Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 19. II. 1937 HAIFA 1937 Was die Woche brachte Von ujiserein palästinensischen Korrespondenten gl., Tel-Awiw, 11. Februar 1937 9er High Commlssioner auf Urlaub Sir Arthur Wauchopc hat sich in diesen Tagen im Flugteug für einen kurzen Urlaub nach England begeben. Wie m der überstark politisierten Atmosphäre Palästinas unvermeidlich, hat sofort ein großes üemunkel darüber begonnen, »b es sich wirklich bei dieser Fahrt um einen Urlaub han- Jele oder um eine dringende Einladung der Londoner Regieting im Zusammenhang mit den weitereu Arbeiten der Peel- Kommission. Der Urlaub Waucliopes war seit langem fällig, lie sich überstürzenden Ereignisse im Lande haben ihn •Himer wieder an seiner Engjandreise gehindert, und es wäre nur verständlich, wenn er die gegenwärtige „Atempause" bis sur Veröffentlichung des Berichtes der Kommission für eine Ruhezeit ausnutzen wollte. Zugleich wird sich fraglos bei Jcm Londoner Aufenthalt des palästinensischen High Commissioncrs auch die Notwendigkeit ergeben, verschiedene der komplizierten Palastinafragen direkt mit der Regierung und dem Kolonialamt zu besprechen. Es hat in der palästinensischen Oeffentlichkeit besondere Aufmerksamkeit erregt, daß der High Commissioner direkt vor seiner Abreise Mitglieder des arabischen Rates zu sich einlud und ausführlich mit ihnen konferierte. Es ist charakteristisch für die Situation, dali im Zusammenhang mit dieser Besprechung sofort das Gerücht entstand, es sei von neuem die Frage des gesetzgebenden Rates auf der Tagesordnung erschienen. Das offizielle Communiquc der Regierung über die Audienz, das übrigens erst drei Tage später ausgegeben wurde, erwähnte freilich nichts dieser Art und begnügte sich mit der Feststellung, der Mufti und seine Kollegen hatten ihren Abscheu über die Terrorakte im Lande geäußert. Immerhin gibt gerade die unübertreffliche Kürze des (Kommuniques neuen Anlaß zu allen möglichen Vermutungen. l>a(i der Mufti und seine Freunde sieh abfällig über den Terror geäußert haben, wird i:n Lande mit einem geui-scii Achselzucken aufgenommen. Denn eine praktische Wirkung hat diese Erklärung bestimmt nicht. Nach wie vor ist die I'ageschronik voll von kleineren und größeren Ueberf.Ilen, R.iuberi ien und Attentaten, Das üeinhl der Unsicherheit dauert unverändert an. Die hebräische Presse appelliert daui r:ul an die Regierung, scharfer durchzugreifen, und leugnet die •.kum.iiiiSvin n Hinter gnmde der L'ebetfalle. Die heutige Nummer des „Dawar" schlagt wieder äußerst scharfe Töne an Hin! gibt ihrer Meinung Ausdruck, daß die „Unterscheidung zwischen politischen tiewaltakfen und gewöhnlichen Verbrechen ... nichts anderes sei als eine Machenschaft der palästinensischen Bürokratie, um die für die herrschende C H'sL.-(zlosigkeit Verantwortlichen veiteidigen. Sie (die Unterscheidung) wird nur gemacht, um die für die öffentliche Sh herheit Vcrantu orthcliui zu decken und diejenigen zu stutzen, die aus der im Lande herrschenden Gesetzlosigkeit ihnen genehme politische Konsequenzen ziehen wollen." Man kann über diese Auffassung sehr streiten, aber sie wird fraglos von weiten Kreisen im Lande geteilt und wirft ein Licht auf die bestehende Stimmung. Prozesse der Unruhen — Reorganisation der Gerichte? Mit Erstaunen und manchmal