Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653625-2653639--30317-2684860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 19. WfnS7 Abrabanel - der Politiker und der Schriftsteller Zu seinem 500. Geburtstag Von Dr. Max Nußbaum I. In der jüdischen Geschichte gibt es ein Oesetz, welches ich das „Gesetz der Zentren" nennen möchte. Es besagt, daß die Austreibung oder Vernichtung irgendeines Judentums in einem Lande historisch nichts anderes bezweckt, als die Verpflanzung von einem Zentrum in das zweite, wobei bei diesem Vorgang das geschichtliche Gesttz vorherrschend ist, daß das neu zu bildende Zentrum bereits existiert, bevor das sich schließende endgültig untergeht. Man muß versuchen, die Verschiebung der indischen Hegemonie von Palistina nach Babylon und von dort nach Spanien unter diesem Aspekt zu sehen. Vieles in der judischen Geschichte wird dann klarer und es heben sich deutlichere Konturen ab von dem sonst so schwer faribann. jüdischen Profil. Wann sind die ersten Juden nach Spanien gekommen? Das genaue Datum ist bis heute nicht festgestellt worden. Sicherlich aber lebten «chon Juden in Spanien in der Zeit der römischen Republik. Sie sind hingekommen als freie Menschen, um die Quellen des Landes auszubeuten. Als die ersten Opfer eines Vespasian, eines Titus, eines Hcrodes als Gefangene nach Spanien verschleppt wurden, war ein jüdisches Zentrum in Spanien bereits vorhanden. Die luden hatten dort schon Bürgerrechte zu einer Zeit, als die Westgoten noch nicht ihren Fuß in dieses Land gesetzt haben. Bevor sich also das eine Zentrum schloß, war Spanien als Judensiedlung bereits da. Allein, die spanischen Juden mit ihrem ausgeprägten Ahnenstolz versuchten, ihre Vergangenheit in diesem Lande bts zur Zeit der ersten Tempelzerstörung vorzuverlegen. Sie nahmen an, daß sie schon durch Nebukadnezar dorthin verpflanzt worden seien. Ja, eine Familie dieses spanischen Judentums ging noch weiter und rühmte sich sogar ihrer Abstimmung vom davidischen Königshaus. Sie hieß: A brah a n e i. IL .Man kennt die Oe^'ncbtc, die Erfolge und das tragische Ende des w-ani^chvn Judentums. Als alle Taufversuche nicht zu ihrem Ziele führten, wurden das Königspaar Fernando und Isabeila zur Austreibung der Juden gedrängt. Da zeigte sich eine interessante, in der jüdischen Geschichte sich oft wiederholende, psychologische Einsteilung: unseres Volkes. Die Luft war geladen, jedes Jahr brachte 'neue Erschwerungen. Die Juden Kastiiiens und Aragen!' ns hatten sptiren müssen, daß ihre Zukunft in Spanien nicht gesichert sei. Aber sie entschieden sich nicht zur Auswanderung und verschlossen die Augen vor der Wukhcbkejt. Zur Erklärung dieser Haltung dienen folgende M.'iive: Siehebten Spanien über alles, weil sie sieh mit der Kultur dieses Landes verwachsen fühlten. Auch waren sie von ihrer ' 'neritbehrlichkeit im Lande überzeugt. Drittens verheben sie sich auf die jüdischen Günstlinge am spanischen Hof. Endlich hatten sie großes Vertrauen zu dem letzten jüdi-chen Staatsmann auf der pyrenäischen Halbinsel. Es ist ein Mann, der die Kette großer jüdischer Politiker in Spanien abschließt, die mit Chasdai, ibu Schaprut angefangen hat. Fr hei fit: Abrabanel und ist im Jahre 14'i7 in Lissabon geboren. Wir zahlen jetzt 1937. Es ist sein SOOj.ihriger Geburtstag. Iii. Das Leben dieses Mannes ist ein Wechselspiel zwischen Politik und Wissenschaft, Staatskunst und Philosophie, Finanzagentur und M e s s i a n i