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Jüdische Rundschau · 1937-02-23 · Heft 15 (23.2.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 15 (23.2.1937)
Date
1937-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCH? RUNDSCHAU Nr. 15, 23. II. 1937 Was die Woche brachte Eine proarabische Stimme Von unserem palästinensischen Korrespondenten g I. T e I - A w i w, 17. Februar 1037 Araber gegen den Terror Die Tageschronik der U e b e r f ü 11 e, Raubversuch e u n iT T e r r u r a k t e ist seit der vorigen Woche ziemlich unverändert geblieben, hat sich vielleicht sogar etwas verstärkt. Iis wäre somit wenig dazu zu sagen — außer der schon stereotyp gewordenen Mahnung an die Regierung, den Dingen einen Riegel vorzuschieben, was auch die hebräische Presse mit immer gesteigertem Nachdrucke tut. Aber in der politischen Chronik, die die Anzahlung der verschiedenen und verschiedenartigen Gewaltakte begleitet, ist neuerdings eine neue Note festzustellen: Auch unter den Arabern regen sich Stimmen der Abwehr und verbinden sich mit dem Chor der jüdischen Öffentlichkeit. »Wo", so heißt es, „bleibt die Regierung mit ihrer Polizei, ihrem Militär, ihren Gi richten?" Bisher, sowohl während der Unruhen wie auch in den „stillen" Monaten danach, war das übliche Bild so, daß die Juden nach einer Bekämpfung des Terrorismus riefen, wahrend die Araber schwiegen. Wenn es schon damals Gruppen im arabischen Lager gab, die gegen den Terror waren, so wagten sie sich nicht hervor. Wer von den Reichen zu große Ansprüche an seine Kasse fürchtete, ging ins Ausland, wer politisch mit den Extremisten nicht einer Meinung war, machte sich so weit wie möglich unsichtbar. Jetzt wird es etwas anders, und zwar beginnt sich in Mail a, das in letzter Zeit das stärkste Zentrum des arabischen Terrorismus war, eine Gegeilbewegung zu organisieren. Haifa, während der Unruhen am wenigsten vom Streik berührt, hat in der letzten Zeit viele Terrorakte gesehen, die von Arabern gegen Araber ausgeführt wurden. Unter anderen winden tl.c Mitglieder der Familie T a h a, einer groben und einflußreichen Gruppe im Norden, das Ziel der Ant'iiffe aus dein I limerhalt, der auch bereits zwei Mitglkdcr ...... Vaicr und Sohn — zum Opfer fielen. Diese Familie Taha hat jetzt ihre Leute gesammelt, mit ihnen beraten und zu wiviierhoUi n Ma'cn dun Distriklskommissar ihre Forderung vorgelegt, i ndlich Ruhe zu schaffen. Die Delegation, die mit dem Kommissar verhandelte, hat einen charakteristischen Tom an«ese!iiagt n. Entweder, so hieb es, schafft ihr Ruhe und crni.'-glichi es den Bürgern, sieh in der Stadt frei ohne Lebensgefahr zu bewegen, oder, wenn ihr das nicht könnt, dum sa t es Iiitie, und dann werden wir uns selbst zu schützen u isseii und unsere jungen Leute auf die Beine bringen. Das heb an I )etuhchkeit nicht viel zu wünschen übrig. Und ihku typischer a's diese Forderung und diese Drohung ist die Antwort des Rcgicriiugsvcttreters. Er bat die Delegation, sich /u beruhigen. Die Regierung würde das ihrige tun. Und «ie wurde es ja jetzt leichter können, wenn auch unter der arabischen Bevölkerung Llemcnte wären, auf die sie sich stutzen konnte und die ihr helfen wurden. Ein Komment ir zu dieser charakteristischen Erklärung erübrigt sich. (Mi s'ih ti.ihch st.hr bald etwas in den Sieherheitsverh.tl!niss(,'n ändern wird, bleibt abzuwarten. Der jvhritt d.esu arabi^i.hui Gruppe aus Haifa wirft ein neues Lieht