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Jüdische Rundschau · 1937-03-26 · Heft 24-25 (26.3.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 24-25 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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M Nr. 24/25. 26. fll. 193? JODISCHE RUNDSCHAU SeFfe 3 «? i 1-4 ■■n I : Bei den Behai-Juden in Iran Von Dr. Wa Her Fische 1, Jerusalem In Fortführung der in Nr. 87 und 99 des Jahrgangs 1936 und Nr. 2 des Jahrgangs 1937 erschienenen Artikel über eine Reise durch Mittelasien veröffentlichen wir diesen Beitrag. (Red.) Abdul Bahn Abbas Effendi, der Führer der Behaibewegung von 1892—1921 '» ft Die Religion des Islam hat im Verlauf ihres über 1350jährigen Bestehens eine nicht geringe Zahl von Sekten aus sich entlassen, die ihre Existenz gewissen dogmatischen Differenzierungen oder theologischen und mystischen Spekulationen verdanken. Keine dieser zahlreichen islamisch-religiösen Bewegungen hat jemals Juden so stark in ihren Bann zu ziehen vermocht und sie vom Boden des Judentums entfernen können wie jene Bewegung, die im 19. Jahrhundert in Iran entstanden ist und unter dem Namen „B a b i s m u s" und „B e h a i s - mus" ihren Zug durch die Welt angetreten haben. Ein« neu« Religion Es ist noch nicht gebührend gewürdigt worden, daß Iran durch das Auftreten von „Bab" (die Pforte) und von „Beha Allah" (Olanz Qottes) und ihrem messianischen Ausspruch im 10. Jahrhundert noch einmal Schauplatz und Geburtsstätte einer neuen Religion wurde, die Heut? weit über ihr Ursprungsland hinaus in der ganzen Welt, in Japan, Indien, Amerika, in Europa, in Palästina usw. Tausend« von Menschen zu ihren Anhängern rechnen kann. Schon angesichts dieser außergewöhnlichen Wirkung mußte diese Behai-Bewegung, welche die jüngste Refigionsbildüng und die letzte auf dem Boden des Islams entstandene Sekte darstellt, auch unser besonderes Interesse hervorrufen. Wenn wir in aller Kürze das Wesentliche dieser Bewegung, des Behaismus, hervorheben wollen, so wäre tu sagen, daß sie eine Reaktion auf die schiitische Staatsreligion Pcrsiens im 1°. Jahrhundert darstellt, und bestrebt war, eine Reform und Renaissance Persiens aus neuen religiösen und sozialen Impulsen heraus herbeizuführen. In der Fortführung der Lehren des Bab durch Beha Allah wurde jedoch der Zusammenhang dieser Reformbewegung mit der Dogmatik, der Theologie und dem Ritus des Islam so gelockert, daß sie sich bald zu einer aufs Universale gerichteten E i n h e i t s - religion entwickelte, die die kultische Ordnung des Islam radikal durchbrach, öffentliches Gebet in der Moschee, Waschungen, Gebetrufer, Wallfahrt nach Mekka usw. aufhob und schließlich als neues Glaubensbekenntnis verkündete: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Beha Allah (also nicht mehr Mohammed) ist sein Prophet." Beha Allah erhob damit den Anspruch, der Mahdi der Mohammedaner zu sein, aber auch der Messias der Juden, der wiedererstandene Heiland der Christen und der Saoschyant der Zoroastrer, denn Judentum, Christentum, Islams usw. seien nur Etappen jener göttlichen Offenbarung, die nun ihre letzte Manifestation in ihm, in Beha Allah, gefunden habe. Wer heute als Europäer nach Iran kommt, trifft überall auf Anhänger dieser Bewegung (Mohammedaner, Christen, Juden, Zoroastrer), die, obwohl in Iran seit Anbeginn (1850) verboten und als sfaatsgefährlich und illegal gebrandmarkt — und dies sogar auch unter dem liberalen Regime von Riza Schah Pehlevi — doch noch immer eine rege missionarische Tätigkeit in allen Kreisen entfalten. Wirkung auf die Juden Was diese Bewegung befähigte, auf die Juden und aut Angehörige anderer Religions- und Kulturkreise einzuwirken, lag jedoch weniger in dieser Ueberwindung des islamischen Kultus und Priestertunis, als in ihrem sozialen und politischen Programm, in der überraschenden Gleichsetzung der verschiedenen Religionssysteme und