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Jüdische Rundschau · 1937-03-02 · Heft 17 (2.3.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 17 (2.3.1937)
Date
1937-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JODISCHF RUNDSCHAU Nr. 17, 2. III 1937 Briefe an die Redaktion Pflichten des Einwanderers in USA New Ymk, F.bruar 1937 Sc! ir gc ite K .see il.t; >n! des Fern von zwei Heimateit Oci-tts izii'i der S' clo ■— lVuinhl..i!-l ihr! i'aU.tina — und In dem s. Icvcren Uc.nühin, eine dritte Heimat zu finden, bedeute! dir ..jüdische Rundschau" oft mehr als nur ../eitum'4". Sie Wil l Uli 'e hl' hg wie (ho Post voll .,dr;i ais i r \rt i! h da \t 'i k r ( — m jedem >e.e „I \\V> Iiis Wcl h "i i de \ ( r i ngi hier veitel.n « aus dein hikim ib u N i In i dl \ , teil Jahre Ii Km > i « tri, ' I ii . i'. P ' . W v 1 U! 1 i 1!' «Ii artet, eben und dir - V , 'ii man, mit. - i dort u i » .de s hin i t d t s iteien Raum, I \it ,.f nlur in n i it Ii tr ' „I 1 .'in ieit. i in weint I i k i I t 1 I h 1, 1 I ' I I 1 IUI. T i Mu II \\ am u Wh 1 (1 , , Ii r um! ('u im luv .Neu i bewerti n. Mit Ersch: diu Keuchte Lage der lud des euns ue-e' tra'-Fuc : a. e le n U- A: X.iri Silier k.I. W. lk -l man ■■ tiagi-'he ii 1. mdern K in ZV:,. Er daß er liier offene Tore und die M 'e ielikeit zu einem Ncubcginn fand. Es wi eine neue Eimvaudcruugswclle, die dieses Land, das schon so viele Zuströme aufgenommen hat. Unwillkürlich dann vi. h dkses i)i!d auf. da mau sich am Eingang tor zu diesem Land, dem Großen Hafen, bJiedet, der al c«, «eis von Osten k: in nt, auluiiiunt. So auch jetzt die luden aus Deutschland. (Das \\ u ,,'' l n bewußt in diesem /u i nun n'i i» „c gibiaucht, mag \ li.nioiiLii »etken, die nianchun i'Ciuheh auid.) In New \ -k ii« r, di scra I ingai gs- und /i.tnut t r zu tu cm weiten und ri i 1». Laid<, k inzentriert und - st ut - h du -< Welle. In uianctien Straßen New Yorks i d m Rc uutants mag man ji 'zt s<> Uli Diut h liüren wie in dem Iicrim der Inf'.alionszcil Ku-kch von den russischen 1 i,; nim. Wird dies immer im' Wo1 uolui .nifgeuommeii? t1 i d 11 1 ' Jude wird sich wundem, daß der JidtUvh- -i'iet hei,Je hier weniger, und Ott ' , 11 i.i h» b 'tu, auffallt ab ' Ni i ' 111.^ aus Deutsch- 1 1' i g bc Lmwandcruugs- »n.c der CKijudcn vor ein und / - < n i t i h n fiat das Land Iii a oi iv.it, und die neue t v i i i fiii k t sieh in i i i n '< r \s uuilation. Auch nie Ju.icn. die vor last 80 Jahren au 11 it < , i n.d nach hier t u ud i m_ ik.inisiert. Ein ini Iii s )iu lpi'en ist der Ii < ui j' i i lind, der heute na b.cr emii andv 11. l)i' ji Mitgiiuhl, die wartnhi e V diu* ue und Hiiisbeu i d i amerikanis ( i |u 1 n lud auch heule i * h 1" in Vrnswert wach, selbst \ i i i ii i inzelnen vici- 1 i n ii ' bange wird. 1> in. i i Ii du ^cs Land ist ja ii: et trei von Antisemitismus. I 1 i g der o'fizicllcn Steli i i 1 i d( s Piasidonlen K xi cm r, sn d voller Ehrlichkeit Iw-ters Wollen«. Aber wird all dies, so bedeutsam es in vi im \i - nl mg n liirPalästina, lur Polen sein mag, verhindern l> iici, da aui h liier, in den Vereinigten Maaten, die, wie a'le Lander der Erde, eigene Probleme und Millionen Arbeitslose hauen, daß auch hier, mit der toi I < breitenden Einwanderung der luden aus Deutschland — deren lii'diriig und Können bewundert und geschätzt werden — der An:i emitismus Wachst/ Vielleicht gibt es nur ein wirksames M.ttel. und das ist in die Uand dei Einwanderer sellist gegeben. I der, der schon im Lande ist, jeder, der in Kurze herzukommen di-: M'ig'iehkeit hat. prüfe sieh, ob er -ich würdig, wie >'.;. s.