Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 18 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653643--30394-2684941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 18. 5. III. 1937 JODISCHF RUNDSCHAU Seite T1 Als Arbeiter beim Telephonbau Musikleben in Jerusalem Der nachstehende Bericht gibt ein lebendiges Bild vom Leben eines jüdischen Arbeiters in der Moschaivah. (Red.) Wir fahren auf dem roten Postauto; sitzen auf den Arbeitsgeräten, eine Ranze Gruppe: 15 Menschen, ich habe fehört, die Post stelle Leute ein, war jeden Morgen um Uhr an der Hauptpost, wo sich die Arbeitnehmer (bei der Post) einfinden. Die Aussicht auf Arbeit schien groß, weil doch keine Araber im jüdischen Be/itk arbeiteten, und heute, nach 14 Tagen, als ich gar nicht mehr an die Möglichkeit dachte, stellte man mich ein. Nun war alles gut, ich hätte singen mögen! Wir fahren bis halbwegs nach Petach Tikwah, halten an der Straße nach Ramat Gau, Der Ort wird mit Selbstanschluli versehen, d. h. wir tun es. Abgeladen ist schnell. Jeder packt Pickel und Schaufel. Der Aufseher mißt schon ab. Kabel-Graben. Bald steht man mit den anderen in einer Reihe, hat 5 m Boden vor sich und hackt und schaufelt. 1 m tiet soll der Graben sein, 60 cm breit. Die Oberschicht ist trocken. Es ist heiß. Mich überkommt rechte Lust zum Hacken. Ein Teil arbeitet mit nacktem Oberkörper — ich kann's nicht. Der Letzte in der Reihe arbeitet gegen die Chaussee gewandt, und wenn der rote Wagen des englischen Inspektors in Sicht kommt, dann schreit er: „Die Post fahrt" und wir arbeiten fieberhaft. Jedes Gesprach verstummt auf Minuten. Um 9 Uhr kommt das Mädel vom Kibbuz mit den Zeitungen vorbei und laßt uns die Ueberschriften lesen. Der Mann aus Köln führt das Esclchen mit dem Obstwägelchen und bimmelt mit einer Schelle: Trauben II. Sorte, die Unze Piaster. Jm Vorjahre sollen 12 Unzen 2 Piaster gekostet haben. Wir essen Trauben, trinken Soda. Einer verhandelt und erreicht, daß ein Glas Soda 1 Mil kostet, wenn alle dort trinken. Wir kommen täglich ein gutes Stück weiter. Nach drei Tagen weiß man, wie lange die Arbeit dauern wird. Ich sehe schon wieder schwarz — arbeitslos — aber ich will nicht! Der Aulseher ist ein guter Mensch. Ich schaue ihm in die Augen. Wenn man gut zuhört, kann's passieren, daß er i/. Stunde spater mit der Arbeit beginnen laßt. Man kennt schon in kurzer Zeit die Umgehung der Stelle, wo man seine Tagesarbeit verrichtet; den Milchmann, den Briefträger, die Fuhrleute, der Kölner besucht uns allmorgendlich (hat aber schon Konkurrenz), man kennt die Ohaffirim, fragt jedes Mädel nach der Uhr. Der Photogr.iph knipst uns für den „Dawar". Man politisiert beim Graben. Um 12 LUir ißt man im Restaurant. Eines Morgens tummeln sich an einem Haus, vor dem ich gerade arbeite, etwa ein Dutzend Jungen von 3—6 Jahren. Ihren Blicken nachschauend, sehe ich aus einem Hofwege eine alte Frau humpeln. Einen Stuhl in einer Hand, im anderen Arm ein Paket in Zeitungspapier und eine große Blechdose. Sie kommt auf die Jungen zu, stellt die Büchse unter den Hocker, entwickelt dem Papier ein „Arba Kaufaus" und ein Käppchcn. Das Käppclien setzt sie dem ihr nächsten Jungen auf, sagt ihm eine Broche vor, die er nachspricht, läßt ihn die Zizzis küssen und alle anderen Jungen gleich ihm nacheinander dies tun — es geht schnell — sie wissen Bescheid. Dann langt die Alte umständlich, von den Jungen umringt, nach der Blechdose, holt Zuckersteine heraus, die sie knapp vor den Augen auf Farben sortiert und gibt jedem Jungen einige. Am beliebtesten ist rot. Die Kimler verlaufen sich und nun erst kann ich mir die Frau betrachten, mit ihr sprechen. Sie erzählt mir fast murmelnd aus zahnlosem Mund, daß viele Kinder zu ihr kommen, che sie in den „Gan" gehen, daß sie 20 Jahre in Amerika gelebt hat. Ein Kind gellt an der Hand der Mutter über die Straße. — Die Alte lockt das Kind mit „Arba Kaufaus" und Büchse — das Kind weiß Bescheid — die Mutter wird von ihm zur Seite gezerrt — fast unwillig erwidert sie den Gruß der Alten, dieweil das Kind, die Mütze auf dem Köpfchen, Wort für Wort die Broche nachplappert und dann begierig der Bonbons harrt..... A. L. Von der Palästinensischen Hypothekenbank. Wie wir hören, war in letzter Zeit eine verstärkte Nachfrage nach den Werten der General Mortgage Bank of Palestine, Ltd., festzustellen. Im Verfolg dieser Nachfrage wurden durch die Bank neue Pfandbriefe im Nominalbeträge von U' 180000 verkauft. Dieser Betrag ist, ebenso wie die Gelder aus dem kürzlich erfolgten Verkauf von cP 100 000 neuen Stammaktien zur Hergabe neuer Anleihen bestimmt. Es ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, (laß der Pfandbriefumlauf der General Mortgage Bank die Zwei-'Aillionengrenze und die gesamte für Ausleihungen zur Verfügung stehende Summe 2Vs Millionen überschritten haben. Die neuen Pfandbriefe werden, ebenso wie die vorerwähnten Aktien, an den Börsen in Aegypten eingeführt. Radio Jerusalem Nachwuchs. Es finden regelmäßig Konzerte jugendlicher Künstler statt. Edith Blum bewies an der Passacaglia von Biber und einer Sonate von Veracini unzweifelhafte geigensche Anlagen: blühenden Ton, großzügige Auffassung, geradlinige Einstellung und klangliche Reinheit. Im Rhythmischen würde man gern noch größere Sicherheit und Schärfe vertragen. Mit Iran Blum gemeinsam debütierte Alberta H a I b e r s t ä d t e r im Radio. Sie ist das gerade Gegenteil ihrer (Zufalls-)Partnerin: eher etwas zu kindlich Uno — bei nicht unbedeutendem Ausdruckstrieb — überzart. Das Spieltalent ist hier entschieden entwickelter als die Zielhaftigkeit der Vorstellung, ohne die ja letzten Endes doch keine überzeugende Interpretation zustande kommt. Operette. „Das schöne Mädchen von Elizondo" (Offenbarh), in Format, Stimmung und Popularität gleichermaßen radiogeeignet, war die erste hebräische Operetteninszenicnmg UevmattH JhffmanH Herrenu n a D/imen-Auastattungen Berlin SM, Friedrichs trafie 50-51 des Radio. Unter der Leitung von Benno Frenkel und Hans Schlesinger, durch die Mitwirkung von Mirjam S e g a 1, S c h m u e I Berlin und Karl S a 1 o m o n entstand eine wohlgelungene, abgerundete und amüsante Radio-Kur/operette, in der nur noch ein Qucntlein mehr Leichtigkeit, Esprit und in Hörbares umgesetzter Bühneneffekt zur Vollendung fehlte. „Die YVinterreise" von Schubert auf hebräisch. Wenn auch die systematische Darstellung zyklischer Werke verdienstvoll ist, so scheint die Wahl Marcel N'ors hier nicht übermäßig glücklich zu sein: es fehlt feinere Durcharbeitung der Details und der hebräischen Aussprache, vielfach auch prä/ise rhythmische und Formgestaltung — man vermißt die hier dringend erforderliche, nicht