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Jüdische Rundschau · 1937-03-26 · Heft 24-25 (26.3.1937) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 24-25 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25, 26. III 1937 kennzeichnenden Weise furchtbar falsch. Denn es heißt ein Bild, eines jener entstehenden und vergehenden Gottesbilder, mit dem wirklichen Gott verwechseln, an dessen Wirklichkeit die Menschen mit keinem dieser Bilder, so redlich sie sich auch jeweils bemühen, ihre besondere Anbetung einzugestaiten, rühren können. Der Bildersturm der Stürmer und Stürzer der Gottesbikler muß je und je geschehen. Es ist die Seele des Menschen, die sich dagegen auflehnt, daß ein Bild, welches als Bild, als Bildnis nicht mehr geglaubt werden kann, erhöht und Anbotung heischend über den Häuptern stehe. Immer wieder unternehmen es die Menschen, aus ihrer Sehnsucht nach der Gottheit ein größere», wahreres, gerechteres Bild aulzurichten, zu immer neuer Herrlichkeit und zu immer neuem Ungonügen. Jenes Gebot „Du sollst dir kein Bild machen" bedeutet ja zugleich: „Du kannst dir keins machen", und das bezieht »ich selbstverständlich nicht bloß auf gemeißelte und gemalte Bilder, sondern auf all unsere Einbildung, auf all unser Vorstellungsvermögen. Der Mensch muß aber immer wieder Bilder machen, und er muß sie, wenn er erkennt, daß er keins machen kann, immer wieder zerstören. Die Bilder stürzen, aber die Stimme verstummt nicht. »Stimme in Heden hört ihr, aber keine Gestalt seht ihr, — Stimme allein" (V. M. 4,12). Die Stimme spricht in den Zeichen all dessen, was geschieht, in allein Weltgeschehen zu den Menschen aller Geschlechter, fordert sie an, ruft sie zu ihrer Verantwortung auf. Ich habe zu Anfang darauf hingewiesen, daß es für den Mensehen vor allem darauf ankommt, daß er seine Aufgeschlossenheit nicht verliere. Aufgeschlossen sein aber heißt eben dies: sich gegen die Stimme nicht verschließen, man nenne sie, wie man will. Es geht nicht darum, wie man sie nennt, es geht darum, daß man sie höre. Judentum Wie aber wäre es möglich, all die unrechtmäßigen, eben am Hören hindernden Vorurteile zu überwinden? Wir haben gesehen, daß in jedem der Protest gegen etwas Entstelltes, Verzerrte», Entartetes in den Aufruhr gegen das Ursprüngliche und Wahre übergeht und so das Rechtmäßige mit dem Unrechtmäßigen sich verquickt. Zu scheiden also ist zwischen diesem und jenem, die Linie ist zu ziehen, die das Falsche vom Echten trennt, und das Echte ist in seiner Wirklichkeit aufzusuchen und zu erkennen, um das Leben davon aufbauen zu lassen. Ich habe bisher vom Judentum nicht ausdrücklich gesprochen, aber ich habe in allem allgemein Gefaßten, was ich sagte, das Judentum besonders gemeint und auf es besonders hingezeigt. Auch iu seiner Tatsachlichkeit sind Falsches und Echtes verquickt Aber in seiner Echtheit finden wir alles Echte, Ursprüngliche und Reine, das wir zur Ueberwindung der unrechtmäßigen Vorurteile brauchen, in einer roßen Einheit vor: die Sinnhaftigkeit der Geschichte, die lächtigkeit des Geistes, die Bewührbnrkeit der Wahrheit, die Entscheidungskraft der persönlichen Verantwortung, die Unmittelbarkeit von Mensch zu Mensch and endlich den Glauben als Angelobung des ganzen Lebens «n den Herrn, der einen Stimme, der in all seinen Erscheinungen wiedererkannt werden will. All dies ist Urbotschaft des Judentums; und Aufgeschlossenheit jüdischer Menschen, einer jüdischen Jugend wäre es, sie sich aus ihren Urgründen zu erschließen. Um die große helfende Gewalt zu finden, die euch beistehen wird, die unrechtmäßigen Vorurteile zu überwinden, müßt ihr damit beginnen, diese Vorurteile abzustreifen, wo sie euch hindern, das eckte ewige Judentum in seinem Wirklichkeitsgehalt zu erfahren. Das Ziel