Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1937)
- Date
- 1937-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S«Ue 2 JODISCHE RUNDSCHAU r Nr. 17, 2. in. 1937 Die ungarischen Studentenunruhen Von unserem Berichterstatter auch für Oldenburg und Reg.-Bezirk Stade), Hamburg 18, Bcneckf .tr. 2. Hannover) Bezirkutelle für jüd. Beirutsausbildung (zuständig auch für Rinteln, Hessen, Oldenburg, Obernkirchen, Rodenberg sowie lür dir; Gemeinden in Sehaumburg-Lipuc und Braunschweig), Hannover, Ohcstr. 8. Hessen: Landesverband der israel. Religionsgemeinschaften Hessens, M a i n z, Horst- Wessel-Str. 2. Hessen-Nassau: Prov.-Verband für jüd. Wohlfahrtspflege (zuständig am h für die < iemeindeu des Vor,(clteramts Fulda, Marburg, Hanau, die Gemeinden aus dem Reg..Bez. Wie.-badcti und Wetzlar), Frankfurt a. M., Qutnckestr. 24. — Jüd. Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe fiii Frankfurt, Franklint a. M., Qutnckestr. 24. — /entraiwoiill'aäirt-c!lo der isuc!. Gemeinde Kastel, Zweigstelle der Israel. Gemeinde Kassel für die Gemeinden des Bezirks des Vorstehcramts Kassel mit Ausnahme der Gemeinden der früheren Grafschaft Sehaumburg und der Gemeinden, die früher zum Freist aal Waldcck gehörten, K » s s c I, Gicttbergstr. S. Mecklenburg-Schwerin: Überrat der iatael. Laitdesgemciiidc Mecklenburg. Stettin, Rosengarten 9-tö. Niedmchlesien: Beratungstelle der Svnagogcngcntcmde, Breslau, W.ilhtr. 9. Obcrsctilesicn: Pr<.*>Veiba:s<l für jüd. Wohlfahrtspflege, Ii c u t b e n. Friedrich-Wilhelm-Ring 8. Ostpreußen: Provinzial verband für jüd. Wohlfahrtspflege, Allenstein, J.eobstr. 13. — Verltand für jüd, Wohlfahrtspflege, Königsberg, I.indenstr. 11-15. Pommern: i'rov. Verband für jü 1. Wohlfahrtspflege, Stettin, Rosengarten 9-10. (/.iMandig au. Ii tur Merk!.-Schwerin.) Rheinprovin/: Hed:kssiei:e Rheinland (zuständig für Rheinland außer iheiiiiaüd. In-hc-tigebit•! mi»ir für < (Idenburg imd Landesteil Rirkenfeld), K ö 1 n, (",«. ili.-n»tr. 18-20. — Wohlfahrtsamt der Svnagfccttgrmi-ii.de Is-ooi (zu.tandig für den rheinischen Indu- ■'rVhozirk). Is.scn. Altredis.tr. 2. Saargebiet: /cmralaoh'i.dul.ssieüe der Jüd. Gemeinde, Saarbrüks e n, FeM -. -o r. 25. Sachsen: Jüdische Wirueli.it!'hüfe für die Krci hatiplrnannsehaft Dres- >'• :>. i' re^iie n, Zeugiiau*>ir. 3. — SogblatHviiuß der jüd. W - -1;' t. i: - r tweetr.i'c (.'!, ■■;,;.■',„ lür die K:e: i ,.t:ip; Ina nn -t h.t! t Ghcni-!■:'/.. t' it e m n i t x, Mm sehnum1.--;?. 9. — Israelitische Religionsp Stesse, Siszialanu. Leipzig, tur die KreUhauptmannsehaft Leip- 1- >■ I P ' I g. Hmi.boall-tr. 13. Sachsen, Provinz: Ii tcuttts teile de l'tov.-Verbandes für jüd. Wohli -ot'ege Sa, hsen Anhalt, Magdeburg, Sehuhtr, 2 c. Thüringen: Bewtk.vciband S,i;L.nli.,e!s Thuimgcn für jucl. Wohll.-so -pflege, ttir Süd-a. h.-cn und Thüringen, IC r ' u r t, llohcnris'f':: ■ r. 1 <> a. Westfalen: Provtsiz-iaUtelle für iüd. Wohlfahiupitc-ge in Westfalen, zuscoiti;-,; auch tur die Gemeinden in Lippe-Detmold, B i e 1 ei e! <!, Viki.vUstr. 24. Württemberg: li'vhk..-.:<.!> (.ir jüd, Beruf-,iu>hi>.luiig, Stuttgart, 1 lo-piiaUii. 