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Jüdische Rundschau · 1937-02-26 · Heft 16 (26.2.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 16 (26.2.1937)
Date
1937-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16, 26. 11.1937 jüdische Rundschau Seife 5 Dr. Neumeyer Foto: i, Abraham Dr. Alfred Neumeyer 70 Jahre Auch der Zionismus in Deutschland hat allen Anlaß, Oberstlaudesgerielitsrat Dr. Alfred N e u m e y c r, München, der vergangene Woche seinen 70. Geburtstag beging — er hatte dringend ersucht, vorher nicht darauf hinzuweisen —• zu feiern. Ohne der zionistischen Bewegung anzugehören, zählt er seit langen Jahren zu den wärmsten und aufrichtigsten Freunden des Palastiua- Atifbaiis. Der K e r c n IIajessod zählt ihn zu seinen wichtigsten Förderern, und auch die Sache der J u g e u d - Alijah fand in ihm wertvolle Hilfe; erst vor kurzem bekannte er sich öffentlich zu der! uhrcrgestalt V'eizmanns, dein er vor knapp einem Jahrzehnt bei einem denkwürdigen Finpfang in den Ohcrubiu-Sälen den Dank und Grub der Juden Münchens entbot. Dr. Nctuucxcr ist stellv. Mitglied im Council tler Jewish Agencv. In allen Dingen jüdischer Gemeinschaftsarbeit hat Dr. Neumever seit je weitblickend und für alles gute Neue noch im Alter aufgeschlossen, seinen Mann gestellt; so konnte er auch seit Jahrzehnten wie kein zweiter den Organisationen jüdischer Genieinden neue Formen und Inhalte geben. Dank seiner Vorarbeit wurde 1020 als erster der nach dem Kriege errichteten jüdischen Uemcindeverbäude der Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden ins Leben gerufen; ihm und der Kultusgemeinde München steht Dr. Neumeycr nun lu Jahre als Vorsitzender vor: beiden Körperschaften gab er die Verfassung. Alfred Neumeyer hat weiterhin die Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Landesverbände, deren Geschäfte vom Bayernverband geführt werden, geschaffen und sich sehr früh für eine Reichsorganisafion eingesetzt. Die Reichsvertretung hat ihn deshalb mit Selbstverständlichkeit bald nach ihrer Gründung in verschiedene Gremien berufen und heute nimmt der Präsident des Bayerischen Landesverbandes im Rat der Reichsvertretung eine führende Stellung ein. Dr. Neumeyers charaktervolle Persönlichkeit, seine gereifte Milde, seine stets verständnisvolle und verständigungsbereite Haltung waren für die sachliche Gestaltung der jüdischen Arbeit in Siiddeutschland wegweisend. Unbeschadet seiner eigenen Ansichten hat er stets den gesamtjüdischen Weg zu gehen gewußt. Alfred Neumeycr — dessen Bruder der berühmte Völkerrechtslehrer Geheimrat Karl Neumeyer ist — war bei seinem 70. Geburtstag Gegenstand zahlreicher Ehrungen; u. a. hat die Gemeinde München ihn zum Ehrenmitglied ernannt und zusammen mit dein Landesverband die Möglichkeit einer an das Jubiläum geknüpften dauernden Fürsorge für Notleidende geschaffen. Hans Lamm, München Studenten-Unruhen in Ungarn Budapest, 24. Februar. (JTA.) Nachdem vor einigen Tagen die Studenten der Universität F ü n f k i r c h e n anläßlich einer Tanzveranstaltung der jüdischen Studentenschaft judenfeindliche Kundgebungen veranstaltet hatten, ist es nunmehr auch in B u d a p e s t zu Ausschreitungen gegen jüdische Hörer der dortigen Universität gekommen. Etwa 200 Studenten, die der akademischen Vereinigung Turul angehören, zogen nnch einer