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Jüdische Rundschau · 1937-04-09 · Heft 28 (9.4.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 28 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28,9. IV. 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Literatur zur Mandatsfrage Zionistische Vereinigung für Deutschland Gruppenverband Rheinland-Westfalen Zionistentag für Rheinland-Westfalen in Essen am 17. und 18. April 1937 im Jugendheim, Soarbrlloker Straße 2 Alle organisierten Zionisten werden herzlichst eingeladen Samstag, 17. April, nachm.: Oneg Schabbat <Ltg. Dr. Kaleko>, abends: Kundgebung und Film „Hatikwah". Ansprache: Dr. Franz Meyer, Berlin Sonntag, lS.Aprit: Arbeitstagung. Redner: Dr, Franz Meyef, Dr. Geor? Josephthal_____ Keil Macaulay! Mandates. Reasons, Results, Reinedies. — Verlag Methuen & Co., Ltd., London. Permanent Mandates Commission. Minutes of the 30. Session. — Lcague of Nations, Ocneva. Das Buch Macaulays ist in seinem Hauptteil eine temperamentvoll geschriebene Streitschrift, die die Frage der Zurückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien erörtert. Der Ausgangspunkt des Buches ist jedoch eine Kritik am Mandatssysfem selbst. Der Verfasser hält es für einen Fehler, daß man auf Grund der Völkerbunds-Ideologie von 1918 das Wort und den Begriff „Mandat" auf die von der Entente übernommenen Kolonialgebiete zur Anwendung gebracht hat, weil dadurch eine gewisse Zweideutigkeit bezüglich der Zukunft dieser Gebiete entstanden sei. Das Wesen des Mandats liegt nach Macaulays Meinung praktisch in folgenden vier Punkten: 1. Sorge für die Wohlfahrt der Bevölkerung. 2. Offene Tür fü/ den Mandel mit allen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes. 3.' Keine Militarisierung und 4. jährliche Prüfung durch die Mandatskommission, ob diese Bedingungen erfüllt werden. Von der „Permanenten Mandats- Kommission" halt der Verfasser nicht viel. Er meint, daß außer Lord Lugard, der im Juni 1936 zurücktrat, die Mitglieder der Kommission nicht sehr eindrucksvolle Persönlichkeiten waren. Die Verhandlungen zeigen häufig eine doktrinäre Auffassung, manchmal geradezu Pedanterie. Es sei ein Zeichen der englischen Gutmütigkeit, daß England 17 Jahre lang mit größter Geduld alle von der Mandatskommission geforderten Materialien vorgelegt und ihre Fragen beantwortet hat. Was speziell Palästina betrifft, dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist, so ist Macaulay auch darauf nicht gut zu sprechen. In Palästina sei der Versuch gemacht worden, „den Völkerbunds-idealismus mit einer unangebrachten Sentimentalität für das jüdische Volk in Einklang zu bringen". Der in diesem Satz ausgedrückte Acrgcr richtet sich aber offenbar weniger gegen die Juden als vielmehr gegen die Tatsache, daß das Gebiet nicht einfach zum Bestandteil des Britischen Reiches erklärt wurde. Der Verfasser behandelt dann in ein paar Seiten die Lage in Palästina, wobei manche Bemerkungen von Interesse sind, weil sie uns gewisse, uns geläufige Tatsachen mit Augen eines andersgearteten Beschauers sehen lassen. So z. B. sagt der Verfasser, die Beschwerden gegen den vorgeschlagenen Legislative Council seien berechtigt, denn in diesem würden notwendigerweise die Juden durch ihre wirtschaftliche und intellektuelle Uebermacht die Vorherrschaft haben, so wie es jetzt schon in den neuen Munizipalitäten, wo Selbstverwaltung eingeführt wurde, der Fall sei. Der Ausschluß