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Jüdische Rundschau · 1937-03-02 · Heft 17 (2.3.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 17 (2.3.1937)
Date
1937-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-k 3,1337 |fr. 17 / Jahrgang 42 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU Mirlft'T'ti—r.""'T »• AnxeisanvarwMtnap BorllnW Ii, Mclnrkeatr.l« fmn'i Sxmmtl'Nnmmtr J1 (Bismarck) 9031. - Bezugspreii einschlieBlich Bcsfoligald j« Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,7S, bei Abholung RM 1,8« hrw. RM S.39- — Postscheck . Konten der Vertriebs - Abteilung Berlin 71573 Ifür CroB - BerlinV Berlin 17392 (für du» übrige Reit*). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bernjr«gebühren. — Erscheint Jeden Dianatag and Freitag. BERLIN rann n « ü'"1 DIENSTAG, 2. MÄRZ 1937 Gültig i ADxeI*f«npr*Uliat« Nr. 5. Die 12 ^spalten« mm - Zcilo 20 Rpf., fü, Familien - Nachrichten 15 Rpf, Für die Aufnahme von Anzeigt»! in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plötzen wird keine Gewähr jjeleiafeL Gelc^enheiUanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. AnnahmcschluS für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. <Für Familien - Anzeigen am Tag Tor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Der Uebergang ins Leben Sorge um die Schulentlassenen An dieser Stelle ist bereits auf die Problematik der jetzt zur Entlassung aus den Schulen kommenden jüdischen Jugendlichen hingewiesen worden. Die Berufsausbildung dieser Jungen und Mädchen, die nunmehr beginnt, soll sie ja zum großen Teile für ein Leben außerhalb Deutschlands, in Palästina oder Uehersce fähig machen. Ein Aufruf der Mittlercn-Hachscharah des „Hechaluz" und der Jugend-Alijah hat diese jungen Menschen auf die besondere Bedeutung der beruflichen Entscheidung für ein Leben schöpferischer Arbeit in Palästina hingewiesen. In der Tat kann der Teil der Jugend, dertsich diesem Wege bewußt zuwendet und sich damit der zentralen Aufgabe des jüdischen Lebens in unserer Zeit eingliedert, das besondere Interesse der jüdischen Oeffentliehkeit beanspruchen, dem allerdings auch eine besondere Verpflichtung gegenübersteht, die von diesen Menschen in relativ sehr jugendlichem Alter übernommen wird. Aber auch diejenigen, die aus objektiven oder persönlichen Gründen nicht den Weg, der nach Palä» slina führt, einschlagen können, brauchen in der Mehrzahl aller Fälle eine Ausbildung, die sie zu manuelle r A rbeit und wirklicher Leistung befähigt, da in den Einwanderungsländern nur eine beschränkte Zahl von Immigranten in kaufmännischen oder geistigen Berufen aufgenommen werden kann. Daraus erwächst nicht zuletzt den jüdischen Schulen eine wichtige Aufgabe, da sie die Vorbereitung auf manuelle Berufe und zugleich die jüdische Fundicrung in churaklcrlicher und wissensmäßiger Hinsicht in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen müssen. (Jeher die Wege der Berufsausbildung, für die seitens der Iieichsvcrlretung der Juden in Deutschland Richtlinien aufgestellt worden sind, unterrichtet der nachstehende Artikel. (Red.) Ueberblickt man heute, wenige Wochen vor dem Termin der Schulentlassung von etwa 5000 bis 6000 jüdischen Jugendlichen, die Situation, so wird man feststellen können, daß im Gegensatz zu früheren Jahren sich in bezug auf das B e - ruf s ziel eine entscheidende Wandlung vollzogen hat. Mußte man in früheren Jahren noch die Notwendigkeit einer Berufs um Schichtung propagieren und begründen, so ist dies heute völlig überflüssig, weil es eine in der jüdischen Oeffentliehkeit oder zumindest doch in der jüdischen