Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 24-25 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JODISCHE RUNDSCHAU PESSACe-BEILAGE Nr. 24/25, 26. MÄRZ 1937 Vom Werden des jüdischen Volkes Von Erich Rosen blüt Ii, Kotiges (Palästina) Peßach bedeutet uns das Fest der Volkswerdung. Die VolKswerdung umfaßt aber nicht nur die Knechtschaft und den Auszug aus Aegypten, sondern auch das Ringen des Volkes um seine Existenz und seine Aufgabe. Die Haggadah beginnt daher mit Terach und mit Lawan, um das Ringen um die Aufgabe (Terach-Awraham) und um die Existenz (Lawanlakob) noch vor der eigentlichen Geburt des Volkes zu zeigen. Ebensowenig schließt sie mit dem Auszug aus Aegypten ab, vielmehr weist sie darauf hin, daß das jüdische Volk immer wieder in schwerer Gefahr schwebte und in der Peßachnacht aus ihr gerettet wurde. Peßach verdeutlicht uns den noch unvollendeten Weg des jüdischen Volkes, der uns das Wesen dieses Volkes und damit unser eigenes Werden verständlich werden läßt. Niemals fehlte es an Versuchen, in bewußter Cileichmachung an die übrigen Völker das Schicksal des jüdischen Volkes aus eigener Kraft, unter Verzicht auf die Bereitstellung für einen höheren Dienst, zu gestalten. Die Aggadah erzählt, im Hinweis auf eine schwierige Stelle in Chr'on. I 17, 20—21, daß 30 000 aus dem Stamme Ephraim dreißig Jahre vor dem Ablauf der Abraham verkündeten Zeit selbständig sich aufgemacht haben. Sie wähnten, daß das Ende gekommen sei, und so gürteten sie sich, jeder versah sich mit einem Schwert; sie alle vertrauten auf ihre Stärke, und so zogen sie aus Aegypten aus „mit starker Hand", sie nahmen nicht einmal Zehrung für den Weg mit, nur Gold und Silber. Sic zogen auf dem nächsten Wege an der Philisterküste entlang nach Palästina. Als sie aber die Herden der Philister wegnehmen wollten, da stellten sich diese ihnen zum Krieg entgegen und erschlugen sie alle. (Sefer jaschar; Midrasch rabba Schmoth Kap. 20.) Deswegen führte Ciott das Volk nach der Aggadah nicht den direkten Weg nach Erez Israel, damit es die auf dem Wege ausgestreuten Gebeine der Kinder Ephrajims nicht sehen sollte und dabei den Mut zur Einnahme des Landes verlieren würde. Es ist hierbei auch interessant, daß nach Raschi das Kapitel der Tolenerweckung Jechcskels (Kap. 37) auf die Sammlung und Wiederbelebung der verstreuten Gebeine der Söhne Ephrajims sich bezieht, die nun erst gleichsam als Antwort auf ihren Versuch nur auf natürliche Weise das Land zu erobern, durch Aufhebung der Naturgesetze ihren Anteil am Lande erhalten. Es sind nicht viele Hinweise im Tnach über die geistige Hsltung des jüdischen Volkes in Aegypten gegeben. Die wenigen Hinweise, die wie gewöhnlich in der Aggadah aufgegriffen und weitergeführt werden, zeigen, daß eine andere Gesinnung als die der Söhne Ephrajims vorherrschte, nämlich in Aegypten auch als Knechtesvolk zu bleiben. Jecheske! zeigt es besonders deutlich (Kap. 20) in einer großartigen Zusammenfassung der Geschichte des jüdischen Volkes, daß Gott wie später immer wieder, damals die Forderung gestellt hat, alles Fremde, besonders den Götzendienst, zu beseitigen und bereits damals das Volk sich weigerte, diese Forderung durchzuführen. Das Volk sollte vernichtet werden, und nur mit Rücksicht auf den göttlichen Namen, der mit diesem Volke verknüpft war und vor den anderen Völkern entweiht wäre, wird wie später das Verhängnis zurückgenommen und das Volk aus Aegypten geführt. Die Aggadah aber spricht