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Jüdische Rundschau · 1937-03-26 · Heft 24-25 (26.3.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 24-25 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24/25, 26. III. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Ein jüdisches Wahrzeichen verschwindet Zum Ende des Baron Orczy'sdien Hauses in Budapest Von unserem Korrespondenten Pest ist eine alte jüdische Siedlung. Bei der ersten ungarischen Judenkonskription vor genau 200 Jahren meldet der Magistrat noch selbstbewußt, Pest sei judenrein. Erst im Laufe der nächsten Jahrzehnte finden wir hier Händler und Hausierer, die aus den benachbarten kleinen Gemeinden, vor allem aus der rechtsufrigen blühenden Kehilla Altofen die neue Hauptstadt aufsuchen, um hier tagsüber ihren Geschürten nachzugehen. Zur Jahrhundertwende zählt man in Pest an 1000 Juden, teils Kornmoranten, teils Tolerierte, die Gesamtansicht des Orezyschen Hauses in Budapest, das zur Demolierung bestimmt ist. sich — um untereinander zu wohnen — in den weitausgedehnten Häusern der Theresienstadt und der benachbarten Neustadt (heute: Leopoldstadt), niederlassen. Sie bauen die Stadt auf, — wie der Palatinus Josef sich zu seinen fürstlichen Gästen geäußert haben soll. Interessant ist allenfalls eine Eingabe der Leopoldstädter Bürgerschaft (1804), in der sie darum ersucht, daß „in unzertrennlicher Verbindung mit der Thtresienstadt zum eigenen und beschränkten Bezirk der Juden Wohnungen bestimmt und festgesetzt werden sollen". Ein eigentliches Ghetto hat es hier wohl nie gegeben, aber wie ein Chronist der 20er Jahre, J. Schanis, sich ausdrückt: Man muß nur hineinblicken in die Königs-, die Zwei- Mohren- und Drei-Trommel-Gasse oder in die anstoßenden Cäßchen und man wird es leicht erkennen, daß hier der Same Abrahams ausgestreut sei. An einer bevorzugten Stelle längs der Landstraße, zwischen den beiden Judenvierteln, stand und steht nun das sogenannte Baron Orczysche Haus, das bald zum geschäftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen Mittelpunkt der Pester Judenlieit werden sollte. Ein nach zwei üassenfronten sich hinziehender Kolossalbau auf einem Areal von 2200 Quadrat-Klafter, also an 8000 Quadratmeter, von denen mehr als die Hälfte mit Gebäudekomplexen bebaut ist und drei mächtige Höfe, eine Anzahl von Querbauten, Lagerräumen umfaßt, hatte das Haus damals den legendären Ruf, daß es seinem Eigentümer stündlich einen Golddukaten Miete abwerfe. In diesem „Judenhof", den einer seiner Schilderer mit Recht einen eigenen Stadtteil nennt, wimmelte es von kleinen Judenkindern, unter denen bald grolle Männer des Judentums heranwachsen sollten. Einer derselben, Adolf A g a!., der Schöpfer des ungarischen Feuilletons, der in seiner „Reise von Pest nach Budapest" die Stadt eigentlich für ihre Bewohner entdecken half, erwähnt u. a. die drei Koryphäen deutscher Schauspielkunst: Robert, B a r n a y, den Sohn des Pester Gemeindenotars, und Adolf Sonnenthal, der an Scnabbat-Nachmittagen im Hause des Rabbiners Schwab zu deklamieren pflegte, sowie zwei ärztliche Berühmtheiten der Budapester Universität: den Augenarzt Prof. Szily, dessen Centcnar eben jetzt gefeiert wird, und Professor Schwimmer, einen der Begründer der