arabischer Arbeiter von jüdischen Böden sei unvereinbar mit der Erklärung des Zionisten-Kongresses von 1921, wonach Palästina als gemeinsames Heimatland für beide Völker entwickelt werden soll. Neu ist die Bemerkung, daß die Türken 1918 mit den Arabern einen Separatfrieden abschließen wollten und ihnen dabei die gleiche Selbständigkeit versprochen hätten, die ihnen England zugesichert hat, was die Araber aber aus Treue gegen England ablehnten. Heute, so betont der Verfasser, sind die palästinensischen Araber ehrlich überzeugt, daß England das ihnen gegebene Wort gebrochen hat. Ebenso überzeugt sind die Juden, daß England sie durch die Nichterfüllung der Balfour-Deklaration getäuscht hat. (Die Angabe des Datums der Balfour-Deklaration 1919 statt .1917 ist wohl nur ein Druckfehler.) An all dem Uebel ist Ursprache und Hebräisch Die Bemerkungen Leo H i r s c h s über die „Ursprache" in seinem Esperanto-Aufsatz („Jüd. Rundschau" Nr. 26) geben Anlaß, daran zu erinnern, daß im Mittelalter und darüber hinaus das Hebräische vielfach für die Ursprache gegolten hat. Der große Humanist, Johann R e u c h 1 i n, der Begründer des wissenschaftlich-methodischen Studiums der hebräischen (wie auch der griechischen) Sprache für Deutschland, drückt diese seine Meinung in „De arte praedicandi" einmal so schön und pathetisch aus, daß seine Worte heute, wo das Hebräische im jüdischen Volk eine Renaissance erlebt, in die Erinnerung zurückgerufen zu werden verdienen: „Die hebräische Sprache ist unverfälscht und rein, kurz und heilig. Es ist die, Sprache, in der Gott mit den Menschen, die Menschen mit den Engeln geredet, von Angesicht zu Angesicht. Sie bedarf keines kastalischcn Quells, nicht des dädonischen Baums. Alt ist sie wie keine andere; außer den in ihr geschriebenen gibt es keine Denkmäler vor dem Trojanischen Krieg, erst 150 Jahre nach diesem singen Homer und Hesiod. Und trotz ihres Alters ist sie die reichste der Sprachen, die anderen, arm und dürftig, schöpfen aus ihr als ihrer Urquelle." Reuchlin, der diese — allerdings vorwissenschaftliche — Meinung bekanntlich in seinem Kampf gegen Pfefferkorn auf die heroischste Weise dokumentierte, war auch der erste deutsche Gelehrte, der von Juden Hebräisch lernte — zuerst von dem Leibarzt des Kaisers Maximilian, dem Jakob Jcchiel L a o n s, und später von dem römischen Kabbalisten Obadja Storno. — Aber er hatte darin und auch in der hohen Schätzung der heiligen Sprache bereits auf der Höhe des Mittelalters einen Vorläufer: den englischen Franziskaner, Naturwissenschaftler, Magier und Sprachforscher Roger Bacon (1214—1291). Er trieb, wie Reuchlin, mystische Studien und mußte sich schon deshalb dazu getrieben fühlen, Hebräisch ■—MAGISTER KIRSCH—, Der flute Llk&r Manl atar-Likörf abrik, Manchen VII. In Berlin zu btiith. durah dla WelngroBhandlung Bernhard Brauer, BurgttraBe 3 / Rull 8143 40 zu lernen, um dem mystischen Sinn der Worte und Buchstaben der heiligen Schrift nahezukommen. Aber darüber hinaus war Bacon schon mehrere Jahrhunderte vor Reuchlin von einem ähnlichen sprachforscherischen Geist wie dieser beseelt. Auch er hatte in jenem Jahrhundert, das in England bis zu ihrer Ausbreitung (1290) voll war von Bedrückungen und Verfolgungen der Juden, jüdische Lehrer, deren Namen leider nicht überliefert sind, und fand auch gelegentlich starke Worte zur Verteidigung der Juden. Bacon, der seine vorweggenommene humanistische Gesinnung im tiefsten Mittelalter