Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 24-25 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25, 26. III. 1937 Schach Bearbeitet von J. Miese» Jüdischer Stliathkongreß zu Frankfurt a. M. Der in der Zeit vom 8. bis 11. März zu Frankfurt a. M. abgehaltene jüdische S c Ii a c Ii k o n g r c ß hat einen in jeder Hinsieht befriedigenden Verlauf genommen. Der rührige und Rewandte erste Vorsitzende der Jüdischen Schachvereiuigung Frankfurt a. M. (Makkabi), Sicgnninil Steinberg, hatte alle Vorbereitungen in umsichtigster Weise getroffen, und auch die gesellschaftliche Seite der Veranstaltung wußte er mit gewohnter Geschicklichkeit und Liebenswürdigkeit zu leiten. Die Turnicrlcitung wurde von den. Herren Goldstern und Winter tadellos durchgeführt. Das Turnier um die jüdische Meisterschaft in Deutschland ergab folgende Resultate: D e n ersten I1 r e i s, und damit den Titel „Jüdischer Meister für 1937", errang mit bV* Zählern F a j a r o w i c z (Bar Kochba Leipzig). An zweiter Stelle folgten mit je 41/» Zahlern: Haar (Jüdische Schaehvercimgtttig Frankfurt a. M., Makkabi), Mieses (Bar Kochba Leipzig), Kreisberg (Blau-Gold-W'ciü Berlin), Schainowski (lilan-Wcill Hamburg), Strauß (Wiesbaden). Der SchluRstand war: Mundsztuk (Bar Kochba Leipzig) -1, Stern (Wür/burg) 3</s, Winitzki (Bar Kochba Berlin) 3Vü, Hüflein (Bamberg) M.., Präger (Jüdische Schachvereinigung Ininkfurt a. M., Makkabi) 3, Harnik (Jüdische Schachvereinigung Breslau) 2'.'2, Lexaiulrowitsch (Bar Kochba Berlin) 2i,,', Kreiswirth (llakoah Köln) 2, Lehmann (Blau-Weiß Hamburg) 2, Schiftan (Jüdische Schachvernnigung Breslau) Ii,*. Der erste Sieger, Fajarowicz, ist der Schachwclt schon seit Jahren als bewahrter Meister bekannt. Ein kider unvermeidlicher UebclstauJ bei der Veranstaltung war, tktB mit Rücksicht auf die kurze Zeitdauer von vier Tagm, die keinesfalls überschritten werden durfte, das sogenannte Schwei/er System zur Anwendung kommen nuditc. Ls hat al>o nicht jeder mit jedem eine Partie gespielt, sondern von den »cch/ehn Teiliielinurii hat jeder nur mit sieben, durch di» l.o» und den jeweiligen Turuicrstand bestimmten Gegnern zu kämpfen gehabt. Ferner mulite die Hediukziit abgekürzt werden, und es kamen täglich zwei Hunden zur Fi ■ledigung. Bei einem de artigen Turniermodus spielen naliiilich glückliche und iingiüekfiche Zufälle eine rollere keile als bei regulären Turnieren, und nicht mit nreelit wurde daher bei der Sehluiivcoaiiiiiiluug von seiteil Wunsch geäußert, dal) für künftige Zeit zur Verfügung stehen möge, um Partie spielen zu lassen. Turnier-' teilten Perlinatiri (Blau-Weiß Kamiel (Bar Kochba Dresden) mit je 6 Zähersten Preise. Dritter wurde mit 5>,;2 Zählern tnisklnb Blau-Oold-Vt'eif} Berlin), leude interessante Partie wurde in der vierten ternehaftsturniers am 0. Mär/ gespieit. n d i s c h e V e r t e i d i g u n g l der e n d du der Teilnehmer Kongro.-e getsii jeden mit jedem eine Im „(icmisehten Hamburg) und Kami lern die beiden Lew-kowitz (T. 1 he nächste Runde des Mei Harnik W.lli 1. d2 2. i'2—e4 3. 12 —13 4. c-2 i4 5. d4—el5 Aul 5. e!4Xe; YVeiÜ mit Ki 5..... 6. L cl—e3 7. S bl — e3 Schwarz plant evcctucllcs sj.atc 8. Ii dl- -12 9. L fl — .'13 10. S gl e2 11. S e3 ■ US Ui:> ■ r 'ei: wnii Mies Schw, S g8 IG «0 g7 L IU 5 wiU sich nicht einlassen. b ie lit d7c7- S l.i T aB S ,.c -aO hier 7 --b5. d7 -hü — c7 ii 2 -a4, N ■!: eii . in T.in] "»vi t'u st k..uinrt W eiu in ciil.schci.leri.hu Nachteil. 