Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-03-16 · Heft 21 (16.3.1937) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 21 (16.3.1937)
Date
1937-03-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653646--30446-2684996
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

22 entity mentions

Ssiie 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 2h 16. II». 1937 Spiegel der Ereignisse Spätwinter und Vorfrühling c. j., J c r u s a! e m, Anfang Marz 1937 Die Begegnung zwischen beiden fand am Vormittag des IS. Februar in der neuen Siedlung Zafon-Talpioth statt. Der Spätwinter war MÜS Henrietta Szold und als Voriruhlung erschienen die Klein- und Großkinder der Nathan- Schule in Talpioth. Der Spätwinter ist milde, und der Vorfrühling ist sanft. Und vielleicht ist es darum, daß beide sich so gut '.erstehen. In der Kette der Geschlechter, im Kreislauf des Lebens und in dem Ablauf der Jahreszeiten taucht Anfang und linde ineinander, und so geschah es, daß Henrietta S/old und die Knospen des uralten jüdischen Stammes auf dein Hügelgelände von Zafon-Talpioth so zueinander fanden, daß man die Vision des ewigen Lebens sinnbildlich vor sich aufsteigen sah. Der Anlall dieses Zusammentreffens war eine Huldigung der Kinder der Nathan-Schule für Henrietta Szold. Die Huldigung bestand in der Anlegung eines Gartens, der den Namen von Miß Henrietta Szold tragen soll. Mit Salinen und Emblemen kamen die Kinder aus Talpioth heran. Sie trugen Kranze aus Feldblumen auf ihren kleinen Köpfen und stellten sich im Halbkreis auf, um mit ihren hohen Sümmchen Lieder zur Ehrung ihrer alt-jungen Freundin zu singen. Der erste Baum im Garten, eine Zypresse, sollte von Henrietta Szold selbst gepflanzt werden. Es wurden nicht viele Reden gehalten, und die Ansprachen Dr. Noacks, l'rau Paula Nathans und von Miß Henrietta Szold waren sehr kurz. Aber selten hat man Gelegenheit, solche aufrichtige Worte zu hören. Denn wenn nian von Miß Henrietta Szold sagt, sie sei eine „Mutter in Israel", so ist das buchstäblich wahr und keine rhetorische Ueberfreibung. Wenn ferner in Gegenwart von Miß Henrietta Szold gesagt wird, „ein Geschlecht vergeht und das andere kommt herauf", so wird dieser Gemeinplatz zu einer erschütternden neuen Erkenntnis. Allerdings wird man ihrer inne, wenn man auf dem Hügelgelände von Zafon-Talpioth steht, den Blick über das wundervolle heroische Panorama voii Jerusalem schweifen läßt und mit liebevollen Augen das Bild der Kimlergruppe unifängt, die sich im weiten Kreise um Henrietta Szold schließt. Nach den Gesängen und Begrüßungen fand die Pflanz ti n <j d e s e r s t e n B a u ut e s statt. Sonst ist das eine symbolische Handlung, wobei der oder die Geehrte einmal -mit dem Sparen in den fiodeu sticht. Nicht so bei Miß Heiitietia S/old! Obwohl der Wind ziemlich kalt blies und ..es gar nicht so leicht war, auf dem abschüssigen Gelände zu stehen, ließ es Henrietta Szold nicht dabei bewenden, nur eine Schaufel Frde in das zur Aufnahme der Baumwtirzrf vorbereitete Erdloch zu schütten. Schaufel um Schaufel Erde schüttete sie rings um die Wurzein, und als ein dabeistehender kriiniger Junge ihren Arm bei dieser Arbeit stützen wollte, wehrte Miß S/old energisch ab. Ganz nach ihrem ureigensten Stil! Sie begnügt sich nicht, eine Sache zu proklamieren, t inen Plan auszuhecken -— auch die Kleinarbeit bis zur Vollendung, auch diese übernimmt