gespielte und nicht ins Sentimentale fallende Echtheit der Empfindung. Novität. Der Pianist Gerhard Jaretzki brachte die palästinensische Erstaufführung der Klaviersonate von Erne.it Bloch aus dem Jahre 1"i"> Das dreis.it/igi Werk hat große Schönheiten, verwendet deutlich jüdische Motive auf höchstpersönliche Art, verrät aber auch große kompositorische Schwächen und aufdringliche Flachheiten. Den überzeugendsten Eindruck — auch der Interpretation nach — hinterließen Introduktion und Schluß. F.s steckt viel Pastornies, impressionistisches in dieser immerhin recht erfreulichen Neuerscheinung, aber der Pianist hat es schwer, zu erleben und als Erlebnis darzustellen, wo nicht allzu viel zu erleben ist. 15. Schwat in der Kinderstunde. Es gab eine Auslese der beliebtesten 15. Schwat-Lieder mit Erläuterungen des „Funkonkels" L u b r a n i. C h c m tl a Ziona, elfjährig, glänzte mit einschlägigen Vortrügen auf dem Akkordeon, das in diesem Falle durch musikalische und temperamentvolle Handhabung einen gewissen originellen Reiz erhielt. Tel-Awiwer Arbeiterchor. Das erste Konzert des Arbeiterchors (Leitung: Max l. a m p e 1) war auch das erste Chorkonzert des hiesigen Radios überhaupt. Sicher könnte auf diesem Wege ein fühlbarer Mangel ausgeglichen werden. Lampel hat fraglos Qualitäten eines vorzüglichen Chorleiters: er bringt viel' intimere Wirkungen und viel saubere und bessere Stimmführung zustande, als man es im allgemeinen von Volkschöreu gewohnt ist. Am besten gelangen die Lieder von Eisler und Wölpe, die allein als echte Arbeiferlieder wirkten, während Klassisches teilweise etwas zu weich herauskam. Palestine Orchestra im Radio. Eine Serie von Konzerten von ürchestermitgliedern — die geeignet sein durfte, das Programm vielseitiger zu gestalten — begann mit einem Violinrccital des vorzüglichen (icigers Felix G a I i m i r, dessen Programm in seiner mir geigerischen Wirksamkeit fast etwas zu schön und lieblich anzuhören war. -- Aus dem zweiten Dobrowcn-Konzert wurde die „Symphonie Püthc'fiqiie" von Tschaiktuvsky übertragen. Musik der Samaritaner. Innerhalb einer Serie englischer Vorträge über orientalische Musik berichtete Dr. Robert Lach mann über die Musik der Samaritaner. In dieser sehr interessanten und bedeutsamen Veranstaltung bemühte sich der Referent, Unterschiede zwischen verschiedenen orientalischen Musiken aufzuzeigen. Eine samaritanische Cohen- Familie trug Beispiele der Bibelkantillation vor, die uralten, magischen 'Charakter haben und deren melodische Linie sich auch von der Bihelvorlesmig der übrigen orientalischen Juden auffällig durch gewisse vurhaltartige Auslegungen unterscheidet. "Um den arabischen Einfluß zu zeigen, wurden Vergleichsbeispiele angeführt. Bauernkantate. Leber die Umwandlung von „Bachs niedersäehsisehe Bauend.air.ate" in eine palästinensische „Orangeiikatitate" durch Karl Salomon winde seinerzeit an dieser Stelle ausfüllt lieh berichtet. Mit Ausnahme der unzureichenden I 'eberset/ung kann auch die Radioaufführung als vor/uglieli gelungen bez.eii imet werden. Edith Borosch ek und Karl Salomon als Sanger, Hans Schlesinger als Leiter des Kainmcrorchesters ergaben ein klassisch-abgerundetes Ensemble. Philip Scharf und das Studio-Ensemble. Auf dieser vorzüglichen ständigen K:unmerniuiÜ'.erci!;igung des Senders liegt seit den