der daraus folgenden Gleichstellung der Trager aller Religionen. Damit wurde nämlich vor allem jene Vorstellung aufgehoben, die seit der Einführung des schulischen Islam als der Staatsreligion Per- PRINZ: Das Leben im Ghetto fl RQ Jüd. Schicksal in 5 Städten, soeben erschienen ....... KM ^■■ww siens die Grundlage der interkonfessionellen Politik und auch der Judenpolitik von Seiten der schiitischen Geistlichkeit gewesen war: nämlich die Vorstellung von der rituellen Urcinhcit des Juden. Diese Auffassung war die Quelle all der Verfolgungen und Leiden, denen die persischen Juden in den letzten Jahrhunderten von seiten einer fanatischen Priesterschaft ausgesetzt waren. Da tritt im 10. Jahrhundert Beha Allah — ein Perser, ein Muslim — auf, fordert interkonfessionellen Verkehr und befreit die Juden von dem Odium der Unreinheit, indem er erklärt, daß alle Menschen Blätter von einem Baum seien, daß alle in das Meer der Reinheit getaucht seien und daß kein Mensch durch sein bloßes Dasein einen anderen verunreinigen könne. Wenn man bedenkt, daß bis ins 20. Jahrhundert hinein der persische Jude nicht wagen durfte, während "des Regens auf die Straße zu gehen, weil das Wasser seine vermeintliche Unreinheit auf den Gläubigen hätte übertragen können, daß schiitische Kaufleute das Geld eines Juden erst zu waschen pflegten, bevor es in ihre Tasche wanderte, daß besonders schiitische Gemüter sogar ihre Augen wuschen, wenn sie einen „Ungläubigen" (Europäer, Juden usw.) auch nur sahen — wenn wir uns an diese Auswüchse religiösen Fanatismus erinnern, versteht man, wie revolutionierend diese Botschaft des Beha Allah von der Ueberwindung der typisch islamischen Unterscheidung von „Gläubigen" und „Ungläubigen" auf die so bedrückten persischen Juden wirken mußte. Aber auch viele aufgeklärte Perser, die unter dem.kulturellen Rückstand ihres Landes litten, waren von dieser kühnen Neuerung begeistert und schlössen sich an. Die Gleichheitserklärung von „Gläubigen" und „Ungläubigen" übte eine zündende Wirkung aus. Das war gleichsam das Toleranzedikt der persischen Juden, und so wie die Ideen der französischen Revolution an der Wiege der jüdisch-eurofiäischen Assimilation standen, so bedeuteten die Behai-Ideale iir viele persische Juden die (ieburtsstinide ihrer Emanzipation und Assimilation, allerdings zugleich auch den Beginn einer erschreckenden Abfall he wegung vom Judentum, die ihresgleichen, zwar unter ganz anderen Voraussetzungen, nur noch in der Geschichte der westeuropäischen Judenheit des 10. Jahrhunderts hat. Bei Befaai- Juden in Persien Die Behaisten betrieben eine rege Propaganda in allen Kreisen, auch unter den Juden. In II a m a d a n, dem Sitz einer froßen jüdischen Gemeinde, suchte der berühmte Apostel es Beha Allah, Miza Abu'l F a z 1, die Juden für die Lehren seines Meisters zu gewinnen. In seinem auch in europäische Sprachen übersetzten Buche suchte er die Echtheit des Messiasanspruchs von Beha Allah auf Grund der Bibel und Propheten nachzuweisen, indem er alle messiauisch-apokalyptischen Stellen auf Bab und Beha Allah deutete und an Hand von Zitaten aus Jesaja, Daniel usw. zeigte, da Ii Beha Allah schon in der Bibel vorausgesagt sei. Mit Hilfe jüdischer Behais wurden behaistischc Propagandaschriften ins Hebräische übersetzt und in den jüdischen Gemeinden Persiens und sogar Bucharas verteilt. Die behaistischen Propagandaversammiungen in den 80er und 09er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und später entwickelte sich bald zu richtigen R e 1 i g i o n s d i s p u t a t i o n e n, in denen die jüdischen _ Vertreter ihre Argumente gegen den bchaistisrhen Schriftbeweis, gegen die behaistischc Bibelexegese und den Messiasanspruch von Beha Allah vorbrachten. Von dieser jüdisch - behaistischen Auseinandersetzung kann an dieser Stelle im einzelnen nicht gesprochen werden, so interessant sie ist und so frappierend in ihrer