Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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fJDDISCHE RUNDSCHAU Ar ict M^£r%.%3 JL Nr. 16, 26. FEBRUAR 1937 Blick nach Mekka Von M. Y. Ben-gavriel, Jerusalem Der politische und kulturelle Gestaltwandel des mohammedanischen, sonderlich des arabischen Orients, der entscheidenden Einfluß auf die Stellung der europäischen Machte in diesen Lebensräumen nimmt, geht in derartig rasender Schnelligkeit vor sich, daß es aufmerksamster Beobachtung bedarf, um diese Veränderungen in ein System zu bringen. Diesem System liegt ein einziger Gedanke zugrunde: U e b e r w i n d u n g des europäischen Imperialismus. Alles, was heute im Vorderen Osten geschieht, dient diesem Ziel. Aus dieser nicht mehr zu umgehenden Perspektive gesehen, kommt auch dem in diesen Tagen beginnenden Hadsch, der alljährlichen Pilgerfahrt nach Mekka, erhöhte Bedeutung zu. Die Zusammenkunft von vielen Tausenden Mohammedanern aus allen Teilen Asiens und Afrikas in der heiligsten Stadt des Islam dient nicht allein den Opfern auf dem Berg Arafat und dem IJinschreilen des heiligen Steins, sondern auch sehr bedeutsamen politischen Zielen und insbesondere einer bewußten Propaganda der Annäherung aller Mohammedaner unter dem alten Zielruf: „kull muminin ichwän: alle Gläubigen sind Brüder!" Drei Programmpuukte des diesjährigen Hadsch machen diesen Pilgermonat, machen die Feier in Mekka zu einem wichtigen politischen Ereignis. Vor allem soll wieder die Frage der Heiligen Bahn, dieses bisher ungelöste Problem der Besit/reehte auf die Bahn von Damaskus nach dem heiligen Lande Hedschas, aufs Tapet gebracht werden. Diese Bahn, die zum Großteil aus Spenden der ganzen mohammedanischen Welt vom letzten Sultan der Türkei, 'Abd cl hamid, gebaut wurde, wurde durch den Friedensvertrag von Lausanne von Frankreich und England übernommen. (Ausgenommen das nur theoretisch existierende Stück ohne Bahnkörper von Transjordanien nach Medina.) Natürlich konnte der erwachte arabische Nationalismus sich mit der Tatsache, daß diese „heilige" Bahn in den Besitz von Ungläubigen, von Nicht-Arabern übergegangen war, nicht abfinden. 102h berief ibn Saud die erste Bahnkouferenz. nach Mekka, die aber ebenso ergebnislos auseinanderging, wie die Besprechung von 1928 und die Konferenz, von Haifa im Jahre 1Q'35. So kommt es, daß diese wichtige Bahn, die einzige, die Europa mit Arabien verbinden könnte, noch immer unbrauchbar ist und niemand in der Lage ist, ihr letztes, entscheidendes Stück — von etwa 600 km Schienenlänge — auszubauen. Da diese Frage eine religiöse und politische Prestigefrage für den arabischen Nationalismus ist (während England an einer Aufrechterhaltung des status quo nicht ganz uninteressiert ist), soll die Angelegenheit nun in Mekka von neuem besprochen werden. Die zweite Frage, die anläßlich der Pilgerfahrt zur Verhandlung kommen soll, ist, wenn möglich, noch heikler, denn sie ist aktueller und gretft tief in die politischen Angelegenheiten Englands ein. Die palästinensischen Nationalisten, an ihrer Spit/e der Mufti von Jerusalem, der in den letzten Jahren von der Partei der aus Mekka vertriebenen Hascbimiden zur Partei Ihn Sauds überging — wiewohl die Wahhabt den offiziellen Islam bekämpfen — haben eine Art Pro-Palästina-Konferenz nach Mekka einberufen. Eine Konferenz, die die Politik des Mufti stützen und die palästinensischen Araber in ihrem Kampf gegen Fjigland und gegen das Jüdische Nationalheim unterstützen soll. Nun meldet Retit'-r, das heißt also Sir John Philby, der englische Berater des Königs, daß Ibn Saud die Konferenz verboten habe, weil ihr Programm „mit dem religiösen Charakter der Wallfahrt unvereinbar" sei. Man wird nicht fehlgehen, wenn man hinter dieser Unvereinbarkeit den Willen Englands sieht. Trotz dieses Verbotes