Jugend selbstverständliche Vorstellung geworden ist, daß es für die überwiegende Mehrzahl unter unserer jungen Generation gar keinen anderen Weg als den der handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufe gibt Wohl gibt es noch einen gewissen Kreis von Juden, die es für richtig halten, daß ihre Kinder im Ausland eine höhere Bildung erwerben (wobei nicht immer die Begabung ausschlaggebend ist, sondern sehr oft das alte bürgerliche Vorurteil der „sozialen Höherwertigkeit") — aber im wesentlichen hat doch die jüdische Jugend ihre Lage erkannt und die Folgerungen gezogen. Pflichten jüdischer Unternehmer Die Erkenntnis des Ziels reicht aber leider nicht aus, um die besonderen Schwierigkeiten zu überwinden, die sich der Berufsausbildung gerade in diesem Jahre der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland entgegenstellen. Es gab bisher eine Reihe gut •eingearbeiteter Berufsberatungsstellen, die in der Lage waren, die jungen Menschen auf den richtigen Weg zu führen und ihnen mancherlei Unbequemlichkeiten zu ersparen. Wie bekannt, haben die jüdischen Einrichtungen für die Berufsberatung und Lelirstellenvermittlung auf Grund der Durchführung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung vom 5. November 1033 ab 1. Januar 1937 ihre Tätigkeit einstellen müssen. Diese Maßnahme wirkt sich besonders fühlbar in Berlin aus, wo der unmittelbare Kontakt zwischen Lchrherren und jüdischen Lehrlingen fehlt. In einer normalen Wirtschaft trägt diese die Kosten für die Ausbildung des Nachwuchses und bahnt ihm den Weg in das Berufsleben. In dem schmalen wirtschaftlichen Sektor, den wir Juden in Deutschland bilden, und der ja nicht einmal zusammenhängend ist, ist dieser normale Prozeß nicht mögj lieh, sondern die Last der Berufsausbildung muß zu einem erheblichen Teil auf die jüdische Gesamtheit abgewälzt werden. Aus dieser Sachlage erwachsen jedem jüdischen 1 Arbeitgeber besondere Verpflichtungen, und die jüdische Oeffentliehkeit kann verlangen, daß sich I jeder Arbeitgeber, der in der Lage ist, einem jungen I Menschen in seinem Betriebe die Möglichkeit einer 4 Berufsausbildung zu geben, dieser Pflicht bewußt wird. Aber auch wenn dies der Fall ist, so wird doch eine beträcht- * liehe Anzahl von Jugendlichen auf die Ausbildungstnöglich- II keifen angewiesen sein, die durch die jüdischen öffent- liehen Stellen geschaffen worden sind. Denn im wesent- » liehen werden es kaufmännische Lehrstellen sein, die | von jüdischen Unternehmern zur Ausbildung bereitgestellt t werden können. Mit Recht aber nimmt die Reiehsvertrctung Iden Standpunkt ein, daß nur über Durchschnitt kaufmännisch Begabte diesen Beruf ergreifen sollten, während die Mehrzahl sich dem Handwerk und der Landwirtschaft zuwenden muß, wenn sie für ihre Auswanderung geeignet sein soll. Es ist aber klar, daß auf dem Gebiet des Handwerks die von jüdischen Handwerkern frei zu machenden Lehrstellen dem Bedarf nicht genügen werden; und es ist erst recht klar, daß es nicht genügend jüdischen Grundbesitz gibt, um die ausreichende Zahl von landwirtschaftlichen Ausbildungsstellen zu beschaffen. die verantwortlichen Stellen dazu, die Ausbildungszeit über das übliche Maß hinaus zu verlängern. So hat man sich für die Einrichtung des neunten Schuljahrs entschlossen, das einerseits eine Vervollständigung des Schulpensums bietet, und andererseits eine Vorstufe zum Beruf darstellt. Ferner hat sich die Institution der Vor! ehre ziemlich allgemein durchgesetzt, in der die Berufsanwärtcr mit den Erfordernissen der verschiedenen Berufe bekannt gemacht werden, um so selbst entscheiden zu können, wofür sie sich am besten eignen. Gemessen an den Kräften der Judenheit in Deutschland sind die selbstgeschäffcnen Berufsausbildungsmöglichkeilen außerordentlich groß und das Geleistete bewundernswert. Der Mangel an Lehrstellen im Handwerk führte zu der Einrichtung eigener Lehrwerkstätten. Zum Teil konnte dies dadurch erreicht werden, daß die Stätten, die bisher der Umschichtung dienten, jetzt in den Dienst der Erstausbildung gestellt worden sind. Es gibt naturgemäß mancherlei Schwierigkeiten auf diesem Gebiet. So wird nicht ohne Grund zuweilen der Einwand erhoben, daß die handwerkliche Ausbildung in diesen Lehrwerkstätten zu einseitig sei, weil sie sich im wesentlichen auf Metall- und Holzbearbeitung beschränkt. Aber eine an sich wünschenswerte Ausdehnung über diesen Bereich hinaus verbietet sich aus finanziellen Gründen. Die Kosten für die Ausbildung eines Jugendlichen belaufen sich monatlich auf 25 bis 30 RM. Rechnet man für Verpflegung usw. in Internaten noch etwa 30 bis 40 RM. hinzu, so kommt man bei der großen Anzahl Auszubildender zu Summen, die außerordentlich große Anforderungen an die Gemeinschaft stellen. Die Erfahrung hat bewiesen, daß die Ausbildung in diesen Lehrwerkstätten eine gute Grundlage für das spätere Fortkommen ist. Ferner gilt die Sorge der zentralen jüdischen Stellen der Schaffung landwirtschaftlicher Kollektivausbildungssta'tten. Die Schwierigkeiten in dieser Beziehung haben sich dadurch vergrößert, daß die Zahl der Auszubildenden zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr angewachsen ist. Auch die Einschränkung der Möglichkeit, einen Teil der Jugendlichen nach Fauzi Bey nicht in Palästina London, 28. Februar. (ITA.) Eine Anzahl englischer Zeitungen hat die dann auch von auslandischen Blättern übernommene Meldung veröffentlicht, daß der Rebellenführer Fauzi el Kaukji wieder in Palästina eingetroffen sei und die Leitung der Terroraktionen übernommen habe. Amtlich wird hierzu mitgeteilt, daß diese Meldungen unzutreffend sind. Fauzi e! Kaukji befindet sich nach wie vor im Irak. Das Protokoll der Peel - Kommission Im englischen Unterhaus erklärte am 24. Februar der Kolouicnministcr auf eine Anfrage, in der ve.langt worden war, dem Haus die bisher unveröffentlichten Zeugenaussagen vor der Kgl. Kommission zugänglich zu machen, es sei üblich, das Protokoll der Aussagen vor Kgl. Kommissionen den Regicrungsdepartements ausschließlich zum Zweck der Druck! c g u n g zu übergeben. Er selbst habe keine dieser Aussagen bisher gelesen. Das gedruckte Protokoll werde er erhalten, sobald der Bericht veröffentlicht wird. Purim in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw wird gemeldet: Der traditionelle Purim- Karneval in Tcl-Awiw ist mit Rücksicht auf die allgemeine Lage der Juden in diesem Jahre nicht abgehalten worden. Es fanden lediglich Purimfeiern für Kinder statt, die mit einem großen Maskenzug durch die Straßen von Tcl-Awiw zum Hafen verbunden waren. Die Kinder waren zu einem großen Teil als Matrosen und Hafenarbeiter kostümiert. Zehntausende Menschen säumten die Straßen ein und begrüßten die Kinder durch Zurufe. _. Palästina zu schicken, hat die Situation verschärft. So mußte eine Anzahl für Palästina vorgepruftcr Jugendlicher in die Ausbildung in Deutschland übergeführt werden, da sie bis zu dem Zeitpunkt, an dem wieder Zertifikate zu erwarten sind, das Höchstalter (17 Jahre) für die Jugend- Alijah überschritten haben werden. Sehr viel günstiger ist die Berufsausbildung bei den Mädchen gelagert, weil sie sich vielfach in Einzelhaushalten vollzieht. Die Ueherzcugung, daß sich an die Schule ein