mit einem Leben voll von Verdächtigungen und Nachstellungen büßte, befaßte sich öfter mit dem Problem der „Ursprache". Er hielt Hebräisch, Chaldäisch und Arabisch für Dialekte ein und derselben Sprache und sah auch das Griechische und Lateinische in Abhängigkeit von dieser. Von der hebräischen Sprache sagte er mit ehrlichem Bedauern: „Nos theologi ignoramus ipsa alphabeta" (Wir Theologen kennen ja nicht einmal das Alphabet). Er empfahl das Studium des Hebräischen zu bestimmten Zwecken: um das Kirchenregiment zu verbessern, um die Theologie und die anderen Wissenschaften zu fördern, um das Christentum weiter auszubreiten und den Unglauben zu vertilgen. Trotz oder sogar das Mandatssystem schuld! Der Verfasser erklärt aber, es sei unmöglich, daß Großbritannien das gegebene Wort zurücknehme, weder den Arabern noch den Juden gegenüber, und so bleiben nur zwei Auswege: Entweder die Einwanderung der Juden geht weiter, bis beide Bevölkerungsteile gleich stark sind, und dann wird ein Gesetzgebender Rat auf Grund allgemeinen Wahlrechtes versucht; es sei aber sehr unwahrscheinlich, daß ein solcher Plan nach der Verschärfung der Gegensätze durchführbar sein wird. Der andere Ausweg ist, Palästina nach Schweizer Vorbild in Kantone einzuteilen. Dieses System könnte unter der Leitung wohlwollender und sorgfältig ausgewählter britischer Beamter viele der Probleme des Palästina-Mandats lösen. — Das Buch von Macaulay ist das Dokument eines naiven und unverhüllten Imperialismus. Es ist bemerkenswert, daß ein Mann wie Sir Edward Grigg dem Buch ein Vorwort vorausschickt, in dem er sich freilich von den Ansichten des Verfassers etwas distanziert. Immerhin dürfte das Buch mit seiner starken Abneigung gegen das Mandatssystem als ein Teil der öffentlichen englischen Meinung charakteristisch sein. Inzwischen ist das Protokoll der 30. Sitzung der Permanenten Mandats-Ko in misston erschienen (offizielle Publikation des Völkerbundes Nr. C. 500. M. 313 1936 VI), die vom 27. Oktober bis 11. November 1936 stattfand. Das Protokoll enthält in der Hauptsache die Prüfung der afrikanischen Mandate, doch wurde auch über Palästina gesprochen. In der ersten Sitzung, in der der Vorsitzende, Vizepräsident Orts, den an Stelle von Lord Lugard eintretenden englischen Vertreter Lord 11 a i I e y begrüßte, wurde ausführlich die Frage der Prozedur mit Bezug auf die Prüfung der Palästina-Unruhen besprochen. Bekanntlich hat die Mandatarmacht mitgeteilt, daß der Bericht der Kgl. Kommission abgewartet werden müsse, bevor England das Material vorlegen könne. Der Vorsitzende betonte aber, daß man nicht ein ganzes Jahr verstreichen lassen könne, ohne daß sich die Mandats-Kommission mit einem Mandatsgebiet befaßt, das acht Monate hindurch so schwere Unruhen durchmachen mußte. An diese Frage spann sich später noch eine Debatte über die aus Palästina eingelaufenen Petitionen, zu deren Prüfung eine Subkommission eingesetzt wurde. Im Anhang sind die Palästina betreffenden Petitionen summarisch aufgeführt. Von 30 eingelaufenen Schriftstücken waren 9 von jüdischer Seite und 21 von arabischer Seite. Darunter befinden sich 3 Kundgebungen aus Indien, die gegen das Mandat als solches protestieren. Unter den jüdischen Petitionen sind 4 Telegramme von revisionistischen Ortsgruppen in Amerika und 2 Briefe von Niederländischen Zionistischen Organisationen. Abgesehen von dem hier angeführten Einlauf ist noch eine weitere Denkschrift vermerkt, die