3(5, Wir haben so ausführlich diese Probleme dargelegt, weil sie zweifellos von überragender Wichtigkeit sind und alle Kräfte mobilisiert werden müssen, um /u einer Lösung der schwebenden Fragen zu kommen. Es bandelt sich ja um nicht mehr und nicht weniger als um das kostbarste Out, das uns in dieser Zeit geblieben ist: tun unsere Jugend. Auch wenn wir wissen, daß es eine restlose Lösung nicht geben wird, so sind wir doch überzeugt, da II sehr viel geholfen werden kann, wenn jeder Betricbsinhabcr sein Teil dazu beitrügt, jungen Menschen den Weg in die Zukunft zu bahnen. Alle Anstrengungen und alles Planen der öffentlichen Stellen muß umsonst bleiben, wenn nicht jeder einzelne an der Verwirklichung mithilft. N. t<tuiitts)t(pi!tiittHi(n!iii......rifiitdFriMtETinMttiititifEiiintitiitMrirMfiriiriritiiifiMriiiiiiiiiiiitiiitittriiiititiiiitririrMiiiiiiiMiiiiiiitf IN ALLER KURZE Dr. Chaim W e i z m a n n hat sich auf der Durchreise von Paris nach Zürich einige Stunden in Genf aufgehalten, um mit dem dortigen Vertreter der Jewish Agency über aktuelle politische Fragen zu konferieren. Nach Zürich begab sich Dr. Wciznianu zur Erledigung persönlicher Angelegenheiten. Die in London studierenden arabischen Studenten haben dem Vorsitzenden der Kgl. Kommission, Lord Peel, eine Denkschrift über die arabischen Paiastinaforderungen überreicht. An der Warschauer Technischen Hochschule, wo bisher im (jegensatz zu den übrigen Hochschulen Ruhe herrschte, ist es nunmehr ebenfalls zu judenfeindliehen Ausschn itungcn gekommen, bin jüdischer Student ist blutig mißhandelt werden. Der Professor, in dessen Vorlesung der Vorfall sich zutrug, schritt nicht ein. An der medizinischen Fakultät der Universität Lemberg habe n nationaldemokraiische Studenten die jüdischen Hörer gewaltsam aus den Hörsälen entfernt und sie mißhandelt. Der ehemalige Vdlkerbundsobcrkoniniissar für Auswanderer) nrsorge, James G. Mac Donald, hielt im amerikanischen RiindfuiiK eine Ansprache, in der er zu jüdisch-christlicher Zusammenarbeit aufforderte, Lr erklärte, die Judenfrage könne heute nicht mehr als ein Problem angesehen werden, das ausschließlich die Juden angeht und von ihnen gelost werden soll. Der Rektor der Universität Jerusalem, Prof. Hugo Bergmann, begab sich in Angelegenheiten der Universität nach Amerika. Unterwegs wird Bergmann Anfang Marz in der Tschechoslowakei und Polen mit den Freunden der Universität zusammenkommen und einige Vortrage über deren Probleme halten. Auch der Pro^agandaleitcr der Universität Alfred Berg er ist in der Tschechoslowakei eingetroffen. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV.) hat ihre Bestimmungen über die Aufnahme von Mitgliedern dahin geändert, daß grundsätzlich jeder unbescholtene deutsche Staatsangehörige Mitglied werden kann, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, und der nach seiner Abstammung die Voraussetzung für den Erwerb des vorläufigen Rcichsbürgerrechts erfüllt. Bei Eheleuten müssen diese Voraussetzungen von beiden Teilen erfüllt sein, wenn einer von ihnen in die NSV. aufgenommen werden will. Mischlinge und jüdisch Versippte, die Reichsbürger sind, können aufgenommen werden, dürfen aber kein Amt in der NSV. bekleiden; das gleiche gilt grundsätzlich auch für ehemalige Freimaurer. In Düsseldorf wurde nach einer Meldung der „Westfälischen Landeszeitung — Rote Erde" „Ein Sommernachtstraum" mit einer neuen Musik von Heinz. Vogt