neuesten liudgethesihr.nikimgeu die Hauptaufgabe. Schart hat alle Art Musik zur Aufführung zu bringen: Klassisches, Jüdisches, Salonmusik um! Werke palästinensischer Komponisten —- gelegentlich auch Konzeile für Kinder. Der ausgezeichnete, in allen Satteln gerechte Geiger entledigt sich dieser vielseitigen Aufgabe stets mit viel Takt, sorgfältigster Durcharbeitung und I tische. Schart hat einen wunderschönen Ton und ist in seiner Eigenschaft als Leiter einer so exponierten Kamineriuitsikgriippe sehr am Platze. Tlioatcnmisik Für die letzte t >hcl - lus/i im-i ung „Merodes und Maririinne" schnell V c r d i u a Schlnnsky die Bühnenmusik. Dadurch werden dein Spul d\n.imin iic Akzente aufgesetzt, die der Verlebt ndi.-img dienheh s-ml. Die llaupfimisik ist auf den letzten -\kt k..;i/> iitneM. I >cr Koiupoiiistin — die i ine Schuld in von D.,riui AEIh.stnl ist kam es vor allein darauf an, die Atinosph .ie der liaalie und das Xcitlos- Allgemeiiiineii'-ehiiehe zu tri tun AN AiiIi.iiiih rm der kompositorischen Prinzipuli ihres .Me-:e;-. vei-vln Iran Schlomky es mit viel lahmt, liPi euer auo-s]>; m ii -neu Begabung für Theater« irkungeti. onguelle Imlage üb, i zeugend durchzuführen. Die vorliegende Mu-ik entlud bewußt Barbarinnen im Sinne der letzgn 11 an/e^iv iien 1 nie.'chemg. und Aul: assimg musikalischer Probit ine. Charakteiiiie-eh i-.t n/eich zu Beginn das Siguahnottv de-. Heioth,. Diese- ,\V»iv braht geradezu crIÖM-nil wild, grell und dumpf in die kniende Epik eines überholten I hcaU rstiis hinein. Sii.r ncii.i! t;g. wirkt auch die Verarbeitung von /.ufalligcr.iuicbcn des murrenden \ olkes zu MiisikkomplexeiL Bedeutsam m km: th i i-eher Hinsicht sind: der Marsch des I lern.Es, das Pi.dudium vor der Oefängniss/cne, das Lied der Muj.im, die kultnche Musik und der Tanz. Da der Komponistin nur wenige Instrumente zur Verfügung standen, wai sie zu außerordentlich ökonomischer instrumentativer Ausnutzung gezwungm. Dadurch ergab sich manche freskoartige Marie, manche Reminiszenz, an Jazzähnliches, dadurch w urik n aber auch!yi iiehe Partien eutsenf imentalisiert, so z. B. wenn die Trompete Melodien spielt, die komentioncllcrweise der Geige zukommen wurden. Alice J a cob-Locwcnson Das Palästina-Orchester in Rechowoth. Die Moschawa Rcchowoth kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die erste unter den Kolonien gewesen zu sein, in der das H u b e r m a n - ( / r e Ii e s t e r am Ex Leitmar I"I7 ein Konzert veranstaltete. Aber noch ein weiterer Grund zu berechtigtem Stolz ist vorhanden. Besitzt doch K'eeliowoili tinstreitig das schönste und in akustischer Hinsicht als ganz hervorragend zu bezeichnende B et Ii -Am, das dem Ingenieur 11 a b e r s c Ii e i in (früher Berlin) in seiner jetzigen Form zu verdanken ist. Ein mehr als tatiseiidköpfiges Publikum lauschte ergriffen den Klangen du Conccrio grosso von Händel, der „An.ikreon"-- Hivirture ' herubuiis, in der Interpretation Dohr» w v n <. Höhepunkt des Konzerfs war zweifellos die Wu.br:' die der V. Symphonie (Schicksalssvmphonie) tun lieethou n, wobei < m besonderes Lob 'den Blasern, die die st b,w i.u igt n Partien namentlich im letzten Satz \iituos w ledei gaben, gebiihl'l. Ein zweites Konzert fand am d.u.iul'oL.H-inli n Abend mit demselben Piogramm fur Aibvrvr. die m Massen besonders aus den in der Umgebung Reihowoths