-■i:i:,„n und .sein btolz des j ude-nie. c, erwarten, verliält. Nur so kann vielleicht ein weiteres An»ai ii cn des Antisemitismus, jenes unglückseligen Jiaiil-!us, den der Jude, wo er auch hinkommt, mit sich trägt, verhütet werfen. Jeder, der schon hier ist, mache sieh klar, daß er nicht für sich allein verantwoit ich i-t. vielmehr, daii sein Verha icn mit daiu beitragt, den Eintritt in dieses Land für andere, die ihre Zukunftsholfnung gleiihia ls damit verknüpft haben, tu erleichtern oder zu erschweren. Jeder, der neu hier ankommt, vergesse nicht die Schwierigkeiten, die er selbst zu überwinden hatte, bis er den Boden dieses Landes betrat. Jeder fühle die Verantwortung des Wegbereit cns für den nächsten. E'rau A e n n e L e rn a r, * . * Die.,). K." hat im Mai Juni 1936 auslüi irliche KeitU.-richte ihre, llaUjitschri't'eiters über die Judenfrage in USA. vcrijffeiitlielil und auch ülrer die Problematik des Aetiseiuili-Hills in Amerika schrieb uii er New- Yorker Korrespondent häufig recht aufschUiCrcIche Darstellungen. Wir stimmen aber dem ScIiHiliteil der vorstehenden Zuschrift, daß jeder Jude (auch Emigrant) sieh stets der Verantwo tung gegenüber der jüdischen Gesa in t ii e i t bewußt sein soll, volünhaldirii hei. (Red.) *HoIlywood"-Klima ist auch nitht besser! Jerusalem, 21. Februar Sehr geehrte Redaktion! Wenn es noch eines Trostes für diejenigen bedarf, die sich in diesem Winter um das palästinensische ,,Mittclrneer-Klima" betrogen fühlen, so können sie ihn vielleicht in der Tatsache linden, daß es andeien i.lindern, wo ,.irn dunklen Laub die (ioldorangen glühn", aucli nicht besser gegangen ist. Der nachstehende Bei acht über K a 1 i f o r n i e n zeigt aber nicht nur, daß zumindest in diesem Jahr das ,,ll'iil)'wrrod''-Kliina dem palästinensis' hen nichts voraus hatte, sondern er gibt auch einen Einblick in die Probleme der amerikanischen Z i t r u s- Industrie, der all diejenigen interessieren wird, die die Bedeutung dieser Industrie für Eirez Israel kennen. In Kalifornien erreichte die Temperatur mit — 12° den niedrigsten Stand seit fänf?ehn Jahren und gefährdete die Anpflanzungen aufs schwerste. Da im (.»etitet von Lei-, Angeles allein 450 000 Menschen unmittelbar oder mittelbar von der Ziirus- Industiie leben, schien eine Wirtsehaftskatastrephe zu drohen, der man mit echt amerikanischer Energie und Erfindiings;;a!xvorzubeugen suchte. Man -heizte die Uiangengärti n. Sogenannte ..Katieh-Oeien", die mit Oel geheizt werden, wurden zwischen den Iiaumreihcn aufgestellt und entwic ke'ten einen ebenso di ken wie heilen Kaueb. Nicht weniger als 4 Millionen so! "her Oclen wurden in Kalifornien in Detrieb ge-etzt und hüllten das ganze Gebiet in eine riesige Rauchwolke, die a los beschmutzte und das Leben in dem ..geheizten" Gebiet zur Hölle machte, aber cl'sh den Erfolg hatte, daß die Pf'anzungcn nur 20 o'o Verluste erlitten. In einer einzigen Nacht wurden auf diese Weise 27 00ü000Ga'lonenOel im Werte von 2 Milionen Dollars verheizt. Der Kauch war so dick, daß Aeroplane ihre Landungsplätze nicht finden konnten und in manchen Orten auch tagsüber die Straßenbeleuchtung brennen niiiL'Ue, waliriud die Autos mit biciinenden Laternen fuhren. Mit den tnoleriisten wie mit den primitivsten Mittein suchte