aufgeführt. Bezirksrabbiner Dr. Eli M u n k, Ansbach, ist an die orthodoxe Gemeinde in Paris berufen worden. Dr. Münk ist durch seine Veröffentlichungen „Aus der Welt der Gebete" und über die „Kabbala" bekannt geworden. Gemeinderabbiner Dr. K o b e r (Köln) hat in der jewish Historie,-»! Society in London einen Vortrag über die historische Bedeutung der Juden in Deutschland für die jüdische Kultur gehalten, bei der Chief Rabbi Dr. Hertz den Vorsitz, führte. Rabbiner Dr. Pinchas Kohn in Ansbach, der Mitbegründer und mehrjährige Präsident der Agudas Jisroel, wird am 5. März 70 Jahre alt Budapest, 26. Februar Dasungarische Judentum blickt auf eine bewegte Woche zurück. Sie begann Sonntag mit einer Versammlung der P f c i I k r e u z. I e r in M i s k o I c z, der größten Industriestadt Oberungarns, die zu einer förmlichen Saalschlacht ausartete. Der „ungarische Ghandi", Graf Alexander Festetich, entwickelte sein Programm, in dem er u, a. die Abgeordneten eine „Verbrccherh.irule" nannte, die jede Einschränkung des Wahlrechts akzeptieren, um ihre Man *:ste sichern zu können. Diese und ähnliche Ausfälle haben natürlich auch im Parlament ihren Widerhall gefunden, wo besonders die Abg. Rassay und Rupert dem Grafen antworteten. Man spricht davon, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Grafen erheben wird. Eine andere Serie von Aktionen ging von dem sonntägigen Leitartikel des bisher gemäßigteren „Magyarsäg" aus, der verlangte, daß die Juden auf Tausende ihrer leitenden Stellen freiwillig verzichten und im wirtschaftlichen Leben sich alicemein dem Numerus clausus unterwerfen mögen. Als Widerhall darauf forderte Montag eine Studenfenversammlung in der sog. Turulbtirg einen vorläufig auf zehn Jahre bemessenen N u m e r u s n u 11 it s an de n U n i v e r s i t ä f e n für die Juden. Wenn die Großindustrie nicht mit großzügigen Taten der Jugend zur Hilfe eilen wertle, werde sie auch vor illegalen Schritten und Mitteln nicht zurückschrecken. Die Versammlung beschloß auch eine Sympathiekundgebung für die Studenten in Pees (Fünfkirchen). In Pees war die christliche Studentenschaft als Demonstration gegen einen ungarischen Film, in dem jüdische Schauspieler auftraten, sowie dagegen, daß der Landesverein der jüdischen Hochschulhftrer in der Fastenzeit seinen Wohliätigkcitsball veranstaltet und der Senat das Protektorat über denselben angenommen habe, in den Lernstreik getreten. Obwohl der Rektor erklärte, daß die Uebernahme dieses Ehrenamtes eine traditionelle Formsache sei, daß kein Professor am Ball tcilgeno^mc-n habe, der eben aus Rücksicht auf die früheren chtistüdien Veranstaltungen so spiit abgehalten wurde, kam es am nächsten Tage, als u, a, drei jüdische Kandidaten promoviert werden sollten, zu mehrfachen Ausschreitungen. Die Doktoranden wurden insultiert, die Fenster der Synagoge und des Gemeindehauses eingeschlagen, worauf der Rektor die Vorlesungen bis I.März sisfierte. — Im Laufe der Woche fanden auch an den Universitäten von S'z egeti, Debrecen sowie an einigen Btidapcster Fakultäten Demonstrationen statt, bei denen einige Ruhestörer in Gewahrsam genommen wurden. Ministerpräsident Koloman von Daränyi gab folgende Erklärung ab: Die Demonstrationen sind vereinzelte Erscheinungen, die nicht