und leistet sie in hoher Aufopferung. Das B« iVpiel der Schulkinder aus Talpioth hat sofort Nachahmung gefunden. Der Jüdische Nationalfonds und die Theodor H e r z I - S c h u 1 e in Berlin haben beschlossen, gleichfalls Garten auf den Namen von Miß Henrietta Szold zu pflanzen. Eine Ehrung, wie sie unserem Werke ziemt und wie sie der Sehnsucht von Miß Szold entspricht. Zusammenleben zwischen Juden und Arabern Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der „Haarez'' bringt folgendes Eingesandt: Im britischen Unterhaus und auch in der englischen Presse wurde häufig die Meinung geäußert, daß ein friedliches Zusammenleben von J u d e n und Arabern durchaus möglich wäre. Wir in Palästina können bezeugen, daß noch die jüngste Vergangenheit uns Anzeichen für solche Möglichkeiten bot. Natürlich war auch damals das Verhältnis zwischen den beiden Völkern keineswegs ungetrübt, aber zur Purim-Zeit z. B. schienen die Beziehungen zwischen Jaffa und Tel-Awiw wahrhaft ithllisch. Die Purinitage waren auch für die Bewohner von Jaffa I esltage. Tausende strömten aus Jaffa nach Tel-Awiw, um sich den Pestzug anzusehen. Sie kamen zu Fuß, auf Pferden und in Wagen, um an der Freude der Nachbarschaft feil/uncluneii. Verschleierte arabische Frauen mit ihren Kindern füllten die Straßen. In den ersten Jahren nach dem Vertrag von San Reino, als die Stadt noch sehr klein war, konzttitrierte sich die Feier auf eine einzige Straße, die Herzt-Straße, und dort versammelten sieh 'Tausende von Gasten mit dein roten Fe/ auf dem Kopfe, so daß einem flüchtigen Beschauer nicht klar sein mochte, was hier gefeiert winde, ein jüdisches fest, eine arabische Zusammenkunft, oder ein gemeinsames Fest beider Städte. Als die Stadt wuchs, wurde die Feier auf die Allenby-Sfraße verlegt, und auch dort beteiligte sich Jaffa in reichem Ausmaße am Fest. Es klingt heute kaum glaublich, daß arabische Fainilien, die aus Jaffa kamen, ihre Wagen mit Blumen und Teppichen zu Ehren des jüdischen Festes schmückten. Auch 7it den Tanz festen kamen viele Araber. An den öffentlichen Tanzen auf den Platzen Tel-Awiws nahmen viele junge Archer au- Jaffa, besonders solche aus Arbeiterkreisen, teil. Araber verkauften auch w .ihr cm! der Piirimzeit Limonade, Leckereien und Scherzartikel in den Straßen Tel-Awiws. VC ocln n vor be ginn des Puranfcstes bereitete sich Jaffa darauf vor. und angesehene arabische Familien sicherten sich Plätze auf den Terrassen ihrer jüdischen Freunde. Nicht die Juden sind daran schuld, daß dieses Idyll zerstört wurde. Eine schwache Erinnerung daran gab es am Purün dieses Ia!ires in Tel-Awiw, aber es kam nicht zur gemeinschaftlichen Freude. Viele Araber gingen in Tel-Awiw spazieren, um an der jüdischen Fesfesfreude teilzunehmen, aber sie kehrten enttäuscht nach Jaffa zurück. Auch die Einwohner Tel-Awiws selbst sind niedergeschlagen, denn dies ist schon das zweite Jahr ohne das traditionelle Purimfest. Noch freilich haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, unser Purimfest wieder zu erneuern, wir haben es nur aufgeschoben. Es scheint nicht unmöglich, daß in der Zukunft das Idyll des gemeinsamen Volksfestes wieder ersteht. Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 4. März hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel-Awiw folgende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank 5' uge Pfandbriete 38/55 97, 6» „ige Pfandbriefe 33/38, 34/39 101 r«, 6"'»ige Pfandbriefe 34/54 10'}''», 6'»..ige kum. Vorzugsaktien 113»/*, gewöhnliche Inhaberaktien 122 ,'i, P. L. D. C. gewöhnliche Inhaberaktien 'iSi .. t) ige kum. Vorzugsaktien 97'4, Keren Kajemcth Lei'israel 2'V/oige Pfandbriefe 681/2» Bizur Ltd. 6 0/0ige Pfandbriefe 99. Im „Centre de Culfure Francalse" in Jerusalem hielt Hans Lot w e n s o n einen Vortrag über „Maurice Ravel — Impressioniste et Arisfocrate", indem auch literarische Zusammenhänge betont wurden. Ein Trio, bestehend aus Mr. Thibault-Cvambault (Violine), Albert Stuebgen (Cello) und Dr. Meiicini (Klavier) brachte Fragmente aus „Ma merc l'Oyc". — Alice Jacob-Loe w e n s o n spielte Klavierwerke aus verschiedenen Schaffensperioden des Komponisten. Terror und Politik Bei einem l'eberfall auf Kfar Tabor wurde Jakob K i z I e r, ein junger jüdischer Siedler, schwer, und ein weiterer junger Siedler leicht verletzt. Die jungen Leute der Kolonie nahmen die Verfolgung der arabischen Angreifer auf, die in Richtung der transjordanischen Grenze flohen. Vorher hatte dieselbe Bande einen Ueberfall auf S e d j e r a verübt, wo sie Von den Siedlern zurückgeschlagen wurden. Aus Petach Tikwah wird gemeldet, daß nach den jüngsten blutigen Ereignissen in Jerusalem arabische Arbeiter, die beim Verpacken der Früchte von den arabischen Exporteuren beschäftigt werden, die die Ernte der Iüdischen Pflanzer aufgekauft haben, nicht zur Arbeit getommen, sondern auf halbem Wege umgekehrt sind. Auch in einer Reihe von Plantagen haben arabische Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen. Ein in B e i s a n tätiger arabischer Agitator ist auf administrativem Wege verurteilt worden, eine Kaution im Betrage von £ 600 zu stellen, wonach der Ort, wohin er verbannt werden soll, bekanntgegeben werden wird. Es stellte sich heraus, daß der betreffende Araber seinerzeit zum Boykott des nachher ermordeten Dr. Lehrs aufgerufen hatte. Anläßlich der Beschießung eines Lastkraftwagens, in dem sechs Araber saßen, waren in Kfar Saba zwei Juden wegen verbotenen Waffenbesitzes verhaftet worden. Der eine von ihnen, Jehoschua Riesenbach, wurde nunmehr zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Vater, Zwi Riesenbach, wurde freigesprochen. Die Verhaftung der beiden luden war am 3. März vom Abgeordneten Wedgfwood im Unterhaus zur Sprache gebracht worden. Palcor hat in Erfahrung gebracht, daß am Tage nach der Ermordung Dr. Lehrs m Beisan ein arabischer Polizist verhaftet wurde, der eine Menge von Munition bei sich führte, für die er, wie es im Polizeibericht heißt, keine genügende Erklärung geben konnte. Das Kugelmaß ist mit dem Kaliber der inj Körper von Dr. Lehrs gefundenen Kugeln identisch. Die Untersuchung wird von der Polizei unter Wahrung großer Vorsicht geführt, da noch nicht feststeht, ob die Anklage auf Mord lauten kann; vorläufig lautet sie nur auf illegalen Waffenbesitz. In einem arabischen Dorf in der Gegend von Ramallah wurden nach einem Dorfstreit von der Polizei Untersuchungen angestellt, die zur Auffindung von zehn Karabinern, einer Bombe und großen Mengen von Munition führten. Derartige Entdeckungen werden häufig gemacht, wenn nach Zwischenfällen Durchsuchungen erfolgen. Arabischen Meldungen zufolge sollen in S a f e d der Vorsitzende des arabischen Streikkomitees und einige andere Mitglieder des Komitee« verhaftet worden sein. Es wird gegen sie Anklage