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Jüdische Rundschau · 1937-03-23 · Heft 23 (23.3.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 23 (23.3.1937)
Date
1937-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU ^UMr^S jL-A.lTT Nr. 23, 23, MÄRZ 1937 Reisen und Abenteuer Edgar Lajtha: Weiterleben. Menschen, Inseln, Ozeane. Ein Reisebuch. — Rowohlt, Berlin. Ein 21jähriger ungarischer Journalist erzählt die Erlebnisse einer Weltreise. „Nicht das private Abenteuer des Reiseschriftstellers ist heutzutage das wichtigste Problem der Reiscbcschreibung. Das Abenteuer ist das fremde Land selbst. Das fremde Land, das fremde Volk, der fremde Mensch und das Gesicht dieser Zeit in dem fremden Lande. Wenn sich die Volker kennen w ii r d e n, würden sie sich nicht hassen." Das ist das ethische Gnuidmotiv dieses amüsanten, stellenweise etwas salopp feschriebenen (s. „kennen wurden"!) Buches, das diesem weck des impressionistischen Kenncnlcrncns fremder Welten vortrefflich dient. Wie ein Film huscht die Welt an uns vorüber, von Europa zum fernen Osten, von China und Japan über Hawai nach Amerika und von New York über London, Paris, Berlin zurück nach Budapest, immer mit besinnlichen Gedanken über die Menschenproblcmc, die überall die gleichen sind. Unter all den vielen Völkern werden Juden nicht erwähnt, obwohl so stark jüdisch durchsetzte Städte wie New York oder z. B. Budapest geschildert werden. Lin atemberaubendes Tempo durchzieht das Buch und läßt uns fühlen, wie nahe die verschiedenartigsten Länder dieser Welt aneinander gerückt sind. r. Sven Hedin: „Die Seidenstraße". — Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1036. Wie anders sind die Forschungsreisen Mediiis geworden! Wer seine Werke kennt, weif), unter wieviel Strapazen er zu Fuß oder auf dem Kamel durch die Steppen Asiens zog und dabei seine großen Entdeckungen machte. Jetzt bedient er sich einer großen Autokarawane (mit der es sich in jenen einsamen Gegenden keineswegs komfortabler reist), um im Auftrage der chinesischen Regierung die Bedingungen für den Bau einer großen Straße quer durch China zu erforschen, durch die Handel und Wandel neu belebt werden sollen. Er zieht die alte „Scidetisfi alle" der Chinesen entlang, auf der in früherer Zeit China mit Rom in Verbindung stand und gelangt unter zahlreichen kleineren und größeren Abenteuern glücklieh wieder nach Peking zurück. Medin träumt von der Wiederbelebung dieses Verkehrsstranges, der sich über 12(KW) km erstreckt, von China über Rußland, Iran bis Bagdad führen soll und von dort durch die syrische Wüste nach D a in a s k u s oder Aleppo und weiter nach Stambul, von wo aus der Weg nach Europa frei ist. N. Heinrich Schiffers - Davringhausen: Stumme Front, Männer und Mächte im Banne der Sahara. — Wilhelm Goldmann, Leipzig lüJö. Man erlebt in diesem Buch keine trockene Aufzählung von Tatsachen, sondern hier wird der Versuch unternommen, in lebendigster Gestaltung den europäischen Kampf um die Eroberung der afrikanischen Wüste darzustellen. Es ist die Sahara, um die der schwere Kampf tobt, der trotz schlimmsten Niederlagen immer wieder Männer aus vielen Ländern in seinen Baun zog, ihr Leben einzusetzen, den sicheren Tod vor Augen, aber allen Gefahren und Erschwernissen trotzend, bis nach vielen Jahrzehnten und einer Unzahl von Opfern der Kampf der Forscher