aber, das übrigens vom Mufti, der vor einigen Tagen nach Mekka abfuhr, nicht aber vom König dementiert wird, ist es sicher, daß die Palästina-Frage in Mekka diskutiert und im anticnglischen, resp. antijüdischen Sinn als Propagandadevise den Pilgern schmackhaft gemacht werden wird. Das dritte aber, zum Unterschied von den andern beiden, bereits gelöste Problem, ist die Frage der Kiswah. die deshalb von besonderer Bedeutung ist, weil die Anerkennung der Herrschaft Ibn Sauds durch Aegypten und demzufolge die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten am Koten Meer damit zusammenhängt. (Vgl. den Artikel „Der Maninil" in Nr. 14 der „ I. R.") Wenn auch der König Ibn Saud in sehr weiser politischer Selbstbeschrätikung. seine Grenzen erkennend, sich von den Dingen und Bewegungen jenseits seiner Landesgrcnzei, fernhält und nur dann offiziell Stellung nimmt, wenn eine solche Intervention der britischen Politik entspricht, wird er dennoch von Tag zu Tag in stärkerem Maße als Zentralen r des politischen Islam, respektive aller überlokalen arabisch-politischen Bewegungen angesehen. Dies nicht nur von den arabischen Faktoren, auch wenn sie durchaus im Gegensatz zu seiner Auffassung der Religion Mohammeds stehen, sondern auch von jenen auswärtigen Mächten, die um Freundschaft in Arabien und im Islam werben. So ist es kein Zufall, daß Italien ihm knapp vor Beginn der großen Pilgerfahrt einige Flugzeuge als Geschenk übersendet und daß andererseits sein alter Gegner, der Iman von Jemen, Bestrebungen, sich ihm zu nähern, erkennen läßt. Soeben kommt die Nachricht, daß die Söhne des Imatus nach Mekka abreisten. Der Hadsch dieses Jahres dufte trotz aller politischen Und wirtschaftlichen Krisen eine überaus große Zahl von Pilgern in Mekka vereinigen. Es dürfte eine Nebenwirkung dieser Pilgerfahrt sein, daß die Teilnehmer dann, als willentliche oder unwülentliche Agitatoren nicht allein für die religiöse Idee des Wahhabismus, sondern auch für manche, außerhalb Mekkas gelagerten Dinge politischer Art. in ihre Heimat zurückkehren werden. Und in dieser Tatsache liegt die außerordentliche Wichtigkeit Mekkas und die Notwendigkeit für alle Mächte und Bewegungen, die irgendwie mit arabischen Dingen zu tun haben, um die Freundschaft Ibn Sauds, des Königs nicht nur von Arabien, sondern auch von Mekka zu werben. Was für Italien und für England gut ist, dürfte auch für die Juden nicht schlecht sein; die Anstrengungen unserer Gegner am Hof des Königs zu paralielisieren, wäre eine der wichtigsten Aufgaben zionistischer Diplomatie in diesen Tagen, denn Mekka wird immer mehr das „Genf des Ostens", der Keim eines mohammedanischen Völkerbundes. Ein Kronprätendent für Palästina? Eine Kairo-Zeitung veröffentlicht einen sensationellen Bericht, wonach König Ibn Saud mit Großbritannien in Verhandlungen stehe, um in Palästina ein Königreich für seinen zweiten Sohn zu schaffen. Dem Bericht zufolge nehmen die Verhandlungen einen günstigen Verlauf; der Mufti von Jerusalem sei zur Beratung nach Mekka geladen worden. Diese Meldung muß mit Vorsicht aufgenommen werden, da sie offenbar darauf hinzielt, die Dynastien der Saudi Waliabilen und der Hashetuiten gegeneinander aufzuhetzen. Der Emir Abdullah gehört der letzteren Dynastie an; er ist in letzter Zeit öfter als Prätendent auf Palästinas Thron genannt worden. (Palcor) „CHUG DA'RAV" Von unserem palästinensischen Korrespondenten Das Ziel gl., Tel-Awiw, 10. Februar 1937 Chug Da'rav — so nannte sich vor einem Jahr ein Kreis von Mensehen, der sich aus den Städten und Siedlungen des Landes in Tel-Awiw zusammenfand, um über Arbeit unter den Juden zur Aufklärung über das arabische Volk und seine Kultur zu beraten. Seit vielen Jahren hatte man in Palästina und in der Gallith über die Notwendigkeit gesprochen, die bestehende Fremdheit, die