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Jüdische Rundschau · 1937-02-26 · Heft 16 (26.2.1937) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 16 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 16, 26. H. 1937 Rätselraten um die Kommission Der Strand von Tel-Awiw Von Werner Bloch, Tel-Awiw Seif vielen Jahren haben sich immei wieder Stimmen erhoben, die mahnend an den systematischen Aufbau des Tel-Awiwcr Strandes erinnerten. Der Burger von Tel-Aw iw, der seine Stadt lieht, mußte mit großem Hi dauern feststellen, wie vernachlässigt die Gegend des Strandes geblieben war. Wir erinnern uns noch gut, daß es eine Zeit gab. da viele Neuem wandei er ausfuhrliche Memoranden und großzügige Vorschläge zu dieser Frage der Stadtverwaltung von Tel-Awiw einreichten. Es war auch in der Tat nicht zu verstehen, daß Planlosigkeit den schönsten Teil der Stadt ruinierte. Die Natur hat dem jungen judischen 1 el-Awiw eine derart schone Lage am Mittelmccrstrande geschenkt, dalS es wirklich nahelag, diese judische Stadt zu einem modernen Bade- und Kurort auszugestalten. Von den vielen Memoranden und Vorschlagen, die seit Jahren mit den Schreibtisch des verstorbenen Bürgermeisters Dizengofi geflattert waren, scheint nun ein Projekt greifbare (lest alt anzunehmen. In den Jahren 1032,33 hatte Dtzcirgoff bei so mancher Gelegenheit phantasievoll von dem ,,G r ii n b 1 a 11 - P r o j e k t" gesprochen. Es ist 10 Monate her, daß er in einem Gespräch mit Richard Beer-I lofmann von diesem Plaue sprach, vom Dache der Iriah visionär dessen Ausfuhrung schilderte und hoffte, daß der Beginn der Arbeiten in greifbarer Nahe läge. Die Unruhen von 193(> haben eine Verzögerung eintreten lassen. Jet/t aber erfahren wir, daß der jahrelange Kampf der Stadtverwaltung von Tel-Awiw mit der palästinensischen Regierung urn die Realisierung des Projektes grundsätzlich g e w o n n e n ist. In den „Mitteilungen der Stadtverwaltung von Tel-Awiw" wird bekanntgegeben, daß die Regierung nach Prüfung durch erstklassige Londoner Sachverständige den Plan gutgeheißen hat und daß der High Oommis*ioner und die zuständigen Regierungssteilen an einer beschleunigten Durchführung der Arbeiten i/itere^u ri sind. Das ,,(i r n n b 1 a f i - P r o i e k t" entbehrt nicht der Drei ,?!,;u'l,eit. Iis handelt sieh um die Trockenlegung und Auf ■' Imming eines 1,5 km langen und 150 m breiten Streifens der Kii«fe vor Tel-Awiw (ungefähr von der Grenze mit Jaffa iü] >ihh-n bis 1 km vor dein Tel-Awiwer Hafen im Norden), /u der Breite von DO m kommt noch die Breite des derzeitigen .Sandstrandes als t iebiet für die Gesamtanlagc hinzu. Die Mache von zirka 315 000 qm, die auf diese Weise gewonnen wird, wird von einer grollen Kaimauer umschlossen Min, die eine Länge von l#5u m haben wird. An diesem Kai wird sieh eine schöne, breite Strandpromenade (25m) hinziehen, Erweitert wird diese Breite noch bis zu -17 in durch einen Fahrweg und einen Bürgersteig. der seinen Abschluß auf der larniw.irrigen Seite in Kolon.iden findet. Die trockengelegte I lache wird nach dem vorgesehenen Plane in Bauhc-u.e aufgeteilt, die durch breite Straßen voneinander geil, nnt sein werden. In der Mitte des so gewonnenen Neuland, s wird ein öffentlicher Park von 7(KX) qm angihet w. ii! 'i und ein Spielplatz (mit Schwimmbassin imd Sp..u... i.itrii) von 1 I DO!) qm entstellen. Die Herbert- >> unuii-^tf.t.'.e, die heule u-n-chachtelt und eng an einem Dale d.