Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1937-02-19 · Heft 14 (19.2.1937) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 14 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653625-2653639--30326-2684869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

14 entity mentions

Nr. 14, 19. II. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 15 Sensationsmeldung Uber Teilung Palästinas Jerusalem, 15. Februar. (JTA.) Die dem Mufti nahestehenden arabischen Zeitungen erklären, daß die Kgl. Kommission für Palästina ihrem Berichte, der Mitte Mai erscheinen soll, Vorschlage beifügen werde, in denen die Teilung Palästinas in einen indischen und einen arabischen Teil empfohlen wird; der "arabische Teil solle Transjordanien angeschlossen werden und unter die Herrschaft des Emir Abdullah kommen, der jüdische Teil solle eine jüdische Regierung erhalten. Gewisse Punkte des Landes, wie z. B. Jerusalem, sollen auch nach der Teilung der britischen Verwaltung unterstellt sein. In den Meldungen wird weiter behauptet, die Kgl. Kommission werde auch andere fundamentale Aenderungen im politischen Status Palästinas vorschlagen. (Wie erinnerlich, wurde schon vor längerer Zeit behauptet, Emir Abdullah hätte der Kgl. Kommission anläßlich ihres Besuchs in Amman ähnliche Pläne unterbreitet; Abdullah hat dies jedoch dementiert.) Aus Ramoth-Haschawim wird uns berichtet: Ende Dezember fand in Ramoth-Haschawim die dritte ordentliche Generalversammlung der Kooperative EI-AI statt. Die Kooperative wurde im Jahre 1«'J4 von den ersten Siedlern gegründet mit dem Zwecke, den Absatz der in den ein/einen Privatwirtschaften erzeugten Frischeier zu übernehmen. Fs war damals ein Wagnis für die im Lande und in der Landwirtschaft unerfahrenen Einwanderer aus Deutschland (Kaufleute und Akademiker), unabhängig von anderen Organisationen ein eigenes Unternehmen zu beginnen. Die von Anfang an günstige Entwicklung der Genossenschaft hat in dem Geschäftsjahr 1035,36 angehalten. Die Beliebtheit der Produkte beruht auf der Tatsache, da» es gelungen ist, durch besonders sorgfältige Methode ein gleichmäßiges, qualitativ besonders hochwertiges Ei zu erzielen, das binnen 21 Stunden vom Stall zur Verkaufsstelle gelangt. Die Mitglicclerzahl der Genossenschaft ist auf 47 gestiegen. Die Wirtschaftsgebäude wurden vergrößert, desgleichen die maschinelle Einrichtung. Ein Versuchsstall zur Bekämpfung und Verhütung von Krankheiten wurde unter der Leitung eines erfahrenen Zoologen unter Mitwirkung des lnstruktors geschaffen. Der Gesamtumsatz der Kooperative im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug £P 33000. Eine weitere Steigerung der Produktion ist im neuen Geschäftsjahre zu erwarten. Als neuer Artikel wurde Honig aufgenommen, der am Ort, in unmittelbarer Nähe der Pardessim, gewonnen wird. Für die Zukunft bilden die steigenden Weltmarktpreise für Futtermittel eine Belastung. Mais z. B. ist im Laufe des Geschäftsjahres um ca. 30 »» gestiegen, Gerste um über 50 <y0. Es sind deshalb Anträge bei der Regierung auf Zollermäßigung für Futter gestellt worden. Der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren K i e vv e, Mannheim, Igel, R c h f e I d, Hermann wurde für das neue Geschäftsjahr wiedergewählt. Synagoge „Schiwath Zion" in Tel-Awiw. Uns wird gesehrieben: Diese aus „Minjan Hazafon" hervorgegangene und von einigen Männern aus dem Kreise der Olim