man der Kli te Herr zu werden. Wiihiend man an einigen Plätzen den Ileizrauch durch die Propeller von Eitigzeuginotorcndiirch die Oiangengärten tieb, wurden an anderen, au denen es an den nötigen Oefcn tnange'te, riesige Mengen lieu in Brand gesetzt und die einzelnen bäume in — Decken gehüllt. Kür diese „Kähc-Abuehr" wurden 20)000 Helfer organisiert. Die Leiter der Kampagne können sich aber auch lähmen, einen großen Sieg davongetragen zu halfen. Sie haben im Durchi-chnitt die Temperatur u m s e chs G r;i d erhöbt und dadurch die kaliiornisehe Zitru-i idu>ttie vor einer Ka'u trophe bewahrt. Was das wirts ha t i, h in deutet, geht aus der Tatsache hervor, daß allein die Plantagen in Südkarolina einen Wert von 100 Millionen Dollars haben. Während au di>r pazifischen Küste eine so abnorme Kälte herrschte, wu de das Zitrus-Gebiet an der atlantischen Küste, in Klorida, von einer vorzeitigen W ii r m e w eile heimgesucht, die die dortigen Früchte so verfrüht zur Keife brachte, daß sie zum großen Teil ihren Markt verloren. Gemessen an diesen Heimsuchungen der amerikanischen „Pardessanim" mögen die pa'.istinen i-eben den diesjährigen „Winter"" doch noch erträglich finden. C. Z. Klötzel Das Mittelmeerkltma Nfiehsten Freitagf: Kiiifler-Kuiitl^eliau Jerusalem, den 18. Februar 1937 An die Redaktion der ,, lüdi.schcn Rundschau" In Kr. 11 der „jüdischen Riiiid.sdi.au" vom 9. Februar d. J. macht ein Einwanden r seinem Heizen Luit, viel das harte winterliche Klima Palästinas und die 11 rcbiln ung. die sich die Liinr dcrPal.istniakur.se, Vert.isscr der l'.i äsün i lUieln r u. ä. haben zu: huUicii kommen lassen. Statt des ve»>j wiclwiieii milden Mittelmeer-Khii eis hätte man Kälte, Dauern g.ai,, Sturuie uud sogai Si hnee und Eis voi ■ güictzt!>ckoinuien. Ich muß die Palastiniikundlev in Schutz nehmen und liegendes lur sie anluluen, als jemand, der den riiiifeleiitopii si h;-n Winter mit seinen Freuden und Leiden intensiv genossen und auch iÜH'r einige Erfahrung him.ithtlii h des Winters in Palästina venügt. Das winterliche Mittelmecr- Klinta, das sich zum I'ntcisciiied w>m etnopaisi heil Wi -tir dtiuh foitgeai tit. u SoiiiieiisrlKiii und Liüiiiiugstt ini.eratmen au-zei<:hr.en soll, e>. isticit nur in der Vorstellung von Phantasien. Wer irn Januar an der Riviera war, weiß, da!> Ri gengärssc. Sturmwinde und niidiige dVnijieralu,en auch doit au der Tagesoiduung sind. Troiz ullern besteht aber ein sehr erheblicher l nierschied z.wischen dein Mltteüueer-Kiiiua unri tlenu Klima nöidbcher Länder. A\'inn als Regciimcage für Pala.lna Ziifern von G0U---7O0 mm genannt werden — und ji der weil», daß diese Regenmenge sidr nurl drei bis vier Monate verteilt ™-, so Kann das nur diesen Muiiaiei geiilaile sich ü ßen, da Ii in i Ullis slv-e Kesich ü In r d i -i Land crgu nen. Der \ame .,Ki geltzi it'1 lür den Winter Paä-tinas muß Mh iei^ii b seine Lisa he haben. Aber auch de.n. lur den soldre Regetigü.'[ in den llauptiegenniuiac.eii -i Ii ua irliagüeh sind, bullte cielu vcib-a*gen bleiben, daß die I erniieiMi m cn mit Ausi ihme v i Je-ii .-dem mrcli in den Wim ei monateil immer ii!