wegen Boykottpropaganda gegen Juden erhoben werden. Auch in Haifa wurden einige Araber verhaftet. Die Vorstadt Kirjat Schmuel bei Tiberias ist am Sonntag von arabischen Terroristen beschossen worden. Es wurden auch Schüsse auf den jüdische« Teil von Tiberias abgegeben. Auch aus Mischraa Hajarden sind Meldungen über Schießereien arabischer Terroristen eingetroffen, In Kfar Saba kamein Araber in eine Plantage, angeblich um Apfelsinen zu kaufen, und stach dann den jüdischen Arbeiter Aron Moladi. iniedcr^ Der Angreifer ist entkommen. Die Verletzungen des Arbeiters i.sind nicht lebensgefährlich. Aus den Städten Eine unfer Vorsitz von Bürgermeister K h a I d i anberaumte Sitzung des Jerusalemer Stadtrats konnte nicht stattfinden, da in Abwesenheit von sechs jüdischen Stadträten kein Quorum vorhanden war. Dieses demonstrative Fernbleiben der jüdischen Stadträte ist eine Antwort an ihre arabischen Kollegen, die in der vorigen Woche eine Stadtratssitzung boykottierten, auf der der jüdische Vizebürgcrmcsiter Auster den Vorsitz führen sollte. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat den Haushaltsvoranschlag für das Jahr 1937 veröffentlicht. An Einnahmen sind 455 000 und an Ausgaben 488 648 Pfund vorgesehen. Es ergibt steh somit ein vorläufig ungedecktes Defizit von über 30 000 Pfund. Der Stadtrat von Haifa hat in Anwesenheit von Vertretern der Regierung den Etat für das Finanzjahr 1937/38 angenommen. Die Einnahmen wurden mit 182 000 Pfund, die Ausgaben mit 172 000 Pfund veranschlagt. Industrie in Syrien Die wirtschaftliche Zeitschrift „Hameschek haschittufi" berichtet: Syrien hat keine Kohle, kein Metall, keine Brennstoffe und keine Fachleute. So sind die Bedingungen für eine Industrie von vornherein ungünstig. Vor dem Kriege ernährten Handwerk und Industrie etwa 10—15 °/o der Bevölkerung. Meist waren es Heimarbeiter, größere Betriebe waren nicht vorhanden. Die Seidenweberei ernährte 30 000 bis 40 000 Menschen. Im Kriege brach diese Industrie zusammen, und nach dem Kriege erzfeite sie nur noch die Hälfte der ehemaligen Preise. Auch die Seifenindustrie entwickelte sich nicht. Die Gründe für diesen Niedergang waren, daß Syrien von seinen ehemaligen Abnehmern in der Türkei und in Aegypten durch Zollmauern getrennt war- und daß der Geschmack sich mehr und mehr europäischen Produkten zuwandte. Um dem zu begegnen, begann die Regierung, die syrische Industrie zollpolitisch zu fördern. Sie hatte auch Erfolg, und es entstanden neue Industriezweige: Zement, Elektrizität, Baumwollspinnereien, Strümpfe, Bier. Dabei geht die eigene heimische Seidenindustrie, die auf Handarbeit basiert ist, unaufhaltsam zurück, die modernisierten Industrien aber entwickeln sich. Die Zementindustrie deckt heute 60 »,'o des Landesbedarfs, auch die Leder- und Schuhindustrie entwickelte sich günstig. Die Seifenindustrie beherrscht drei Viertel des heimischen Marktes, befindet sich aber doch im Abstieg. Die syrischen Streichhölzer versorgen den heimischen Markt völlig. Der svrische Markt ist allerdings arm; Palästina ist ein sehr guter Abnehmer Syriens. Die Arbeiter beziehen sehr geringe Löhne, am höchsten sind sie noch im Libanon. Vor dem Kriege waren die Löhne doppelt so hoch. In der modernen Industrie sind die Löhne etwas höher und der Arbeitstag hat neun Stunden. Die Lebensmittel sind weit weniger als die Löhne im Preise gefallen. Man zahlt 560000 