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Jüdische Rundschau · 1937-04-06 · Heft 27 (6.4.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 27 (6.4.1937)
Date
1937-04-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27, 6. IV. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 „Zionistische Außenpolitik" Aus Südafrika Anaweisungen Wie aus Südafrika berichtet wird, haben in Johannesburg 2000 Ausländer die Anweisung erhalten, das Land wieder zu verlassen. Nach britischen Meldungen handelt es sich zumeist um Jude n, die sich früher in Deutschland aufhielten, sowie um einige Russen und Armenier. (Bekanntlich sah das vor einiger Zeit in Kraft getretene neue Einwanderungsgesetz eine besondere Aufenthaftsbewilligung vor, die den nach Inkrafttreten des Gesetzes Eingewanderten nur kurz befristet gewährt wurde. Nach Ablaufdieser Frist müssen diejenigen, die keine dauernde Aufenthaltserlaubnis inzwischen erhalten haben, das Land wieder verlassen. Wir haben im Leitartikel unserer Ausgabe vom 5. März zu dieser Wendung der Hinge Stellung genommen. — Red.) Geistliche gegen Judenfeindschaft Johannesburg, 30. März. (JTA.) Von der südafrikanischen Geistlichkeit ist eine Aktion zur Bekämpfung der Judenfeind liehen Propaganda eingeleitet worden. In einer von der Exekutive des Witwatersrand Church Council gefaßten Resolution heißt es: „Der Witwatersrand Church Council mißbilligt in schärfster Weise die in Südafrika verbreitete judenfeindliche Propaganda. Der Council ist der Ansicht, daß die christlichen Kirchen Südafrikas durch Kanzel und Sonntagsschulen zurückhaltend gegen die Verbreitung solcher Propaganda einwirken sollten. Die ordentlichen Gesetze des Landes genügen zum Vorgehen gegen Angehörige jeder Rasse in der Bevölkerung, deren Verhalten dem Gemeinwohl widerspricht, und gegen ungesetzliche Aktionen oder gegen Aufreizung hierzu. Der Council stellt mit Genugtuung fest, daß viele Führer unseres Landes in öffentlichen Aeußerungen gegen den drohenden Judenhaß konsequent Stellung nehmen; er betont nachdrücklich die Pflicht der christlichen Bevölkerung, diese Haltung zu unterstützen und, soweit es an ihr liegt, Gewähr dafür zu schaffen, daß es m diesem Lande keine Zurücksetzung einer Rasse und keine Beschuldigungen einer Rasse gegen die andere gebe." Das Budget des Council ior German Jewry In der in Nr. 26 der „J. R." wiedergegebenen Londoner Jta-Meldung über das bei der Tagung des Council in London angenommene neue Budget sind, wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, einige Irrtümer enthalten. So werden die Ausgaben für die Auswanderung nach Palästina aus Deutschland nicht aus dem Budget der Deutschen Abteilung der Jewish Agency gedeckt, sondern aus dem Budget, das der Reichsvertretung zusteht, soweit es sich um die Auswanderung direkt aus Deutschland handelt, bzw. aus dem Budgetposten, der der H i c e in bewilligt wurde, soweit es sich um die Weiterwanderung von Emigranten aus Deutschland von europäischen Ländern nach Palästina handelt. Der Etatposten, der für die Arbeit der Reichsvertretung bewilligt wurde, beträgt nicht, wie in der Meldung angegeben, £ 128 000, sondern Z 137 ö00. Er ist nicht nur für die Berufsumschichtung und Ausbildung von Auswanderungsanwärtern bestimmt, sondern steht allgemein dem Etat der Reichsverfrefung bzw. des Zentralausschusses zur Verfügung. (Die abweichenden Angaben beruhen wohl darauf, daß die Ziffern im Laufe der Verhandlungen mehrmals abgeändert wurden. — A. d. R.) Wolf Neier: Dan und Gad. 1X1 ]t H. Teil Hebräisches Lese- und Lehrbuch für das zweite und dritte Schuljahr, Verlag Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. — Wie uns mitgeteilt wird, erscheint als Fortsetzung der bekannten hebräischen Fibel „Dan und Gad" ein hebräisches Lesebuch. Die Führer der hebräischen Kulturbewegung in Amerika haben beschlossen, die Woche vom 11. bis zum 18. April als „Hebräische Wocli e" zu