Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 19. II. 1937 UMSCHAU Touristik / Werner Bloch Allgemeines Die Aussichten für die diesjährige Saison sind noch nicht zu übersehen. Die unsichere politische Lage hindert viele daran, feste Reisepläne für das Frühjahr zu machen. Es kommt hinzu, daß ilie Ergebnisse der Arbeit der Royal Commission erst im Mai vorliegen werden, so dali die Festsetzung einer klaren Linie in der englischen Palästina-Politik fehlt. Das bringt es mit sich, daß jeder Zwischenfall im Lande als Symptom für Unsicherheit gedeutet wir..!. Die Unsicherhcitsfaktorcn haben dazu geführt, daß aus den vielen Anfragen an Reisebüros,! lotcls und gemeinnützige Institutionen noch keine festen Anmeldungen geworden sind. So kann bis jetzt nur festgestellt werden, dali das Interesse an Palästina-Reisen zwar groll ist, aber noch nichts für die realen Aussichten der Saison aussagt'. Regierungshilfe Nachdem vor etwa zwei Monaten die ägyptische Regierung einen Betrag von 50 000 Pfund für Touristenpropaganda nach Aegypten in ihrem Budget ausgeworfen hatte, begann die „Tourist Development Association of Palestine" wiederum Verhandlungen mit der palästinensischen Regierung, um eine Subvention zu erreichen. -;ic überren htc dem Chef Seeretarv ein Memorandum, (las an das Colonial Office weitergeleitet worden ist. Als der Vorstand der „Tourist Develo; ment Association" merkte, daß sehr viel Zeit verstreichen würde, bis aus London eine Antwort käme, erbat er eine mündliche Besprechung mit dem Chief Seeretarv, Auf dieser Besprechung forderte man MM) Pfund Im eine sofortige Propaganda in Aegypten. Man halt mit Reiht etwas von einem solchen Prupagandafcldzuge, weil man die in Aegypten weilenden Touristen zu einem Ausfliu''' iias.li Palästina veranlassen will. Für eine Propaganda in Europa verlangte der Vor» stand JOOo )(X»o Pfund. Der Chief Seeretarv verwies in der Aussprache darauf, dal' er das M< moraudum nach London gesandt habe. Fr könne selbstverständlich keine besonderen Summen bewilligen. Fr wäre aber bereit, 50 Pfd. (!) für die genannten /wecke zur Verfügung zu stellen. Fr nähme an, daß die Stadtverwaltungen für Touristenpropaganda Geld zur Verfügung stellen winden. Außerdem verfüge die „Tourist Development Association" über eigene Gcidi r. — Bis jetzt ist also aus einer Regierungsnnierstützung nichts geworden. Es ist die Frage, wann und wie die nach London geleitete Forderung vom Colonial Office behandelt werden wird. Cruües Am 20. Januar kam eines der bestausgestatteten Luxusschiffe auf einer Mittelmcerreise für einen Tag nach Palästina: Die „Empress of Britnin", ein 12 500-t-Dampfer der Canadian Pacific. 350 Passagiere haben den Landausflug in Palästina gebucht, der von der Firma Th. (Donk durchgeführt wird. — Am 16. Februar wird die „Roma" auf einer Fahrt New York —Mittelmeer- New York nach Palästina kommen, am 15. Marz die „Vulcania", deren Mirtelmeerprogramm ausgedehnter ist als das der „Roma". — Auf einer Mittelmcerfahrt deutscher Sehiffahii-gese!Fehafteii wird in diesem! iuh' ihr nur die „Milwaukec" (I lambtirg- Amerika-I ime) kommen. Die „Monte Rosa'' (Hamburg Sud) hat die Miltelmecrfahrt für dieses Jahr al>yi-.agt. — Von Fngland ist eine iMitte'ne t ih im: degroßen Passagicrdampfers „Lactrtia" angi meldet. Attraktionen des Auslandes Fs ist gar kein Zweifel, daß für die diesjährige 'loiiristik nach Palästina nicht nur die obcngenaun'en l'nsit herheitsfaktoreil von Wichtigkeit sind, sondern daß zwei große, internationale Frcignissc in diesem Frühjahr die Reiselustigen anziehen: Die Kronungsfeierlich k e i t < n in F n g I a u d und die Welt a u n s t e 1! u n g i n Pari s. Alle internationalen Schi'"fahrfs;;escllscha'ten und Reise« büros haben ihre Plane auf diese Freignisse hin eingestellt. Da- Interesse bei dem Publikum i-t Ix'somCrs in der englisch sprechenden Welt fur die Kröinmgsfeierüchkeitetl unge.vöhnli, h groß. Man rechnet mit einem Besucherstrom iiaih London von einer Million Menschen. Fs ist klar, daß der größte Teil dieser Reisenden den Besuch der Pariser Ausstellung damit verbinden wird. So kommt es, daß sich die kapitalkräftige Touiistik in diesem Jahre in Furopa konzentrieren wird. fädische Touristik Mit der ersten südafrikanischen Gruppe werden am 25. Februar zirka 100 Teilnehmer in Palästina eintreffen. — Die jüdische Touristik aus Deutschland wird in den Monaten Februar, März und April nicht unbedeutend sein. Für diese Touristen werden zweimal monatlich organisierte Oruppenreisen durch Palästina veranstaltet werden, deren erste am 8. Februar in Haifa beginnt. Es wird hier der Versuch gemacht, die Touristen eines bestimmten Landes organisatorisch in Palästina zu erfassen und sie zionistisch zu betreuen. Das sorgfältig ausgearbeitete Programm berücksichtigt besonders die wichtigen Punkte landwirtschaftlicher Kolonisation. Es soll dafür gesorgt werden, dali in verschiedenen Vorträgen Fachleute über wichtige Fragen des Palästina-Aufbaus referieren. Für die beiden Reisen im Februar sind über 60 Personen gemeldet worden. — Die Anfragen aus anderen Ländern haben sich noch nicht zu festen Zusagen verdichtet. Publikationen Mit dem Fortschritte der Vermessungsarbeiten hat das Survey Department nach Herausgabe der siebenten verbesserten Auflage der Autosfraßenkarte von Palästina (1:500 000) Spezialkarten in dem Maßstabe 1:100 000 herausgegeben. Es sollen 14 Sektionen erscheinen. Bis jetzt sind vier Karten: Haifa, Safcd, Jerusalem und Tel-Awiw/Jaffa, in der endgültigen Ausgabe erschienen. In provisorischer Ausgabe sind sechs weitere Sektionen: Sichron Jaakow, Beth Sch'an, Nablus, Tulkerem, Hebron und Qaza, herausgekommen. Die sorgfältig bearbeiteten und gut ausgeführten Karten Kosten pro Exemplar 0,100 £P. Außerdem hat das Survey Department Meßtischblätter im Maßstabe von 1:20 000 herausgegeben, die in ihrer famosen Ausführung die sorgfältige, wenn auch sehr langsame Arbeit dieses Departments erkennen lassen. In endgültigem Buntdrucke ist der größte Teil der Sektionen des Küstengebietes, des Fmek Jesreel und des Galil zum gleichen Preise pro Karte erschienen. — Einen guten Ueberblick über die Verteilung jüdischen Landbesitzes in Palästina bietet die neue Palästina-Karte der „Palestine Land Development Company", die vor kurzem im Maßstabe 1:250 000 in den Handel gebracht worden ist. Auf dieser Karte ist auch genau das Straßennetz Palästinas nach dem letzten Stande verzeichnet. Der Preis dieser Karte beträgt 0,250 HP. — Der Palestine (V Egypt Llovd hat erstmalig eine „Time-Table for the Near and Middle Fast" herausgegeben. Es ist eine nützliche und übersichtliche Zusammenstellung der hauptsächlichen Reisewege in Aegypten, Sudan, Palästina, Syrien, Libanon, Irak, Iran, Cypern und der asiatischen Türkei. Durch diesen Fahrplan wird dem Reisenden im Nahen und Mittleren Osten das nicht einfache Aufsuchen und Zusammenstellen der Routen erleichtert. Durch die Preisangaben kann der Tourist sich auch schneit einen Uebcrschlag der notwendigen Fahr- und Flugspesen verschaffen. Die Zusammenstellung der Flug-, Bahn-, Autokar- und Küstenschiffahrtsverbindungen zeigt wieder einmal deutlich, wie zentral Palästina in das Verkehrsnetz des Vorderen Orients eingebettet ist. Der Preis dieses Fahrplanes beträgt 0,025 £P. —- Das Zionistische Informationsbüro für Touristen legt den Palästina-Reisenden die neunte, erweiterte und verbesserte Auflage des „Führer durch das neue Palästina" vor. Das 120 Seiten starke Buch ist in hebräischer, englischer, deutscher und französischer Sprache erschienen. Nach kurzer historischer und geographischer Einleitung wird die jüdische Kolonisation in all ihren Phasen und Zweigen ausführlich dargestellt. Mehrere Reiserouten führen durch alle wichtigen jüdischen Siedlungspunktc in Erez Israel. Praktische Winke für den Reisenden, statistische Daten und Kartenmaterial ergänzen das gut ausgestattete Buch. Der Verkaufspreis beträgt 0,050 £P. Geistiges Leben / Escha Bergmann lieber Judentum und Jude-sein Lange Jahre hatte man den Eindruck, daß sich das jüdische Palästina allzu probiendos den Fragen des Alltags hingab, ohne den geistigen Grundlagen seiner Existenz, nachzugehen. Die oft gehörten leichtfertigen Behauptungen, daß solches Streben nach Vertiefung und Begründung eine Angelegenheit des Luxus und der satten Kultur sei, hat sieh nicht bewahrheitet. Es ist hier schon gezeigt worden, wie sich die Frage der Religion und damit verbunden die Frage des geistigen Gesichtes des Judentums an den praktischen Aufgaben der Kindererziehung entzündete. Die folgenden Berichte zeigen, wie mit der Errichtung d e r Hebräischen Universität Fragen der Methodik und des Inhalts unabweisbar wurden, die zu einer Klärung der Grundprobleme des Judentums drängen. Prof. Roths programmatischer Vortrag Der Inhaber des Achad-Haam-Katheders für Philosophie an der Universität Jerusalem, Prof. Leon Roth, hält alljährlich am Todestage Achad Haams eine besondere Vorlesung, die philosophische Probleme allgemeinen Charakters in ihren Beziehungen zum Judentum beleuchtet. Die diesjährige Vorlesung anläßlich des 10. Todestages galt der Frage der Definition des Judentums. Prof. Roth ging von Gedankengängen des Aristoteles aus, der in jedem Dinge ein Element der Veränderung und ein Element der Beständigkeit sieht. Die Form ist das beständige Element, der Stofi das sich Verändernde, und im Kampf der Form gegen den Stoff vollzieht sieh die Entwicklung. Jedes lebende Ding hat seine Form, die sich an ihm nach und nach offenbart, und die Definition eines Dinges ist die Bestimmung dieser Form, die sich im Wandel enthüllt. Daher gehört die Definition erst an den Schluß, wenn sich das Wesen im Laufe der Entwicklung offenbart hat. Auf das Judentum angewandt: Bei einer Bemühung, es zu definieren, erhebt sich die Schwierigkeit, daß man eine Gattung bestimmen müßte, in die es einzugliedern wäre, wie etwa Religion, Volk, Zivilisation usw. Eine gültige Definition eines lebenden Organismus kann im strengen Sinne erst nach Ablauf seiner Entwicklung gegeben werden. Man kann aber die einzelnen Stadien der Entwicklung fassen, und diese einzelnen Stadien weisen auf die verborgene, aber sich immer mehr enthüllende Substanz hin. Fs gilt nicht die abstrakte Frage nach dem Wesen des Judentums zu stellen, sondern nachzuspüren, wie sich unter den verschiedenen Süßeren Bedingungen dieses Wesen offenbart. Die Geschichte stellt Fragen an das Wesen, und dieses gibt die Antwort. So trat zur Zeit des Hellenismus die Versuchung eines geläuterten Heidentums an das Judentum heran, und es antwortete mit „Nein , und in derselben Zeit erhob sich die Frage der Vereinbarkeit der stoischen Moral mit dem Judentum und wurde durch Philos Mund bejaht. So stand vor Mairnonides die Frage, wie weit das Judentum die Ergebnisse der Wissenschaft annehmen kann, und wmrde positiv entschieden, und in einer fruchtbaren Weise, die sich auch für andere Religionen auswirkte. So stand vor Mendelssohn die Frage der Vereinbarkeit des Judentums mit der bürgerlichen Emanzipation, und aus der Antwort, die das Judentum durch seinen Mund gibt, können wir viel, besonders auch für Palästina, lernen. Aus all dem folgt, daß eine abgeschlossene Definition des Judentums nicht möglich ist, denn das Judentum lebt. Wir können nicht wissen, was die zukünftigen Offenbarungen des Judentums sein werden, und dürfen uns nicht durch eine willkürliche Definition vorzeitig binden und uns so den dringenden gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Problemen entziehen, die Gegenwart und Zukunft an uns stellen können. Neue jüdische Geschichtsschreibung Auf diesem Gebiete zeigt sich am deutlichsten die geistige Umkehr, die Zionismus und Palästina für das Judentum bedeuten. In der letzten Zeit konzentrierten sich in der in Jerusalem erscheinenden historischen Zeitschrift „Zion" Bestrebungen zu einer neuen Auffassung und Methodik jüdischer Geschichtsschreibung, die wohl als neue historische Schule bezeichnet werden dürfen. Auch in den Gesichtskreis des Juden in Deutschland sind sie durch die Veröffentlichung von Fritz Bacrs Buch „Gallith" getreten. In der genannten Zeitschrift werden die jüdischen historischen Fragen in selbstbewußter und unbelasteter Weise ohne jede Apologetik behandelt. Die Verfasser der dort gedruckten Arbeiten zeigen keine ängstliche Unparteiischkeit, sie treten als erklärte Zionistcn auf, als Anhänger des umstürzenden Versuches, das Problem der jüdischen Existenz zu lösen, als Mitträger einer Geschichte, die sie in ihrer Eigengesetzlichkeit bejahen, die sie ohne sich ihrer zu schämen betrachten und ohne sich von ihr zu distanzieren, in einer kurzen programmatischen Darlegung im letzten „Mitteilungsblatt" der Universität Jerusalem (auch deutseh erschienen) hat der Qeschichtsprofessor Fritz B a c r, der die zentrale Persönlichkeit dieser Bewegung ist, das Lehrfach „Jüdische Geschichte" in ausführlicher Weise abgehandelt. Ausgehend von einer historischen Betrachtung über die jüdische Historiographie der vergangenen Epoche erklärt er seine Absage an das verflachte historische Denken der Vergangenheit, das sich von dem Zwang zur Apologie nicht lösen konnte und für das bei dem immer weiteren Sichentfernen vom jüdischen Seinsquell die jüdische Seele ein „niedriges, geringes, fremdartiges, abstruses und komplexes Subjekt" sein mochte. Die so gewordene jüdische Geschichtsschreibung, die jeder einheitlichen historischen Konzeption entbehrt, erzeugt ein aus „nicht zusammengehörigen, schlecht vernähten Stücken verschiedener Provenienz" zusammengesetztes Geschichtsbild. „Mit diesen Mitteln soll das jüdische Volk zur Ausdauer in seiner historischen Position und zu politischer Aktion erzogen werden!" Diesen Zustand entscheidend zu ändern, ist eine schwierige, langwierige aber unabweisbare Aufgabe. Und Jerusalem ist der Ort dazu! Nicht nur weil hier archäologisches und archivalisches Material konzentriert ist, nicht nur weil es ein Sammelbecken der Diaspora und mit jüdischem Bildungsstoff gesättigt ist, sondern weil hier der „Mittelpunkt des Kampfes um die Lösung des jüdischen Schicksals" ist. Mit wenigen Worten umreißt Prof. Baer das Wesen neuer jüdischer Geschichtsauffassung: „Die jüdische Geschichte stellt einen einzigartigen Werdegang dar, der sich dem Maßstab eines modernen Nationalismus ebenso entzieht wie den rationalen Kategorien der westeuropäischen Geschichtsbetrachtung. In all ihren schwer deutbaren Aeufierungen leuchtet immer wieder der Ausdruck einer unablcitbaren historischen Kraft auf. Darin liegt ihre Bedeutung nicht nur für uns, die wir ein Teil dieser Kraft sind, sondern ihr objektiver Erkenntnis- und Bildungswert überhaupt." Hebräisehe Literatur / Israel Kohn „Haneft sorem leiam hatichon" Im „Palästinensischen Büchcrverlage" (hozaat hasfarim haerez Israelit) erschien ein Roman in zwei Teilen unter dem Titel „Haneft sorem lejam hatichon" (Petroleum strömt zum Mittelländischen Meer) — von Israel Zaren i. Der Verfasser schildert Galiläa und das Leben der dortigen jüdischen Bauern. Die Achse der Handlung bildet die Geschichte eines galiläischcn Jünglings, der bereits der zweiten Generation der Befreiung angehört. Er führt in einer arbeitenden Umgebung ein Leben der Arbeitend atmet Heimatluft, fast ohne sich dessen bewußt zu sein. Aber eben deswegen fühlt er die Enge der Grenzen des ihm fürs Leben überlassenen Ortes und sehnt sich nach einem neuen Werke, das etwa einen Ausdruck bilden soll für das in ihm lebende Bedürfnis, irgend etwas bisher nicht Dagewesenes zu schaffen. Nach vielen Wanderungen landet er in den Pctroleumwerkcn von Mesopotamien, wo er sich mit den technischen und theoretischen Einzelheiten der Einrichtung vertraut macht. Die Arbeit in der Wüste und alle sich daraus ergebenden Widerwärtigkeiten bringen ihm Befriedigung. Obwohl die Handlung des Romans uns zu keiner besonderen Lösung des aufgeworfenen psychologischen und gesellschaftlichen Problems führt, stellt er doch als Versuch, sich in die Schicksalsfrage der im Lande geborenen Jugend zu vertiefen und sie künstlerisch zu bearbeiten, einen großen Wert dar. Einerseits findet diese Jugend fast alles für sich vorbereitet: sie spricht hebräisch, wohnt in jüdischem Lande, arbeitet in der Landwirtschaft und kostet in selbstverständlicher und keine Anstrengungen von ihr verlangender Art den Geschmack der Heimat aus. Doch andererseits begnügt sie sich nicht mit der für sie bereits von anderen geschaffenen Gegenwart und strebt nach eigener Schöpfung. Israel Zarchi ist in der hebräischen Literatur kein neues Gesicht. Im Jahre 5693 wurde von ihm eine Erzählung unter dem Titel „Alumim" (Jugend) herausgegeben, vor einem Jahre eine Erzählung unter dem Titel „Jamim jechefim" (Barfüßige Tage). „Baol hakkibusch" Im Verlag „Bamaaleh" in Tel-Awiw erschien ein Roman von Josef Chanani unter dem Titel „Baol hakkibusch" (im Joche der Eroberung der Arbeit). Der Verfasser schildert das Leben der Chaiuzim und des Kibbuz in der Periode der Eroberung der Arbeit, die im wesentlichen einen bis heute dauernden Zeitabschnitt bildet. Es ist ein Hymnus auf das Ringen der jüdischen Jugend "mit der Natur und dem Klima des Landes und auch mit der eigenen Natur, die keinesfalls Schritt hält mit den Forderungen des neuen schweren und aufreibenden Lebens der Arbeit, das auf Realisierung einer neuen sozialen und nationalen Schöpfung gerichtet ist. Auf der einen Seite starker Wille, suf der anderen Schwäche des Charakters und äußere Hindernisse. Die Zelte, die Verwüstung ringsum, die Koischim, die Einsamkeit des Ortes und die Idee, um derentwillen sie ins Land kamen, all das verwirrt das Gewebe der Verhältnisse zwischen den Menschen, deren Gedanken und deren Verwirklichung, und wirft noch das schwere Problem einer neuen im Entstehen begriffenen Erotik auf. Die in der Stadt die erotischen Verhältnisse verdeckenden gesellschaftlichen Hüllen und Scheidewände fallen von selbst weg, die Seele des Menschen wird ihrer Panzer entblößt. Unter diesen Bedingungen ist es nicht mehr möglich, sein Benehmen irgendwelchen konventionellen Rahmen anzupassen, vielmehr ist es ein Gebot der Notwendigkeit, für den noch formlosen Stoff der erotischen Lebensverhältnisse eine neue Form zu schaffen. Der Verfasser veröffentlichte vor einigen Jahren eine Erzählung unter dem Titel „Banetiv hajessorim" (Auf dem Schmerzenspfade). „Mazcva" Der Dichter Schimonovitz Heß seine große „Mazeva" (Ein Grabstein) benannte Idylle in einem besonderen Heft erscheinen. Der glänzende Schöpfer von Idvlien lieferte wieder ein dichterisches und künstlerisches Meisterwerk, das einen Gedenkstein der zweiten Alijah darstellt. Die Idylle wurde ursprünglich in der jedes Jahr zum Andenken Bialiks erscheinenden Sammelschrift „Knesset" gedruckt. Bekanntlich feierten unlängst der Jischuw und die hebräische Welt den fünfzigsten Geburtstag des Dichters. „Mealef u>ead Tav" (Von Alef bis Tav) Unter diesem Namen gab Jehoschua Tanf i ein Liederheft heraus. Der Charakter der Lieder ist subjektiv-lyrisch. Interesse erwecken die Benennungen der einzelnen Teile: Da bin ich, Vierundzwanzig Stunden, Blitze und Nebel usw. Soweit bekannt, ist der Herausgeber ein neuer Name in der hebräischen Literatur. Es ist aber auch möglich, daß man es mit einem Pseudonym zu tun hat. Man hört in diesen Liedern orientalische Melodien. Auch sieht man in sprachlicher und stilistischer Richtung den Einfluß der jungen hebräischen Dichter. „Bamassechet" Der Hauptausschuß der Angestelltenorganisation des „Merkas lachinuch" (Erziehungszentrale) der „Histadrut haovdim" gab den ersten Band der Schriften M. A. Bei gel s unter dem Titel „Bamassechet" heraus. Es ist eine Sammlung von Abhandlungen über Fragen von Erziehung und Unterricht. In seiner Einleitung sagt der Verlag u. a.: „In diesem Bande sammelten wir einen Teil der Abhandlungen M. A. Beigeis, eines der hervorragenden hebräischen Pädagogen, der in den letzten zwanzig Jahren in den ersten Reihen der Erneuerer der hebräischen Erziehung und ihrer Reformatoren in Theorie und Praxis steht. Die Abhandlungen wurden geschrieben in der Galuth und in Palästina im Laufe von zwanzig Jahren über Fragen von Erziehung und Unterricht, die zum Teil seinerzeit in der pädagogischen Welt neu waren und, durch den Verfasser vom Gesichtspunkte der nationalen Renaissancebewegung und ihrer Lebensbedürfnisse beleuchtet, vor die Gemeinde der hebräischen Erzieher gebracht wurden. Er bemüht sich, seine Arbeit den Idealen des arbeitenden Erez Israel anzupassen. Von diesem Gesichtspunkte aus werden hier die Probleme der Erziehung zur Arbeit beurteilt und die Grundlagen der Erziehung für die Gesellschaft geklärt." Der Verfasser ist einer der Leiter des Sehulnetzes der Histadrut haovdim. Seine Schriften werden von seinen Freunden aus Anlaß seines 50. Geburtstages herausgegeben. „Ramat hakowesch" Die Histadrut haovdim gab ein Heft unter dem Titel „Ramat hakowesch" heraus. Es ist eine Sammlung von Abhandlungen und Beschreibungen aus der Feder der Chawerim des Ortes. Ramat hakowesch ist ein im Scharon angesiedelter Kibbuz. Die junge Siedlung liegt zwischen arabischen Dörfern am Rücken einer Anhöhe und war in der Zeit der Unruhen ein Hauptziel für die Angreifer. Dort fielen ein Chawer und eine Chawcrah. Das Buch sammelt Zeugnisse und Aeuiierungcn über die Geschichte des Ortes. Zur Zeit ist es die erste Sammlung von Aufzeichnungen aus jenen schweren Tagen. (Schluß des PalSstina-Teili)