auch mit Erbitterung verfolgt das Publikum den Strom der Prozesse, der sich augenblicklich als Konsequenz der Unruhen des letzten Sommers an den verschiedenen Gerichtshöfen des Landes abrollt. Es zeigt sich bei dieseti Verhandlungen in sehr vielen Fällen ein Versagen der Anklage und des von ihr gesammelten Materials. Bei Vergehen, die ganz klar sind (zum Beispiel verbotenen Waffenbesitz usw.) bringt die öffentliche Anklage so lückenhaftes und den juristischen Vorschriften nicht entsprechendes Belastungsmaterial, daß sich die Richter gezwungen sehen, die Angeklagten zu befreien, obwohl ihre Schuld außerhalb jeden Zweifels ist. Es ist sogar vorgekommen, dali der Richter beim Urteil selbst auf diese erstaunlichen Zustande hingewiesen hat. Man bekommt den f indruck, daß die öffentliche Anklage ähnlich wirksam ist. wie große Teile der palästinensischen (arabischen) Polizei, die sich ja unfähig gezeigt hat, die Terroristen dingfest zu machen, sei es wegen der Tendenz der Bevölkerung, sie zu decken, sei es aus Sympathien oder Aengsten der Polizei selbst. Jetzt erhalt man den Eindruck, daß die Gerichte manche derjenigen, die trotz alledem gefangen sind, auch noch aus Maiicc! an Beweisen wieder laufen lassen müssen. Iii judischen Kn i<en regt sich fühlbarer Widerstand gegen diese Zustande, nicht etwa, weil man ein Vergnügen daran hatte, Menschen für lange Zeit in die Gefängnisse wandern zu sehen, sondern weil mau furchtet, daß die Straflosigkeit auch bei offenkundigen Vergehen dazu beitragen muß, die öffentliche Seherin it weiter zu gefährden. Unter diesen Um-tinden ist es von besonderem Interesse, daß der neu ernannte Oberrichter Truste (I gleich nach Antritt seine-- Amtes seine Aufmerksamkeit der Organisierung der verschiedi neu Gerichtshöfe im Lande zugewandt hat. Er konferii rte mit Vermtcrn der Anwaltschaft, besuchte \t r.-ihiidene 1 Jcrii'hfsgeluude und scheint sich aus erster Quelle eine genauere Uebersicht über den Gerichtsapparat vtrschaffen zu wollen. Eine zweckmäßigere Organisierung des Justizsvsfeir.s im Lande, das nach den Ansichten vieler Sirhver<-i.:indig-r stark veric'sserntn'sb? hirftig ist, wäre von allen Gesichtspunkten aus wünschenswert. Um den Lohn der Jerusalemer Straßenfeger In der Jerusalemcr Munizipalität, die seit Abbruch des arabischen Streiks wieder ihre normale Arbeit aufzunehmen beginnt (die Verwaltungsarbeit war durch die Nichtteilnahme der arabischen Stadtrate, einschließlich des Bürgermeisters Dr. Khaidi, stark behindert worden), hat in ihrer letzten Sitzung über die Einstellung und Bezahlung der Straßenreiniger der Hauptstadt verhandelt. Man sollte bei oberflächlicher Betrachtung annehmen, daß dieses Thema nicht von zentralem Interesse sei, und jedenfalls nur soziale, nicht aber politische Belange habe. So wie jedoch die Dinge zur Zeit in Palästina liegen, entwickelte sich die Diskussion über diesen Punkt zu einer hochpolitischen Angelegenheit, bei der die jüdischen und arabischen Stadtvätcr gegensätzliche Ansichten vertraten. Als im Sommer der arabische Streik durchgeführt wurde und auch die Munizipalitäten hineingezogen wurden, beteiligten sich daran auch die Straßenreiniger, die fast ausschließlich Araber waren. Die politische Unsicherheit machte zudem die Anwesenheit von Arabern in den jüdischen Vierteln