auf dm inneren Kampfe unter den Arabern. Es regen stell jetzt jene wohlhabenden Kreise, die sich durch die groben Anforderungen der nationalen Bewegung und insbesondere den I error bedroht fühlen. Sie sind sogar schon bereit, mit der Regierung, gegen die sie doch kämpfen (der ermordete Taha war Vorsitzender des Haifaer Boykottkomitees!), gemeinsame Sache zu machen, um ihre Spezialintcrcssen zu schlitzen. Der Oberste Arabische Rat hat sich in seiner Sitzung auch mit diesen Fragen befaßt und einem (noch unbestätigten) Bericht zufolge einen ablehnenden Beschluß über den Haifaer Terror gefaßt. Wir haben es hier mit einer Phase der Kämpfe zwischen Extremisten und Gemäßigten zu tun, wie sie jeden nationalistischen Kampf gegen eine fremde Regierung begleiten. Nicht zu übersehen ist bi« heute die Starke dieser neu sich bildenden Fraktion. Die Regierung bat dieses Mai versucht, ganze Gruppen, die mit dem Terror in Haifa verbunden waren, zu fassen. Es sind bisher schon gegen 50 Verhaftungen vorgenommen worden. Pilgerfahrt nach Mekka Hadsch L m i n el 11 u s s e i n i, der Mufti von Jerusalem, bat sieh unterdessen auf eine Pilgerfahrt nach Mekka begeben. Das Publikum und die Presse ergeben sich in Vei mutung'cn. ob es sich wirklich nur um eine Pilgerfahrt (der Mufti hat die moslemische Pilgerpflicbt schon in früheren Jahren erfüll;), oder ob es sich um eine politische Reisi handelt. Der Plan eurer tranarabischen Konferenz in Mekka zur Zeit der Pilgerfahrt hat sieh zerschlagen, anscheinend .im Widerst, uu! ihn Sauds, der „Religion und Polig!, naht r.gsjieii wollte". Aber es ist dennoch möglich, dafi der 1 uhrer d-es < »bersten Rates die Anwesenheit von Yertutern \rr<- •>:ednier arabischer Länder in Mekka für Berat Hilgen ausnutzen will. I ur diese Version spricht die Abreise verschi -d.-ner svn-ehcr Notabeln nach Mekka und der Fmpläiig d.s Mufti in Kairo durch den saudischen Gesandten, der ihn bei seinem Aufenthalt in Aegypten begleitete. Es wäre nur mmiril« h, wenn der Mufti die Zeit bis zur Publikation des 1'etbR. po; js nisiiutzen webte, um die Stützung der arabi.-.-bi u pab.stiiieiisischen Bewegung durch die umliegenden Litnder zu verstärken. Mißstände beim Tet-Awiwer Gericht f >er A ii w;> 11 s v e r b » n d in T c I - A w i w hat in diesen Tagen eine Pressekonferenz zusammengerufen und einieermafe n sensationelle Mitteilungen gemacht. Die Anwälte der Stadt drohen mit nichts Geringerem als einem Streik, wenn die Regierung nicht bald ihren Forderungen entspricht. Um diese I orderimgcn zu begründen, Indern die Anwälte ein wahrhaft beängstigendes Bild der Zustande am Tel-Awiwer Gerichtshof: ein Gebäude, das nicht im geringsten seinem Zweck entspricht, viel zu eng ist, um ein vernünftiges Arbeiten zu ermöglichen, keine Warteräume, keine anständigen Vcis,imuilungss.,ie enthalt; eine völlig ungenügende Zahl von Richtern, was dazu fuhrt, daß Falle verschleppt, daß diejenigen, die zur Behandlung kommen, in Hast und Eile erledigt werden. Dazu noch zu wenig Beamte, Diener und Boten, und das Bild des ungenügenden Apparates ist vollständig. Ein paar Zahlen beleuchten die Situation: In Tel-Awiw wurden im letztun Jahre 20(K)0 Ziviifälle erledigt, für die drei Richter zuständig waren, die 7 Beamte zur Verfügung hatten. Jerusalem mit MMX! Fällen hatte dagegen 13 Beamte. Es geschieht gelegentlich, daß ein Richter an die 100 kleine Fälle am Tage zu erledigen hat. Dabei liefert