im Hinblick darauf nicht von einer Aufhebung des Beschlusses, sondern von einer Umwandlung. Es wird auch hier, wie in allen gerade für das Volk entscheidenden Augenblicken später in der Geschichte nur ein kleiner Teil erkoren; die Mehrheit bleibt in Aegypten, entweder aus eigenem Antrieb oder zwangsweise. (Raschi zu II. B. M. 10, 22 die Frevler, die nicht herausgehen wollten, starben während der Tage der Finsternis.) Das Wort D'tflön im II. B. M. 13, 18 weist nach einer Erklärung, die auch Raschi .bringt, darauf hin, daß nur ein Fünftel, nach anderen sogar nur ein Fünfzigste! des jüdischen Volkes herausgeführt wurde, die anderen sich Vermischten oder aufgerieben wurden. Abraham ihn E s r a, der große spanische Bibelerklärer, bringt eine ähnliche Erklärung, aber aus einem anderen rationalistischen, ausgesprochen modern - nationalen Geiste. Auf die Frage, warum ein so großes Volk nicht um sein Leben und um seine Kinder selber gekämpft hat, antwortet er, daß die Aegypter die Herren über Israel waren, und die Juden von Jugend an nur schwer arbeiteten und daher von niedriger Gesinnung waren. Sie waren schwächlich und nicht geeignet zum Kriege. Sie alle mußten in der Wüste sterben, denn sie hätten nicht die Kraft gehabt, mit den Aegyptern zu kämpfen; ein neues Geschlecht mußte aufwachsen, ein Geschlecht, das die Gallith nicht mehr kannte und von höherer Gesinnung war. (Ihn Esra zu II. B. M. 14, 13). Aus diesem Grunde mußte Mosche auch im Königshause des Pharaos aufwachsen, und nicht in der Mitte Israels, weil auch er sonst nicht geeignet gewesen wäre, das Volk zu führen, und das Volk von ihm als einem aus ihrer Mitte sich nicht hätte leiten lassen. (Ibn Esra zu II. B. A\. 2, 3). Wie später Hess und Herz!, verbindet er sich angesichts des jüdischen Leides, das er zum erstenmal sieht, angesichts des Juden, der geschlagen wird, mit seinem Volke. Wir sehen also eine bewußte Tendenz, in unserer Ucbcrlieferung, anknüpfend an die Bibel selber, dazu, dal! der Auszug, der ja nur das Volk in einen neuen, höheren Dienst überführen sollte, diesem noch sehr unreifen Volke aufgezwungen werden mußte. Sie wurden anders als die gescheiterten Bne Ephrajim „mit starker Hand", gegen Pharaos Willen, wohl aber auch gegen ihren eigenen Willen, herausgeführt. Die Aufhebung der Knechtschaft entsprang nicht dem natürlichen Wesen des Volkes, wohl aber konnte das Erlebnis des Leides als Antrieb für die Annalinie und Durchführung des neuen Gesetzes dienen. Symbolisch zeigen diese Verknüpfung die Tfillin. die Gebetsriemen, die der gesetzestreue Jude jeden Morgen anlegt, und die die vier Abschnitte von der Bewahrung des ägyptischen Erlebnisses für alle Zeiten und der sich hieraus ergebenden Treue für Gott und die Gesetze enthalten (II. B. M. Kap. 13 Vers 1 10; 11-16. V. B. M. 4, 4—9; 11, 13—21.) Sie stellen in immer neuer Mahnung und bei ständiger Bändigung der entgegenstehenden natürlichen Triebe des Menschen und des Volkes (daher Tfillin auf dem Kopf und gegenüber dem Herzen!) die neue Verpflichtung des Volkes dar, als freie Menschen ihr alltägliches Leben in steter Erinnerung an die ägyptische Knechtschaft einer höheren Idee, dem jüdischen Gesetze, zu weihen, und die Idee des Menschen und des gerechten Staates dabei zur Entfaltung zu bringen. Peßach stellt daher nicht nur das Andenken an ein historisches Ereignis dar, vielmehr liegt sein Sinn gerade darin beschlossen, daß immer wieder dieses Gefühl der Abhängigkeit, das