zwischen den beiden palästinensischen Völkern, den Juden und Arabern, herrscht, zu durchbrechen. Alle, die sieh für die Frage interessierten, hatten bald entdeckt, daß ein Verständnis des Nachbarvolkes, seiner Lebensformen, seines Denkens, seiner Wünsche und Tendenzen schon deswegen erschwert sei, weil trotz, des engen Nebeneinandcrlebens kaum ein lebendiger Kontakt mit ihm bestand. Vielfach fand man den Willen, sich auf den Araber einzustellen, aber Lebensart, Sprache und Denken waren so verschieden, daß die trennende Kluft unüberbrückbar schien. Aehnlich wie für manchen neuen Einwanderer der Zugang zum „Jischuw", zu dem hebräischen Palästina, deswegen verschlossen war, weil er das Hebräische nicht beherrschte, so — aber in noch viel größerem Maße — war dem Juden der Zugang zum Araber verschlossen, einfach weil er sich nicht mit ihm verständigen konnte. Und auch wer im Laufe der Arbeit und der Reisen im Lande sich ein bescheidenes arabisches Vokabularium zusammengeschart hatte, der war doch in den meisten Fällen nicht im Besitz der genügenden Kenntnisse, um den Hintergrund des Denkens und der Reaktionen seiner arabischen Bekannten zu verstehen. Fr wußte wenig oder nichts über die Geschichte der Araber, über ihre Kultur, ihre Kunst; wenig oder nichts über den Islam und seine Entwicklung; wenig oder nichts über die Strömungen in der heutigen arabischen Welt, von der das arabische Palästina ein Teil ist. Diesen Zustand zu ändern, den Juden einen Ausblick in die arabische Welt zu schaffen, ihnen die Kenntnisse an die Hand zu geben, mit denen überhaupt erst eine Wertung dieser fremden Weh ermöglicht wird — das war das Ziel der Initiativgruppe, die sich in Tel-Awiw zusammenfand und an der sich von Anfang an auch Auswärtige, zum großem Teil aus den landwirtschaftliehen Siedlungen, beteiligten. Der Kern der Gruppe gehörte zur organisierten Arbeiterschaft, aber es wurde in den Anfangsdiskussionen festgelegt, daß der Rahmen der Arbeiterorganisation nicht entscheidend sein, sondern der „Chug Da'rav" auch allen anderen Interessenten offenstehen sollte. (Eine Einschränkung wurde gemacht: nur Mitglieder der zionistischen Organisation konnten dem „Chug" angehören. Damit wurden automatisch die Revisionisten ausgeschlossen. Es ist jedoch interessant, daß unter den Hörern des Seminars in Tel-Awiw auch Revisionisten sind.) Der Chug Da'rav hat keine politische Färbung und kein politisches Programm. Er beschränkt sich auf reine Aufklänings- und Erziehungsarbeit und hofft damit, eine möglichst weite Beteiligung zu erreichen und eine Stimmung in der Masse zu schaffen, die einer natürlichen und interessierten Einstellung gegenüber dem Araber günstig wäre. Um möglichst weiten Kreisen die Mitarbeit und den Eintritt zu ermöglichen, wurde der Mitgliedsbeitrag auf nur 250 Mil im Jahre festgesetzt. Arbeitsmethoden und Schwierigkelten Die praktische Durchführung der allgemeinen Pläne wurde durch zwei Aktionen eingeleitet: es wurden die Möglichkeiten geschaffen, Arabisch zu lernen und sich Kenntnisse über die arabische Welt und die mit ihr verbundenen Probleme anzueignen. In Tel-Awiw und in verschiedenen Kolonien wurden Kurse für arabischen Unterricht eingerichtet. Außerdem begann m Tel-Awiw ein Seminar zu arbeiten, in dem systematische Vorträge über die arabischen Länder gehalten wurden. Jedes Semester zerfällt in zwei Teile, von denen einer Palästina, der andere einem der arabischen Nachbarländer gewidmet ist. (In diesem Jahre wurde Aegypten behandelt.) Dadurch baut sich ein genaueres Studium des arabischen Palästina und seiner Umwelt auf, in dem sowohl politische wie auch kulturelle und wirtschaftliche Fragen Beachtung finden. Daneben bemüht sich „Chug Da'rav" um die Herausgabe populärer Schriften, die mit der arabischen Frage zusammenhängen. Es erschien bereits