Besprechung, die der „Regelung der Judenfrage" galt, vor ein Lichtspieltheater, in dem ein ungarischer Tonfilm, bei dem auch jüdische Schauspieler beschäftigt sind, aufgeführt wird, und forderten die sofortige Absetzung des Films. Polizei zerstreute die Demonstranten, nachdem sie darauf aufmerksam gemacht worden waren, daß der Film von der Zensur genehmigt ist. Auch vor dem Physiologischen Institut der Universität kam es zu Ruhestörungen. An der philosophischen Fakultät und im Chemischen Institut wurden jüdische Hörer angegriffen. Das Dekanat ordnete daraufhin Legitimationszwang an. In der inneren Stadt wurden zwei jüdische Passanten von einer Studentengruppe umzingelt und schwer mißhandelt. Zur Frage der Staatsangehörigkeit In der „Deutschen Verwaltung" macht Ministerialrat Dr. Hu brich Vorschläge zur Neugestaltung des deutschen Staatsangchörigkcitsicchts, wobei er ausdrücklich betont, daß es sich dabei um eine Privat arbeit handle. Fr bezeichnet als dringlichste Frage, die für ein neues Staafsangehörigkeilsgesetz in Betracht kommt, die Regelung des Erwerbs der deutschen Staatsangehörigkeit durch Heirat. Es sei für einen völkischen Staat untragbar, unbeteiligt zusehen zu müssen, wie aus der Elte zwischen einem Deutschen und einer Ausländerin ihm zwangsläufig neue Staatsangehörige zuwachsen, die ihm aus rassischen Gründen durchaus unerwünscht sein könnten. Es gelte datier, die in der Blutschutzgesetzgebung niedergelegten Maßnahmen zur Reinhaltung des deutschen Blutes auch vom Gesichtspunkt des Erwerbes der Staatsangehörigkeit her zu vervollständigen und auszubauen. Wenn das kommende Recht aus diesen Gründen den Erwerb der Staatsangehörigkeit .ausschließe, könnten natürlich auch die Kinder aus solchen Ehen nicht automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben. Umgekehrt könne ein völkischer Staat es auch nicht vertreten, daß wertvolle Glieder ihm deshalb in großer Zahl verloren gingen, weil nach geltendem Recht die Heirat mit einem Ausländer für eine Frau in jedem Falle zum Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit führt. Selbstverständlich habe der Staat kein Interesse an jenen Frauen, die mit einem Ausländer eine Ehe eingehen, die sie nach deutschem Recht nicht oder nur mit Genehmigung schließen könnten. In den übrigen Fällen aber wäre zu erwägen, ob nicht der Frau die Möglichkeit der Beibehaltung der deutschen Staatsaugehörigkeit auf Antrag zu geben sei. Der Erwerb der Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung sei unangefochten, nachdem der Einbürgerungs- B EIYlBERG-KEulDEN..... EMBERO-BIUSEN..... KAUFHAUS AM SAVIG NYPLATZ, .....rm 5.90 . . . . RM 3.9S GROt.MANSTR. 27 anspruch aufgehoben sei. Es werde sich jedoch empfehlen, künftig nicht mehr von Einbürgerung, sondern von der Aufnahme in den S c h u t z v e r b a n d des 1) e u t - sehen Reiches zu sprechen, um Verwechslungen mit dem Begriff lies Reichsbürgers vorzubeugen. Was den Verlust der Staatsangehörigkeit durch Entlassung angehe, so werde mindestens zu fordern sein, daß der bisherige Anspruch auf Entlassung zugunsten der freien Entscheidung des Staates verschwinde. Die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit müsse auch in Zukunft aufrecht erhalten bleiben. Der Begriff der Verletzung der Treuepflicht gegenüber dem Deutschen Reich werde dabei