das Tel-Awiwer Gericht einen Reingewinn von 3000 Pfund monatlich an den Staat. Die Anwälte verlangen den Bau eines neuen, seinem Zweck entsprechenden Gebäudes, was sich aus den Einnahmen einfach finanzieren läßt, die Einstellung von neuen Richtern und Beamten. Für den Fall, daß die Regierung diese Forderungen nicht bewilligt, wird der Streik angedroht. I s ist eine bekannte Tatsache, daß die palästinensische Administration nicht die Entwicklung des Landes gefördert hat, sondern ihr nachgehinkt ist, ohne sie in vielen Fällen einholen zu können. Der Zustand des Tel-Awiwer Gerichtes, das sich nicht der raschen Entwicklung der Stadt angepaßt hat, ist eines der eklatantesten Beispiele für die Inaktivität der Administration. Man kann sich zudem nicht des Ver- Wie erinnerlich, veröffentlichte die Londoner „Empire Review" im Dezember v. J. einen Aufsatz von Lord M eich et t über das Palästina-Problem (vgl. „J. R." Nr. 3). Im Februar-Heft dieser Zeitschrift antwortet nun auf diese Ausführungen McDhctts Colonel S. F. Newcombe mit einem Aufsatz „The Arah Defence", in dem er darauf hinweist, daß es für England wichtig sei, gute Beziehungen mit Irak und Arabien und den arabischen Ländern am Roten Meer und Persischen Golf zu unterhalten und daß seine palästinensische Politik durch diesen Aspekt b e - stim m t sein müsse. Fs sei daher stets Englands Politik gewesen, die okkupierten Länder zum Vorteil der Eingeborenen zu verwalten, indem man sie zur Selbständigkeit zu erziehen suchte. Lord Cromer habe Aegypten zu großer Blüte geführt, ohne daß es nötig gewesen wäre, eine fremde Rasse ins Land zu bringen. Der Verfasser macht dann einige kurze geschichtliche Ausführungen, in denen er u. a. behauptet, daß die Juden im Altertum nur kurze Zeit in Palästina gewesen wären. Nach 1880 hätte sich die jüdische Ansiedlung allmählich zu entwickeln begonnen, und wäre dieser Prozeß langsam weitergegangen, so wären keine ant jüdischen Gefühle unter den Arabern entstanden. Balfour habe keine klare Vorstellung von den BesiedlungsinöglichUciten Palästinas gehabt, sondern sich das Land auf Grund seiner Bibelkenntnissc vorgestellt. Ucberdies habe die Rückkehr der Juden nach Palästina nichts mit den Lehren des Neuen Testaments zu tun, weder politisch noch geistig. Die Moslems seien ebenfalls nicht an eine solche Idee gebunden, die ein rein jüdischer Glaube sei. Die Engländer hätten kein Recht, für die Juden auf Kosten der Araber in Palästina und ohne ihre Einwilligung zu sorgen. Welch Vorteil, so fragt Newcoinbe, sei aus der Kombination der fremden Juden mit britischen Ideen oder Interdachtes erwehren, daß die Regierung in Tel-Awiw noch weniger aktiv ist als anderswo. Die Forderungen der Anwälte werden fraglos im Publikum, das unter der Situation schwer zu leiden hat, starken Rückhalt finden. Ein Zitrus-Konflikt Im J a f f a e r Hafen, der in dieser Saison nur arabische Zitrusfrüchte exportiert, während die jüdische Ernte über Haifa und zu einem kleinen Teil auch über die neue Anlegestelle von Tel-Awiw geht, stand die Ladearbeit für den Export mehr als einen Tag völlig still, obwohl die Zeit drängte und das Wetter günstig war. Die Händler weigerten sich, ihre Ware weiter zu verschiffen, weil sie mit der Form der Rcgierungskontrolle der Frucht nicht einverstanden waren. Es wurden ihrer Meinung nach viel zu viel Kisten als für den Export ungeeignet erklärt und dadurch die Mengen, die zum Verschiffen