Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 24-25 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jüdische Rundschau r Nr. 24/25, 26. III. 1937 Haggadoth »diel Peßadl / Vorgestern - gestern - heute Von Bertha Bnd(-Strauß heit zurückzukehren „Im nächsten Jahre deutung hinzufügte: Jerusalem!" — Jetzt uiki linden mit den — nur dali er statt des alten Wunsches: in Jerusalem!" etwa die schöne Sinu- „Im nächsten Jahr im auf erbauten aber beginnt auch dort an vielen Ecken Blumen des palästinensischen Frühlings Jeder von uns hat sie in einem Winkel seiner gen aufgespeichert: geringe Büchlein, au. :.. c Papier, wurmstichig der Einband — hie und da ein Vt'unlleck von vielen vergangenen Sederabendcn hartes Bröcklein Mazze noch zwischen den Seiten , Eriiioeiun- . i .igem blassroter oder ein .. So sah die Haggadah schel Peßach in unserer Kinder/.eit aus — Bedruckt bei Lehrbcrger in Rödelheim oder bei Japliet in Frag; manchmal zierten sie jene berühmten, steifen und unvergeßlichen Bilder, wo der Raschah als ein Kricgsmann erschien und der Tain mit einer unnaehahni.ichcn Gebärde die Hände zusammenschlug... Nicht von ihnen soll hier die Rede sein; obwohl sie ihre Rolle tapfer erfüllten, mit ihren schönen deutlichen hebräischen Quadratbuchstaben und der jüdisch-deutschen oder ganz und gar deutschen Uebersefzung, die manchmal sogar in schwungvollen Reimen noch eine Seder- Ordnung enthielt — wie in jenem früher alljährlich rezitierten Büchlein, das ich niemals wieder gesehen habe und wo es €twa hieß: , Mahle, nun alle; : Sjjci.Hiu man auftragen, trinkt mit Wohlix'liairtn , Zu des Feste: Waschen sEh Drauf läßt ilii Und ißt und Vielleicht sah jene Haggadah ahnlich aus, die Heine in seinem Elternhause in Düsseldorf benutzte und dann seine.:i Rabbi von Bacharach und der schönen Sara in die Hände legte ... „ein schönes, in Gold und Samt gebundenes Pcrgamcnthuch, ein altes Erbstück mit verjährten Weinflccken aus den Zeiten ihres Großvaters, und worin so viele keck littu bunt gemalte Bilder, die sie schon als kleines Mädchen am Pas>;:ihahend so gerne betrachtete, und die allerlei biblische Geschichten darstellten, als da sind: wie Abraham die steinernen Götzen seines Vaters mit dem Hammer entzweiklopft, wie die Engel zu ihm kommen, wie Moses den Mizri totschlägt, wie Phaiao [nachtig auf dem Throne sitzt, wie bei lisch keine Ruhe lassen ... dann König David die Harfe spielt — und mit den Türmen und Zinnen seines Glänze der Sonne!" ihm die Eröscne sogar auch, wie der fromme endlich wie Jerusalem Tempels bestrahlt wird vom Heines Worte klingen fast wie ein Abschiedsgruß an „die alte Agade", wie er sie nennt; und sie sind auch ein Abschiedsgruß. Nicht nur ein Abschiedsgruli jenes rätselhaft zwiespältigen Rabbi Abraham, der am Sedcrabend seine Gemeinde und seine Verwandten dem nahenden Verderben überlädt und nur daran denkt, sein eigen Leben und das Leben seiner schönen I ran zu reiten: nicht nur ein Abschiedsgruß des Dichters, in dessen L eben sich das Schicksal seines Rabbi fast gespenstisch noch einmal verwirklichte ... bis auf den Schlu» den das Judcnschicksal dazu schrieb, weil ihn der verirrte Dichter nicht mehr zu schreiben, nur noch zu leben vermochte. Iber steht der Abschiedsgruli eines ganzen jüdischen Geschlechts an die alte I laggadah. die viele Jahrhunderte hindurch von Judenlippen nicht gewertet, sondern gesagt und Da lebt in Deutschland zur selben VC'ollcnbüttel ein trefflicher Mann klärungs-Jiide, der Inspektor der Samsonschen