allgemeiner zu halten sein, denn auch wenn ein deutscher Staatsangehöriger im Ausland seine Wehrpflicht verletzt oder ohne Erlaubnis in den Dienst eines fremden Staates tritt, verletze er damit zugleich immer seine Treuepflicht gegenüber dein Reich. Vergehen gegen die Nürnberger Gesetze Die Zeitungschronik berichtet fortgesetzt über bestrafte Vergehen gegen die Nürnberger Gesetze. In Wuppertal wurde ein -lljähriger Jude wegen Nötigung und Rassenschande mit drei arischen Frauen zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. — Die Breslau er sechste Strafkammer verurteilte einen 40jährigen jüdischen Augeklagten wegen Rassenschande zu 2 Jahren Zuchthaus, einen 36jährigen Juden zu einem Jahr und 6 Monaten Zuchthaus und einen 4>jäbrigen Juden zu einem Jahr Zuchthaus. In einem anderen Fall erfolgte eine Freisprechung mangels Beweisen. — Ein 67jähriger arischer Angeklagter war in Duisburg im November v. J. wegen Rassenschande mit einer jüdischen Witwe zu 2''» Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Reichsgericht hob wegen unvollständigen Beweises das angefochtene Urfeil auf und ordnete nochmalige Verhandlung an, zu der das Landgericht Düsseldorf bestimmt wurde. Laut „Kölnischer Zeitung'1 wurde ein 37jähriger Arier wegen Rassenschande und Zuhälterei zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Arier, der mit einer jüdischen Dirne gegen Entgelt bis Mai 1036 verkehrte, erhielt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Er hatte sich mit seiner Unkenntnis darüber entschuldigt, daß auch die käufliche Liebe mit Jüdinnen strafbar sei. Ueber einen bemerkenswerten Fall wird (gemäß einem Bericht des „Angriff") das Berliner Landgericht zu ent- Ue*MnaHH Höffmawt- Harren- und Damen-Ausstattungen Berlin SW, Friedrichstraße 50-51 scheiden haben; Ein Zelleuleiter der NSDAP, hatte auf Grund von Angaben verschiedener zuverlässiger Gewährsmänner bei der Gauinspektiou gegen eitlen Jutleu, der übrigens inzwischen verstorben ist, Anzeige wegen Rassenschande erstattet. Da sich der Vorwurf nicht nachweisen ließ, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Nunmehr zeigte die arische Iran, die als Opfer des verdächtigten Juden bezeichnet worden war, den Zclleuleiicr wegen falscher A n s e Ii u I d i g u n g an, und das Schöffengericht Berlin verurteilte ihn wegen leichtfertiger Anschuldigung zu 3 Monaten Gefängnis. Der Verurteilte legte Berufung ein. In der Bcrufungsverhandluiig machte der Verteidiger geltend, daß es sich bei der eitlen Entscheidung um ein i ehlurleii handle, da ja bei Rassenschande eines Juden die arische Frau nicht strafbar sei und infolgedessen gegen sie eine falsche Anschuldigung nicht erhoben werden könne. Di« Anklage wurde dann auch, was die Anschuldigung betrifft, fallengelassen, doch wegen „übler Nachrede" aufrechterhalten. Wegen dieses Deliktes beantragte der Staatsanwalt eine Erhöhung des erstinstanzlichen Strafmaßes auf 8 Monate Gefängnis. Die Verteidigung des Angeklagten konnte in letzter Minuten einen (icnehbsbescfduli erwirken, daß wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage im nächsten Termin ein < iauinspekfor darüber zu hören sei, ob ein Zelleulciter nach Ansicht der Nationalsozialistischem Deutscheu Arbeiterpartei berechtigt und verpflichtet ist, ein Gerücht ober Rassenschande der Gauinspektiou weiterzugehen. IN ALLEE KÜRZE Anläßlich des Heid: my üe;iki:ig< s am 21. Februar veranstalteten die Landesverbände und < 'rt.