Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1937)
- Date
- 1937-03-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 2. \\\. 1937 Orangenernte und Arbeitermangel Von der Woche Das Jerusalemer Appellationsgericht hat das Todesurteil gegen den Araber, der die aus Berlin eingewanderte Frau Julie Koller bei Haifa ermordet hat, in eine 15 jährige Gefängnisstrafe u in g e \v a n d e i t. Als Begründung wird angegeben, dalS der Morder zur Zeit der Tat noch nicht 18 Jahre alt war. Auf die Synagoge in I I a i f a ist am Sonntag ein Bombenanschlag verübt worden. Die Eingangstür und die Fenster wurden zertrümmert. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen. In der Nähe von Jerusalem ist die Wasserleitung durch Terroristen beschädigt worden. Am Sonnabend wurde eine Gruppe von sieben Juden bei einem Spaziergang an der Bahnstation zur Siedlung K f a r C h a s s i d i in durch arabische Terroristen beschossen. Unter den sieben jungen Leuten befanden sich drei Hilfspolizisten. Eine Person wurde leicht verwunde!. Die sofort benachrichtigte Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. in Haifa haben sephardische Juden Drohbriefe erhalten, in denen sie von einem „Verband der heiligen Kämpfer" aufgefordert werden, den arabischen Terroristen Mittel zur Verfügung zu stellen. Arabischen Zeiiungsmeldungen zufolge ist ein arabisches Lastauto in der Nahe von B'not Jaacob überfallen worden. Von der begleitenden Polizeimannschaft sollen 1 Mann getötet und 2 verwundet worden sein. Unter den jüdischen Bewohnern der neuen Vorstädte von Jaffa herrscht lebhafte Beunruhigung darüber, daß die Regierung entschlossen zu sein scheint, mitten in diesem jüdischen Wohngebiet Häuser für die Araber zu errichten, die durch die Demolierungsarbcitcn in der Jaffaer Altstadt obdachlos geworden sind. Wie aus Damaskus gemeldet wird, führt dort der palästinensische arabische Tcrronstenfiihrer Scheich Abdullah A b u - j ii n i s unter den jungen Arabern eine Werbeaktion zum Eintritt in die palästinensischen Terroristenbanden durch. Die arabische Wochenschrift „AI Carinel" in Haifa soll — wie die Redaktion bekanntgibt — demnächst in eine Tageszeitung umgewandelt werden, die in Haifa erscheinen wird. Der Herausgeber der ..New York Firnes", Alfred Sulzberg e r, ist zu einem Besuch in Palästina eingetroffen. Sulzbcrgcr, ein Schwiegersohn des früheren Herausgebers der Zeitung, Adolf Ochs, und Vetter von Dr. Cyrus Adler, gehurt einer der angesehensten jüdischen Familien Amerikas an. Das .Ministerium für die Kolonien in London hat zum Generaldirektor des Post-, Telephon- und Telegraphenwcsens in Pakistina den Vizedirekfor Webster ernannt. Wie „Haare/" mitteilt, hat die Jury den von der Tel- Awiwer Stadtverwaltung gestifteten jährlichen Bialik-Preis in Hohe von 50 Pfund diesmal dem hebräischen Dichter David Sch i monow itsch für sein Poem „Mazcwa" verliehen. Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht einen Gesetzcsvorschlag über die Einführung von Jugendgerichten fur 14- bis 18jährige. In dem Gesetz ist nach englischem Muster die vollständige Trennung jugendlicher von erwachsenen Verbrechern im Pro/efl- und Strafvollzug vorgesehen. In Tel-Awiw fand eine vom Hebräischen Weltverband einberufene Kulturkonfcrciu seph ardisch er Juden statt, die sich mit dem Niedergang der sephardischen Gemeinden befaßte. Der hebräische Schriftsteller j. Burla hielt ein Referat über die kulturelle Situation der sephardischen Gemeinden im Nahen Osten. Es wurde beschlossen, eine eigene Kommission für Kulturarbeit unter den Sephardim einzusetzen. Eine französische Handelsmission In einer Ansprache, die der Präsident der Handels-" k a in m e r von Jerusalem, E. Shelley, anläßlich des Besuches der französischen 1 landclüinission gehalten hat, betonte er, daß die Arbeitsfähigkeit der Kammer durch das vor einiger Zeit erfolgte Ausscheiden einiger Mitglieder (anläßlich der Gründung der arabischen Handelskammer) kein c s w e g s h e e i n 1 r a c h t i g t wurde. Präsident Shelley hob die Tatsache hervor, dal! die vor IS Jahren von Vertretern der verschiedenen Bevölkerungsteile Palästinas gegründete Kammer jet/t zum erstenmal Gelegenheit habe, eine f ranz ö s i > c h e H a n d e I s m i s s i o n zu begruben. Die Kammer, die mit der londoner Handelskammer in Verbindung stehe, unterhalte Beziehungen nicht nur mit England und allen Teilen des Britischen Reichs, sondern auch mit anderen 1 ändern. Im Namen des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden der Iran/oMschui 1 landel-misMon dankte deren stellvertretender Vorsitzender, Kaoul A g h i o n, dem Präsidenten Shelley und der Handelskammer fur die Begrüßung und ersuchte die Anwesenden, Vorschläge für eine Stärkimg der fran- 7.ösi>eh-p,ik,stinensiselien Handelsbeziehungen zu machen. Am folgenden Morgen besuchte die Handelsmission das Amtsgebiiude der Jewish Agencv, wo sie von den Vertretern der Agencv. Dr. Rott e n s t r e i c Ii und Dr. B. Joseph, und von den Mitgliedern des Waad I.cumi, Elijahu Berlin n e, Abraham L i m a I e h und Dr. A. K a t z e n n e 1 s o n, empfangen wurde. Das Bankwesen Jerusalem, im Februar. (JTA ) Neben den sechs ausländischen Banken bestehen in Palästina 70 lokale Bankinstitute, die in der Mehrzahl kleinere Unternehmen sind. Die Bankeinlagen beliefen sich Ende Oktober auf 14,4 Millionen Pfund, davon 11,5 Millionen in täglich fälligen und rund 3 Millionen in festen Geldern. Das Verhältnis zwischen täglich fälligen und festen Geldern hat sich im Laufe der Sommermonate l()*iö immer mehr zuungunsten der festen Anlagen verschoben, was eine mangelnde Anlagelust zu größeren Investitionen beweist. Zu diesen Bankeinlagen traten 2,6 Millionen Pfund Einlagen in 102 jüdischen Kreditgenossenschaften hinzu. Das Fehlen einer zentralen Rediskontbank zwingt die Banken zur Zurückhaltung in der Kreditgewährung, verteuert und verknappt das Kapitalangebot und hat mehrfach zu Kapitalabflüssen ins Ausland geführt, wo die sog. ausländischen Banken Palästinas Liquiditätsreserven halten. Auch die Notendeckung bestellt •zum größten Teil (5 Millionen Pfund) in englischen Staatspapieren, in denen auch 3,5 Millionen Pfund des Haushalte- Überschusses der Palästinaverwaltiuig: angelegt sind. Nach Beendigung der Unruhen hat sich die KreditVerknappung gelockert. Die Zahl der in Jerusalem, Fiaifa, Jaffa und Tel-Awiw zu Protest gegangenen Wechsel betrug Im September 1036 705 (im Vorjahr 783), im Oktober 660 (1007) und November 507 (011). Noch im Juni wurden 1071 Wechsel protestiert. In den Ziffern des Vorjahres spiegeln sich die Auswirkungen des im Herbst 1935 eingetretenen Abessinienkrieges. Insgesamt wurden in den Monaten Januar bis November 9507 Wechsel