Freischule Woltenbüttcl, Samuel Meyer Ehrenberg; er ist — nicht gelesen und erlebt worden war. Zeit in dem kleinen und begeisterter Aut- •zu er ist in den letzten Jahren öfteis hie und da erwähnt worden, weil er der Urgroßvater I ranz Rosenzweigs gewesen ist, Das arbeitsreiche Leben dieses verdienstvollen Mannes, der in der Entwicklung lies jüdischen Schulwesens im Deutschland der Emanzipationszeit eine wichtige Rolle spielt, hat kein Geringerer als Ehrenbergs größter Schüler Leopold Zunz mit einer bei diesem oft bitteren „Menschenfeinde", wie man Zunz damals nannte, ungewöhnlichen Liebe und Verehrung gezeichnet. Dort erzählt Zunz von der bedeutenden pädagogischen Tätigkeit Ehrenbergs, die aus dem alten, ungeordneten Beth-Hamidrasch, einer „Taimtidschule mit einigen geduldeten Fächern, eine wissenschaftliche Schule mit geduldetem Talmud und endlich eine Bürgerschule ohne Talmud" entwickelte. Der ehrwürdige Manu, der während 30 Jahren alljährlich selbst zur Peßachzcit im Backhnuse anwesend war, um die Herstellung der Passah-Brole zu überwachen, war in diesen Jahrzehnten, stolz auf die Errungenschaften der neuesten Zeit, der Meinung: am Sedcrabend könne man getrost aus der Pellach-1 laggadah die Worte streichen: n:; K r r n — Heute noch sind wir Knechte. „Und die Stellung der Juden im Braunschweigischen Lande rechtfertigte dii.se .Meinung", lugt Zunz hinzu. Und wir sind nicht mehr erstaunt, wenn wir aus zeitgenüssis. heu liiit teil und Berichten aus demselben Kreise — ein an Kiii-.'- uoliiguiicrkt, der nicht aus Kitzern, sondern aus «ariiiüihlenden und stolzen Juden der Emanzipationszeit bestand, immer wieder ähnlichen ActiHerungeti begegnen. Ehrcnlu i IS Schwager I s 1 c r iii 1 bim! Braunsen weiger ein auch spater hebräischen Wiklassische Philo! pädagogisch wt wieder mahnt, gen. Aller die burger Stadtbi und Zunz, „nur rasch sieht au' ist der Schulvorstcher Israel Abraham ur.;; auch ei „ein Wohücincr", wie ihn der K'.iW Samuel Eger einmal genannt hat; dazu in seiner Reifezeit von, der großen Bedeutung sscus überzeugter Mann, wie er den in Bonn >!ug,e studierenden Sohn Meyer Isler in seinen te meiHchsi'-h kinnenswerten Briefen immer sein hebräisches Wissen nicht zu vernachlässig er Sohn selbst, der später Direktor der Hamliiothek wurde, der Freund von Jakob Bernays lilt, daß der Sederabeml im elterlichen Hause durchgepeitscht" und auch dies zumeist mit Rückdie anwesenden Schuler beobachtet wurde. Ergötzzitgleich ist's zu beobachten, wie er/.i lieh und wchniutig zugleich ist's zu beobachten, wie sich schon damals in der gleichen Familie sehr gebildeter und dabei immer gleich warm judisch-fithlcnder Menschen eine Art von Umkehr vollzog: als die einzige Tochter dieses Meyer Isler, später in Braunschweig verheiratet, Gelegenheit findet, diese iltr aus ihrem Elternhause völlig unbekannte Sitte in einem altfrommen jüdischen Flattse mit zu erleben, da — bedauert sie ein wenig kühl, daß „Derartiges gar nicht mehr bis in ihr Leben reicht." Aliein die Gattin des Meyer Isler —• Emma Meyer aus Dessau —, die sich einmal in ihren Briefen „eine fanatische Jüdin" nennt, erinnert sich an den Sedcrabend ihrer Kinderze'it in Dessau, „es gehören vor allem vergnügte Kindergesichter dazu, denn es ist die schönste Zeit für Kinder in einem Judenhause. Die furchtbare Unruhe in der Zeit die vorgeht, das Fest nimmt Besitz vom Hause und erobert sich eine Stube nach der anderen ... das letzte Mittagessen haben wir gewöhnlich auf dem Hof eingenommen; und