Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653650--30520-2685074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 4 JODISCHE RÜNDSCHAO Nr. 26, 1. IV. 1937 Das Budget der Wiener Gemeinde Von unserem Berichterstatter JR. Wien, Ende März Wie seinerzeit berichtet, hatte der Kultusvorstand Ende Dezember 10JO ein Budgetprovisorium für die ersten drei Monate dieses Jahres einstimmig beschlossen. Nun trat der Vorstand knapp vor den t'eßachtagen am 24. und 25. Marz in öffentlicher Plenarsitzung zur Beratung und Annahme des H u d g e t v o r a n s c h I a g e s f ü r 1937 zusammen. Das vom Präsidenten der (iemeinde Staatsrat Dr. Fried mann in seiner Eigenschaft als Finanzreferent erstattete Finanzexposee sieht einen Budgetvoranschlag per 1937 in der Höhe von b ill 580 Schilling auf der Ausgaben- und 6006980 Schilling auf der E i n n a h m e n seite vor, so daß sich ein rechnerisches Defizit von 304 000 Schilling ergibt, das durch Steuerreformen und Taxcnerhöhungen eingebracht werden soll. Auch am diesjährigen .Millionenbudget ist als bemerkenswertestes Detail der Posten „Fürsorgewesen" hervorzuheben, der mit 2 7751*00 Schilling nach wie vor seit vielen Jahren den größten Ausgabeposten im Genieindebudgct darstellt. Im vergangenen Janre sind für Fürsorgezwecke rittnl 3 2110 000 Schilling verausgabt worden. Den nächst größeren Posten im Etat bildet das Kapitel „Kultus und rituelle Angelegenheiten" mit 1 110 000 Schilling. Für jüdische Schulwesen- und Unterriehtsange- Icgenheitcn sind im diesjährigen Budget insgesamt 1 036 000 Schilling vorgesehen. Dieser Betrag ist um so bemerkenswerter, als infolge des stetigen Rückganges der Wiener jüdischen Bevölkerung ein Ruckgang der jüdischen Schülerfrcqtienz in den letzten Jahren zu verzeichnen ist. Dies macht sich besonders stark in den Elcmentarklassen bemerkbar. Die Budgetvorlage gelangte zur einstimmigen Annahme. __ Die Beamten-Gesetzgebung: In dem Buche „Dr. Wilhelm Frick und sein Ministerien'.", das zum «». <ivburt>t,ige des Ministers Dr. Frick er-1 .schienen ist, ht Ministerialdirektor Dr. Schütze, der Leiter der Personalabteilung i:n Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern, mit einem Aufsatz über die „Beaiutcnpolitik* im 1 )ntten Reiche" vertreten. Dr. Schütze schildert darin? u. a. die Voraussetzungen und die Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Bcrufsbcamtentums vom 7. April i'M'J, na in en «lieh auch die Durchführung des § 3, der das1 A u > s c h e i d e n der j ü d i s c h e n Beamte n regelte. Naibdem im Jahre 10J5 auch noch der Rest der jüdischen, Beamten (im Sir tue des Rcichsbürgergesetzes) aus dem Staatsdienste ausgeschieden ist, stellt Dr. Schütze als Ergebnis fest, daß es jüdische Beamte im Staatsdienst nicht mehr gebe. Die verhältnismäßig wenigen Mischlinge, die noch auf Grund der Ausnahmebestimmung lies § 3 des Ucrufsbeamtengesetzes im Staatsdienst verblieben seien (Frontkämpfer usw.), würden in Stellen beschäftigt, die wenig nach außen in Erscheinung träten, sie könnten nicht darauf rechnen, befördert zu werden, oder, soweit sie noch nicht in planmäßigen Stellen seien, eine höhere als die Fingangsstclle zu erreichen. Zur Zeit würden Feststellungen darüber getroffen, welche Beamten mit Jüdinnen im Sinne des Reichsburgergcsetz.es verheiratet seic n. Es werde von I all zu Fall geprüft werden, ob sie in ihrem Dienst belassen werden könnten oder in den Ruhestand zu versetzen seien; in leitenden oder in politisch bedeutungsvollen oder sonst in besonders nach außen in Erscheinung tretenden Dienststellen könnten sie keinesfalls verbleiben. Um die jüdische Schule Keine Beherbergung von Jaden im