Dermatopathologie. Karl G o 1 d ni a r k, der begabte Kantorsohn, mag an den Synagogengesängen in diesem Hause Inspiration geschöpft haben, ebenso der später vom Judentum abgefallene josef Joachim. In diesem Häuserlabyrinth mieteten die „Pester Juden* (Juüengcmeinde durften sie sich nicht nennen) am 15. April 1796 ihr erstes ständiges Bethaus, das später erneuert und'erweitert den Namen „Große oder Alte Schul" führte. Nach der KongrelSspaltimg in den 70er Jahren, als sich die erste orthodoxe Gemeinde in Budapest bildete, pachtete sie diesen Tempel, den sie bis zum heutigen Tage benützt. Ein interessantes Tuschaqtiarell, das uns den „Altar" dieser Synagoge anläßlich der Trauerfeierlichkeiten um den Kaiser Franz I. 1835 zeigt, überrascht durch die bis in die Details gehende Uebereinstimmung mit dein heutigen Zustand. Im Orczysehen Haus befand sich auch das Bethaus der polnischen Juden sowie der Sefardim; ja, als die fortgeschrittenen, liberalen Kreise der Gemeinde darangingen, nach Wiener Muster auch in Pest einen „geordneten" reformierten Gottesdienst einzurichten, erbauten sie 1830 ihren „Kultus- oder Chortempel" knapp anstoßend an den Trakt der Großen, konservativen Synagoge. Ob es dort nach Ausgang der Sonnabend-Andachten immer ganz feierlich zugegangen sein mag? Unser Jüdisches Museum besitzt einen farbigen Stich aus dem Jahre 1833, der das an die Wiener Seitenstättergasse-Syuagoge erinnernde Empire-Interieur dieses Tempels darstellt. Der Raum selbst diente später, nachdem der Gottesdienst 1859 in den neuen Tabaktempej übersiedelt war, verschiedenen profanen Zwecken, war Tanzsaal und Restaurant, Druckerei und Warenlager; die Einrichtung blieb aber erhalten und dürfte jetzt nach Abbruch des Gebäudes im Jüdischen Museum Aufstellung finden. — Und als sollten in diesem Massenquartier sämtliche kulturellen Bestrebungen der Pester Judenlieit ihre Unterkunft finden, wurde 1814 auch die erste jüdische „N a t i o n a I s c h u l e" hier eröffnet, dieselbe Anstalt, deren berühmtester Zögling nach ihrer Ucber- Siedlung ins Gemeindehaus Theodor Herzl wurde. In erster Reihe war das Orczysche Haus freilich Lager¬ und Geschäftshaus, das Zentrum des damaligen jüdischen Ge- Das Innere der „Großen Schul" im Orezyschen Hause heule. wcrbelebens. Hier wurde die Getreide-, die Wein-, die Produkten b ö r s e abgehalten, hier regulierten sich die Preise des Pester Marktes nach Nachfrage und Angebot. Hier bildete sich aber noch eine ganz besondere Spezialität aus: die „L e h r e r b ö r s e". Im sogenannten Orezyschen Kaffeehaus trafen sich um Semesterbeginn sämtliche vakanten Lehrer, Erzieher des Landes und die es werden wollten; hier stiegen auch die Gemeindepotentaten, Familienväter der Provinz, ab, die einen Privatlehrer oder Hausbachur benötigten. Professionelle Vermittler, Agenten waren ebenfalls zur Hand, und nach mehreren „Probevorfülmiugen" wurde das Geschäft abgeschlossen. Für den Kandidaten selbst keine allzu erhebende Angelegenheit. Der bekannte Asienreisende Armin Vämbery schildert in seinen Lebenserinnerungen die Prozedur und Tortur dieser „Vorstellungen", die er in seiner Jugend ebenfalls verkostet hat. „Später, als ich in den Basaren Mittel- Das Innere des ehemaligen „Chortempels" im Orczysche* Hause, fotei: Bortodi, Vmiiftt asiens den Sklavenmärkten beiwohnte, erinnerte ich midi oft dieser Szenen, und nach Jahrzehnten ergriff mich ein ödes, trauriges Gefühl, wenn mich mein Weg vor den unverändert staubig-rauchigen Gewölbebogen des Orezyschen Kaffees vorbeiführte — —" Nun hat die Spitzhacke das Wort. In Wochen oder Monaten wird Glanz und Schmutz, Ruf und Verrufenhert des Orezyschen Hauses verschwunden sein. Damit ist auch die Rolle ausgespielt, die ihm in der jüdischen Geschichte Pcsts durch mehr als ein Jahrhundert zugefallen war. Eine Stätte konzentrierten jüdischen Lebenswillens, jüdischer Lcbensmöglichkcitcn, ein Haus des prosaischen Geschäftes, der geistigen Bildung und der rcligföVn Erhebung: symbolisch die Einheit des seinerzeitigen Menschen und Juden darstellend. Dr. A. Fürst Chateaubriand in Jerusalem. In einem heute vergessenen Werk von F. A. de Chateaubriand „Reise von Paris nach Jerusalem" schildert er auch die heilige Stadt. Daraus sei folgendes wiedergegeben: „Aber laßt uns auch zwischen den Berg Zion und den Tempel blicken. Da wohnt ein anderes Volk, abgeschieden von den übrigen Bewohnern der Stadt. Von allgemeinem Haß verfolgt, beugen diese Unglücklichen ihr Haupt; ohne zu klagen, leiden sie geduldig alle Bedrückungen, ohne Gerechtigkeit zu (ordern, lassen sie sich von den Streichen niederwerfen, ohne zu seufzen, wenn man ihr Haupt verlangt, bieten sie es dem Schwerte dar. Stirbt ein Mitglied dieses geächteten Stammes, wird er von seinen Leklgenossen in nächtlicher Stunde heimlich im Tale Josaphat unter dem Schatten von Salomos Tempel begraben. — Tretet in die Wohnungen dieser Menschen ein, ihr findet sie im gräßlichen Elend. Ihr hört, wenn sie ein geheimnisvolles Buch mit ihren Kindern lesen, die es einst wieder mit ihren Kindern lesen werden. Was dieses Volk vor mehreren tausend Jahren tat, tut es heute noch. Oft sah es Jerusalem in Trümmer fallen, aber nichts kann den Mut ihm rauben, nichts es abhalten, seine Blicke hoffnungsvoll gen Ziou zu richten. Findet man die Juden, nach Gottes Verkündigung, r JZ&seJM*. Gold- und Silberschmiede AUCH ANKAUF BERLIN Wl, Unter den Linden 65 (Hotel Bristol) Q.B, Ii »t«t zerstreut auf der Erde, so wird man ohne Zweifel überrascht; aber von wunderbarem Staunen wird man ergriffen, wenn man sie in Jerusalem sieht, wenn man diese rechtmäßgen Gebieter Judaas als Sklaven und Fremdlinge im eigenen Lande findet, wenn man sieht, wie sie bei allem Druck, der auf ihnen lastet, einen König erwarten, der sie befreien soll. — Perser, Griechen, Römer sind von der Erde verschwunden, und ein kleines Volk, dessen Ursprung hinausreicht über die Eutstehunpszeit jener großen Völker, lebt heute noch unvermischt unter dem Schutthaufen seines Vaterlandes." L. Hör witz, Kasse! Nachdruck verbot»» All« (auch Uebersetzung»-) Rechte vorbehalten sif'Sctes^^. VOXRISffiEI^^Ügg tiiU! V.0*K<xn±vLL>qU uoh. CHA3IA* SCHWARZ TXtTtiloou l£ Iß Ctlf 7 jwtiter Teil. hlOBW«. 