Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 16, 26. II. 1937 Palästina - Amts -Tagung Perspektiven der Alijah — Probleme des Transfers Wie wir bereits kurz berichteten, fand am 17. Februar in Berlin eine Tagung der Vertrauensleute des Palästina- A m t e s statt, an der sich auch die Palästina-Treuhand-Stelle beteiligte. 1 Die Tagung wurde mit einer Ansprache von Dr. Franz Mevtr erolfnet, in der er die wirtschaftlichen und Transfer- Fragen als Kernpunkt der Erörterungen der Tagung unterstrich. Sodann nahm Dr. Arthur Stein das Wort zu seinem Referat: „Lage und Aussichten der Palästina-Wanderung aus Deutschland" Er skizzierte zunächst zahlenmäßig den Umfang der Palästina-Wanderung aus Deutschland, die in den Jahren IO'J'3 bis 10% rund 38 500 Personen umfaßte. Dies bedeutete im Verhältnis /u der Gesamtem Wanderung nach Palästina im Jahre 1913 25 °„, im Jahre 1934 23 °b, im fahre 1035 13 "o, im Jahre 103f> 30 »o. Die absolute Zahl der aus Deutschland kommenden Palästina-Wanderer weist also noch im Jahre 19j(> (gegenüber 1035) eine aufsteigende Linie auf. Innerhalb der Alijah aus Deutschland sind im wesentlichen die Gruppen der sogenannten Kapitalisten, der Einwanderung auf Arbeiterzertifikate und seit dem letzten Jahr auch der angeforderten Verwandten im gleichen Verhältnis beteiligt. Für die < iruppc der sogenannten Kapitalisten hängen die zukünftigen Aussichten naturgemäß von der E n t - w ick Inn g d e s T ransfers ab. In dieser 1 linsicht betonte Dr. Stein die im letzten Jahre erfreulicherweise erzielte Ausweitung des 1 i aii-.icrvo'umens die einer langsam steigenden Zahl von mm gemerkten Personen das Vorzeigegeld und damit die Möglichkeit /nr Auswanderung verschaffte. Allerdings lialien die Konten des Vor/eigegcldc* eine erhebliche Steigerung erfahren. Zwi-h hen dic-en beiden Tatsachen besteht aber ein kau-aler Zusammenhang, da eine Beschleunigung des AlnvicklungMenipos nur durch erhöhte Aufwendungen möglich ist. In der i n tippe dir A r b e i t e r e i u w a n derung hat sich in der letzten Zeit immer deutlicher der Zustand herausgebildet, daß nur Menschen, die den s\stematischen Weg über eine mindestens zweijährige l laehscharah in den beiden anerkannten cli.-iltizi-.vhen Verbanden gehen, auf eine Berücksichtigung mhnen kennen. Die Berücksichtigung der überaus "zahlreichen und zw cilcNohne dringenden sozialen Falle ist zur Ausnahme geworden. Die verst ,rkte Einwanderung aus Deutschland in den Kt/tui vier Jahren hat die V e r w a n d t c n a n - f o r d e r u n g, Hisbcs«aulere die Aiiiordertmg von Eltern zahlenmäßig immer mehr in den Vordergrund gerückt. Die besonders für IK iiNchiaiH gesdiatfcite I mu audenmgskategorie der J ii g e ml a I i j a ii hat in den zwei Jahren ihres Bestehens insgesamt Hill Jugendlii he nach Palästina gebracht; ihr Mcnschenmatenal hat sah im Lande besonders bewährt. (iegenuber den vielen positiven Momenten kann doch nicht verschwiegen werden, dal) die tatsachlichen Chancen «lein ungeheuren Auswanderungsbedürfnis der Juden aus Deutschland nicht gelingen. Daher kommt es darauf an, das r i c h t i g e A u g e n m a I) zu bewahren. Unsere Menschen müssen in richtiger Einschätzung der Realitäten Disziplin bewahren, am wenigsten dürfen sich die uns früher fernstehenden Menschen über das langsame Tempo ihrer Abwanderung beklagen. Diese Menschen mögen sich sagen, daß die judennot nicht 1013 begonnen hat, und daß