protestiert, gegenüber 6081 m der gleichen Zeit des Jahres 1935. Das anhaltende stürmische und rednerische Wetter in den letzten Wochen hat den Arbeiternlangel bei der Orangenernte besonders fühlbar gemacht. Da bei Regen nicht gepflückt werden kann, so wäre eine um so größere Anzahl von Pflückern notwendig, um in den kurzen Zwischenräumen sonnigen Wetters den Zeitverlust wieder auszugleichen. Auch hätte der Sturm nicht soviel Fallfrüchte von den Bäumen schütteln können, wenn die Ernte bei Beginn der Schlechtwetterperiode weiter fortgeschritten gewesen wäre. Man bemühte sieh, durch Abordnung einer möglichst großen Zahl städtischer Arbeiter und Arbeiterinnen in den Orangendistrikt dem Mangel zu steuern; in den letzten Wochen sind rund tausend solcher Hilfspflücker und -pack er in die Kolonien gezogen. Man darf aber nicht vergessen, daß Pflücken und Packen qualifizierte Arbeiten sind, von deren guter Ausführung in erheblichem Maße der Wert der exportierten Ware abhängt. Mit dem guten Willen allein ist es dabei nicht getan, diese Arbeit will gelernt sein. Aus diesem Grunde sind zur Zeit im Orangendistrikt 70 Instruktoren tätig, die auf Kosten des Kercn Hajessod die städtischen Pflücker und Packer anlernen und über die Qualität der Exportsendungen wachen. Diese Instruktoren sind alte, erfahrene Pardessarbciter. denen die Arbeiter gruppenweise zugeteilt werden, und die sie in der Technik des Pflückens und Packens eingehend unterweisen. Ihre Tätigkeit wird um so bedeutungsvoller, je mehr städtische Hilfskräfte während der Orangensaison herangezogen werden. Sie ist besonders wichtig in diesem Jahr, in dem das Wetter die Ernte so verzögert und schwierig macht. Und doch ist der Dienst dieser Pflück- und Packinstruktoren nur ein zur Zeit besonders aktueller Teil der systematischen Ausbildung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter, die mit der finanziellen Hilfe des K c r e n I I a j e s s o d während des ganzen Jahres durchgeführt wird. Der Kampf um die jüdische Arbeit in den Kolonien hat infolge der letzten Unruhen zu beträchtlichen Erfolgen geführt, aber gleichzeitig haben sich mit besonderer Deutlichkeit auch die hindernden Momente gezeigt. Jüdische Maler in Paris / L"tJuaIW Nach der U r y A u s s t e 11 u n g, die hier unbekannte Rekordbesucherzahlen aufzuweisen hatte und das außerordentliche Allgemeininteresse an dieser bisher größten Ausstellung bewies, zeigt das Museum Tel-Awiw nunmehr zum erstenmal eine auswärtige Künstlergruppe. „Jüdische Maler in Paris" heißt diese Kunstschau, in der 16 Maler mit 44 Werken vertreten sind. Sie bietet zwar keine Gesamtübersicht über das Schaffen jüdischer Künstler in Paris, denn die Zahl ist sehr groß und es fehlen hier viele, die sehr beachtenswert sind, ist aber doch in ihrer Zusammensetzung über das Maß sonstiger Kollektivausstellungen hinaus aufschlußreich. Denn diese Ausstellung zeigt eines ganz deutlich: die jüdischen Künstler bilden, so sehr sie auch ein integrierender Bestandteil der Kunst in Paris sind, eine besondere Gruppe innerhalb der modernen Kunst. Diese ganze Generation von Malern, die mit wenigen Ausnahmen aus dem Osten stammt, ist trotz allem Pariserischen so durchaus jüdisch, daß sich bei ihr — ob bewußt oder unbewußt — eine ausgesprochene Note bemerkbar macht. Jeder dieser Künstler ist ein geborener Maler mit sicherem