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Jüdische Rundschau · 1937-03-16 · Heft 21 (16.3.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 21 (16.3.1937)
Date
1937-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21,16.111.193? JODISCHE RUNDSCHAU Seife 5 oder weniger großem Umfange jeweils zur Folge hatten. Man wendet gegen viele Projekte der Beteiligung der Bevölkerung an der Regierung Palästinas ein, daß dadurch die Araber in irgendeiner Form ein Mitbestimmungsrecht bei der Regulierung der jüdischen Einwanderung bekämen. Dabei übersieht man, daß sie sich dieses Mitbestimmungsrecht auch in der Vergangenheit gesichert hatten, allerdings mit den Mitteln von Blut und Terror, und daß jene Vorschläge — wie etwa auch das Legislative Council-Projekt Wattchopes — den Versuch machen wollten, diese Mitbestimmung in legale Formen zu kleiden. An diesem Beispiel erkennt man, daß nicht allein der Buchstabe des Gesetzes für die Wirklichkeit bestimmend ist, sondern daß das Leben selbst aus sich heraus Krüfte schafft, die weit über die Wirksamkeit von Formulierungen liinausgreifen. Das muß die ganze Bewegung sich vergegenwärtigen, die jetzt wieder einem Kongreß entgegengeht, der ohne Zweifel der Erörterung dieser Fragen einen großen Raum widmen wird. Die Exekutive kann es ja nur dann wagen, wirklich den Weg produktiver, einen Weg der Partnerschaft weisenden Politik zu gehen, wenn sie von einer Mehrheit der Bewegung getragen wird und wenn diese Mehrheit eine klare Erkenntnis von den Notwendigkeiten der Sturide besitzt. Vom ungarischen Judentum Von unserem Berichterstatter B u d a p c s t, 12. März In Budapest tagte dieser Tage die alle sieben Jahre zusammentretende Große Landeswahlversammlung der ungarländischen Orthodoxie, deren Aufgabe es war, die aus 40 Rabbinern bestehende Landesvertretung, Vertlchern Sie IHR AUTO Sofortige Deckung ♦ wahren IHK! Int«r*st»nI Vorileliorungsbaro „EUROPA ' Wir 8.1«. R. H. Inhaber seit 1024 H. M ANASSE Berlin W15 / Parlier Straß« 37 Sammelnummer: J 2 46*8 IMHDIUrl Hrüimro- «ertich. «b Beginn sowie deren Durchführungsorgan, den ebenfalls aus geist ............. Fü ' liehen und weltlichen Mitgliedern zusammengesetzten Fünfzehnerausschuß zu wählen. Samuel Fr an kl- Kah an, der Präsident der Landeskanzlei, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er der Toten des Jahres, vor allem seines Vorgängers und Schwiegervaters, des Oberhausmitgliedes Adolf F r a ii k 1 gedachte. In Angelegenheit der sich stets verschlechternden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage der Juden, der rituellen Versorgung der Soldaten an den Feiertagen und anderer das religiöse Leben betreffenden Wünsche ist die Landesleitung mehrfach hei der Regierung vorstellig geworden und erwartet günstige Erledigung. In M i s k o I c wurde in den Räumen der Israel. Lehrerinnenbildungsanstalt ein die Reliquien des größten ungarischjüdischen I)ichters unifassendes Josef-Kiß-Museum eröffnet. Das Material stammt zum Teil von den Erben des Dichters, zum Teil vom Museum und der Gesellschaft des Borsodarer Komitatcs, dessen Sohn Kiß war, sowie von der Pester Isr. Gemeinde. Um die ~ '.mmlung und