8. Fortsetzung Was für eine Zeit, so erzählen heut« Chalazim, die 4her das Essen klagen, daß ihnen ihr damaliger Maskir Tisari Brot zum Mittag gab und einen Löffel Schemen. Der Löffel Schemen und das Brot sind ihnen große Symbole ihrer Pionierzeit geworden, gleichzeitig Symbol des Wandels der Bereitschaften, noch einmal werden nicht solche Pioniere kommen, die auf Tod und Leben Tel Hamon aufbauen. Graue Bilder, es scheint keine Sonne gegeben zu haben, dennoch erzählen die Alten, das gesellschaftliche Leben sei damals besser gewesen als heute. Mit dem Kumihügcl kommt plötzlich Licht in die Photos. Der große Meschek des KumihUgcls ist in sieben Jahren erbaut worden. Es stehen plötzlich drei riesige weiße Häuser einsam auf einem sanften Ilügclabhang. Die Sonne scheint, bringt die Fronten ■■Lvan Aufleuchten. Plötzlieh versammeln sich wie Küken um die Henne kleine Häuser um die großen. Die Photos verbessern sich, man spürt moderne Bildregie. Ein Leiterwagen führt plötzlich den Hügel hinauf, Großaufnahme, mit lachenden Kindern beladen, die wie Blumen stilisiert sind, einheitliehe weiße Kleider tragen, leuchtende Ernte des ßinjan Haare«. Plötzlich häufen sich die Kindcrbilder, herrliche große Aufnahmen voll Sonne und Lachen. Vor zehn Jahren, uninteressiert am Zionismus, habe ich einmal durch Zufall einen schlechten Palästinafilm gesehen. Damals habe ich mich mit Schauer abgewandt vor diesem Unterbelichteten Grau der Entsumpfung, Tatort, habe ich Redacht, so sieht es aus in dem Archiv der Kriminalpolizei. Heute, da Barnowski mir diese Bilder zeigt, mischt sich in die Bewunderung ein Rest jenes alten Schauers. * So sehr ich mich auch gegen Sarah Kinski und gegen Selzer wehre, so wird mir doch in letzter Zeit immer klarer, daß die Begegnung mit diesen beiden entscheidende Erlebnisse sind, daß ich an einem Wendepunkt stehe. Mein jugendliches Gehirn ist reifer geworden, ich ertrage den Verzieht au! die geistige Auffassung von der Chewrah, ohne davon krank zu werden, so ist es nun einmal, nur das, Denken macht die Dingo gut oder böse, es wäre ja furchtbar, wenn der Kibbuz die Tugend gepachtet hätte, wenn unser Leben im sterilen Vakuum verlaufen würde. Das Etsenkorsett lockert sich. Noch fällt es nicht. Aber ich hole zum erstenmal Luft und verstehe, daß ich zum Individuum zurückkehren muß, zu meinem eigenen Individuum, daß die Chewrah hauptsächlich eine materielle Erscheinung sein muß, wenn sie dem Einzelnen Erfüllung bringen soll, und Erfüllung bedeutet: Raum für sich selbst. Neulich habe ich mit Henriette darüber gesprochen, bei der Arbeit. Sic sagte: Kibbuz, das heißt nicht, daß man sich vollständig aullöst in der Chewrah und keine Zeit mehr hat für sich selbst, damit meinte sie die geistige Auffassung, sondern Kibbuz heißt, daß das Leben geordnet ist und gesichert und du Zeit hast, dich zu bilden, deine Privatinteressen zu pflegen, natürlich wird man zusehen, daß bei diesen Privatinteressen irgend etwas Nützliches für die Gesellschaft herauskommt. Jedenfalls meinte sie damit die hauptsächlich materielle Auflassung. Und plötzlich hübe ich wieder Zeit für mich, ohne mich dieser Tatsache zu schämen. Ich gebe Sarah Kinski die eingestaubten Zeitungsausschnitte meiner Geschichten zu lesen, die ich früher geschrieben habe, und Sarah Kinski findet sie gut und gibt sie weiter an den großen Dichter Tel Ilamons, Schwank/., und schon sitze ich eines Abends in einem Zimmer der Schule und habe die Chawerim aus Deutschland eingeladen zu einer Vorlesung deutschsprachiger Geschichten von Dajan Sommer. MÄRZ Und dann ist eines Tages die Panik