von dem arabischen Propagandabüro in Genf ausging und die Widerrufung der Balfour-Deklaration fordert. Diese Petition wird nicht angenommen, da sie mit dem Text des Palästina-Mandats unvereinbar ist. — Das sorgfältig zusammengestellte, übersichtlich geordnete und mit einem guten Sachregister versehene Protokoll wird wie immer den Interessenten für Mandatsfragen gute Dienste leisten; es gehört zu jener umfangreichen offiziellen Literatur, die im Zusammenhang mit dem Mandatssystem, ohne Rücksicht auf Machtfragen und auf die im Hintergrund lauernden, von Macaulay so unsanft angefaßten politischen Probleme, in den letzten Jahren entstanden ist. wegen dieser Ziele wurde er von seinem Ordensregiment als Ketzer gebrandmarkt und in Haft gehalten. Die mittelalterliche Welt aber erkannte ihm den Ehrentitel „doctor mirabilis" zu. Er war der einzige Gelehrte seiner Zeit, der sich, obwohl er dem bekehrungseifrigen Orden der Franziskaner angehörte, gegen die gewalttätige Bekehrung der Juden wandte. Er sprach sogar den zu seiner Zeit revolutionären Satz aus, daß es auch unter den Juden, die zur Zeit des christlichen Heilands gelebt hätten, große und heilige Männer gegeben habe. Zu all dem aber kam er durch sein Versenken in die hebräische Sprache. Hermann Sinsheim er Frankreich Im östlichen Mittelmeer. Unser Pariser K - Berichterstatter schreibt: General Weygand, der frühere französische Generalstabsclief und der intimste Mitarbeiter Marschall Fochs, weist in der „Revue des Deux Mondes" auf die Anstrengungen hin,'die England wie Italien in letzter Zeit gemacht haben, um ihre militärische Stellung im Mittclmeer zu unterbauen, und betont, Frankreich besitze gleichfalls im östlichen Mittclmeer lebenswichtige Interessen. Wie für England stellen auch für Frankreich das Mittelmeer und das Rote Meer imperiale Routen dar, da sie die Verbindung mit einer der wichtigsten französischen Kolonien, mit Indochina, sichern. Der General fordert, daß im Rahmen der endgültigen französisch-syrischen Regelung diese Lücke geschlossen wird. Frankreich muß an der syrischlibanesischen Küste einen großen Flotten- und Luftstützpunkt schaffen, entweder in Alexandrette oder in Tripoli. Ein gewisser Ausgleich für die Versäumnisse Frankreichs wird durch die enge Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich geschaffen, deren Interessen im östlichen Mittelmeer konform gehen. Die Stützpunkte Englands in diesem Teil des Mittelmeers dienen auch den französischen Interessen. General Weygand glaubt, daß eine derartige französische Sicherungspolitik keineswegs die italienischen Interessen schädigt. Die Ausführungen zeigen das Interesse, das Frankreich an der Erhaltung und dem Ausbau der englischen Stellung in Palästina, das jetzt einer der Hauptstiitzpunkte des englischen und damit — wie General Weygand erklärt — auch des französischen Sicherungssystems für die imperialen Routen beider Mächte geworden ist. Vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten. Unter Vorsitz von Dr. I. Schwarz hart fand am 21. März in Lemberg eine Sitzung der Europazentrale der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten bei Anteilnahme von elf Mitgliedern der Leitung statt. In den Beratungen wurde die gegenwärtige politische Situation in Palästina, die Lage in der allgemeinzionistischen Bewegung in den einzelnen Ländern, des Irguns der allgemeinzionistischen Arbeiter in Palästina, der allgemeinzionistischen Jugendorganisationen in der Gallith, sowie die Grundsätze der Kongreßplattform des Verbandes besprochen. Der Vorsitzende der Landesorganisation für Westgalizien und Schlesien,, Dr. Ch. Hilf st ein, wurde in die Leitung kooptiert und es wurde unter anderem beschlossen, eine gemeinsame Sitzung der Europa- und Palästina-Zentrale vor der nächsten A.