kamen, stark verringert. Der Sturm hat dieses Jahr große Quantitäten von Zitrusfrüchten von den Bäumen geschleudert, wobei sie beschädigt wurden und entweder nur als zweit- oder drittrangige Sorte zu exportieren oder im Inland zu verwenden waren. Es hängt von der Meinung der Inspektoren ab, welche Früchte noch zum Export, und zwar in den verschiedenen Qualitätsklasscn, gelangen und welche nicht. Nach der Meinung der Araber war nun diese Inspektion viel zu gründlich, es wurde zu viel Ware ausgesondert. Lim eine gelindere Inspektion zu erzwingen und bestimmte Klassen noch in den Export einzugliedern, wurde die Ladungsarbeit eingestellt. Die Regierung hat auch nach eintägigem Streik, der mit verschiedenen Verhandlungen verbunden war, nachgegeben und sich mit den Händlern geeinigt. Die Arbeit im Jaffaer Hafen wurde wieder aufgenommen. Es ist interessant, daß die Meldungen über die Aufnahme der palästinensischen Orangen in England immer wieder davon sprechen, daß die Auswahl des versandten Obstes ungenügend sei, die Lieferungen in der Qualität ungleichmäßig sind, daß schlechte Sendungen die Marken diskreditieren, daß manche Ladungen nach der Ankunft in den englischen Häfen kurzerhand über Bord geworfen werden müssen. Aus diesen Berichten ergibt sich die Forderung nach der striktesten Kontrolle der exportierten Frucht, wenn nicht den eventuellen Gewinnen von heute die sicheren Verluste von morgen folgen sollen. Jeder weitblickende Orangcnhändlcr wird die Regierung eher dafür zur Verantwortung ziehen, daß sie die Kontrolle zu schwach als zu stark handhabt. Die Jaffacr Strcikversuche muten daher ebenso sonderbar an wie das Nachgeben der Regierung in diesem Punkte. essen zu erwarten? Die Lage der Juden in Europa sei kein britisches Problem und stelle in keinem Zusammenhang mit Palästina. W e i z m a n n habe es verstanden, eine sentimentale Haltung zu feierlichen Verpflichtungen auszuweiten und die Engländer zu überreden, in allen Palästina betreffenden Fragen eleu Rat der Zionistischen Organisation einzuholen. Aber die Araber würden niemals gefragt, und sie sind nicht einmal offiziell in London vertreten; auch bemühe man sich gar nicht, ihren Standpunkt zu verstehen. Ein Zusammenleben zwischen Juden und Arabern sei nur zu erreichen durch die Begrenzung der jüdischen Bevölkerung auf 30",« und eine entsprechende Begrenzung des Hodenkaufs. Zum Schluß sagt Newcombe, daß die Araber wohl mit palästinensischen Juden, nicht aber mit einer zionistischen Kommission in Genf oder sonstwo verhandeln würden. In jedem Falle müßte die Tätigkeit der zionistischen Stellen auf diejenige einer Immigfationsgesctl.sclia't beschränkt werden, die philanthropischen Charakter hat und keine Ursache hat, sich in die interne Politik oder Dominien-Angelegenheiten einzumischen. Man sollte auch das Vorsprechen der Zionisten bei der Regierung nur gestatten, wenn gleichzeitig arabische Vertreter da sind. Ein arabisches Büro in London scheine wuchtig und fair. Ferner müsse die osteuropäische J u d e n f r a g e von Palästina losgelöst werden. Newcombe ist der Verfasser eines bekannten (auch ins Deutsche übersetzten) Buches über Aegypten und hat sich sehr für eine Verständigung zwischen England und Aegypten auf Grund tler Erfüllung der ägyptischen Unabhängigkeitswünsche eingesetzt. Ausnahmezustand in Tiberias Jerusalem, 21. Februar. (JTA.) in Tiberias ist es am Freitag zu erneuten Unruhen