Parallelität zu der jüdisch-christlichen Polemik und Apologie des ersten Jahrhunderts. Jedenfalls wurde kaum eine jüdische Gemeinde in Persien von der behaistischen Propaganda verschont und trotz mancher Abwehrmaßnahmen von jüdischer Seite und später auch von Seiten der Lehrer der Alliancc-Schulcn wurde die Zahl der sogenannten „B e h a i ■ Juden" immer größer. Gelehrte wie Gobincau, E. G. Browne, Lord Curzon u. a. geben Details über Zahl und örtliche Verteilung der Behai-Judcn (Hamadan, Kaschan, Teheran, Gulpaigan usw.) aus dem 19. Jahrhundert an und während meines Aufenthalts in diesen Städten im Jahre 1030 und 1036 traf ich noch immer „Behai- Juden" in beträchtlicher Zahl an. In Teheran hatte ich sogar Gelegenheit, an einer behaistischen Rcligionsdisputation teilzunehmen, die mir einen direkten und sehr inter- Persisclier Gerten auf dem Karmel in Haifa Fotoi: Ur. Walter 1 iicbel essanten Einblick In die Gedankenwelt der Bchai und Behai- Juden vermittelte. Die Juden finden in dieser Bewegung ihr neues Lebensideal, ein besseres als jenes in der Tat in Aberglauben, Forrnalistik und Ritualistik erstarrtem persischen Judentum. Obwohl die Behailchrc einen formellen Religionswechsel nicht fordert und viele Behai-Judcn sogar an den hohen Feiertagen noch die Synagogen besuchen, sind diese Behai-Judcn, indem sie an ein Konglomerat aller Religionen, an Moses, Buddha, Zoroaster, Christus, Mohammed und Beha Allah zugleich glauben, für das Judentum faktisch verloren, und gehen auch schließlich in dein großen religiösen Chaos Irans einfach unter. Es muß mit Bedauern festgestellt werden, daß, wenn die persische Judenheit geistig hochstehende Führerpersönlichkciien gehabt hiittc, die den wahren Sinn des Judentums, seine Ethik, seine Messiasidee, seine Leistungen für die Weltkultur, seine nationalen Hoffnungen richtig gelehrt hätten, dein jüdischen Gesarntorganismus diese jüdischbehaistischc Abfallbewegung gewiß erspart geblieben wäre. Es entbehrt nicht der Tragik, daß der nach dem Tode von Beha Allah anerkannte Führer der Beliaibewegung, Abbas Effendi, auf seiner Propagandatour in Amerika auch in der Synagoge in San Franzisko empfangen wurde Aus der Thoravorlesung für den 1 .Tag Peßadb Wahrt diese Rede zum Gesetze dir und deinen Söhnen auf Weltzell! Es soll geschehn, wenn Ihr kommt In das Land, dos ER euch gibt, wie er geredet hat, wehrt diesen Dienst 1 und es soll geschehn, wenn eure Söhne zu euch sprechen: Was Ist euch dieser Dienst? dann sprecht: Schiachimahl des Uebersprungs ist es IHM, der die Hfiuser der Söhne Jissraels abersprang In Aegypten, als er Aegypten hinslief» und unsere Häuser herausredete. Das Volk neigte sich und warf sidi nieder. Dann gingen die Söhne Jissraels und lalens, wie ER Mosche und Aharon geboten hntie, .10 taten sie. 2. Buch Mose, Kap. 12, 24-29 Verdeutscht von Mariin Buber und eine „Botschaft an die Juden" richten konnte, im Oktober 1012, in jenem Jahre, in dein die Juden in Persien noch immer einen erbitterten Kampf mit dieser Bewegung um jede abgefallene jüdische Seele zu führen hatten. Verknüpfung mit Palästina Durch das neue Regime von den Juden gewährte Glcichberechtk heute ihre Wirkung auf die per-d- Es kehren sogar mamhe wieder versuchen mit Hilfe hehai-lischer I bewegung zu begründen — ein kenswerter I »ro/eli. Durch eine merkwürdige I ii"! Bewegung mit P a 1 a s t i n a aui- Wer je einmal Ilaifa und Akko gewiß air die so weihevollen sisclicn < 1 ä r t e n. i )oit liegen der Begründer und Führer dieser Beha Allah (1802), Alibas Ftfend deren Giäber als „billige Stutter." ihren Anhängern betrachtet weiden. Die Beliaibewegung hat diese Vi in ihrer Propaganda unter den Juden und auch hierfür sich auf Bibel/itate gestu so mancher Behai-Judc wahrend seiner 1h fahrt naeh Ilaifa und Akko - vielleicht ruhrung mit der Heimat, mit F.rez Israel seinem Volke und seiner Religion /uruel. Immerhin, es mag ein tiefer Sinn darin lie Riza Sc h a h und die mißhat die Beliaibewegung eben Juden fast eingebüßt, /um Judentum zurück und leale eine jüdische Reformgei>tesgeschichtlich bemermg des Geschicks ist diese engste verbunden worden. b< -neb! hat, erinnert sich nid eindrucksvollen perdie sterblichen Ueberrcste Bewegung, des Bab (1830), (1021) und ihrer Jünger, i" ' und Wallfahrtsorte von nfipfung mit Palästina itsprechend ausgenutzt islul/t. Dennoch soll i/.istisclicti Walliniolge der Be- - den Weg zu gefunden haben,;en, daß gerade Palästina auserschen war .....