Bewußtsein, auf dem Wege sich zu befinden, von Knechtschaft in die Freiheit geführt worden zu sein, erneuert wird. So wurde Peßach zu einem unmittelbaren, ganz konkreten Oegenwartserlebnis. Die Söhne fragen, und die Väter sitzen nicht für sich, sondern antworten ihnen, sie sind an den Fragen der Kinder beteiligt, weil sie wissen, daß der Sinn auch ihres eigenen Erlebnisses, ihres Lernens davon abhängig ist, ob und wie sie es den Söhnen weitergeben, ob die Söhne Das Peßachmahl in einer Mischne -Thora - Handschrift Man kennt das Passahmahl von Hans H o I b e i n d. J. aus der Basler Holzschnittbibcl von 1523, das die Israeliten, dem Bibelwort getreu, darstellt, wie sie, „die Lenden gegürtet, die Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand", das Peßachlamm „in Eilfertigkeit" verzehrend, ausziehen. Die Szene spielt sich im geschlossenen Raum ab. Erst Matthäus M e r i a n d. Ae. änderte in seiner Kupferstichbibei die Holbeinschc Vorlage ab, indem er das Mahl in eine Halle verlegte, die sich nach einer heiteren Wasserlandschaft zu öffnet, gleichsam, um den Auswandernden den Vorgeschmack der köstlichen, frischen Wanderluft zu geben, die sie umwehen wird. Halten wir Rückschau auf die Darstellungen des Peßaehmahles, so sehen wir auf einem venezianischen Einblattholzschnitt um 1840, von E. Weil 1925 in den Soncino-Blättern veröffentlicht, die Ausziehenden mit Wanderschuh und Stab, dichtgedrängt in der Stube bei der Tafel, mit hastigen Gebärden, im Gehen ihr Mahl verzehren. In den illustrierten Haggaden wurde die biblische Szene der Verzehrung des Lammes schon im Mittelalter durch die Sederszenen verdrängt. An Stelle der im Gehen ihr Mahl Verzehrenden trat die um die Tafel sitzend versammelte Familie — der Hausvater vornehm an ein Ruhcpoistcr gelehnt —, bedient von einer Magd, in Spanien gelegentlich von einer Mohrin; der Speisesaal meistens als festlich erleuchteter Prunkraum gekennzeichnet. Wenn uns dann in der venezianischen Holzschnitt-Haggadah von loOO sowohl das ägyptische Peliachmahl als der Familietiscder begegnet und in der Amsterdamer Kupferstich- Haggadah von lo95 wieder nur das Peßachmahl, so ist dieses Zurückgreifen auf das biblische Motiv auf den Einfluß bestimmter Bildcrbibeln zurückzuführen. Daß die A m s t e rdatner H aggadah ihre Bilder derMcrianbibel entlehnte, wurde von mir in der Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, 1931, nachgewiesen. Eine bemerkenswerte Fassung der Szene der Lammverzehrimg finden wir in einer Abschrift des Mischne Thora des Maimonides. Es ist der 2. Teil des Kodex, im Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek, dessen 1. Teil verschollen ist. Die in zierlicher Quadrata in der Mitte des 15. Jahrhunderts geschriebene Handschrift stammt aus überhaben. Sechs große Miniaturen schmücken die Buchanfänge. (Die Handschrift figuriert im Katalog Swarzenski-Schilling „Die illum. Handschriften in Frankfurter Besitz".) Lhiscr Bild illustriert das 9. Buch Mischne Thora von den Opfern, das Buch vom Tempeldienst ergänzt. Bestimmung eines Gcsctzeskompcndiitms in der Illustration der didaktische Zweck ben. Links vorne demonstriert ein älterer Mann der Opferhandlung vorzufuhren haben. Etwas steif stehen sie da um die nach Vorschi ift ausgerüstete Pel'.achtrdel. Und doch ist das Bild von unbeschreiblicher Lieblichkeit. Vielleicht sind '^Jn^^fcWi^^TO^^tsnrsrN ^^^^H^^K ^k^Mk H^tahkukA ^DwWTvPjnjTt .s,-c ,rr In jmxejnrtrcn "TiwajiT** ^uur' rvtfn 3 Ntwt •« "rttmrvun •> nwiwsftM *> **3t9T*.