eine Broschüre von A s s a f, und drei Wirtschaftsreferate (von Hotowitr, Abraum witsch und Bonne), die im letzten Semester in Tel-Awiw gehalten wurden, sind für den Druck in Vorbereitung. Von noch größerer Bedeutung sind vielleicht die Versuche z.ur Zusammenstellung einer einschlägigen Bibliographie, die den I.einwilligen den Weg zu weiterem Studium weisen kann. Line umfassende Bibliographie, die das überall verstreute Material über die arabischen Dinge zusammenfaßt, ist in Vorbereitung und wird außer Büchern und Zeitschriften auch die Tagespreise berücksichtigen. Unterdessen gibt Assaf von Zeit zu Zeit ein kurzes Verzeichnis von Schriften zur Kenntnis der arabischen Frage bekannt. Sie enthalt jedesmal die Namen einiger Standardwerke (über Vergangenheit und Gegenwart) und verschiedene Bücher und Schriften leichteren Kalibers. (Es zeigt sich dabei, daß man sowohl des Gegenstandes wie auch der Leser wegen sich mit den verschiedensten Sprachen befassen muß. Die letzte Liste umfaßt englische, deutsche, französische, russische und hebräische Publikationen.) Gerade dieser Materialangabc kommt größte Bedeutung zti. Demi es wird unter den Interessierten und 1 ernwilligen immer wieder darüber geklagt, daß sie keine Bücher haben und nicht wissen, wie sie ihr Studium anpacken stillen. Dein Lcsebcdürfnis des Publikums dient jetzt auch in Tel-Awiw ein I. est-/ i in m c r, in dem die arabische Presse auslugt (sie i-t naturgemäß erst einem ganz beschränkten Kreis verständlich). Die Anlage einer einschlägigen B i b I i ii t Ii e k ist geplant. Alle diese Arbeiten stoßen auf große Schwierigkeiten. Insbesondere leidet man Mark unter dem Mangel an I e Ii r e r n f ii r d a s A r a b i s e Ii e. I s gibt im Lande unter den Juden nur relativ wenige, die für arabischen Unterricht in Betracht kommen. Es wird jetzt der Versuch gemacht, die Juden aus Aegypten, Irak und Svricii /u sammeln und sie für die 1 ehrtätigkeil heranzuziehen. Jedoch ist natürlich nicht jeder, der Arabisch versieht, auch als I .-hrcr zu verwenden und die I leranbildung von Menschen, die Unterricht gelten können, ist eine der wichtigste» Aufgaben des „Chug", Außerdem gehören natürlich zur Ausbreitung der Arbeit entsprechende Mittel, die nur in beschränktem Maße vorhanden sind. Reaktion des Publikums und Erfolge Daß die Arbeit des Chug Da'rav einem starken Bedürfnis weiter Kreise entgegenkommt, beweist das große Interesse, das alle Veranstaltungen der aktiven (iruppe von Anfang an gefunden haben, fraglos haben die schweren Monate der Unruhen noch mit dazu beigetragen, das Interesse an der arabischen Frage zu erhöhen. Alle Vorträge sind stark besucht, der Wunsch, Arabisch zu lernen, überall zu spüren. Es bestehen bereits zehn Chugini im Lande und von den verschiedensten Stellen kommen Anfragen über die Beschaffung von Lehrern und Lernmaterial. Die Broschüre von Assaf wurde in 2300 Exemplaren im Lande verbreitet und 300 Exemplare an den „Heehaluz" im Auslände geschickt. Es wird deutlich spürbar, daß weite Kreise, vor allem in den Siedlungen, mit großem Eifer die Anregungen aufgreifen und für die Möglichkeit dankbar sind, sich mit einer .Materie zu beschäftigen, die für die zionistische Arbeit im Lande von lebenswichtigem Interesse ist. Es ist charakteristisch für die Situation, daß die Anteilnahme der Masse allen Erwartungen gerecht wird, sie sogar vielfach noch übertrifft, daß es jedoch sehr schwer ist, I eifer und I chrer für die Arbeit zu finden. Zinn Schluß sei noch eine Aktion des „Chug Da'rav" erwähnt, die bisher noch keine Resultate gezeitigt hat, aber von weitgebender Bedeutung ist. Man bemuht sich um die Einführung des Arabischen als I ehrfach in den Volksschulen. Die Forderung, daß die jüdischen Kinder im Lande Arabisch lernen müssen, ist oft going erhoben, aber nie erfüllt worden. Jetzt hat sieh der ,,< ling" mit einer Petition in diesem Sinne, die von prominenten Persönlichkeiten verschiedenster Färbung unterzeichnet winde, au das ErzichuugsdcpartciiH'ut des Waad Leuini, das die hebräischen Schulen kontrolliert, gewandt. Bisher ist noch keine Lutsch ei düng getroffen worden. Es ist dringend zu wünschen, daß diese Petition positiv erledigt wird. Line wirkliche Kenntnis der arabischen Welt unter den Massen ist ja nur dann zu erreichen, wenn nicht nur kleine Kieise mit der Sprache vertraut werden, sondern jeder Palästinenser sie mit Selbstverständlichkeit bebe rrscht. Entrüstung des Jischuw Protest des Waad Leuml Im Jischuw herrscht starke Entrüstung über die andauernde arabische Hetze und den Mangel an Sicherheit, der in den letzten Tagen besonders kraß zum Ausdruck gekommen ist. Anläßlich einer Sitzung des Waad Leumi beklagte Ben Zwi den Tod von Chaim Bruck. Er wandte sich sodann den Vorfällen in T i b e r i a s zu und protestierte gegen die unrichtige Darstellung der Dinge im amtlichen Commuuique; zum Schluß wandte er sich gegen die Aeußerung des Vizebezirksgouverneurs Blaekburne, daß angegriffene Juden sich verstecken müssen. Ben Zwi beschäftigte sich ferner mit der tragischen Lage der Juden in Safcd, die gleichsam in einem Zustand der Belagerung leben. Die Kaufleute haben keine Kundschaft, die aus den Dörfern hereinkommenden Bauern verkaufen ihre Produkte nicht an Juden, da die Terroristen mit Gewalt die strikte Anwendung des anfijüdischen Bovkotfs durchsetzen. Die Stadt wird von arabischen Gangsfern und Terroristen beherrscht. Fellachen, die die Stadt verlassen, werden aufgefordert, Quittungen vorzuzeigen als Beweise, daß sie keine Einkäufe bei Juden gemacht haben. Araber, die das jüdische Viertel betreten wollen, müssen sich erst mit speziellen Scheinen versorgen, während Juden am Betreten des arabischen Stadtteiles verhindert werden. Ben Zwi stellte fest, daß die Behörden von diesen Zuständen Kenntnis haben. Nach der Debatte wurde beschlossen, eine Abordnung zu Hatltorn Hall, dem Stellvertreter des High Comtnissioners, zu entsenden, und außerdem Protesttelegramme an den Kolonialminister und an Dr. Wcizmann zu richten. Die aus Ben Zwi. R e r I i g n e und E I m a (e Ii bestehende Abordnung sprach sodann beim Stellvertreter des High Coniniissioner vor und verlieh der Entrüstung des Jischuw über die herrschende Gesetzlosigkeit und Unsicherheit im Laude, insbesondere in Safcd und "Liberias, Ausdruck, und erwähnte in diesem Zusammenhange die Ermordung Chaim Brucks: sie protestierte ferner gegen den Text des amilichen Berichtes über die Vorgänge in Tiberias. Mr. Hall versprach, geeignete Maßnahmen zu treffen. Ein hoher R c g i c r u n g s b c a m i c r ist nach "Liberias und Safcd entsandt worden, um die Lage an Ort und Stelle zu studieren. Jude aus Deutschland ermordet Der 21jährige (.haiin Bruck, ein ans Deutsehland stammendes Mitglied des Kibbuz Chugim, wurde Montag in der Nahe des arabischen Dorfes Sakhne bei Belli Alpha von Arabern erstochen. Neben der Leiche wurde ein Notizbuch gefunden, in das Bruck vor dem Tode die Worte gekritzelt hatte: „Araber haben mich erstochen. Ich sterbe. Lebt wohl, Freunde." _ Handelsvertrag Palästina — Irak Zwischen Palästina und dem Irak ist ein Handelsvertrag für vorläufig drei Jahre abgeschlossen worden. Auf Cirund des Vertrages ist im Hafen von Haifa die Einrichtung einer Freizone für den irakischen T r a n s i t h a n d e 1 vorgesehen. Der Irak erhält die Berechtigung, in dieser Zone irakische Zollbeamte zu halten. Palästina wird die Zölle für die Einfuhr einzelner Lebensmittel aus dem Irak senken. Weitere Artikel des Vertrages befassen sich mit der Förderung des Landverkehrs zwischen Bagdad und Haifa. Der Vertrag zeigt die wachsende Bedeutung Haifas für den Nahen Osten.