dann das Vergnügen, lauter Geschirr zu haben, das im ganzen Jahre in einer besonderen Kammer aufbewahrt war... Das Hauptvergnügen aber war, mit ins Backhaus zu gehen, wenn Osterkuchen gebacken wurden..." Aber auch sie hat niemals versucht, die nach dem Urteil des aufgeklarten Gatten „etwas verwilderten" Lieder des Sederabends im eigenen Hause einzuführen. Es gibt ein klassisches Zeugnis aus jener Zeit der Entfremdung von aller Tradition, da das Judentum in Deutschland nach dem Zeugnis F. Rosenzweigs „nach erreichter politischer Emanzipation in den Vcrdauungsschlaf einer Saturiertheit versinkt, aus dem es leiblich zwar schon durch die neue antisemitische Welle Ende der 70er Jahre, geistig aber erst durch die zionistische Bewegung unserer Tage wieder erweckt wurde". — Das ist die höchst merkwürdige Schilderung des Sederabends im Hause des Chasau und Lehrers in Coswig, die der Sohn des Hauses, Hermann C o Ii e n, in seinen Jugendbriefen gibt. Mit betonter Abgrenzung umschreibt der junge Philosoph, dem wir später die tiefen Worte der Erkenntnis über den weltgeschichtlichen Charakter des Peßachfcstes verdanken sollten, jetzt die Stimmung dieses Abends als eines reinen Familienfestes, „die Empfindungen eines zärtlich geliebten Sohnes, der den Dreißig nahe, mit seinen bejahrten Eltern am hell erleuchteten Tische sitzt, des Vaters Hand hält und mit zitternder Freude vom Vater auf die Mutter und von der Mutter auf den Vater blickt." Und ausdrücklich bemerkt er noch dazu, daß der Vater die Haggadah „ohne jede Inanspruchnahme einer echten Judenempfindung, den ersten Teil vielleicht in zwanzig Minuten überfliege". Mit Recht bemerkt Franz Rosenzweig dazu, daß man die ganze Folge lachender und weinender Erschütterung kennen müsse, die diesen „ersten Teil der Haggadah" füllt, „um die ganze Ungeheuerlichkeit der Entfremdung, die aus diesen Worten spricht, ermessen zu können". Gewiß —• dies frühe Wort des jungen Cohen über den Sedcrabend ist zum Glück nicht sein letztes Wort geblieben: in dein Nachlaßwerk des großen Baal Teschuwah, wie er sich selbst bezeichnet hat, der „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums", klingen andere, tiefere Töne. — Aber dem Gcschlechte der Juden in Deutschland um die Wende des Jahrhunderts noch war der Sedcrabend (die meisten schrieben damals ,,Zeder"-Abend!) ein l est der Familie, wo Mazzeklößcheu und Cherimsel die wichtigste Rolle spielten —, geschwunden war der tiefe Sinti des Abends, da ein jeder den Auszug aus Mizrajim erleben sollte, als ob an ihm und den Seinen — heute und immer — das alte Wunder der Befreiung sich vollzogen habe. — Vielleicht, daß ein einziger Bote von einst noch den Weg zu den Herzen fand: die Melodien des Sederabends, ganz besondeis des zweiten Teils — das Adir hu, das Hallel, ganz besonders das Chad Gadja — konnten noch bei den längst Entfremdeten noch Rührung und Erschütterung erwecken. Aber es war doch bei der Mehrzahl unserer Juden ein bürgerlich gesättigtes, freundlich erheiterndes, nicht eben tiefgehendes l est geworden ... weit entfernt von dem geheimnisvollen Zauber jener „Nacht der Bewahrung", wo man dem Propheten Elijahu, dem Boten des Messias, den Becher Weines einschenkte und die Tür öffnete. Bis dann jenes Erwachen aus dem Schlafe kam, von dem Rosenzweig in der oben erwähnten Stelle spricht — aus zwei Quellen gespeist, der neu aufflackernden ludenfcindschaft und dem erstarkenden zionistischen Grundgefühl. Da begann — nicht allerorts und nicht auf euimal — aus dem Passahfest der Familie wieder das Pcßachfest des Volkes zu werden. Mehr noch — und dies ist eine wirkliche Neuerscheinung unserer vielgcscholtenen Tage: neben das Peßachfest der Galuth begann in diesen Jahren zum ersten Male wieder das Pcßachfest in E r e z I s r a e 1 zu treten. Auch dort hatten sich freilich die Heimkehrenden zunächst keine neuen Formen geschaffen; wer feiern wollte, der freute sich, zu den anvertrauten Formen seiner Kindein neues Peßach aus dem Boden zu erstehen. Wirklich ^us dem Erdboden": denn dies Peßach entstellt nicht in Tel- Awiw und nicht in Haifa — ja, nicht einmal in Jerusalem. Sondern draußen in den K i b b u z i m, wo man vielleicht zuerst die alten Festesformen als eine Erinnerung an die Golah, die sie geprägt hatte, vielerorts unwillig ablehnte —, dort begann jetzt ein neues Geschlecht ein neues Peßach zu feiern. Vor mir liegt ein schmales Heft: die Haggadah schel Peßach, wie sie dei Kibbuz Gedera im Jahre ans Licht brachte. Jeder der das Glück hatte, durch Erez Israel zu wandern, kennt diesen landschaftlich so eindrucksvollen Kibbuz mit seinen hügelig gelegenen Zelten und Häusern. Es ist eine historisch bedeutsame, mit Schweiß und Blut gedüngte Stelle im Lande: dort fanden sich die letzten der Biluini, der Pioniere, zusammen, als sie überall sonst vertrieben waren. Katra hieß die Siedlung damals (genau erinnere ich mich des ersten Palästinaweines, der diesen Namen trug). Katra aber ist Gedera, „eine wunderbare Legende in unserer Siedlungsgeschichte", wie es Seh. ben Zion einmal nennt. Dies Gedera hat uns nun eine der ersten unter diesen altneucn Haggadoth geschenkt, die uns zeigten, wie man heute in Erez Israel Peßach feiert. Sie sieht ein wenig anders aus als die Haggadah unserer Kinderzeit — das ist nicht zu bestreiten. Aber die Hauptmomente des alten Peßach sind nicht r.ur festgehalten — sie erscheinen hier in vieitönigeni Chor weiter geführt wie eine unendliche Melodie, deren letzte Strophen eben von denen gesungen werden, die dort im Kibbuz um den Sedertisch sitzen. „Dies ist das Brot des Elends" (Ha Lachma Anja) beginnt die Reihe, wie es sich gebührt; und die Frage des Jüngsten „Ma Nischtauna" setzt sie fort — wenn auch von beiden vertrauten Abschnitten nur die Anfangszeilen aufgenommen wurden. Dann aber geht es zu der traditionellen Aufwort des Vaters, die ja einen Abriß unserer Volksgeschiclite seit den Tagen Aegyptens umschließt; und hier ist nun manchmal mit erstaunlicher Wirkung, manchmal mit weniger glücklicher Auswahl, aus dem Schatze alten und neuen jüdischen Schrifttums stets das Echo der Bibelstelle gegeben: Talmud und Midrasch sprechen, aber auch neue hebräische Schriftsteller wie etwa der allzu oft herangezogene David Frischmann. Die Wüstenwanderung ersteht aufs neue in Bialiks Gedicht — und wiederum einer Frischmannschen Erzählung. — Den Hauptteil der neuen Haggadah aber bildet — wie das an dieser historischen Stätte nicht verwunderlich ist — die Geschichte der Alijoth, die mit dem „Teehesakna" beginnt und durch einzelne Fragmente aus den Erinnerungen der ersten Siedler weitergeführt wird. „Hier auf der Erde — nicht in den Wolken dort oben", wie es in einem gleichfalls mit hier aufgenommenen Liede der Rachel heißt, findet sich die Gemeinschaft zum Seder zusammen. Aber sie weiß auch von der Vision des Propheten Jecheske!, der den dürren Gebeinen im Tale predigt, den Totengebeinen, die das Haus Israel darstellen: daß die Gräber sich öffnen und das Volk hinaufzieht