Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 15 (23.2.1937)
- Date
- 1937-02-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15, 23. II 1937 JODISCHF RUNDSCHAU Seife 7 Wohin steuert das jüdische Schulwesen? Nichtarier und Kündigungsschutz Ein in der „Arbeitsrechts-Kartei" 586 vom 18. Dezember 1936 veröffentlichtes Urteil des Landcsarbcitsgcrichts Duisburg vom 16. Januar 1936 hat ausgesprochen, daß die §§ 36ff. AOO. über den K ü n d i g u n g s s c h u t z a ti c h auf nichtarische Beschäftigte uneingeschränkte Anwendung finden und nur im Rahmen dieser Bestimmungen das allgemeine Bestreben, N i c Ii t a r i e r in ihrem Einflufiausder Wirtschaft auszuschalten, berücksichtigt werden kann. Der nichtarische Klager war als Einkäufer und Abteilungsleiter für Herrenartikel in der Filiale der beklagten Aktiengesellschaft tätig. Die Beklagte kündigte ihm am 30. 9. 35 zum 31. 12. 35, weil er Nichtarier ist. Die Kündigungswiderrufsklage hatte Erfolg. Die Berufung der Beklagten wurde vom Landesarbeitsgericht Duisburg zurückgewiesen, in den Gründen heißt es u. a.: „Die Beklagte hat selbst nicht behauptet, daß der Kläger bei ihr überhaupt nicht beschäftigt worden könnte, sondern hat den Kläger nur deshalb entlassen, damit nicht das kaufende Publikum durch den Anblick eines nicht arischen Verkäufers in ihren Räumen von dem Hetrclcn des Warenhauses abgehalten und dadurch ihr Umsatz gemindert werden würde. Die IMclagtc hätte ihn aber an anderer Stelle beschäftigen können, wo ihn das kaufende Publikum nicht erblickt hätte. Die Kündigung des Klägers war deshalb nicht betriebsbedingt. Der weitere Kimvand der Hcklagten, die Kündigung des Klägers sei deshalb nicht unbillig hart, weil er sich die Kündigung aus ihrem berechtigten Bestreben gefallen lassen müsse, eine rein arische Belegschaft zu bekommen, ist ebensowenig stichhaltig. Dabei ist zu beachten, «lall die Beklagte, wie der Vorderrichter mit Recht hervoihcbt, f.iiber selbst ein jüdisches Unternehmen war und den Kläger seinerzeit geiale um seiner Rasseeigcnschaft willen in der bevorzugten Stellung eines Einkäufers und Abteilungsleiters eingestellt hatte. Die Beklagte will zwar inzwischen ein. arisches Unternehmen geworden sein und weist darauf hin, daß der Rcichs- und Preußische WirtschaftsminMer ihr Unternehmen als rein arisches Unternehmen anerkannt habe, bei dem ein nichtarischer Einfluß ausgeschlossen sei. Bei dieser offenbar vorsichtig gefaßten Auskunft ist der Schwerpunkt auf den letzten Satz zu legen, und es hat in der Hauptsache gesagt; werden sollen, daß bei der derzeitigen Beheizung des Aufsi<!itsrals und des Vorstandes nichiarischer Einfluß nicht bestehe. Darüber aber, welcher Art letzten Endes der tatsächliche K a p i t a 11 r ä g e r einer solchen anonymen < lesellschaft ist, kann die Besetzung des Aiifsichtsrals und des Vorstandes keine entscheidende Auskunft gehen. Die tatsächlichen Träger des Kapitals können sich zur Zeit im Hintergrund halten und eine Zeitlang andere in Erscheinung treten lassen. Vorliegend hat sich aber bei der beklagten der bishciige jüdische Charakter des Kapitals tatsächlich noch nicht geändert. Wenn das der Fall gewesen wäre, würde das im Interesse des Unternehmen* öffentlich klargestellt worden sein. Die Tatsache aber, daß der bisherige jüdische Ilauptaktionär nur aus