>er O Grad liegen und selbst in Jeiii -aem da».: mit Teni| er.itu en unter 0 Giad nici/i häutig sind. Die iioimalen Wintei'teui|miaturen, die an kalten Tagen in Deuts' band oder Mitteleuropa et reicht werden, sind in Palast1!.a unbekannt. Im übrigen wird in der bekannten Pa ä-tina-Literatur ausdrücklich auf die; naßkalten, rauhen und regnerischen Tage im Winter und die häufigen und schwelen Stürme im Gcbiige hinge« iesen und geiatcn, sieh für den pa iisiineiisi.,'lim Winter mit eben-o \\uiuier K.cidung auszurüsten wie lür Europa. Ich finde das eine durchaus zutreliende Darstellung des Sachverhaltes. Mit vorzaiglIcher I lochachtung L. A c k er m a n n * , * I biser Korre-pondent wollte den Verfassern der Palästinakunde-llüi hern nicht wirklich einen Vorwurf machen. So ernst war es nicht gemeint. Es war nur ein humorvolles Abreagieren der Stimmung, diu viele, weil sie an »Iii -c Seile der Sache nicht geda ht haben, au solchen Tagen ei greift. (Nicht nur beim Wetter ist es so, daß man Warnungen erst g'aubt, wenn die eigene Erfahrung sie bestätigt!) Red, Ausbildung in Kosmetik Herlin VV 15, den 22. Februar Sehr geehrte Redaktion! Sie brachten in Ihrem geschäiztcn Hiati die Zuschritt einer eiuiäuscbtr u Dame zum Abdruck, die nach. Abaolvkrung eines „teuer bczahlt-m Sehnellkursus"' der Ko.siiii liU in eine sü''it.a'ienisi he Stil It iihcrsicilelte und dort die Erlab irig machen mußte, daß man für ihre Kunst •keine \ erwciiduiig liaiic.!>ic Ni'tlz wickle wie eine Warnung vor dein Studium der Knsiiu'.il; und halte wo'nl aucli die-sen Zweck. Gegen einen solchen öificiitiiciien Alarmnif V'crwahrunjj einzulegen, halte kh lur iiieine l'l i. ht. 1 >ie Aiisiiliung der Kosmetik in ihren vcr,,chle. denen Zweigen (Srb mheitspflege, Manituie, Peiliuire, lla.ai. entfciiuing niitlcls 1 )i ah riuie, Iler-telluiig ko.sine; i>i. lu-r Piupurate) bictel durchaus genügende Möglichkeiten, sich iigendwo cilKi Existenz zu beru ün*len. \ oraussetzung dabei ist allerdings, daß niau das Fach gründlich auf wassc-iisi haftlichtr Ikisjs erlernt hat. Denn die moderne Kosmetik ist eine auf Anatomie, Physiologie, Pathologie. Chemie und anderen Wis.,en-zweigen aufgebaute Wissen.,, haft. Nichts w.liiverfehlter, ab aus den sebleehteu Erfahrungen einer elnzebien Dame in einer einzelnen Stadt verallgemeinerte Küeksih'äissc auf die lierufsaussichten (Kr seiiö'eii Ke-metikei in rat ziehen. Gerade die verzweigten Spe/ia'fii' bi-r der Kosmetik geben eine .M.''.;'ieh!,eit. nut dein einen oder anderen Gebiete mit Erfolg zu arbeiten, sofern man nur in seinem Fach wirklich auf der Höhe ist. Hochachtungsvoll Dr. med. Elfi. Ehren reich * t * Wir Illingen die Zuschrift der Leiteilu einer Fachschule für Kieliielik vorstehend zum AbdnuU, liiü-seii aber uiisc-ie Anslv in wiederholen, daß von jedem Auswanderer voi Auswanderung in ein bestimmtes Land zuverlassi.'Lliifnrin.iti.mert üIk'I' die ('hau. cn seiner li' rufsaüsuliung rlort einevhoit werden svillten. (Red.) alle Mchm!-,en können Schönheiten sein, und den Htunor, den bat «•«• Itiilt mitgibr.iclit. ln<! iih gehe früh schlafen und rüste mich für den kommenden "1 ug. * Morgens rollen die Wagen los, jeder Wagen mit zwanzig Menschen, drei Wagen. Zuerst gellt es den sanften Hügel hinunter, über cm urobes Pflaster, mit Sprüngen über die Schienen, dann fahren wir in sanftem Ackerstaub, immer auf den iieir; /u. der mehr und mehr aus dem Boden steigt, mehr tiinl mehr mit seiner groben dunklen Wand näher rückt. Lange Zeit sollte es so gehen, die tägliche Morgen fahrt zur .Arbeit, nul voll«cstopfiem Wagen, manchmal sitze ich ütif der W.igenknnte, derart, daß meine Heine über den rollenden Rädern Illingen und ich aufpassen muß, mit den FCtlsen nicht in die Speichen zu