liegenden Kibbuzim lagen, statt. " S e e w E i s n e r Wie bezahle ich meine Telephonrechnung? Man soll nicht meinen, es handele sich dabei um das Geld für die Rechnung. Das besorgt man sich, auch wenn die Finanzen sehr schlecht stehen, sofort, wenn das Kuvert mit der schönen Aufschrift von der Post ankommt. Gibt es doch in Tcl-Awiw die erstaunlichsten Kreditmöglichkeiten, von denen man sich — besonders in der ersten Einwauderungszeit — noch nichts träumen läßt. Man kann es sich nämlich nicht leisten, seine Telephonrcchiumg zu vernachlässigen. Bis man den Apparat bekommt, dauert es — wenn man viöl Glück hat — so an die zwei Jahre, und da will man es nicht gern darauf ankommen lassen, daß einem das schöne schwarze, so schwer erkämpfte Ding, das immer falsch verbindet, wieder abgenommen wird. (In der Beziehung, im Abnehmen, ist die Post nämlich pünktlich.) Das Problem ist ein anderes: wie lasse ich dem Postmaster General sein Geld zukommen? Da steht auf der Rechnung, man müsse im Laufe einer Woche bezahlen und könne das Geld auf jedem Pos'amt abgeben oder auch einen Scheck auf den Postmaster General einschicken. Das klingt ganz plausibel und einfach. Man schreibt also seinen Scheck aus und fährt auf die Post, ihn einzahlen. Das scheint einfacher als ein eingeschriebener Brief, bei dem man doch zuerst einmal „Schlange stehen" muß.... Das nächste Postamt aber ist — w e g. Einfach nicht mehr da. Wo es hingekommen ist, kann ich beim besten Willen nicht feststellen, denn da ist ein Haus abgerissen und ein anderes wird gerade gebaut. Also zum nächsten Postamt, das ist noch da, aber es macht mir natürlich die Tür vor der Nase zu. Auch hat das Suchen doch Zeit gekostet, ich muß nach Hause. Damit ist erst einmal ein Nachmittag ausgefüllt. Am anderen Tag begebe ich mich wieder auf die Reise, mir droht doch das Gespenst, daß mir die Post den Apparat sperrt. Zwar hat man mir ani Vorabend erzählt, daß die abhandengekommenc Post doch noch da ist. Man müsse nur hinten herumgehen oder um die Ecke oder so ähnlich. Aber ich traue der Sache nicht mehr, besonders, da mir keiner erklären kann, warum die Post kein Schild aufhängt, damit man gleich weiß, daß sie noch da ist und man hinten herumgehen muß oder um die Ecke oder so ähnlich. (Ich weiß übrigens warum: die Post sagt sieh, warum soll es das Publikum bequem haben, wenn irli es erst mal suchen lassen kann?) Also gleich auf das Postamt, das mir gestern (darin ist es ganz pünktlich) die Tür vor der Nase zumachte. Heute ist es offen, man sagt mir sogar, ohne böse zu werden, wo ich mein Geld bezahlen kann. Der zuständige Beamte erledigt zuerst einmal fünf auswärtige Telcphonnnrufe. dann kommt er zu mir. Aber den Scheck nimmt er mir nicht ab, denn der Postmaster General will ihn anders gekreuzt haben, mein Scheckbuch hat aber keine neuen Formulare mehr, auf Wiederschen, Herr Postmaster General — ich fahre nach Hause. Das war der zweite Nachmittag. Am dritten treffe ich schon alle Vorsichtsmaßregeln. Eh stelle einen Scheck vorschriftsmäßig aus, stecke mir ein volles Scheckbuch in die Tasche, um für unterdessen erschienene neue Vorschriften gerüstet zu sein (man kann nie wissen), und komme zur Post. Hurra, sie ist offen. Aber zu früh gefreut, denn der Beamte, der das Telenliongeld entgegennehmen soll, erklärt mir, daß sei ihm nur