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Jüdische Rundschau · 1937-03-09 · Heft 19 (9.3.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 19 (9.3.1937)
Date
1937-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 9. III. 1937 Von der Woche Der 42jährige Jclmda Leib Schncerson, Sekretär der revisionistischen Partei in Jerusalem, wurde auf seinem Wege zum (jehet an der Klagemauer von einem ihm auflauernden Araber durch einen Rückenschuß schwer verwundet. Schncerson, der Sohn eines Rabbiners, wohnte früher in Hebron. PoIi/ti-Meldungen zufolge wurden Donnerstag nacht auf die Siedlung Y a k h i n in der Gegend von Tulkerem mehrere Schlisse abgegeben, sowie 200 vierjährige Orangenbäume beschädigt ferner wurde eine Anzahl von Schüssen auf die landwirtschaftliche Kadoorie- Schule am Berge Tabor abgegeben; die Wächter erwiderten das Feuer. Nachts wurden in der Nähe von A k k o zwei jüdische Arbeiter angeschossen und verwundet; ihre Pferde wurden gestohlen. Ein polnischer christlicher Arbeiter wurde während seiner Arbeit in einer jüdischen Orangenplantage bei Ncss Ziona von einem Araber durch einen Schuß schwer verletzt. Der Täter kam in den Oarten und bat den Arbeiter um Orangen, zog dann plötzlich einen Revolver und schoß. Wie sich herausstellte, ist der Pole ein illegaler Einwanderer, der seit einigen Jahren im Lande lebt. Polizeiliche Untersuchungen mit Hilfe von Spürhunden sind im Gange. Fußspuren führten zu einem arabischen Haus, dessen Bewohner geflohen ist. Die Polizei hat die Verfolgung aufgenommen. Ein arabischer Chauffeur des Departements für Öffentliche Arbeiten wurde auf der Landstraße zwischen Akko und Safed von bewaffneten Arabern schwer verwundet. Die obstruktionistische Taktik der arabischen Mitglieder der J c r ii s a I e mer Stadtverwaltung verhinderte die Abhaltung ennr Sitzung, bei der zum erstenmal der jüdische Vizcbürgeruu ister Daniel Auster an Stelle des auf Urlaub weilenden arabischen Bürgermeisters Dr. Khaldi den Vorsitz zu fuhren hatte. Die arabischen Stadträte blieben der Sitzung fern. Die jüdischen Rate haben einen Protest an die Regierung gerichtet. Am 1. März traten iO neue jüdische Hilfspolizisten den Dienst im f?inck an, davon 30 in Ejn Charod und Umgegend, 10 in Tel-Amal, 10 in Hadassah. U! Revisionisten, die vor einigen Wochen Arbcitsstorungen an der Tcl-Awiwer Mole hervorgerufen haben, wurden heute verurteilt, und zwar wurden fünf der Angeklagten zu je zwei Monaten Gefängnis oder .Z 10 Geldstrafe, die übrigen zu je einem Monat Gefängnis oder £ 5 Geldstrafe verurteilt. Zum /eichen des Prolistes gegen die Aufhebung des Gesetzes, das die Höhe der Mietzinsen begrenzte, haben sämtliche Fabriken in Tel-Awiw an einem Nachmittag den Betrieb eingestellt, wahrend die Ladenbesitzer die Geschäfte sclile,sen und Handwerker und Arbeiter die Arbeit ruhig verliellen. Aus Jaffa werden zahlreiche Fälle von Bankrotten arabischer Kaufleute gemeldet. Insbesondere sind Zitrushämiier betroffen, da die schlechte Saison große Verluste verursacht hat. General Dill traf in Ras-el-Nakttra mit Graf de Märte I, dem üherkommissar für Syrien, zusammen. Es besteht Grund zur Annahme, daß Fragen der Grenzsicherheit den Gegenstand der mehrstündigen Unterhaltung bildeten. Die von der Histadruth gemeinsam mit dem Hapoel Hamisrachi, den Arbeitern der Agudath Israel und den jemenitischen Arbeitern vorgenommene Zählung der organisierten jüdischen Arbeiterschaft ergab die Ziffer von über 110 000. 