geraten, oder ich bin eingekeilt zwischen Wagenwand und schaukelndem Wasserkrug und steige nachher durchnäftt vom Wagen. Lange Zeit sollte es so gehen, Morgen für Morgen, immer diese Fahrt vom kleinen Hügel auf den großen Berg zu, diese duftenden, aufwachenden, noch nachtgekühlten Felder, verspätete Füchse am llach, ein Adler stumm utif der Krone des Eukalyptus, und fern im Osten, wie eine Denkmal.scnthüliung, zieht der Wind den Wolkcnschleicr von dem hinlließenden, steinernen Faltenwurf der transjordnnischen Berge. Heute ist Kalif Massenaufgebot. Je neuer ein Chaltw ist, desto schneidiger sind seine Bewegungen. Die theoretische Ilachscharah hat ihn .ja nicht auf Wirklichkeit vorbereitet, sondern auf krasse L'nwirklichkeit, auf heroische Zonen absolut verwirklichter Ideen, da wird die Umwelt wächsern und gespenstisch, der neue Chaluz geht durch die grofJe historische Kwuzah wie durch ein Wachsfigurenkabinett, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst durch Turncrei zu beweisen, (laß er noch Fleisch und Ulut ist und nicht Wachsfigur eines historischen Vatik. Wir steigen auf die Wngenkanfe, springen mit einem Satz zu Boden. Die Allen Eicheln, benutzen Balken, Vorsprün.te, Hudtichscn als Stufen einer Treppe und verlassen auf betont unheroische Weise den Wagen. Es werden Zangen verteilt, Paare formiert, zur Ernte in die Ilatimretlien litneingeschickt. Jeder von uns tastet das Neue ob, versucht, zu verstehen, ist ganz Lauern und Spannung. Oh, wie hängen die Bäume voll mit Frucht, die Aeste sind gebogen und gespannt unter der Last, müssen mit Gabeln gestützt werden. Mit was für einem erleichterten Seufzer federn die Aeste zurück, wenn man sie befreit hat von der Last, der ganze Baum wird frei, richtet sich auf, holt Luft. Nach der Abnahme der außen hängenden Frucht muß man ins Innere des Baumes, durch Dornenclickicht und verwachsene Zweige hindurch, da tut sich innen eine schattige Höhle auf mit hängenden gelben Tropfen, denn der Baum wird ja in Kelchform hochgezogen, und wenn der Kelch groß und schwer genug ist, dann biegen sich seine Ränder wie Händer einer Wasserfontäne nach außen zurück und fallen senkrecht nieder. In diese Höhle muß man hinein, auch hier ächzt der Baum, stöhnt, federt zurück nach der Operation, faltet sich auseinander. Bartel, der gestern den Mund so voll nahm mit Worten, nimmt heute den Mund voll mit Eschkollijof. Er kaut ununterbrochen. Er ist von jener Sorte Schmarotzer, die nicht den Mut haben, allein zu schmarotzen, sondern die die ganze Gesellschaft zum Schmarotzen verführen, das Schmarotzen zum allgemeinen Lebensstil erheben möchten. Er bemüht sich, seine Umgebung anzustecken, ich beobachte den Erfolg seiner Bemühungen, einer nuch dem anderen von den Neuen steigt lächelnd, mit verlegener Erfreuthcit herunter von den großen Vorsätzen und beginnt, Barte! nachzuahmen, erst scheu, dann mulig, endlich in Freiheit ausbrechend, wobei eine gewisse Dankbarkeit Bartel gegenüber turbulente Formen annimmt. Und dann bin ich plötzlich aufgestiegen zur Arisa, und das kam so. Die Früchte werden ja in Kisten getan, von denen es einige hundert gibt, und die gefüllten Kisten werden von einem Wagen eingesammelt; es arbeiten zwei Wagen und zu jedem Wagen gehören zwei Lastträger, die die Kisten dem Kutscher hinaufreichen. Nun hieß es plötzlich: Es ist fünf Uhr, man muß Schluß machen, aber die gefüllten Kisten dürfen nicht zwischen den Bäumen stehen