proklamieren. Die Tätigkeit der Histadritth Iwrith soll verstärkt und ein Fonds von 15 000 Dollar für Kulturarbeit aufgebracht werden. Wir haben seinerzeit auf die Rede hingewiesen, die der Vorsitzende der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, bei einer Mocza der Allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas gehalten hat. In Nr. Ii ist auf einige Punkte dieses politischen Referates seitens unseres palästinensischen Korrespondenten bereit-, luitisch eingegangen worden. Oer volle Text der Rede liegt nunmehr in einer deutschen Uebcrsetrung vor („Zionistische Außenpolitik", eine Rede von Ben Gurion, Hechaluz-Verlag 1W). Die Rede erschließt in übersichtlicher Weise und in eindrucksvollen Formulierungen den Standpunkt eines wichtigen Mitglieds der Zionistischen Exekutive. Die Rede behandelt die Faktoren, die im politischen Kraftfeld Palästinas wirksam sind, und beschäftigt sich zunächst mit dem jüdischen Faktor. Ben Gurion betont, daß auf wirtschaftlichem Gebiete die Selbständigkeit der jüdischen Arbeit notwendig sei, die nicht eine gewollte wirtschaftliche Absonderung von den Arabern, nicht einen Boykott bedeute, da eine der wesentlichsten zionistischen Bestrebungen die Kooperation m i t d e n Arabern sei. Ben Gurion hebt die Bereitschaft der Juden zur Kooperation hervor, ohne jedoch u. E. die zweiseitige Bedingtheit eines solchen Prinzips genügend zu berücksichtigen. Im zweiten Teil der Peile werden sodann die Engländer als politischer Faktor behandelt. Ben (iurion schildert die verschiedenen Motive des englischen Verhaltens und stellt sodann die Frage, ob die zionistische Politik eine englische oder arabische Orientierung haben soll. Er kommt zu dem Ergebnis, daß die Entscheidung in Alle Ihre Bischer belletristische und forha'isscnsdiafllldic fedvr Alt von der Buch Hand In rag am, Xoo Fritz Rlncj Charlottenburg, Joachirnsthaler Straße 43—44 Mitglied Hc<* jüdischen Gemeinde T«lofon: 91 65 06 Zusendung nach allen Stadtteilen dieser Epoche an der e n g I i s c h e u Front fällt und daß es insbesondere die englische öffentliche Meinung ist, auf die es heute ankommt. Ben (iurion behandelt weiter die Bedeutung der Königlichen Kommission, die englischen Interessen und die jüdische Taktik, die vor der Kommission einzuschlagen war. In diesem Zusammenhange weist er u. a. darauf hin, daß Außenstehende unsere Ansichten oft nicht verstehen, und führt als Beispiel das Problem der j ü - dl i sehen Arbeit an. Hier berührt er in der Tat eine Frage, die für einen Außenstehenden wohl besonders schwer zu verstehen ist. Gerade wenn es sich dabei um Kreise handelt, die nationale Bovkottparolen im allgemeinen ablehnen, ist es psychologisch schwierig, ihnen die besondere Lage der Juden in Palästina klarzumachen, die ohne das Prinzip der jüdischen Arbeit zu Ausbeutern billiger arabischer Arbeitskräfte werden müssen, wodurch eine Verewigung des nationalen Gegensatzes auf der sozialen Ebene eintreten und außerdem die Umwandlung des jüdischen Volkes in Palästina zu einer normal geschichteten Gesellschaft unmöglich würde. Weiterhin wendet sich Ben Ourion der Frage des zionistischen F n d 7 i c I s zu. Er weist darauf hin, daß der Zionismus sich nicht au eine endgültige Zahl der Juden im Lande binden kann, so daß der Begriff der jüdischen Mehrheit die Ansprüche des Zionismus nicht definiert. Auch der Begriff des Juden Staates sei hierfür nicht ausreichend. Die Verwirklichung des Zionismus bedeute „d i e volle absolut e L ö s u n g d e r | u d e n f r a g e". Daher sei das Nationalheim für das jüdische Volk mehr als ein fudenstaat. Ben (iurion weist auf die Kritik hin, der diese Formulierung, die er vor der Kommission gebraucht hat, begegnete. In der Tat dürfte es für den Außenstehenden — und es handelt sieh ja hierbei um die Erklärung unseres Zieles für die U m w e 11 — schwer sein, eine derartige Definition zu überschauen, die allzu formal ist und