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Jüdische Rundschau · 1937-03-02 · Heft 17 (2.3.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 17 (2.3.1937)
Date
1937-03-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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p \ 1 I JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 2. MÄRZ 1937 H < < 's « 4 Ä 4 ■ Die Militärkosten Zu den politischen Projekten Die Unterhausdebatte in der vorigen Woche brachte zum ersten Male genaue Ziffern über die Kosten der militärischen Expedition nach Palästina. Man wird kaum überrascht gewesen sein, daß die Kosten den erheblichen Betrag von über einer Million Pfund ausmachen, wovon, wenn wir recht verstehen, auf Palästina aber nur etwas mehr als die Hälfte entfallen würde, also etwa 550 000 Pfund. Angesichts des hohen Ucbcrsdiusscs, den der palästinensische Staatsschatz aufgespeichert hat, ist diese Zahlung relativ leicht; viel schwerer ist es vorstellbar, wie das Land Trans jordanien mit seinem kleinen Etat und großen Defizit gleichfalls etwa eine halbe Million bezahlen soll. Trotz der Fähigkeit Palästinas, die Kosten zu decken, bleiben natürlich die Ucberlcgungen für die Zukunft. Wie wird sich die Lage gestalten, wenn die Militärausgaben auch nur annähernd auf dieser Höhe bleiben, während der Kapitalimport zurückgeht und die Wirtschaftserträge schon wegen der politischen Unsicherheit sinken? In der englischen Öffentlichkeit scheinen viele Leute es für ausgemacht zu halten, daß Palästina, zweifellos eine Position von höchstem strategischen und verkehrspolitischen Wert, England nichts kosten darf. Immerhin ist es zu begrüßen, daß der Minister für die nächsten Jahre eine Nachprüfung des finanziellen Anteils Palästinas an diesen Lasten in Aussicht gestellt hat. Auch abgesehen von dem reinen Kostenpunkt bietet die militärische Besatzung des Landes ein weites Feld der Kritik. Das Eintreffen des Militärs unter Führung General Dills hat, so meint man, genügt, um das Ende des arabischen Streiks herbeizuführen. Aber dieses Ende kam auch aus anderen Gründen, und der Terror hat auch später noch nicht ganz aufgehört. Ein Teil der Truppen wurde nach kurzem Aufenthalt wieder nach England zurückbefördert (die Transportkosten sind nach Mitteilung des Kolonienministccs der höchste Posten in diesem Budget). Hätte, so fragt man sich, die Niederwerfung des Aufstandes nicht schneller, energischer und gründlicher erfolgen können? Was sind die Pläne für die Zukunft? Von künftigen Unruhen zu munkeln, scheint bereits eine Waffe im politischen Kampfe geworden zu sein. Man hört, daß palästinensische Jugend im Irak militärisch ausgebildet wird, um dann nach Palästina zurückzukehren. Lieber die Haltung der Irak-Regierung und des Wahhabitenkönigs Ihn Saud zirkulieren widersprechende Meldungen, die etwa zwischen der Behauptung, die beiden Königreiche würden die Sache der palästinensischen Araber mit politischen und militärischen Mitteln verteidigen, und der Meinung, die beiden Königreiche seien mit eigenen Sorgen versehen und wünschten, um Englands Freundschaft und Hilfe zu sichern, ein Nachgeben der palästinensischen Araber, hin und her schwanken. In Palästina selbst ist eine fanatisierte Jugend am Werk, — ein unberechenbarer Faktor, und daher sind auch die künftigen Ereignisse ganz unberechenbar. Heute wütet der Terror innerhalb des arabischen Lagers. Die Araber schlagen sich gegenseitig tot. Immer wieder hört man von arabischen Opfern, die von Araberhand fallen, und die Zahl dieser getöteten Araber übersteigt in den letzten Wochen weit die Zahl der getöteten Juden. Für den Außenstehenden ist es sehr schwer zu durchschauen, was sich da anspinnt. Sicher aber ist, daß die Wachsamkeit der'Sicherheitsorgane und der verantwortlichen Militärkommandanten im beginnenden Frühjahr gar nicht scharf genug sein kann. Die großen Linien der Weltpolitik kreuzen