dieAufnahmef ä b i g k e i t Palästinas voraussichtlich u tu ein Viel! a ch es g r ö Ii e r wäre, wenn sich gerade diese Schichten des Judentums früher an dem A u f Ii au b e t c i 1 i g t h ä 1 t e n. In ihren Ausführungen über „Die künftige Praxis der Zertifikats-Verteilung" befaßte sieh Iran Eueie Lcvv-Zobel in erster Linie mit der zu erwartenden Zertifikatssituation. Die Zertifikats/titeihmg seitens der Mandatsregicrung hat sich in letzter Zeit zugunsten der Anforderung*-, Schüler- und Facharbeiterzcrtiiikate wi-cbubcn. Die in tier Kategorie der Arbeiterz e r t i i i k a t c bestehenden Finw andcnmgsmöghchkeiten konzentrieren sieh z. T. infolge der wirtschaftlichen Lage in Palästina immer mehr auf .NU-n-eiun, die unter allen Umständen auls Land gehen. Auch die I a <. h a r b e i t e r, die aut Grund eines besonders zur Verfügung gestellten Zertifikates zur Alijah kommen, müssen sieh den allgemeinen Anforderungen des Palästina-Amteunter« erfen. Mier/u gehört in erster Linie ernsthafte.-, Bemuhen um die Erlernung der hebräischen Sprache, Ucbcrhaiipt gewinnt das Maß der hebräischen Kenntnisse immer stärkere Bedeutung bei der Zertifikatsverteiltmg. Von II and werkei n. die sieh, ohne eine Hachscharah in einem chaluzisehen Verband durchgemacht zu haben, um ein Zertifikat bewrben, wird grundsätzlich eine mindestens hadieihrige /iis.itzie. he landwirtschaftliche Haehscharah verlangt, damit sie bei Arbeitslosigkeit in ihrem Arbeitszwcige auf dem Lande beschäftigt werden können. U e b e r 35 j ä h r i g e A n w ä r t e r können nach wie vor ein Zertifikat nur ausnahmsweise erhalten, und nur, wenn besondergünstige allgemiinc berufliche und menschliche Qualifikationen vorliegendies ist um so bedauerlicher, weil in diesen- (iruppc oft gerade die treuesten Kämpfer für den Zionismus zu finden sind. Einen Ueberblick über „Die zukünftigen Arbeitsaufgaben des Palästina-Amtes" pah das Referat von Walter Tempel. In organisatorischer Hinsicht wird eine der wichtigsten Forderungen des kommenden Arbcitsjahrcs sein, daß der Apparat des Palästina-Amtes sowohl in Berlin als auch im Reiche die erforderliche Elastizität aufweist und sich möglichst schnell auf die neuen Bedingungen umstellt. Eine verstärkte Aufklärungsarbeit in weitesten Kreisen des jüdischen Publikums über die Realitäten Palastinas kann zweckmäßig in sachlicher Weise durch das Palastina-Amt erfolgen. In diesem Zusammenhange ist die Betreuung der Palästina-Touristik hervorzuheben. 40 •<> der gesamten jüdischen Touristik in Palästina kamen im letzten Jahre aus Deutschland. Auch absolut genommen ist die Zahl überraschend hoch. Das kürzlich getroffene Abkommen mit dem Zionistischen Informationsbüro und dem Palestinc & Egypt Llovd hat die Voraussetzungen zur Organisierung und Kontrolle der Uesichtigiingsrcisen im Lande geschaffen. Die Verteilung der Reisekreditbriefe wird sich daher in Zukunft zugunsten derjenigen verschieben, die an den organisierten Rundreisen teilnehmen wollen. Wichtig ist auch die Erfassung der von ihren Reisen nach Deutschland zurückgekehrten Touristen. Gerade diese Menschen sind in vielen Fallen wegen ihrer Utivoreingenommenheit und Unbefangenheit besonders' geeignet, plastisch und wirklichkeitsnah ihre Eindrücke einem weiteren Kreis von Interessenten zu übermitteln. Die Zweig- und Vertrauensstellerl des Palästina-Amtes müssen es sich zur Aufgabe machen, solche Touristen für Vorträge in