dazu noch gegen die übliche Begi iffsbildutig verstößt, die in einem „Staat" naturgemäß einen höheren Grad der Machtentfaltung sieht als in einem „Nationalheini". Es ist zumindest zweifelhaft, inwieweit das Festhalten an derartigen terminologischen Unterschieden von politischer Wirksamkeit sein kann. Auch trifft eine derart formulierte Unterscheidung nicht den Kern der Sache, um die es heute geht. Im dritten Teil seiner Rede behandelt Ben Gurion den Faktor der Araber im politischen System Palästinas. In diesem Zusammenhange wendet er sich gegen die Begriffe von Parität und B i n a t i o n a I i t ä t. Man verfälsche die zionistische Wahrheit, wenn man sagt, daß Erez Israel das Land zweier Nationen ist. Das Anrecht der Araber auf Palästina sei ein Recht der Bewohner des Landes und gelte nur deshalb, weil sie das Land bewohnen, nicht aber weit sie Araber sind. Demgegenüber sei das Recht der Juden nicht ein Recht der jüdischen Bewohner des Landes; dieses Recht wurde ihnen vielmehr gegeben, weil sie Juden sind, gleichgültig ob sie im Lande wohnen oder nicht. Der Streit gehe gerade darum, inmihch um das Recht auf Einwanderung. Dieses Recht stehe im Widerspruch zur Formulierung „binationaler Staat". Eut solcher Staat müßte jüdische und arabische Einwanderung oder Verbot jüdischer und arabischer Einwanderung bedeuten. Auch in diesem Punkte erscheint der Gedankengang! Ben Gurions sehr stark formal. Der Gedanke des binatronalen Staates, der heute in der Formulierung von politischer Parität einen konkreten Ausdruck gefunden hat, hat mit der Frage der Einwanderung überhaupt nichts ni tun. Er will ja das Mandat als solches nicht aufheben, in dem die Balfour-Deklaration enthalten ist. Fr ist die Formulierung eines Z u k u n f t s z i e 1 s, das die jüdischen Aspirationen mit den gegebenen Tatsachen in Finklang bringt und dadurch überhaupt erst realpolitisch unterbaut. Praktisch besagt er, daß die Rechtsverhältnisse im Lande nicht von der Mehrheit abhängen sollen, d. h. es soll durch ein bestimmtes System der staatlichen Ordnung die Möglichkeit einer Unterdrückung eines Teiles der Bevölkerung durch den anderen ausgeschlossen werden. Der Sinn der Parität liegt also gerade darin, daß bei Anerkennung des jüdischen Rechtes auf Einwanderung, das durch seine Verankerunff im Mandat ein „R e c h t h ö h c r e r Gr d n u n g" ist, sozusagen eine „Ausführungsbestimmung" dazu gefunden wird, durch welche die arabischen Befürchtungen zerstreut werden. Ben (iurion beschäftigt sich weiterhin mit den Problemen des arabischen Nationalismus, von dem er meint, daß er, dessen Methode Gewalttaten und dessen Ziele Herrschaft und Unterdrückung seien, keine nationale Freiheitsbewegung in unserem Sinne sei. Das ist gewiß richtig, da wir selbst ganz andere Vorstellungen von der Verwirklichung unserer nationalen Idee haben als die arabischen Gevvaltpolitiker. Dennoch darf man nicht übersehen, wie groß die Wirkung auch dieser Methoden sein kann, und daß es andere Bewegungen ähnlicher Art besonders im Orient gegeben hat, die dennoch ihre Ziele ganz oder teilweise erreicht haben. Ben Gurion betont daher auch mit Recht, daß ein Weg zur arabischen Natioiialbewegung gefunden werden muß. Er glaubt an einen Bund zwischen den jüdischen und den arabischen Arbeitern, wenn auch dieser Weg nicht der einzige sei, da dazu der Versuch von Verhandlungen mit den arabischen Führern, so wie sie einmal sind, hinzutreten muß. Diese Feststellung ist besonders bedeutsam, weil in den Kreisen der Arbeiterpartei bisher die Theorie vorherrschend war, man dürfe mittlen „reaktionären" Führern der Araber nicht verhandeln, da sie keine echten Vertreter der arabischen Volksinferessen seien. Auch wurde (besonders seit 1029) mit moralischer Entrüstung jede Idee einer Verhandlung mit „Räubern und Mördern'' abgelehnt. Ben Gurion betont aber, wenn wir unsererseits ein Programm der Verständigung aufstellen, so dürften