Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 26, 1. IV. 1937 Diskussion der Judenfrage In Ungarn auf der Tagesordnung Von unserm Budapester Korrespondenten daß die ganze jüdische Erneuerungsbewegung in allen ihren Zweigen stark historisch gerichtet ist, daß wir mehr oder weniger „von der Vergangenheit leben", und daß wir eine jüdische Zukunft vor unserem geistigen Auge erblicken können, weil wir die großen Zeugen jüdischer Vergangenheit zu Eideshelfern haben. Diese historische Basis wird sehr leicht übertrieben, sie wird zu einem Historizismus, der von einer selbstbewußten und kraftvollen Jugend nicht geduldet werden" kann, die ja ihr eigenes Wort in der Geschichte sprechen will und sich daher die Leitung durch die Historie stets nur mit einem gewissen Widerstreben gefallen läßt. Ein weiteres zur Kritik Anlaß gebendes Symptom ist die starke Anwendung abstrakt-dialektischer Lernmethoden im jüdischen Bezirk. Die Untersuchung des „Tüpfelchens auf dem i", die Kommentierung der Lehre war das geistige Brot einer langen Kette jüdischer Geschlechter, und diese Art der Beziehung zu den Dingen und Lehren ist auch heute eine der stärksten Ausdrucksformen jüdischer Gedankenwelt. Nun sind gewiß eine erhebliche Zahl jüdischer Menschen gerade für diese Art des Denkens und Lernens prädestiniert, und sie werden sich in ihr wohlfühlen; ihnen steht aber eine große Zahl anderer gegenüber, die keinen Konnex zu derartiger Betrachtung finden können, die ihr mehr oder weniger gleichgültig gegenüberstehen und daher auch niemals den wirklichen Zugang zu diesem Teil des jüdischen Geisteslebens finden werdet!. Schließlich wendet man gelegentlich ein, daß bei uns allzu viel moralisiert wird. Nicht nur daß die Probleme ihrem Ilmfang nach relativ eng sind -- auch dann, wenn sie mit dein wirklichen Leben verbunden sind, sei man allzu geneigt, den Standpunkt des Moralisieren? an sie anzulegen und ihnen dadurch von vornherein einen Zaum anzumessen, der das freie Leben, die ungezügelte geistige Bewegung des Menschen ausschließt. AI! dies hat zu Enttäuschungen geführt. Nicht nur, weil die Menschen bla-iert sind, und nicht nur, weil sie dem Geiste fremd bleiben wollen, können sie den Zugang zu den Bezirken des jüdischen Geisteslebens schwer finden, sondern auch weil in der Art der Darstellung, in der Methode des Studiums vieles eine Schranke für sie Kt. Diese Lrittäusclmng ist eigentlich kein neues Problem. Die Hoffnungen einer jungen Generation des Ostens auf das Leben in Palästina entsprangen nicht zuletzt einer ähnlichen Grundeinstellung. Aus der Geschichte der nationalen Renaissancebewegung kennen wir jenen Sturm der Jungen, der von Berdiezewskv einst angeführt wurde und das Leben, das freie Leben des Menschen, eines jüdisch determinierten und dennoch alle Möglichkeiten in sich enthaltenden Geistes ersehnte. Diese Hoffnung auf den Geist, der aus dem Leben entspringt, ist sicher auch in denen wach, die heute solche Kritik an den jüdischen Bezirken üben. Es ist gewiß kein „Sturm" der Jugend, der daraus entsteht. Dafür ist heute nicht die Zeit und die äußeren Bedingungen sind hierzu nicht gegeben; ein großer Teil der Jungen hat auch die Beziehung zum Geistigen überhaupt verloren und ist ihm mehr oder weniger feindlich gesinnt, nicht zuletzt weil er sieht, daß eine Welt zusammenbrach, die — doch auch! — vom Geistigen her bestimmt schien. Dennoch steht ein ernstes Problem vor uns, das aus den Stimmen jener spricht, die Langeweile empfinden, wenn sie in den jüdischen Bezirk einzudringen sich bemühen. Gewiß ist es notwendig, die jüdische Gesamtheit zur Ehrfurcht vor dem Alten und Ucbcrlieferten zu erziehen, zu zeigen, weiche großen und für alle Zeit fortwirkenden Werte in ihm enthalten sind, und auch den Zugang zu den Methoden zu erschließen, die für diesen Gcistesbereich nun einmal typisch sind. Aber wir müssen durch die Art, wie wir lehren, zugleich deutlich werden lassen, daß es sich bei all dem nur um Bausteine unserer zukünftigen Existenz handelt, nicht um das Leben selbst; Ehrung und Wertung sind erforderlich, um wieder zu unseren eigenen Wesensqucllen vorzustoßen, aber dann — und erst dann — kann das Lebea sich erneuen, kann auch im Geistigen wieder eine Schöpfung beginnen, deren Richtung niemand vorauszubestimmen vermag. Wir brauchen Aktivität bei der Regelung unserer äußeren Lebensbedingungen, um unsere physische Existenz zu erhalten. Es wäre jedoch ein verhängnisvoller Irrtum, wollten wir an ein Nacheinander der Entwicklung glauben, das die Elemente des Geistigen erst dann wieder ordnen und zur Fruchtbarkeit bringen will, wenn die äußeren Dinge bereits geordnet sind. Im Menschen gibt es keine solche Etappen, sondern in ihm, der eine organische Einheit bildet, laufen die Lebensvorgänge parallel und gleichzeitig ab. Nicht anders in einem Volke, dessen einzige Träger ja Menschen sinti. Wenn heute noch zaghaft, aber dennoch vernehmlich eine Kritik gerade von dorther kommt, wo man guten Willens ist, dann gilt es, sie sehr ernst zu nehmen. Wenn wir dann trotzdem glauben, daß unsere junge Generation sich gewissen Beschränkungen im Geistigen einordnen muß, weil man daran nicht vorbeikommt, wenn man wirklich wieder jude werden will, dann sollte es ihr ehrlich gesagt werden; denn nur so werden wir Enttäuschungen vermeiden und in jungen Menschen die Flamme der Aktivität wach halten, die brennen soll, bis sie selbst — oder ihre Kinder — den Zeitpunkt der Wiedergeburt eines vollen jüdischen Daseins erleben, in dem das Leben wieder alle Chancen äußerer und innerer Art besitzt. K. L. Budapest, den 29. März Der „P e s t e r Lloyd" widmet die ersten sechs Seiten seiner Osternuininer einem Artikel des Reiehstagsabgeordneten Imre Nemeth über: „Die Aktualität der Judenfrage" und „Subjektiven Gegenbemerkungen" seines Redakteurs Dr. Georg Käldor. Ersterer, einer der agilsten Mitglieder der sog. Reformgruppe innerhalb der Regierungspartei, der sich besonders mit wirtschaftlich-politischen, sozialen Fragen auch literarisch viel befaßt, sagt u. a. folgendes: Der Antisemitismus ist in seinen Wurzeln eine unheilbare Lrscheimmg, weil er in seinem Innern eine psychologische Frage ist.... Mit dieser Seite der Frage kann ich mich hier nicht befassen, doch halte ich es für notwendig daraitun, auf was für Ursachen ich es zurückführe, daß -die soziale Lage" jetzt auch bei uns die Judenfrage aktuell gemacht hat---- Die drei Ursachgruppen sind nach meinem bescheidenen Dafürhalten die folgenden: 1. Die Ursachen von ephemerer Bedeutung, die von agitatorischem Charakter sind oder aus der Suggestion der Beispielgcbung stammen. 2. Die Sucht der sozialen Reformansprüche nach Befriedigung in der Richtung des vermutlich geringsten Widerstandes. 3. Die Lage und Haltung des vaterlandischen Judentums. Nachdem der Verfasser sich kurz mit den Auswirkungen der in ganz Europa wahrnehmbaren antisemitischen Aktionen und Gegenaktionen, ausführlich aber mit der Enttäuschung der Volkstnassen über die Mängel der politischen Entwicklung beschäftigt hat, kommt Dr. Nemeth auf seinen 3. Funkt: Die Schuld der Juden zu sprechen, wobei ihn seine bisherige Sachlichkeit im Stiche läßt. Gott weiß — so beginnt er diesen Absatz —, wie oft wir völlig leidenschaftslos darauf hingewiesen haben, wie ungesund der Zustand ist, daß die wirtschaftlichen Zentren des Lebens einer Nation nahezu ausschließlich Juden besetzt halten. — Diese Lage ist seit dem starken antisemitischen Wellengange nach der Kommune nicht nur unverändert geblieben, sondern sie hat sich im Gegenteil entschieden zugunsten der Juden gewandelt, mindestens in relativem Sinne. Jedenfalls ist die Judenheit nicht in dem Maße pattperisiert worden, wie die übrigen Schichten der Nation und hat die Kraft ihrer wirtschaftlichen Macht den Interessen der breiten Volksschichten gegenüber zumindest mit solcher Schonungslosigkeit zur Geltung gebracht, wie es auch andere Kategorien mit ihrer sozialen oder politischen Macht getan haben. — Abstoßend wirke die Erscheinung, daß die Judenheit auf allen Gebieten die in wirtschaftlicher Hinsicht häufig unbeholfen tastenden christlichen ungarischen Anstrengungen angegriffen und verfolgt hat. — An dem Anfachen des Antisemitismus haben jene jüdischen Frontkämpfer mitgewirkt, die die Antipathie gegen ihren Kollektivismus durch offenes und ungeschminktes Predigen des Revanchehasses zu mildern versuchten. Aber teil hatten an dieser schürenden Arbeit auch die vom Judentum flüchtenden Juden, weil sie, unfähig, ihre Natur zu verleugnen, bestrebt waren, derart aggressiv und auffällig sich in die christlichen Lebensformen hinüberzuretten. daß auch dies bloß die Antipathien steigerte. Zum Schluß will der Verfasser der Judenheit ein Heilmittel anempfehlen, das seiner Rasse, s e i n« m Volke nützt. Von diesem Standpunkt kann ich der Judenheit, deren Nerven durcli den Antisemitismus natürlich aufgewühlt sind, keinen anderen Rat geben, als daß sie, gleichsam sich sclbstvcrleugnend, mit förmlich selbstmörderischer Opferwilligkeit sieh beeilt, die Krise der ungarischen Missionen mit dem Einsatz von allem, was sie hat und kann, zu lösen. Die Antwort Dr. Käldors will durchaus keine „jüdische" Antwort sein, nur der Brief eines Journalisten an einen anderen, die beide die Wahrheit zu erforschen trachten. Er stimmt in den beiden ersten Argumenten im großen ganzen mit Dr. Nemeths überein, widerlegt jedoch die meisten Vorwürfe, die „das Judentum in wirtschaftlichem Zusammenhang als völkische Einheit «betrachten, dabei aber die Lage seiner führenden Schichten mit der Lage der proietarisierten Schichten des Ungartums vergleichen". Unterredung: mit Marschall Balbo Die Juden in Tripolis Der Gouverneur von Tripolis, Luftmarschall Balbo, hat sich bei dem Empfang, den er anläßlich des Besuches Mussolinis m Tripolis für die Auslandspresse veranstaltete, in einem Gespräch mit der JTA.-Vertreter in Rom über die Lage der Juden in Italienisch-Nordafrika geäußert. Ich zähle, erklärte Marschall Balbo, viele Juden zu meinem engsten Freundeskreis. Wie Ihnen vermutlich bekannt ist, gibt es in meiner Heimatstadt Ferrara eine angesehene jüdische Gemeinschaft, für die ich höchste Achtung empfinde. In Tripolitanien habe ich in den drei Jahren meiner Amtstätigkeit versucht, das jüdische Handwerkertum zu organisieren und die körperliche Entwicklung der Juden durch die jüdische Sportbewegung zu fördern. Die hiesige jüdische Bevölkerung lebt jedoch in Verhältnissen, die gegenüber den unsrigen um 2000 Jahre rückständig sind. Es gibt vici Aberglauben und Rückständigkeit, insbesondere die alte Generation will die Notwendigkeit von Reformen durchaus nicht einsehen. Auf die Frage, ob die Bestimmungen, die das Offenhalten der jüdischen Geschäfte im Zentrum der Städte Tripolis und Bengasi vorschreiben, gemildert werden würden, gab Marschall Balbo keine positive Antwort. Ich finde, erklärte er, daß es ein großer Schaden für die jüdischen Geschäftsinhaber wäre, die Geschäfte an zwei Tagen in der Woche geschlossen zu halten; mit den Bestimmungen war auch beabsichtigt, dem zentralen neuen Stadtteil von Tripolis einen moderneren Charakter zu geben. Denjenigen Geschäftsinhabern, denen nach Erlaß der Verordnung die Handelslizenzen entzogen worden waren, weil sie die Geschäfte am Schabbat geschlossen halten wollten, sind diese Lizenzen wieder zurückgegeben worden. Der musikalische Teil der Festaufführung der Tragödie „König Oedipus" von Sophokles, die anläßlich des Besuches Mussolinis in dem antiken römischen Theater von Sabratha in Tripolitanien stattfand, stand unter der Leitung des berühmten jüdisch-italienischen Musikforschers und Dirigenten Prof. Ferdinando Liuzzi. Auch die Schulung des Proßen Chors war von einem jüdischen Musiker, Fidelio i n z i. durchgeführt worden. Nach der Aufführung sprach Mussolini Prof. Liuzzi die Anerkennung für seine bedeutende Leistung aus. Adv. Carlo Alberto V i t e r b o ist von der Studienreise, die er im Auftrag des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens nach Abessinien unternommen hat, wieder nach Rom zurückgekehrt, _ Zum Schluß kommt die sehr ausführliche Entgegnung zu dem Endresultat: „Wenn der Antisemitismus eine historische Funktion für die Judenschaft besitzt, so nur jene, sich in der Stunde des offenen Kampfes auf ihren Stolz, ihren Mut, ihren Lebenswillen und ihren Glauben an die ewigen Werte der Menschheitskultur zu besinnen, die sie noch immer vor dem bequemen Rezept des Massenselbstmordes zurückgehalten haben." Der Kecskcme"ter Kameradschaftsverein des Turulver« band es hat einen bedeutsamen Antrag angenommen, in dem unter Hinweis auf die jüngsten Vorfälle am 15. März erklärt wird, daß die letzte Stunde für radikale Maßnahmen im Interesse der Jugend geschlagen habe. Die Lösung dieser Probleme könne nicht weiter aufgeschoben werden, denn sonst würden die Führer der Jugend, die die gewalttätigen Mittel stets verurteilt haben, die Leitung der Jugend nicht mehr garantieren können, und diese würde unaufhaltsam den extremen Elementen in die Arme fallen. Deshalb beantragt der Kecskemeter Verein, es möge eine Landeskonferenz sämtlicher Hochschulverbäiide nach Budapest einberufen werden, die im Namen der ganzen Studentenschaft dem Reichsverwescr ein kurzes Memorandum überreichen soll. In dieser Denkschrift soll sich die Jugend ausschließlich mit ihrer eigenen Lage und mit Vorschlägen zur Verbesserung derselben befassen (man denkt dabei an eine gerechtere Verteilung der Einkommen, an eine rasche Bodenbesitzreform, Beseitigung der Stellenhäufungen und Schaffung neuer Arbeitsmöglicbkeiten für geistige und manuelle Arbeiten), wobei alle anderen Fragen, so die Judenfrage, ausgeschaltet bleiben sollen. Großes Aufsehen erregte im Lande die Zeitungserklärung des Professors für öffentliches Recht an der Universität Pc^s, Dr. Koloman M o I n ä r, der als Antwort auf einen auch an ihn gerichteten offenen Brief der Studentenschaft, ob er ihren Kampf billige, u.a. folgendes sagt: „Mich schmerzt es von Herzen, dal! sich unter der unverdorbenen großen Menge der Studenten — die seinerzeit vier Promo» vanten vor den Augen ihrer Angehörigen insultierten — keine zehn Jünglinge fanden, die ihrer Mannespflicht bewußt, sich um die in unritterlicher Weise von einer Ucberzahl Angegriffenen geschart hätten, um sie zu beschützen und die männlichen und weiblichen Besticher der Universität vor seinem Anblick zu bewahren, der der Alma mater nicht zur Ehre gereicht." Hunderte hätten sich ihnen angeschlossen. Nach einigen Tagen hielt es Prof. Molnär wohl für , notwendig, sich dagegen zu verwahren, daß er Philosemit wäre. Auch er sehe mit Bestürzung das Ue berge wicht des Judentums auf manchen Gebieten, er werde stets dagegen kämpfen, aber nur mit gesetzlichen, würdigen Mitteln. Szeged, die Metropole Süilungarns, dürfte wohl die erste Großgemeinde des Landes sein, die sich offiziell für die Palästina-Arbeit erklärte. In einer Großversammlung, in der als Delegierter des Zionistischen Landesverbandes Dr. Nissan Kahan das Referat hielt, ergriff der Vorsitzende der Szegeder Gemeinde und des Geineindedistrikts, Dr. Samuel Biedl, das Wort, indem er u. a. ausführte, 1920 sei er der erste Gemeindepräsident gewesen, der offen für den Zionismus eingetreten sei. Heute müsse man mit den Realitäten rechnen, und dies müßte in Budapest eingesehen werden. Die ungarische Judenschaft müsse aus ihrer separatistischen Isoliertheit heraustreten und die Aufbauarbeit der Jewish Agency mit allen Mitteln fördern. Zum Vorsitzenden des Ungarischen Keren Hajessod-Ausschusses wurde Generaldirektor Dr. Bela S z e g ö gewählt An Stelle des in diesem Jahre verstorbenen langjährigen Oberkurators des Ungarischen Kolcls, Oberhausmitglied Adolf F ran kl, wurde vom palästinensischen Generalrat sein Schwiegersohn, Samuel Kahan- Frank 1, gewählt. Dr. A. F. Rumänische Ausnahmegesetze verfassungswidrig Feststellung des obersten Gerichtshofes Bukarest, 26. März. (JTA.) Die höchste juristische Behörde, der „Conciliul legislativ", der die Aufgabe hat, Gesetzesvorschläge, bevor sie dem Parlament unterbreitet werden, auf ihre Verfassungsmäßigkeit zu prüfen, hat festgestellt, daß Gesetze, die eine unterschiedliche Behandlung von Staatsbürgern auf Grund der Abstammung vorsehen, verfassungswidrig sind. Der Legislativrat hatte sich über einen Gesetzesvorschlag zu äußern, demzufolge Landbesitz von Personen nichtrumänischer ethnischer Abstammung in einem 100 km breiten Streifen an der rumänisch-ungarischen Grenze zugunsten des Staates enteignet werden sollte. Der Atitrag war vor einiger Zeit von einer Gruppe antisemitischer Abgeordneten gestellt worden. Es sollten Angehörige der nationalen Minderheiten, die Ungarn, die Juden usw., die im Grenzgebiet Besitzungen haben, diese verlieren und durch „reinblütige" Rumänen er- HcUmOHH JtefffaOtoH Herren- und Damen-Ausstattangen Berlin SW, Friedridistraße 50-51 setzt werden, damit „die Sicherheit des Landes besser gewährleistet" sei. Der Legislativrat erklärt in seinem Gutachten, daß der Gesetzesvorschlag nicht im Einklang steht mit der Verfassung und den internationalen Verträgen, in denen bestimmt ist, daß zwischen Staatsbürgern kein Unterschied der Rechtsstellung bestehen soll ohne Rücksicht auf ihre rassische, bekenntnismäftige oder sprachliche Zugehörigkeit. Diesem Gutachten des Legislativrats ist angesichts der Bestrebungen, durch Gesetze und Verordnungen eine unterschiedliche Behandlung von Staatsbürgern auf Grund von Rasse und Glauben herbeizuführen, besondere Bedeutung beizumessen. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Welt ich. Berlin . Charlottenburg 9 (auch verantwortlieh für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewcnstein. Berlin W 15. AnieigenIcitcr und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n. Berlin W 15. Gültig Anzeigen ■ Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anleigenvcrwalmni;: Jüdisch« Rundschau» Berlin W 15, Meinckestr. 10. D.A. Februar 34 012. — Druck: Siegfried Scholem, Blrt-SchäReberg.