sich heute mit denen Palästinas. In der Unterhausdcbatte wurde eine Meinung laut, die man öfter hören kann, nämlich die Meinung, dal? die englischen Truppen in Palästina nicht nur zu dem Zwecke stehen, um Unruhen zu verhüten, sondern daß diese Gelegenheit benutzt wird, um eine strategische Position für etwaige Verwicklungen weit größerer Art auszubauen. Es ist für England um so wichtiger, daß das Land selbst sich stetig entwickelt. Inzwischen zeigen sich aber auch schon die Wechselwirkungen zwischen politischer Unsicherheit und wirtschaftlichem Aufbau. Ein Nachlassen der Einwanderung würde das ganze ökonomische Gebäude ins Wanken bringen, dies würde auch die Araber mitreißen und die englischen Interessenten schädigen. Es ist also nicht zu verwundern, daß alle, denen an der Zukunft Palästinas gelegen ist, danach ausschauen, eine politische Regelung zu finden, die dem Lande den Frieden und damit die Voraussetzung zu neuem Aufschwung geben könnte. Daß ohne politischen Frieden die Anbahnung wirtschaftlicher und sozialer Beziehungen zwischen Juden und Arabern nur einen begrenzten Wert hat, zeigen die Vorfälle von Tiberias, wo bis vor kurzem (auch in Zeiten der Hochspannung) ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen geherrscht hat, während jetzt Tibcrias plötzlich zu einem besonderen Zentrum der Sorge geworden ist. Es ist also nichts begreiflicher, als daß man sich allerorts über die Möglichkeit einer Lösung Gedanken macht. Unter diesem Gesichtspunkte gewinnt die Nachricht von dem angeblichen Geheim-Memorandum des Emir Abdullah besonderes Interesse. Der Emir soll einen Vorschlag bezüglich Kantonisierung gemacht haben, d. h. offizielle Ein- TIBERIAS Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 21. Februar Die letzten zwei Tage sind im Lande wieder eine Zeit stärkerer Spannung und Nervosität. Die arabische Propaganda hat sich verschärft und mit ihr die jüdische Wachsamkeit. Wir sind in der moslemischen W a 11 f a h r t s p c r i od e, der Mufti ist zusammen mit tausenden seiner Religionsgenossen unterwegs nach Mekka, am Freitag war das „Kleine Bairamfest", das mehr Dörfler als üblich zum Gebet in die städtischen Moscheen brachte. Dieses und die allgemein durchaus gespannte Luft im Lande waren Grund genug, aufzupassen und jede beginnende Unruhe im Keime zu ersticken. Daß dennoch am Freitag die Nachricht von Unruhen in Tiberias durchkam, zeigte, daß alle Wachsamkeit und alle Vorbereitungen wieder einmal nicht ausreichten. Die Entwicklung der Dinge in Tiberias ist typisch für die im Lande herrschende Situation, und sei deshalb ganz kurz zusammengestellt. Die Araber haben in dieser Stadt, wo die Juden in der Mehrheit sind und mit den Arabern in engerem Kontakt leben als in den meisten Städten im Lande, in letzter Zeit den Boykott der Juden, der von der politischen Führung gepredigt wird, verschärft. Unter diesen Umständen haben auch die Juden davon Abstand genommen, bei Arabern zu kaufen. Resultat — eine etwas gespannte Atmosphäre zwischen den beiden Gemeinden. Im Freitag versammelten sich dann größere Mengen von Fellachen in der Stadt, der Gottesdienst mit seiner Predigt munterte die nationalistischen und aggressiven Gefühle noch weiter auf. Als am Vormittag eine kleine Gruppe von Revisionisten, die zum Grabe Trumpcldors in Tel-Chaj unterwegs waren (diese Pilgerfahrt wird jährlich beim Todestage Trumpcldors unternommen), durch die Stadt zog, begrüßten sie die Araber mit Steinwürfen. Es wird von allen Seiten einstimmig berichtet, daß die Revisionistengruppe sich durchaus diszipliniert verhielt und nicht einmal die Steinwürfc beantwortete, also keinen Grund zur Provokation gab. Dennoch waren die gegen sie gerichteten Belästigungen der Auftakt zu einem längeren Angriff auf die Juden der Stadt. Es wurden Steine in Läden und Häuser geschleudert, ein Laden angezündet und während man in der Altstadt hier und da