ist, diese Erfahrung in den Stoff unseres gegenwärtigen Lebens, eures Lebens, einzugestaiten. Ziel ist das Leben und die Verwirklichung darin; aber um zu erfahren, muß man lernen. Wir müssen uns lernend verbinden mit dem, woher wir kommen. Das erreicht man aber noch nicht, wenn man sich mit dorn Judentum begrifflich befaßt, und auch dann nicht, wenn man seine Geschichte studiert, so grundwichtig sie ist. Es gilt, zu dem unverfälschten Wort selber vorzudringen, vor allem also zu der großen Urkunde unseres Glaubens und unserer Angelobung in ihrer Urschrift. Das lebendige Wort muß man hören in der Sprache, in der es einst gesprochen und gehört worden ist. Tönend muß es euch wieder werden, dröhnend an euer Ohr, lebendig über die Zeilen hin sprechend zu euch. Es will von euch gehört werden. Lernt es hören! I Wie tripolitanisdie Juden feiern Keines der jüdischen Feste weist eine solche Fülle von Zfffmoni.il- und Volksbräuehen auf wie das Pellaeltfest. Es gibt wohl keine Jutlcnschaft in Ost, West, Süd oder Nord, die nicht ihre besnnderen rituellen oder volkstümlichen Pcßachbrhuche aufzuweisen hatte. Setzen die Vorbereitungen zum Peßachfesi bei den Juden Osteuropas schon zu Beginn des Monats Nissan — also zwei Wochen vor dem ersten hederabeiid ■■- ein, so sind die Juden von Tunis und Tripolis ihnen weit voraus: sie fangen bereits am Ausgang des Purimfesles an, zu Peßach zu rüsten. Mann und Kind werden aus dem Hause gewiesen, und die „Baalath-Habajith", die Iran des Hauses, übernimmt das Regiment. Das gefurchtete Großi ememachen beginnt. Wähnend die Männer sich in das ücbetshaus fluchten oder im Kaffeehaus ein Asyl suchen, säubert sie das Haus von den Dielen bis zur Decke. Ahes wird umgekehrt und gewendet, jedes Krümlein vernichtet, jedes Staubclien fortgewischt, und, dem Gesetz über das „Chomez" entsprechend, aliera Gesäuerten der Garaus gemacht. Während das Großreinemachen zu Peßach noch keine spezifisch orientalische Pcßnchsittc darstellt, ist schon die „Lejlbassissa" der afrikanischen Juden eine bei uns völlig unbekannte Feierlichkeit. D.ese Feier, die ihren Namen „Nacht der Bassissa" (,,bassissa" « etwa: Brei) einer besonderen, au* Weizen- oder Gerstenmehl mit Kümmel und anderen Gewürzen zubereiteten Speise verdankt, findet am ,,Rosch- Chodesch", am Neumondabend des Monats Nissan, statt. Prof. Sluschtsch schildert das Zeremoniell folgendermaßen: „In ein eigens dafür bestimmtes Gias, „Mcnorah" genannt, wird ein Docht mit Oel getan. Vor dem Anzünden wirft man eine Goldmünze hinein, — wie es heißt, zum Andenken an das „goldene Kalb", das die Kinder Israel in der Wüste sich geschaffen. Die gesamte Familie — und keines ihrer Mitglieder darf dabei fehlen, weil dies ein „böses Zeichen" für den Abwesenden bedeuten würde — laßt sich auf dem Boden nieder, rings um eine niedrige Bank, die als Tisch dient. Die Hausfrau setzt darauf eine Schüssel mit der erwähnten „Bassissa" nieder, ferner süße weiße Naschereien, Mandeln und andere Leckerbissen. Der Hausherr entzündet die Mcnorah und spricht hierzu etwa folgenden Segensspruch: „Möge der Allmachtige uns bescheren: Süßes, Weißes, Gutes und Reichtum'" Die tripolitanischen Juden verstecken auch in der „Bassissa" "eine Goldmünze. Dort ergreift der Hausherr einen Schlüssel und spricht In jüdisch-arabischem Idiom etwa folgenden Segcnsspruch: „Gelobt sei der Herr, der ohne Schlüssel öffnet, der in Wurde gibt und nicht mit Sehmach! Oh, gib das tägliche Brot uns und den Unseren!" Hierauf wird die „Bassissa" verteilt, von jedem Einzelnen in Oel getaucht und andachtsvoll verzehrt. Aehnlichen Bräuchen begegnet man unter den Juden in Algier. Einige Gelehrte erblicken darin noch Ueberbleibsel aus den Sitten der einstigen Neujahrsfeiern im Monat Nissan. So wünscht man sich