* rjwppiisyTf»tw~i^x*xyv>v +™r?m*»jtyr'«vj, j«^.»..^, rx-:v..%., P^*¥w»p»< afin'^iri*« Ti^j^ww^Tw^fTr1"! xv&n nw*> ywi m\»> ww'om-o'ojrozxpiiD-oenn *»r^r*rnin<»j-^rw^tB«^na!Wiwro"» -nrnroj f u"*-v**fft'ao•'t>»»n«*"vwo-magravryfro»^."vyr-Tr-'a "i'^VP rwa^s-^rWn v^s-'T"^ des - Peßach-Mahl. das Der entsprechend wird hervorgehodie Mazzah Italienische Mischne Thora-Itandschrift aus dem 15. Jhrh. Foto: Archiv Kabel WiscliiuUcr-B«riintei» und den Wanderstab, der durch sein Ausmaß auffällt. Einen Riescnstab sehen wir auch bei dem jüngeren Mann, der hinter dem Tisch steht. Beide Männer tragen Schulterkiagen, die olfenbar die Reiseausrüstung andeuten, und feste Schuhe. Auf dem gedeckten Tisch sind eine Weinflasche, zwei Becher, eine Kräuterschüssel zu erkennen. Im Gegensatz zu den beiden Männern trägt der Diener rechts niedere, lose Schuhe, keinen Schulterkragen, allerdings eine Kopfbedeckung. Er serviert das geröstete Lamm. Was wir hier vor uns haben, sind nicht die in Eile Fortziehenden, sondern schematisierte Figuren, die die Requisiten es die harmonischen Sanftmut, die auf den liegt, die den Reiz knienden Knaben, der Lamm umdreht, mit Proportionen der Gc-stalten oder die Gesichtszügen der Männer ausgebreitet erklären, oder die Grazie des rechts mit einer Hand den Bratspieß mit dem der anderen seinen Kopf aufstützt. Von echt italienischer Anmut ist dieser Knabe, der träumend sich hinstarrt. Besonders köstlich in diesem Bilde ist blumige Wiese, in die die Szene gebettet ist. Die für italienische Frührenaissance so bezeichnende Freude an knospenden Natur bricht hier durch. Sic liegt wie Schimmer der Jugend auf den Bildein der kränkln schritt. Unter allen hebräischen illuminierten Handschriften dieser Zeit ist sie die schönste. Rahcl Wischnitz er -Bernstein vor die die der ein 1 laudiiiiiiiiiiimiiminiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii «■iMUiNiNiniuniiiiiuuiiutitnuwiiimtKiuiiiiuiuinuuiitiiiuiurcnivnirtnHTti iMHHMiiMMiiiuiiiiiiuifiiinifiMiiiiiiuuHiiMHHEUMiini iiiiiMiiii:iiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii|iiiiilun bereit sind, von ihnen die Antwort auf die Frage des Werdens des Volkes und seines Sinnes zu empfangen. Sie er/.ihlen ihnen nicht nur von den Aegyptern, sondern auch von den Verfolgungen, die in fast ununterbrochenem Laufe die Jahrhunderte hindurch bis in die Gegenwart stattfanden und die — mit dem Sterben der Aegypter — dem Peßachfest einen gewissen ernsten Charakter geben. Sie erzählen von den Generationen, die das Peßachfest vergaßen, als die Völker ihnen die langersehnte Freiheit schenkten, und die Maggadah sentimental nur als romantisches Erbstück unserer Vergangenheit betrachteten, bis vor einigen Jahren die meisten der Juden Deutschlands, neu erschüttert, den ursprünglichen Sinn des Peßach für sich entdeckten, neu sich in die ewige Schicksalskette des jüdischen Volkes einreihten und von Sehnsucht nach einem neuen Sinn ihres jüdischen Lebens erfüllt wurden. Es ist nur natürlich, wenn im neuen Erez Israel, besonders aber in den Kibbuzim, dem Peßachfest und seiner Formung eine entscheidende Bedeutung beigemessen wird. Es geht in Erez Israel ja nicht nur darum, ein nach verschiedenen Ländern und Spiachen getrenntes Volk äußerlich zusammenzuführen, sondern dieses Volk innerlich zu einen und zu formen durch lebendige Weiterführung des Erbes der Vergangenheit. Die neuen Gemeinschaftsformen im Lande sind der stärkste Ausdruck