sein Mütchen kühlte, versuchten zusammengerottete Haufen weiter nach den rein jüdischen Vierteln vorzudringen. Hier trafen sie auf jüdischen Widerstand, die Polizei kam schließlich, gab zuerst Schreckschüsse ab, schoß, als das nichts half, im Ernst in die Menge. Es gab Verwundete. Unterdessen begannen Fellachen der Umgegend von den Bergen auf die Stadt zu marschieren und jetzt erschien auch Militär mit Maschinengewehren, das den Fellachen den Weg versperrte. Nach kurzer Zeit war die Ruhe in der Stadt hergestellt, die Regierungsbehörden setzten ein? Sperrstunde nach Dunkelheit fest, am Samtag gab es auch noch ein paar Steinwürfe. Der Verkehr nach Tiberias wurde gesperrt. Soweit gelang es, Menschenopfer in der Stadt zu vermeiden und auch eine Ausbreitung der Unruhen auf die Umgebung oder auch auf andere Städte zu verhindern. Daß dennoch im jüdischen Jischuw die Vorgänge in Tiberias sehr ernst genommen wurden, ist nach den Erfahrungen der letzten zehn Monate selbstverständlich. Jeder hat es im Gefühl, daß der Brand des Sommers noch weitcrschwelt und die Flamme sehr leicht wieder ausbrechen kann. Aber noch mehr als die Vorgänge in Tiberias selbst hat die Reaktion der Regierungsbehörden erbitternd auf die Juden gewirkt. Es folgte unmittelbar nach den Geschehnissen eine administrative Aburteilung der Schuldigen, was ohne Zweifel unter den gegebenen Umständen richtig war. Daß die Strafen sehr hart waren (zwei Jahre Gefängnis für Stein werfen!) ist auch aus dem Wunsch abzuschrecken verständlich. Haben sich doch gerade die Juden vielfach beklagt, daß Attentäter entweder straflos ausgingen, oder erst nach sehr langer Zeit abgeurteilt und — meistens wegen lückenhafter Anklage — sehr mild bestraft wurden. Die Urteile von Tiberias aber waren so sauber nach dem Prinzip der gleichen Verteilung auf Juden und Araber zugeschnitten, daß sie schwere Kritik herausgefordert haben. Daß die Araber die Angreifer waren, steht fest, und es scheint etwas sonderbar, demjenigen, der seinem Nachbarn ais Begrüßung Steine ins Fenster wirft dieselbe Strafe zuzudiktieren wie dem, der sich dagegen verteidigt, besonders wenn im Moment noch keine Polizei da ist. Und die Frage eines verurteilten Juden an den als Richter funktionierenden Regierimgsbeamtcn, was er wohl an seiner Stelle gemacht hatte, erscheint ebenso natürlich wie berechtigt. Als die richtige Ergänzung zu diesen schön abgewogenen! Urteilen kommt noch das amtliche Ciim iiiutiiqui', das an erster Stelle den Durchzug der revisionistischen Gruppe durch Tiberias bringt, so daß jeder, der nicht alle Einzelheiten kennt, annehmen muß, daß nichts geschehen wäre, wenn diese zehn Burschen nicht gerade an das Ufer des Tiberias-Sees gezogen wären. Jeder weiß, daß der jüdische Jischuw heute jede Handlung, die auch nur im geringsten nach Provokation schineckt, aufs schärfste ablehnt und gerade den Revisionisten gegenüber äußerst kritisch eingestellt ist, nachdem sie erst in der vorigen Woche der Jewish Agenev in Jerusalem die Fenster eingeworfen haben. Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß sie sich diesesmal in Tiberias unanfechtbar benommen haben, und daß das Regienmgs-Comnitini(|ue sie implizite als die Ursache der ganzen Angelegenheit darstellt, wirkt bei den Juden erbitternd, bei den Arabern aufhetzend. Die Vorgänge von Tiberias sind — so hofft man allgemein — ein Zwischenfall, der an den übrigen Orten Palästinas keine schweren Folgen haben wird. Sie sind jedoch ein neuerlicher Beweis, daß sehr viel Zündstoff überall aufgehäuft und größte Vorsicht, insbesondere von Seiten der Regierung, geboten ist. Sie sind weiter ein Anzeichen dafür, daß bei der Behandlung solcher Vorfälle und der Bestrafung der Schuldigen von der Regierung' aus mit einer „Unparteilichkeit" vorgegangen wird, die für eine echte Pazifizierung in naher Zukunft nicht viel Hoffnungen erweckt. Mord in Beisan Jerusalem, 