gekommen. Araber, die nach dem Morgcngottcsdienst die Moschee verließen, warfen Steine gegen jüdische Passanten und später gegen einen Autobus, in dem uniformierte Revisionisten nach Tel Chaj fuhren. Die Insassen des Autobusses erwiderten die Sttinwürfe. Es kam zu einem Handgemenge, dem die Polizei durch Verhaftung mehrerer Araber ein Finde machte. Bei dem Zusammenstoß wurde ein Jude durch einen Messerstich schwer verletzt; er mußte nach Flaifa ins Krankenhaus gebracht werden. Ein zweiter Jude ist durch Steinwürfe schwer verwundet worden. Insgesamt haben etwa 30 Juden und 30 Araber Verletzungen durch Steinwürfe erlitten. Nachdem die streitenden Parteien getrennt worden waren, griff die arabische Menge die Polizeistation, zu der die Gefangenen gebracht worden waren, an. Es gelang ihr, die Verhafteten zu befreien. Zwei britische und ein palästinensischer Polizist wurden verwundet. Die Polizei gab drei Salven ab. Hierbei wurde ein weiterer Araber verwundet. Lieber Tiberias ist der A u s n a Ii m e z. u s t a n d verhängt worden. Das Betreten der Straßen nach 7 Uhr abends ist verboten. Das Pressebüro der Regierung gibt bekannt, daß bei den Ausschreitungen am Freitag in Tiberias an jüdischem und arabischem Eigentum einiger Schaden angerichtet worden ist. Es wurde ferner festgestellt, daß von den die Stadt umgebenden Bergen her Schüsse auf die Stadt abgegeben worden sind. Von den bei den Ausschreitungen festgenommenen Personen wurden drei Araber und drei Juden in I'Iaft behalten und bereits am Sonnabend Morgen abgeurteilt. Ein Araber wurde zu zwei, ein zweiter zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, ein Jude zu zwei Monaten Gefängnis. Das Urteil gegen die übrigen Beschuldigten steht noch aus. Am Sonnabend ist wieder ein mit Juden besetzter Autobus in Tiberias mit Steinen beworfen worden. Drei Juden wurden leicht verletzt. Andererseits schleuderten Juden Steine egen einen mit Arabern aus dem Hauran besetzten Autous, wobei ein Insasse leicht verwundet wurde. Drei Juden wurden verhaftet, zwei von ihnen zu zwei Jahren, der dritte zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Wahrend der Vorfälle am Freitag ist auch das Barackenlager der englischen Truppen beschossen worden. Das A^ilitär erwiderte das Feuer. Empfang für Lady Reading J e r u s a 1 c in, 17. F ebruar. (Paleor.) Zu Ehren von Lady Reading, die mit ihrer Tochter in Palästina weilt, fand im Saal des Kercn Hajessod-Gebäudes ein stark besuchter Empfang statt, dem führende Persönlichkeiten des Jischuw beiwohnten. Leib Jaffe begrüßte Lady Reading namens des Direktoriums des Keren Llajessod. Dr. Rupp i n richtete Begrüßungsworte an den Ehrengast im Namen der Exekutive der Jewish Agency, während Ben Zwi im Auftrage des Waad Leumi sprach. Sämtliche Redner hoben hervor, daß Lady Reading das edle Werk ihres Vaters, des ersten Lord 'Melchctt, fortsetze und die in der Familie Mond zur Tradition gewordene Zionsliebc mit Eifer und Ergebenheit in die Tat umzusetzen bemüht se:. Lady Reading gab in ihrer Antwort (die sie hebräisch begann und englisch fortsetzte) ihrer aufrichtigen Freude über die großen Fortschritte Ausdruck, die das Land seit ihrem letzten Besuch vor zwei Jahren gemacht hat, und die besonders bewundernswert angesichts der schweren Zeiten seien, mit denen der Jischuw zu kämpfen gehabt habe. Trotz den Unruhen gäbe es keine Wirtschaftsdepression; im Gegenteil, der Jischuw sei entschlossener denn je. Lady Reading pries die jüdischen Leistungen im F.mck, wo sie keine isolierten Siedlungen mehr, sondern fest verwurzelte Dörfer gefunden habe, deren Einwohner definitiv mit dem Boden verknüpft sind. Zum Schluß wies Lady Reading auf die Bedeutung der nationalen Fonds hin, die keine philanthropischen Stiftungen, sondern die nationale Schatzkammer darstellen. Schabbat-Ausgang-Konzerte der Gemeinde Beth-Jisrael in Haifa. Am 16. 