kleinen Kreisen zu gewinnen. Eine der zentralen Aufgaben wird die Betreuung der m i 11 c I s t ä u d i s c h c n Siedler sein. Eine hohe Zahl von Einwanderern mit Kapital, die den ehrlichen Willen haben, aufs Land zu gehen, kommen leider in vielen Fällen erst zu einem Zeitpunkt zur Ansiedlung, wo ihr Kapital bereits zum Teil zum Lebensunterhalt verbraucht worden ist und daher zur Errichtung einer rentablen wirtschaftlichen Basis nicht mehr ausreicht. Der Ansatzpunkt zur Erfassung, Organisierung und — gesellschaftlichen und sprachlichen — Vorbereitung dieser Siedllingskandidaten muß bereits v o r der Auswanderung hegen. Feine wenn auch nur kurze Probezeit in einem landwirtschaftlichen Umschichtungsbetriebe wird die grundsätzliche Eignung zum landwirtschaftlichen Beruf erweisen. Auch die Zusammenfassung der für die Privatansiedlung nicht ausreichenden Geldmittel einer solchen Gruppe würde die wirtschaftliche Potenz erheblich steigern. Die palästinensischen Instanzen, insbesondere die Abteilung der Jewish Agency zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland und die nationalen Fonds haben diese Pläne begrüßt und für durchführbar gehalten; man denkt zur Erleichterung der Kapital- und Transfer- Schwierigkeiten dieser Siedler an den Posten für mittelständische Ansiedlung im Etat des Council for German Jewry. An die Referate schloß sich eine konzentrierte Diskussion an. Als Ergebnis dieses Teiles der Tagung wurde eine Resolution gefaßt, die die Jewish Agency um Unterbreitung einer Reihe von Forderungen hinsichtlich der Gesatntzahl der auf Deutschland entfallenden Einwandcrungs-Zertifikate an die Palästina-Regierung ersucht und ferner von der Exekutive der Jewish Agency selbst, veranlaßt durch die bei der letzten Zertifikatszuteilung geübten Methoden, verlangt, daß die dem Palästina-Amt zustellenden Vcrteiumgs- und Entscheidungsrechte ihm auch weiterhin überlassen bleiben. Assessor i. R. G. W a 11 b a c h sprach dann über „Die Funktionen des Palästina-Amtes im Rahmen des Transfer-Verfahrens" Es handelte sich hier im wesentlichen darum, daß dem Palästina-Amt zur Erfassung des besten Menschenmaterials gewisse Attslesebefugiiissc übertragen sind. Diese beginnen bereits bei der der Vorbereitung der Auswanderung dienenden Touristik, für die das Palästina-Amt die Zuteilung der Kreditbriefe vornimmt. Sie umfassen ferner die Ausstellung von sogenannten A u f b a u b e s c h e i n i g u n g e n für Vorzeigegeldanwärter, die das 55. Lebensjahr überschritten haben und daher nach devisenrechtlichen Bestimmungen ohne eine besondere Befürwortung des Palästina-Amtes von der Zuteilung des baren VorzcigcgeUles ausgeschlossen sind. Ebenso ist dem Palästina-Amt im Rahmen der Ausstellung der sogenannten W e i t c r w a n d e r e r - B e s c h e i n i g tt n g e n die Prüfung der Ernsthaftigkeit der Palästinapläne von Menschen übertragen worden, die nicht direkt von Deutschland nach Palästina auswandern, sondern vorläufig in ein anderes Land gegangen sind. Eine der wichtigsten Funktionen dieser Art stellt die dem Palästina-Amt übertragene Befugnis dar, im Rahmen eines sehr beschränkten Kontingents die Zuteilung des Vorzeigegeldes außerhalb der Nummern-Reihenfolge durch eine sogenannte D r i n g 1 i c h k e i t s b e s c h e i n i g u n g zu ermöglichen. Hier wiederholt sich das Bild der allgemeinen Transferlagc: das Bedürfnis nach rascher Auswanderung übersteigt die