-C.¬ Sitzung, sowie die V. Weltkonferenz des Weltverbandes anläßlich des XX. Zionistischen Kongresses einzuberufen. Keine Aenderun&en hebräischer Namen in Oesterreich. In dem Amtsblatt der österreichischen Bundespolizei wird nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die Abänderung biblischer oder hebräischer Vornamen in ähnlich klingende oder deutsche Vornamen nicht erlaubt sei und Uebertretungen bestraft werden. Das Pleueste i*% Vmmzz Die 37. Jahreskonferenz der Zionistischen Vereinigung für Großbritannien und Irland ist für den 22. und 23. Mai nach London einberufen worden. Als Redner sind u. a. die Marquise Reading, der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim W ei/mann, Rev. M. L. Perl zweig und Prof. Brodetsky angekündigt. Die Zionist Federation for Great Britain and Ircland veranstaltet am 11. April ein Bankett zu Ehren von Oberrabbiner Dr. lsaac llertzog anläßlich seiner Abreise nach Palästina. Den Vorsitz bei der Veranstaltung wird der Präsident der lewish Agcncy und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Wcizmann, führen. Ansprachen werden Oberrabbiner H e r t z o g, die Marquise Reading, Prof. Brodetsky, C.'ipiain Cazalet, (ler Präsident des Board of Deputics, Neville I.aski, und andere Redner hallen. Wie der „Dailv Telegraph" meldet, hat Sam Jacobs, jü« disches Mitglied des K a n a d i s c h e n P a r 1 a m c n t s, seinen Austritt ans der Parlamentarischen Ri-ichsvereimgung (Empire Parliamcntarv Association) erklärt, ueil sein Name von der Liste der zu 'den Krönuiigsfeivriirhkeitcii zu entsendenden Delegation dieser Vereinigung gestrichen worden ist. Jacobs gehört der Kanadischen Vereinigung 2> Jahre an und wurde von ihr als eines der acht Mitglieder für die Delegation vorgeschlagen, die Mutter-Vereinigung in England aber hat diesen Vorschlag abgeändert, und es" wird vermutet, daß dies geschah, weil er Jude ist. Nach der Meldung des Blattes dürfte die Frage im Kanadischen Parlament aufgeworfen werden. Der französischen parlamentarischen Uutersuchungskommission, die sich mit der Trage der Gewährung des Stimmrechtes an die Eingeborenen von Algier befallt, ist von einer Abordnung der algerischen Juden eine Denkschrift überreicht worden, in der der "Hoffnung Ausdruck gegeben wird, dal! diese Angelegenheit zugunsten der m o h a m m edanis c h e n b'i n g c b o rotte n geregelt werden wird. Von keinem Juden werde gegen die Gewährung des Wahlrechts an die "Mohammedaner Einspruch erhoben. Nachdem in der letzten Zeit in der türkischen Presse eine lebhafte Propaganda dafür entfaltet worden war, daß der öffentliche Gebrauch nichttürkischer Umgangssprachen aufgegeben werde, haben die Juden von Ismir (Smyrna) in allen Synagogen der Stadt 'Versammlungen abgehalten, int denen beschlossen wurde, fortan nur noch die türkisches Sprache öffentlich zu gebrauchen. Damit wird die spa« niolische Sprache und Kultur, die die türkischen Juden jahrhundertelang bewahrt haben, weiter zurückgedrängt. 