Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 15 (23.2.1937)
- Date
- 1937-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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•Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 23. Ü. 1937" arabischer Jugend gestiftet werden, um sie in gegenseitiger Achtung zusammenzubringen. Es ehrt Dr. Wn/man n_, daß er mit Feisal ein Abkommen geschlossen hat, in dem die zionistischen Ansprüche anerkannt werden, unter der Voraussetzung, daß auch die arabischen Aspirationen erfüllt werden. Diese Aspirationen sind heute erfüllt; denn Irak und Syrien haben ihre Unabhängigkeit erreicht. Daher ist der Moment gekommen,, um das erwähnt c Abko m m e n d u r c Ii z. u führ c n. Es ist aber wünschenswert, daß das Ziel der jüdischen Einwanderung nach Palästina endgültig festgesetzt wird, und zwar die Entwicklung eines arabisch-jüdischen Palästina, wo die zwei Sprachen: Arabisch und Hebräisch, als die zwei Landessprachen betrachtet und als obligatorischer Lehrstoff in der Erziehung eingeführt werden. Die jüdische Einwanderung könnte ferner ein Ventil in Transjordanien finden, wo gleichzeitig agrarische Reformen zugunsten der Araber eingeführt werden könnten. Die Tatsache politischer und sozialer Gleichheit zwischen Juden und Arabern in Palästina wurde diese Länder keineswegs von einer engeren wirtschaftlichen und geistigen Verständigung mit den anderen arabischen Ländern Westasiens abhalten. Durch Steigerung des Wirtschaftsverkehrs mit diesen anderen arabischen Ländern werden neue Absatzmärkte für die wachsenden Industrien Palästinas geschaffen werden, die durch die ungünstige Handelsbilanz des Landes schwer bedroht sind. Palästina und Transjordanien, wo die soziale und politische Gleichheit des arabischen und jüdischen Elements respektiert werden muß, wird nur in der Lage sein, einen Teil der jüdischen Auswanderer aufzunehmen. Die Versöhnung der Araber und Juden muß von den arabischen Nationalisten anderer arabischer Länder ermutigt werden, und es wäre wünschenswert, dal) diese Länder in der Zukunft ihre Tore der Einwanderung von jüdischen Arbeitern und jüdischem Kapital weit öffnen. Der große moderne jüdische Denker Achad llaam hat festgestellt, daß die jiulivche Kolonisation in Palästina nur möglich ist unter der Bedingung, daß brüderliche Beziehungen /wischen den Juden und Arabern Palastinas hergestellt werden. Nur unter diesen Bedingungen könnten die folgenden Ergebnisse erzielt werden: Die Juden würden der Gefahr entgehen, eine machtlose Minderheit in Palästina zu werden; das Land wurde nicht von den anderen arabischen Ländern ökonomisch oder geistig abgetrennt werden, und die Vereinigung, die „a 11 i a n c e cordialc", der ins Land ihrer Vater zurückkehrenden Juden und der Araber und arabisierten Bevölkerung würde eine dauernde, aufrichtige und unerläßliche sein. Der Gesichtspunkt, den wir hier unterbreiten, wurde von unserem Komitee in den letzten vier Jahren vertreten und derselbe Gedankengang war in \erschienenen Vorträgen zu finden, die von Rednern verschiedener Religionen und Nationalitäten aus Anlaß des 800jährigen Geburtstages von Maimonides, dem großen jüdischen Philosophen, der seine Werke zur Aufklärung von Juden, Moslems und Christen in arabischer Sprache geschrieben hat, an der Sorbonne gehalten worden sind. Die Unterschriften: f f}^ Pl«rr« »U»nn«ri»raA. Vh* •*"*" Entwicklungen im englischen Judentum iv*JU* ,1-.'?w.i~r * J-< P, 1 IT.'IM?, ^■'«»(j-f^/*". ^_ '•-»..(*#!«r«i a»He«~o-nrsiuiAtn. /? Prof. f ."«jCAjii tj'li »' , y ,A . .rw^A1-.'-«3 li*UJ it . WA'.-^«C V&Tit«>'■—■■■ J>- - <-X. * , *,..£.,„.//. SSM, C.c.-'.f:-», '. y. \ >.« r-.f.-'-t 'SV""* ^^rHw^- k-L t£ HUfc«B0ft D£3«AV;S3 ------•■. . _ G«rvt,-«1 HM1-, „W<„ J,-"^. ' YtuliOgf 'Mit t>«£Ur S/isi U:l41A 2 tto. l^-f. Soci»f YtuliOgf W.l ^jsJ^iiZu^jiM^ß-, 7*J^^ ». nyajauut, ^'.■'.Jji/t^ Jus* - "'■A.-I^.J' uzwAt ai>Tt 5A*>#; \ A.*^- </ A Q)tUr*^ •lUl!l'.«10t "(Ti»f 6»fl«ral 8*cr»Ury of Cs^sHttl Keine Judenfrage in Portugal Lissabon, 18. Februar .(JTA.) Vor einer Woche waren in Portugal polizeiliche Maßnahmen gegen Ausländer, darunter auch gegen Juden, die in den letzten Jahren eingewandert sind, getroffen worden. Im Zusammenhang damit hatten die Hrem-Komitees bereits Betatungen über die Wcitericitung dieser Auswanderer aufgenommen, obwohl Von Anfang an von den Behörden erklärt worden war, daß diese Maßnahmen keinerlei j u d e n f e i n d I i c Ii e Spitze hätten. Nunmehr sind die ursprünglichen Maßnahmen wesentlich gemildert worden und eine Anzahl aus Deutschland stammender Juden, die Lissabon verlassen mußten, weil ihnen die AufenthaltsbewilHgung nicht weiter erteilt wurde, konnten wieder zurückkehren. Von einer Reihe von Mitgliedern der portugiesischen Regierung ist den Führern der portugiesischen Juden erklärt worden, daß nach Auffassung der Regierung ein religiöses Problem in Portugal nicht bestehe und daß nicht beabsichtigt sei, die Judenfrage aufzurollen. Von unterem Berichterstatter Die Pariser Akademie der Schönen Künste wählte Raron Maurice de Rothschild zu ihrem Mitglied an Stelle des verstorbenen Lemonnier. Alte und neue Organisationen J.K. London, im Februar Eine Bewegung der Rückkehr Die antijüdische Agitation innerhalb und außerhalb Englands ist in den letzten Jahren von allen Schichten des englischen Judentums mit großer Besorgnis verfolgt worden. Man unternahm Aufklärung.*- und Verteidigungsmaßnahmen, deren Zweckmäßigkeit oft zweifelhaft erscheint. Von entscheidender Redeutting aber sind die inneren Rückwirkungen dieser Ereignisse auf das jüdische Leben in England. Eine allgemeine Auflockerung, größere Aufgeschlossenheit jüdischen Dingen gegenüber ist festzustellen. Ein Gefühl der Verbundenheit und Verantwortlichkeit hat auch die Kreise ergriffen, die bisher abseits standen. So prominente Männer wie Sir Herbert Samuel, Lord Bears t c a d, Lord R c a d i n g (dessen Jungfernrede im House of Lords ein Jahr nach dem Tode seines Vaters sich bezeichnenderweise mit dem antisemitischen Problem befaßte und von allen Seiten mit großem Beifall aufgenommen wurde) haben sich der jüdischen Arbeit zur Verfügung gestellt. Allerdings ließen sie sich nicht in den Rahmen bestehender Organisationen einordnen, sondern haben sich ein neues Tätigkeitsfeld geschaffen. Besonders auch in den keilten der zwar noch nicht assimilierten, aber aus der „jüdischen Enge'' strebenden Jugend macht sich eine R ü c k k c Ii r b e w c g u n g geltend, ohne allerdings immer schon geeigneten organisatorischen Ausdruck gefunden zu haben. Die bestehenden Verbände haben es meist nicht verstanden, die nette Lage für sich auszunutzen. Das Vereins- und Erziehlingsieben, das sich um die lokalen Synagogen herum gruppiert, scheint auf die heranwachsende Jugend keine Anziehungskraft mehr auszuüben. Und wenn der Leitartikler des „Jewish Chroniclc" deshalb kürzlich vorschlägt, die religiöse Erziehung müsse vertieft werden, so scheint das ein Zirkelschluß zu sein, der kaum den gewünschten Erfolg herbeiführen dürfte. Die Rückkehr scheint sich nicht auf religiöser, noch auf streng nationaler Grundlage zu vollziehen. Vom Board of Depnties Der Board of Depnties sieht sich vor neue, noch nicht dagewesene Aufgaben gestellt. Die zentrale Organisation der englischen Juden fühlt sich heute berufen, überall da auf dem Posten zu sein, wo die englisch-jüdischen Interessen bedroht sind. Seit seiner Gründung im 18. Jahrhundert war der Verband nichts als ein Dach verband von Synagogen mit ausschließlich religiösem Arbeitsgebiet. Alle anderen Strömungen des jüdischen Lebens hielt man sich vorsichtig fern. Die Führung lag seit Generationen in den Händen der alteingesessenen Oberschicht. Der Präsident pflegte von ...seinem Board" zu reden, wenn er die offizielle Körperschaft der englischen Juden meinte. Erst nach dem Kriege und der Verkündung der Balfour-Deklaration trat eine Aenderttng ein, als der damalige Präsident, der seine ganze Autorität gegen die Politik der Balfour-Deklaration eingesetzt hatte, seine Stellung räumen mußte. Damals drang zum erstenmal demokratischer Geist in das vornehme Gremium ein, und bald darauf erlangten auch Vertreter der Ostjuden, die inzwischen zur Mehrheit im englischen Judentum geworden waren, und der Zionisten Zutritt. Aber der F ü h r u n g s a n s p r u c h der alten Aristokratie wurde nicht bestritten. Alle Mitglieder waren nach wie vor Vertreter ihrer Synagogen, und Gegensätze weltanschaulicher Art, wie sie das jüdische Oemeintleleben auf dem Kontinent charakterisieren, wurden ganz vermieden, soweit sie überhaupt vorhanden waren. Es tat dem Ansehen oder der Autorität des Verbandes keinen Abbruch, daß gewisse jüdische Kreise, die sich zu keiner Synagoge zählten, nicht vertreten waren. Solange diese Kreise desinteressiert blieben, hatten sie keinen Anspruch, von der Führung berücksichtigt zu werden. Das hat sich jetzt geändert. Der Board hat die Abwehr des Antisemitismus übernommen, und am meisten betroffen von der antisemitischen Agitation ist gerade die jüdische Jugend des Londoner East-Ends, die bisher abseits stand. Diese Jugend, im allgemeinen die erste Generation, die in England geboren und aufgewachsen ist, lehnt die von ihren Vätern aus Osteuropa hierher übertragenen Sitten und Traditionen ab. Sie orientiert sich nach anderen sozialen Maßstäben. Die Väter haben vor etwa zwanzig Jahren den Kampf um ihre Einordnung geführt und sind jetzt mit ihrer sozialen Position zufrieden. Bei der Jugend handelt es sich um Arbeiter und kleinere Angestellte, die sich nach dem Muster der englischen Umwelt in Gewerkschaften organisierten und von tiefem Mißtrauen in die Tätigkeit der jüdischen Organisationen im Londoner Westen erfüllt sind, soweit ihnen überhaupt deren Existenz zur Kenntnis gefangt ist. Sie lehnten die Tätigkeit des Board ab, auch als sich zum erstenmal gemeinsame Aufgaben für beide Teile fanden. Die Herren vom Board ihrerseits waren nicht wenig schockiert, als vor nicht langer Zeit die jüdischen Massen des East-Ends sich eines Sonntags nach dem Hyclepark in Bewegung setzten und gegen die Judenverfolgungen auf ihre Weise protestierten. Eine neue Organisation So kam es zur Gründimg des in letzter Zeit oft genannten „Jewish People's Council". Im vergangenen Sommer im Hast-End zur Verteidigung gegen den Antisemitismus spontan entstanden, breitet sich die Organisation nach allen Teilen Londons und ganz Englands aus. Sie verhandelt mit den Behörden und entfaltet eine rege propagandistische, Tätigkeit. Diese Gründung ist nicht ohne Sympathien einflußreicher jüdischer Kreise, die die Notwendigkeit einer Nettorganisicrung des englischen Judentums anerkennen. Matt wird dieser Bewegung — es ist mehr als eine Organisation — einen gesunden Instinkt und daher eine innere Kraft nicht absprechen können. Es ist zu wünschen, daß der Elan stark genug ist, diese Menschen von ihrer negativen Verteidigungsarbeit zu positiven Inhalten hinzuführen. Das Verhältnis des „Jewish People's Council" zum Board of Depnties ist naturgemäß etwas delikat. Die Führer des Board stehen vor der Alternative, bei der streng religiösen Grundlage des Board zu bleiben und im übrigen andere nichtreligiöse Organisationen neben sich zu dulden oder aber sich zu einer allgemeinen jüdischen Organisation zu erweitern, in der für alle Schattierungen Raum ist, die sich nun wohl auch im englischen Judentum nicht länger verbergen lassen. Die Schwierigkeit liegt darin, daß die maßgebenden Kreise des Board keine andere „selbsternannte" Organisation neben sich dulden wollen, ohne aber bereit zu sein, von ihrer bloß religiösen Grundlage abzugehen. Es ist aber zu hoffen, daß in diesem Punkte noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Es besteht das Projekt, die jüdischen Gewerkschaften als Wahleinheiten in den Board aufzunehmen, und es ist denkbar, daß im Interesse des Friedens einem solchen Antrag der Gewerksehaffen, wenn er gemacht würde, kein Widerstand entgegengesetzt werden wird. Einstweilen aber kann sich keine der beiden Seiten entschließen, den ersten Schritt zur Zusammenarbeit zu tun. Es wäre sehr zu wünschen, daß durch beiderseitiges Entgegenkommen die Einheit im englischen Judentum wiederhergestellt wird und daß sich Mittel und Wege finden lassen, den wertvollen Zuwachs an neuen Kräften für allgemein-jüdische Aufgaben zu gewinnen. Die Lage im Londoner East-End Seit dem Inkrafttreten des Public Order Gesetzes ist das Londoner East-End allmählich wieder zu seiner normalen Lage zurückgekehrt. Das Public Order Gesetz war eine Folge der antijüdischen Ausschreitungen im East-End, die sich im Herbst des vergangenen Jahres so sehr gesteigert hatten, daß von allen Teilen der öffentlichen Meinung gesetzliche Maßnahmen gefordert wurden. In aller Eile wurde die Vorlage durch die drei Parlamentslesimgen hindurchgebracht. Jedesmal erfolgte die Annahme fast einstimmig. Von den Rednern aller Parteien wurde in den Debatten anerkannt, daß der Judenhetze ein Ende gemacht werden müsse. Diese Bestimmungen des Gesetzes (Uniformverbot usw.) sind weit davon entfernt, die Tätigkeit der radikalen Verbände völlig zu unterbinden. Sie haben aber den terroristischen Methoden, die in gewissen Teilen des East-Ends üblich wurden, ein Ende gesetzt. IN ALLER KURZE Wie gemeldet wird, traf Dr. Chaim Weizmann am 21. Februar zu einer Unterredung mit der Regierung und zu Beratungen mit zionistischen Führern in Paris ein. Er fährt dann nach Genf weiter. In der Großen Synagoge von Rom fand die feierliche Amtseinführung des neuen Oberrabbiners, Prof. David Prato, statt. Prato, der bisher Oberrabbiner von Alexandrien war, ist auf den Posten eines Oberrabbiners von Rom berufen worden, nachdem dieser nach dem Tode Prof. Angelo Sacerdotis längere Zeit unbesetzt geblieben war. Nach der Predigt wurde dem Thoraschrein feierlich eine seit vielen Geschlechtern im Besitz der Jüdischen Gemeinde Rom befindliche alte Thorarolle entnommen, die als Geschenk der Juden Roms an die neugegründete Jüdische Gemeinde in Addis-Abcba gesandt w erden soll. Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Dr. Eduard B e n e s c h, hat am 18. Februar den Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Goldman n, in Audienz empfangen. Im Anschluß daran ist Dr. Goldmann auch von dem tschechoslowakischen Außenminister Prof. Kamil Krofta empfangen worden. Der jüdische Advokat Wilhelm R y p p e I plant für die Tage nach dem Peßachfest einen neuen Fußmarsch von 10 000 jüdischen jungen Leuten aus Polen nach Palästina. Er hat bei der Regierung um die Erlaubnis zur legalen Organisierung des Marsches angesucht. Der schwedische Ministerrat hat dem Vorschlag der Stockholmer Hochschule stattgegeben, den jüdischen Emigranten. Professor David Katz, der früher in Rostock wirkte, mit dem durch private Spenden gestifteten Lehrstuhl für Kinderpsychologie zu betrauen. Mit Wirkung vom 1. März 1037 wird die seit April 1033 bestehende Zulassungssperre für den Beruf des Steuerberaters gelockert werden. Die Voraussetzung für die Zulassung als Steuerberater ist u. a., daß der Gesuchsteller nicht Jude im Sinne des Gesetzes zur Wiederherstellung des ßerufsheamteniums ist. Iis darf demgemäß unter den vier Großeltern kein Jude sein. Nach einem Bericht des „Stuttgarter Neuen Tageblatts" hielt bei einer Kundgebung anläßlich des zweiten württembergischen Landesbauerntages Reichsstatthalter und Gauleiter Murr eine Rede, worin er auch auf die Juden frage zu sprechen kam. Er j*ab seiner Freude darüber Ausdruck, daß immer mehr bäuerliche Vereinigungen dazu übergehen, kein Vieh mehr zu versichern, das beim Juden gekauft ist. Nach einer Mitteilung der Rcicltsreehtsanwaltskammer waren Ende des Jahres 1936 in Berlin 2838 Rechtsanwälte zugelassen. Unter ihnen waren 934 oder 32,0". Nichta r i e r. Ende des Jahres 1935 waren von 3(X)7 Rechtsanwälten im Bezirk der Rechtsanwaltskammer Berlin 1035 nichtarisch, was einem Prozentsatz, von 34,4 entspricht. Nach einem Bericht der „Münchener Zeitung" fand nach einer Festvorführung im Nürnberger Opernhaus zu Ehren der italienischen Gäste ein Empfangsabend statt, bei dem Gauleiter Julius Streicher eine Rede hielt, in der er" auf die gemeinsame Aufgabe von Deutschland und Italien hinwies. Ein Volk, das weiß, daß allen Völkern ein Golgatha durch den ewigen Juden geschaffen werden solle, könne in den kommenden Tagen nicht versagen. Der Redner lud italienische antisemitische Kämpfer für zehn Tage zu einem Aufenthalt in Nürnberg ein. In einem Artikel der „Neuen Abendzeitung", Ludwigshafen, wird behauptet, daß die jüdischen Siedler der autonomen jüdischen Sowjetrepublik Biro Bidschan in Ostsibirien von der GPU. als Trotzkisten verdächtigt werden und daß bereits massenhafte Verhaftungen und Aburteilungen vorgekommen sein sollen. Dps Kreisgericht von Lomza hat in dem Prozeh gegen die zwanzig wegen Beteiligung an den Ausschreitungen in Wysokie-Maz owieck angeklagten Nationaldemokratcn das Urteil gefällt. Zwei Angeklagte wurden zu je zehn Monaten, vier zu acht Monaten, sieben, unter ihnen eine Frau, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen wurden freigesprochen. Dieser Tage starb in Hollywood der bekannte Komiker Paul Graetz, der in den Nachkriegsjahren ein beliebter Schauspieler in Berlin war und zuletzt in Paris und London gespielt hatte. Von den „jüdischen" Rollen, die er in Berlin gespielt hat, ist sein Perlmutter (in „Potasch und Perlmutter") noch in Erinnerung. Hauptschriftleitei: Dr. Robert Wcltsch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Locwcnstcin, Berlin \V 15. Anzeigenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen; Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekcstr. 10. D.A. Januar 34 275. — Druck: Siegfried Scholem, Bln-Schöneberg.