im Dringlichkeitskontingent hierfür gegebene Möglichkeit in demselben Maße, wie das Transferabkommen nicht in der Lage ist, das Auswaiulerungsbedürfnis vollauf zu befriedigen. Praktisch ist das Palästina-Amt nur in ganz, wenigen Fällen in der Lage, Dringlichkeitsbescheinigungen zu erteilen. Es liegt daher auf der Hand, daß strenge Ausleseprinz ipien angewandt werden müssen, bei denen soziale Gesichtspunkte in den Hintergrund treten und es im wesentlichen auf die persönliche und berufliche Qualifikation der Antragsteller und ihre Geeignetheit für den Aufbau Palästinas abgestellt werden muß. In der Nachmittags-Sitzung behandelte Dr. Ernst Marcus, einer der beiden Geschäftsführer der Palästina-Treuhand- Stcile, in einem ausführlich angelegten Referat die „Aktuellen Fragen des Palästina-Transfers" Er gab einen Ueberblick über die Ergebnisse der bisherigen Transferarbeit, die die Ucherführung erheblicher Kapitalsummen nach Palästina und damit die Auswanderung zahlreicher mittelständischer Existenzen ermöglicht hat. Durch den Runderlaß -15'3f> ist die verstärkte Förderung der Auswanderung noch mehr in den Mittelpunkt der Transferarbeit gestellt worden. Für das Verständnis der dem Transfer gestellfcn Aufgaben und ihrer Lösungsmöglichkeiten ist daher die Kenntnis der Neuregelung unerläßlich, die der Referent in ihren Grundzügen und vielen Einzelheiten ausführlich darstellte. In diesem Zusammenhange gab er eine überzeugende Begründung für die Notwendigkeit des sogen. Tcilabrufs, durch den sämtliche Vormerker sowohl der Rcichsbank als auch des SK. I zur Einzahlung von 10 "/o der vorgemerkten Beträge aufgefordert worden sind. Diese Maßnahme bezweckt die Aufbringung des für den Transfer erforderlichen Betriebskapitals, das früher vor der Einführung des Vormerkungssystems durch Volleinzahlung der genehmigten Beträge unbeschränkt zur Verfügung stand. Hierfür hätte es sonst nur den Weg gegeben, eine große Zahl von Vorzeigegeldanwärfern zur Volleinzahlung zu veranlassen. Dies hätte den Kreis der betroffenen Personen zur vollständigen Liquidation gezwungen, ohne ihnen die sofortige Auswanderung zu ermöglichen. Bei verantwortlicher Betrachtung hat man sich daher entschließen müssen, die Last der Finanzierung des Transfers auf die Gesamtheit d e r Interessenten zu verteilen. Aus der Füile des von Dt. Marcus gebrachten Materials kann hier nur einiges angedeutet werden. Er begründete u, a. die Zwangsläufigkeit der Erhöhung de r T ransfer« kosten und erwähnte das Problem, der sogenannten Vorzeigegeld - E r g ä ii z u n g s I i s t e, mittels derer die früher für das SK. I vorgemerkten Personen, soweit sie vorzcigegeldbereehtigt sind, auf die bei der Reichsbank geführte Liste tiberführt werden können. In dieser Hinsicht ist hervorhebenswert, daß der Begriff der Vorz. cigegeldbercchtigung eine Ausweitung unter sozialem Gesichtspunkt erfahren hat und nicht nur Kapifalistenauswanderer, sondern auch Inhaber von Arbeiter- und Anforderungs-Zertifikaten in beschränktem Umfange Bardeviseri erhalten können. Der Referent schilderte ferner die für den Transfer über Sonderkonto I entwickelten Formen d es Eigen- und Sondertransfer s, die er unter devisenrechtlichen, volkswirtschaftlichen und transfertechnischen Gesichtspunkten behandelte. An Hand zahlreicher Beispiele wies er die besonders enge Verbindung auf, die der, Transfer über Sonderkonto zwischen der Auswanderung und der