15. K gl — hl war der gebotene Zug. —• l'ntcr der wuchtigen Ang'ilf-luluuiig von sehen de, Gegners Lriiiil nun die an-!h :ii. cd nueh sehr teste weiüe Stellung überraschend schnell zusammen. 15..... (5-441 Kin interessantes, durchaus nkte» m nj weit berech b.iueinejitcr. 16. B3XW ..... Fall» 10. Lc-3—12, so 10. Ld7-~h3 iicbst t-i\(j3 und XU. c5xf4 kornetes '1" f8 CI4 aut weit 11. lw \ * ..0 nur um ant- 10. . . . 17. :■> o2 Kin K»-!> Xt4r, S 1 - 'g5f. 17. ... . 3 a. I, c:3Xl"4 lw. K gl--hl fall; 19. L! )> d Fehler 14, 18. wäre 17. S c2,;f4, L C3 D d8 S l,5Xf4 L B7—(14t 13. e -0 Ii •? J).. 'l4. otlc , II - kling >j'i;>i>,■:;,: fö!•! lub-t parieren. 14..... 15. a2---a4 Ai. I 11 tu der exi- Ulljf 5.1 10. t' :1 tu 10. . . 20. I. 1 Am d. a < - in, i I'.! bicaii. 20. . . 21. T Mit < 14......v3t, so 19...... hall. 19. Kcl-1;2, I i <lß- -!i3 ium Vora arz. I. d7—h3 r ii-- l.eziisi dir P .Schwarz .. J)d8 i el h: 20. . inte der ganzen gciei'.clen Külillui.iel. 0—- 0 Dd8 ~d7 el T :8,<S3 I )n Huiij» T 13 -f2. 22. I. :;5-. 3 I>d7—g4t 23. T el gl .... 2ä. \. e,3X<14 dar! \ve«cn 23... 1 13,-,d3 nicht gi scbchti». 23..... 1. c!4Xc3 24. T eilXg4 Le:3Xd2 Weiß r i b t au f. Das Weihnachiskind. Ein Leser sendet uns das Sonntagsblatt der „I iankiuiler Zeitung-' vorn 14. Marz, ein, wo im Inseratenteil eine aus Deutschland nach Kalifornien ausgewanderte jüdische 1 amilie eine Geburtsanzeige veröffentlicht, die mitteilt, daß „zu Weihnachten 1036'"' ihr zweiter Sohn geboren wurde, der den Namen Thomas Nocl erhielt. „Noel" ist bekanntlich das französische (als Fremdwort auch zuweilen im Englischen gebräuchliche) Wort für Weihnachten. Daß eine nach den Erlebnissen des Jahres 1033 aus Deutschland ausgewanderte jüdische Familie einem Kinde einen Namen gibt, der au das christliche Weihnachten erinnern soll, muß als eine besondere Art von Würdelosigkeit empfunden werden. Die Schüler und Schülerinnen von Mrs. Schindlers Regent's Park School in London gaben am 14. März ein Konzert zugunsten bedürftiger jüdischer Kinder unter Leitung von Frau K. F i c n e m a n n -1 n I ii n d e r. Kinder-Symphonien von llavdn und Keineeke sowie Pianoduette umrahmten die 13 Ltudcnspiele. W. Haas, ein junger Musiker, zeichnete sieh besonders aus. — Für die Kostüme sowie die Bühnenausstattung muß Irma J a f f e besonders genannt werden. Die Zionistische Landesorganisation der Tschechoslowakei wird, wie uns mitgeteilt wird, anläßlich des nächsten Zlonistentagcs eine Organisation« - Ausstellung veranstalten, in der der Besucher ein eindrucksvolles Bild von der Entwicklung und dem Wesen der Zionistischen Organisation sowie ihrer verschiedenen Arbeitsnvdge erhalten soll. Mit den Vorbereitungen dieser Ausstellung wurde der Initiator Walther K o h a e r, Karlsbad, betraut. Briefe an die Redaktion Vergebliches Opfer Jerusalem, den 13. März 1937 An die Reduktion der „Jüdin Rundschau" Sie haben Uber den Mord an dein Arzt Dr. Joseph Lehrs in lieisan belichte! und erwähnt, daü die selbailitaO Tätigkeit diesem Mannen für die arme' arabische Bevölkerung von Arabern iclber nach seinem Tode gewürdigt worden i-t. Aber gerade wegen des h.ihen Idealisinus, den IJ r. l.ihr> hewie-eit hat, ist es nötig »u tagen, dali sein Verhallen geradezu selbstmörderisch w.u. Er ließ sieh dun h Warnungen sn^ar von arabischer Scije nicht, abhalten, naeli der offiziellen liecu.