ja auch heute noch bei einem Teil der sephardischen und jemenitischen Juden in der ersten Peßachnacht „Schaua töwa''. (Es dürfte nicht sehr bekannt sein, daß auch der „Beseht" [„Baal-Schem-Tow", der Begründer des Chassidismus] und sein Kreis den Monat Nissan als „Monat der Bufk" ansahen, dem Tisch ri ähnlich, und in dieser Zeit entsprechende Bräuche übten.) Eine ganz eigene Art, den Scderabend zu begehen, weisen die Juden Jemens auf. Am Vorabend des Peßach wird im Qebctshaus aus dem „Sohar", dem geheimnisvollen und geheiligten Buche, das Rabbi Schimeon ben Jochai zugeschrieben wird, vorgelesen. Nach ihrer Heimkehr legen die Männer das Festgewand an: wallende weiße Mantel und rote Kopftücher. Sie begrüßen die Familie mit «lern Gruße dieser N&cht: „Schana towa" und sprechen über ihre Kinder den iltjüdischen Segen: „Gott möge dich werden lassen wie Ephraim und Manassc". Nun beginnt das Zeremoniell des Sede>\ Nach Kiddusch und Flandwaschutig ergreift der Hausherr die Mittel-Mazza, hüllt sie in seinen Taiiith und hängt •ich das Bündel über die Achsel, er gürtet sich mit einem Lederriemen und tut, als sei er im Begriff, auf die Wanderschaft zu gehen. Nun beginnt folgende Zwiesprache zwischen dem Hausherrn und einem Familienmitglied.: „Woher kommt ein Jude?" „Aus Jemen bin ich", lautet die Antwort. „Wohin gehet er?" „Nach Jeruschalajim, der heiligen Stadt!" „Was gedenkst du dort zu tun?" „Den Herrn, unseren Meschiach, zu empfangen!" erwidert der Gefragte, worauf alle Anwesenden „Amen!" ausrufen. Nun folgt die Vorlesung der „Haggadah. Das jüngste Kind, in einer Hand ein Stück Röstfltisch, in der anderen ein hartgesottenes Ei, stellt dann die „vier Fragen". Bei den bucharischen Juden tragen die drei Sedcr- Mazzoth die hebräischen Buchstaben „Schin", „Dalcd" und -lud", die zusammen das Wort „Schadai" (•«= Allmächtiger, Gott) ergeben. Auch sie führen den oben beschriebenen Dialog vor dem Lesen der Haggadah. Ein Jüngling, mit Reisebündel und Wanderstab versehen, tritt herein. Auf die Frage nach dem „Woher" antwortet er: „Aus Mizrajim". „Bist du ein freier Mann?" lautet die nächste Frage. Die Antwort: „Nun bin ich auch frei!" —;,Und wohin führt dein Weg?" Der Jüngling: „Nach Jeruschalajim!" Darauf der Flausherr: -Zuvor aber berichte uns, übe mit uns die Wunder des Auszuges aus Mizrajim 1" — Oft wird auch der Aphikotnan Im Gehen eingenommen. Das Symbol des wandernden Jünglings und der Zwiesprache kennen die afrikanischen Juden nicht, wohl aber symbolisieren auch sie noch unmittelbarer den Auszug aus Aegypten. Wie Ibn-Esra erzählt, pflegten sie am ersten Peßaclrtage ihr Bündel zu schnüren und insgesamt die Stadt zu verlassen, uin sich in die Wüste zu begeben. Ein Ueberbleibsel dieser Sitte ist noch heute bei den tripolitanischen Juden anzutreffen. Sie begeben sich am ersten und siebenten Festtage in die umliegenden Obstgärten. Die nichtjüdischen Besitzer der Obstpflanzungen, in wohlwollender Kenntnis von diesem Brauch, empfangen ihre jüdischen Gäste freundlich und bewirten sie mit den Früchten ihrer Gärten. Hier wird auch der eigenartige Brauch der „Brautwerbung" geübt, der an ähnliche Gepflogenheiten im alten Erez Israel erinnert: Am Nachmiltag des letzten Peßachtages legen die Töchter der frommen tripolitanischen Juden ihre Schmuckgewänder an und stellen sich, das Gesicht entschleiert, vor das Vaterhaus. Hat einer der vorüberziehenden jungen Juden ein Mädchen auserkoren, so verharrt er einen Augenblick schweigend vor ihr, um am Abend mit einem Blumenkorb bei ihrem Vater zu erscheinen und um ihre Hand anzuhalten. Nimmt das Mädchen seine Blumen an, so hat es seine Zustimmung erteilt, und der Brautwerber zieht mit seinen Freunden singend und jubelnd durch die Straßen, um noch am selben Abend die Verlobung