-. Strandes cntl.iug!uhrt, wird in 30 m Breite geradlinig dun hgebaui werden und da* neu gewonnene Areal nach (h ur I ande zu begrenzen. Im Norden wird am Abschluß der Kaimauer ein großes, modernes Strandbad erbaut werden, wobei die Konzessionare sich verpflichten, einen breiten Sandstrand zu schaffen. Die Initiatoren des Planes stehen vor der Gründung einer Aktiengesellschaft zur Durchfuhrung des Projektes, die von der Stadt Tel-Awiw die Konzession dazu erwerben wird. Man rechnet mit einem notwendigen Kapital von 700 (XX) Pfund. f)ie Durclifuhrungsarbeifen werden sich über einen Zeitraum von '}.'■ Jahre erstrecken. Allein für diese Arbeiten rechnet man mit der Beschäftigung von 1000 Arbeitern. Zirka 1000 Arbeiter werden weiterhin S—10 Jahre Arbeit haben, wenn die Bebauung des Areals beginnt. Die Gebäude, die auf dem trockengelegten Boden errichtet werden sollen, werden nach heutigen Schätzungen etwa 2 500 000 Pfund kosten. Das erschlossene Neuland soll große, nach einem einheitlichen Bauplan erriihtete < ich mde beherbergen. Das Areal soll zur \ ei w irklitlui!;,.; des Traumes von Tel-Awiw als modernem Badeort dienen. L-. sind I lotelbauten, Kaffeehäuser, Kiubht hne, Anv.tvlliing-gjleri.-n. 1 c-es.ile. ein großes Theater, h'eios, Banken usw vorgesHu n Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw seliM ward 15 der g. samten Flache zu eigenen Bebauungszwecken zur Verfügung haben. Das ganze Projekt hat fnr die Entwicklung" des Touristenverkehrs nach Tel-Awiw eine besondere Bedeutung. Die groüziggge Ausnutzung des Mittcinieersirandes ist bis Jetzt in I'al,<-.tiiu sein" vernachlässigt worden. Der Tourist, der sieh das band angesehen hat, wird nun bald in Tel- Awiw seiner Reise eilen In sonders schonen Abschluß geben können. Mit der Verwirklichung diese-, Planes wird Tel- Awiw «-ich in die gtollen Badeorte des Mittelmcers würdig einreihen. Die Arbeiten zur Durchführung des Projektes sollen noch i ti d lese m F r u h j a h r beginnen. Einwanderer aus Deutschland in Haifa Ihr „Haare/" blind folgenden Berieht: Während allgemein k.ane Statistik, wehr von der Regierung noch von jinli ■ her Seite, über die jüdische Bevölkerung von Haifa existiert, hat die dortige IlOü. das Verdienst, eine genaue Statistik über die Einwanderer aus Deutschland, die in Haifa leben, durchgeführt zu haben. Diese Gruppe besteht aus 8uon Menschen (unser Mitarbeiter in Nr. 14 nennt die Ziffer 'KHK) — A.d. R.), das sind 22,0 <o, der Einwanderer aus Deutschland überhaupt (3-1,'J von diesen leben in Tel- Awiw und 11,4 1'(> in Jerusalem, ein gleicher Prozentteil in den Kibbuzim des Landes). Die Juden aus Deutschland bilden 11,4 der Juden Haifas. Das ist der höchste Prozentsatz m den Stadien, denn in Tel-Awiw sind sie nur 0 »•>, in Jerusalem nur 5,6 1 Hervorzuheben ist. daß es sich in Haifa fast nur um Familien handelt. Unter 8000 Menschen gibt es nur 010 Junggesellen. Jede I amilie umfaßt durchschnittlich 3,22 Personen; die durchschnittliche Kinderzahl pro I amilieist 1,11. Etw a IS " o der Eamilien heberbergen bei sieh Litern oder Verwandte. Der größte Teil der Einwanderer steht im Alter von 21—40 Jahren. Das ältere Element ist sehr schwach vertreten. 