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Jüdische Rundschau · 1937-03-19 · Heft 22 (19.3.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 22 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 19. III. 1937 Rumäniens Wirtschaftsgesetz Gegen die Minderheiten In den neuen Provinzen? Volkes und Landes erhoben. Es war die Zeit, wo alttcstameatarische Namen die kirchlichen Kalendernamen in England und Schottland verdrängten, wo die strengen Puritaner, als sie noch von der elisabethanischen Staatskirche verfolgt wurden, die heimatliche Insel Mizraim nannten, Land der Bedrückung, und das ncuenglischc Küstenland in Amerika, wohin sie auswanderten, Kanaan, Land der Verheißung („Land of Proin isc"). Es ist ja auch bekannt genug, daß die Schwärmerei für das Volk Israel so weit ging, dal! man die Engländer als Nachkommen der in der Geschichte untergegangenen zehn Stämme und als das neue „auserwählte Volk" angesehen wissen wollte. Auch dies ist ja bekannt, dal! sogar die ideologische Grundlegung des englischen Königtums auf das Alte Testament Bezug hat. Schließlich hat — schon unter Cromwtll, diesem erzenen Erz.Protektor biblischer Eraktur — der Parlamentssekretär Edward Nicholas jene schöne und schwärmerische Schutzschrift fur die Juden „Eur die edle Nation der Juden und die Sühne Israels'1 verfallt. Das alles will sagen: Das englische Volk, dessen harter, wcltüberwindender Realismus zugleich mit der puritanischen Gesinnung in die Erscheinung trat, hat sich von den historischen Realien der jüdischen Schrift so ansprechen, so anfüllen und antreiben lassen, dafl es in ihnen sich und sein eigenes Schicksal gespiegelt und im Bilde gesehen hat. Dies beweist nichts anderes und nichts Geringeres als die über Raum und Zeit fortwirkende erhabene Suggestion der Schrift. Es beweist, daß diese nicht nur Geschichte überliefert, sondern aus ihrem wahrhaft mystischen, göttlichen Wesen heraus, kraft des uncnträtsclbarcn Geheimnisses ihres Geistes, Geschichte /u machen geeignet und bestimmt ist. Bedenkt man, daß sie dem Leben jener englischen Puritaner einen geschichtlichen Rückhalt, wenn auch in gleichnishafter Bedeutung, hat gehen können, so ist leicht zu ermessen, wie sie den aim \ollen Bewußtsein ihres schicksalhaften Herkommens wiedererwachten Juden die Rieht wir nach dem Land der Vater gerade/u unter die Etillc schieben kann und muß. Es ist gleichgültig, daß und warum das äußere Band zwischen der jüdischen Erde und dem jüdischen Volk solange verschnitten schien, zumal die innere, religiös betonte Bindung nie /u e\i->tlcrcn aufgehört hat. Es ist sogar auch gleichgültig, wieviele Juden heute auf einen Wohnsitz im biblischen und ihnen hibliseh zugesprochenen Land Anspruch erheben. Tatsache ist, dal! die judische Schrift diesen Anspruch über die geschichtlichen Entwickhingen hinweg in sich trägt, aufbewahrt hat und seine unverjährbare Legitimität sichert. Ein Volk, das in einem Land Erkenntnisse gewonnen und Vis'oncn erlebt hat, wie sie in der jüdischen Schrift niedergelegt sind, ist aus geistigen Gründen (Urgründen!) heraus diesem Land für immer verbunden und verpflichtet. Wenn jenen englischen Puritanern das biblische Land aus dem Wort der Fabel heraus zum Gleichnis geworden ist, das sie erlebt und gelebt haben, so war die Bibel den Juden immer die Zeugin und Botin ihres Landes. Die Heiligkeit der Schrift mag einen daran hindern, sie ein politisches Dokument zu nennen. Aber wenn je (Seist eine Realität darzustellen vermag, wie die Philosophie behauptet, so ist die Realität des judischen Anspruchs au! Palästina im Geist der jüdischen Schritt begründet. Gewiß ist es eine Einmaligkeit, daß ein Volk nach Ablauf von bald zwei Jahrtausenden nach dem Land seiner Väter sich zurückzusehnen und sich zurückzukaufen beginnt. Aber was ist an dem Schicksal des jüdischen Volkes, verglichen mit dem Schicksal anderer Völker, nicht