Aufstellung hat sieh Direktor Dr. Adolf Serbu verdient gemacht. __ Dr. A. F. Strafbemessung bei der Rassenschande. Ein in der „J u - r i s t i s c h c n Wochenschrift" vom 13. März veröffentlichtes Urteil des Reichsgerichts vom 15. Januar 1937 hat entsprechend feststehender Rechtsprechung darauf hingewiesen, daß ein Strafrechtsirrtum bei der Bemessung der Strafe von Bedeutung sein kann. „Er kann" — so sagt das Urteil — „zur Folge haben, daß die Tat, wenn auch vorsätzlich im Rechtssinne, doch keine bewußte Zuwiderhandlung gegen das gesetzliche Verbot enthält. Bei der Straffestsetzung ist zu beachten, daß das durch Blutschutzgesetz geschützte Rechtsgut nicht die Geschlechfsehre der einzelnen beteiligten deutschblütigeri Frau ist, sondern die Erhaltung der Rassereinheit des deutschen Volkes und in Verbindung damit seine Ehre. Es kommt also auf die Stärke des gegen diese Rechtsgüter gerichteten Angriffs nach den äußeren und inneren Umständen der Tat und auf die Persönlichkeit des Täters an." Aus der Rechtsprechung Kauf im jüdischen Geschäft als Eheverfehlung In der „H a n s e a f i s c h e n R e c h t s - u n d G e r i c h t s - Zeitschrift" vom 27. Februar/6. März wird ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 1<). Januar 1937 bekanntgegeben, das den Kauf eines Mantels im jüdischen Geschäft als E h e v e r f e h 1 u n g betrachtet hat. Die Ehe der betreffenden Parteien, die noch sehr jung sind und nur ein halbes Jahr zusammengelebt haben, wurde durch beiderseitige Schuld als zerrüttet angesehen und aus § 1568 BGB. geschieden. Das Gericht bemerkt ti. a., daß die grundsätzlich falsche Einstellung der — erst 17 Jahre alten — Beklagten zum Kläger sich in dem Kauf eines Mantels im jüdischen Geschäft offenbare. In diesem Zusammenhange heißt es in den Entscheidungsgründen des angeführten Urteils u. a.: „Eine schwere eheliche Verfehlung liegt aber darin, da Ii sie in einem jüdischen Geschäft kaufte, obwohl .-«: wußte, daß der Kläger als Parteigenosse un.l Politischer Leiter «Limit nicht einverstanden war. Die Beklagte Kalle der politU-hen Tätigkeit dis Klägers Interesse entgegenbringen müssen. Zum mindesten konnte der Kläger verlangen, daß seine Khefrau Rücksicht auf seine Stellung in der Partei nahm und ihm nicht durch Kauf in jüdischen Geschäften Schwieligkeilen verursachte." Käufe der Ehefrau eines Nationalsozialisten bei Juden Das Amtsgericht Remscheid hat in einem Urteil, über das in der „Deutschen Justiz" berichtet wird, entschieden, daß Käufe, die die Ehefrau eines Nationalsozialisten bei Juden vornimmt, den Ehemann nicht verpflichten könnten, da sie nicht im Rahmen der Schlüsselgewalt (§ 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuches) lägen. In den Entscheidungsgründen heißt es: „Nach § 1357 Abs. 1 BGH. ist die Frau Ikt<einigt, innerhalb des häuslichen Wirkungskreises den Mann zu vertreten, und nach Zusatz 2 dieser Bestimmung gelten die in die-ein R'Innen getätigten Rechtsgeschäfte als iin Namen des Mannes vorgenommen. Dic-e Regel entfällt aber nach der erwähnten Vor.schriti dann, wenn siel, aus den Umständen ein anderes ergibt. Letztere Voran .eUtirig ei hier gegeben. Ende 1934 und Anlang 