Kreis Frendenstadt Wie wir in Nr. 23 meldeten, hat der Präsident des Reichsausschusses für Fremdenverkehr, Staatsminister a. D. Esser, am 15. Marz eine Verfügung über die Behandlung von J ti d e n in den deutsche ti B ädern und Kurort e n erlassen. Darin wird eine reichseinheitiiehe Regelung für die nächste Zeit in Aussicht gestellt und hinzugefügt, wo Anordnungen ohne das Einverständnis der zuständigen ReichssteNen erfolgt sind, solle von ihrer Durchführung abgesehen werden. In der „S c h v n r? w a 1 d - II e i m a t" (Freudenstadt) wird zu e'isir \n ir |p i i < >t hing na nomm< n. Drs Blatt schreibt: . i^: arä/ : w \\.x e,e helr:,!i>'e im K r r i ■!■ r r u il f n s i a (1 l dl i ' i - <l'i 1' n i i nicht meh: t i h h ' i ■ oiT-iibaiineu , i I u i i i i V v i n Kh i irurif» die 1 ) i h l t i iif veranlaßt, f i ' J I < II r t 11 1 ». i i ( Ii " ls «iil oon d * iui uns Iii r ei.vihntc i rlaß im Wortlaut zit. t, nl i. in,et,en 1 dtiari Di'iimt die Zeitung zu foigeneicm Ergebnis: ' i i i \ t a ii i k.-i ia I>iuli vi It, ni<» es von der k'<i i' i' ii i < 1 i 1 j t*Uil»e im Krees Ii ' i V - , i v. i! ii l t, wir 1 durch i< i ' , i < M il I) i i h äii' 't h hier * ' u \ C ' I i 1 und hmu m 1 >]izti, w>:id< u i. ii i ii . i k ii l ^, dir vn IjLiiehnien mit <!■ ' I 1 l 1 _ „ (!■ I' iL ,< r^U gl«; II, U . , 1 0^gcWuU-s zustande Ehrung eines toten jüdischen Sportlers. Unser Wiener JR-Korrcspondent berichtet uns: Am Vormittag des Landerkampfes zwischen der italienischen und der österreichischen Rcpräsentativinannschaft in Wien begab sich die italienische Mannschaft, geführt von General V a c c a r o, auf den Jüdischen Friedhof, um das Grab des kürzlich verstorbenen Generalsekretärs des Österreichischen Fußballverbandes Hugo Meisl zu besuchen. Die Fußballer, zu denen sich außer den Funktionären zahlreiche italienische Sportjournalisten und Schlachtenbummler gesellten, nahmen vor dem Grabe unter dem Kommando des. Generals Aufstellung und leisteten die militärische Ehrenbezeugung der Faschisten mit erhobenem Arm: „Ca m er ata Ugo Meisl: Presenti!" (Kamerad Hugo Meisl, wir melden uns!) Eine Minute lang blieben alle in stiller Andacht, nachdem der Spielführer vorher einen wundervollen Blumenstrauß am Grabe niedergelegt hatte. Während des Spiels selbst wurde ebenfalls eine Gedaehtnisminute für Flugo Meisl eingeschaltet. Unnötige Mißverständnisse Um die Frage des Verhältnisses von jüdischer Volksschule und höherer Schule ist in letzter Zeit in der jüdischen Oeffentlichkeit, sowohl in Versammlungen wie auch in Presseäußerungen eine Diskussion entstanden, die zu einer Verwirrung der Begriffe geführt hat. Es tut daher not, um unnötige Mißverständnisse zu vermeiden und um Erörterungen, die der Sache selbst nicht dienen können, zu beenden, ein aufklärendes Wort zu sagen. Niemand wird es geben, der nicht den Standpunkt anerkennt, daß die Vorbereitung der jüdischen Jugend durch die Schule in erster Linie dazu dienen soll, sie so lebenstüchtig wie möglich zu machen. Da der Großteil aller jüdischen Jugendlichen voraussichtlich ihre Zukunft im Auslände, d. n. in Palästina und in überseeischen Ländern suchen wird, muß die Schule eine entsprechende Ausbildung geben. Es steht fest, daß in der Mehrzahl dieser Einwanderungsländer — bei Palästina liegt dies besonders deutlich auf der Hand, aber es gilt auch für viele überseeische Immigrationsländer — in erster Linie Menschen in praktischen, manuellen Berufen unterkommen. Aus diesem Grunde muß die jüdische Volksschule, die der Vorbereitung auf diese Berufe dient, das Zentrum des gesamten jüdischen Schulwesens in Deutschland sein und bleiben. Selbstverständlich ist