da, die Panik b«i denen aus Deutschland. Sie nimmt ihren Ausgang vom Gemüsegarten und verständigt sich mit den älteren Deutschen und wird plötzlich organisiert und tritt auf ala öffentliches Faktum. Das Rauschen der Bodenlosigkeit erfüllt Tel Hamon. Kunitz, der die Gefühlsbewcgungen der aus Deutschland Gekommenen außerordentlich ernst nimmt, und vielleicht würde ich sie auch ernst nehmen, wenn sie meinen persönlichen Gefühlsbewcgungen ähnlich waren, berichtet mir von einer ersten Versammlung in dieser Angelegenheit. Seit ich die Geschichten vorgelesen habe, die ich seinerzeit für Zeitungen schrieb, bin ich plötzlich auf eine gewisse Stufe der Geltung gestiegen. Ich bin nicht mehr Bartei, nicht mehr der anonyme C'naluz. Kunitz macht Anstrengungen, sich mit mir zu befreunden. Wieder habe ich Gelegenheit, ganz von der Nähe einen deutschen Chaluz zu beobachten. Damals im Gemüsegarten habe ich riiiili'i gesehen: Dag Unglück dieser Leute ist es, vollkommen starr zu sein, fest, wie flüssiges Blei, das man in Wasser gegossen hat und daa zischend stehen geblieben ist. Er sagt mit Stolz, daß er seit zehn Jahren in der Bewegung sei, im Gegensatz zu mir, der ich höchstens zwei solche Jahre aufzuweisen habe. Seit zehn Jahren paukt er in sein Gehirn hinein die Identität: Paradies und Kibbuz. Jede Abweichung des wirklichen Kibbuz von dieser Identität verurteilt er aufs .schärfste. Freilieh, da er beginnt, mir auszumalen, wie es sein müßte, werde auch ich ein bißchen verführt und denke: Schön war's. Die Vatikim, in weißen Kleidern, stehen beim Einmarsch eines neuen Chaluz Spalier, bringen Hochrufe auf ihn aus. Gut, wenn es schon ohne Zelt nicht abgeht: Fünf Valikim helfen dem neu eingewanderten Chaluz, sich das Zelt herzurichten. Sodann tritt die Ssidur Awodah an den Neuen herim und fragt ihn: Bitte schön, wo möchtest du gern arbeiten, wieviel Tage in der Woche möchtest du gern auf Ti.jtil gehen, so wie der Kellner im Kaffeehaus Bestellungen aufnimmt, mit einer Serviette über dem Arm. Und der Maskir kommt, das Scheckbuch in der Hand, und hat nur eine Sorge: Zu erfuhren, wieviel die seelische Ausbalancierung des Neuen kostet, in palästinensischer Währung. Abends sind die Vatikim erfreut, den Arbeitstag hinter sich zu haben und sich mit den Chaluzim beschäftigen zu können. Die Kinder werden eiligst in die Kinderhäuser zurückgeschickt, der Vntik zieht eine weiße Hose an und ein weißes Hemd und geht zu dem Chaluz ins Zelt und erkundigt sich in der Sprache des betreffenden Landes nach dem seelischen und körperlichen Befinden des Neuen. Selzer sagt, ich betrüge mich selbst, wenn ich das nicht fordere. Aber manchmal muß man sich selbst betrügen und das Ich angleichen an die wirkliche Welt. Anders gibt es keine Entwicklung. Das nennen sie Ehrlichkeit: In der Pubertät stehen zu bleiben, das naive, ichsüchtige Denkverfahren der Pubertät hinüberzunehmen in die Welt des Mannes. Ja, man kann sich selbst getreu sein. Aber zu dem Zweck muß man erst die Entwicklung dieses Selbst abschließen, und manche Leute schließen ihre Entwicklung zu früh ab. Es ist oft ein Nachtrauern der verlorenen Jugend, wenn Männer sich nicht in der Welt zurechtfinden. Ich weiß dos aus eigener Erfahrung.

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