4 5,2 i ., der Einwanderer aus Deutschland sind Arbeiter oder Handwerker, 31,8 "» Kaufleute, 2!,7 »«> üben freie Berufe aus. Davon sind 150 als Aerz.te und nur 7 als Rechtsanwälte tat ig, etwa 40 sind als Lehrer beschäftigt und 25 als Architekten. Die Wohnungsdichte unter den Einwanderern aus Deutschland ist sehr groß. Durchschnittlich kommen 1,8 Menschen auf ein Zimmer. Doch ist dies ein günstigerer Zustand als die Auswanderergruppen aus anderen Landern ihn aufzuweisen haben. — Nur 4,6 •>„ der in Haifa befindlichen Juden aus Deutschland befanden sich vor dem Jahre 1933 schon im Lande, 30,6 «„ kamen im Jahre 1933, 23,8 "a 1034, 25,5 o,0 E)35 und 14,5 < o 1036. Auch der Anteil Haifas an der Einwanderung aus Deutschland hat sich vermindert; 1933 betrug er 32,5 «o, 1936 nur ,15,2 »/». Englische Stimmen Die Zeitschrift „The World Review", London, bringt in ihrem Februarheft einen Artikel des ehemaligen palästinensischen Polizcibcamtcn Douglas D u f f, dessen Bücher und Aufsätze über das Palästina-Problem wir schon öfter zitiert haben. Duff faßt die jetzige Situation wie folgt zusammen: 1. Ein tiefes Mißtrauen der Araber gegen alle Vorschläge der englischen Regierung, verbunden mit einem Hall gegen England und die Zionisten, und der Entschlossenheit, mit keinem von beiden bänger als absolut notwendig ist, zu tun 7it haben. 2. Eurcht der Juden, daß England dem arabischen Nationalismus nachgeben und Palästina verlassen wird, um weitere Schwierigkeiten und Ausgaben zu vermeiden und 3. eine Befürchtung, daß die englische Regierung tun könnte, was sie im Irak getan hat, nämlich alles aufzugeben, was nicht von unmittelbarer Bedeutung ist. Duff ist der Meinung, daß die Kgl. Kommission sicherlich eine Einschränkung der jüdisch e n E i n w a n cl e r u n g befürworten wird und daß, falls diese Beschränkung nicht Iiis Ende Mai, d. h. bis zum völligen Abschluß der Ende, durchgeführt ist, eine Wiederholung der Unruhen ii viel größerem Maßstabe als voiiges Jahr stattiinthei wird. Es ist jedoch ausgeschlossen, so fahrt Duff fort, daß die Juden freiwillig die Stellungen, die sie in Paias.ina errungen haben, wieder aufgeben werden, und ebenso unmöglich ist das völlige Aufhören der jüdischen Einwanderung; denn dies würde eine wirtschaftliche Katastrophe zur Folge haben, dadurch aber würden wirtschaftliche Interessen gefährdet werden, die keineswegs ausschließlich jüdische sind. Duff hält es daher für sieher, daß alle Empfehlungen, die die Kgl. Kommission in beztig auf Einschränkung der Einwanderung und Bodenkäufe machen wird, allmählich w i e il e r beseitigt werden, und dann würden die Araber der Meinung sein, daß sie wieder betrogen worden sind. Das Ergebnis würde dann die Vorbereitung einer neuer» Revolte sein nebst der Organisierung eines Gcgen-Kreuz/uges mit Hilfe der ganzen islamischen Welt. Die transjordanischen Stämme, die Bauern aus Die Kantonisierungs - Pläne Im Zusammenhang mit den Veröffentlichungen des „Haboker" über ein angebliches Ciehcimmemorandum des Emirs Abdullah (s. „j. R." Nr. 14), in dem die Kanfonisierung Palästinas und die Vereinigung des arabischen Kantons mit Transjordanien gefordert worden sein soll, wird dem „Eelestin" aus Kreisen, die dem Emir nahestehen, mitgeteilt, daß derartige Pläne von Emir Abdullah nicht befürwortet werden. Im Gegensatz zu diesem Dementi meldet che hebräische Tageszeitung „Haarez" aus arabischer Quelle, daß mehrere transjordanischc Politiker beschlossen hätten, in Damaskus eine Versammlung abzuhalten, an der sich auch arabische Eührer aus Palästina, dem Irak und Syrien beteiligen sollen, um zu dem Plan Emir Abdullahs einer Kantonisierung Palästinas Stellung zu nehmen. Noch ein Vorschlag Abdullahs? „Eelestin", die dem Emir