s m u s. Sobald ihn die politische Karriere im Stich laßt, beschäftigt er sich mit Literatur und schreibt bedeutende Werke Die literarische Tätigkeit hört auf, sobald er eine politische Berufung erhält. Genauer gesagt: Anfang und Ende seines Lebens stehen unter dem Zeichen des Schriftstellertums, die Mitte — unter dem Zeichen der Politik. Er ist eine nüchterne Natur, ein klarer Verstand, ein edles Gemüt, bescheiden, klug, uneigennützig, sehr talentiert und beherrscht Staats«dssenseitaft und I inanzen im besonderen Maß. Diese Eigenschaften eignen ihn a priori zum Politiker. Alt'onso V., K'.nig von Portugal, entdeckt auch sehr bald das Talent dieses .Winnie-, b, ruft ihn an den Hof und vertraut ihm den Finanzapparat des Staates an. Abrabanel folgt der Berufung, lebt gut am königlichen Hofe, bringt die Staatsformen in Ordnung, wird von allen geehrt und sein Haus ist ein Mittelpunkt von Diplomatte und Gelehrsamkeit. Alfonso ist ein gerechter König Seine Regierung ist die letzte goldene Zeit für die Jodet in Portugal. Die Selbständigkeit der jüdischen Gemeinden wird in dieser Zeit in die Oesetzesordnung aufgc nommen und ("rkunden von Juden dürfen in hebräischer Spravhe aufgeseiltk-ben werden. Diese Zeit nutzt Abrabmcl für die Juden aiee Fr lieft, wo er Kann, lfi-.t gefangene Judet aus, ordnet sie in die Wirtschaft des Landes ein, interessiert den Papst Sixtus IV. für die Situation der Juden und es ist verst tnolich, daß s-.ch die Jud "-nnelt unter dem Schutz eines solchen Günstling« des königlichen Hofs sicher fühlt. Wenn sein Sohn. Inda Leon Abrakmel, eine Charakteristik seines Vaters geben will, tut er dieses in folgenden Worten; „Schild und .Mauer, rettete die Dulder vor der Gewalt ihrer Widersacher, heilte die Risse und wehrte die grimmigen Löwen von ihnen ab." Als Alfonso V. stirbt, nimmt Abrabanels Schicksal eine jähe Wendung. Altonsos Sohn Joäo IL ist ein argwöhnischer und absoluter Herrscher. Fr ladt alle Freunde seines Vaters töten und plant en Attentat auch auf Isaak Abrabanel. Er sieht sich deshalb gmvungen. nach Spanien zu fliehen, wo er von den Juden in rr^Ren Ehren aufgenommen wird. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit dem Rabbiner Isaak Aboab. Abrabanel muß jetzt als Privatmann leben und er faßt diesen Schi ksalsschlag als eine Strafe dafür auf, daß er die Thora vernachlässigt * und sich mit weltlichen Dingen beschäftigt hat. Er fangt an, literarisch zu arbeiten. Aber es dauert nur kurze Zeit; das spanische Königspaar Fernando und Isabelia rufen ihn an den Hof und übergeben ihm das Finanzfach Spaniens. Es wiederholt sich dasselbe Schicksal: Er ordnet die Finanzen des Staates, wird geehrt und hat —- trotz Torquemada — Freundschaften am königlichen Hof. Bald fängt der Krieg Spaniens gegen Granada an. Die letzte islamische Festung wird christlich. Das mohammedanische Reich zerfällt in nichts. Spanien Wird christlich. Ein Taumel erfaßt die Sieger: Man hat die letzten mohammedanischen Un-?laubigen vertrieben, ist es nicht möglich, sich auch der uden zu entledigen? ... So wird die Masse aufgestachelt und die Austreibung der Juden psychologisch vorbereitet. Das Königspaar kann s;ch dieser Massenstimmung nicht entziehen und gibt nach. Abrabanel bietet Geld an, nutzt Beziehungen aus, bittet, bettelt, weint ... es hilft nichts. Das Edikt wird unterzeichnet und die Juden müssen Spanien verlassen. Wohin solien sie gehen? Ein Teil der Juden wirft ein Auge auf