zu feiern. (In manchen Orten versammeln sich die Mädchen am Brunnen zur „Brautschau".) Auch der Ausgang des Peßachfestes wird von den Juden In Tripolis feierlich begangen. Woher der Name dieses Festes, das „Maiffliin a" genannt wird, stammen mag, ist nicht bekannt. Nicht sehr überzeugend klingt die Ansicht der tripolitanischen Juden, das Fest trage seinen Namen zur Erinnerung an Maimonides, dessen Todeskunde sie gerade am Festausgang des Peßach erreicht haben soll. Diese Erklärung scheint schon deshalb nicht zutreffend, weil ähnliche Feierlichkeiten am Peßach-Attsgang auch in anderen Orten anzutreffen sind, und es nicht recht glaublich erscheint, daß die Kunde zu gleicher Zelt in voneinander entlegene Länder gedrungen sein soll. So begegnen wir dieser Feier auch in Aegypten, wo sie sowohl von der jüdischen als auch von der nichtjüdischen Bevölkerung als ein Frühlingsfcst begangen wird. Nach Pcßach-Ausgang verlassen Jude und Moslem ihr Haus, um mit Weib und Kind in den Dattelhainen am Ufer des Nils die Ankunft des Frühlings festlich zu begehen. ______ Dr. K a 16 k o Boaz Cohen (New York) hat eine Bibliographie der Schriften des jüdischen Gelehrten Israel Friedländer abgefaßt, die 154 Nummern enthält. Israel Friedender, der bekanntlich auch eine Zeitlang in Deutschland gelebt hat. wurde als Delegierter des Joint Distribution Committee im Jahre 1920 in der Ukraine ermordet. Wie wir erfahren, wurden von der britischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für moderne Musik zwei Celiokonzerte der jetzt in London lebenden Komponisten Berthold Goldschmidt und Franz R e i z e tt s t e i n für die engere Auswahl dem Pariser Komitee der Gesellschaft empfohlen, dem die endgültige Entscheidung über die am Pariser Musikfest 1037 aufzuführenden Werke obliegt. Von derselben Sektion wurde Goldschmidts Klavierquartett zur Aufführung in einem Londoner Konzert im Frühjahr angenommen. K*ii]tri;ri i fiiiiriiiifMiiiti:iiJiiiiii4f(iiiiiiiiiiiM|iiiiuiiiii(titLitiiriij|iiMiritiii!tr;iii)iitrM;it.....iii'ri!]MTiMtiir:it<hMiiriiiiisiiTiiit'9ii PESSACH / Einer neuen Kwuztih in Palfistina ... Und lest das Buch von Knechtschaft und von Not, Die in Aegypten Israel ertrug, Und seiner Leiden ward es erst genug, Als Gott das Volk mit schweren Piayen schlug. Ohnmächtig hutte Pharao gedroht, Doch eilends stand ein regelloser Zug, Armselig, mit noch unfjeh.irkncm Brot, Als Mosche seinem Volke Kettling bot. .. . Und hört von jener bangen Wüstenfahrt, Die oft von Kleinmut zeugt und nicd'rcm Geis«: Ob Gott auch tausendfach sich offenbart Und seine Größe wunderbar beweist, Sie murrten wider Ihn und leugnen dreist. J)a fällt Sein Urteilsspruch gerecht und hart: Daß keiner mehr der Alten, wie es heißt, De» neuen Landes Antlitz je gewahrt. Und lernen wir, die eben heimgekehrt Nach langem Wandern in da? Ueil'ge Land: Wir sind der Wunder nicht und Zeichen wer Doch una're Zukunft liegt uns hell bekannt: Wir bauen auf aus Febgestcin und Sand Zu neuem Glanz, wu brach kg und zerstört, Aucfc «Jte're Kraft blkb unversehrt So wie ein Feld, das keine PflOger fand. Uad Iber ans ruht Gottes starke Hand. Rolf Radlauer (Gederah) I I Raphael Chamizer Ein jüdischer Bildhauer Ein Sammelbuch über das plastische Werk Raphael Chamizcrs von Ari I b n - S a h a v ist in autorisierter Uebersetzung aus dem Hebräischen im Verlag Kubin Maß (Bcrlin-Charlottenburg) erschienen. Für den jüdischen Leser in Deutschland ist es ein Novum, das Schaffen eines Künstlers, zumal eines in Deutschland lebenden, zum erstenmal zusammenfassend durch die Darstellung eines hebräischen ...... ............, n Schriftstellers kennenzui :; lernen. Damit ist auf; das stärkste betont, daß I diese eigenartige Künstj lerpersonlichkeit der jü-;j dischen Sphäre ange- 1 