dem Vorstand zunächst ausschied und in den Atif«iclitsrat gewählt wurde, und daß weiter auch zwei N'ichlariir im Vorstand blieben, sowie daß erst anläßlich der Gencralvci Sammlung vom 25. September 1834 ihr Ausseheiden erfolgte, sprechen gegen die Ausschaltung des jüdischen Kapitaleinflusses. Hinzu kommt, daß bei dieser Generalversammlung wie auch bei der folgenden am 16. Juni 1935 die Ilauptaklien durch Banken vertreten waren. Ein tat sächlicher Wechsel im Besitz der Hauptaktien der Beklagten ist hiernach nicht dargetan, und es besteht kein Zweifel, daß bei einem Wechsel der politischen Anschauungen in Deutschland jederzeit der frühere Charakter des Kapitals der Beklagten wieder in Erscheinung treten würde. Wenn die Beklagte unter diesen Umständen den Kläger trotzdem wegen seiner Rassezugehörigkeit entläßt, so ist dieses für ihn unbillig h a r t." Der nächste Zionlsten-Kongreß* Von unserem Korrespondenten h. I. Prag, 19. Februar Das Mitglied der zionistischen Exekutive, Jizchak O r ü n - iaum, weilte in dieser Woche vorübergehend in Prag und sprach im Rahmen der Palästina-Kommission des zionistischen Distriktskomitees ijber Fragen des kommenden Zionistenkongresses. Grünbaum dementierte die von der JTA. verbreitete Nachricht, der Kongreß würde am 24. September in Zürich eröffnet werden. Demgegenüber erklärte Grünbaum, daß der Kongreß in der ersten Augustwochc in einer Schweizer Stadt, über die bisher noch keine Entscheidung getroffen wurde, abgehalten werden wird. Die Exekutive erwartet in diesem Jahre eine Schekel-Rekordz a h!. Dieses Wachstum der zionistischen Bewegung Wird eine wirksame Demonstration und Hilfe in der bevorstehenden großen politischen Auseinandersetzung um Palästina sein. Die Exekutive denkt daran, die Zahl der K o n gr e ß d e I e g i e rten zu reduzieren, d. h. die für ein Delegiertenmandat erforderliche Schckel/ahl wesentlich heraufzusetzen. Durch einen an Zahl der Delegierten kleineren Kongreß wird die Arbeitsintensität des Kongresses gewiß gewinnen. Der Abschluß der Aktion Mifal Bizzaron zeigt, daß in der Tschechoslowakei für dieses Palästhia-Notorucr ein Rekord erreicht wurde. Es wurden insgesamt 1235 000 Kronen aufgebracht und damit das Kontingent, das der Tschechoslowakei seitens der Jewish Agency auferlegt worden war, bei weitem überschritten. Zur Zeit wird hier eine Werbeaktion zur Gewinnung neuer Mitglieder der „Gesellschaft tler Freunde der Hebräischen Universität" unter Leitung des Dozenten Dr. Grau Von der Jertisalemer Universität durchgeführt. In der kommenden Woche wird der Rektor der Hebräischen Universität, Dr. Hugo Bergmann, auf der Reise nach Amerika in Prag eintreffen und für einige Tage an dieser Aktton teilnehmen. Dr. Bergmann wird auch im P r a g e r Rundfunk in tschechischer Sprache über die Jertisalemer Universität sprechen. Aus dem Budapester Gemeindeleben. Unser Budapester Berichterstatter schreibt: In Buda (Ofen) fanden in der vergangenen Woche die vor drei Monaten auf Inspiration der Landeskanzlei vom Minister verschobenen Wahlen in den Gemeindeausschnß statt. Der Wahlkampf hielt seit Monaten die ganze jüdische Öffentlichkeit in Atem. Die Anhänger der bisherigen Leitung, die Autonomiepartei, kämpfte um die weitere Unabhängigkeit der uralten Gemeinde, die sie durch die „Unionisten", die behufs Sanierung