1935, als die Lliefiau Ji, Beklagten die Waren kaufte, hatte sieh allgemein bereits die Krkenntnis durchgesetzt, daß es sich I ii r einen deutschen Volks- PREISAUSSCHREIBEN Aufruf an jüdische Künstler undGraphikerzurEinreichung von Entwürfen für ein Plakat zur Schekel-Aktion der ZVfD. Das Plakat soll das Motto trogen: Zahlt den Schekel! Werbt für ihnI und die Bedeutung der zionistischen Bewegung für den PJästlna-Aufbau und dsn Wert des Nationalheims für das jüdische Volk in der Welt In einprägsamer Weise Illustrieren. Das Plakat soll die Größe 61 x86 cm haben. Das Preisrichterkollegium besteht aus den Her en BENNO COHN, HEINZ CONDEU, GEORG ENGEL, Prof.Dr FRANZ LANDSBERGER und A. J. ROSENBL0TH. Dos Urteil des Kollegiums ist endgültig. Entwürfe müssen unter Angabe der Mitglieds-Nummer beim Sekretariat für ildende- Kunst im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland in druck ertiger Ausführung für Linolschnitt mit einem Kennwort versehen bis spätestens 11. April 1937 zuHänden des Herrn Rechtsanw. Benno Cohn, BerlinW15, Meinekestraße 10 (Zionistische Vereinigung für Deutschland) eingereicht worden. Sämtliche preisgekrönten Entwürfe werden Eigentum der Zionistischen Ve einigung für Deutschland. Es sind folgende Preise ausgesetzt: 1. Preis RM100.—, 2. Preis RM 50.—, 3. Preis RM 25.- und fünf Trostpreise in Form von Büchern. ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND genossen nicht geziem I. hei Juden zu kaufen. Derartige Käufe waren damals schon durchaus A n » n;> Ii m e gewoidcn. Lim- Hindun» .1. - de.....Ihn F!i,-:.i.m:ic* an einen ...leben Vertrag mul'i auch rcgulmüAig liir ihn ab. unzumutbar angt .sehen werden, liie-c 1 "in stände eigeb.-ii, da;'. ,iic y«i der Lindau mit einem Juden getätigten Kam[vi:' i..gc jr>:;i dc'n duit-v!,bi.iti;;.-ii Khcmann keine K e c h t , \v I i k u V g rai R ilinien tks § 1357 BGB. habe« sollen. Vielmehr vliiieüt ili" |Vi->n des Vc; H .ig.-gt gners hier im Regelfall diese weilg. heule Ümdmi;; aus. Unistande, che ausnahmsweise eine andere Ikuncihing ic-ic icrtigcn könnten, »iml nicht dargetan. - Zur Darlegung sol.T.a l'a>:a:c!e i-t die Klägerin um «o weniger in der Lage, als <!ei I; '„'igte;mi 2ß. Oktober 1934 bereits der \SDA1'. in ia,. io. it n w ar. I >\ KK.-r war daher abzuweisen, ohne d.d.') es eines Ein;;. hen> auf .!... «eitere Vorhängen der Parteien bedurfte." Dieses weitere Vorbringen der Parteien erstreckte sich unter anderen', darauf, dali der Ehemann behauptete, er habe zur Zeit der Käufe getrennt von seiner Ehefrau gelebt, was diese bestritt. „Ausländisch - jüdischer Beirieb" Eine deutsche Firma hälfe die zuständige Handelskammer darauf hingewiesen, daß eine ihrer hauptsächlichsten Kon* kurrenzfirmen eine deutsch auf^c/ogene Vcrtrk.-bsorpjanisatiorf eines ausländischen Unternehmens sei. Die deutsche Vert.iebsorgaiiisatic.il sei völlig von dem jüdischen Auslandsunternehmen abhängig, die lV.-et«mtf ihrer Organstellen mit Ariern habe hieran nichts '«•ändert. Die Konkurrenzfirma behauptete, durch die daran!Inn \ iugeleitctcti Malinaliinen einen e r Ii e h lieh e n \ b s a 1 / r ii e I, ■' a n if erlitten zu haben, bcstiitt du Mi nl in i i ni ,mn u id vuk'Jjte die dciibcl t In im ml Iit . i ' t h th Muh iltmj an che Hand 's1 utitmr i tt t m k i i i i i Ii tatst Int'dui Schadens. Die Kit e bitte bi< n Iii > mhin uiinh vom Kim* in e r e; e r i c ht und tetzl .-null van Reichsgericht abgewiesen. Iii der 1 ntcclu!>h':i;' hnbt es. y i i T \ da" d-. } 1 ' II i I I 1 I 1 1 I 1 I < II ' '. I , ' n I ' 1 < < << Mi'- \! Aus Ulla it. ..iii 1 ue.il t i dl utt, V 1 1 Ii II 11 I 1 1 1 \ I 1 I II I v Am i i 1 h i g u * I \ Ol u lirt ei in.. ,C ts . ' ,-h't ig l In Ii ' Mein; ith . i 1 i ] .Hit i ki in ii in i s i/l U I U \ 11 1 I m h i In , j i b i in 1 d umt (i i,l u \t i in 1 \ mII ui I R in i ii Kimnle ,i;ier oie T ui zu einer \i i it ee\\ei n.icnen Mitteilt! i" l u'i /u i n i kommt i Weid , i im t stt Ihn gi hij't i n i 1 i i ii t a utht he i 1 ii u n t mri , Iii, bt'l tnd i \i ,ii ht zum . .i . .. i i! .• It r Mellen auf ihm i \ i Ii' im tunr i I Ui iktiisthe i i<i im I ii/eii n .tional* i i i I 11 I I »Uli, i me aus- I i i t.ii 1 d d dus mit Ii \ . i i n in hisl mg die i i 111 I i i i ui n , In l»el innt war. :i[im n a u .eh dt'in voiaiisisetzen, tlab es II, .a sie: HU ' dei IvlagtliU zufulL'e lliKT IikIn 'n - und i IdieieishUiiiiner nur dann 1 i i i 1 i hl k it i t-ndt'1 auilhi hin i ui , i hu 'st sn h nnt lhiuu Vtiigthin in den d'i zm zu i i i m t1 > wi tMitlur bctatigungs Verlöbnis nichtiß hei X'erstoß Hegen Rassejjesetze. Eheschließutifjen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind durch das filutsclititzgesctz verboten. Das R e i c Ii s g e r i c Ii t hat festgestellt, daß diese Vorschrift sitnigeinäl! auch auf Verlöbnisse anzuwenden ist. Ein Verlöbnis bestellt mir bei einem ernstlichen, auf künftige F.hescbliefiunfj gerirbteten Vertrag, der weder gegen das "Gesetz noch gegen die guten Sitten versteht. Kann ein Verlöbnis wegen eines absoluten Eliehindernisses, wie es d:ts Flie.<clilieliii'i.f,'svi-r!Hit darstellt, nicht erfüllt werden, so entbehrt es dir Rtchtswirl.samkcit. Ausnahmen von dem Fhcscliiieflimgsvcrbot sind möglich, aber nur in ganz besonders liegemkn AuMiahiueEillen zitztilasseii. Grundsätzlich ist also ein" L b e vi-rspr e e Ii e n ti t c Ii {i g, das auf eine F.lieschlielUmg ab/telt, die nach dein l'/liitschtttzgesetz verboten und als Verbrechen unter Strafe gesteilt ist. Nadidrudc verboten Alle (auch Ueberatzungs.) Rediie vorbeharUn £iHC V.o*nx*vkviL}qU von. CHA3IM SCHWARZ BirT.iUigi} UIDQH7 Iw«tltrT4tl: nlDDVA 5. Forts« njngr Es pah zwar eine Theorie von der Sicherheit des Pferdeauges, das auch in völliger Finsternis den Weg fand, aber obgleich man zum Milchfahren den ganzen Winter hindurch dieselben Tiere nahm, geschah es doch einmal, als sich Eyn Kachol alkusehr auf den Tierinstinkt verließ, daß wir den Weg verloren, in ein Feld hineinfuhren und plötzlich vor einem tiefen Graben standen, der das einzige war, was die Tiere mit Sicherheit wahrgenommen hatten. Man mußte also auch selbst ein wenig auf dem Posten sein. Während der ganzen Fahrt saß ich nach links gebOckt, halb auf den Hadern liegenel, und bewachte in dieser Stellung aus nßchster Nähe das Vorhandensein der Radspuren, wobei mir die Speiehen derart Dreck ins Gesicht