hört. Und fürwahr laßt 4 sich das bei einem Manne •j wie Chamizer mit aller I Konsequenz sagen. Cha- :| mlzer ist Arzt, aber zu- I gleich ein philosophisch l bewegter Mensch, des- I sen Gedanken um die 4 höchsten metaphysischen i Probleme kreisen. Er j sucht einen Ausdruck im | Wort, aber anläßlich einer; Reise nach Italien ent- 1 deckt er in sich den Trieb zur gestaltende« Kunst. Hier findet er sein wahres Wesen, und in schwerem, innerem Ringen gibt er nun seinen Ideen die plastische Gestalt. Die biblischen Figuren von Meisterhand im Dom zu Florenz erwecken in ihm die Berufung. Mit 43 Jahren beginnt der vielbeschäftigte Arzt seine künstlerische Arbeit. Als erstes entstehen zwei Büsten: der „Philosoph" und der ,,Prophet"; das Denkerische und das Ekstatische werden In diesen Büsten kontrastiert. Und nun folgt eine lange Reihe von Arbeiten, auch Porträtbüsten, aber in der Hauptsache sind es Gestalten der Bibel und des jüdischen Ideenkreises, die ihn immer wieder packen. In einer Darstellung der Eva als Trägerin der „Empörung gegen Gott", des Propheten Elias als Sinnbild der „Empörung gegen den Menschen" und des H i o b, in dem er den physischen) und seelischen Zusammenbruch des sich gegen Gott aufbäumenden Menschen formt, kommt seine originelle Auffassung biblischer Gestalten zum Ausdruck. Das Thema des Hiob läßt ihn nicht los, und sechs Jahre spater schafft er einen neuen Hiob, zugleich ein Zeichen des menschlichen und künstlerischen Fortschritts. Hier ist nichts mehr von Zusammenbruch, sondern der leidende Mensch sucht ringend und) hoffend die Erlösung. Besonderes Interesse verdienen zwei Holzreliefs, von denen das eine das Hohe Lied und das andere die Schöpfungsgeschichte darstellt. Es braucht nicht gesagt zu werden, welche schwierigen Probleme die Gestaltung solcher Themen aufrollt. Chamizer hat sie in seiner Weise gelöst, indem er die einfachen Grundgedanken der Liebe und der Schöpfung in ihren Urformen m klassischer Schlichtheit darzustellen versucht. — Das Buch von Ibn- Sahav enthält im ganzen 22 Bildtafeln, die die Bekanntschaft mit dein bedeutenden Künstler vermitteln. Das Werk, das hier vorgeführt wird, ist aber keineswegs abgeschlossen. Chamizer arbeitet in seinem Schweizer Aufenthalt mit größter Intensität weiter. Er Steht heute auf der Höhe seines Schaffens. Der Verfasser teilt mit, daß der Künstler eben mit einer neuen Elias-Figur beschäftigt ist. Die jüdische Oeffentlichkcit wird den Bericht über das Schaffen dieses Künstlers mit dankbarem Interesse aufnehmen und die weitere Entwicklung Chamizers mit Aufmerksamkeit verfolgen. * Der Hiob von 1931 Die Zeitschrift „Corona" (Zweimonatsschrift, herausgegeben von Martin Bodmer und Herbert Steiner, Verlag R. Oldenbourg, München) eröffnet soeben ihren 7. Jahrgang mit einem Heft, das dem außerordentlichen Niveau der bisherigen Jahrgänge dieser auf echte humanistische Bildung gestellten Zeitschrift entspricht. Aus dem Inhalt wäre vor allem eine Bearbeitung von Calderons „Das Leben ein Traum" durch Hugo v. Hofmannsthal zu erwähnen, ferner ein Brief von Wjatscheslaw Iwanow über Christentum und Humanismus, der ebenso an allgemeine Probleme rührt wie der Vortrag Josef Nadlers über Adalbert Stifter. Der Urforscher Edgar Dacnue steuert unter der Ueberschrift „Sinn und Wesen" eine Reihe von Zweizeilern im Stile des Angelus Silesiu» bei, die tiefe Lebensweisheit auf eine knappe und sehr eindringliche Form bringen. Wir geben als Beispiel zwei dieser Sprüche wieder: Dat wahre Mal Wer nur das Große groß, dai Kleine klein nur sieht, Stellt noch nicht in dem Land, wo die Erkenntnis blüht. Wahrheit Sieh hin, es blüht and sprießt jed" Kraut nach seiner Artj Hast du in deinem Tan dein Wesen so bewahrt?

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