der Finanzen eine Zusammenarbeit mit der Pestcr Israelitischen Gemeinde anstrebten, gefährdet sahen. Bei den geheim durchgeführten Wahlen, bei denen auch die Frauen das Stimmrecht besaßen, erhielten die Autonomistcn die Mehrheit: insgesamt 93 ordentliche Sitze, zu denen noch 22 auf Lebensdauer gewählte Ehrenmitglieder hinzukommen, während die Kooperatiorisitrömung eine ziemlich starke Minorität von 58 Mitgliedern »ufzuweisen hat. Im neuen Vorstand und Ausschuß werden äie beiden Parteien also miteinander kooperieren müssen. In die Reihe der Repräsentanten wurde u. a. auch der bekannte Olympiasieger, Gymnasialdirektor Franz M e z 6, gewählt. Dr. A. F. Als nach den Erschütterungen des Jahres 1933 der Neuaufbau des jüdischen Schulwesens begann, war es allen, denen es ernst um die Sache war, klar, daß die jüdische Schule nicht nur Sammelbecken und Zufluchtsstätte für die aus den allgemeinen Schulen eliminierten jüdischen Schüler sein durfte, sondern daß sie vor allem einen neue n, dem veränderten jüdischen Schicksal enisprechenden Inhalt gewinnen müßte. Da waren es vor allem zwei Forderungen, die in den Mittelpunkt traten, um der jüdischen Schule Ziel und Richtung zu geben: Erstens Intensivierung des Unterrichts in den jüdischen Fächern und zweitens Erziehung der Juden zur beruflichen Umschichtung. Während die erste Forderung nicht von allen Seiten mit derselben Intensität erhoben wurde, war man sich über die zweite weitgehend einig. Immer deutlicher zeigte sich, daß das Schicksal der jüdischen Jugend in Deutschland die Auswanderung ist, und allen wurde klar, daß mit dieser Auswanderung die Notwendigkeit einer Veränderung der beruflichen Struktur verbunden ist. Landwirtschaft und Handwerk sollten der Jugend eine neue Grundlage schaffen, um in Palästina oder den überseeischen Ländern eine neue Zukunft zu ermöglichen. Aus tliesen Gründen war es nur natürlich, daß der vorherrschende Typus der jüdischen Schule die Volksschule wurde, und daß nach der Beendigung eines achten oder neunten Schuljahres mit einer Berufsausbildung in der oben gezeigten Richtung begonnen werden sollte. — Wenn diese Entwicklung auch manche Opfer forderte, wenn sie auch damit verbunden war, daß auf manche der alten Generation selbstverständliche Bildungswerte verzichtet werden mußte, so war sie doch natürlich und entsprach den veränderten Lebensbedingungen. Das empfanden nicht nur einige wenige richtungweisende Menschen, sondern ein großer Teil der jüdischen Öffentlichkeit war bereit, diese Entwicklung zu bejahen und ihr zu folgen. Seit jenen Tagen des Neubeginns sind mehr als drei Jahre verstrichen. Die objektiven Verhältnisse haben sich nicht gewandelt, es sei denn, daß die Richtigkeit der anfänglichen Erkenntnisse durch die Wirklichkeit immer mehr bestätigt wurde. Die Entwicklung der jüdischen Schule dagegen verläuft besonders in Berlin seit einiger Zeit in einer Richtung, die diesen Erkenntnissen entschieden widerspricht. Die Volksschule wird in immer stärkerem Maße durch höhere Schulen zurückgedrängt; an Stelle des Bemühens um eine Vertiefung der jüdischen Bildung und einer Erziehung zu beruflicher Umschichtung tritt ein längst überwunden geglaubtes Streben nach Examina u n d Berechtigungen, wie Abiturium, nrttlere Reife usw. Ein Blick in die jüdischen Zeitungen belehrt darüber, daß es