und Militärs zum Sieg führte. Davringhauscu gibt eine Fülle von Tagebuchaufzcichmmgcn der verschiedensten Forscher — Engländer, Deutsche, Fianzosen und Italiener —, ihrer Erlebnisse im Kampf gegen die Wüste und ihre Bewohner, die Berbervülker, und ihrer kühnen Taten. Er versteht fesselnd zu erzählen und an Hand von Kartenskizzen und sehr schönen Photos alle Geschehnisse noch deutlicher zu unterstreichen. Besonders interessant sind die Kämpfe der Scnussi, einer islamischen Sekte, gegen Italiener, Franzosen und Engländer während des Weltkrieges geschildert, d. h. ein Teil der islamischen Unabhängigkeitsbewegung unserer Zeit. Ch. F. Bei den sefardisdien Juden Das Leben für die Idee Martin Gumpert: „Das Leben für die Idee". — S. Fischer Verlag, Berlin. In diesem Buche ist nichts gedichtet; kein Wort; kein Faktum; keine Figur. Es ist weiter nichts als eine Aktensammlung aus der Geschichte der Wissenschaft; und doch wirkt es erschütternd. Neun Forschcrschicksale werden hier erzählt — freilieh wurden sie „durch ein Temperament" gesehen und mit großer, schlichter Kunst dargestellt. Die Reihe beginnt mit Girolamo Card an o. Er steht am Wendepunkt in der Entwicklung der Naturwissenschaften; nicht so sehr seine vielgestaltigen Leistungen wie der Funke seiner genialen Methode eint ihn noch mit dem Forscher von heute. Aber als der Vielgefeierte, der Arzt des Papstes, schon sein siebzigstes Jahr erreicht hatte, da ... greift die Hand der Inquisition nach ihm — im Kerker beugt sich der alte Mann, der einst den „Katechismus des kleinen Glücks" geschrieben hatte und verspricht, nicht mehr zu lehren und nicht mehr zu drucken. So sitzt er in Rom und arbeitet fort an Büchern, die nicht gedruckt werden dürfen, als ob sie morgen gedruckt würden ... Milde erscheint dieser Lebensabschied noch gegenüber dem blutigen Feuerschein, der aus der unheimlichen Tragik des Miguel Servet aus den Blättern dieses Buches von neuem entflammt. Es ist, als ob gerade diese Tragödie ganz besonders zu uns ' Juden spräche. Serveto kam aus Tudela, der Heimat unseres großen Reisenden Benjamins von Tudela, und war vor dem Brandgeruch der Inquisition in mildere Gefilde entflohen. In Toulouse erlebte er den Zusammenstoß der alten und der neuen Welt; er liest die Schritten der Reformatoren, entdeckt die Bibel — und seine juristischen Bücher" fliegen beiseite. Merkürdig, wie den nach allen Richtungen hin glänzend begabten Renaissmicegcist das Wort der Bibel zu neuen Entdeckungen geleitet. Seine Entdeckung des Blutkreislaufs, die William Harvey später erweiterte, hat er selbst auf die Worte der Genesis von der Seele, die im Blute lebt (Gen. 2, 7; Deut. 12, 23), zurückgeführt. Diese Worte, die klassische Darstellung des Blutkreislaufs stehen in seinem großen Werke, das ihm zum zeitlichen Tode und zugleich zur Unsterblichkeit verhalf: der „Wiederherstellung des Christentums". Das Buch ward mit ihm zugleich auf dem Scheiterhaufen in Genf verbrannt. Die Tragödie wiederholt sich in späteren Jahrhunderten. Der Entdecker der Pockenimpfung, Renner, bekommt seine feniale Arbeit mit einem groben Brief von den Philosophical ransactions zurück. Das berühmte Ohmschc Oesetz, die Grundlage der heutigen Elektri/itätslehre, wird von der Berliner philosophischen Fakultät als „unwissenschaftlich" abgelehnt. Ignaz Philipp Semmel weiß muß für seine große