ins Land Israel... „Dies ist's, was unsern Vätern beistand — und uns selbst!" so fügt sich bezeichnend hier das Wort der Haggadah ein. — Und wir alle stimmen ein, wenn der neue Sederabcnd mit dem Liede schließt, das sie dort so gerne singen: „Noch ist die Kette nicht zerrissen — noch umschlingt sie uns, die Kette — von den Eltern zu den Kindern — von Jahrhundert zu Jahrhundert — immer schlingen wir die Kette ... iiuiiiiimiuiiiiiiiiiitiiimnimiimun.....itiinitittHtnNimiitnHiiiiimtiimnitiiiiitiiiiiiiHminiiinitiHiiiiiHmiii.....iiiiimiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiimimiiiiiiiiiiiiiiiminmtiii^^ CHAD GADJA / Ein Couplet nach A. Goldfaden Der Jude lümmelt steh um Peßach. er läuft und kauft mit Gewalt, Dies mufi er haben, und das will er nicht haben, und heroneeschafft Ja, es ist ein Vergnügen mit unseren Juden: (wird es bald. Kommt dann die Sedernocht, Vcrgifel er olle Sorgen und ist jtufrleden. Er quill! auf. er tau! auf und lacht. Wie ein König sitzt er auf dem Kissenbett, Fafet sein Weib wie ein König um und slrelchelt sie nett. Da lehnt er so breit und da singt er so breit: Chad gadja — Und sie, die Frau, singt mit genau: Chad 8ed)a. Der Rabbi ist ganz im Lernen aufgegangen, was weift er von dieser Im Himmel zu Hegen und Engel zu fangen, dazu ist er bestellt. (Welt! Doch es ist ein Vergnügen mit unseren Juden: Kaum kommt die Sedernacht, Vergiftf er die Engel und ist zufrieden. Er quillt auf, er taut auf und lodit. Angelehnt er auf dem Kisscnbelt sitz! Und r a! heimlich der Rcbbezin ein Streicheln stlbüzt, Da lehnt er so breit und da singt er so breit Chad gadja — Mit reinem Sinn singt er laut vor sich bin: Chad gaüja — Wer ist ihm gleich? Er ist doch reich! Chad gadja — Und die Rcbbezin begleitcl ihn: Chad gadja. Das Weib Ist eine Zenkiippc, der Mann für sie wie ein Zicklein gar: Er bringt Ihr Geschenke und sie ihm nicWs das ganze Jahr. Es ist doch ein Vergnügen mli unseren Juden: Kaum kommt die Sedernacht, Hört sie auf zu keifen und ist zufrieden, Sie quillt auf und taut aiit und lacht. Jelzl zieht er den Kiltel an auf dem Kissenbett, Und sie wird plötzlldi ein Diamant, sie wird <o nett — Ach Kinder, lehn! er breit, ach Kinder, «ing' er breit: Chad gadja — Mit reinem Mute laut slngl de Guie: Chad Gadja — Wer isi ihm gleich? Er ist groß und reidi! Chad gndja — Da singt auch die Zanktippe mli zartlidier Lippe: Chad gadta. iiuiiimimiHWiiiiiii.....iiiiiitiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiimiiHi......iiiiiimimiMiiiiffl...........in hihihi........iiiiiiiiiiiitiiHiiiiniiiiiiHiiitiiiiimiiiiiiHiiiiiiiiiHiiiiiiiiniiiiHiiiiiiiiimm.....iiiiiiiiiiinmiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiim......iiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimii» Das ganze Jahr rackerl der Fuhrmann sich ab genau wie seine Pferde, Was slehl er alles aus von Hilze und Kalte, wie ein Berg ist er auf der Es ist aber doch ein Vergnügen mit unseren Juden, (Erdel Denn kaum kommt die Sedernacht, Verglftt er die Pferde und ist zufrieden Und quillt auf und laut auf und lacht: Hopp mit den Stiefeln hinauf auf den Kissensilz! Und dann streichelt er sein Fraudien mit einem Blick wie ein Blffz Und dann sitzt er so breit und dann singt er so breit: Hü hotl.Chad gadjal Mit reinem Mute so laut singt der Guie: Hü hott, Chad gadjal Wer ist ihm gleich? Er ist groß und reichI Chad gadja - Und dos Frauchen, widewltt, singt mit ihm mit: Hü holt, thod gadja. Und wer Pe&ach lieb hat, der haf es allemal Im jddlsdien