-;;! Uppen des ReichsbutnUs i ü d i s c her Fi o u t s o I d;> t e n in Berlin und in den größeren Städten d. •; Ki ichrs in dui Synagogen und an den"j!cldciigraber!i 1 -eiern, die ih m Andenken an die 12 000 Juden i'euidmi.; w aren, die in dm Reiben des deutschen Heeres im Weltkrieg gefallen sind. Die Feiern nahmen überall unter stärkster Ih ieihguii:; »inen tnndrik.ksvolien, würdigen VeilauL In der letzten Sitzung de» 15-.an! of Deputier of British Jews wurde bekanntgegeben, d.ili K ö n i g Georg VI. von England am 2x At.tr/ die Vcrti.l.-r der bnti>clicn Judenlicrt empfangen wird. Zum (Jener.dschat/meisler der Niederlande ist der frühere Direktor der Steuerverwaltung von Hollandisch-Indien, B. j. de L e e ii w, ernannt worden.' Der nene Ocneralschatzmeister ist, wie Sein Vorgänger, Dr. F. Ries, Jude. Der Präsident der Isi ienii-iiien KuUusgemeiude Prag, Adv. Dr. Maximilian Reiner, ist im 73. Lebensjahr gestorben. Dr. Reiner war einer der Organisatoren und Führer der tschechisch-jüiiiscln n Bewegung'. Nach etwa dOjähriger Tätigkeit für die Jüdische Gemeinde Fiumc i.-d der dortige Oberrabbiner Dr. Joscp-h Frank gestorben. Das Leicheiibeg.'inguis gestaltete sich ZU einer eindrucksvollen Trauerkumlgebung. Alexander H a f f t k a, ein höherer jüdischer Beamter im polnischen Innenministerium, ist entlassen wotden. Hafftka war seit mehreren Jahren im Innenministerium tätig. Aus Ulm wird gemeldet, daß bei den dortigen Zuchtviehmärkten am Einr/ang zur Halle Plakate angebracht worden sind, die Juden"dcn Zutritt verbieten. Die Ulmer Viell- und Rferdemärkte seien judenfrei. Der Gcmeinderai der Stadt B r a c k e u h e i in beschloß, jüdischen Händlern den Besuch und den Viehauftrieb auf städtischen \ 'iehmarkten zu untersagen. In S c 1) w ä b i s c h -11 a 11 verniete der Bürgermeister im Einvernehmen mit den Raishei reu, daß künftig jüdische Händler von Bierde- und Vh iuii-irktcn ausgeschlossen sind. Dm I ( d. ii. 1 I ii i .i i I i i 11 -> s v h w abe und hm \ u i, wui 'i i <u i I l i"i V ii'gariijcfabnl , v icoi - I I ', ' ii i i 1 ' -n i),;r trieb pul*'' damit m arisch'- neide mm. «aansBH£^'ätiia«t.»iA8]raadMi Abteil eine trübe Lampe brennt, und fahre hinaus in das Dunkle, in die Nacht. Nor mir sitzen ein arabischer Schot er mit einem jungen Araber im Gespräch, ich weiß nicht, was das ist, sprechen sie hebräisch oder öffnen mir diese Stunde und meine innere Not alle. Sprachen: Ich verstelle, was sie reden, ,sie .sehen mich freundlich an, der Scholer fragt mich, ob ich aus Deutschland bin, ich bejahe es, daraulliin stecken sie die Köpfe zusammen und tuscheln und sehen mich immer freundlich nn. Plötzlich höre ich deutlieh dar; Wort: Muledet, Vaterland, denn der junge Araber hat gefragt, warum sie von so weit herkommen, aus einer so guten Zivilisation, wo sie feste Steinhäuser haben und Luxus und nicht schwer zu arbeiten brauchen, und der arabische Scholer hat geantwortet: Sie kommen ins Vaterland zurück, es ist ihr Vaterland. Er sieht mich an und fragt mich: Vaterland, ja? Ich nicke mit dem Kopf. Und mm fahre ich hinaus in das Vaterland, in die finstere Nacht. Die .Schakale heulen. Oh, wie sitze ich nachher mit meinen Koffern einsam mitten im Feld