Palästinawirtschaft herstellt. Diese wird durch die über SK. 1 ermöglichten Investitionen unmittelbar befruchte t und dadurch wiederum für die Aufnahme neuer Einwanderer reif gemacht. Dr. Marcus skizzierte ferner die umfangreiche Arbeit der Paltrcu in kommerzieller und transfertechriischer Hinsicht, die insbesondere durch die im Zuge der Neuregelung der Paltreu übertragenen devisenrechtlichen Funktionen eine starke Erweiterung erfahren und damit auch zu einer Vergrößerung des organisatorischen Apparates geführt hat. Abschließend stellte der Referent fest, daß trotz der vielen Schwierigkeiten, die bei dem komplizierten Mechanismus des Palästina-Transfers zu überwinden waren, es gelungen ist, für ca. ()()()() Mensehen Kapital nach Palastina zu überführen und so eine Basis für ihre Einwanderung und ihre wirtschaftliche Einordnung zu schaffen, Ueber den Kreis der unmittelbar befreuten Personen hinaus hat der Transfer aber auch die Auf n a Ii m e f ä Ii i g k e i t Palästinas für die Schicht der mittellosen Einwanderer gesteigert und stellt daher eines der wichtigsten Instrumente der Palästinawanderung dar. In seinem Referat über „Die Arbeit der Haavarah im Transferjahre 1936" gab Dr. Werner F c i I c h e n f e 1 d, der General-Manager der Haavara, zunächst an Hand genauen und mit statistischen Diagrammen veranschaulichten Zahlenmaterials einen Ueberblick über die Transferergebnisse des Jahres 1936. in diesem Zeitabschnitt sind 20 Millionen Reichsmark transferiert worden. Hiervon entfallen rund 10 Millionen auf den B a r t r a n s f e r, während weitere rund 10 Millionen im Wege des Eigen- und S o n d e r t r a n s f e r s nach Palästina überführt wurden. Obwohl die Hauptarbeit der Transferorganisationen der unmittelbaren Förderung der Auswanderung gewidmet ist, ergibt sich aus diesen Zahlen,, in welchem Maße es der Haavara gelungen ist, den Vormerkern des SK. I über das Vorzeigegeld hinaus zusätzliche Transfermöglichkeiten zu eröffnen. Die Haavara hat hierzu besondere Transferformen entwickelt, unter denen der sogen. B a u t r a n s - f e r eine besondere Rolle spielt. Es handelt sich hierbei um den Export und die Verwendung deutscher Baumaterialien für Neubauten in Palästina, deren Gegenwert den Transferenten in f orm zweiter Hypotheken zur Verfügung gestellt wird. Durch den Bautransfer wurden dem palästinensischen Baumarkte neue Aufträge für l','t Millionen Pfund zugeführt und damit durch die Iiaavara eine Arbeitsbeschaffung größten Ausmaßes ausgelöst. Wenn gegenüber diesen Erfolgen im Kreise der Transferenten Unzufriedenheit herrscht* so ist dies zwar vom Einzelnen aus gesehen psychologisch erklärlich, beruht jedoch auf einer Verkeunung der gegebenen Realitäten. Umfang und Tempo des Transfers hängen notwendigerweise von der A u f - n a h in e f ä h i g k e i t Palästinas für deutsche Waren ab. Diese kann nicht beliebig gesteigert werden und muß notwendigerweise im Mißverhältnis zu der Aufgabe stehen, der Gemeinschaft von 4—500 000 Juden in Deutschland eine ausreichend breite Basis zur Auswanderung und Nettcrrichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz zu schaffen. Wenn man sich dies vor Augen hält, so ist die Leistung der Transfer- Organisationen beträchtlich. Die Havara hat sich nicht damit begnügt, die vorhandenen Bedürfnisse des palästinensischen Marktes zu befriedigen, sondern außerordentliche Möglichkeiten gesucht und gefunden, die