verallgemeinert werden dürfen. Zur Unruhe ist keinerlei Anlaß, da die Regierung die öffentliche Ordnung unter allen Uniständen gewährleisten wird. Art den Universitäten wird der Kultusminister die nötigen Vorkehrungen treffen, um die Ungestörtheit der Vorlesungen zu sichern. Aus höheren Rücksichten des Landes wiederhole ich meinen Wunsch, daß endlich alle jene Versuche und Absichten, die auf eine Ruhestörung hinlaufen, aufhören; im gegenteiligen Falle wird die Regierung mit unerbittlicher Strenge vorgehen. Ministerpräsident Daränyi hafte ferner eine längere Unterredung mit dem Führer der im Tnruh'erband organisierten ungarischen Studentenschaft, Abg. VdghvSry, dem er nachdrücklich nahegelegt haben soll, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Hochschuljugend sich jeder Demonstration fernhalte. Dazu wird, wie der Pest er Llovd meldet, von der Regierung nahestehenden Stellen noch ergänzend erklärt: „Alle Arten von Kundgebungen, die die Ruhe und Ordnung des 1 arides als Spielball behandeln, gefährden die Interessen des Landes. Dies ist der Standpunkt der Regierung, einerlei, ob es sich um organisierte oder spontane Kundgebungen handelt und ob die Ausschrei- Musik jüdischer Komponisten Zum Preisausschreiben des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde Von Kurt Singer Vor mir liegen, hoch aufgeschichtet, Hefte voller Musik, weiße, graue, blaue Bände, tausende und abertausende von feinen, zierlichen, festen, klaren Notenköpfen und Strichen, von Dichtworten mit Begleitung, von Gebilden fremder Phantasie. Mit leisem Zagen sehe ich über diese Bände hinweg, sehe die Hände, die hier tätig waren, die Köpfe, die diese Gedanken formten, höre die Herzen pochen beim Erlebnis so vieler, vielfältig gestufter, vielseitig begabter Musik. Und gehe behutsam daran, aus dem toten Materia! das Lebendige klingen zu lassen, zu dem Gelesenen das innerlich Gehörte zu setzen und alles in die bestmögliche gedankliche Form der Wirkung zu bringen. Noch stört kein Akkord am Klavier, keine Stimme bringt die Ebenheit des Erfühlten ins Schwanken, kein Materielles haftet der Vorstellung des klingenden Werks an. Es ist der Idealzustand des Hörens, des inneren Erlebens und Mitschwingens. Noch ehe ich die ersten Blätter umschlage, zuckt es wie eine Erregung in mir auf: mehr als hundert Menschen haben hier versucht, ihre Seele bloßzulegen, haben danach gestrebt, über den Sinn geliebter Worte den Mantel musikalischer Akkordik zu breiten, haben aus dem Ewig-Großen an Welt, Gott, Natur Und Seeie in freier Empfindung Harmonien und Melodien geschaffen, haben, als Juden, in schwerster Not und Bedrängnis, von Fest und Friede, Frohsinn und Jubel, von Ernst und Trauer, Ergriffenheit und Starre gesungen, haben in die Allgültigkeit der Musik ein Atom ihrer selbst hineingetragen. Stunden der Begeisterung, auch wohl der Erleuchtung, die nur schöpferischen Menschen zueigen sind, brennen auf. Tränen sind geweint worden, und unter wehen Gesichtszügen will sich ein Lächeln kaum hervorwagen. Laßt die Bände verschlossen liegen, als ein positives Zeichen der Aktivität, der Begabung, des Stolzes, der inneren Leuchte, ja auch als einen Versuch der Rettung in das Reich der Illusionen — so möchte man rufen... Aber wir schlagen dann