und sehe den Mond aufgehen und balle meine Fäuste, weil ich denke, die Schakale werden mich angreifen. Man hat vergessen, mich abzuholen. Kein Mensch von Tel Ilainon war an der Bahn. Nun sitze ich und hoffe, daß noch der Wagen kommen wird. Es ist. warm. Ich sehe die Schatten großer Berge, zu deren Füßen man mich abgesetzt hat. Nach der anderen Seite scheint ein sanfter Hügel hinaufzugehen, auf dessen schwarzer flöhe Lichter brennen. Dort müssen Tel Tiamon sein, Midbaria, der Kibbuz. Immer mehr mache ich mich mit dem Gedanken vertraut, die Nacht hier auf dem Feld bleiben zu müssen. Da höre ich plötzlich einen entfernten Wagen poltern, er rollt den Hügel herunter, jemand knallt mit der Peitsche und ruft: „Djöa, djiia." Noch sehe ich nichts. Aber schon ist das Geräusch in nächster Nahe, Schatten tauchen auf, zwei Pferde, ein leerer Wagen, der Kutscher fährt eine Schleife, steigt ab und spricht mich an. Er stellt sich vor. Er nennt Vor- und Zunamen: Fritz König. Er entschuldigt sieh, daß er mich so lange hat sitzen lassen. Ob es schlimm war, fragt er. Leider hat man ihn von meinem Telephonnnruf zu spiit in Kenntnis gesetzt. Er sei vom Mesehek beauftragt mit der Aufgabe, die neuen deutschen Einwanderer einzuordnen, ihnen behilflich zu sein in allen Fragen. Verlaß dich auf mich, sagt er freundlich. Ich werde die Sache schon deichseln. Wir laden die Koffer auf und uns selbst. Dann knallt die Peitsche, der Wagen holpert nach oben. Bin ich nicht eingefahren zwischen Lichtern, wirbelnden Sternen, Baracken, Steinhäusern, Zelten, dem Wirrwarr einer in Dunkelheit liegenden Siedlung, Dächer, Schuppen, Ställe, wie eine Dampferladung Koffer, die man aufs Land gekippt hat und di& nun durcheinandergewürfelt liegen geblieben sind? Die erste 7elfnacht, zu dritt im Zelt, einer schnarcht, die Katzen heben die Leinwand und schlüpfen herein und heraus. Nachts bin ich angekommen in einer fremden Siedlung. Vor Angst schlafe ich gut und wage nicht, zu träumen, so ausgeräumt bin ich innerlich, so bereit, Neues einzuräumen. Morgens wird irgendwann geläutet, die anderen sprechen im Flüsterton, ziehen sich an. Ich schlafe weiter, gestern abend im Oiadar Ochel habe ich Bartel getroffen, der hat mir gleich den Rat gegeben, erst eine Woche nichts zu tun und sich zai akklimatisieren, er selbst arbeitet auch erst seit zwei 'Lagen. Daher schlafe ich weiter, aber um acht Uhr wird es ungemütlich heiß im Zelt, so wache ich auf und ziehe mich an und torkele hinaus in den Tag. Mein erster Tag in Tel Ilamon. Es ist heißer als in Tcl-Awiw, hier merkt man nichts von November, der Sommer ist noch in \ ollem Gange. Ich fange sogleich an, zu schwitzen, sehe mich schwitzend in der Siedlung um. Man hat mir schon in Tel-Awiw erzählt, daß Tel Ilamon eine der größten und reichsten Kwuzoth ist, jetzt sehe ich die Ordnung dieser hingewürfellen Koffer» ladung, das große östliche Barackenviertel, das große westliche Steinluuisviertel, dazwischen eingestreut zwei Zeltinseln auf grünem Fleck, nach Midbaria hinüber Hühnerställe, zur Eisenbahn hinunter Kuhsliille, das alles geplant wie ein Strahlenden! um die drei großen Zentren der Kinderhäuser lind des Chadnr Üehcls; offen gestanden: nliein wäre ich niemals fällig gewesen, diese Ordnung einzusehen, aber es ist einen Tag vor mir ein Mädchen gekommen namens Ilanni, ebenfalls