Aufnahmefähigkeit Palästinas für deutsche Waren zu steigern und zu vertiefen. In dieser Richtung ist neben dem oben zitierten Beispiel des Kautransfers das Institut des Sondertransfers hervorzuheben, das auf der Basis langfristigen Kredits überhaupt erst die Möglichkeit zusätzlicher Investitionen und damit die Grundlage für neue Industrien und die Ausweitung der landwirtschaftlichen Kolonisation geschaffen hat. Auf der arideren Seite betonte Dr. Feilclienfekl die zwangsläufige Steigerung der Transferkosten und die Begrenzung des Gesamtvolumens des Transfers durch die notwendige Berücksichtigung der Einfiihrintcressen des Mandatslandes England. Er wies ferner auf die besondere Bedeutung des Haavara« Transfers unter dem Gesichtspunkt der passiven Handelsbilanz Palästinas hin, da der über die Haavara abgewickelte Teil des palästinensischen Imports nicht die Ausführ entsprechender Geldmittel ins Ausland bedeutet. Es handelt sich hier vielmehr um Ankäufe und Investitionen, deren Gegenwert in Palästina bleibt und daher das Defizit der Handelsbilanz Palästinas vermindert. Zum Schluß äußerte sich Dr. Feilchenfeld über die Aussichten des Transfers im laufenden Jahr, dem er auf Grund einer sorgfältigen Analyse der Verhältnisse der Warenmärkte die Prognose stellte, daß er voraussichtlich wieder die Gesamttransfer- Leistung des Vorjahres erreichen würde. (Ausführliche Auszüge aus den Referaten über Transfer- und Devisen)'ragen wird die nächste Nummer des „Juristischen Informationsdienstes." des Palästina-Amtes bringen.) Vertragsspediteure des Palästina-Amts Zum Schutze der Interessen der Palästinawanderer bei Umzügstransporten hat das Palästina-Amt im Frühjahr 1931 ein Abkommen mit einigen Berliner Speditionsfirmen getroffen. Auf Grund der gesammelten Erfahrungen ist dieses Abkommen nunmehr auch auf einige wichtige Städte des Ueieh.es ausgedehnt worden. Das Abkommen bezweckt Erreichung angemessener Bedingungen und zuverlässige Durchführung der Speditionsaufträge. Die Vertragsspediteure haben sich dem Palästina-Amt gegenüber verpflichtet, bestimmte Richtlinien bezgl. der Preisberechnung und der Qualität der Verpackung usw. zu befolgen, lieber Einzelheiten informiert das Palästina-Amt, Abtlg. Organisation, sowie seine zuständigen Zweigstellen. Die Vertragsfirmen sind zur Zeit: Berlin: Silberstein ft Co., Möbeltransport, SO 36, Rcichenberger Str. 151; A. Schäfer, Möbeltransport, Wilmersdorf, Wilhelmsatie 36; Wilhelm Grassow, Reinickendorf-Ost, Markstraße 10 '11; J. Schneider & Co., G.m.b.H., N W 40, Alt- Moabit 130. Breslau: Speditions- und Lagergesellsch. m. b. I L, Adolf Imbach Co., Striegauer Str. 2, Frankfurt a. M : Danzas tV Co., G.m.b.H., Intern. Transporte, Gufletitstr. 31. Hamburg: E. Gaertner R Co., G.m.b.H., Burchardstraße 21; Hanseatisches Transport-Kontor Steindorff & Co., Chilehaus, C 1, St. Köln a. Rh.: Josef Roggendorf, Auslands-Uebcrseespedition, Friesenplatz 23. Leipzig: Gerhard & Hey, A.-G., C 1, Ritterstr. 23/29. Mannheim: Transportgesellschaft Steinschneider üt Chatelain, C 7, 8. Im Alter von 73 Jahren starb auf einer Jagd in England Sir Percv Cox, einer der hervorragendsten englischen Near East-i'olitiker, der nach dem Kriege der erste britische High Commissioner im Irak war und König Eeisal bei der Errichtung seines Königreiches unterstützte, obwohl er persönlich ein Gegner der britischen Politik des Verzichtes auf das Irak-Mandat gewesen ist