einigermaßen unbehaglich, und so führte die Entwicklung dahin, daß in den jüdischen Quartieren Juden zur Straßcnreinigting eingestellt wurden. Nun haben bekanntlieh in Palästina die jüdischen Arbeiter ein höheres Lohnniveau als die arabischen, und wenn man auch einen Tageslohn Von 200 Mi! wahrlich nicht als ubermäßig bezeichnen kann, so ist er doch hoch im Verhältnis zu den IM Mil oder noch weniger, die die Araber bekommen. Jetzt, wo die Munizipalität wieder einigermaßen normal arbeitet und wieder Sitzungen des Stadtrats stattfinden, kam es zu einer Diskussion, ob die Juden bleiben sollen oder nicht und wenn ja, zu welchem Lohn. Der natürliche Ausweg aus der sehr delikaten Lage wäre die Einstellung von Juden und Arabern, denen man Die Entwicklung der Stadt Der Vorsitzende der Mufti-Partei, Djemal El Husscini, sagte vor der Königl. Kommission, daß ein erheblicher Teil der Rcgienmgsgclder für die Juden verwandt werde, z. B. für die Stadt Haifa, in der die Juden die Majorität bilden. Diese Angabc ist nur dann richtig, wenn man die Einwohner von Groß-Haifa zählt, eines Haifa, dem man über die eigentliche Stadtgrenzc hinaus die Bevölkerung der Haifa-Bay, der Achusah Sir Herbert Samuel und einiger anderer Punkte hinzurechnet. Dieses Groß-llaifa dürfte Anfang 1037 etwas über 100 000 Einwohner haben, von denen 53 000 Juden sind (unter ihnen etwa 9000 Einwanderer aus Deutschland), die sich wie folgt verteilen: 37 500 Hadar Hakarmel und anliegende Stadtteile 5 600 Altstadt 3 000 Mar Hakarmel und Achusah 1 300 Rath Galim 3 500 Kirjath Chaim 1400 Kirjath Motzkin 600 Kirjath Bialik der Rest in verschiedenen anderen Punkten, z. B. Ncwe Schaanan usw. Das Gelände am Hafen Innerhalb der Stadtverwaltungsgrenzen ist also eine jüdische Majorität noch nicht vorhanden. Die Entwicklung der Stadt hat im ganzen Jahre 1036, ungeachtet des arabischen Streiks, angehalten. Das Hafengclände ist zum großen Teil bebaut. Die ersten Häuser sind gerade jetzt bezogen — auf den noch freien Plätzen beginnt die Ausschachtung. Besonders große Bauten sind oder werden von der Orangen-Gesellschaft „Pardes", der englischen Barclays- Bank, der „Tenuwah" errichtet; der neue Personenbahnhof, größer und repräsentablcr als irgendein bisher in Palästina bestehender, steht vor der Vollendung. In dem ganzen Viertel wird der Charakter Haifas als Hafenstadt durch Lagerhäuser, Bürohäuser und Geschäfte deutlich, ein ganzes, direkt mit dem Hafen verbundenes Viertel ist neu entstanden, während die bisher in der Nähe des Hafens liegenden Straßen mehr mit der (ieschäftsgegend der Altstadt verbunden waren und fast nichts für eine Hafenstadt Typisches zeigten. Im neuen Viertel hingegen weisen Häuser und Straßen, Firmen und Verkehr deutlich auf die Bedürfnisse des; Hafens hin. Das Ganze wirkt großstädtisch, insbesondere da der Verkehr außerordentlich gewachsen ist. Zahlreiche Autobusse und Taxis fahren den Kingsway, die breiteste Straße Palästinas, entlang. An ihrem unteren Ende stehen auch zahlreiche arabische Last- und Personenwagen, die den Verkehr zwischen den arabischen kleinen Dörfern und Städten und Haifa vermitteln. Ein Beweis dafür, daß auch in diesen oft abgelegenen und auch weiter entfernten Orten das Bedürfnis nach Reisen in die Stadt erheblich gewachsen ist. Von dieser Entwicklung