ü^ung des Generalstreiks (der Terror ist nie für beeiidi.'l erklärt worden) seinen Wohnsitz wieder in der arabischen Stadt Iteisan zu nehmen, als einziger Jude. Er handelte also wie ein Mis.demar, der den Tod in der Wildnis nicht srheut, weil er sich dazu beiufen fühlt, eine I.chre zu verkünden. Wahrs. h< inlii h aber w ar ihm der Tod in Hei .an viel sicherer ab dem Missionar «(•cmlwo in aiiikmb!,■ n Waldein. Mit solcher 1 landlunoswei-e ist hier niemandem gedient, vor allein nieht uns Juden, die wir ein neues nutzloses Opfer beklagen und in denen das Gefühl der brbittciunn riatürlieh weiter »r igen muH. Erbitterung nicht nur j;c'j>cn die schuldigen Araber, sondern auch Ki-;cn eine Keoiciung, die nicht imstande oder nicht willen» ist, die Sicherheit im Lande wilder herzustellen. Auch die bewußte Aufopferung des eigenen Lebens kann einem Ziele di. neu und sinnvoll sein; im balle l)r. Lehrs war sie es nicht. S o kann die Lccaing der l'ruhleine, die hier vergeblich der l.osimg harren, nicht angepnilfen werden. Hochachtung -voll Erich Cohn Teppiche Das Bemu»Utte Angebote unverbindlich Möbelstoffe leistungsfähig K (■SniMliiieii Spezialhaus II 1, II M K M F K 1^ I> NOrnt»"» - A Adlrrf.tr. 36 liln.-Charlotten burg, Eine Warnung 22. 3. 1937 An die „Jüdische Rund.-chau", Berlin W 15 Zu lien-gavricl.s warnender Geschichte für Ncucinwandcrer in l'ahi-tina, die sich ebenso und beinahe noch mehr der Tourist zu Geinüle hibren sollte (..fiicl. Rundsthau" vom 19. 3. 1937), sei es (jc-tattet, ein kleines Gegenstück zu belichten: Mai 193ti. Ich befand mich mit meiner brau auf einer Informationsreise in Palästina. Die Unruhen w aren in vollem Gange, und die Einlivimiv lien rieten allenthalben den fremden dringend, sich nach M"gachk.it vorzusehen. AesiRStlHie Gemüter liefen sich das nicht zweimal sagen, und ich weiß von jüdischen Touristen, die so ziemlich ihren ganzen Aufenthalt in F.rcz Israel in ihrem Hotel in Tel-Awiw verbrachten. Das war nun nichts für uns. ScUlieljüch waicn wir dihh ins Land gekommen, um uiogiich't viel davon kennenzulernen. Lines Tages machten wii uns, allen Warnungen zum Trotz, auf die l'oiir durch* Eniek Jesreel. In E j n Gharod, wo wir gastlich aufgenommen wurden, warnte man uns abermals. Gerade in der letzten Nacht waren einige Felder in nächster Nahe des Kibbuz in lirand gc-teckt word<-n. Man lehnte c, beiriullii'h, aber ent.c Iii. ileii ab, uns über Nacht dazubehalten und riet uns umzrikehien. Wir übernachteten in A f u I e, wo wir am nächsten Mcig.ii auf di m bahiihof « inen eben aus Tibriias zunicket kehrten Juden trafen. ,.La«sen Sie sich nicht bange machen'-, sagte er un-.. ,.Fahlen Sie j.; tn..,t hin; Cj ist alles ganz ruhig." l)as gab den Aufschlag. Wir fuhren nach Seinaeh und mit einem Auto nach D e g a n i a Ii, Dort schlug nun aber wirklich alles, was 1 binde hatte, sie überm Kopf zusammen und war geradezu außer »ich, zwei Juden aus Deutschland in .solcher Zeit auf einem Tijul Ingriden zu seilen. Man!