Neapel, mit gutem und sicherem Instinkt. Ferdinand f. zeigt sich überaus menschlich und gestattet die Einwanderung. Auch Abrabanel geht nach Neapel. Lebt kurze Zeit als Privatmann und beschäftigt sich mit Literatur. Wiederholung des Vorganees: kurze Zeit später beruft ihn Ferdinand als f inanzfachrnann an den Hof. Er bringt die Finanzen in Ordnung. Er lebt gut, er wird sehr geachtet und ist beliebt; auch noch unter Ferdinands Nachfolger: Alfonso. Dann kommen die Franzosen und er flieht mit seinem Gönner nach Sizilien und dann nach Korfu. Er läßt sich schließlich in Mono- Poli in Apttlien nieder. Ohne Öeld, und getrennt von seiner atnilie. Einer seiner Söhne lebt in Genua, der zweite in Venedig. Dorthin geht er nun, um auch in dieser Stadt denselben Kreis zu durchlaufen. Anfangs Privatmann, kurze Zeit wieder Staatsmann, zwischen Venedig und Portugal wirtschaftliche Fragen schlichtend, dann stirbt er im 7t. Lebensjahr. Er wird in hohen Ehren beerdigt, nach Padua überführt. Ein Jahr später wird diese Stadt zerstört. Das jüdische Volk kennt bis zum heutigen Tage nicht das Grab eines seiner größten Söhne. Hat hier eine ähnliche Pietät unserer Tradition gewaltet wie bei Moses? ... IV. Wir haben schon oben gesagt: zwischen Anfang und Ende seiner politischen Tätigkeit stand die wissenschaftliche Arbeit. Und so merkwürdig es klingen mag — dieser Mann war auch zum Wissenschaftler, besonders aber zum Kommentator nicht weniger prädestiniert als zur Politik. Es ist eine seltene Verbindung zweier Welten. Aber in diesem Mann — wie so oft bei Männern in der jüdisch-spanischen Geschichte — haben sie sich wirklich gefunden. Abrabanel besaß besondere Sprachkenntnisse, hatte Welterfahrung und einen Blick für politische Verwicklungen. Er hat deshalb — beispielsweise in der Behandlung der Epoche des Bliite und des Verfalls des israelitischen Reiches — besonders neue Aspekte aufzeigen können. Er war — meines Wissens — der erste Jude, der christliche Kommentare benutzte, eine wissenschaftliche Behandlung der Bibel vornahm, eine Systematik in unsere Tradition zu bringen versuchte und jedes dieser Bücher mit Einleitung und Inhaltsangabe versah. Er begnügte sich nicht mit dem Studium der hebräischen Grammatik, wie man es bis zu seiner Zeit getan hat. Er verstand etwas von Soziologie und studierte gewisse Epochen unter juridischer Perspektive. Er zeigte den Habitus, die Lebensart, die Weit und die Struktur einer jeden Epoche auf. Ja der Begriff des Stils in der hebräischen Sprache spielte bei ihm zum erstenmal eine Rolle. Und wäre er nicht etwas weitschweifig in seiner Art, seine Werke wären viel bekannter, als sie sind. V. Von Jugend auf hatte er einige Lieblingsgedanken, mit denen er sich geistig auseinandersetzte: das Problem der „speziellen Vorsehung', die Mission des Judentums und besonders das Problem der „Totenaufcrstehung", das in seiner Gedankenwelt eng verknüpft ist mit dem des Mcssianismus. Wenn man den Rahmen dieses Aufsatzes nicht sprengen will, so kann man kaum den Versuch machen, in sein gesamtes Gedankcngehäudc einzuführen. Er selbst hat seine Weltanschauung nicht systematisiert. Und ein Werk, das seine Welt wirklich erfaßt, ist überhaupt noch nicht geschrieben worden. Aus meiner — noch in Vorbereitung befindlichen — größeren Arbeit über ihn möchte ich nur einen Gedanken herausgreifen, weil er für ihn typisch ist und den Zutritt zu seiner Welt am ehesten ermöglicht: den der Totenauferstehung