Tat, die Verhütung des Kindbcftficbers, Spott und Hohn erdulden; und Robert Mayer, der Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft, wird durch den Unverstand der Zeitgenossen fast, in den Wahnsinn getrieben. Gumnert schließt mit einem versöhnlichen Klange: der Geschiente von der Entdeckung der Gehirnchirurgie durch den Amerikaner Cushing. B.B.St. Jeliuda Burla: In den Sternen geschrieben. Eine Erzählung. — Schocken Bücherei 74. Jchuda Burla entstammt einem altangcschenen Geschlecht sefardischer Rabbiner und Forscher, das seit mehreren Generationen in Jerusalem ansässig ist. Aus dem gleichen Kreise, der ihm von Kindheit an vertraut ist, wählt er sich die Themen seiner Erzählungen und Romane, mit welchen er als einer der ersten weltlichen Erzähler sefardischer Herkunft in die neue hebräische Literatur eintrat. — Auch die Erzählung „Maarachot", die 1934 int der Festschrift zu Bialiks (>0. Geburtstage mit einer Widmung an Bialik erschien, spielt im Hause jener adligen Menschen, denen alte Fainilientradition als Stolz und Belastung zugleich eine Erbschaft hinterließen, in deren Zeichen sich nun ihr eigenes Leben abspielt. Bussa Rcina, die stolze, blasse Frau, trägt wie eine Krone um ihre Stirn das Erbe ihrer gelehrten Ahnen; aber ihr schöner, lebensfroher Gatte, den man Gliacham üedalja nennt, empfindet um so tiefer die verpflichtende Last des Erbteils, als ihn alle seine Sinne ins Leben weisen, das er, der Ungelehrte, durch immer neue Mizwoth zu heiligen strebt. Prächtige Bilder von dem Leben der Sefardim am Schabbat unü Festtag rauschen an uns vorüber. — Aber in dies helle Haus kommt die graue Sorge: Bussa Reina, die Edle und Gütige, würdige Enkelin großer Almen, erblindet; und in der Verzweiflung und Ratlosigkeit ihres großen Leidens gerät sie in die Niederungen des Argwohns und der Leidenschaft. Sie verdächtigt eine hilfreiche, junge Nachbarin, daß sie auf ihren Tod nur warte, um dann ihren Galten zu heiraten. Mit seltener Delikatesse wird nun durchgeführt, wie dieser alte, oft schon verwendete Konflikt von diesen stolzen und gütigen Menschen durchgekämpft wird. Chacham Gedalja sucht sich in seiner Verwirrung durch ein „Traumlasten" eine überirdische Antwort auf seine Zweifel zu holen. Drei Tage und drei Nächte fastet er in der Grahhöhle Simeons des Gerechten; der Traum der Naelu soll ihm die Lösung bringen. Aber ... er stößt ihn noch tiefer in seinen Zwiespalt Iiinein, da er ihm die Rückkehr nach Hanse befiehlt, wo er statt seiner kranken Gattin die schone Nachbarin schlafend vorfindet. Ungelöst bleibt die f rage — auch als die Gattin erkrankt und stirbt, nachdem sie als eine letzte Pflicht, die noch die Sterbende in halber Bewußtlosigkeit auf sich lasten fühlte, von der Nachbarin Vergebung tur ihren Argwohn erbeten hat. -- Und dennoch schließt die Erzählung nicht mit dem Worte, das die Frommen auch dem geliebtesten Toten nachzurufen pflegen: „Geloht sei der gerchie Richterl", sondern mit dem heischenden Worte des rastlosen Menschen: „Gib Antwort, o Herr, gib Antwort!" Eint trage an den Uebcrsetzer: So feinfühlig Emanuel bin Gorion sonst zu übertragen weiß; iiier können wir ihm nicht überall folgen. „Zu ölten .Walen" nicht, auch nicht beim Titel des Buches. „Maarachot" heilit freilich sowohl Konstellationen der Gestirne wie Szenen (Akte, Bilder), wie auch „Schlachtreiheii". liier - so scheint es uns — war die Wiedergabe des seelischen Kampfes die Hauptsache. — „In den Sternen gemein leben" d.i* kann l'iiede so gut wie Krieg bedeuten. Vicllt ielu wäre d.