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Jüdische Rundschau · 1937-02-19 · Heft 14 (19.2.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 14 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 19.11.1937 Vor 20 Jahren: Jüdische Legion allerdings nicht nach abstrakten Prinzipien beantwortet werden können, zeigen die Verhältnisse im Judentum Deutschlands. Schon seit langem bemerkte man hier den Rückgang der Geburtenzahl, und man erblickte in dieser Tatsache eine Gefahr für die Zukunft der Juden in Deutschland. Daraus zog man vor l'ljj die Konsequenz, mit allen Mitteln der Propaganda und der Erziehung auf die jüngere Generation einzuwirken, um dem Sinken der Geburtenrate einigermaßen Einhalt zu gebieten. Nach den Ereignissen von l«'j.'J hat sich die Beurteilung dieses Phänomens verschoben. Die Geburtenhäufigkeit ist durch die starke Abwanderung gerade der jüngeren jae.rgänge noch weit mehr zurückgegangen, und dennoch beurteilt mau diese Tatsache durchaus nicht ungünstig, weil sie neben der Auswanderung seihst dazu beiträgt, das jüdische Problem in Deutschland in einer gewissen Zeitspanne „durch Aussterben" einer Lösung naher zu bringen. Man erkennt auf jüdischer Seite seihst. daß es sinnlos ist, verlorene Positionen zu halten, und daß es viel zweckmäßiger ers/iar, 1 iC-eifte der jüdischen Gemeinschaft in anderer Richtung neu anzusetzen. Die Vermehrung de«, jüdischen Volkes hatte im lu. Jahrhundert im Zusammenhang mit der g.'-sa-tiU-ii b vjlkerungspolitischen Entwicklung in Europa außerordentliche Fortschritte gemacht. Meute ist unsere Volkszahl so groß wie noch nie in der jüdischen Geschichte — eine Tatsache, die uns als wesentliches Hemmnis gegen die Tendenzen der Auflösung hoffnungsvoll stimmen kann. Dennoch scheint es, daß in dieser grollen jüdischen Bevölkerungszahl für die wirtschaftliche Existenz wichtiger (h uppen des jüdischen Volkes in den Ländern der Masseusiedlung schwere Gefahren enthalten sind, nachdem sich die Ökonomischen und sozialen Bedingungen in ihren Wohnlandern gegenüber dem vorigen Jahrhundert grundlegend verschoben haben. Die Frage einer jüdischen B c v ö 1 k e r u n g s p o 1 i t i k gewinnt daher gerade jetzt höchst aktuelles Interesse und verdient eine von abstrakten Erwägungen freie und unvorcing e no in :n en c BctracEtuu g, ,,Au! uns kommt es nicht mehr an" In vielen Diskussionen, die über Fragen der jüdischen Arbeit und brsonders der judi-eheii Erziehung geführt werden, taucht der Gedanke auf, dalj all das, was man heute tut, Ci;ci<Uk!i mir novh einen S-.un für die Kinder habe, wahrend die Erwachsenen doch mehr oder weniger zu den „verl'uenen Geschlechtern" gehören, für die es keine wirkliche Rückkehr zum Judentum, keine Erneuerung ihrer Lcbensgrundlagen gibt. An dieser Feststellung ist sicherlich insofern viel Richtiges, als ein wirklicher NYuaufbau des Lebens von Grund auf die Kiat't der Jugend erfordert und daher in der Regel nur von dieser dm\hgetuhrt werden wird. Dennoch erscheint es f a 1 s c Ii, von die-er tatsächlichen Begicn/ung der Mogliehki den ans nher sich selbst, über das eigene Geschlecht ein so negatives Urteil zu fallen. Auch wenn ne'it alles cneichbar isi, was in die Idealvorstellung von jüdischen! Eiben gehören mag, gilt es doch, in jedem Augenblick des Lebens gewissen Vorstellungen und Idealen nachzustreben, und es scheint uns, daß ein Teil dessen, was man sich vorstellt, dennoch auch durch die altere Generation zu verwirklichen ist. Es hegt uns fern, moralische Erörterungen über das anzustellen, was wir in unserer Zeit tun sollen, und wir glauben, daß nichts so sehr — und mit Recht — verärgern kann als predigthafte Ermahnungen. Dennoch hat sich in unserem öffentlichen Leben auch dort, wo es sich um durchaus gutgesinnte Kreise handelt, die Sitte eingebürgert, die Generation der A e 1 f e r e n mit einer Handbewegung abziHuu und so von sich selbst eine Verantwortung abzuwälzen, der mau nicht entgehen darf, liier liegt die Gefahr einer „bequemen" Lebenshaltung vor, die glaubt, damit genug getan zu haben, daß für die Jugend neue Wege äußerer und innerer Lebensgestaltung geschaffen werden, und die nicht den Versuch unternimmt, selbst zu einem Teil wenigstens einen neuen Weg jüdischen Lebens zu beschreite). In der Praxis bat es sich gezeigt — nicht zuletzt aiah bei den Mciim.