und des Mcssianismus. In der Einleitung zu seinem Jesajah-Kommentar meint Abrabanel, daß dieser Prophet bereits 14 Grundsätze zu diesem Problem aufgestellt hatte. Es ist in diesem Zusammenhang unerheblich, ob dies zutrifft oder ob — was nachzuweisen sein wird — Abrabanel diese Gedankengänge in Jesajah hincinkonstruiert hat. In jedem Fall sind sie für die Beurteilung dds Wissenschaftlers Abrabanel charakteristisch. Abrabanel — um nur die wichtigsten Punkte herauszufreifen — führt hier und an vielen anderen Stellen den Beweis, aß „Techijat-Hametim", die Totenauferstehung, in Wirklichkeit eine körperliche sein wird, und zwar eine Wiederverknüpfung der Seele mit demselben Körper, in dem sie bereits gelebt hat. Ja noch mehr: alle die auferstehen, werden so sein, wie sie gewesen. Sie werden ihre Verwandten erkennen, essen, trinken und sich ihrer Sinne bedienen können. Dieser Vorgang, meint er weiter, habe nichts mit dem natürlichen Prozeß zu tun, der in Lösung und Bindung von chemischen Stoffen besteht und den wir etwa heute unter dem Namen „Konstanz der Energie" kennen. (Es ist hier ein Versuch einer Abgrenzung sowohl gegen das Christentum als auch gegen den Islam) Diese Totenauferstehung habe — nach Abrabanel — einen doppelten Zweck. Einen speziellen für die Juden und einen allgemeinen für die ganze Welt. Der spezielle Zweck besagt, daß die durch die Gallith geplagten und gequälten, gottesfürchtigen Juden das Gute der Welt genießen müssen und deshalb an der künftigen Erlösung teilhaben sollen. Der Anfang dieser „Techijat-Hametim" bedeutet zugleich das Ende der Gallith, den „Kibuz-Galujot". Der allgemeine Zweck stellt sich nach Abrabanel so dar: Die Erschaffung der Welt htt das Ziel der wahren Erkenntnis Gottes auf Erden. Die Völker sind aber von diesem Wege abgeirrt. Damit die Schöpfung also ihres Sinnes nicht verlustig gehe, werden alle Völker wieder auferstehen, um den rechten Wegr zu sehen und die Sünden zu vernichten. Aus der Mitte dieser Völker werden sich dann wieder Gerechte, Propheten und weise Männer erheben. Aber auch die Bösewichte werden auferstehen und in Gegenwart aller Mensche« ihre Strafe erhalten, womit die Gerechtigkeit Gottes auf Erden dokumentiert wird. Von diesem Moment an werden Stolz, Ueberheblichkeit und sonstige schlechte Eigenschaften aus der Welt verschwinden. Als Apotheose dieses ungeheuren Auferstchungsprozesses gilt die letzten Endes zu errichtende soziale Gerechtigkeit der gesamten Menschheit, ohne Unterschied des Ranges und der Klasse. Dies ist zugleich der Anfang des messianischen Zeitalters. Dieses Beispiel genügt, um Abrabanels Standpunkt 2U erfassen. Es ist eine antirationalistische, naiv-dogmatische Orthodoxie mit stark mystischer Färbung. Aber ist dies verwunderlieh bei einem Mann, der alle Realitäten rationalistischer Politik zusammenbrechen sieht? ... Selbstverständlich glaubt er an eine Thora, die — im buchstäblichen Sinne des Wortes — vom Himmel kommt. Aber er glaubt auch sonst an alle Wunder, die je geschehen sind. Deshalb auch seine scharfe Polemik gegen Gersonides und Maitnonides, die in der Auffassung von Wunder, Vorsehung und PfopheUe einen anderen Standpunkt einnahmen. Daher seine Gegnerschaft zu Crescas und Albo wegen der sogenannten 13 Grundsätze der jüdischen Tradition. Grundlegend und bestimmend für sein ganzes Denken ist seine Anschauung über das messianische Zeitalter, und deshalb befassen Sich auch seine bedeutendsten Werke fast ausschließlich mit dieser Frage, VI. Um sich eine Vorstellung von der reichhaltigen, wissenschaftlichen Täitgkeit dieses Mannes zu machen, seien hier einige der wichtigsten Werke aufgezählt. 