einmalig? Besonders dies ist es, daß es als Volk seines Körpers, seines volkskörpcrlichen Zustande* und Bestandes verlustig gegangen ist, ohne daß dadurch der Geist seiner Zusammengehörigkeit und die Erinnerung an deren Wescnhaftigkeit aus der Welt verschwunden wäre. Ist dieser Geist, aus dem man dem Judentum oft genug einen Vorwurf macht, nicht etwa auch eine Realität? Er war es Jahrhunderte lang in politischem Sinn gewiß nicht. Er war ein stillschweigendes Einbekcuutnis und ein in sich selbst beruhender Zusammenklang -•- aus dem Geist der jüdischen Schrift. Er hat kein äußeres Ziel gehabt, wenn nicht dieses, Juden als Juden aufzubewahren. Es kann nicht sein, daß diese wiederum einmalige Aufbewahrung Keinen anderen Sinn gehabt haben und noch haben soll, als die Zerstreuung des Judentums immer wieder zu einem Problem der anderen Völker und zu einer Verlegenheit und Pein für die Juden selbst zu machen. So sinnlos verfahrt und manipuliert die Geschichte nicht, Audi in seiner besten geschichtlichen Zeit hat das jüdische Volk nicht allem und unumschränkt über Kanaan geherrscht. Es hat das Land, bald im Frieden und bald irn Krieg, zusammen mit anderen Stämmen bewohnt. Auch in diesem Punkt ist die l.'ebcrlitfening der jüdischen Schrift ein Fingerzeig und ein Wegweiser. Denn auch heute verlangen die Juden weder Palästina für sich allein, noch die „Herrschaft" über das Land. Sie wollen nicht mehr als Boden genug in dem Land, da» einst ihren Geist sich hat aufbauen lassen fur die Weif, um auf diesem Boden auch, wieder den Körper ihres Volkes aufbauen zu können. Das ist — man möchte sagen: ein schriftgemSBes Verlangen. Es gibt bei Josephus Flavius, in seiner Schrift „Contra Apionem", einen Satz, der einen Juden von heute erschüttern kann. Er lautet: „Wir bewohnen weder eine am Meer gelegene Gegend, noch lieben wir den Handel; daher haben wir auch nicht die hieraus entstehenden Berührungen mit den andern " Das ist eine Konstatierung aus der Antike und wirkt heute wie ein von Josephus aufgetischtes Märchen. Aber es ist keines. Aus diesem scheinbaren Märchen noch einmal eine — mutatis mutandis — vor der ganzen Welt aufscheinende Realität zu machen, das ist etwa das, was die Juden im Erez Israel ihrer Schrift vorhaben. Und denen, die sie darin beirren oder daran hindern wollen, soll noch «in Zitat entgegengehalten werden, das fiir einen Juden von heute nicht weniger erschütternd klingt als das erste. Es steht irgendwo in Hebels „Schatzkästlein" und lautet: „Daß sein auserwähltes Volk sich nicht von seiner eigenen Hände Arbeit nährt, sondern von der Arbeit fremder Hände, ist Gott bekannt und leid." Nochmals: Ist Gott bekannt und leid! In Palästina endlich soll das Gegenteil davon wahr gemacht und erwiesen werden. Darin beruht das biblische Pathos der zionistischen Idee. ... Hauptschriftleiter: Dr. Robert \V e I ts c h, Berlin - CharlottenbuTg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewen stein, Berlin W 15. Antcifjenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Pinn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1939. Verlag und Anzeigenvcrwalmng: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.A. Fcbtuar 34 012. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg. Nach einer stürmischen Aussprache wurde, wie JTA. aus Bukarest berichtet, in einer unter dem Vorsitz des Haidclsministers Valcr Pop abgehaltenen Konferenz beschlossen, in dem Gesetzentwurf zur Nationalisierung der rumänischen Wirtschaft das Wort „ethnisch" durch „au focht hon" zu ersetzen. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß die den Minderheiten angehörenden Staatsbürger, die schon vor dem Ericdensschluß Bürgerrechte besaßen (bei den Juden war dies nur ausnahmsweise der f all), als „autoehthone" Elemente nicht unter die Prozentnorm fallen sollen, wohl aber die Minderheiten in den nach dem Kriege angeschlossenen Provinzen Bcssarshien, Bukowina und Siebenbürgen, Die Presse der Minderheiten wendet sich scharf gegen diesen Entwurf, der der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung aller Bürger widerspricht. Nach dem Gesetz würde es, wie eine Czernowitzer Zeitung schreibt, drei Arten Bürger geben: 1. Bürger erster Klasse: Rumänen von Geburt; 2. Bürger zweiter Klasse: autoehthone und nichfautochthone Deutsche, Juden, Ungarn (im AUreich); 3. Bürger dritter Klasse: Minoritäten (in Siebenbürgen, Bukowina, Bcssarabien). Demgegenüber zitiert das Blatt Artikel 5 der Verfassung: „Die Rumänen ohne Unterschied der völkischen Abstammung, der Sprache oder der Religion erfreuen sich der Freiheit des Gewissens, des Unterrichts, der Presse, der Versammlung, der Koalition und aller in Gesetzen festgelegten Freiheiten und Rechte." Artikel 8 der Verfassung bestimmt: „Im Staate wird keinerlei Unterschied nach Geburt oder sozialen Klassen zugestanden. Alle Rumänen ohne Unterschied der Volksabstimmung, der Sprache oder der Religion sind vor dem Gesetze gleich." Mit diesen Grundsätzen ist die neue Klassifikation schwer im Einklang zu bringen. Der Präsident des Zentralrates der Juden Rumäniens, Dr. F i 1 d e r m a n, wurde vom Kultusminister I a m a n d i empfangen. Dr. Filderman forderte im Namen der jüdischen Bevölkerung Rumäniens, daß das der Verfassung widersprechende Gesetz, zur Nationalisierung der rumänischen Wirtschaft nicht in Kraft trete. Gleichzeitig forderte Dr. Filderman eine staatliche Subvention für den jüdischen Kultus in einem Ausmaße, wie er den den übrigen Bekenntnissen gewährten Subventionen entspricht. Die Verhältnisse in Rumänien bringen es mit sieh, daß die jüdischen Angestellten häufig in einigen wenigen Unternehmungen zusammengedrängt sind, besonders in solchen, an denen jüdisches Kapital beteiligt ist. Diese Zusammendrängung hat ihren Grund zum guten Teil in der Tatsache, daß andere Wirtschaftszweige, z. B. der große Verwaltungsapparat des Staates und der Städte, die Sir Austen Chamberlain Sir Austen Chamberlain, der englische Staatsmann, der Dienstag einem Herzschlag erlegen ist, war der Sohn des berühmten englischen 'Kolonialministers Joseph (Joe) Chamberlain, der als erster europäischer Staatsmann die Bedeutung einer territorialen Lösung der Judenfrage verstand und mit Herzl wegen Besiedlung des Gebietes von Uganda in Ostafrika mit Juden in Verbindung trat. Aus diesem Ostafrüia-Projckt ist seinerzeit nichts geworden, aber durch die Verhandlungen wurde das jüdische Problem in den Gesichtskreis der englischen Kolonialpolitik gerückt. Der jetzt verstorbene Austen Chamberlain sagte einmal, daß er sich ERNST LOCHNER & HORKHEIMER üebfrauenberg 39,1. Stock / FRANKFURT a. M. / Gegründet 1837 HERRENSTOFFE in den altbekannt ersten Qualitäten aus seinem Vaterhause noch jener Zeit der Diskussion über die Judenfrage erinnere. Der Sohn, eingedenk dieser väterlichen Tradition, stand später tinter veränderten Verhältnissen derselben Frage gegenüber. Er war Mitglied des Kriegskabinetts, das die Balfour-Deklaration gegeben hat, und nach dem Kriege hat er als Außenminister im Kabinett Baldwin wiederholt mit der Palästina-Frage zu tun gehabt. Als irn Jahre 1021 zum ersten Male die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes den Bericht der Mandatsverwaltung über Palästina prüfte und dann in ihrem Bericht an den Nationalbauk und auch große rumänische Geschäfte völlig judenf rei sind. Wenn nun in den Unternehmungen, wo der Prozentsatz jüdischer Angestellter relativ groß ist, jüdische Angestellte entlassen werden müssen, so besteht für diese keine Aussicht, eine neue Arbeit zu finden, weil die bisher judenfreien Betriebe sicherlich nicht veranlaßt werden, einen Prozentsatz jüdischer Angestellten aufzunehmen. Schon bisher wurde unter dem Druck öffentlicher Propaganda die Situation von jüdischen Arbeitnehmern, die eine Anstellung suchen, überaus schwierig. Sollte das erwähnte Gesetz in irgendeiner Weise durchgeführt werden, dann würde die Lage eines großen Teiles der rumänischen Juden, und insbesondere der Jugend, völlig ausweglos sein, da es diesen Menschen dann unmöglich wäre, irgendeine Arbeit zu finden. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so schlimm, würde die Situation der Angehörigen anderer Minderheiten sein, z. B. der Angesteliten in ungarischen und sächsischen Betrieben Transsylvanicns. Vom rumänischen Standpunkt ist die Statuierung eines Unterschiedes in der Behandlung von Angehörigen Altrumäniens und Angehörigen der nach dem Kriege hinzugetretenen Provinzen besonders u n v e r s t ä n d 1 i c h, weil ja der neue rumänische Staat, der allmählich zu einer Einheit werden soll, ein natürliches Interesse daran hat, die Angehörigen der neuerworbenen Provinzen gefühlsmäßig und tatsächlich möglichst eng mit dein Gesamtstaat zu verbinden. Die „F rankf. 7. t g." berichtet am 16. d. M. über die Lage in Rumänien wie folgt: „Die Regierung seheint ihre Absicht, ein Gesetz über den Schutz der nationalen Arbeit zu erlassen, durch das allen wirtschaftlichen Unternehmen die Beschäftigung von Angehörigen nationaler Minderheiten nur bis zu 25 «o ihres Personalbestandes erlaubt sein soll, fallen gelassen zu haben, da eine gesetzliche Unterscheidung zwischen Nationalrumänen und Angehörigen der Minderheiten gegen die Verfassung verstoßen würde. Die Regierung scheint aber das gleiche Prinzip ohne gesetzliche Grundlage durch administrative Maßnahmen durchführen zu wollen. Das würde bedeuten, daß die Minderheiten, die mehr als ein Viertel der Bevölkerung Rumäniens ausmachen, in ihren eigenen Gebieten und Unternehmen nur ein Viertel der Beschäftigten stellen sollen, während niemand daran denkt, den auf diese Weise arbeitslos Werdenden eine Unterkunft in den rein rumänischen Gebieten zu sichern. In Minderheitskreisen hofft man, daß die rumänische Regierung nicht nur kein Gesetz erlassen, sondern auch keine administrative Maßnahme treffen wird, die im Widerspruch zur Verfassung stehen und die staatstreuen Minderheiten in eine unhaltbare Lage bringen würde." Völkerbundsrat verschiedene kritische, gegen die jüdische Kolonisation gerichtete Bemerkungen machte, bat Chamberlain im Namen der Britischen Regierung in der Ratssitzung im November 1924 diese Einwände mit Entschiedenheit zurückgewiesen. Auch später, nachdem Sir Austen aus dem Kabinett ausgetreten ist, hat er seine einflußreiche Stimme im britischen Unterhaus wiederholt für die Verteidigung jüdischer Rechte erhoben. Chamberlain trat immer für eine ehrliche Erfüllung des Palästina-Mandats dem Geiste und dem Buchstaben nach ein. Nach dein Passfield-Weißbuch vom Oktober 1030, das den demonstrativen Rücktritt Weizmanhs von der Präsidentschaft der Jewish Agency zur Folge hatte, wurd,e in der „Times" ein Brief der konservativen Führer veröffentlicht, der von Baldwin, Austen Chamberlain und Amery unterzeichnet war und gegen die antizionistische Haltung der damaligen Arbeiterregierung Stellung nahm. In dieser Zuschrift wird neuerlich der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß England seine Verpflichtungen gegenüber den Juden erfüllen muß. Bei verschiedenen Gelegenheiten innerhalb und außerhalb des Parlaments sprach Sir Austen Chamberlain sich auch gegen den Antisemitismus aus. Er hat auch mehrmals in jüdischen Veranstaltungen seine Meinung über die Judenfragc und über das Palästinawerk geäußert, wobei er immer betonte, daß England zwei Aufgaben in Palästina zu erfüllen habe, nämlich die Errichtung der Jüdischen Heimstätte und die Entwicklung des Landes zu einer für alle Bevölkerungsteile gerechten Regierung und Verwaltung. Im allgemeinen war aber sein Interesse mehr den europäischen Fragen als den Orient- und Kolonialfragen zugewandt. Zur Lage In