Industriearbeiter. Die im Zusammenhang mit dem dreimonatigen WerbefekJzug für „T o z e r e t h Haarez" abgehaltenen Besprechungen von Vertretern der jüdischen Gemeinden, Produzenten und Arbeiter haben ergeben, daß der Absatz jüdischer landwirtschaftlicher und Industrieprodukte im Jischuw selbst im laufenden Jahre um vier Millionen Pfund erhöht werden kann. Hunderte von Dorflcuten, von denen viele an den Unruhen als Mitglieder der Banden in den Bergen teilgenommen hatten, strömen nach Haifa, um an Stelle der aus dem Lande verbannten Hauraner sich um Beschäftigung im Hafen zu bewerben. Die Ladenbesitzer in der Stadt beklagen sich über die zunehmenden Fälle von Einbruchsdiebstählen. Der Vizegouverneur des Jaffaer Kreises hat dem Ortsrat der jüdischen Kolonie Petach Tikwah einen Besuch abgestattet und erklärt, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Kolonie noch im Laufe des Monat März zur Stadt proklamiert werden wird. Verschiedenes Die britische Besatzungsarmee in Palästina kündigt für Mitte März Manöver an, die in den Hauptgebieten des vorjährigen Aufstandes m Nord- und Südpalästina stattfinden werden. Das Jerusalemer Berufungsgericht hat das Urteil gegen einen Mohammedaner bestätigt, der wegen öffentlicher Verletzung des mohammedanischen Religionsgesetzes angeklagt und auf Grund der Gesetze aus türkischer Zeit verurteilt worden war. Sein Einspruch, daß das betreffende Gesetz keine Gültigkeit mehr habe, weil es mit der im Mandat gewährleisteten Religionsfreiheit unvereinbar sei, wurde abgewiesen. Das Gericht erklärte, das Mandat sei nur ein internationaler Vertrag und seine Bestimmungen seien für die palästinensische Rechtsprechung nur in den Fällen bindend, die in der Königl. Order in Council ausdrücklich genannt sind. Das Direktorium des Keren Kajemeth Lejisrael hat die auf Nationalfondsboden angesiedelten Kolonisten aufgefordert, sich streng an die in den Pachtverträgen enthaltene Schabbatschutz.klausel zu halten, da sonst die in den Verträgen vorgesehenen Strafen verhängt werden müßten. Der 24jährige Jakob Patz, ein Mitglied der Kwuzah des Haschomer Hazair bei Chedera, der aus Litauen stammte, wurde bei einein Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Eisenbahnzug getötet. Sein Begleiter erlitt Verletzungen. Der Vizebürgermeister von Tel-Awiw, Dov Hos, hat sich nach London begeben. Es soll sich um die Erledigung dringender städtischer Angelegenheiten handeln. In Palästina ist anläßlich der herannahenden Peßachtage an den Anschlagsäulen ein Plakat des Keren Haie ssod angebracht, das die bekannten vier Typen aus der Peßach-Haggadalt:den Klugen, den Bösen, den Naiven und den, der nicht zu fragen weiß, darstellt. Die Zeichnungen (Linoleumschnitt) stammen von Nahum Guttmann. Im Text wird als Antwort an die vier Typen die Pflicht und der Sinn der Abgabe für den Keren Hajessod in Erinnerung gebracht, Wirtschaft In der letzten Nummer der „Palestine Gazette" kundifen elf Gesellschaften Kapitalserhöhungen an, durch ie das in diesen Gesellschaften investierte Kapital von 584000 auf 1371 000 Pfund erhöht wird. So hat die Palestine Corporation Ltd. ihr Kapital Von 400 000 auf 800000 Pfund durch Ausgabe von 200000 5 «/eigen Vorzugsaktien und 200000 Inhaberaktien zu 1 Pfund erhöht. In den Monaten Dezember und Januar wurden 19 neue Gesellschaft e n mit einem Oesamtkapital von etwa 135 000 Pfuitd registriert. Nach den