1. „Jeschuot- Meschicho": umfaßt alle Aussprüche des Talmud und des Midrasch über den Messias und die Erlösung. 2. „Mascltmia Jcschuah": (Saloniki 1526), eine Beweisführung der zukünftigen Erlösung von der Prophctie her. 3. „JetnotOlatii", Tage der Welt, — eine Geschichte des jüdischen Märtyrertums von Adam bis zu Abrabanels Zeit. Ferner Kommentare zur Thora; zu den „ersten" und „späteren" Propheten; zu den Büchern „Nahum" und „Jonah", „Chabakuk", „Kohelct" und „Sprüche der Väter". Ein interessanter Kommentar zum Buche Daniel und einer zum Werk: „Führer der Irrenden''. Seine Werke waren in der christlichen Welt besonders beliebt und sind auch ins Lateinische übersetzt worden, wie er selbst übrigens auch die Texte des Thomas von Aquin ins Hebräische übersetzte. VII. Abrabanel gehört zu den unbekanntesten großen Juden in unserer Geschichte. Es ist sehr selten über ihn etwas geschrieben und gesagt worden. Dort, wo es geschah — z. B. auch in wenigen Sätzen bei Grätz — ist er mißverstanden und falsch gesehen worden. Unsere Zeit, die den Versuch macht, den Gesamtablauf der jüdischen Geschichte von einer nationalen Perspektive her neu zu beleuchten, muß dieses Licht auch auf das Profil dieses unbekannten Großen richten. In seiner Politik, in seiner Wissenschaft, in seinem Leben und in seiner Epoche spiegelt sich so manches symbolische, jüdische Gescliichtsgesctz wieder. Fünfhundert Jahre sind es her ... wenn ein Volk seinen Bogen des Gedächtnisses so weit spannen kann, um einen Mann für die neue Generation wieder zu rehabilitieren und, ihn ihrer Welt einzuverleiben, so steht es unter dem Zeichen der Ewigkeit. Don Isaak Abrabanel Im Drama. Gestalt und Schicksal Isaak Abrabanels, in allen Höhen und Tiefen jüdischen Galuthschicksals daheim, sind auch den jüdischen Dramatikern nicht entgangen. M. Chaschkes widmete ihm ein russisches Drama, der Sefarde Santo Sirao ein Drama in türkischer Sprache; beide wurden später ins Hebräisehe übersetzt Dazu kam noch J. L. Landaus hebräisches Drama und, was die hiesigen Leser besonders berühren wird, „Abrabanel. Das Drama eines Volkes" von Alfred Mossig, den wir seit langen Jahren als jüdischen Kämpfer auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiete kennen. In diesem Drama, das vor mehr als dreißig Jahren (1906) erschien, gibt es Szenen, die erschütternd gegenwärtig wirken: etwa die Scheidung zwischen den Juden, die „um Edoin Jerusalem vergaßen" und Abrabanel selbst, dessen Zionsliebc hier freilich mit historischer Kühnheit gesehen wird; er will nach Zion gehen mit dem Wahlspruch: „Nicht sterben sollen wir in Zion — leben! / Nicht an zerstörten Mauern wolln wir Stenn — Wir bauen neue — bann Jerusalem! B. B. St „Der Weg der Verheißung" Die Aufführung von Werfeis „Der Weg der Verheißung" in der Inszenierung von Max Reinhardt in New York hat, wie schon berichtet, einen überwältigenden Eindruck gemacht. Immer wieder erhalten wir Nachrichten und Stimmen in amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften, die sich fasziniert begeistert über die Aufführung äußern. Darüber hinaus ist „Der Weg der Verheißung" zum Gesprächsstoff und Gegenstand öffentlicher Erörterung geworden. Ueber das rein Künstlerische hinaus hat er zu Betrachtungen über