wir uns dabei nicht nur von unseren eigenen Bedürfnissen leiten lassen, sondern müßten die Dinge auch m i t den Aug e n der Araber sehen. Nach einer Auseinandersetzung mit verschiedenen Vorschlägen, die auf diesem Gebiete gemacht worden sind, behandelt Ben Gurion zum Schluß noch den panarabischen Faktor, um mit einer Zusammenfassung des jüdischen Rechtsimpulses auf Palästina zu schließen. Das Referat, dessen Bedeutung im gegenwärtigen Moment auf der Hand liegt, wird insbesondere auch für all diejenigen, die einen systematischen Uchcrblick ül>er die Probleme suchen, nützlich und zugleich ein Anlall zur kritischen Auseinandersetzung mit den Problemen sein. L—n. Nachdruck verboten Alle (auch Uebcrsctzungs-) Rechte vorbehalten?U«TurT?U. Kl ß ß U Z 10. Fortsetzung Die Miklachoth liegen im Keller der Steinhäuser, auf der \bhangseitc. Von einem kleinen Korridor zweigen noch rechts lie männliche, nach links die weibliche Abteilung ab, jede Vbteilung mit zwei Türen, die sich pnarweis gegenül>erliegen, srst zwei Klosetts, dann zwei BrauserSume. In den Brauseräumen, einfachen, grau geölten Wänden, befinden sich zwei Brausen und zwei Wasserhahne und außerdem ein porzellanenes Abwaschbecken. Je nach Initiative des betreffenden Bezirkes sind eine Bank vorhanden, Gardcrobenhnken, ein Spiegel, neben dem Fenster ein Brettchen, um Rasiersoife und Rasierapparat aufzustellen. Unsere Miklachath zeichnet sich von allen anderen Miklachoth dadurch aus, daß ihr Chef der Schuster Fredi aus Köln ist, der neben mir im Zelt wohnt und von morgens bis abends deutsche Volkslieder singt. Zum Beispiel finden wir eines Tages nn der Tür ein apartes Tafelchen aus Fournierholz mit einschiebbaren Namensrubriken und feststehender Notierung der Wochentage, ao daß wir von heule ab die alten zerkril/.elten und schmutzigen Listen nicht mehr brauchen und deutlich in Druckschrift zu lesen ist: Sonntag: Rasctzky, Montag: Akschani, Dienstag: Dajan Sommer, Mittwoch: Schwanitz, Donnerstag: Tisari, Freitag: Bartel, Schabbat: Fredi Weiß. Wir wissen sofort: Kein anderer nls Fredi Weiß hat dieses Täfeichen gemacht. Oder ea befindet sich plötzlich ein sehr patenter Riegel an der Tür, der von außen und von innen zugleich zu bedienen ist und verhindert, daß der Wind die Tür aufreißt und vorübergehende Bachurolh, die zu ihrer Abteilung wollen, mehr Freude von ihrem Leben haben, als ihnen zukommt. Da wir etwa dreißig Mann sind, ist jeder ungefähr jeden Monat einmal an der Reihe. König hat mir einmal erklärt, tvie sehr er diese Pfiichtarbeitcn liebe, sie verbünden ihn mehr mit der Gemeinschaft als alle Sichoth zusammengenommen. Ich für mein Teil muß sagen, daß ich manchmal sehr enttäuscht, bin, wenn nach einem schwerem Arbeitstag Fredi auf mich zukommt und mir sogt: Heute bist du dran. Man muß den Roden scheuern, die Bänke und Becken alscifcn. Man muß das Klosett in Ordnung bringen und das Papier verbrennen. Auch der gemeinsame Korridor will manchmal gesäubert sein, denn die Frauen nebenan säubern ihre Miklachath nur alle zwei Tage, das weiß ich von Ilnnni, und besonders, wenn es Botz gibt, muß der Steinboden im Korridor wieder ausgegraben werden, mit Hilfe eines alten ausgedienten Maadtreiseus, das für diesen Zweck in einer Ecke gehalten wird. * Der Küchendienst am Schabbat ist viel unangenehmer. Während Buchuroih alle zwei Wochen einen Dienstsehabbat Loben, dafür aber einen anderen Tag freibekommen, haben Ilachurim alle sechs Wochen einen Dienstsehabbat, bekommen dafür aber nicht frei. Die Küche von Tel Ilnmon ist eine umfangreiche, von langer Erfahrung entwickelte und ausgebaute Einrichtung. Die Tagesarbeit, verläuft folgendermaßen. Jede Schicht, von der es zwei gibt, eine Frühschicht, die um vier Uhr beginnt, und eine MiKngssehicht, teilt sich gewöhnlich in vier Gruppen. Während die erste Grup|>e, die meistens auch die Führung der Schicht enthält, nach einem tun Abend vorher entworfenen und durch