200 000 Kisten Zitrusfrüchte sind bis zum 2, März vom T e 1 - A w i w e r FI a f e n aus verschifft worden. In Jerusalem wurde in Anwesenheit des stellvertretenden H ig» Co in m i s s i o n e r ein Fußballspiel zwischen einer jüdischen Mannschaft und einer ausgewählten Armee» mannschaft ausgetragen. Erstere siegte 2:0. Im Alter von 01 Jahren ist in Tel-Awiw der aus Hamburg stammende Chemiker Dr. Martin Auerbach gestorben. In Palästina widmete er sich InuptsächlHi der Astronomie, für die er von Jugend auf viel Interesse bekundet hat. Wie wir erfahren, wird die Deutsche Levantelinie auch den I lafen von T c I - A w i w anlaufen. Theater und Kunst T c! - A w {w, im Februar 1037 Theafron „Sadan": Katajeffs »Quadratur des Kreises" Eine Komödie in drei Akten, die den Versuch unternimmt, das „sachliche Gemeinschaftsleben", das in Sowjet- Rußland nach der Revolution von 1917 an Stelle der „mit Liebe durchsetzten" Ehe treten sollte, zu ironisieren. Dieses Stück, das man bereits vor vielen Jahren in Berlin sah, hat inzwischen reichlich Patina angesetzt und interessiert kaum noch. Bei so schwachem Anlaß ist dem Schauspieler I. M. Daniels, der wiederum Regie führt, wenig Gelegenheit gegeben, mehr als Ansätze zu einer liebenswürdigen Gestaltung zu zejgen. Rachel Markus ist das sehr „unsachliche" und liebebedürftige Mädchen Ludmilla, belastet mit allen Sentiments einer „bürgerlichen" Epoche, deren Sinnbilder dem Autor offenbar Gardinen am Fenster, Blumentöpfe und Großeltern-Bilder im Zimmer sind. Die „sachliche" Gegenspielcrin Tonia ist Frau Salzmann, die den Hunger mit politischer Lektüre bekämpft, während der Schauspieler K o g a n — teilweise sehr komisch — einen Typ darstellt, dessen Liebe und politische Einstellung durch gutes Essen wesentlich beeinflußt wird. Der Vierte in diesem Doppel-Bunde — der erst nach Vertauschung der Partner zu einiger Dauerhaftigkeit gelang! —- ist Herr Ben-Josef. „Thcatron ivrT bringt in Regie Benno Frankels eine Neueinstudierung von Pagnols „Goldenem Anker" („Marius Ahoy") heraus, die wiederum vom Publikum freundlich aufgenommen wird. Rufh K 1 i n g c r als Fany zeigt sich ihrer Aufgabe gut gewachsen. Von den übrigen Rollen war der größte Teil (mit den Herren Buxbaum, Fisch, Freitag, Fischer, Sakaschanski und dem Eleven Jacob Krüger) gleichfalls neu, und meist günstig besetzt, während Abraham Sklarsch, Joseph Schapira und Hertha Wolf unter Beweis stellen, daß ihre Leistungen seit der — fast ein Jahr zurückliegenden — Erstaufführung nicht schwächer geworden sind. Ein Festabend palästinensischer Künstler fand im Konzertsaal des Messegeländes, veranstaltet von der Stadtverwaltung Tel-Awiw und der Wizo zugunsten des Kinder-Fonds statt. Das Protektorat hatte Henrietta S z o 1 d übernommen, die zu Beginn mit warmen Worten an das Publikum appellierte, die Sozialarbeit auf dem Oebiet der Kinderfürsorge zu unterstützen. Das Programm des Abends verdient insofern besonderes Interesse, als es sich hier um einen ersten Versuch handelt, in größerer Zahl Kräfte aus verschiedenen Kunstgebieten vor das Publikum treten zu lassen, also etwas wie ein Kabarett zu schaffen, das bisher nicht existiert. Leider erwies sich die Zusammenstellung als so reichhaltig, daß ein großer Teil der Zuhörer — auch der Berichterstatter — das Ende nicht abwarten konnte. Ferner machte sich ein bedauerlicher Mangel an Leichtigkeit, Humor und Witz bemerkbar, die allein die zum Teil hochdramatischen Deklamationen (die überhaupt einer vergangenen Epoche angehören) in diesem Rahmen hätten erträglich machen können. Ein geeigneterer Conferencier hätte über vieles hinweghelfen können. Chanah R o w i n a ist auch als Rezitatorin von stärkster Einprägsamkeif, während Finkel den Gesetzen des Vortrages nicht immer Rechnung trägt. Don größten Erfolg des Abends hatten die Tänzerinnen; Tile Rößler wurde ebenso zu Zugaben genötigt wie Gertrud Kraus, deren junge Tanzgruppe sich gleichfalls viel Erfolg holt. Der Bariton Vittorio Weinberg verfügt über ein ebenso schönes Timbre wie über gute Technik, seine Kostümierung hingegen war etwas merkwürdig. Ferner sangen Frau Josi Schocken, die ihr schönes Material etwas zu gewaltsam gebraucht, Chanah Kipnis und Mordechai Roth, der über einen sehr lyrischen, technisch gut geschulten Bariton verfügt. Der Versuch, etwas wie hebräische „Revellers" nachzuschaffen, muß als daneben gelungen bezeichnet werden, wenn auch die Instrumentierung von L a v r i — der am Flügel begleitete — nicht uninteressant ist. Esther Hörenstein spielte die Chopin-Polonaise, ein Kaminer-Orchester von jungen Schülern des Konservatoriums „Schulamith" unter Leitung von Jariv Es räch i wurde sehr beifällig aufgenommen. Exotische Künstler in Palastina Die warme Aufnahme der indischen Tanzgruppe Uday Shan-Kars im vergangenen Jahr mag für das M. K. B. L.¬ Büro Veranlassung gewesen sein, für diese Saison das japanische Tanzpaar Ycichi N i m u r a und Lisan Kay, sowie für ein Konzert den N e g e r - B a r i t o n Auhray Pankey zu engagieren. In beiden Fällen handelt es sich jedoch um Künstler, die offenbar viele Jahre in europäischamerikanischem Milieu gelebt haben und vermutlich auch dort ihre Schulung empfingen, so daß von wahrhaft Ursprünglichem nur wenig geblieben ist. Daraus erklärt sich die verhältnismäßig kühle Aufnahme des Publikums, das nun einmal Chopin, Debussy, Milhaud usw. lieber von wirklichen Europäern getanzt sieht, ebenso wie es merkwürdig anmutet, wenn Mr. Pankey Lieder in italienisch, deutsch (Schubert), französisch und englisch — zum Teil mit stark fremdländischem Akzent — singt, bevor er sich „Negro Spirituals" zuwandte, die stärker interessierten. Auch bei dem Tanzabend konnte man die Beobachtung machen, daß Nimura, der über eine ausgezeichnete Technik verfügt, am meisten Erfolg mit denjenigen Tänzen hatte, die im japanischen Kult oder in der Legende wurzeln. Manfred Geis Naturwissenschaftliche Gesellschaft In Tcl-Awlw. Uns wird geschrieben: Im Dezember Wdi wurde in Tel-Awiw von einigen Acrztcn und Naturwissenschaftlern die „Society for Natural Science" (a'aK-'zfl .yatw 'JH»1? HTON) gegründet, die also vor kurzem ihr erstes Arbeitsjahr beendet hat. Die Gesellschaft hat sich den Zusammenschluß aller naturwissenschaftlich Interessierten zum Ziele gesetzt. Ihr Zweck ist, ihren Mitgliedern Kenntnis von den Ergebnissen der Forschung auf allen Gebieten der Naturwissenschaften zu vermitteln, die naturwissenschaftliche Forschung im Lande selbst zu fördern und naturwissenschaftliche Bildung zu verbreiten. Die Gesellschaft umfaßt schon heute weit über 100 Mitglieder, die den verschiedensten Berufsklassen angehören: Acrzfe, Chemiker, Botaniker, Zoologen, Meteorologen, Ingenieure. Besonders hoch ist der Prozentsatz der Aerzte; Einwanderer aus Deutschland sind in großer Zahl unter den Mitgliedern. Die Tätigkeit des Vereins, die auch durch die Unruhen nicht unterbrochen wurde, konzentrierte sich im ersten Jahre auf die Veranstaltung von Vorträgen. Zu ihnen treten jetzt wissenschaftliche Colloquia über spezielle Themen hinzu. Es fanden folgende Vorträge statt: 1. Die Herkunft der Küstenfauna Palästinas von Dr. W. Steinitz, Ramot Hashawim. 2. Fortschritte in der Kenntnis der Chemie der Vitamine von Dr. E. Bergmann, Rehoboth. 3. Künstliche Elementumwandlung von Prof. Farkas, Jerusalem. 4. Neuzeitliche WetteranaTyse von R. Feige, Tel-Awiw. 5. Raumlüftung und -kühlung von Dr.-Ing. Landsberg, Tel-Awiw. 6. Die Evolutionstheorie im Lichte moderner Vererbungsforschung von Dr. Oppenheim, Rehoboth. 7. Zur Geschiente der Zitrusfrucht in den Mittehneerländern von Dr. Tolkowski, Tel-Awiw. 8. Reise ins Uralgebiet von Dr. Kallner, Jerusalem. 9. Die Resorption durch die lebende Zellmembran von Prof. Wertheimer, Jerusalem. 10. Geophysikalische Untersuchungsmethoden zur Erforschung des Untergrundes von Dr. Stern, Jerusalem. Persönliches. I>as Ehepaar Moritz und Sofie Q r Uttfeld e r, Eltern von Dr. Benno Grünfelder, wurde im Hause des Sohnes anläßlich des 60. Hochzeitstages von einem großen Kreis von persönlichen und zionistischen Freunden beglückwünscht. Frau Traute Grünfelder, weit im Jerusalemer Musikleben am Konzerfflügel bekannt, brachte musikalische Gaben. Dr. Arthur Hantke, Kurt Blumenfeld und Oberrabbiner Heinrich Brody hielten herzliche Glückwunschansprachen namens der Zionisfen aus Deutschland und aus Böhmen, Ingenieur Mrtjerczyk namens der Familie. Die Jubilare, die sich in Jahrzehnten reicher zionistischer Arbeit in Deutschland und in Böhmen (Saaz) unzählige Freunde geschaffen haben, leben jetzt in Jerusalem in unverminderter Frische mit jüngeren Generationen Freud und Leid des neuen Lebens mit, in einer Atmosphäre allgemeiner Wertschätzung und Freundschaft. R- R. Pur im in Tel-Awiw T e I - A w i w, 20. Februar Die Tcl-Awiwer Stadtverwaltung wandte sich mit Bekanntmachungen an die Bcv< ekerunf, in denen sie mitteilte, dali in diesem Jahr keine der üblichen öffentlichen P ii n in - V e r a n s t a 11 u n g e n stattfinden werde zum Zeichen der I raner über die Opfer, die die letzten Unruhen gefordert haben und über den Tod Di/engoffs, dessen Figur in früheren |,ihren untrennbar verbunden war mit dem Begriff „Purini in Tel-Awiw". Gleich zeitig wurde das Publikum ersticht, für Verkleidungen nicht arabische Kostüme oder Pncster-t iewander zu wählen: ferner wurde der Gebrauch von geräuschvoll explodierenden Feuerwerkskörpern und KindcrpistoU n untersagt (eine sonst in der Purimzeit bis zur Unerträglichkeit geübte Unsitte), um „unnützes Erschrecken und Ordmingsstörusigen zu vermeiden". Trotz alleni begann Tel-Awiw, wenn auch zögernd und ohne den gewohnten Jüan, sich auf dieses Fest vorzubereiten. Zwar wurden in den Straßen keine Tore aufgebaut, um einem Karnevalszug den Weg zu weisen, aber einige Schaufenster, dekoriert mit Figurinen des Buches Esther, fesselten die Vorübergehenden ebenso sehr wie die — diesmal an bestimmte Stunden gebundenen — Werbungen für die zahlreichen Bälle, in deren Dienst Lautsprecher, Musikkapellen und Raketen gestellt