die Seiten dennoch auf. Und wir lesen und lernen und erbauen uns, und wägen und urteilen. Und es kommt ein Augenblick und ein Werk, das transparent ist und das den Rhythmus unseres eigenen Lebens trifft und das uns packt mit großer Gewalt. Schalten wir ruhig fünf Sechstel des Materials aus, als den normalen Abglanz durchschnittlicher Begabung, als Gelegenheitsarbeiten tormgeschiclcter Epigonen, als bequemes, nicht schlechtes, aber tungen in dieser oder jener Schicht der Gesellschaft, in Bewegungen der Jugend oder in Partciversammlungcn vorkommen. Alle Versuche sind verwerflich, die durch Zusammenkünfte oder Aufzüge Stimmung zu machen, oder die Lösung einzelner Probleme auf diese Art zu beeinflussen suchen. Die Regierung ist fest entschlossen, jede Störung der öffentlichen Ordnung zu unterdrücken und die Demonstranten mit Hilfe der gegen sie eingeleiteten Verfahren zur Nüchternheit zu zwingen." Seither herrscht an den Hochschulen Ruhe, dagegen soll Abg. Veghvarv sich mit der Absicht tragen, seine Stelle als Landesführer des Turulverbandes niederzulegen, da auch die Studentenschaft mit ihm unzufrieden sei. Budapest, 26. Februar. (JTA.) Im ungarischen Abgeordnetenhaus kamen die in den letzten Tagen in Budapest, Fünfkirchen und anderen Städten begangenen Ausschreitungen judenfeindlicher Studenten zur Sprache. Der (jüdische) Abg. Dr. Fabian erklärte, es sei die Pflicht aller, im Interesse der nationalen Einheit dafür zu sorgen, daß nichts geschehe, was Ruhe und Ordnung stören könnte. Auch der Abgeordnete Dr. Rupert von der Kossuth-Partei wandte sich scharf gegen die Ruhestörungen, die durch akademische Deklarationen des Ministerpräsidenten nicht beseitigt würden. Gegenüber den Studenten-Ausschreitungen wäre es viel richtiger, wenn der Ministerpräsident Polizei und Staatsanwaltschaft ihres Amtes walten ließe. Es sei vollkommen unverständlich, wieso diese Gewalttätigkeiten seit Jahren geduldet werden, obwohl das ungarische Strafgesetz, für solche Handlungen Gefängnis bis zu I■'/•> Jahren vorsieht. Der Rektor der Universität Fünfkirchen, Dr. Dam« brovszky, hat in einer Versammlung der christlichen Hörer versprochen, daß an den verschiedenen Fakultäten keine jüdischen Hörer mehr aufgenommen werden sollen, bis die Zahl der jüdischen Studenten auf die der Prozentnorm entsprechenden 5 "i< gesunken sein wird. Von den Studenten wurde außerdem gefordert, daß ausländische Diplome von Juden nicht in Ungarn anerkannt werden. Innerjüdisches Leben Im jüdischen Sektor des gesellschaftlichen Lebens geht die Wintersaison mit ihren Vorträgen und Veranstaltungen ihrem Ende entgegen. Einen besonders starken Eindruck hinterließ der Delegierte der Jewish Agency, Dr. Goldman n, der einen von sämtlichen Tagesblättern eingehend besprochenen Presseempfang veranstaltete, sodann im HerzI- Saal vor den vereinigten Ausschüssen der Zionistischen und der Pro-Palästina-Vereinigung und endlich vor einer ungewohnt großen Ocffentlichkeit einen Vortrag über Palästina hielt. — Der von der Pester Israelitischen Gemeinde zum erstenmal veranstaltete soziale Lehrkursus beendete seine Scminarien mit einer Vortragsserie des Gemcindeobersekretärs Alexander Eppler über die soziale Arbeit der jüdischen Konfession. — Im Ungarisch-Israelitischen