aus Deutsehland im vorigen Jahre begründete Synagogengeinciuschaft konnte vor kurzem unter aulSergewöhnlich starker Beteiligung von Mitgliedern und Freunden dir erstes Stiftungsfest feiern. Das Stadtgebiet von Tel-Awiw hat in den letzten Jahren eine immer größere Ausdehnung erfahren, und besonders in dem neuen nördlichen Stadtteil, der sich längs der Elieser Ben Jchuda-Stralie bis zum Hafen und Ausstellungsgebäude hinzieht, war die Zahl der aus Deutschland eingewanderten Familien so stark geworden, daß das Bedürfnis nach einem religiösen Zusammenschluß und Schaffung eines Sammelpunktes für den „Zafon" immer dringender wurde. L)cr zunächst in einem bescheidenen Raum eingerichtete regelmäßige Scliabbatgottesdicnst erfreute sich eines so regen Besuches, daß bald an eine Vergrößerung des Betlokales gedacht werden mußte. Zu diesem Zweck wurden geeignete Räume im Gymnasium „Ben Jchuda" (llagalil- Straße) gemietet, die jetzt au jedem Schabbat überfüllt sind. Der Gottesdienst, der ganz, nach traditionellem Ritus, im übrigen mit sephardischer Aussprache und Anlehnung an Lewandowskische Gesänge geregelt ist, übt gerade dadurch eine starke Anziehungskraft aus. Predigten werden von Rabbiner Dr. Wilhelm Levy in hebräischer und deutscher Sprache gehalten. Am letzten Chanukkah fand eine Eiuweihungsfeicr von zwei Thorarollen statt, die der Synagoge gestiftet wurden, die eine ein Geschenk aus Deutschland von der Familie Struck aus Frankfurt a. O. und die /weite von Mitgliedern und Freunden der Synagoge gespendet. Außer den Gottesdiensten veranstaltet die Synagogengeineinschaft „Schiwath Zion" auch regelmäßige Gemeindeabentle unter Leitung des Vorsitzenden Dr. L. Schocken, dessen eifriger Tätigkeit der Verein viel zu .seinem Aufblühen verdankt. Als nächste Aufgabe hat sich die Vereinigung neben der Schaffung eines eigenen würdigen Gotteshauses den weiteren Ausbau seiner sozialen und kulturellen Einrichtungen gestellt, wobei insbesondere auf die Mitarbeit der neuen Olim aus Deutschland gerechnet wird, um ihre Eingliederung im Land zu fördern und zu erleichtern. Juden und das Jerusalemer „Syrische Waisenhaus". Der „Fränkische Kurier", Nürnberg, berichtet über einen Vortrag der Ncuendettelsauer Missionsanstalt, bei dem Direktor Schneller vom Syrischen Waisenhaus in Jerusalem sprach. Er schilderte bei dieser Gelegenheit die Ereignisse in Palästina im vergangenen Jahre und sagte nach dem Bericht u. a., daß „die Angriffe der Juden, die hinter dem Syrischen Waisenhaus Helfershelfer der Araber sahen, immer bedrohlicher wurden". Das Syrische Waisenhaus sei verdächtigt worden, den Arabern Munition zu liefern. Die Polizei habe Haussuchungen vorgenommen, und wenn ein Bewohner am Tag zweimal durch ein Tor aus- und einging, sei er zweimal untersucht worden. Die Anstalt sei jetzt ganz, von Juden umgeben und es sei „während dieses Streikes ein leichtes gewesen, Handgranaten in die Anstalt zu werfen, die Mauern zu übersteigen und die Gärten zu zertrampeln". — Wir wissen nicht, ob Direktor Schneller damit sagen wollte, wie aus dem Zusammenhang hervorzugehen scheint, daß derartige Angriffe von Juden auf das Waisenhaus unternommen worden sind. Bekannt ist demgegenüber in der ganzen Welt, daß die Juden Palästinas sich aller Angriffe enthalten haben und während des Araberstreiks und Aufruhrs mit mustergültiger Disziplin sich darauf beschränkten, die auf sie gerichteten