- und dies im Jahrhundert —■ wiedertun r e 1 i g i o s e s Z e 11 t r 11 in für diese weltumfassende Gemeinde der Behai-Gläubigeu zu werden. j Jacob de Haas j Im Alter von 63 Jahren ist in New York nach mehrwöchiger Krankheit tler ehemalige Privatsekretär Theodor Herzls, Jacob Judah Aaron de Haas, gestorben. Jacob de Haas wurde am 11. August 1872 in London geboren. Er war Mitarbeiter verschiedener Tageszeitungen und in den Jahren 1880 -1000 Redakteur der Londoner „Jevvish World". Auch als Berichterstatter ausländischer Zeitungen und Zeitschriften hat er sich betätigt. Im Juli 1806 schloß er sieh Dr. HerzI als ehrenamtlicher Sekretär an. Auf Wunsch Herzls ging er im Mai 1(K)2 in die Vereinigten Staaten. Von 11)02—1005 war er Sekretär des amerikanischen Zionistenverhandes. Seine journalistische Laufbahn setzte er in Amerika fort. In den Jahren 1008-1018 war er Herausgeher und Schriftleiter des „Jewish Advovate" in Boston. Fr blieb mit Her/1 Ins zu dessen Tode in persönlichem Konfakt. Spater war es seinen Bemühungen zu verdanken, daß Richter Louis D. Brandeis für die zionistische Bewegung gewonnen wurde. Vom Marz 10!<> bis zum Mai 1021 war de Haas Sekretär der Exekutive des p rnvisori c Ii c 11 zionistischen Komitees und der /. i o ri 1 s { 1 s c h e n O r g a n i s a t i o ti Amerikas. Nach dem Sturz der Braudus-Uruppc in Cleveland war er 1021 -1021 S< kreiär der l'alcssme Development Leagucs und des Palestine Fiidowinent Fund. Beim I. ZionistenkoiigrelS 1807 war d Kongreßsekretär. Von 18"7 -Ion;, gehörte Aktiuns-Oomite an. Fr hat Vorfrag.-reisen Gebiet der Vereinigten Staaten und Kann Nahen Osten unternommen. 1 r vciofienlh Studien über Theodor 11 e r /, 1 und Lnuigab Herzls ,.J 11 d e n s t a a t" im Jahre 1<io! Sprache heraus und schrieb 10 50 zusammen 1 laas englischer er dem Großen durch das ganze a und nach (lern ite biographische I). B r a n d e i s, in englischer mit Stephen W i s e ein Buch über die englische PaklMinapolitik unter dem Titel „T h e Great B< ■trayal". De Haas, in den zionistischen Vorkriegsvorstcihmgctt aufgewachsen und ein Gegner Wti/manns, war von der Entwicklung der Dinge im Zionismus sehr verargen. Inm-r/iomstiseh stand er bereits seit einer Reihe von Jahren dem Revisionismus nahe, hat sieht ihm jedoch erst unmittelbar Nor dem Wiener Gründlings« kongreß tler Neuzionistischen Organisation im Sommer 1035 angeschlossen. Auf diesem Kongreß wurde er zum Kongreß« Präsidenten gewählt. In den letzten Jahren lebte er nur seiner schriftstellerischen Tätigkeit (er schrieb eine Geschichte Palästinas) und nahm am politischen Leben nicht mehr teil. In Kürze erscheint von Dr. Adolf Lichtigfeld im Verlag M. L. Caüiitgold, London, ein Buch „Philosophie und Offenbarung im Werk zeitgenossischer jüdkscher Denker", in dem zusammenfassende Darstellungen ul er die Systeme von Cassirer, Cohen, Kiatzkin, Birnbaum, Breuer, S'immeL, Scheler und Franz Rosenzweig gegeben werden. Chiefrabbi Hertz und Prof. Macmurray haben dem Werke Vorworte vorausgeschickt. Die Wilnaer jiddische Zeitimg „Der Tog" hat ihr Erscheinen eingestellt. Sie bestand IS Jahre. DAS SPEZIALHAUS für Stoffe ' Wäsche Kleidung Teppiche Gardinen Möbel Ausrüstung für Palästina und Übersee Sduilüidi* Anfragen an die Übersee-Abtcihmg / Telefoolsdi« Verabredungen unter Ea 001t > _i

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