>cwitti. te uns mit der gleichen lieb, iiawuidigeu Selbstveistünillichkeii, die uns in allen Kibbuzim begegnet ist, nahm un? aber das Versprechen ab, uns niebt unterhalb der Kwuzah umzutun. lein Mann in Arbeitcrkleidung, der vor Tisch mit uns spiach und sich sehr für uns und unsere Pläne interessierte, riet uns aufs enischied. nste größte Vorsicht an; es sei draußen nicht recht geheuer. Er machte sieh am Nachmittag auf den Weg und besiegte uns ein Auto, das uns na. h Tibeiias bongen sollte, übcrzcugie sich, daß wir einstiegen und Schlott selbst den Schlag. Der Mann war kein andeier als Jo*f Ii a - ratz, einer der Gründer von iJeganinh. AU wir in 'Liberias vor dem Hotel, das uns empfohlen worden war, Iii« Itcii und ausstiegen, kamen zwei Aluoer aul uns zu und richteten Fingen an uns, die wir nicht verstanden. Ich griff instinktiv nach der Tasche, in der sich unsere Barschaft befand. Die Aialier mochten die Bewegung lniiidcuten. Der eine fnl'lc mich mit eisernem Golf am 1 landgco nk, und wir wanden über die Stiche in den nach-ten best, n Laden geiuhrl, wo man un-aie Rucksacke und uns sc'L-t von Kopf bis zu Fuß dui. hsrjehte. Kein Fckchen unserer T.ca heu, kein Winkel de-r Ruck.liehe, die den suchenden Fingern entgingen. Die Durchsuchung fand vor zahlreichen Zuwhaui rn statt, die sie durch die Tür- und Fensterscheiben des Ludens interessiert verfolgten. Da sie nicht das erwarteie Figchnis halle, wurden wir schliehlii h entlassen. ,,Na", saele uns am nächsten Morgen ein Mann, tltr der Szene Wohl b. ig. »..I.iit balle, „Ihre getrige Untersuchung hat ja noch ein Nachspiel gehabt." Wir waren alter viel zu boh, mit heiler Haut davongekommen zu sein und inleiessi, rlen uns nicht weiter dafür, weh her Art wohl das Nachspiel gewesen sein mochte. In diesem Falle war noch einmal alles gut gegangen. Aber es hätte ja leicht anders kommen können, und m möchte ich die Erzählung die-.es kleinen palästinensischen Alxirleuers nicht beenden, ohne mi-b der Warnung Pen - gavii.' b an .\eiici:iwandenr (und Touristen) nachdrücklich anzu.scblicüen. Hochachtungsvoll Dr. Walter Worra London, An die Redaktion der Ilechtsverhältnissc der Auswanderer den 19. März 1937 a 19. ..Jüd. Rundschau" Es ist sehr dankenswert, daß in ihrer Nummer vom 12. Marz von so berufener Seite wie der des Herrn Dr. Emst Krankt n s t £ i n auf die Probleme hingewiesen worden ist. die sich hinsichtlich der privaten Rechtsverhältnisse tler Emigranten ergeben. Bei der Wichtigkeit der Sache sei es gestattet, auf einen Punkt zurückzukommen, in dem dem geschiil /Ich Vcihcscr niehl beistimmt weiden kann, nämlich auf die Frage der F o r m g ü 1 - t i g k e i t von 'l'tsUmeiit c n nach e n g 1 i s c h c rn Recht. Im Gegeii atz zu der von Frankeiistein und atfli von einzelnen englischen Juristen vertretenen Meinung erkennt nämlich dieenglische Rechtsprechung Testamente, die vor der Auswanderung erri" htet sind, als rerhtsbestündig an. auch wenn sie, wie es natürlich ist, der englischen TrMamentsform nicht entsprechen (die maligebende Knis. h. i.lung, aus dein Jahre.1 TJ04, wird mit dem Namen der Fiblas-ciin: „in Estate (NachlaßJot Groos" ziteri; ülmrciti.stimnicnd auch die Kegel 197 des manschenden Lebibuehs von Dice))- bnvviiksain sind dagegen Nachtrage oder neue Testamente, die nach der Erlangung des Wchnsii/es (im englischen Sinne) in England in deutscher Form errichtet werden. Andererseits