Ziffern der Vereinigung der Hand- Werkerorganisationen Palästinas gibt es heute in Palästina ca. 14000 Werkstätten jüdischer Handwerker und Kleinindustrieller, von denen ca. 50 000 Personen leben, neben 20 000 bis 25 000 Arbeitern, die in diesen Werkstatten beschäftigt sind. Die 14000 Werkstätten umfassen 0000 Handwerker, die 63 verschiedene Fächer vertreten, 2000 Werkstätten und kleine Industrien, 2000 arbeiten als Unternehmer, insbesondere bei Bauarbeit, und die übrigen 1000 sind selbständige Arbeiter, z. B. Besitzer von Wäschereien usw. Der Zitrus-Export in dieser Saison beläuft sich bisher auf 8 377 000 Kisten, d. h. also 3 184 000 mehr als im Vorjahre. In Haifa wurden in diesem Jahre 61 0/0 des Gesamtexports verladen, im Vergleich zu 31 <Vo in 1936. In Jaffa dagegen ist der Prozentsatz von 60 "/o im Jahre 1936 auf 35 0/0 in diesem Jahre gefallen. In Tel-Awiw wurden bis zum letzten Dienstag 196 000 Kisten verladen. ErstesTaube-Koiwert des PalestineOrdiestra Nach den Gastdirigenten großen Stils, die nach Palästina kamen, um die ersten vier Konzerte mit dem neuen Orchester zu dirigieren, wurde man im fünften Konzert dazu veranlaßt, sich des Dirigenten Michael Taube zu erinnern, dessen große Verdienste um die Gründung des Kulturbundorchesters in Berlin sowie um Leitung, Organisation und Erziehung des vormaligen Tel-Awiwer Philharmonischen Orchesters an dieser Stelle oft betont worden sind. In letzter Zeit hatte man Taube hier hauptsächlich im Radio gehört, als Dirigent des kleinen Kammerorchesters und als Darsteller vieler alter und neuer, selten gespielter Musikwerke. Schon in Berlin hatte sich Taube im Jahre 1926 ein eigenes Kammerorchester organisiert, war mit immer interessanten Programmen hervorgetreten. Taube gehörte zu den wenigen iüdischen Dirigenten, dem man ein besonderes Verständnis für den Stil des Bach- und Haydu-Zeitalters nachrühmen konnte. 4 Das Kammerorchester mußte man so immer für die eigenste Sphäre dieses Dirigenten halten. Auch jetzt, nach der außergewöhnlich geglückten Aufführung der 1. Brahms- Sinfonie, scheint es fraglich, ob Taube damit nicht mehr als dienlich aus seinem eigensten Gebiet heraustritt. Es darf uns — wie gesagt — nicht täuschen, daß die Darstellung der Haydn-Sinfonie in E-Dur, von deren Interpretation durch Taube man soviel erwartet hatte, gegenüber der Pracht der Brahms-Sinfonie etwas verblaßte und spannungslos erschien trotz sauberer, respektvoller Durcharbeitung. Mozarts Symphonie Concertante, die man in Orchester- Konzerten selten zu hören bekommt, erhielt besonderen Glanz durch die beiden vorzüglichen Solisten und Mitglieder des Palestine-Orchesters: Felix Galimir (Geige) und Harry Bitimberg (Viola). Felix Galimir war Schüler von Karl Flesch, Gründer des Galimir-Quartetts und vor Eintritt in das Palestine-Orchestra Konzertmeister der Wiener Volksoper gewesen, Harry Blumberg ist Schüler des früh verstorbenen Geigers Joseph Wolfsthal und Maxim Jacobsens gewesen. Er Ist uns seit langem aus Berlin her als vorzügliches Mitglied des „Berliner Streichquartetts'' (Guarneri-Quartett) bekannt, das steh durch zahlreiche Aufführungen moderner Musik einen guten Namen gemacht hatte. Blumberg gründete in Tel-Awiw das „Tel-Aviv Conservatory of Music", an dem verschiedene Mitglieder des Palestine-Orchestra lehrend tätig sind. Alice Jacob-LoewensOD

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.