26. Februar. (JTA.) Der einzige jüdische Einwohner von Beisan, der 40jährige Arzt Dr. Joseph Lehr, ist am 26. Februar um 2.45 Uhr morgens in seiner Wohnung von Arabern erschossen worden. Nach dem Polizeibericht klopften drei Araber zu dieser Zeit an die Tür des Arztes und schössen ihn nieder, als er öffnete. Auch auf die sie verfolgenden Polizisten gaben die Mörder Schüsse ab, ohne jedoch jemanden zu verletzen. Die Täter sind unerkannt entkommen. teilung Palästinas in eine jüdische und eine arabische Interessensphäre, wobei auch Transjordanien einbezogen werden soll. Wahrscheinlich ist es dem Emir darum zu tun, auch in dem arabischen Teil Palästinas als Herrscher anerkannt zu werden, aber vom jüdischen Standpunkt bietet der Gedanke der Einbeziehung Transjordaniens einen nicht zu unterschätzenden Gesichtspunkt. Nach allgemeinem Urteil ist Transjordanien ein untervölkertes Land, die Juden könnten viel zu seiner Entwicklung beitragen; und wenn an Stelle palästinensischer Gebiete, die wie etwa das Dreieck Nablus—Dschenin— Tulkerem doch dem jüdischen Eindringen voraussichtlich verschlossen bleiben, unentwickelte Gebiete Transjordamens im Anschluß an die jüdischen Kantone entwickelt und dichter Besiedlung zugeführt werden könnten, so wäre das gewiß ein Ausweg, der der Prüfung wert ist. Die Idee der Kantonisierung wird bisher nur von einigen Engländern mit geradezu monomanischer Leidenschaft vertreten; unter Juden und unter Arabern hat sie wenig Freunde, da beide dieser Völker aufs G a n z e gehen. Bevor aber auch diese Idee zu einem Schlagwort wird, lohnt es sich, zumindest ihren sachlichen Gehalt zu prüfen. Es kommt dabei auf viele Einzelheiten an, vor allem auf den Grad der Abgeschlossenheit des einen Kantons gegen den anderen. Vielleicht wäre eine Lösung möglich, die auf den heute schon vorgezeichneten Tatsachen beruht und die Bevölkerungsfeile gruppiert, ohne darum eine hermetische Abschließung, die verderblich und nicht wünschenswert Ware, durchzuführen. Manche meinen, die Kommission wurde einen derartigen Vorschlag machen. Aber die Kommission ist nicht die e i n? i g e Instanz, die die Aufgabe hat, sich über die Möglichkeit eines Ausgleichs der widerstreitenden Aspirationen den Kopf zu zerbrechen. Vom jüdischen Standpunkt besteht jedenfalls das stärkste Interesse, über das Intermezzo, das mit dem abessinischen Krieg begann und in der palästinensischen Rebellion Mitte 1936 seinen Höhepunkt hatte, so schnell als möglich hinwegzukommen und auf der Basis einer politischen Befriedung die für das jüdische Volk der ganzen Welt so wichtige Aufbauarbeit fortzusetzen. Das jüdische Volk wird, was imtner geschehe, dem Werk in Palästina treu bleiben, und auch die Einwanderung wird — dafür sorgt schon der Druck der Gaiuthländer — weitergehen. Aber wir haben dafür zu sorgen, daß dies unter den tunlichst günstigen Bedingungen geschehe, ohne zu viele Verluste an menschlicher Energie und Lebenskraft, und darum sind wir alle verpflichtet, darauf hinzuarbeiten, daß das Palästinawerk unter dem Schutze einer politischen Befriedung wieder zur Fortsetzung der planvollen und erfolgversprechenden Lei* stutig gelangen kann. Vom American Economic Committec. Das vom American Economic Committec for Palestinc unterhaltene Zentrale Informationsbüro in Tel-Awiw, das sich zum Zwecke der Informationserteilung mit der Untersuchung industrieller und landwirtschaftlicher Gebiete in Palästina befaßt, informierte im Jahre 1936 3S3 Kapitalisten-Einwanderer, die insgesamt über ein Vermögen von ,CP 1 393930 verfügten. Die Gesamtzahl der tatsächlichen und zukünftigen Kapitalisten-Einwanderer, die für ihre Niederlassung in Palästina wirtschaftliche Information erbaten, betrug 443. Ueber die Hälfte der Aufragender^ kam aus Deutschland. Gardinen uBe Schau a>4 ceblldweberel ^rXGranteW . «^ÜLÜÜ . Kol«, Hohe Strafte«^

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