ist darauf hinzuweisen, daS die engli-ehen Rechtsauffassungcu fib.r die Erlangung eines Wohnsitzevon der ilctits"hen Anschauuiv grundverschieden sind. So hat das Hoiise of Lords 1932 entschieden, dali ein Deutscher, der 36 Jahre, bis zu seinem Tode, ununterbrochen in lenglanrl gelebt hatte, hier auch naturalisiert war, nach den Umstünden des Falls doch noch immer seinen Wohnsitz in Deutschland gehabt halxi. In einem solchen F'alle aber m u Ü auch das nach der L eU-r 1. diu: g in England errichtete Testament nach englischer Rechtsauffassurig der Form des deutschen Rechts entsprechen. Allen Zweifeln wird die Spitze abgebrochen, wenn der Emigrant in England sein Testament sowohl der deutschen privatschriftliclH-n Testamentsforro wde gleichzeitig der des englischen Rechts anpaßt, was gar nicht schwer durchzuführen ist. Der gleiche Rat gilt übrigens auch für die- Vereinigten Staate n. Dort erkennen die Gesetze mancher Staaten (z. B. New York) die vor der Verlegung des Wohn-itzes errichteten Te-tamente als gültig an, wahrend das in den andern Staaten geltende sogenannte common law nur Testamente für formgeneht erachten, die dem Recht des letzten Wohnsitzes des Erblassers entsprechen. Ueber den begriff des Wohnsitzes gelten wieder andere Auffassungen, als in England, die der deutschen Anschauung näher kommen, aller nicht gleichen. Auch hier ist es daher ein Gebot der Vorsicht für den Emigranten, seinen letzten Willen so zu formulieren, daß seine Rechtswirksainkeit nicht bezweifelt werden kann. Ihx hachtungsvoll Dr. Walter Breslauer Zum polnischen Judenproblem Beograd, den 21. März 1837 Sehr geehrte Redaktion! In Kr. 21 Ihres plattes las ich den Hricf von Dr. F. Pyhof, ..Zum polnischen Judenprobleiri". Gesiattcu Sie mir, eler ich das „örtliche Polen", von dem in diesem Briefe ilie Keile ist, durch üitere R< is. n kenne, einiges zu den Meinungen des Dr. Pyhof zu sngen: Wer die Situation dtr jüdischen Mu-sen in Polen kennt, — aus eigener Aiischaiiuug oder eigenem Erleben --. der hat die furchtbare Gewißheit, dali hier eine nach, Zehntausend, n zahlende Masse jüdischer Menschen und staiken jüdischen Volkstums zugrunde geht. „Schwarzmalerei" ist ein liier ganz falsches Wort — unzureichend überdies.—, weil es unter der Wucht der furchtbaren Tatotchen keinerlei Resonanz hätte. Ausichleti gib! es gegenüher die cu \b rhaltnisscn niehl, ebensowenig, wie es wohl umfassende Hilfe geben mag. Ein Ucbpiel, das Lcmbergcr Ghetto: lUkannt dürlte der gtolie Pogrom aus dein Jahre 191y sein. Die Fea. rsbriiii-t, die damals einen giolieii Teil der Juden .ta.U vernichtete, is! heute nicht nur in Spulen sichtbar, nein! Hunderte jü lieber Familien bewohnen diese Ruinen, kaum vor Regen und Wind geschützt. Am Rande der Stallt, einige hundert Meter seitlich des Ghetto-Zentrums, befinden sich inmitten von Schutt und Tjüminern sogenannte „üaiackcnsicdlungeii", ungastliehe Heimstätten der AltiK.iiiu ,tcn. Die^c linden, die ni ht da> sind, was mau gemeinhin liaracken nennt, wurden aus Kisten. Rcklamc-chi!