in Berlin fast zehn höhere jüdische Schulen gibt, denen knapp ebenso viele Volksschulen gegenüberstehen. Sieht man sich jedoch die Dinge genauer an, so stellt man fest, daß die Volksschulen, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, Schulen der Gemeinde sind und in ihrer großen Mehrzahl im Berliner Norden liegen, während im Westen der Typus der höheren jüdischen Privatschule überwiegt. Es ist nicht übertrieben, wenn wir feststellen, daß die Volksschule bei uns bereits wieder die Schule der sozial tiefer stehenden Schichten geworden ist, während das Rassische Unterschiede des naturwissenschaftlichen Denkens Ueber das Thema „Kepler-Newton-Einstein — eilt Vergleich" veröffentlicht in der Zeitschrift „Deutsche Mathematik" (1. Jahrg., Heft 6) B. Thüring eine umfangreiche Arbeit, in der er ausführt, daß die Auffassung von der Internationalität der Wissenschaft überwunden sei. „Vielmehr steckt in dieser Auffassung vom Wesen der Wissenschaft als etwas über Volk und Zeit Stehendem eine Geistes haltung, nämlich diejenige der Aufklärung, des Liberalismus, des Weltbürgertums. Sie ist auch das Tor, durch welches der Jude verwüstend ins deutsche Lehen einbrach und allem, auch der Naturwissenschaft, seinen rcla- Wir bitten unsere Bezieher im Wände, zur notwendigen Ersparung unnützer Kosten die Bezugsgebühr für März mit RM 2.~ ohne die bisher übliche Erinnerung auf eines unserer Postscheckkonten zu 0 b t rvt'c t s e n. <fflf Reich: Bln. 17392, für Berlin; Bln. 71573) * Postbezieher mflsgen die von ihrem Postboten vorgelegte Bezugscjulttung sofort einlösen, um Unterbrechung in der pünktlichen Belieferung bexw. die Verspätungs» Gebühr zu vermeiden. * Diese Erinnerung gilt nicht für die Quartalszahter und solche Leser, die die Genehmigung zur automatischen Abbuchung der Bezugs» gebGhr von ihrem Postsdicdtkonto erteilt haben. Jüdische Rundschau Vertriebs » Abteilung fivistischen Stempel aufzudrücken versuchte." Man habe fälschlich in den letzten Jahren geglaubt, daß verschiedene physikalische Phänomene nur mit Hilfe der Relativitätstheorie zu erklären seien. Ket)ler und Newton seien allem Materialismus fern gewesen. „Die Formulierung der allgemeinen Relativität als Naturprinzip, wie dies in der Einsteinschcn Theorie geschieht, katin nichts anderes als der Ausdruck einer durch und durch materialistischen Geistes- und Seelenltaltutig sein. Dem Naturgcfühlc und der rassisch festgelegten Naturautfassting des nordischen .Menschen, der die Natur nicht nur mit den Mitteln des logischen Verstandes, sondern mit Herz und Seele und mit den Mitteln der Vorstellung zu erfassen bestrebt ist, steht hier eine Naturauffassung gegenüber, die allein den Intellekt als erkennendes Prinzip der Naturforschung gewertet wissen will, die bewußt auf die Möglichkeit anschaulicher, unserem Geist angemessener Vorstellungen Verzicht leistet zugunsten einer rein symbolischen, mathemalischen, formalistischen und unanschaulichen Natttrdarstellung." Zur Frage der Beweisbarkeit der Relativität äußert der Autor: „Diese oder jene Messung, dieses oder jenes Experiment, die exakte Ablesung irgendeines Zeigers macht nicht zahlungsfähige Publikum des Berliner Westens seine Kinder im wesentlichen in höhere Schulen schickt, ohne Rücksicht auf die notwendige geistige und materielle Umstellung, die das