Literaturverein hielt Prof. Dr. Samuel Krausz, Rektor des Wiener Rabbinerseminars, einen Vortrag über die abessinische Sage der Königin von Saba in christlicher, mohammedanischer und jüdischer Fassung. * Dr. Simon Gold, eines der anerkanntesten Mitglieder des ungarischen Advokafeusfandes, Ehrcnausscluißmitglied der Pester Israelitischen Gemeinde, Vizepräsident der Israelitischen Taubstummenanstalt, ein Freund der Palästinaarbeit, ist verblichen. Seine Tochter, Frau Regierungsoberrat Dr. Ignatz Fried mann, war viele Jahre Vorsitzende der ungarischen Wizo. David Katzburg, ein verdienstvoller jüdischer Gelehrter, der durch 50 Jahre die hebräisch-falmudische Zeitschrift „Tel Talpijoth" herausgab, starb dieser Tage. Dr. A. F. nicht eigenbeständiges Geistesgut: wir wollen diese Werke segnen, auch wenn unter 10!) nur 10, unter 10 nur 2 sind, die den großen Ruf der Begnadung erfüllen. Ein Können ist hier verankert, das ob der Selbstverständlichkeit der Schreibart nicht geringer gewertet werden darf; eine Wirkung geschaffen, die im ausgesuchten Rahmen der Gelegenheiten und des Milieus werbend sein kann, auch wenn das Format klein ist; ein Wille lebendig, der zu loben bleibt, auch wenn Inhalt und Form sich nicht ganz im großen stilistischen Wurf decken. Wir sind reich an Begabungen des Alltags. Und sie versagen erst in dem Augenblick, da wir wirkliche schöpferische Tat an anderer Stelle fühlen. Der erste Eindruck: Großartigkeit im Fleiß und Handwerk. Nun tasten wir uns langsam vor zu den Partituren aus jüdischem Erleben, zu den Glanzbildern produktiver Talente, zu dem Besonderen im Reich des Allgültigen. Wir sind ergriffen. Wir sind demütig und stolz zugleich. Juden als Unier-Vermieter Im Anschluß an die Schilderung von Erlebnissen auf der Suche nach möblierten Zimmern in Berlin und Hamburg schreibt die Zeitschrift „Der SA.-Mann", daß es Juden ganz verboten werden müßte, an Arier zu vermieten. Solange das noch nicht geschehen ist, sollte man die Juden zwingen, ihre Zimmerangebote deutlich als „jüdisch" oder mindestens „nichtarisch" zu kennzeichnen. Ferner dürften arische Vermieter nicht die Erlaubnis bekommen, an Juden zu vermieten, wenn in derselben Wohnung an Arier vermietet ist. Urteile wegen Rassenschande. In Hamburg wurde ein 41 jähriger jüdischer Angeklagter wegen Rassenschande zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein weiterer -Djähriger Angeklagter erhielt 2 Jahre Zuchthaus. In einem dritten Fall erhielt ein 30jähriger jüdischer Angeklagter 18 Monate Gefängnis. — In Leipzig wurde ein jüdischer Angeklagter zu 1 Jahr 5 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. — In Frankfurt a. M. erhielt ein (iSjähriger jüdischer Angeklagter 1 Jahr 0 Monate Zuchthaus. — In Halbcrstadt wurde ein 63jähriger Angeklagter zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. ITauptschriftleiter: Dr. Robert \V e 11 s c h, Berlin - Cbarlottenburg B (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt L o e w e n s t e i n, Berlin W 15. Anzcigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn. Berlin VV 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigenverwalfung: fiidische Rundschau. Berlin VV 15, Meinckestr. 10. D.A. Januar 34 275. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg.