Völkern, es gilt in erster Linie einen Beitrag zur Erlösung Israels, - zur Erlösung im tiefsten und erhabensten Sinne des Wortes. Nathan Birnbaum, März 1937 zung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen eine Lösung finden würde. Ich bin aber heute in meinem Glauben an die Möglichkeit einer solchen Fusion zweifelhaft geworden. Das Problem liegt in Polen und Rumänien auch quantitativ ganz anders als in trankreich. Meine ganze -Sympathie gehört diesen Bedrängten und ich kann nur hoffen, daß in letzter Stunde noch ein Ausweg gefunden wird und furchtbares Elend für unschuldige Menschen vermieden wird. In welcher Richtung dieser Ausweg liegen mag, vermag ich allerdings nicht zu sagen." „Wie denken Sie über die palästinensische Lösung?" „Ich weiß, die Zionisten sehen Palästina als die einzige Lösung der Judenfrage an. Ich bin selbst nur ein paar Tage im Lande gewesen und habe daher nur wenig von dem jüdischen Aufbauwerk gesehen. Ich habe aber meinen kurzen Aufenthalt dazu benutzt, um auch einige jüdische Kolonien zu besuchen. Was ich dort gesehen habe, hat mich mit tiefer Bewunderung für die kolonisatorischen F ä Ii i g I< e i t e n d er J u d c 11 erfüllt. Aber ich fürchte doch, daß Palästina — auch wenn ich von den aktuellen Schwierigkeiten absehe — nicht in der Lage sein wird, allein das Emigrationsprobicm der jüdischen Massen des Ostens zu 1 ^cn." „Wie beurteilen Sie die I'nHuekliiii^mr.glichkcitcn der H c l) r ä i s c h e u U n iversit.it m ji: u.>.ilem?" „Diese Universität kann sicherlich in einer nahen Zukunft eines der w i c h t i g s t e n Kultur/ e n t r e n des Vorderen Orients werden. Im Augenblick ist sie noch ein Fragment und es muß eine gewisse Periode vergehen, che sie als Institution und als Bildimgszcntrum eine Tradition gewonnen hat. Aber bereits heute kann sie eine sc' im Lande leisten, besonders wenn sie metboilen den besonderen F.rfordernisscii Ich stehe mit einigen dortigen Gelehrten bindung." ihre Pal /heue Arbeit AnshildungS" tinas anpaßt, dauernder Yer- IM SM* *«* I Foto: Arcbuv Im Dienst des Volkes Das Werk einer jiidisdien Frau Die große Sozialarbeiterin und Philanthropin Lilian D. Wald in New York feierte kürzlich ihren 70. Geburtstag. Diese Frau verdient eine ehrende Erwähnung auch in einer jüdischen Zeitung diesseits des Ozeans, denn sie hat sich von frühester Jugend an in den Dienst der Sozialarbeit in jenen New-Yorker Bezirken gestellt, wo die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa hilflos und mittellos ankamen und jahrelang in unbeschreiblichem Elend lebten. In dieser New-Yorker Eastside (Ostseite) hat sich Lilian Wald durch ihre Institutionen ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Ihr Großvater war im Jahre 1848 aus Deutschland eingewandert und ihr Vater, ein jüdischer Augenarzt, lebte im Mittleren Westen, von wo Lilian als 26jähriges Mädchen nach New York kam und zunächst als Krankenpflegerin arbei- _ _ tete. Sie hielt dann im IflL^^^^V ^■H^HBBU ' Eastside Vorträge, inshe- ■C^HJv ..^H^^HBp sondere zur Aufklärung der H^^^V^^m^^^HHF Mütter, über Kinderpflege H^^Hgl|^H^^|^^Hl»i* Krankenpflege I^^HQHKj^HH^Br' : kam so in direkte Bcrüh- ^^^"^^^^^^^^^^^■fc ■ rung mit dem Elend dieses Gebietes. Im Jahre 1893 hat Miss Wald das „Henry Street - S e 111 e m e n t" begründet, das heute noch besteht, eine wahrhaft mustergültige soziale Institution im Merzen des New-Yorker Ghettos. Dieses Setflcmetit ist ein Vorbild nicht nur für Amerika, sondern für ähnliche Institutionen der ganzen Welt geworden. Von da an hat Miss Wald unablässig in der Einwanderungshilfe mitgearbeitet. Sie wurde auch offiziell zum Mitglied dcr'Staatlichen New York-Immigration-Commission ernannt. Ihrem unwiderstehlichen Charme und ihrer Ueberredungskunst gelang es, Mittel für alle diese Aktionen aufzubringen. Einer ihrer verständnisvollsten Geldgeher war der bekannte amerikanische jüdische Philanthrop Jacob Schiff. In der von Miss Wald begründeten Pflcgcrinnenschule ist im Laufe der Jahre ein ganzes Heer tüchtiger Pflegerinnen ausgebildet worden; die Henry-Street-Pflegezentrale hat im vorigen Jahre ein Drittel der ganzen sozialen Mutter-Fürsorge in den drei New-Yorker Bezirken Manhattan, Bronx und Queens übernommen. In einem aktuellen Zusammenhang wurde folgende Anekdote berichtet: Eine der Absolventen dieser Schule heiratete einen Landarzt in Kanada, Dr. Dafoe, der durch die von ihm betreute Geburt der „Fünflingc" weltberühmt geworden ist. Von ihm wird der Ausspruch überliefert: „Alles, was ich über Kinderpflege weiß, habe ich von meiner Frau gelernt." So ist also auch dieses fern von New York liegende Ereignis (das übrigens auch dem amerikanischen Film „The Country Doctor" — deutsch „Fünflingc" — zugrunde liegt) indirekt mit der von Miss Wald geschaffenen Institution verbunden. Miss Wald, so sagt man in Amerika, ist keine Person, sondern eine Institution. Es ist verständlich, daß sich einer solchen Persönlichkeit bei ihrem "0. Geburtstag die Sympathien und die Dankbarkeit weiter Kreise zuwenden. jte^ /( /<./t/ee ALLIGATOR^!' •\ o s Vi n d gute Lederwaren UNSERE VERKAUFSGESCHAFTE: Feiice Ravenna Berlin, Tmientzienstraße 16 Hamburg, Junijfemstiej 43 Köln «. Rh., Hohe Straße 115 Essen, Limbeckerstraße 10 Essen, Am HauptbahnhoflÖ Bochum. Kortumstrsße 67 Frankfurt.M., Roßmarkt 15 Zentrale: Offenbich a. M. Wuppertal-Elberfeld, Herzogstraße. 36 Dem kür/lieh im 67. Lebensjahre verstorheuen Präsidenten des Verbandes Judischer Gemeinden Italiens, einem der ältesten italienischen Zionisten Italiens, werden in der italienischjüdischen Zeitschrift „Israel", der wir das nebenstehende Bild entnehmen, eine Reihe von ausführlichen Nachrufen und Würdigungen gewidmet. An dem Begräbnis in Ferrara nahm der Vizepräfekt Comm. Morandi in Vertretung der italienischen Regierung teil, ferner noch eine Anzahl von anderen italienischen Persönlichkeiten und lokalen Würdenträgern, die bedeutendsten Rabbiner Italiens, und Vertreter der Jüdischen Gemeinden des ganzen Landes, Vertreter der Zionistischen Organisation Italiens und sämtlicher größerer jüdischer Institutionen. l!lliiliiiiJiiiiiHiii!i!iiiiiiilliii:!liiiniiiiiiiiiiiimii::!'(m Bibliothek des Nobelpreisträgers Burnny der Jerusalemer Universität geschenkt IL k. Stockholm, 7. April Unter der Leitung von Dr. Wlad. W. Kaplun- K o g a n, der dieser Tage Schweden besucht, wurde _ in Goten bürg ein Kollegium der Universität gegründet» dem hervorragende jüdische und schwedische Persönlichkeiten beitraten, u. a. Dr. Carl Mannheimer (I- Vorsitzender der Gotcnburger jüdischen Gemeinde), Prof. Ernst Gassir er'(früher Hamburg), Prof. Ernst Nachmanson, Prot. Torny Segerstedt, der Direktor der Siadtbibiiotbek S. Hallberg sowie Rektor Sven Oh Ion. Das finanzielle Resultat war überaus zufriedenstellend. In der alten Universitätsstadt Upsala fnncl im Hause des Dozenten Hugo Valentin ein Univcrs Hals-Tee statt, dem berühmte Wissenschaftler und Intellektuelle beiwohnten und mit größtem Interesse Dr. K.ipHsn-Kogans orientierendem Vortrag folgten. Dem hierbei gebildeten Komitee traten der hervorragende Orientalist der Upsalacr Universität, Prof. Henrik N y b e r g, bei, ferner der Literaturhistoriker Prof. Anton Blanck sowie der Theologe Prof- A. Friedrichsen und die Witwe des früheren Erzbischofs Söderbio m. Die Witwe des Nobelpreisträgers Hob. Barany stiftete die gesamte Bibliothek ihres Gatten, bestehend aus 7000 kostbaren Sonderdrucken sowie einer großen B ü c h e r s a m in 1 u n g für die Jerusaiemer Universität. _ Ein Pionier des Films. Der Filmproduzent Adolf Zu kor feierte kürzlich in Amerika sein „Silber-Jubiläum", d. Ii, 25 Jahre seiner Tätigkeit als Haupt der I'aramount-Filmgcselischaft. Aus diesem Anlaß wurde ihm ein Bankett gegeben, und Zukor selbst veröffentlicht in der „New York Times" einen autobiographischen Ruckblick. Geboren IS73 in Ungarn, war er und sein Bruder zunächst zum Rabbiner bestimmt. Der Bruder Arthur wurde Rabbiner in Berlin, während Adolf mit 16 Jahren nach Amerika kam, mit 25 S in der Tasche. Seine erste Anstellung in einem Pclzgeschäft brachte ihm ein Gehalt von wöchentlich 2 8. Allmählich gelangte er zu einem eigenen Pelzgeschäft in Chikago und ging dann im Jahre 19Ö0 in New York zur „Vcrgnügimgsindustrie" über. Er ist einer der Pioniere der F i 1 m i n d u - strie zu einer Zeit, da der Film beim Publikum noch keine so willige Aufnahme fand. Er hat nach verschiedenen Fehlschlägen unermüdlich an der Verbesserung der Filmtechnik mitgearbeitet und trat am 12. Juli 1912 mit einem Sara-Bernhardt-Film vor die Oeffcntlichkeit. Die Herstellung hatte für die damaligen Verhältnisse sehr große Summen beansprucht und bedeutete daher ein gewaltiges Risiko, das sich aber bezahlt machte, da dieser Film, den alle Berufskollegen als ein „verrücktes Linternehmen" verlacht hatten, ein großer Erfolg wurde. Seit jener Zeit hat Zukor 1S03 Filme produziert.