jüdische Schicksal in Deutschland dem Einzelnen und der Gesamtheit auferlegt. Das Bild einer neuen jüdischen Erziehung beginnt wieder zu zerfließen, an seine Stelle treten aufs neue die traditionellen Kräfte, die „höhere Bildung" lebt wieder auf. Die verantwortlichen jüdischen Institutionen haben sich dieser Entwicklung nicht genügend entgegengestellt; vor allem ist es ihnen nicht gelungen, die Anarchie im Berliner jüdischen Schulwesen zu überwinden. Besonders das jüdische P r i v a t s c h u I w e s e n hat Ausmaße angenommen, die mit einer sinnvollen und planmäßigen Entwicklung der jüdischen Erziehung iu Deutschland nicht mehr zu vereinen sind. Abgesehen davon, daß durch die Vielfalt der miteinander konkurrierenden Schulen heute noch vorhandene Mittel unrationell verwendet werden, ergibt sich leicht die Gefahr, daß pädagogische Gesichtspunkte hinter gewissen materiellen, sich aus dem Konkurrenzkampf ergebenden Momenten zurücktreten. Es muß daher die Forderung erhoben werden, daß eine zentrale Autorität dem gesamten jüdischen Schulwesen in Berlin eine planmäßige Entwicklung gibt. Diese Entwicklung muß von folgenden Gesichtspunkten bestimmt sein: Erstens: Neben dem Unterricht fn den allgemeinen Fächern muß der jüdische Unterricht mit seinen verschiedenen Fächern eine zentrale Stellung einnehmen. Zweitens: Die Schule muß bereits vorbereitend darauf einwirken, daß die jüdische Jugend in ihrer großen Mehrzahl ihre Zukunft in einem körperlichen oder praktischen Beruf sucht. Drittens: Der vorherrschende Typus Am pidischen Schule muß die Volksschule sein, die durch Einrichtung eines neunten Schuljahrs sich den besonderen Bedingungen der jüdischen Jugend in Deutschland anpassen soll. Viertens: Die höhere Schule soll denjenigen Kindern vorbehalten sein, die durch überdurchschnittliche Begabung einen Anspruch darauf erheben können, einen von der Norm abweichenden Bildungsweg einzuschlagen. Wirkliche Begabung und wahres Bildunßsstreben, nicht Sucht nach Berechtigungen, ermöglicht durch ein soziales Privilegium, sollen das Kriterium der Auslese bilden. Um diesen Gesichtspunkten Geltung zu verschaffen, um zu verhindern, daß private Personen und Institutionell sich von anderen Motiven beeinflussen lassen, muß eine mit wirklicher Autorität ausgestattete jüdische Instanz die Möglichkeit haben, das gesamte jüdische Schulwesen in Berlin einschließlich des Privatsch.ulwesens zu beeinflussen und zu leiten. Auf keinem Gebiet ist höchste Verantwortung wichtiger als auf dem Gebiet der Erziehung, nirgends können Ziel- und Planlosigkeit so viel schaden wie hier. Wenn es auch nicht leicht fallen wird, die Forderung einer Zentralisierung des jüdischen Schulwesens in Berlin zu verwirklichen, so müssen sich doch alle beteiligten Kräfte darüber kla; werden, daß die Erfüllung dieser Forderung eine der am dringendsten vor uns stehenden Aufgaben ist. Hans Gärtner den Untergrund und das Wesen der Naturwissenschaft aus, sondern ist ihre äußere Ausdrucksform, ist Ergebnis und als solches etwas Objektives, Naturgegebenes. Wesentlich für das, was uns heute bewegt, ist aber das, was dem Forschen zugrunde liegt, das, woraus es entspringt... Denn wäre dem nicht so, so fände die Tatsache keine Erklärung, daß die Naturwissenschaften in den wertvollen Völkern und Rassen Europas und da wiederum in