150 in Sofia lebende jüdische Familien türkischer Staatsangehörigkeit sind aufgefordert worden, das Land zu verlassen, wenn sie nicht bis zu einem bestimmten Termin ein vom türkischen Konsulat ausgestelltes Dokument vorlegen können, das ihre Staatsangehörigkeit regelt. In Leipzig erhielt laut „Leipziger Neuesten Nachrichten1* vom 4. April ein 55 Jahre alter jüdischer Angeklagter wedelt Rassenschande 2 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Im Zuge der Auflösung des Frankfurter Bankgeschäfts A. L. Ansbach er ist das im Besitz der Bank befindliche Beteiligungspaket an der Sektkellerei J. O p p in a n n A.-G. in Würzburg auf eine dem Bankhaus .Merck, Finck fr Co. in München nahestehende Gruppe übergegangen. Auf Einladung der Universität Dorpat wird in der Aula der Universität aus Anlaß des 500. Jahrestages der Geburt von Don Isaae Abrabanel eine akademische Feier stattfinden. Die einleitende Ansprache wird der Inhaber des Lehrstuhls für jüdische Wissenschalt, Prof. Ci u 1 k o witsch, halten. Den eigentlichen Festvortrag über „Die historische Bedeutung Don lsaac Abrabancls" hat Paul G o o d m a n aus London, der Autor einer Reihe historischer W'eike zur Geschichte der Scphardim und der Biograph Moses Montefiores, übernommen. Der Senat des Trinitv-College in Dublin hat einen Lehrstuhl für Hebräisch errichtet und ihn dem Professor Dr. Jacob Wc i n g r e e n verliehen. "im Alter von 83 Jahren ist in Wien Julius Stern, einer der bedeutendsten österreichischen Wirt*chaft*führer, gestorben. Bis zum Jahre 1031 war er Präsident der Wiener Börse und Zensor der Nationalbank. In Budapest verstarb, 60 Jahre alt, der Grubenbesitzer aus Borvslav, R. David Schreiber, ein Enkel des Preliburger Chatam-Sofer, ebenfalls ein Talmudgelehrter von großem Format. Alexander Kipuis ist eingeladen worden, bei den Opernaufführungen der diesjährigen Satzluirgcr Festspiele mitzuwirken. Der vor kurzem 102 fahre alt gewordene Isidor F i n k e 1 stein in Luck, der jahrelang durch die öffentliche Wohlfahrt erhalten werden mußte, hat von seinein in New York QOjährig verstorbenen Bruder Moses, von dem er seit achtzig Jahren nichts mehr gehört hatte, -10000 Pfund geerbt. Als er von der Erbschaft erfuhr, lud er alle über achtzig Jahre alten Juden der Stadt Luck zu einer Feier ein, Palästina-Ausstellung in Jugoslawien. Aus Bcograd wird uns geschrieben: Die Landeszentrale des Kcren Kajemcth Lejisrael in Jugoslawien veranstaltete in Zagreb eine sehr interessante Palästina-Ausstellung. Außer der Tätigkeit des KKL war auf der Ausstellung ein besonderer Kaum der Arbeit der „Wizo" in Palästina gewidmet. Besonders hervorzuheben wären die zahlreichen eindrucksvollen Photos, die der Ausstellung von der Photographitt Dina Goeta aus Tel-Awiw zur Verfügung gestellt wurden. Das Haupt« verdienst für die gelungene Ausstellung gebührt dem Generalsekretär des Kcren Kajemcth in Jugoslawien, Dr. Rudolf B u c h w a I d. Antijüdische Ausschreitungen in Tunis. Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt: Wie jetzt bekannt wird, ist es im März, in Kleinstädten in der Nahe von Tunis zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen. In der französischen Presse werden diese Vorfälle auf die Tätigkeit der tunesischen Unabhängigkeitspartei zurückgeführt, die sich zur Aufpeitschung der Massen der antisemitischen Parole bedient. Der Sonderberichterstatter des „Temps" meint, daß im Falle eines Aufruhrs in Tunis die dortigen Juden die ersten Opfer der Aufständischen sein werden.

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