> sehliilitc Wort „Kämpfe" dem Urbild iiabergekoniuu.ii. Wobei wir uns aber bewulit bleiben, daß auch dieses Won nicht dem Doppelsinne des hebräischen Originals gerecht wird. Bertha Badt-StrauB Romane Jules Romains: Die Hochmütigen, — 5. Band der Romanserie „Die guten Willens sind". — Deutseh von Franz. Hessel. — Rowohlt-Verlag, Berlin 1036. Mit diesem Band ist die an dieser Stelle bereits besprochene Romanserie (siehe Nr. 13, 21) und 71, Jahrgang 1936), die in das Paris der Jahre vor dem Kriege zurückführt, in ihren zweiten Teil eingetreten. Wie der Autor es versprochen hat, werden jetzt für eine Weile eine Reihe von E i n /. e I s c h i c k s a I e n längere Zeit hindurch verfolgt. Dieser Band behandelt die Liebesgeschichte der Grafin Champcenais und des Petroleiimniagnaten Sammeeaud sowie die Grundstücksspekulationen des etwas allzu geschäftstüchtigen Herrn Haverkamp. Beide Erzählungen sind ebenso spannend wie graziös geschrieben, was besonders der Liebesgeschichte zugute kommt, deren Thema äußerst delikat ist und dennoch mit sehr viel künstlerischem Takt behandelt wird. Neben diesen beiden Hauptlinicn erleben wir die politischen Träume des Deputierten Gurau und die revolutionären Bewegungen, die das Paris des Jahres UKW in Bann hielten. — Man ist am Ende des Bandes gespannt, wie Jules Romains die Erzählung fortsetzen wird, in der in jedem Wort die eigenartige Atmosphäre der grollen Stadt und ihrer Boulevards durchleuchtet. —n. Siegfried Trebltsch: Die Dritte, Geschichte eines Herzens. — Herbert Reichner Verlag, Wien 1937. Wenn Trebitsch diesem Buch den Untertitel „Die Geschichte eines Herzens" gibt, so möchte man hinzufügen, eines kranken, seelisch schwer mitgenommenen, beinahe psychopafhischen Herzens, und man kann nicht recht verstehen, warum der Verfasser sich mit einem Schicksal Wiedas unseres Helden, überhaupt auseinandersetzt. Guido Sendlinger, ein junger Beamter, kniiplt nur Beziehungen zu Frauen an, die an einer schweren, unheilbaren Krankheit leiden, von denen er mit Bestimmtheit annimmt, daß er seine Eheversprechungen nicht einzulösen braucht, da der Tod ihn davon befreit. Nachdem er zwei Frauen, eine Schwindsüchtige und eine Herzkranke, verloren hat, gerät er an eine Frau, die „Dritte", die seine ganze Persönlichkeit bis ins Letzte durchschaut. Trotzdem verbindet sie sich mit ihm, bis sie sich aus beruflichen Gründen — sie ist Filmschauspielern! — von ihm trennen muß. Er erlebt zum erstenmal das Schicksal seiner früheren Geliebten an sich selbst. Dieses Buch zeigt eine Welt, vor der man sich nicht aus Feigheit verschließen möchte, man schüttelt aber die kranke Atmosphäre gern wieder von sich ab. —chs. Ein bezaubernder Roman, der besondere Hervorhebung unter den Neuerscheinungen der letzten Zeit verdient, ist Gabor von Vaszarys ,,.\\ o n p t i" (Ernst Rowohlt Verlag). In unserer pathetisch-bewegten Zeit ist das Eintauchen in die unsagbar zarte, menschlich bewegte Atmosphäre dieses Buches eine echte Erholung der Seele. Der Duft und die luft von Paris durchwehen die Erlebnisse des jungen Ungarn, der sich kläglich durchhungern muß und doch Humor und Lebenslust nicht verliert. Das Mädchen, das er im Luxenbourg kennenlernt und das ihn „Moupti" (- Mon petit) nennt, ein reizendes, phantasiebegabtes Geschöpf, verschönert ihm die bitteren Tage, und in dem harmlosen Spiel der Zwei ist so viel Menschliches, so viel an einfacher Lebensweisheit, Gefühl, auch Ironie und Witz, daß der Leser richtig ergriffen ist. Man kann sich vorstellen, daß viele junge Menschen — sogar solche, deren Schicksal und Lebensweg ganz anderer Art ist und nicht nach Paris führt — dieses Buch liehen werden. Den Namen des ungarischen Schriftstellers, der es geschrieben hat, soll man sich merken. _ seh. Im 63. Lebensjahre ist in Wien Dr. Paul W e r t h e i m e r, der bekannte Theaterkriüker und Le'ter der Feuilleton-Redaktion der „Neuen Freien Presse", gestorben. i.....lunttUTiiMliiMii i mt11 n ui i ii H! iriri i: i m i u ii iiiii i >iitM!ti:i: i: ^'i i h i r r 1111 im tili 11.1) ii 11 ii Iitil:i ri t iiiiim in......i! 11 um Minriti i: i Seil dem letzten Literalnrblatl, das in Nr. 12 vom 12. Februar erschienen ist, wurden folgende Bücher außerhalb iles i.iteratttvhlatles besprochen: „tlaneft Sorem lejatn haliebon", von Israel '/.urchi (Nr. 14). — „liaol IIahihhasch". von Josef Chanani (Nr. 14). — „Mazeva", von Schimunowitz (Nr. 14). — „Mcalef weud Tav", von Jphoschua Tanfi (Nr. 14). — „Bamnsscchet" von M. A. Beigeis (Nr. II). — „Ramath Hakowesch" (Nr. 14). — „Scherut Schmirali" (Nr. 14). — „Die Geselzeslehrer von Schimon, dem Wahrhaftigen, bis zum Auftreten Hillels" (Nr. 15). — Quellenheft „PurIm", von Dr. Elieser L. Ehrmann (Nr. 15). — „Das Buch Esther", von Wilhelm Vischer (Nr. 15). — „Löst der Kommunismus die Judenfrage", von Sal. Goldelmann (Nr. 16). — „Mihraot Gedololh" (Nr. 1S). — „Palästinensischer Import Directory" (Nr. IS). — Jahrbuch „Knesseth" (Nr. IS). — Gedenkschrift „Cheruth" (Nr. 19). — „Bibelhonhordanz", von Dr. S. Mandelkern (Nr. 20). ~ „Die häuslichen Schabbatgesänee", von Arno Nadel (Nr. 22). — „Erinnerungen und liiifife1', von Graf Johann Heinrich flernslor/f (Nr. 22). Vom Lehen des Menschen in der Schöpfung Jean Giono: Die Sternenschlauge. Uebersefzung aus dem Französischen von Ruth und Walter (ierull-Kardas. —. S. Fischer Verlag, Berlin l°i7. Der SmKrasi/osc Giono lalJt uns in dieser Erzählung wieder die I amischaft seiner llinnat und die Menschen und Tiere, die diese LaiuUchaft bevölkern, ei leben: Es sind die Hirten und die Schafherden eines I lochplateaus, die im diesem Buche zu uns sprechen, im wörtlichen Sinne in einem I lirienspiel. das in der Johaiimsuacht au!:.;einhrt wird und Höhepunkt und Abschluß dir Erzählung bildet. In einer ebenso dichterischen wie an Urmytheii gemahnenden Sprache, die manchmal beinahe biblische 1 um.1 anschlagt, sprechen diese Menschen — nein spricht die Natur in ihrer kosmischen Kraft zu uns, sind Mensch. Tier, Pflanze und Gestein zu einer Einheit verbunden. Es sind „die Männer, die die beiden Seiten der Bäume sehen können, und das Innere der Steine, die sich in den Gedanken der T iere ergehen, wie in den großen Wiesen von Ucvoluy im wohlbekannten Grase". Und an anderer Stelle beißt es: „Uli, Mensch, lausche auf dieses gewaltige Lied alles Geschaffenen, alles Lebendigen, alles dessen, was dich umgibt. Du gehst, doch du gehst nicht alleine. Wie Herden begleiten wellige Hügel deine Straße, wie Olöckcheu schütteln sie ihre Quillen, und deine Fülle streifen die dichte