Angriffe abzuwehren. Dies dürfte jedem, der in Jerusalem selbst die Ereignisse erlebt hat, bekannt sein. Karte von Haifa und Mount Carmel, vierfarbig, im Maßstab 1:10 000; bearbeitet und gezeichnet von Zwi Friedender; mit Nebenkarte der Wohn- und Industriegut» in der Haifa-Bay. Auf dem Carmel sind erstmalig im Zusammenhange mit Hadar Hacarmcl und Stadtgebiet alle Parzellierungen dargestellt und durch die Einfügung von 50 m Höhenschichtlinien ist die natürliche Situation jedes Punktes verständlich. Die Karte ist hebräisch und englisch beschriftet. Verzeichnisse der Straßen, sowie von HO aufgeführten Gebäuden und Aemtcrn ermöglichen eine schnelle und zuverlässige Orientierung. Die Karte ist nach dem Stande von Ende 1936 bearbeitet. Herausgegeben von Georg Herz & Co. Ltd., Haifa. Araber gegen Araber In Jaffa fanden zahlreiche Kaubüberfälle statt; die Serie begann bei Sonnenaufgang in der Moschee, wo zwei mit Revolvern bewaffnete Araber den einzigen Andächtigen seiner ganzen Habe beraubten. Mehrere Personen wurden in Jaffa verwundet. In der Nähe von Jaffa wurde auf einen Araber, der in einem jüdischen Geschäft eingekauft hatte, aus dem Hinterhalt geschossen. Der Araber war sofort tot. Im Zusammenhang mit diesem Ueberfall wurde im Jaffaer Zweigbüro des Arabischen Ausschusses eine Haussuchung vorgenommen. Auf das Rathaus in Haifa wurde nachts ein Bombenanschlag verübt, der das Gebäude leicht beschädigte. In Caesarea verübten Terroristen einen Einbruch in das Haus eines Mukhtars und ermordeten den Besitzer, der in der vergangenen Woche bereits Drohbriefe erhalten hatte. Eine Liste von 15 Christen und Mohammedanern aus Nazareth, die von den Terroristen als zum Tode verurteilt erklärt werden, wurde an der Eingangstur der Moschee in Nazareth angeschlagen gefunden. Auf ein Mitglied der Taha-I amilie wurde wiederum ein Botnbenattcntat verübt, das jedoch keine Folgen hatte. In Nazareth verübten bewaffnete Araber einen Ueberfall aut das Haus des Polizei-Inspektors Farradav; auf einen Adjutanten, der gerade aus einem benachbarten Haus kam, sämtliche Kugeln verfehlten i Rabbi Meir wurde ebenfalls geschossen; jedoch ihr Ziel. In T i b c r i a s wurde der Stilrein Baal-ha-neß erbrochen und beraubt. Aut das Haus von Saba Darwish, Leiter des Jerusalemer Streik-Komitees, wurden sieben Schüsse abgegeben; die Kugeln drangen durch die Wände, richteten jedoch keinen Schaden an. Eine Delegation von arabischen Notabein aus Haifa, darunter auch Mitglieder der Taha-I amilie, hatte eine Unterredung mit dem Gouverneur und erhob Protest gegen den Terror, zu dessen Unterdrückung die Regierung die schärfsten Maßnahmen ergreifen sollte. Kibbuz Hasade Ii, der erste SicdhmgspiuiM im Beisan- Gebiet, wurde beschossen. Ein Wächter erwiderte das Feuer, worauf die Angreifer verschwanden. Zwei Söhne des Dr. Levitis, eines Siedlers in Gan Schlonio, wurden auf dem Felde von Arabern beschossen, als sie die Pferde zur Heimfahrt anschirrten. Der ältere wurde schwer verwundet. Die beiden Pferde wurden verletzt. Judische Wächter in der Kolonie Chefziba wurden beschossen. Sie erwiderten das Feuer. Verletzt wurde niemand. Aus verschiedenen Teilen des Landes wird gemeldet, da-ß Fahrzeuge auf den Straßen durch Hindernisse zum Halten gebracht und beschossen wurden. Beschlüsse der Histadruth-Konferenz Zweites Dobrowen-Konzert Tel-Awiw, Februar. (JTA.) Die vor kurzem in Tel- Awiw abgehaltene 35. Jahreskonferenz des Hauptrates des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbaitdes Palästinas hat gegen wenige .Stimmen eine Resolution angenommen, in der die Jewish Agency zu den Aussagen ihrer Vertreter vor der Kgl. Kommission beglückwünscht wird. Alle übrigen Beschlüsse und Resolutionen der Konferenz fanden e i n s t i m m ige An n a h m e. In einer dieser Entschließungen wird der heroischen Haltung Anerkennung ge/ollt, die die Arbeiterschaft und die gesamte jüdische Bevölkerung während der Unruhen bewahrt hat. Protest erhoben wurde gegen die s c h w a n k e n de 11 a 1 t u n g d e r Regierung angesichts der arabischen Agitation, eine Haltung, durch die die Stellung des Obersten Arabischen Komitees gestärkt worden sei; ferner wurde protestiert gegen das Amt der Oberstaatsanwaltschaft, das nach Atisicht des Hauptrates der Histadruth als ein Instrument benutzt worden sei, um das Gesetz unwirksam zu machen, sowie gegen die Begrenzung der Zahl von Juden in der Polizeitruppe Der Hauptrat richtete an die Juden den Appell, sich um die Zionistische Organisation zu scharen und forderte die Arbeiterschaft, insbesondere die werktätige Bevölkerung Englands auf, den zionistischen Anstrengungen ihre Unterstützung zu gewähren. Von der Sozialarbeiter-Konferenz In der Schlußsitzung der dreitägigen Landeskonferenz der Sozialarbeiter Palästinas faßte Miß 1 lenrietia Szold die Ergebnisse der Beratungen zusammen. Sie erklärte, die Sozialarbeit in Palästina müsse um die F a m i I i e als Mittelpunkt aufgebaut und ausschließlich durch die Bedürfnisse der Familie geleitet sein. Partc:grundsätze, Splitterorganisationen und Dezentralisierung müßten überwunden werden. In den von der Konferenz gefaßten Resolutionen wird die Notwendigkeit betont, die Arbeit im kommenden Jahr zu vereinheitlichen, um eine Wiederfestigung der durch die I 'nrtihen erschütterten sozialen Verhältnisse herbeizuführen. Fs wird eine Organisation fiir Kinder- und Jugendhilfe geschaffen, deren Leitung aus Vertretern aller zionistischen Institutionen des Landes bestehen soll. Die Arbeit der Gesellschaft soll durch Sammlungen finanziert werden, wobei die 1000 Pfund, die im vergangenen Jahr als Ehrengeschenk für Miß Szold anlaßlich ihres 75. Geburtstages aufgebracht wurden, den Grundstock bilden werden. Jerusalemer Kunstbericht Die Steimat.'ky-Gallery zeigt 17 Arbeiten (Oelbildcr, Blei- und Federzeichnungen und Aquarelle) des jungen aus Riga stammenden Malers Alexander Kopeloviteh. Hermann Swet von der Redaktion der hebräischen Tageszeitung „llaarez" eröffnete die beachtliche Kollektivausstellung mit einem kurzen Vortrag über Werk und Persönlichkeit des Künstlers. Kopeloviteh, durch und durch Naturalist, der oft geradezu mit photographischer Treue sein Objekt behandelt, erweist sich als erfolgreicher Schiller deutscher und russischer Meister. Seine Kunst stellt eine Art Svnthese von deutscher und russischer Malerei dar. Allerdings ist es seltsam, wie dieser junge Maler von den Ktmstströmungen der Gegenwart fast unberührt blieb und seine Vorbilder ausschließlich aus dem späten 10. Jahrhundert wählt. Seine Landschaften vor allem erinnern an die sogenannte Pleinairmalerei des vergangenen Jahrhunderts. Kopelovitchs Stärke liegt im Porträt: hier, wo es auf eine deutliche Wiedergabc der Natur ankommt, stellt sich ihm d i e Aufgabe, und er bist sie mit viel Geschick, zumal in den I raucnhildnissen. Besonders wohlgelungen ist auch ein Stilleben, eine Geige und Noten: ein Bild, das viel Atmosphäre und Raumwirkung hat. Die Landschaften, die Kopeloviteh zeigt, sind fast ausschließlich noch russische; wir hoffen, daß der Künstler bald daran gehen wird, sich mit dem landschaftlichen Problem Erez Israels und dem seiner Bewohner zu befassen. > Schalora Ben-Chorin Ein Kibbuz feiert Küchenreformen Wäre es in früheren Jahren denkbar gewesen, daß ein ganzer Kibbuz sich versammelt, um Verbesserungen in seinem Küchenbetrieb zu feiern? Aber die Einsicht dafür, was rationelle Küchenführung und Ernährung für die Leistungsfähigkeit und das Budget einer Gemeinschaft bedeuten, wächst unter dem Einfluß der Wizo-Propaganda. So geschah es, daß der ganze Kibbuz Hassadeh den Abschluß des zentralen Vierteljahr-Kochkurses der Wizo festlich beging, mit Dankesbezeugungen an die Adresse der Wizo und an die Experten, die den Kurs geleitet hatten. Der Kibbuzsckretär schilderte die Bedeutung der Ersparnis und der zweckmäßigen Verwendung eines jeden Mil bei dem schmalen Tagesbudget des Kibbuz und die Genugtuung, mit der sie während der Dauer des Kurses das schmackhaftere, abwcchlungsrcicherc und gesündere Essen und die ästhetische Anordnung bei Tisch empfunden hatten. Auch Teilnehmerinnen des Kurses aus den anderen Kibbuzim, alles ganz junge Gruppen, sagten ihr Dank. Und von der Instruktionsabteilung der Wizo wurde an sie der Appell gerichtet, als wahre Chaluzoth in ihren Kibbuzim die erhaltenen Kenntnisse zu betätigen. (Wizo-Pressedicnst) Auch an seinem /weiten Abend bewies sich der Dirigent Iss'ü Dobrowen als eine eigenartige und höchst eindrucksvolle Mu-ikerpcrsönlichkcit. Das Orchester reagierte gespannt und inspiriert auf die int. umsank- I licrogiypben» spräche seines Stabes; Nuancen, Klang, I :u ben, Akzente; starke Kontraste der Dynamik und der Tempi: plastische Instrumentalgruppen: all das winde prachtvoll heraus« geai beifet. Das Programm w ar ein Id.i-sisi h'-< Standardprogramm. Handels 10. Coneerto grossn in D-.Moll, „Anakreon"- Ouvcrtüre von Cheriihini, Bachs 3. Brandenburgi-ches Konzert und Beethovens 5. Sinfonie. Wenn ein Künstler wie l):>bn>\vcn, der einem so spezifischen Kulturkreis entstammt, Bach. I laude! und Beethoven dirigiert, so kann man von ihm natiiigemalS keine klassischdeutsche, keine gemäßigte oder irgendwie traditionelle Interpretation erwarten. Fs jst natüiliib nicht anzunehmen, daß Dobrowens dreifaches ppp im 1 inti ( eine der Hauptstarken seines Dirigenten-Stils - ) oder seine stark gefühlsbetonten, außergewöhnlich langsam genommenen Mittelsät/e im Sinne der deutschen Bach-I kuulel-Tradition aufgefaßt werden können -- trotzdem bleibt der Eindruck einer sehr überzeugenden, kraftvollen Musikalit it, eines Interpreten, der diese wie jede andere Musik, die in seinen Bereich fällt, neu erlebt und neu deutet. Der I lörer hat dabei vieles Ungewohnte zu schlucken und vieles Vertraute wird er oft schwer wiedererkennen. Wahrend Dobrowen in seinem ersten Konzert gar nicht so originell wirkte, zeigte er hier gerade bei seiner „Kommentierung" klassischer Musik durchaus umgestaltende Zuge, besonders in Beethovens „Schickst!ls-Sinfonie". Der Begriff der deutschen Klassik erschien hier plötzlieh nicht mehr zureichend; das Wühlerische, das Zerrissene gewann die Oberhand. Vielleicht hat Dobrowen hier einiges sogar etwas zu lebhaft unterstrichen — uns scheint Beethovens Pathetik doch irgendwie geformter, gefestigter — bei aller „Dämonie". In Bachs Brandet;'uirgischein Konzert betonte der Dirigent — der «tilgeinitlt vom Cembalo aus dirigierte — die konzertante, aufgelockerte, dynamische Linie. Alle Soli waren vorzüglich besetzt: J. Dobrowen (Piano), A. Weißgerber (Violine), J. Shumer (Flöte). Es ist bedauerlich, daß Dobrowen, der sich die Sympathien der Palästinenser unmittelbar erworben hat, so bald das Land verlassen muß. Alice J a c o b - L o e w e n s o n Der Todestag' von Joel Engel jährte sich in fliesen Tagen zum zehnten Mali. I .ngel hat sich große Verdienste um die Idee einer „judi.-chiü Musik" erworben. Fr sammelte im Rußland der Y'orkricgs/iit alles ihm verfügbare Material über jüdische Volksmusik und gründete im Jahre l'HK die „Gese'llschaft für judische Volksmusik" m St. Petersburg (jetzt Leningrad), die eine große Zahl von indischen Volksliedern in seiner Bearbeitung herausgab. Außer durch diese Ausgaben ist Engel besonders durch die Bühnenmusik zu Anskis „Dvbuk" bekannt geworden. Nach dein Kruge lebte Engel einige Jahre in I leutsi bland und üb. rsicdHul'C'l nach Tel-Awiw. Dort wirkte er als Lehrer an der Musik-chiile und komponierte eine Reihe von Liedern, die in Palästina populär wurden. Er starb dort im Februar W27, Dr. Felix Danziger j.K 50 Jahre. Einer der bekanntesten Vertreter der Juden aus Deutschland in Palästina, der Chirurg Dr. Felix D a n / i g e r in Tei-Awiw, vollendet am 10. Februar sein 50. Lebensjahr. Di. Dan/iger kam im Jahre 1022 mit Frau und drei Kindern nach Frez Israel; er gab eine große Praxis in Hamburg auf, iiin als ein Vereinzelter die ideale Forderung zu erfüllen, die das K. J. V. an seine Mitglieder gestellt hatte. Als er seine Alijah antrat, hatte er bereits als Vorsitzender der ZOG. Hamburg mitten in der aktiven zionistischen Arbeit gestanden. Dr. Dan/'gcr ist in all diesen 13 Jahren eine zentrale Figur dir aus Deutschland stammenden Kreise gewesen. Sein Urteil über Menschen und Dinge war immer klar und nüchtern. Seine Arbeitskraft und Arbeitsfreude in allen Fragen des Aufbaus waren und sind unerschöpflich. Außerordentlich groß ist seine unermüdliche Hilfsbereitschaft gegenüber den Juden;ius Deutschland, die von 1*)'i3 ab ins Land kamen. Nirgendwo sind seine menschlichen Qualitäten so hervorgetreten, wie, wenn es sich darum handelte, zu helfen. Dr. Danziger bat seine (von den unseren oft abweichenden — A. d. R.) Ueber/eiigungen niemals verschleiert. Wie in allen Dingen des Lebens ist er ainh hier ehrlich und einfach. Seine vielen Freunde begingen mit ihm diesen Tag, um ihn ihrer herzlichen Zuneigung zu versilbern. (Auch wir gratulieren dem „alten Gegner" und liebenswindigen Menschen. — A. d. R.) Theodor Z. loeisti Todesfall. Am 27. Januar verstarb in Tel-Awiw im Alter von 74 Jahren einer der angesehensten Rabbiner, Rabbi Aron H e y m a n aus London, der in Tel-Awiw seit drei Jahren lebte. Nachrufe hielten: Oberrabbiner Amiel, Rabbi U/iel und Rabbiner Scew, Rabbiner aus Litauen. Alle Redner befaßten sich mit seinem literarischen Schaffen, das eine Reihe bedeutender historischer und religiöser Publikationen umfaßt. Barmiiwah-Tcrminci Am 20. Matz, (8. Xi-.-..ui): Si hlomo Kenner!, Sohn von Gustav Rciin-ert,' Jciu.-jlem-Keeh.r,i iah, IVvod.kmäUate 15.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.