hauswirtschaftlich es Jahr für Mädchen anschließen soll, setzt sich allmählich allgemein durch. Für die weiblichen Handwerke kommen ebenfalls in erster Reihe Eiir/clstellen in Frage, die durch Kollcktivausbildungsstättcn' ergänzt werden, insbesondere in der Schneiderei. (Der Frage der Mädchenausbildiing ist das letzte Heft der Blätter des Jüdischen Frauenbundes gewidmet; dort wird die Frage von allen Seiten sachkundig und instruktiv behandelt.) Aktuelle Schwierigkeiten Es muß immer wieder betont werden, daß die schwierigen Fragen, vor denen die jüdische Oeffentliehkeit jetzt bei der Schulentlassung steht, vor allem finanzieller Natur sind. Nach Ansicht der maßgebenden Stellen haben wir wirtschaftlich den Höhepunkt des Ausbildungswerkcs erreicht, und es besteht kaum Aussicht, dieses Werk noch stärker auszubauen. Dementsprechend sind auch die Aussichten für die jetzt zur Entlassung gelangenden Kinder, in Kollektivausbildungsstatten unterzukommen, nicht übermäßig günstig. Von den erwähnten fünf- bis sechstausend werden schätzungsweise ein Drittel in kaufmännische Berut\' hineingehen, ein Drittel das neunte Schuljahr absolvieren und das restliche Drittel Anwärter auf die Ausbildung in den Kollcktivatisbildungsstätfen sein; es ist aber nicht anzunehmen, daß diese zweitausend in diesen Institutionen Platz finden werden, sondern es stehen vorerst nur etwa QUO bis 1000 Plätze zur Verfügung. Durch die Beendigung der Tätigkeit der jüdischen Arbeitsnachweise können sich in der Unterbringung der Berufsanwärtcr Schwierigkeiten ergeben. Fs wird darum entscheidend darauf ankommen, daß die jüdischen Betriebsinhaber, soweit sie nicht den Weg der Zeitungsanzeige oder der Einstellung persönlich bekannter Personen gehen, sich künftig dazu verpflichtet fühlen, bei den Arbeitsämtern, wie sie es bisher bei den jüdischen Arbeitsnachweisen getan haben, jüdische Mitarbeiter in einem den Betriebsverhältnissen entsprechenden Umfang anzufordern. Es bestehen ferner in allen Teilen des Reiches Bezirksstellen für Berufsausbildung, denen die Einweisung von Ausbildungsanwärtern in jüdische Kollektivausbildungsstätten (Lchrgütcr und Lehrwerkstätten) obliegt. Zur besseren Orientierung bringen wir nachstehend die Liste dieser von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland bekanntgegebenen Stellen zur Kenntnis unserer Leser. Baden: Oberrat clor Israeliten, lür Kaden außer Mannheim. Karlsruhe, Krieg «tr. 154. — Jüd. Wut-. Ii alNIulfe, llezirksstelle für Berufsausbildung für Mannheim, M. 6. 12. Bayern: Wohlfahrt»- und Juvenil.mit «k> WrlMtvle-i H.<> enVher Israelitischer Gemeinden, lür Hävern außer Nurnbcii; und Pfalz, München, Herzog-Max-Str. 5.1. — Ifctutiinc, ..teile der Israel. Kttltu.gemeinde lür Nürnberg. Neue r.;i,sc 12.11. — Wohlfahrt-.teile des Verbandes der Israel. Kailtu-gemeiiiden in der Pi.dz, für Kal.b.-liez. Krankenthal, Kai-er-Liutern, Landau und /.veeibiüt'ken, Lud wigshalc n, Kai>er-Wilhelnj-Slr. 9. Berlin: Wirtschaftshilfe der jüd. Gemeinde, Abt. HeruL-uinschichlung, C 2, Roscnslr. 2-4. Brandenburg: Prov.-Verband Brandenburg für jüd. Wohlfahrtspflege, Hcriin-C Ii arl Ottenburg 2. Kantstr. 159. Grenzmark: Prov.-Verband lür jüd. Wohlfahrtspflege, Schneidern ü Ii!, Wühelmplatz 4. ' Hamburg: Beratungsstelle für jüd. Wirtm halt sbiIfe (Verband der jüd. Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte, zuständig I Jüdische Berufspolitik 4 Die Tatsache, daß man junge Menschen nicht vor einem gewissen Alter, im allgemeinen nicht vor dem 18. Lebensjahr, zur selbständigen Auswanderung bringen kann, zwingt

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