Ungarn Wie das „Berliner Tageblatt" aus Budapest berichtet, hat der ungarischnationale Studentenverband am Dienstag ein Memorandum herausgegeben, in dem er unter Bezugnahme auf das Jahr 184S neue „zwölf Freiheitspunkte" veröffentlicht, die die Postulate der Studentenschaft zusammenfassen. In diesem Programm befindet sich auch folgende Forderung: „Das Judentum sei zukünftig als Rasse m deklarieren. Bei einem ReligionswechseT habe die Eintragung eines Vermerkes über die rassenmäßige Abstammung zu erfolgen und es hätten Mischehen einem Verbot zu unterliegen." Der rassenantisemitische Standpunkt ist in Ungarn nach dem Kriege bereits mehrfach propagiert worden. Zur damaligen Gruppe der „Rassenschützler" gehörte auch der verstorbene Julius Gömbös, der aber später, nachdem er zur Führung berufen war und ungarischer Ministerpräsident wurde, seinen Standpunkt änderte und das „nationale" Prinzin über das Rassenprinzip stellte, so daß er auch die ungarischen Juden als vollwertige Mitglieder der ungarischen Nation anerkannte, wenn sie sich in die nationale Einheitsfront einfügten. In der liberalen Aera vor dem Kriege und auch in der Nachkriegszeit nach der Zurückdrängung der „Rassenschützler" bedeutete die Taufe, die Heine bekanntlich das „Entreebillett in die europäische Kultur" genannt hat, eine Art Entreebillett in die ungarische Nation. Mischehen waren relativ häufig, aber auch ungetaufte Juden waren als Volksgenossen und vollwertige Patrioten anerkannt. Gegen diese Auffassung wendet sich nun, wie aus dem vorstehenden Bericht hervorgeht, die ungarisch-völkische Studentenschaft. Weiter berichtet das „Berliner Tageblatt": „Dfe ungarischen Monfagsblätter erklären zu der Versammlung in Hodmezövasarhely, daß sie den Auftakt zu einer Einheitsfront der ungarischen parlamentarischen Rechten, der Blaukreuzler, der Pfeil- und Sensenkreuzler des nationalistischen Studentenverbandes „Turul" und aller übrigen Rechtsgruppierungen des Landes dargestellt habe.'* Die Autonomie Karpathorußlands Von unserem Korrespondenten h.3. Prag, 17. März 1937 Für den östlichsten Teil der Tschechoslowakei ist in der Staatsverfassung eine Autonomie vorgesehen, die nach einer gewissen Entwicklungsstufe — es handelt sich um das kulturell und politisch rückständigste Gebiet der Tschechoslowakei — durchgeführt werden soll. Ministerpräsident Dr. Hodh hält nun den Augenblick für gekommen, an die Verwirklichung jenes in der tschechoslowakischen Verfassung gegebenen Versprechens zu gehen. Die Verhandlungen mit den Repräsentanten Karpathorußlands sind so weit gedielten, daß bereits in nächster Zeit das erste autonome Organ, ein Gubernialrat, geschaffen werden wird. Bekanntlich leben in Karpathorußland" über 100 000 Juden, so daß die Einführung einer Art Selbstverwaltung in diesem Gebiete vom jüdischen Gesichtspunkte aus interessiert. An den Verhandlungen bei Dr. HocPaf nahm auch Abg. Dr. Chajim Kugel teil, der die Interessen der jüdischen Minderheit in Karpathorußland vertrat und es durchsetzte, daß in dem Ounernialrat ein nationaler Jude vertreten sein wird. Auf Vorschlag der Jüdischen Partei wird der Zionist Dr. Leopold Palkovi zum Mitglied des Gubernialrats ernannt werdan. In London eingetroffen An Bord der „Queen Mary" ist der Ehrenvorsitzende de» American Jewish Joint Distribution Committee und Ehrenvorsitzende der amerikanischen Abteilung der Jewish Agency for Palestinc, Felix M. War bürg, in Begleitung seiner Oattin aus New York in England eingetroffen. Mit Warburg sind ferner die Vertreter der Nichtzionisten in der Exekutive der Jewish Agencv, Dr. Maurice J. Karpf und Dr. M. B. Hext er, ferner der Exekutive-Direktor des Verbandes der jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften (Federation of Jewish durities) New Yorks, Dr. S. Low enstein, und seine Gattin in London eingetroffen.

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