es notwendig, durch zusätzliche Möglichkeiten, die im Rahmen oder im Anschluß an die Volksschule geboten werden, den jungen Menschen diejenigen Bildungsgütcr zu vermitteln, die für das Fortkommen im Ausland besonders notwendig sind, d. h. an erster Stelle die hauptsächlich in Frage kommenden Sprachen. Es kann auch keine Erörterung darüber geben, daß neben diesem Volksschulwesen die höheren jüdischen Schulen Deutschlands, die zum Teil schon seit längerer Zeit bestehen, erhalten bleiben sollen, und es wird allgemein begrüßt, daß die Berliner Jüdische Gemeinde jetzt daran gegangen ist, eine höhere Schule zu schaffen, die ihrem Schulwerk bisher gefehlt hat. Dies wird insbesondere von den Kreisen positiv gewertet, die in einer zentralen Regelung des Schulwesens durch die verantwortlichen jüdischen Instanzen ein erstrebenswertes Ziel sehen. Dabei sollte es aber klar bleiben, daß unsere Tendenz darauf gerichtet sein muß, die höhere Schule in ihrer Gesamtheit für diejenigen jüdischen Jugendlichen zu reservieren, die wirklich durch besondere Begabung für eine spätere Arbeit in geistigen Berufen prädestiniert erscheinen. Die Entscheidung der Eltern allein ist auf diesem Gebiete nicht immer zureichend, da bekanntlich — und recht verständlicherweise — sehr viele Väter und Mütter geneigt sind, die Begabung ihrer eigenen Kinder besonders hoch einzuschätzen. Es ist ja auch nicht so, daß wir den Idealztistand bereits erreicht hätten, daß die materielle Lage der Eltern bei diesen Entscheidungen keine Rolle spielt. Wenn es auch möglich ist, durch Erlaß des Schulgelde« unbemittelten Eltern eine Erleichterung zu verschaffen, so bleiben doch die durch die Zeitdauer entstehenden hohen Ausbildungskosten bestehen, die den Besuch einer höheren Schule und der sich an sie anschließenden weiteren Ausbildung mehr oder weniger zu einem Privileg der begüterten Kreise machen und dadurch den Gesichtspunkt der Auswahl der Begabten stark in den Hintergrund drängen. Aus diesem Grunde muß von all denjenigen Kreisen und Instanzen, die auf die Entschlüsse der jüdischen Eltern Einfluß haben, darauf hingewirkt werden, daß auf diesem Gebiete eine Disziplin Platz greift, die letzten Endes im Interesse der jungen Menschen selbst liegt. Denn es ist klar, daß nur eine verhältnismäßig kleine und durch besondere Leistungen ausgezeichnete Schar späterhin im Ausland im Rahmen geistiger Berufe fortkommen kann, da fast alle Länder der Welt auf diesem Gebiete unter einem Uebcrschuß an Anwärtern leiden. Allerdings kann man in den letzten Monaten die bedauerliche Beobachtung machen, daß die Tendenz der Eltern, ihre Kinder höheren Schulen zuzuführen, wieder übermäßig stark im Wachsen begriffen ist. Dieser Erscheinung gegenüber, deren Kritik die Diskussion ins Rollen gebracht hat, die Augen zu verschließen, wäre falsch. Es handelt sich dabei nicht um eine Propaganda gegen eine qualifizierte Ausbildung, sondern darum, einen gefährlichen Irrweg rechtzeitig zu erkennen und mit dem uns einzig zur Verfügung stehenden Mittel, nämlich durch Darlegung der Sachlage, auf diejenigen, die es angeht, einzuwirken. Hierbei sollten alle Kreise, gleichgültig wie im übrigen ihre jüdischen Anschauungen sein mögen, zusammenwirken, da es um die Zukunft junger Menschen geht, die nur allzu leicht auf eine verfehlte Bahn gelenkt werden können. Jüdisches Leben in Uruguay Montevideo, 12. März 1937, Noch jung ist die Ansiedlung der Juden aus Deutschland in Uruguay, aber jung ist auch die Geschichte dieses Landes, welches nach hundert Jahren Selbständigkeit heute schon in der Lage ist, eine bedeutende Menge von Rohstoffen in alle Teile der Welt zu exportieren. Noch