überwiegendem Maße in dem germanischen Teile entstanden und zur Blüte gebracht worden sind." Es wird weiter darzulegen versucht, daß die Auff a s s u n g von Kraft und Materie r a s s e n m ä ß i g verschieden sei: „Es ist nun kein Zufall, daß der Halbjude Heinrich 11 e r t z sowohl wie der Volljude Einstein ein Gebäude der Mechanik aufzubauen versuchten, aus der der Begriff der Kraft vollständig v e r s c h w u n - den ist. Auch der jüdische Philosoph Spinoza kennt den Kraftbegriff nicht. Er scheint dem Weltgefühl des Juden eben fremd zu sein. Dieser bemüht sich deshalb, dieses Fremde aus der N'aturbetraelituug auszuschließen. Hertz kleidete dieses Streben in die Forderung, man müsse möglichst Anthropoinorphismen wie die Kraft aus der Naturwissenschaft ausmerzen ... Einsteins Relativitätstheorie beseitigt den Begriff der Kraft durch radikalen Umbruch der Raum- und Zeitwortstelltingen.... Wir sehen an diesem Beispiel, um was es sich handelt. Nicht um neue Erkenntnisse von Naturvorgangen ... sondern um Seelisches, um Wellgefühle, Haltungen, um Rassisches." Es wir« dann weiter dargelegt, daß Einstein nicht der Schiller Keplers und Newtons, sondern ihr absoluter Gegner sei; seine Theorie sei nicht der Schlußstein einer Entwicklung, sondern radikale Kampfansage mit dem Ziel der Vernichtung dessen, was dieser Entwicklung zugrunde liegt, nämlich" der WcHauffassung des nordischen Menschen. Sie sei im Grunde der wissenschaftliche Ausdruck des Marxismus. Die Relativitätstheorie erscheine somit nicht so sehr als naturwissenschaftliches als vielmehr als politisches Problem. Die Juden Im österreichischen Gewerbebund. Unser Wiener J. R. - Korrespondent berichtet: Nach einem Bericht des offiziellen Organs der Landesgruppe Niederösterreich des Gewcrbcbundes „Der Ocwcrbebündlcr" hat der Obmann dieser Landesgruppe, Landtagsabgeordneter Ing. August Kar gl, in einer Sitzung des niederösterreichiseben Lnndcsgewcrberafes eine U c b c r p r ü f u n g jener Heimatsberechtigungen und Gewerbescheine angekündigt, die seit dem Jahre 1018 in Niederösterreich an Juden verliehen worden sind. Nach dem Bericht der erwähnten Zeitschrift hat der Vorsitzende Kargl folgendes erklärt: „Was die Judenfrage anlangt, dürfen nach dem Frontgesetz und dem Organisationsstatut grundsätzlich hei der Aufnahme von Gewerbebundmitglicdern keine konfessionellen Unterschiede gemacht werden. Mit Rücksicht auf die Tatsache aber, daß in der Umsturzzeit von den roten Machthabern wahllos Heimat- und Gewerbescheine ausgegeben wurden, kündigte der Landesgruppenobmann an, daß er von seinem Rechte der Ueberprnfung der Aufiiahmcansucheii in solchen Fällen besonders Gebrauch machen werde." Dem Gewerbebund als einer berufsständischen, öffentlich-rechtlichen Körperschaft, obliegt bekanntlich die alleinige Wahrnehmung der Interessen aller Gewerbetreibenden. Auch die Vergebung von kommunalen Aufträgen erfolgt nur im Wege dieser berufsständischen Organisation. Ihr gehören also auch alle jüdischen Gewerbetreibenden an. Die Befugnisse des Gewerbebundes sind gesetzgeberisch festgelegt, und es liegt nicht in seinem Bereich, die in der Rede des Abgeordneten angekündigte besondere Ueberprüfung von Hcimats- oder Gewerbescheinberechtigungen vorzunehmen. Der „Wiener Tag" weist auf die Verfassungswidrigkeit eines solchen Vorhabens hin.