bleiben. Da stürzten sich einige Leute, die noch nicht allzu erschöpft waren, auf die Kisten und halfen den einsammelnden Lastträgern. Barlcl stürzte sich nicht, aber ich stürzte mich. Es war da ein Alter, von dem ich später erfuhr, daß er Sowclow heißt, der freute sich über mich und sprang animiert auf den abfahrenden Wagen, mit einer Geste, als ob er mich auffordern wollte, ihm nachzuspringen und mit ihm gemeinsam zu dem Schuppen zu fahren, wo die Ernte untergebracht wird. Nein, soweit bin ich noch nicht, auf fahrende Wagen zu springen. Aber dieser Alte freute sich über mich, und einige andere Alte sahen mich auch und freuten sich, und heute kommt der eine und holt mich aus vierzig Leuten heraus und nimmt mir die Kalifzange ab und ordnet mich cn als Lastträger für die Arisa. Manchmal sause ich vorbei an einer offenstehenden Tür und sehe draußen Härtel und Ilnnni sitzen, sie essen Eschkollijot, und Härtel packt seinen Humor aus. Es gefällt mir nicht an Bartel, daß er keinen arbeits*- mäßigen Ehrgeiz hat. Ueberhaiipt finde ich, daß die Neuen allen Grund haben, ihr bisheriges unproduktives Leben in sichtbarer Form von sich zu werfen durch doppelten Fleiß und doppelten arbeitsmäßigen Ehrgeiz. Sie haben allen Grund, sich unfrei zu machen und in das Stahlkorsett des Chaluziuth zu pressen, so wie ich mich unfrei tauche und in dieses Stahlkorsett presse. Statt dessen bemerke ich, gerade bei den Neuen aus Deutsehland, daß sie ganz frei und unbekümmert sind und munter und egoistisch weiter leben, als wäre nichts geschehen. So eine kleine Tat, bei Arbeitsschluß den Lastträgern kollegial herauszuhelfen, hat eine große Bedeutung. Ich befinde mich in einem Zrif, dessen eine Hälfte für das Aufstapeln der Ernfe bestimmt ist, dessen andere Hälfte als Ven>ackungsraum dient. Die Pucker haben vor sich auf den schrägen Ständern die Exportkisten stehen, die Wicklerinnen rollen den Packern auf den mit Abteilungen versehenen Biilardtisch die gewickelten und nach Umfang sortierten Früchte zu, die Sortiererinnen schicken auf dem anderen Biilardtisch den VVicklerinnen die zum Export geeigneten Früchte, und außsrhalb dieses Systems bewegen sich ständig ein oder zwei zur Arisa gehörende Lastträger, von denen ich einer bin und die für Zufuhr von gefüllten, Abfuhr von leeren Kisten sorgen. Die Arisa ist eine Angelegenheit intensiver Arbeit, und dementsprechend minimaler Geräusche. Man hört nur das Aufschlagen der Kisten bei den Lastträgern, eventuell mal einen Mahnungsruf der Sortiererinnen: Brara. Das bedeutet, dnK eine Kiste mit unbrauchbarer Frucht heraussortiert ist ttncl gegen eine leere eingetauscht werden muß. Ich reiße sofort die fragliche Kiste heraus und schiebe eine sfänr'hg bereitstehende leere Kiste ein, in die sofort wieder die Brara zu sausen beginnt. Inzwischen hat eine andere Sortiererin eine Fruchtkiste beendet und gibt ihr einen St iß, so daß die leere Kiste aus dem Ständer fällt und den Lastträger ruft, der eine neue, diesmal gefüllte Kiste einschieben muß. Die leere Kiste bleibt stehen für die nächste Brara, inzwischen ist es höchste Zeit geworden, die gefüllte Brarakisle hinauszuschaffen und auszukippen. Kaum kehre ich zurück, empfängt mich schon der Ruf einer dritten Sortiererin: Brarn, und bei der vierten saust inzwischen eine leere Kiste aus dem Stünder. Die Sache beginnt von vorne. (Fortsetzung folgt)

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