Thealer, nur kommt auch ohne Zahl. Dann wifet ihr vom Vergnügen mit unseren Juden Fast wie in der Sedernachf, Dann vergefjt ihr alle Sorgen, dann werdet Ihr zufrieden Und quellt auf und laut aul-und lacht) Die Kasse, die ist hier das Kissenbelt, Besorgt ihr euch vorher ein gutes Billelt. Dann lehnt ihr so breii und singl mit so breit, Chad gadfa — Dann horcht ihr und schaut und mit singt ihr laut, Chad gadja — Hier is! alles gleich, arm und reidi, Chad gadfa — Und das Mädel, widewitt, singt auch mit, Chad gadja. (Deutsch.- Leo Hirsch) (Abraham Goldfaden war „der Vater des jiddischen Theaters", der Gründer, Organisator, Dichter und Regisseur der ersten jiddischen Theatertruppen, die Ende des 19. Jahrhunderls in Rumänien, Rußland and Amerika diese neue Kunst auf einer sehr primitiven Stufe pflegten. Das Original das vorliegenden Couplets wurde 1896 in Neiv York mit großem Erfolg vorgetragen und 1897 jiddisch gedruckt.) Edmond Preis: Her Ein Peßadi-Buch Israel. — Edition Gallimard, Paris. Fleg: Ecoute 15 Francs. französische Dichter Edmond Fleg hat ein großangelegtes Gedichtwerk unternommen, das in poetischer Form die ganze Geschichte des jüdischen Volkes erfallt. Wir verdanken Edmond Fleg schon eine Reihe von Monographien aus der jüdischen Geschichte, die zum Teil auf dem Sagenstoff der Aggadah beruhen. Einige dieser Bücher, wie „Mose" und „Salomo", sind auch ins Deutsche übersetzt worden. Dagegen ist das Gedichtwerk nur dem zugänglich, der die französische Sprache beherrscht. Edmond Fleg ist nicht nur unter den französischen Juden unserer Zeit, sondern überhaupt innerhalb des jüdischen Volkes einer der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller. Wir kennen innerhalb des modernen jüdischen Schrifttums in keiner Sprache ein Gedichtwerk dieses Ranges und Umfangs, das sich ein so gewaltiges Thema gesetzt hatte. Vorläufig liegt von dem Werk, das den Gesamttitel führt „Ecoute Israel" („Schma Jisrael") der erste Band vor. Fleg teilt die Zeitabschnitte in das jüdische Kalcndarium der grollen Feste ein. Der Plan des Werkes vvird wie folgt angegeben: I. Das Buch Peßach (Abraham bis Moses): Die Stammväter. Das Haus der Knechtschaft. Das gelobte Land. II. Das Buch Schawuoth (Josua bis Nebukadnezar): Die Kriege Gottes. Der goldene Leuchter. Das Tal der Propheten. III. Das Buch Rosch Haschanah (Ezechiel bis Holofernes): Die Ströme Babels. Der neue Moria. Die besiegte Akropolis. IV. Das Buch Jom Klppur (Pompejus bis Berenike): Die zwei Purpurmäntel des Herocles. Das Evangelium des Ahasver. Der Fall des Tempels. V. Das Buch Sukkoth (Petrus bis Mohammed): Der Schatten Roms. Die Leuchten Suras. Der Halbmond Ismaels. VI. Das Buch Purim (Harun al Raschid bis Christoph Columbus): Der Garten des Kalifen. Der Kreuzzug der Rabbis. Das Feuer der Mönche. V». Das Buch Schabbat (Calvin bis zum Weltkrieg): Die Freunde des Ghettos. Das Salz, der Erde. Der Peßach der Nationen. Der vorliegende erste Band enthält die ersten zwei Bücher Peßach und Schawuoth. Es ist also die geeignete Lektüre für die jetzigen Festwochen. Das Buch Peßach enthält 19 Dichtungen, angefangen mit der Vision Abrahams, der den Befehl erhält, in das ihm gezeigte Land auszuwandern, über die Stammväter und ägyptische Knechtschaft bis zur Geschichte des Moses und der Bundestafeln. Von späteren biblischen Büchern ist nur ein Gedicht über Hiob eingeschaltet. Die Gesamtheit dieser Gedichte ist ein großartiges Poem zur Offenbarung des ewigen Sinns in Israels Leidensgeschichte.