vor wenigen Jahren war es eine kleine Schar von Kaufleuten, Ingenieuren usw., dann setzte in den letzten zwei Jahren die Einwanderung aus Deutschland ein, und jetzt kann man die Zahl dieser Juden auf 1000 Köpfe schätzen, die hier auf fast alle Berufszweige verteilt leben. Jedoch ist diese Zahl klein im Vergleich zur Zahl der übrigen Juden hier, die (wohl 20 000) auf die askenasische und sephardische Gemeinde verteilt, in der ungarischen, bessarabischen, litauischen und deutschsprachlichen Landsmannschaft leben. Zunächst wurde vor ca. 1'/2 Jahren der „Hilfs verein der deutschsprechenden Juden" gegründet, um der dringendsten Not zu steuern. Dann gründete ein kleiner Kreis unter Leitung von M. S.p e y e r, der heute noch erster Vorsitzender ist, die Synagogen-Gemeinde. Zu den hohen Feiertagen im vorigen Jahr wurde bereits ein großer Saal gemietet, um den Hunderten Platz zu schaffen, sonst fand die Andacht noch in kleinen Räumen statt. Man schuf einen Religionsunterricht für die Kinder, eine Mämier- und Frauenchewre. Man baute auf, und so wuchs auch die Zahl der Mitglieder, so daß schon jetzt über 100 Familien in der Gemeinde vereinigt sind. Die Ausdehnung machte ein eigenes Heim notwendig. Dank der zielbewußten Leitung wurde es möglich, ein eigenes schönes Haus im Innern der Stadt zu mieten. In der Mitte der große Lichthof mit dem Tempel, der ungefähr 150 Plätze aufweist, rings herum die Geschäftszimmer der Gemeinde und der Verbände, so entstand das Heim der Juden aus Deutschland in Montevideo. Eine Anzahl Stiftungen erleichterte die Ausgestaltung des Tempels, der am 14. März eingeweiht werden konnte. Der Rabbiner der sephardischen Gemeinde, Dr. A I g a z i, schlug mit einem Segensspruch die Mesusa an und sprach die Glückwünsche aus. Ein Vorstandsmitglied öffnete die Tempeltür und im feierlichen Zuge wurden die Seforim eingebracht. Gesänge vom Vorbeter Ball, von der Chorvereinigung Hanigun wechselten ab und umrahmten die Festansprache des 1. Vorsitzenden. Die weltlichen Aufgaben werden vom Verein der Juden aus Deutschland geführt, welcher sich folgende Aufgaben gestellt hat: 1. Unterstützungstätigkeit; 2. Stellennachweis; 3. Aufbau der Jugendgruppen; 4. Veranstaltung regelmäßiger Vortragsabende; 5. gesellschaftliche Veranstaltungen. H. J a c o b o w s ki Ans Stockholm Stockholm, Ende März Der Palästina-Film „Land der Verheißung" läuft jetzt in einem der größten Stockholmer Kinos und wurde vom Publikum und Presse sehr beifällig aufgenommen. Selma Lagerlöt schreibt u. a.: „Ich meine, daß es ein glücklicher Gedanke ist, diesen Film in die Welt herauszusenden. Muß es nicht einen jeden mit heiliger Freude erfüllen, zu erleben, wie ein brachliegendes, ödes Land aus seiner Erniedrigung herausgehoben wurde?" — Prof. David Katz (anläßlich dessen Ernennung Studenten-Demonstrationen in Stockholm stattfanden Red.) ist dieser Tage in Stockholm eingetroffen, um Anfang April die Professur für Kinderpsychologie an der hiesigen Hocnschule anzutreten. Die gesamte Stockholmer Presse bringt sehr freundschaftlich gehaltene Willkommen- Interviews auf den Wissenschaftler. Gleichzeitig wird ein neues Buch von ihm, „Menschen und Tiere", in schwedischer Sprache, veröffentlicht werden. Maria Spilga, früher an der Mailänder Oper und jetzt in Stockholm ansässig, errang anläßlich ihrer Mitwirkung bei einem Wohltätigkeitskonzert großen Erfolg. Fl. R. Notizen aus Holland Von unserem Berichterstatter RL., Den Haag, 30. März hi der Ersten Kammer teilte der Justiz.minister van S c h a i k mit, daß die Revision des Ausländerrechts in Kürze behandelt werden würde. Die Zweite Kammer verabschiedete das Gesetz zur Regelung