Abdullah nahestehende arabische Tageszeitung, bestätigt das Gerücht, demzufolge der Emir der Peel-Kommission vorgeschlagen haben soll, eine lokale Regierung in Palästina zu schaffen, wobei die Mandatsbesfimmungen betreffend die Juden durchgeführt werden sollen, jedoch mit der Maßgabe, daß die jüdische Bevölkerung 35 o/o der Gesamtbevölkerung nicht überschreiten darf. Die Unruhen von Tiberias Der Distriktskommissar von Na/areth, Blackborn, hat der Gemeindeverwaltung von Tiberias einen Besuch abgestattet und erklärt, daß die Zentralstellen in London und Jerusalem die Unruhen bedauern und er den Auftrag erhalten habe, jeglichen Aufruhr zu unterdrücken und alles zu tun, um ein Ausbreiten der Unruhen zu verhüten. Der G e m e i n d e r a t von Tiberias, dem jüdische und arabische Stadtverordnete angehören, trat am Sonnabend zusammen und veröffentlichte einen Aufruf an beide Bevölkern n g s t e i 1 e, den gegenseitigen Boykott einzustellen und Brieden zu halten. Der palästinensische Retar hat an den stellvertretenden High Commissiouer ein Protesttelegramm gegen das Regierungs-Comtmmiqtte über die Vorfälle in Tiberias gerichtet. Durch dieses Communi(|ue werde der Eindruck vermittelt, daß der Befar an den Vorfällen schuld sei. In «lern Telegramm wird eine Richtigstellung des Communiques gefordert. Kleine Nachrichten Ein arabischer Polizist wurde, als er in Jagur bei Elaifa ein arabisches Cafe betrat, hinterrücks erschossen. Die Täter sind entkommen. Auf eine Meldung hin, daß in den Hügeln bei Nablus bewaffnete Banden verborgen sind, wurde von Polizei und Militär eine Haussuchung im Dorfe Balaa durchgeführt, wobei eine Zählung der männlichen Bevölkerung vorgenommen wurde. Gefunden wurde nichts. Auf dem Rückwege stieß die Militärpatrouille auf zwei bewaffnete Araber, mit denen sie Schüsse wechselte. Ein Araber wurde verwundet, der andere in Haft genommen. Die Wahlen zur Assefat Haniveharim (Jüdische Nationalversammlung) werden im Mai stattfinden. Zu Ehren der in Palästina weilenden Lady Reading veranstaltete die Gesellschaft zur Förderimg der Seefahrt unter den Juden „Scbulun" in Tel-Awiw einen Empfang. Ansprachen hieben Bürgermeister Israel Rokach, der Direktor der Anglo Palestine Bank, S. Hooficn, und der Leiter der Seefahrtsahteilung bei der Jewish Agcncy Bar Kochba Meierowitsch. Lady Reading unterstrich in ihrer Antwort die Bedeutung des „Kihbusch Hajam" (Eroberung des Meeres) in politischer, wirtschaftlicher und moralischer Hinsicht. Der Seemannsbeinf werde dem Lande eine kühne Jugend schenken, voll von Glauben und Energie, die imstande sein werde, Träger unserer hohen Ideale zu werden. Einheitlicher Misrachi -Verband Auf der Landeskonferenz der Misrachi-Organisation Palästinas gab Rabbi Ostrowski im Namen des „Misrachi H a w a t i k" bekannt, daß diese Fraktion in der Ueherzeugimg, daß die Voraussetzungen für ihr weiteres Bestehen nicht mehr gegeben sind, ihre Auflösung beschlossen habe. Die Mitglieder des „Misrachi Hawatik" schließen sich der Misrachi-Landcsorganisation an und unterwerfen sieh allen ihren Beschlüssen. (Dem „Misrachi Hawatik" gehörten zahlreiche führende Misrachisten aus Deutschland an. A. d. R.) dem Gebirge, die Beduinen der südliehen Wüste, alle würden dann nach einem festgesetzten Plane marschieren und durch wahhabitische Stämme verstärkt werden. Die einzige Möglich, keit, dieses Blutvergießen abzuwenden, sei, so meint Duff, die Kantonisierung; es sei aber nicht wahrscheinlich, daß die Kgl. Kommission diese empfehlen wird. (Duff hat sich bekanntlich auch in seinen letzten Büchern entschieden für den Gedanken der Kantonisierung Palästinas als den nach seiner Meinung einzigen sich bietenden Ausweg eingesetzt.) Der in Palästina lebende Engländer N e v i 11 e B a r b o u r, über dessen Publikationen wir bereits mehrfach berichtet haben, veröffentlichte im Londoner „Evening Standard" einen Artikel über die Ergebnisse der Kgl. Kommission. Der Verfasser ist der Meinung, daß viele Juden in Palästina und auch anderwärts gewünscht hätten, daß ihre Vertreter vor der Kgl. Kommission mit aller Entschiedenheit von England verlangt hätten, das Nationalheim so umfassend und schnell wie irgend möglich aufzubauen und jeden arabischen Widerstand niederzuschlagen. Dies war natürlich für die jüdischen Führer unmöglich. Auf der anderen Seite hätten die Juden von England fordern können, daß zwar die Einwanderung angesichts der jüdischen Lage in Europa aufrechterhalten bleibt, aber mit prinzipiellen Modifikationen, die die großen Schwierigkeiten bei den Arabern gemildert hätten. Auch diesen Weg konnten die jüdischen Führer nicht gehen, weil die jüdischen, Massen glauben, daß nur die englische Bosheit das einzige Hindernis für den sofortigen Transport von hundert« tausenden Juden nach Palästina sei. Was die judischen Sprecher vor der Kommission verlangthaben, sei, so sagt Barbour, gleichbedeutend mit der Forderung nach einer weit mehr privili gierten Stellung als die ist, welche bereits die bittere Feindschaft der Araber hervorgerufen hat. Zum Schluß erklärte der Verfasser, daß sowohl Juden als auch Araber alle ihre einstigen Freunde mobilisieren, um nach dem Erscheinen des Berichtes der Kgl. Kommission das britische Parlament entsprechend zu beeinflussen, inzwischen aber in immer schärferen gegenseitigen Boykott hineingeraten. Die Herrschaft der Effendis in Nablus Der „Haarez" bringt folgenden Bericht: Nablus ist eine durchwegs mohammedanische Stadt, die kleine Gemeinde der Samaritaner fällt nicht ins Gewicht. Die Stadt ist als fanatisch bekannt; und in der Tat hat sie sich bis heute de* Einführung der Elektrizität widersetzt (die durch die Ruthenberg-Konzession, also einer jüdischen Unternehmung, bezogen werden müßte), während kleinere Städte wie Akko, Na« zareth und Dschenin sie schon eingeführt haben. Die vorzüglichste Einnahmequelle der Bevölkerung ist die Seifenindustrie. Die Umgebung von Nablus ist mit Oelbäumen bepflanzt, die das Rohmaterial liefern. An sich müßten die Fellachen der Umgebung von der Oelbaumkultur leben können, sie sind aber von den Effendis in Nablus abhängig und befinden sich dadurch in sehr gedrückter Lage. So hilft selbst eine gute Ernte den Fellachen nichts, denn sie müssen den künftigen Ertrag schon lange vor der Erntez.cit um einen geringen Preis in Bausch und Bogen verkaufen oder ihn zu hohem Zins beleihen. Natürlich können sie auch die folgende Ernte nicht abwarten und sind gezwungen, sie ebenso zu verschleudern wie die vorausgehende. Die Schulden wachsen immer mehr, sie sind bald höher als der Wert der Ernte. Der Besitz muß schließlieh zugunsten des G 1 ä u b i g e r s versteigert werden. Und diese Gläubiger sind die Effendis von Nablus, die sich mit G e l d v c r I c i h e n befassen. So sind die Fellachen den städtischen Reichen auf Onadei und Ungnade preisgegeben. Denn wenn sie schon ihren Besitz an sie verloren haben, so winkt doch noch die Hoffnung auf einen kärglichen Posten als Wächter in den Oelpflanztmgen. Findet er dort nicht sein Brot, so bleibt dem Fellachen mir die. Auswanderung in die Städte, in denen luden wohnen, und wo es Brot und Arbeit gibt. — In Nablus existieren fünfzehn Seifenfabriken. Die Produktionsweise ist sehr primitiv und ebenso sind es die Arbeitsbedingungen. Die Fabrikgebäude gleichen Pferdeställen. In einer Ecke steht ein großer Kessel, unter dem sich der Ofen befindet, der vom Keller aus geheizt wird. Das Heizmaterial bilden Olivenabfälle. Die Seife wird aus Olivenöl und Soda hergestellt und der Verseifungsprozeß datiert sieben Tage. Sechs Arbeiter sind dabei beschäftigt und jeder von ihnen erhält für die siebentägige Arbeit 350 mil. Auch die übrigen Arbeiter, die die Seife in Stücke schneiden, bekommen nicht mehr als 80—100 mil am Tag bei unbegrenzter Arbeitszeit. Bei allen Industrien sind eine Reihe von Investitionen nötig, bevor der Unternehmer seinen Nutzen ziehen kann: Rohstoffe, Löhne, Maschiltenamortisation usw. Bei der Seifenindustrie wird diese Investition auf ganz unbedeutende Summen beschränkt. Die Oelhaine gehören meist dem Produzenten und um einen geringen Arbeitslohn werden die Oliven gepreßt und das Oel und die brennbaren Abfallstoffe in die Fabrik geliefert. Der Besitzer braucht nur ganz wenig Kapital und muß daher auch das für die Seife erlöste Geld nur zu einem sehr kleinen Teil wieder in den Betrieb stecken und kann für den erheblichen Rest sich Liegenschaften erwerben. Die reichen Seifenfabrikanten haben daher einen beträchtlichen Bodenbesitz, nicht nur in und bei Nablus, sondern auch in anderen Gegenden des Landes. Trotz dieses großen Wohlstandes und der bedeutenden Gewinne, die aus der Seifenindustrie gezogen werden, bleiben Arbeiter und Fellach arm, obgleich der Ertrag genügen würde, alle Beteiligten reichlich zu ernähren. Die Effendis von Nablus aber sind jeder Reform abgeneigt und der Kampf gegen den Zionismus kommt ihnen dabei gelegen, da er die Massen von ihren eigenen Angelegenheiten ablenkt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt Jerusalem. (Palcor.) Nach den Ziffern der Arbeitszentrale der Flisfadruth beträgt die Zahl der Arbeitslosen in den Städten Palästinas 2450 Personen. Die entsprechenden Ziffern für die einzelnen Orte sind die folgenden: Tel-Awiw 1350 Arbeitslose, Haifa 700, Jerusalem 400. Ferner gibt es in Tel-Awiw eine Anzahl von Arbeitern, die nur einige Tage in der Woche arbeiten. Ihre Zahl sinkt jedoch in der letzten Zeit auf Grund der Tatsache, daß eine Reihe von Fabriken bei Beginn der Erühjahrssaiscm ihre Tätigkeit verstärkt haben und jetzt viel mehr Arbeiter als früher beschäftigen. In den Kolonien gibt es überhaupt keine Arbeitslosigkeit, im Gegenteil, es fehlen dort Arbeitskräfte, und die llistadruth ist heute gezwungen, für die in den Pflanzungen erforderlichen Arbeiten 1000 neue Arbeiter aus den Städten in die Kolonien zu bringen. Das Arbeitsdepartement der Jewish Agcncy in Jerusalem hat mit finanzieller Hilfe des Kercn Hajessod eine Sonderaktion zur Ausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter für die Orangenwirtschaft durchgeführt. Das Ziel dieser Aktion, die unter der Leitung besonderer Instrukteuren durchgeführt wird, ist, den jüdischen Arbeitern, die Arbeit in den Pardessim aufnehmen, eine entsprechende fachmännische Vorbereitung zu geben.

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