- dern, Konservenbüchsen Usw., in spürbarer Nähe der RiccKelder, aulgeslellt. Unterschlupte von mittlerer Ziminergröile hcherberbergen 2 -5 Familien mit zahlreichen Kindern jeden Alters. In den Kellern (ler Steinbauten am Stadtrand, die durch dienahen Rie elfclder verschlammt sind, ist es genau so elend. Menschen, meist strenggläubige Juden, sitzen dort, au-gc-loscht ü. Ii m deshalb, weil etliche kaum Aussicht haben, je eine Ho.e zu bekommen, mit der sie auf die Straße gehen können. Zu diesem physischmateriellen Grauen, lür das jede Hilfe bisher ein Fing.rhut, geschupft aus dem Ozean von Tränen, war, kommt jener antisemitische Dru. k, der seinen Ausdruck schon für den flüchtigen Betrachter in den Parolen findet, mit denen Hauswände und Zäune bemalt sind. — Dieser schcmaliscbe iiericht aus Lemberg ließe sich, mit unwesentlichen Schattierungen, auf Tarnöw, Rzeszuw, Jaroslaw — auf ganz Ostgaüzien erweitern. Wenn nun Dr. liyhof empfiehlt, besonders im östlichen Polen, einen „kräftigen Bauernstand" zu schaden, so bedeutet das entweder eine völlige Verkennung der Verhältnisse, oder aber eine bewußte Ausschaltung dieser bieiten jüdischen Schicht in Polen, die allerdings verelendet genannt werden mulj. Da letzteres-nicht angenommen werden kann, bleibt tlie Vrrkennuiig der Verhältnisse, die in ihrem Ansinnen auch dann utopisch genannt werden muß, wenn zugleich in diesem Prädikat das Eingeständnis elcr Ohnmacht indischer Selbsthilfe in Polen liegt. Hochachtungsvoll S. A. Jacks iilttiMiimtMittttiiiMitttMiiitMiiMMiMMiiiiiitiirtLrrMiiJi......tftiiriiiiiMriTffiiniiT.fiit......tiiri%iiiiitiiit:<iiiiiiMtii<iintitiii;i......lü.....i!iijiiiiii)iuiittiiis*iMii[Hi!tjtiit[iiii!iiiittit(j:iMiiiiiii<i)if.....JiiriiiiiiiMirititjiiriri«:i i irn-t tiii»Mr*(ii:r»uu4niiiLxrMitiM ummmj Hin Persönliches. Am 26. März begeht Herr Julius L e v i n - söhn, Seniorehef der Schulnvareiifabrik Tramplcr & Co., Weilleiifcls a. d. S„ seinen 70. üeburtsfag. Er ist seit langem der zionistischen Sache treu ergeben und erfreut sich in ganz Mitteldeutschland eines hohen Ansehens. Bei der Bundcsleitung deg Brith Hanoar, Berlin W 50, Augsburger Str. 00, ist eine Broschüre erschienen „15 Jahre Hapocl Hamisrachi" aus Anlaß des 15jiihrigen Bestehens dieser misrachistischen Arbeiterorganisation in Palästina. Das neue Vorlesungsverzeichnis der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums enthält eine Fülle geeigneter Vorlesungen und Hebungen. Nicht nur wird die hebräische Sprache und die Bibel eingehend behandelt, auch der spätjüdischen Literatur von den Zeiten Hilleis bis zum modernen paliistincnsischcn Schrifttum wird Aufmerksamkeit gewidmet. Daß jüdische Geschichte und jüdische Theologie gut vertreten sind, braucht nicht gesagt zu werden. Wichtig sind die allgemeinen wissenschaftlichen Vorlesungen, deren Zahl vermehrt Ist. In der Philosophie wird neben einer Einführung (Metzger) insbesondere Psychologie und Pädagogik (Pricdländer, Baeck) getrieben, in der Geschichte neben Vorlesungen über Antisemitismus im Altertum (Tüubler), der Rechtsstellung der Juden Osteuropas (Stillschweig), das Mittelalter in der neueren Geschichte (Uerncy) sowie die GeSellschaftslchreti tler Antike und des Mittelalters (Liebeschütz) behandelt, dazu tritt Geschichte der Nationalökonomie (Oppenheimer). März 19 37 Nissan 9697 Donnerstag.....25. Samstag (Peftodifeft 1) . 27. Sonntag (Pefsachle»! 2) . 28. Montag 129. Dienstag Chol hnmoed | 30. Mittwodi ' 31. 13......pn r?Yia 14. . . nciG 15. ... « nDD*I 'K Öl1 16.....I10DT '3 Df 17. \ is. u?i»n ^in 19- '