Wolle ihrer I.aubmassen. Bleibst du stehen, so lausche, wie der Fisch im See hochspringt: lausche dem leisen Gesang der flachen Wasser zw ischen (Jen Weiden, lausche auf den Gesang des Windes, der in den Apfelbäumen ausruht otlcr der unter den Pinien kauert wie ein herrliches Pferd im Haferfeld." Naturverbuudcnhcit spricht aus dem Dichter und seinem Werk und läßt die Menschen zu einem beinahe klassischen Typ werden, der in der Einfachheit seines Lebens die Verbundenheit mit der Natur in kosmisch-religiöser Weise empfindet, in einer Art, die bis in die fernste Tiefe der Geschichte, in die heidnische Götter- und Lebenswelt hinüberreicht, oe. Lyrik in \ ers und Prosa Arnold Hahn: „Das Volk Messias". — Verlag Dr. Arnold Halm, Prag II. Lucian Schnell: „Variationen in Moll". — Verlag Leo Altertlium, Bei lin löio. Fritz Rothßießer: „Das Knabenschiff". — Philo-Verlag, Berlin i9i(>. F.s ist matt um die jüdische Lenk bestellt. Wir alle .sehnen uns nach dein g: ollen dichterischen Erlebnis» das diese Zeit gestaltet und ausdeutet. Aller es scheint, daß wir vergebens warten. Der poetische Versuch etwa, den Hahn in „siebenmal sieben Sonetten zum Ruhme der Juden" unternimmt und in dem er gleichsam beweisen möchte, daß wir gar nicht so sind, wie uns die Umwelt karikierend zeichnet, wirkt viel zu intellektualistisih, als daß er zu überzeugen vermöchte. Die Verse klingen nicht, sondern ihre Reime klingeln. So bleibt c» bei emem "ut «emeinten, aber mit unzulänglichen Mitteln mit« uioinii.cii. ,i \ u -uch. Die Novelle von Lucian Schnell -...... das Erstlingswerk eines offenbar begabten Dichters -• macht keinen Anspruch darauf, in der jüdischen Sphäre beheimatet zu sein. In sehr packender, beschwingter Sprache schildert der Verfasser das Aul und Ab im Seelenleben eines Künstlers, dem es schließlich gelingt, sich durchzusetzen. Man ist gebannt, liest in einem Zug die Novelle durch und freut sich, daß sie doch noch in Dur schließt. Sehr dramatisch gestaltet ist Rothgießers „Knabenschiff", eine Erzählung, die in der Zeit der Vertreibung: aus Spanien spielt und schildert, wie Seeräuber jüdische Knaben rauben, um sie als Sklaven zu verkaufen, wie aber im letzten Augenblick Rettung von den venezianischen Juden kommt. Man würde dieses Büchlein mit unbeschwerter Freude aus der Hand legen, wenn es nicht so böse hebräische Schnitzer enthielte, die nicht ungerügt bleiben können: „Jehi rozaum" und „Schcliah mizwa" scheinen keine Druckfehler zu sein; und bestimmt ist es keiner, wenn eine der f'iguren im Gespräch bekennt: „Ich bin ein Anussim", und damit man diese Form auch als Singular anerkenne, wird noch mehrmals die Pluralform „Anussims" gebraucht. —-nn. Die Heldensagen der Griechen. Nach den Quellen neu dargestellt von Erich W o 1 f f. 340 S. u. 48 Abb. Verlag Die Runde, Berlin. Die griechische Sagenwelt ist eine der Unterlagen der abendländischen Kultur und wird von jeder neuen Generation als unentbehrliches Bildungselement aufgenommen werden müssen, Juda und Hellas sind Gegensätze, aber gerade diesen Gegensatz erleben wir in dem Kennenlernen des anderen. Diese Ausgabe der griechischen Sagen ist mit Geschmack und Sorgfalt gewählt; das Buch, schön ausgestattet und gedruckt, wird besonders Jugendlichen Freude machen und bei Alten manches Vergessene auffrischen.

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