wird auch die Altstadt betroffen, die sich ebenfalls modernisiert. Hadar-Hakarmel Nicht so stark ist in diesem Jahre die Entwicklung von Hadar-Hakarmel vor sich gegangen, dem Hauptwohnviertel der jüdischen Bevölkerung Haifas. Zwar hat sich Hadar, sowohl nach unten — nach der Altstadt hin ~> wie nach oben — dem Karmel zu — erweitert, aber von einer wesentlichen Vergrößerung wird erst bei Entstehung des neu projektierten Viertels, Lew Hadar Hakarmel, zwischen Hadar und Karmel, gesprochen werden können. Hoffentlich werden die für diesen Stadtteil ausgearbeiteten Pläne, die weite Grünflächen, Gärten, Alleen und Kinderden gleichen Lohn von 200 Mil pro Tag zahlt. Einer der jüdischen Stadträte machte auch diesen Vorschlag, der jedoch von arabischer Seite bekämpft wurde. Man kam in der Sitzimg noch zu keinem Beschluß, die Frage wird erst beim nächsten Male entschieden werden. Daß sie auftaucht und ein durchaus prinzipielles und politisches Gesicht bekommt, wirft ein charakteristisches Licht auf die _ sozialen, wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, die im Lande bei den verschiedensten Gelegenheiten, auch bei so rein administrativen Dingen, wie der Reinigung der Straßen der Hauptstadt, auftauchen. Beratung Ober soziale Arbeil In Jerusalem ist gestern eine dreitägige Beratung über soziale Arbeit geschlossen worden, die unter dem Vorsitz von Miß S z o 1 d tagte und an der soziale Arbeiter und Vertreter der verschiedenen Institutionen im Lande teilnahmen. Die Frage der Sozialhilfe ist in Palästina durch die Masseneinwanderung in den letzten Jahren sehr aktuell geworden und hat zum ersten Male eine (noch durchaus ungenügende!) Ausbreitung des Systems der sozialen Hilfe notwendig gemacht. Mit dem Abschwellen der Konjunktur hat sich die soziale Not noch merkbar verstärkt und der Mangel an Mitteln ist ebenso spürbar wie eine ungenügende Gesamtorganisation und die mangelnde Kooperation unter den verschiedenen auf diesem Gebiete tätigen Organisationen. Die Konferenz in Jerusalem hat sich mit diesen Problemen und insbesondere mit der Frage der Kinderhilfe und der Jugendfürsorge beschäftigt. Haussuchungen bei Araberführern Im Büro des Jerusalemer Arabischen Komitees erschien Dienstag auf die Anzeige hin, daß dort druckfertiges, die Sicherheit gefährdendes Material sowie Waffen vorliegen, plötzlich die Polizei und führte eine Haussuchung durch. Außerdem wurden die Wohnungen einer Anzahl von Mitgliedern des Komitees durchsucht. Ferner wurden zwei Bomben sowie Kugeln in dem Büro gefunden. Die Polizei sperrte das ganze Viertel ab und führte eine gründliche Untersuchung der Nachbargebäude durch, wobei in einem Laden neben dem Bürogebäude des Komitees zwei weitere Bomben gefunden wurden. Der Besitzer und seine Angestellten wurden in Haft genommen. Das Arabische Komitee ist mit der H usseini-Gruppe innerhalb des Obersten Arabischen Komitees identisch. Wie seinerzeit gemeldet, spaltete sich das Komitee kurz nach Beendigung der Unruhen in zwei Teile, die vom Mufti bzw. von Nashashibi angeführt werden. (Palcor.) Die Vereinigung ehemaliger Jüdischer Offiziere in Erez Israel hat ein Heftchen „Scncruth Schimrah" (Wachdienst) herausgegeben, das als erstes in einer Reihe von Broschüren und Flugblättern erschienen ist und die wichtigsten Angaben über