schleuderten, daß ich abends mit einer schwarzen Kruste im Gesicht heimkehrte. An einer bestimmten .Stelle muß man über eine Brücke, die ein Loch hat. Einmal war die Finsternis so vollkommen, daß wir zwar an dem Hufschlag hörten, auf einer Brücke zu stehen, daß wir aber nicht sehen konnten, vor welchem Hindernis die Pferde plötzlich scheuten. Ich stieg ab, kontrollierte in gebückter Haltung den Boden. Wir standen genau vor dem Loch. Ich gab Winkzeichen mit dem Taschentuch, hebräische Erklärungen. Damals begann das Hebräische mir langsam lieb zu werden. Gerade in heiklen Augenblicken, die ihrer ganzen Art nach Dauer im Gedächtnis versprachen, suchte ich die hebröischc Formulierung, um sie oder ihre Korrektur mit dem Augenblick im Gedächtnis zu behalten. Ich erinnere mich genau, wie ich sagte: Wir stehen in der Mitte einer Brücke. Du weißt, daß diese Brücke ein Loch hat. Wir stehen genau vor diesem Loch. Wir müssen jetzt entweder nach links oder nach rechts fahren, auf jeden Fall nicht geradeaus. Ein andermal behauptete Eyn Kachol, mit einer Stimme, die schwer verheimlichen konnte, daß sie zitterte und aus einem hohlen, tiefen Grauen kam, er Tiatte bemerkt, wie die Tiere in ungewöhnlicher Weise die Ohren spitzten, woraus man auF die Nfihe von Menschen oder Tieren schließen müsse. Wir fuhren gerade an einem Waldstreifen vorbei, der an einer bestimmten Stelle den Weg nach Kfar Esrachim berührt und eine glänzende strategische Gelegenheit für Raubgesindel darstellt. Im vorigen Jahr sei man wegen der Araber hier mit Gewehren gefahren, erklärte Eyn Kachol. Seiner Meinung nach müsse man auch in diesem Jahr mit Gewehren fahren. Es geschah nichts, wir passierten den Waldstreifen in Frieden. Aber in Kfar Esrachim bei der Tnuwah trafen wir einen Milclifahrer aus Eyn Oschcr, der erzählte, daß bei ihnen ein Maultier ausgebrochen sei und daß man schon telephoniseh das ganze Emek alarmiert habe, um das Tier zu suchen. Bei der Rückfahrt reckten wir uns den Hals aus nach diesem Maultier. Aber unsere Pferde spitzten nicht wieder die Ohren. Später erfuhren wir, das Maultier sei nach Belli Gimmel gelaufen, wo es vor zwei Wochen gekauft worden war, immerhin eine Leistung, wenn man bedenkt, daß die Strecke von Eyn Oscher bis nach Belli Gimmel die halbe I.ünge des Emek ausmacht und daß Finsternis und Botz die Wege verwischt hatten. Solche gemeinsamen Abenteuer verbinden. Eyn Kachol sagt« einmal zu mir: Du kriechst so komisch in dich zusammen in der letzten Zeit. Man darf sich nicht gehen lassen. Man muß mit Energie leben. Ich weiß nicht, was ich damals hatte. Ich war wohl etwas deprimiert wegen des Winters. Im Winter krieche ich immer in mich zusammen. Für seine Aufmerksamkeit habe ich eines Nachts den Militärtnantcl mit ihm geteilt, als der Regen plötzlich losging und er meiner Meinung nach nicht genügend gekleidet war. Ich habe einfach die Hälfte des Mantels genommen und über seine Schulter gelegt, zusammen mit meinem Arm. Abends, wenn wir heimkehrten, bekamen wir gutes, warmes Essen. Damals war Hanni in der Küche. Sie packle uns doppelte und dreifache Portionen Braten auf, gab gebratene Kartoffeln dazu, soviel wir wollten, von der