Gefühl für die Farbe. Das Gemeinsame liegt im'Temperament, das etwas ganz anderes ist als das französische. Es ist alles viel aufgewühlter und leidenschaftlicher. Man vergleiche z. B. ein Blumenstück eines Franzosen mit irgendeinem Blumenstück dieser Ausstellung und man wird den Unterschied sofort fühlen. Beim Franzosen ist die Farbe Sache des Gefühls, beim Juden Sache des Temperaments, Die Ausstellung gibt einen Querschnitt dieser Kunstleistungen, vor allem aus der letzten Zeit. Man hätte eigentlich mit Modigliani beginnen müssen, denn er hat besonders bestimmend auf seine Umgebung gewirkt. Für den Kenner sind Chagall, Soutine und Menkes die führenden Künstler, obgleich das in der Ausstellung selbst nicht recht zum Ausdruck kommt. Am besten sind die beiden früh verstorbenen Ryback und Mintchinc vertreten. Beider Linie brach mitten in der Entwicklung ab. Von Ryback sind da vier Bilder, die ihn als einen Chagall kongenialen, etwas schwereren und ernsteren Künstler erkennen lassen. Das Bild „Die Großmutter" zeigt noch den frühen, etwas verkrampften und auf das Dekorative eingestellten Stil, iier große „Früchteverkätifer" dagegen, eines seiner Hauptwerke, die malerische Lockerung in immer mehr sich entfaltender Freiheit. Die beiden späten Gouachen haben eine bezaubernde Leuchtkraft. Mintchine kam nicht ganz, bis zu dieser Selbständigkeit, er steckt noch zu sehr in der „Schule" seiner künstlerischen Umgebung. Aber auch hier ist uns ein starkes Talent vor der vollen Reife verlorengegangen. Interessant für die Gesamtbeurteilung der jüdischen Maler in Paris und eine Bestätigung des vorher Gesagten ist Mosche Castel, der einzige nicht aus dem Osten stammende Künstler der Gruppe, Palästinenser von Geburt und einer alteingesessenen sephardischen Familie entstammend, der acht Jahre in Paris gelebt hat und dort geistig-künstlerisch, d. h. seiner ganzen malerischen Auffassung nach, in diesen Kreis gehört. Am wenigsten gilt dies für Kisling, der immer mehr in wenig erfreuliche Stilisierung verfällt. Neben den Genannten sind noch vertreten: Aber dam, Arbit-Blattas, Band, Enstein, Feder, Kikuin, Kremegne, Pailes und Sha hör. Wie stark erzieherisch die Pariser Kunstatmosphäre wirkt, zeigen zwei weitere Ausstellungen junger palästinensischer Künstler im Kunstsalon Hach. Simon H o 1 z m a n n hat, nachdem er hier eine Zettlang gemalt hat, l'j Jahre in Paris studiert und dort viel gelernt. Fr ist ein frisches, temperamentvolles Talent mit guten Fähigkeiten für das Malerische. Aron A v n i kam von der Moskauer Kunstschule nach Paris und von dort nach einjährigem Pariser Aufenthalt nach Palästina. Wenn auch bei diesem fein empfindenden und disziplinierten Maler die Pariser Note noch heute, nach Jahren, stark nachklingt, so ist es doch zu bedauern, daß unsere hiesigen Künstler so wenig Anregungen empfangen und ganz, auf sich angewiesen sind. Ihre künstlerische Betätigung muß sich notgedrungen in demselben Kreislauf bewegen, was, wie im Falle Avni, zu Stagnationen führen muß und ein so gediegenes Talent nicht recht zur Entfaltung kommen läßt. Dr. Karl Schwarz, Tel-Awiw Berichtigung. Die Kritik des Auforen-Abends Schalom Ben-Chorin in Nr. 12 stammte von Dr. Martha Tschernichowski, Jerusalem. Die Besprechung der Ausstellung forte Rosenberg von Sch. Ben-Chorin. — In unserer letzten Ausgabe ist in dem Aufsatz: Chug D'Arav ein sinnentstellender Druckfehler entstanden. Das Apostroph im Wort D'Ariv muß selbstverständlich hinter dem D stehen. Es besteht die Tatsache, daß gut ausgebildete landwirtschaftliche Arbeiter außerhalb der Kollektivsiedlungen nicht in genügendem Maße vorhanden sind, um den Bedarf der Kolonien zu decken. Da der jüdische Arbeiter ohnehin einen höheren Lohn fordern muß als der arabische, wächst sich jede Minderleistung gegenüber diesem zu einem Risiko für den Arbeitgeber aus, das dieser nicht tragen kann und will. Um diesem Mißstand abzuhelfen, hat der Kercn Hajessod beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe die Arbeitsabteilung der Jewish Agencv einen ständigen Dienst landwirtschaftlicher Instruktoren eingerichtet hat. Einem soeben erschienenen Bericht ist zu entnehmen, daß allein i m letzten Vierteljahr 1036 rund 2500 Arbeiter in etwa 20 Kolonien von 18 hauptamtlichen und 27 nebenamtlichen Instruktoren unterwiesen worden sind. Darunter befanden sich eine große Zahl neu ins Land gekommener Einwanderer, Jugendgruppen und Flüchtlinge aus Jaffa. Die Ausbildung erstreckt sich in erster Linie auf die gebräuchlichsten Arbeiten in den verschiedenen Wirtschaftszweigen, insbesondere im Pardess, auf dem Felde und im Weinberg. Wer selbst einmal eine Schaufel oder Hacke in der Hand gehabt hat, der weiß, wie schnell sich die Arbeitsleistung erhöht, sobald man von Erfahrenen nur einmal die richtigen Handgriffe in der Behandlung des Werkzeugs gelernt bat. Insbesondere die Jätarbeit in den Orangenhainen kann nur durch das praktische Beispiel erlernt werden, und das große Geschick, das die Araber darin besitzen, erschwert die Konkurrenz jüdischer Arbeiter. Um so erfreulicher ist die Anerkennung von Seiten der Farmer und Pflanzer, daß dank den Instruktoren die Leistungsfähigkeit auch ungelernter jüdischer Arbeiter sich schnell zu einer zufriedenstellenden Höhe gehoben hat. So hat sich der Instruktorendienst auf diesem speziellen Gebiet schon im ersten Jahr als ein erfolgreiches Mittel im Kampf um die jüdische Arbeit erwiesen. Der K e r e n Fl a j e s s o d, der bisher 2000 P f u n d hierfür aufgewandt hat, wird für das kommende Jahr einen weit höheren Betrag in Ansatz bringen. Dobrowens Bekenntnis Der Dirigent J. Dobrowen, der, wie schon berichtet, eine Reihe von Konzerten des Huberman-Symphonieorchcsters in Palästina geleitet hat, erklärte bei einem zu seinen Ehren in Tel-Awiw veranstalteten Empfang, nach dem Sonderkonzert für die Arbeiter, in Beantwortung der Begrüßungsansprache: „Ich bin ein Jude, geboren in Zentralrußland, ein Jude, der sein Leben unter Nichtjudcn verbracht hat. Mein Lehrer und Meister war Maxim Gorki, er war ein Judenfreund, aber kein Jude. Um ihn scharten sich viele Juden, darunter auch solche, die von Palästina wußten und von dem Lande viel erzählten. Ich wußte, daß ich zu diesem Lande gehöre, in dem einmal mein Volk gelebt und die Religion und große Kulturwertc für die ganze Menschheit geschaffen hat. Ich wußte ferner, daß die Musik, meine Kunst, zum Kulturschätz unseres Volkes gehört. Ich wußte endlich, daß einmal der Tag kommen wird, an dem ich hierher kommen werde, ich fürchtete jedoch stets, daß die Verwirklichung dieses Traumes eine Enttäuschung sein werde. Ich war noch nie so gerührt wie am gestrigen Abend. Ich habe mich gefragt: soll ich vor diesem