waren. Am Mittwoch (Taanith Esther) setzte der Zustrom von Gästen aus Jerusalem und der nahen Umgebung ein. Man schätzt die Zahl dieser Besucher auf etwa 4000 und aus dieser, im Vergleich mit früheren Jahren außerordentlich geringen Ziffer' ergibt sich von seihst, daß das „Purim- Gcschäft" sieh in verhältnismäßig bescheidenen Grenzen hielt. Wahrend des Tages sah man bereits viele Kinder, die ihre Kostüme im Sonnenschein spazieren führten. Uebrigens schien es, als ob mehr Kinder als sonst Kostüme trugen und als ob man bezüglich Entwurf und Qualität besondere Aufmerksamkeit darauf verwandt habe. Gegen 6 Uhr abends versammelte sich in der Allenby Road vor der großen Synagoge, die von Scheinwerfern angestrahlt war, eine etwa 7000 Köpfe zählende Menge, um der — durch Lautsprecher übertragenen — Vorlesung der M e g i 11 a h zu lauschen. Die Polizei leitete die Fahrzeuge durch die Nebenstraßen bis nach Beendigung des Gottesdienstes, der mit den traditionellen Purirn-Gesängen und dem Lied „Am Jisrael chai" schloß. Die Synagoge selbst, ebenso wie die übrigen Bethäuser der Stadt, war dicht gefüllt. Der Verkehr in den Straßen war bis gegen Mitternacht sehr stark, an einigen Stellen sah man Fforrah tanzende Gruppen. Erwähnenswert ist, daß man sowohl am Vorabend wie am Purim selbst zahlreiche Araber sah, die von Jaffa herübergekommen waren. Gegen 10 Uhr strömte das Publikum zu den zahlreichen Kostümfesten, die in der richtigen Erkenntnis nicht abgesagt waren, daß gerade in schweren Zeiten Ablenkung von den Sorgen des Tages eine heilsame Medizin ist, und weil man die veranstaltenden Vereine und Institutionen, für deren Fonds die Purim-Einnahmcn stets eine wesentliche Rolle spielten, pekuniär nicht schädigen wollte. Wenn einige solcher Feste unter dem Motto „P uri ra im Tcl-Awiwer H a f e n" starteten, so ist das nur dafür bezeichnend, daß dies die optimistischste Devise war, die gefunden werden konnte. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand wie üblich der Ball der satirischen Bühne „Matatf". Bis in die frühen Morgenstunden herrschte hier eine ausgezeichnete Stimmung, die von den unermüdlichen Matate-Kmistlcrn und einigen ihrer Kollegen — den Tänzerinnen Gertrud Kraus und Paula Paldani und der jungen jemenitischen Sängerin Esther O a m I i e 1 i — geschaffen wurde. Ausgezeichnete Jazz-Kapellen waren verpflichtet. Die Ausstattung, die nach Entwürfen des Bühnenbildners Luft glas von den Schauspielern selbst ausgeführt war, verdient höchstes Lob. Am zweiten Abend besuchte Bürgermeister Rokach diesen Ball in Begleitung englischer und jüdischer Richter, die zur Purim-Mahlzeit seine Gäste waren. Ein zweites großes Fest fand im Konzertsaal des „Palästina-Orchesters" auf dem Messegelände— und in unmittelbarer Nähe des wirklichen Hafens — statt. Die Veranstalter -- das Büro „Shefet" •— hatten Abraham Sklarsch vom „Theatron Ivri" als Conferencier, den ausgezeichneten Bariton Vittorio Weinberg, die junge Tänzergruppe der Gertrud Kraus- Schule und einen hervorragenden kaukasischen Tänzer verpflichtet, die das Publikum in den Tanzpausen unterhielten. Einige englische Militärs, die auf dem Messegelände stationiert sind, bemerkte man als Gäste. Von weiteren Bällen seien noch erwähnt ein Fest der Jung-Wizo im San Remo-Hotel, das am zweiten Abend in den gleichen Räumen durch den Sportklub ,.A t i d" abgelöst wurde. Auch der Tcl-Awiwer „M a c c a b i" hatte in Anwesenheit von Lady R e a d i n g seinen „Neshef" (wie der terminus fechnicus auf hebräisch lautet). Vor den Ballsälen hatten sich die Würstchen-Verkäufer postiert, mit ihren dampfenden Kesseln, ihren weißen Kitteln und hohen Mützen eine Neuerscheinung im Tel-Awiwcr Straßenbild. Man hat mit vieler Mühe gegen irgendein altes türkisches Gesetz die Konzession für sie erlangt, und jetzt widmen sich einige arbeitslose Künstler diesem Beruf. Die hebräische Presse brachte Sonderbeilagen heraus, die teilweise den Charakter europäischer Erster-Aprtl- Nummern trugen. Selbstverständlich erfüllte auch der Jerusalem er Sender seine besondere Mission im hebräischen und musikalischen Teil des Programms. Man hörte u. a. von Michal Rabinowitz gut und witzig zusammengestellte „Purim-Thora", unter dem Titel „Mischloach Manoth" ein Kabarett, das neben heiteren Vorträgen traditionelle (u. a. persische) und neu komponierte Musik von dem Palästinenser Pogatschov brachte. Am interessantesten die Vorlesung großer Teile der Megillah im aschkenasischen, sefardischen, jemenitischen und persischen „Nussach". Am Purim-Nachmittag, als man in fast allen Tel-Awiwer Häusern sich beim traditionellen Festmahl befand, hörte man, übertragen aus dem Jerusalemer Hotel „King David", leichte Unterhaltungs- Musik. Am Schuschan-Purim, dem Geburtstag Dizeng o f f s, war die Wohnung des verstorbenen Bürgermeisters von Tel-Awiw dem Publikum zum Besuch geöffnet. Viele Fiunderte, die sonst hier zur Gratulations-Cour erschienen waren, kamen auch in diesem Jahr und gingen schweigend durch die Räume. Die Wohnung selbst bot sich völlig unverändert dar. Innerhalb der Räume und vor dem Hause am Rothschild-Boulevard, das Dizengoff bekanntlich noch bei Lebzeiten — bis auf die wenigen. Privatzimmer — dem Museum übergeben hatte, stellten die jungen Pfadfinder die Ehrenwache. Manfred Geis und in Haifa In Haifa gibt es keine für die gesamte jüdische Bevölkerung gemeinsame Purim-Feier. /Vach der Waad von Hadar- Hakarmel veranstaltet keine Feier, an dem die jüdische Bevölkerung der übrigen, verstreut liegenden jüdischen Viertel sich beteiligen könnte. Aber, wie immer, sah man auch in diesem Jahr viele Kinder kostümiert in der Herzlstraße von Hadar-Hakarmel und an den Abenden der letzten Tage der Purim-Woche belebten die zu den zahlreichen Maskenfesten eilenden Besucher das an sich bis in die ersten Nachtstunden hinein starke Treiben der Hauptstraße. -- Die auf dem Karmel gelegene Achusa h Herbert Samuel veranstaltete zum ersten Male in diesem Jahre einen Umzug ihrer Bevölkerung mit einem besonders gelungenen Baby-Korso. Auch K i r j a t h B i a 1 i k, die Vorstadi der Siedler aus Deutschland, führte ein Purim-Programm durch. An einem Kinderfest beteiligten sich in einem sehr schönen Festzug von Fußgängern und Wagen nebst einer Musikkapelle die Kinder und Erzieher der „Ahavah". Aufführungen und Tänzen folgte ein Umzug durch die Siedlung. In einer Abendveranstaltung wurde in sehr eindrucksvoller Weise die Megillah durch Leo Klein vorgelesen, und das Haifaer Quartett Stern-Roth -Dr. Sebba-Wald spielte Beethoven und Mozart. — Die Maskenfeste haben mit Purim noch keineswegs ihren Abschluß erreicht und sind bis in den März hinein an: gekündigt. , A. b. J. (Schluß des Palästina-Teils)

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