die Fragen des Wachdienstes nebst einem hebräisch-deutsch-cnglisehen Vokabularium enthalt. Die folgenden Heftchen sollen behandeln: Meldedienst, Nachrichtendienst, Signaldienst, Sportärztliche Hilfe, Orientierung, Landeskunde usw. Die Heftchen sind bei der Agudath hakzinim haiwrim b' Erez-Jisrael, Haifa, P. O. B. 1483, erhältlich. Spielplätze vorsehen, irn Gegensatz zu der engen Bauweise von Hadar-Hakarmel, verwirklicht. Noch ist vor allem nicht die Straße fertig, die Hadar-Hakarmel über die Arlosoroff- Straße mit dem Karmel direkt verbindet, aber man rechnet bis zum Frühjahr dieses Jahres mit ihrer Vollendung, und immerhin ist hier die Gestaltung dieses neuen Viertels, das Hadar-Hakarmel wesentlich erweitert, bereits zu erkennen. Auf dem Karmel Auch für das Wohngebiet des Karmel und der Achusah hat das letzte Jahr keine entscheidenden Fortschritte gebracht, wenn auch hier neue Straßen und Bauten entstanden sind. Hier gibt es noch große unerschlossene Flächen in jüdischem Besitz, sowohl nach dem Meere zu, wie nach der Seite der Bucht, und zwar mit schon teilweise genehmigten Parzellierungen; aber um alle diese »läne Wirklichkeit werden zu lassen, ist eine große Einwanderung erforderlich. — Erfreulicherweise ist vor kurzem nach der Seite des Meeres hin, auf halber Höhe des Karmel, an einer bereits fertig gebauten Straße, der Grundstein zu einem neuen Viertel von 10 Häusern gelegt worden. Auch die schon seit langem geplante Verbindung von Hadar-Hakarmel und Newe Schaanan durch eine Brücke über den großen, beide Viertel trennenden Wadi ist noch nicht verwirklicht worden, obwohl für das Projekt bereits die Genehmigungen der zuständigen Instanzen vorliegen. Gerade jetzt hat der Waad Hadar-Hakarmel einen Aufruf an alle interessierten Anlieger erlassen, sich mit ihm wegen des Projektes in Verbindung zu setzen. Durch diese Brücke wird dann voraussichtlich das kleine, aber besonders schön gelegene Vierte! Newe Schaanan einen großen Aufschwung nehmen. Der von der Stadt nicht weit entfernt liegende Bodenkomplex „J a a r o t h H a k a r in c 1" ist trotz seiner Isoliertheit auch in der Zeit der Unruhen nicht verlassen worden. Hier wurden vor allem die vorhandenen Gebäude ausgebaut, die Wasserleitung installiert und die Verbindung des Punktes durch eine Straße mit dem Hauptweg begonnen. Haifa-Bay Die Entwicklung der jüdischen Siedlungen in der Haifa-Bay ist durch die oben gegebenen Zahlen gekennzeichnet. Eine anhaltende, starke Erweiterung zeigt insbesondere Kirjath Chaim, die Arbeitervorstadt. — Auch im Fabrikviertel des KKL und auf Privatboden in der Haifa-Bay sind neue Verbindungswege angelegt und neue Fabriken erbaut worden. Es war im Jahre 1936 so, daß man an fast jedem Tage erneut irgendeinen Fortschritt in diesem wichtigsten Gebiet des künftigen jüdischen Haifa feststellen konnte. Entweder wurden bisher bestehende Siedhingspiiukte erweitert, oder man sah neue Gerüste für Fabriken oder Häuser, neue Zäune für künftige Bauten, den Beginn einer neuen Straße, neue elektrische Leitungsmaste usw. Die Regierung hat das automatische Telcphonamt für das ganze Gebiet der Haifa-Bay fertiggestellt und auch die Polizeistation erweitert. Mit Ungeduld erwartet die Bevölkerung der Haifa-Bay den Ausbau der Straße zwischen Kirjath Motzkin und Kirjath Chaim