das Schicksal des jüdischen Volkes angeregt. Die Presse berichtet, daß an einem der Sonntage nach der Aufführung in zwölf Kirchen von New York Predigten über den „Weg der Verheißung" gehalten wurden. Alle diese Pfarrer, die das Stück gesehen haben, sprechen von dem überwältigenden Eindruck, der die Heimatlosigkeit und ewige Sehnsucht des jüdischen Volkes so recht habe zum Bewußtsein kommen lassen. Mehrere dieser Geistlichen knüpften daran Betrachtungen über den Versuch, durch den Aufbau der Jüdischen Heimstätte in Palästina dieser Heimatlosigkeit ein Ende zu machen. Das-jüdische Schicksal, so wurde mehrfach gesagt, ist jetzt in die kritischeste Phase der letzten zweitausend Jahre eingetreten, und man muß sich fragen, welche Hindernisse dem schnellen Aufbau des Jüdischen Nationalheims, das allein eine Rettung bedeuten kann, noch entgegenstehen; auch die christliche Oeffentlichkeit — mit diesem Appell wandten sich diese Geistlichen an ihre Gemeinden — müßte bei der Beseitigung dieser Hindernisse mitwirken. Ein neues Buch von Joachim Prinz. Der Verlag Erwin Löwe kündigt das Erscheinen eines neuen Buches von Joachim Prinz „Das Leben im Ghetto, Jüdisches Schicksal in fünf Städten" für April an. Die Jüdische Buch-Vereinigung bringt als erste Veröffentlichung des Jahres 1937 eine Sammlung von Erzählungen ausländischer jüdischer Autoren unter dem Titel „Jüdische Welt" heraus, die von Olga SigaU herausgegeben und übersetzt ist. Gegen Rechtsbeschränkung jüdischer Advokaten Czernowitz, 11. Februar. (JTA.) Die Bukowinaer Advokatenkammer befaßte sich in ihrer in Czernowitz abgehaltenen Generalversammlung mit dem ihr zugefangenen Text einer Resolution des Verbandes der Advokatenammer, in dem die Nichtaufnahme von Juden in die Advokatenkammern gefordert wird. Der Dekan der Bukowinaer Advokatenkammer, Prof. Dr. Radulescii, lehnte in "scharfen Worten diese Resolution als prinzipiell haltlos ab. Unter den Czernowitzer Advokaten ist das rumänische Element von 0 «/o i. J. 1019 auf 25,3 <Vo i. J. 1936, somit um 16,3 <>/„ gestiegen, während die Anzahl der Juden in dem gleichen Zeitraum von 84,8 ° o auf 62,3 "o, somit um 22.5 "'«, gesunken ist. 70 o/o aller Advokaten Rumäniens sind Rumänen und nur 30 o/o gehören den Minderheiten an. Mit 400 gegen 13 Stimmen lehnte die Bukowinaer Advokatetikammer das Prinzip des Numerus proportionalis ab. Zur Auslegung des Blutschutz-Gesetzes. Nach Meldung der „Altonaer Nachrichten" fand vor der Großen Strafkammer in Altona eine Verhandlung gegen einen evangelisch getauften, nach den Nürnberger Gesetzen als Volljuden geltenden Angeklagten statt. Der Angeklagte hatte mit Prostituierten in einem- Bordell Geschlechtsverkehr gehabt. Er will nicht gewußt haben, daß das BlutschutzGesetz auch solche Fälle für strafbar erkläre. Er wurde wegen fortgesetzter Rassenschande zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wird gesagt, daß das Blutschutz-Gesetz keine Ausnahmen kenne. Wenn man eine Ausnahme zuließe, würden die Grenzen des Begriffs „Prostituierte" verschwimmen und eine Unsicherheit Platz greifen. Der Rechtsirrtum des Angeklagten wurde jedoch strafmildernd berücksichtigt. Für einen weiteren Fall, in dem der Angeklagte einen vollendeten Verstoß gegen das Oesetz bewußt vermieden und dem Mädchen auch getagt hatte, daß er Jude sei, erhielt er acht Monate Gefängnis. Beide Strafen wurden zu einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis zusammengezogen.