das Tagcstaxif von zwölf Piaster pro Person bestimmten Programm zu kochen l>Cginnt, vor einem riesigen glühenden Herd stehend, der fünfzig und achtzig Liier fassende Aluminiumkessel trägt und von der zweiten Gruppe der Heizer vorbereitet wurde, die nach dem Herd .sofort den großen Wasserkessel für das nucli oben ins C'hndar Ochel geleitete Tecwnsscr und für das unten bleibende Abwaschwasser heizen, beschäftigt sieh eine dritte Gruppe mit der Reinigung und Zubereitung der für das Essen notwendigen Rohstoffe, während endlich die vierte Gruppe den ganzen Tag Geschirr wäscht, in einem dreiteiligen, entsprechend großen Abwaschbecken, wo vorgespült, mit Seife heiß gewaschen und kalt nachgespült wird. So regelt es sieh zwanglos, durch den Bedarf der Arbeit. Die Wäscher, die bei der Frühschicht zunächst frei sind, da das Geschirr vom gestrigen 'Fug, nach Hunderten zählende Teller, Schüsseln und Bestecke, noch sauber im Schrank steht, werden je nach Bedarf den Rohstoübenrbeitern zugeteilt, einer Gruppe, die oft mit Zcmtnern von Kartoffeln und Unmengen von Rüben und Cbazilim zu tun hat. Die Heizer als Leute der Technik werden nach Beendigung ihrer Spezinlarbeit, Vrenn der Tag beginnt, das heißt der Hunger der Vierhundert, an dem elektrischen Aufzug und der Bedienung des Chadar Ocliels angeordnet, auch ein Teil der Rolistuflbearbcitcr und gegebenenfalls ein Teil der Wüscher werden mit dieser Aufgabe betraut, ganz, zu schweigen von der Mittagszeit, wo sich meist die ganze .Schicht, auch die erste Gruppe, olxjn befindet, ausgenommen die Wäscher, denen eine Klingel den Start des Aufzuges anzeigt und die ununterbrochen von oben schmutziges Gesell irr bekommen und sauberes Geschirr zurückschicken müssen. Für Leute, die stände; in der Küche arbeiten, ergibt sich bald der deprimierende Eindruck, daß den ganzen 'Lag ununterbrochen gegessen wird: Kaum kommt das letzte Frühslüeksgeschirr herunter, beginnt, man schon, die Tische im Chadar Ocliel für das erste Slittagsgcschirr vorzubereiten. Hinter dem Mittag marschiert in geschlossenem Zug der Fünfuhrtee und hinter dem Fünfuhiiee eins Abendbrot. Das wiederholt sich täglich, mit, erschütternder Monotonie, wie die Phasen einer präzisen Maschine, die Menschen schenklein aus neben diesem Koloß der Organisation, können manchmal nicht Schritt hallen mit ihm, schreien und rasen nervös um seine Füße. Geschrei und Nervosität charakterisieren dio Atmosphäre der Küche. Besonders die Frauen liegen stündig in Streit miteinander, lassen die hysterischen hohen Stimmen; wie Raketen aufsteigen, wenn irgendeine Sache nicht wunschgemäß verläuft. Es haben sich unter ihnen wichtige Spczialarbeitcrinnen ausgebildet: Die Höchste, die Machsanlciterin ist und den Schlüssel hat zu einem alle Arten von Lebensmitteln und auch einen großen Eisschrank cntlmltcndcn Raum, zwei oder drei andere, die eingeweiht sind in die Bedienungsgeheimnisse einer besondoren elektrischen Maschine, mit der man Kartoffel schälen, Fleisch mahlen, Zwiebel zerkleinern und Eierschaum schlagen kann, und schließlich! noch eine oder zwei, die noch einmal so schnell und noch einmal so fein wie die Maschine mit der Hand Zwiebel zu schneiden verstehen und deren fliegende Hönde bei dieserf Arbeit eine Sehenswürdigkeit darstellen. * Einmal, Freitag abends, kommt Bartel auf mich zu und sagt: Lieber Freund, wir haben morgen zusammen Küchendienst, da können wir zusammen schwitzen. Ich habe schon vier Monate lang nicht mehr mit Bartel zusammen gearbeitet. Da er mich in der kurzen Zeit unserer Zusammenarbeit zu einem Schwitzer und Antreiber ernannt hat, habe ich es bis heute vermieden, mich für seine Arbeit zu interessieren, aber es scheint mir, daß er beim Bau untergekommen ist, daher auch die Freundschaft mit Mak Ssuf, der zur Kwuzath Binjan gehört, übrigens gehen die beiden neulich an mir vorbei, und ich höre, wie Mak Ssuf

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