zum Meere hin, um den gerade an dieser Stelle besonders schönen Badestrand benutzen zu können. Die Straße ist im Bau, nachdem die Dünen planiert worden sind, aber man wagt noch nicht, mit ihrer Fertigstellung für diesen Sommer zu rechnen. Für die Haifa- Bay gibt es noch zahlreiche Projekte für neue Wohnviertel, aber auch hier gilt das von den jüdischen Gebieten des Karmel Gesagte. . . , . i i i b Abraham bcnjizchak Geheim -Memorandum Emir Abdullahs? Die Tageszeitung „Haboker" (Tel-Awiw) veröffentlicht den Inhalt eines G e h e i m - M e ni o r a n d u in s, das Emir Abdullah von I ransjordanien am 3. Februar an High Comnüssioner Sir Arthur Wauchope gerichtet hatte. In dem Memorandum wird behauptet, daß der Mufti von Jerusalem und die Leitung der palästinensischen Unabhängigkeits-(Istaklal-)Partei alles Mögliche versuchen, um die Beduinen Transjordaniens zur Beteiligung an künftigen Unruhen in Palästina zu gewinnen, falls die Forderungen der palästinensischen Araber nicht erfüllt werden sollten. Ferner seien der Mufti und seine Anhänger bestrebt, die gegenwärtige Regierung Transjordaniens zu stürzen. Der Emir weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß England ihm zu Dank verpflichtet sei, weil er seinerzeit auf den Rat Churchills und des Obersten Lawrence auf den Thron des Irak verzichtet habe, wogegen ihm der syrische Thron in Aussicht gestellt worden sei. Jetzt sei der geeignete Moment gekommen, um dieses Versprechen zu erfüllen. Zum Schluß fordert der Emir Mittel, um gegen mögliche Ucberraschungen gesichert zu sein. Fauzi Kaukji Der Berichterstatter der Tci-Awiwer Zeitung „H a - b o k e r" meldet aus Damaskus, er habe aus zuverlässiger Quelle erfahren, daß die Irak-Regierung gegen den nach Irak geflohenen Führer der Palästina-Revolte, Fauzi Kaukji, deshalb so scharf vorgegangen sei und ihn als politischen Flüchtling verbannt habe, weil er in Gemeinschaft mit anderen panarabischen Politikern nach dem Tode Jassin Paschas im Volke und beim Militär Propaganda für die Ausrichtimg eines großen Staatsbegräbnisses für den verbannten Ministerpräsidenten gemacht hatte. Die Geheimpolizei beschlagnahmte Flugblätter an das Militär, in denen dieses aufgefordert wurde, Jassin Pascha die letzte Ehre zu erweisen. Die Untersuchung ergab, daß Fauzi Kaukji und Selim Abdul Ralunan an der Vorbereitung dieser Flugblätter beteiligt waren. Dies veranlaßte die Iraker Behörden, gegen diese unerwünschten „Gäste" vorzugehen, die sied in die inneren Angelegenheiten des Irak einmischen wollten. Sclim Abdul Rahman wurde nach Syrien ausgewiesen. Die Verbannung Kaukjis erfolgte also nicht auf Verlangen Englands.__ Um die Qualität der Orangen Zum Zeichen des Protestes gegen die Einführung strengerer Bestimmungen bezüglich Untersuchung der zum Export bereitstehenden Zitrusfrüchte durch Regierungsinspekteure haben sich die arabischen Exporteure geweigert, weitere Zitrusmengen zu verladen. Den Anlaß zur Maßnahme der Regierung bot die Tatsache, daß die Ladungen aus Jaffa in England in sehlechtem Zustande eintrafen, was zu einer Preissenkung führte. Der als Stellvertreter des High Comniissioncr fungierende Chefsekretär der Regierung, Hathom Hall, stattete dem Jaffaer Hafen einen Besuch ab und begab sich sodann zum ersten Male an die Anlegestelle in Tel-Awiw«