bis zu der und der Stunde gestattet. Angeschrieben stellt das zwar nirgends, aber es ist schon der dritte Nachmittag', mein Kampfesmut hat sieh erheblich gemindert, ich fühle, entweder jetzt schnell weggehen oder ich schlage einen fürchterlichen Skandal. Ich überlege mir gerade, ob ich nun mein ganzes Leben lang immer die Nachmittage damit verbringen werde, mein Geld an den Postmaster General zu schicken, da erbannt sieh plötzlich der Beamte (aber er nimmt mir nicht etwa das Geld ab) und flüstert mir zu. auf der Hauptpost wäre die zuständige Stelle noch offen. Jetzt hat er es so weit gebracht, daß ich ihm im tiefstem dankbar bin, und sause auf die Hauptpost. Und wirklich, man nimmt mir den Scheck ab____ Jetzt will ich aber auch mein Vergnügen haben, und ich verbringe einen vierten Nachmittag damit, einen schönen .Brief (hebräisch, den er also nicht lesen kann) an den Postmaster General zu schreiben. Ich schlage ihm dariti vor, es doch einmal zu versuchen, sein Geld für seine Telephonrechnung „ganz einfach" auf das „nächste" Postamt zu tragen.... W. K. .liTiisalciiier kunsfbcridit In der Cwllery Steiiuat/kv er* tfnete der Kunsthistoriker Dr. E. Schiff am dl. IVhru.ir die Kollektiv-Ausstellung des Berliner M iled Hermann \. Kahn, der seit zwei jähren in Rainatli-i cm lebe I p>!z diesem Um.st.imle hat Kahn nur zwei Pal o-tiiind amb baii. n;un"eitellt. was für das hohe k.uislleii che Yci au wa irtiuigsheecii btsciu des Malers spricht, der riEiit ua di b Fi-- t, itiic'-gebumb ner Popularität strebt, sondern nur das b-t/du. h ( mit ige seiner Produktion der (Vffcntiiehkcit zeiget «kl. Wir gehen mit Schiff, der seinen einführenden Worten eine Analvse verschiedener Bilder Kahns tolgen hell, konform, wenn war in den beiden Berliner I iergai tt n-liildei u das künstlerisch Stärkste unter den Landschaften dieser Ausstellung erblicken. Es ist so viel Atmosphäre, so viel innere Bezugenheit in diese Landschaften hinciuverwoben, so viel von dem, was mit Worten unsagbar bleibt und gerade deshalb den wesentlichen Eigenwert eines Kunstwerkes ausmacht, daß es Kahn schwerfallen mußte, bei gänzlich unveränderten Ausdrucksmitteln nun den neuen Problemen, die die Landschaft Erez Israels bietet, gerecht werden zu können. Und tatsächlich sind die beiden Proben, dir' er hier gibt, nicht ganz auf der Höhe seiner Berliner Bilder. -- Neben den Landschiften sind es Porträts und Stillehen, die Kahn behandelt. Besonders hervorzuheben ist hier das überaus geglückte Selbstbildnis und die Dame im Trainings-Anzug, ein in frühlingsfrischen Farben, raum-kompositoriseh besonders wohlgeluugenes Bildnis, das erfüllt ist von innerer Beschwingthcit and einer geradezu erfrischenden Lebensfreude, Welch ein Gegensatz dazu der DEkussionsahend im Berliner Bi th-Clialtiz; diese ernsten, früh bewußten Jiideiigesiehter, die der Künstler während der „Sichah" festgehalten hat. Schaloin Ben-Chorin Im „Centre de Culturc Franchise", Jerusalem, wurde unter dem Vorsitz, von .Madame d'Aumale. der Gattin des französischen Konsuls, eine Serie französischer, mit musikalischen Demonstrationen begleiteter Vorträge eröffnet, die den Aufbau der moderneu französischen Musik zum Thema haben werden. Der Erbftiiuiigs\tu t ■ ag über: ..La vie fongueuse et pitoyahle de Berlioz" hielt I. Thibauit-Chanibault. (Schluß des Palästinateils)