wie ich avisiert durch einen Brief des Kibbuz Hameuehad, und wir beide laufen nun durch den Mesehek und ziehen unsere Schlüsse, besser gesagt, ich akzeptiere die Schlüsse, die Ilanni zieht. Natürlich klammern wir Neuen uns alle sehr an Fritz König. Es ist immer gut, wenn einer da ist, der die Aufgabe hat, sieh mit dir 7,u beschäftigen. Wir reiften ihn förmlich in Stücke, jeder will ein Stück von ihm. Er scheint; das zu lieben, daß man von allen Seiten an ihm zupft, man merkt es an seinem Gang, an seiner Art, breit und lächelnd durch die Gegend zu jagen, mit fliegenden Schößen gewissermaßen, oh, hatte ich tausend Köpfe und tausend IUinde und tausend Beine, um euch allen zu dienen. Zu mir sagt er gelegentlich: <er führe liier einen Kampf gegen die üebertreibung der s Iii du Disziplin , i ii i ei in der k ii i oh i Klienten, e Hille \ 11 in mich ,i \ i vorzu- I i Lii l hi In in nid du Ii i i i \\ i i\\ as gelte sind i 'i1 I keit noch i mit einer Disziplin c r w <>lk NU i Ii 1 .setzen, 0 is bcdiulc | i d d ' , t t ArbciW, it die l liluu n \ i 1 also d> r tu ucn 1 m\ u I i ' brauche D ts In i i h in l i n ■ t und \UMid i, n ii i' i I i ' stellen, ah h ■>< z i < i w i h weih uh iliH is Ii u sii i \ a n \ e das \ i i lu ndcii i in 'Ii r N1 ■ i ' 1 fähnlet st in muh zwo c i in ot < i vorhanden, vorluul iß biheint die .et w. die 1 iIiiidmIiI zu In u «ul > t i solchen Aul mibe betraut. Nach dorn E-scn ««schiebt nur etwas Neues. Ich bekomme Sehilschul, Ürechdun hl'a'd, weil ich Mm einer herrlichen Ohsisuppe, die auf den Tisi hen .stand und \«.n der man sieh so viel nehmen konnte, wie man v.lltc. zehn 'lassen in meine ausgetrocknete, wrbrannte Kehle, hinabgestürzt hubo. Und jetzt soll ich mit König in den Rohbau eines Steinhauses ein Eisenbeil schleppen, mein. Bell, und soll den Koller nachbringen und meinen Kniirr ausbauen und mich einordnen für zehn Tii»c zwischen W .Inden, die noch nicht geputzt sind, und TüroT fnurigcn, die noch keine Tür ha hen und die ich nachts mit einer von innen gegengesl eilten Schilfmatte z.u schließen gedenke. Neben mir im «deichen Haus, unter ähnlichen Umstanden wie ich, wohnen Bartel und Ilanni. Eine schreckliche Kur mache ich durch: Ich breche und führe fast gleichzeitig einen hellen, wässerigen Stoff ab. Alle die Ekelgefühle, die ich in meinem Leben durchgemacht habe, einen sich, erheben sich und fahren mit mir dirvou, so daß ich grüne Galle zu spucken beginne. Nun ist Schluß mit deiner Aristokralenkrankheit, sagt der Sehilschul zu mir. Ich räume alle Gifte aus, so daß du sauber wirst und ein neues Leben beginnen kannst. Abends bringt mir König salzlosen Kartoffelbrei an den Tisch, ein Stück geröstetes Brot und Tee. Mehr dürfe ich nicht essen. Bartel, Ilanni, König und itli sitzen zusammen, König läßt sich meinen Namen buchstabieren, weil ich morgen im Jumnn, dem lokalen Nuehriehtcnblatt des Meseheks, der Oeffentlichkeit vorgestellt werden soll: ein neuer Chaluz ist gekommen, sein Name ist Dn.jun Sommer, er war Mitglied des deutschen Ilechaluz, ein Jahr auf I Inchscharah in einer Gürtnerei bei Leipzig. Zur Bekräftigung schwingt mir König den Juman vor der Nase, ich weift nicht, was er von mir will, bin ich ein Talinudgelehrter, daß ich diese Sache lesen kann? (Fortsetzung folgt}

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