Publikum Tschaikowski spielen? Diese Musik ist die größte Schöpfung der Dekadenz-Epoche der Musikkultur; hier aber strömt junges Volk zusammen, das an der Schwelle eines neuen Lebens steht. Ich wußte: dieser Abend ist für mich ein Prüfstein. Wenn mein Volk mich aufnimmt und versteht, dann ist mein Traum erfüllt. Wenn nicht — dann bleibe ich ein Fremder, wie bisher. Ich habe gestern abend vor mir ein Publikum gesehen, das mir nach seinem äußeren Anblick auch aus anderen Konzerten im Auslande bekannt ist. Als ich jedoch heute abend diejenigen vor mir sah, die das Jüdische Nationalheim mit eigenen Händen bauen, stand ich erschüttert da. Von meiner frühesten Jugend fühlte ich mich den arbeitenden Menschen nah. Als ich jetzt zu der Symphonie Patnetique kam und die Regung des Publikums im Saale spürte, verstand ich, daß wir eine gemeinsame Sprache haben. Ich habe das Land noch nicht gesehen, ich weiß jedoch — es ist mein Land. Möge es doch für immer in meinem Fletzen so bleiben, wie ich es heute sehe und fühle." Musik-Nachrichten In Tel-Awiw arbeitet ein Kammermusikzirkel, der sich auch die Pflege moderner und jüdischer Musik zur Aufgabe macht. Letzteres Gebiet wird von Dr. Peter Gradenwitz geleitet werden. Im „Centre de Culture Franchise" (Jerusalem, Ben Jehudastraße, Beth Jossipoff) findet am 8. März ein Vortrag über Maurice Ravel (Hans Loewenson), und am 15. Marz ein Vortrag über Darius Milhaud (Alice Jacob-Loewenson) mit Erläuterungen durch Klavier- und Gesangswerke statt. Unter Mitwirkung von Sascha Parties (Geige) und Malka Torcziner (Klavier) gab der Volksliedersänger Schlomoh Weißfisch einen Abend, der als Kernstück eine Reihe von Liedern des Komponisten Rappaport zur Aufführung brachte. Am 10. März hält Alice Jacob-Loewenson in der Wizo, Tel-Awiw einen Vortrag über jüdische und orientalische Musik (mit Schallplatten). Kleine Jcrusalemer Chronik. Der Verein der Freunde der Hebräischen Universität eröffnete in Jerusalem sein diesjähriges Vortragsprogramm am zehnjährigen Todestag Achad Haams mit einem Vortrag von Prof. Dr. Josef Klausner über: „Achad liaatn und Theodor Herzl". Er zeigte sowohl die übereinstimmenden wie die gegensätzlichen Momente im Charakter und in der Politik der beiden großen Männer auf und zeigte an zwei der Hauptgegensätze, in der Frage der Einwanderung und der Kultur, insbesondere des Hebräischen, wie die Zeit inzwischen eine Synthese geschaffen hat. Der mit diesem Vortrag begonnene Zyklus ist der dritte, den der Verein der Freunde der Hebräischen Universität abhalten läßt. Es haben sich eine große Zahl von Dozenten zur Verfügung gestellt. — Eine „Gruppe religiös empfindender Zionistcn", meistens aus Deutschland stammend, hat sich zu einer Gemeinde „Emeth Weemunah" zusammengeschlossen, um den Gottesdienst in der ihnen von lugend auf gewohnten Form zu begehen. Der geistige Leiter dieser neuen Gemeinde ist Rabbiner Dr. K. Wilhelm, früher in Dortmund. Der erste Gottesdienst am 15. Januar war überfüllt, so daß die provisorischen Beträume sich als zu eng erwiesen. Er wurde nach orthodoxem Ritus mit den in Deutschland üblichen Melodien abgehalten, jedoch mit sephardischer Aussprache. In einer hebräischen Ansprache setzte der Rabbiner die Ziele der Vereinigung auseinander, die in ihrem Namen gleichzeitig ihren Wahlspruch gefunden habe. czk. (Schluß des Pa'.ästinateils)