für dieses Streben nach einer neuen Formung des Volkes. Einige Wochen vor dem Fest finden in den verschiedenen Kibbuzim gemeinsame Beratungen über die Gestaltung des Peßach statt. Seit zwei Jahren ist es zur Gepflogenheit geworden, daß die verschiedenen Kibbuzim besondere Haggadoth in jedem Jahre herausgeben, die dazu bestimmt sind, die uns bekannte und vertraute Haggadah zu ersetzen, und die vor allem von den politischen und sozialen Umwälzungen im jüdischen Volk, vom Werden des Aufbauwerkes und von der Entwicklung des eigenen Kibbuz im besonderen berichten. Gegenüber der in den letzten Generationen erstarrten Form der Haggadah hatte man hier die entscheidende Bedeutung der Fragen unserer gegenwärtigen Lebensform erkannt und in die Pcßachfeier hineinbezogen, sie aber durch Ausschaltung des Geschichtscilcbnisscs auf ein politisch-soziales Gebiet hinübergeführt unri damit aus der Kontinuität des jüdischen Schicksals herausgestellt. Auch die moderne Haggadah der Kibbuzim ist ein Bild unserer heutigen Zerrissenheit, des Suchens nach einem geistigen Halt. In der letzten Zeit bemüht man sich, aus der Unbefriedigtheit des rein das Soziologische betonenden Freihcitscrlebnisses heraus zum Gehalt der Tradition zurückzufinden. F.s wird unsere Aufgabe bilden, im F.inklang mit unserem Streben, den Riß /wischen den allem Neuen und (icgenw.irtigen verständnislos gegenüberstehenden Alten und den das Historische als (ur uns bedeutungslos ablehnenden Neuen zu überwinden, unser historisches labe im Laude wieder zu aktualisieren, und der Pcßachfeier und der Haggadah damit ihre alte Bedeutung wiederzugeben. Sie soll tlas Werden des Volkes in Aegypten und darüber hinaus wie früher das Geschehen des Volkes uns zum persönlichen I rlebnis werden lassen, aus dem heraus wir die I ragen unserer Gegenwart, unserci neuen Lebensform als Weiterführung des Bemühens um die Verwirklichung als selbstverständlich zur Haggadah gehörig begreifen. Wenn es uns derart gelingt, Vergangenheit und Gegenwart ineinaiiderschmelzen zu lassen, wenn Vater und Sohne zucinanderfinden, und wir uns selber in die ewige Kette der jüdischen Gemeinschaft eingliedern, dann wird auch der letzte, dem Propheten Elijahu gewidmete Teil, der zu einer etwas romantisch-heiteren Formalität erstarrt war, uns wieder bedeutsam werden. Durch das Einbauen der tiegenwart in die jüdische Geschichte und die Vcrlebendigung der Vergangenheit in der Gegenwart werden wir der I rlöstniL' würdig. Indem der Peßach von Mizrajim und der Geschichte zu unserem beut igen Peßach wird, durch unsere Bereitschaff, uns aus der vermeintlichen Sicherung und Abgeschlossenheit des Einzel- und Volksdaseins herauszureißen zu neuem, unsicherem Wandern im Kampfe um die Verwirklichung der dem Judentum seit Aegypten aufgegebenen Idee, bereiten wir den P e ß a c h der Zuk u n f t. (Vgl. den dritten Teil der Haggadah: Halle!, das noffJ-Gcbct, inan "]W die Schlußgesänge, die alle der Zukunft gelten und die Gestalt des Elijahu, die in diesem Teile in den Vordergrund tritt.) Wohlan, ich sende euch Elija den Künder, bevor Mein Tag, der große und furchtbare, kommt, daß er umkehren lasse der Väter Herz zu den Söhnen, der Söhne Herz zu ihren Vätern, — (Malcachi III, 23—24). Auch im Lande bedürfen wir der Erlösung, die uns unseren jüdischen Weg hier im Einklang mit den den Vätern heiliger. Werten und unseren Idealen einer Gesamtmeiischheit (siehe die Haftarah gerade des 8. Peßachtages Jes. 11) gehen läßt