vegetarischen Küchenabteilung, und schließlich bekamen wir von der DiStabteilung ein halbes Weißbrot hingestellt und aßen wie die Fürsten. * Hanni arbeitet ein paar Tage in der Maschtelah. Auch ich werde in dieser Zeit für die Maschtelah eingeteilt, bekomme Maultiere und einen Wagen. Es sind zwei weiße männliche Tiere, die bei der leisesten Annäherung eines Menschen zu weinen und zu tanzen beginnen. Nun bin ich mangels schlechter F.rfalmmg gewöhnt, mich ohne Bedenken einem Pferd zu nähern und furchtlos und ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen das GesUtirr ab- und anzulegen. An dem fraglichen Morgen, da ich stehe und dein Maultiergespann, das mir zugewiesen i-t, den I.ederkragcn umlege, der die Hölzer und deren pin/.ts Gescliirrsystem trägt, schreit mir Blase« it 7, der gegenwärtige ( lief des Pferdestalles, schon von weitem zu, wer mir denn dieses Gespann gegeben habe und ob iih es ileitn zu behandeln wisse und ob ich gern mal einen Tritt in den Hintern bekommen möchte von einem Mault ierhuf. Wasewitz, ein Deutscher, ist unbedingt Anhänger des rauhen Tones. Bis er geschafft hat, Dr. Zacharias, dem Arzt des MeseheUs, in den Saltel zu helfen, habe ich längst mein M.itiltierpaar eingespannt und fahre zur Mühle, in deren seil langem vorl>crcitct«n Mahlraum die Leute der Maschleluh sitzen und einige tausend Wcinsetzlinge veredeln, laue Frau aus der Ssidur Awodah der Maschtelah gibt mir dun Auftrag, einen schon halb verfaulten Abfallhaufen aufzuladen und abzufahren. Dia Arbeit sieht nicht sehr dringlich aus, eher etwas verlegen,. Ich habe das Gefühl, man hat aus politischen Gründen,: um sich in irgendwelchen Zusammenhängen wichtig zu machen, einen Kutscher, Pferde und Wagen von -der all* gemeinen Ssidur Awodah angefordert und sucht, nun krampfhaft Arbeit, um den angeforderten Mann zu beschäftigen. Mit zwei Fuhren ist der Auftrag erledigt. Das Zeug trieft von schwarzer Jauche, wenn man es mit der Gabel hochnimmt. Beim Abladen unten am Misthaufen bleibe ich jedesmal fünf Meter vor dem Ziel stecken. Ich muß absteigen, versinke mit meinen kurzem Schäften bis zxir Wade, versuche, langsam im Bolz, hcrumtnpsend, bald von links, bald von rechts, das munter hüpfende Maultierpaar anzutreiben und von der Stelle zu bringen. Vergeblich, da der Wagen bis zu den Achsen in einer Mischung aus Bote und den Ausflüssen des Misthaufens steckt. So lade ich jedesmal an derselben Stelle ab, fünf Meter vor dem Ziel, um von dem Maultierpaar, das den plötzlich leer gewordenen Wagen spürt und mit gewaltigem Huck anzieht, jedesmal fast umgerissen zu werden. Nach Beendigung der Sache ist man in der Mühle etwas verlegen, weiß nicht recht, was mit mir anzufangen. Man schickt mich schließlich hinüber zu der eigentlichen Maschtelah, einer großen Baumschule mit mehreren Schuppen und Glashäusern, wo ich fast eine halbe Stunde warten muß, bis man sieh entschließt, mich mit einer kleinen Transporlaufgabc nach unten ins Tal zu schicken, zu dem Feld der Wcinstecklinge. Hanni habe ich nicht gesehen. Und da ich unten zu allen möglichen Nebenaufgaben ausgenutzt werde und übrigens auch dia

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