der selbständigen Berufsausübung durch Ausländer. Das Gesetz selbst stellt nur eine Ermächtigung dar. Die genehmigungspflichtigen Gewerbez.wcige und Berufe werden im Verordnungswege festgestellt. Das Gesetz ist inzwischen an die Erste Kammer gelangt. In seinem letzten Konzert dieser Saison, das er mit dem Haager Residenzorchester gab, konnte Issay Dobrowen großen Beifall ernten. Vor allem die erste Sinfonie von Schostakowitsch gab Dobrowen Gelegenheit, die besonderen Seiten seines Könnens zur Geltung zu bringen. Der Abepd vvltrde eingeleitet durch das zweite Klavierkonzert von Brahms, das Arthur Rubin st ein in meisterhafter Weise spielte. Bruno Walter verabschiedete sich für diese Saison mit dem Amsterdamer Concertgcbouw-Orchester mit Bruckners 8. Sinfonie. Der Beifall war außerordentlich. Der Abend war auch interessant durch die Weltpremiere von Sam Dresden» Violinkonzert. 1 New Yorker Synagoge verbrannt New York, 2°. März. (JTA.) Das Innere der reich ausgestatteten West End Synagoge der Synagogengemeinde Schaare Tefilla ist nach dem Morgengottesdienst des zweiten Peßachtages durch Feuer vollständig vernichtet worden. Die Thoralade und zwölf Thorarollen sind verbrannt. Der Schaden wird auf 200 000 Dollar geschätzt. 25 Detektive sind mit der Untersuchung der Brandursache beschäftigt. Es besteht der Verdacht, daß der Brand von judenfeindlichen Elementen gelegt worden ist. An einer in der Nähe befindlichen Synagoge waren vor einigen Tagen judenfeindliche Embleme angemalt worden« Der Synagogendiener erklärt, er habe bereits nach Mitter. nacht vor dem Brand zweimal kleinere Brände entdeckt, die er löschen konnte. _______ „Vor Erlaß des Rassengesetzes". Der „Beobachter ata Main" (Aschaffenburg) berichtet: Eine Haushälterin, die von ihrem Arbeitgeber 30 000 Mark geerbt hatte, gab einem Angeklagten, der sich für sie interessierte, ein Darlehen von I40O Mark. Sie klagte den Betrag später ein, und die Parteien wurden in ein Vollstreckuiigsschutzverfahren verwickelt. Der Angeklagte nahm an, daß die Haushälterin seine Ehe zerstören wolle. In einem Schreiben sprach er davon, daB die Frau von ihrem jüdischen Arbeitgeber 30 000 Mark geerbt und lange mit dem Arbeitgeber in einem eheähnlichen Verhältnis gelebt habe. Er machte den Zusatz: „was man heute als Rassenschande bezeichnen würde". Auf diese Aeußerung stützte sich eine Beleidigungsklage der Haushältcrin gegen den Angeklagten. Das Gericht gestand dem Angeklagten zu, daß er von der „Erbschaft" und dem „eheähnlichen Verhältnis" sprechen durfte, nicht aber durfte er den beleidigenden Zusatz machen. Es habe sich da um Beziehungen vor Erlaß des Rassengesetzes gehandelt. Der Angeklagte wurde zu fünfzig Mark Geldstrafe verurteilt, und in der Begründung wurde betont, daß heute nicht jeder berechtigt sei, dem andern mit Konzentrationslager zu drohen, auch sei nicht jeder berechtigt, andere als „Rasseschänder" zu bezeichnen, am allerwenigsten dann, wenn es sich um einen Zivilprozeß drehe. Verurteilung wegen Rassenschande. In München wurde laut „Münchener Neueste Nachrichten" vom 19. März ein 53jähriger Angeklagter zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Bankhaus S. Roßberg 8t Co., Hagen (Westfalen), ist lt. ,,Berliner Tageblatt" vom 27. März von Bankdirektor Bruno Lunk, Königsberg, übernommen worden und damit in arischen Besitz übergegangen. Ihre Umzöge und Transporte jeder Art nach allen Teilen der Welt Gepäckbeförderung / Lagerung Verpackung / Versicherung durch BRASCH & ROTHENSTEIN INHABER HARRY W. HAMACHIR Hauptgeschäft: BERLIN NW40, Lüneburger Straße 22 / Ruft Zweigniederlassungen an ollen verkehrswichtigen Plötzen 35 66 41 1 f