1. 1937 fand gewissermaßen als Dank an den Schöpfer des Palästina-Orchesters ein Konzert: „Huber- > man auf Schallplatten" bei überfülltem Saal statt. Am nächsten Schabbat boten Dr. Hans Stern (Cello) und Frau Josette S t e r n (Klavier) Sonaten von Loeillet und Beethoven in vollendetem Zusammenspiel. Außerdem spielte Frau Stern die Abschiedssonate von Beethoven und von Cesar Franck Prclude, Choral und Fuge, ein überaus schwieriges Werk, das die Künstlerin durch die technisch hervorragende und klare Wiedergabe der zahlreichen Zuhörerschaft verstandlich zu machen wußte. Professor Abileahs „Männer- und Kriabenquartctte" erfreuten am 6. 2. wiederum durch die Reinheit der Stimmen, die Melodik und den chorischen Zusammenklang in hebräischen Volksliedern und den Suiten „Schabbat" und „Fest der Befreiung". Dr. F, G. Kleine Nachrichten Nach Pressemeldungen wird Emir Abdullah an den Krönungsfcicrlichkeiten in London teilnehmen. Arabische Notabeln und Kaufleute aus Jaffa hatten eine Unterredung mit dem Gouverneur Mr. C r o s b i e. Sie forderten, daß die Regierung gegen die herrschende Gesetzlosigkeit einschreiten solle. Sie drohten mit einer Massenauswanderung aus Jaffa, falls die Zustände sich nicht bessern. Mr. Crosbie versprach, daß Maßnahmen in dieser Richtung getroffen werden würden. Auf das Haus des Stadtschreibers in Haifa wurde ein Bombenanschlag verübt; das Gebäude wurde beschädigt. Aus dem Konzentrationslager Bereza-Kartuska sind sämtliche Angehörigen der national-radikalen Organisation entlassen worden, 15 Araber aus Haifa sind vom Gouverneur auf administrativem Wege für ein Jahr nach verschiedenen Gegenden Palästinas verbannt worden; außerdem mußte jeder von ihnen den Betrag von C 10D. bzw. 150 als Kaution hinterlegen. Am Sonnabend sind vereinzelte Schüsse auf die jüdischen Siedlungen Mizpahs Kinereth und Migdal Zedek abgegeben worden. Einige arabische Notabeln besuchten zum erstenmal den Tel-Awiwer Hafen. Sie sprachen mit Bewunderung über das großartige Werk, das hier in einer so kurzen Zeit vollbracht wurde, baten jedoch darum, ihre Namen nicht zu veröffentlichen. Amtlich wurde mitgeteilt, daß an der palästinensischtransjordanischen Grenze nunmehr eine Paßkontrolle bestehen wird. Die 37 Revisionisten, die an dem Ueberfall auf das Gebäude der Jewish Agency teilgenommen hatten und in Haft genommen wurden, erschienen zum zweiten Male vor dem Jerusaltnier Polizeirichter. Ihrer Bitte entsprechend wurde der Fall an das Bezirksgericht überwiesen. Die 37 wurden gegen Kaution von je C 100 auf freien Fuß gesetzt. Das Amtsblatt hat den Wortlaut der am 1. Januar 1930 vom High Commissioner Sir John Chancellor gewahrten Konzession betreffend die Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres veröffentlicht. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat die Aufnahme einer Anleihe von 100 000 Pfund bei der Barclay's Bank beschlossen. (Schluß des Palästinateils)

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