*Ikn, die aus unserem Kreise den Weg nach Paiasitna «vfunden haben —. dal! auf vielen Gebieten cm ntTur Anfang md-lich ist, selbst für solche, die schon über die Mulle des Lein ns hinaus sind und dennoch ganz neue Ii beiiskeUiit;'i.ngt n bewältigt, aul'icr'ordentliehe Schwierigki ilur der Arbeit und der kulturellen Eingliederung mit Tatkiait und Fi folg überwunden nahem Selbstvertrauen und Anpassung an die E'iiisi.iiule sind in einer schwierigen Lagt .stets nützlicher als ein allzu großes Siehbescheiden, das oft nur ein Zeichen von Lauheit und Bequemlichkeit ist. Zum 11. Adar Am H. Adar (5. Marz) 1920 fiel Josef Trumpeldor bei der Verteidigung der obergaliiaischen Siedlung Tel Clmj. Des.f Gedenktag, der sieh jetzt wieder jährt, gewinnt In ute besonders aktuelles Interesse. Wieder ist Palästina \oi! svhweitn l'muhen beiuigesiK hl worden, wieder sind ihnen /ablreu he blühende Menschenleben zum Opfer gefallen, wi.der habt n jmii-tbe Siedler bei der Verteidigung ihrer 1 Imnat ihr Eiben hingeben müssen. Trumpeldor, der für die judische Jugend in der ganzen Welt und besonders für die Arbeiterschaft in Paliistina ein Symbol menschlicher und jüdischer Haltung geworden ist, stellt heute ein Element der zionistischen Erziehung dar. Er hatte die Möglichkeit — als einziger Jude zum Offizier im russischen Vorkriegshrer befördert und im Besitze aller jener Eigenschaften, die die Umwelt anerkennt —, den Pfad der Assimilation zu gehen, und hat dennoch den Weg zum Judentum gefunden und ist der Verlockung der Selbstverleugnung entgangen. Als Gründer der C h a I u z b e w e g u n g in Rußland wie als Mitbegründer und Mitkämpfer in der jüdischen Legion während des Weltkrieges und schließlich als tragende Figur der damals noch kleinen Arbeiterschaft Palästinas ist er unvergänglich in das Gedächtnis des Volkes eingegangen. Vor wenigen Tagen erst hat man in London den Tag gefeiert, an dem vor 20 Jahren im Weltkriege die jüdische Legion gegründet wurde. Bei dieser Gelegenheit traten englische und jüdische Redner auf, l>emerkens wert erweise jedoch von jüdischer Seite nur tin Teil derjenigen, die selbst an der Wiege der Legion gestanden haben. Es ist ja bekannt, daß Trumpeldor und seine Freunde, die Arbeiterschaft Palästinas, einen wesentlichen Anteil an der Schaffung dieser Institution hatten. Trumpeldor ist — leider, müssen wir sagen — kl den Parteistreit hineingezogen worden. Er wird von den Arbeitern als der ihre verehrt, und er ist von der revi* Gedenkfeier in London Unter dem Vorsitz des Abg. Wedgwood fand am Montagabend in London zum Andenken an die vor zwanzig Jahren erfolgte Gründung der Jüdischen Legion, die an der Eroberung Palästinas teilnahm, ein Festbankett statt. Wedgwood fordert ein« nette Legion Abg. Wedgwood gab in seiner Eröffnungsansprache der Ucbcrzeugung Ausdruck, daß es zweifellos möglich sei, Ruhe und Ordnung in Palästina wiederherzustellen, wenn man es wollte. Die heutige Versammlung bringe den dringenden Wunsch zum Ausdruck, daß abermals eine Jüdische Legion aufgestellt w erde. Fcldmarscball Sir R. W. Chetwodc ehrte das Andenken Lord Allenbys, des Eroberers Palästinas, unter dem er selbst in Palästina gekämpft habe. Der Redner kam weiter auf den Völkerbund zu sprechen, von den) er meinte, daß er die wunderbarste Sache von der Welt hätte werden können, wenn man ihn Berufsdiplomatcn anvertraut hätte. Zum Schluß betonte der Feldmarschall die Wehrbereitschaft des britischen Reiches. Für eine „Legion des Nahen Ostens" Den Trinkspnteh auf die Jüdische Legion brachte der konservative Abgeordnete und frühere Kolonienminister L. S. Amcry aus. Die Geschichte der Legion sei verknüpft mit den Kamen von Colonel Pattcrson und Wladimir Jabotinsky. Im Weltkriege sei die Legion das erste Regiment gewesen, das offiziell mit den großen Zielen des Zionismus verbunden war. Nach einem Hinweis auf die tapfere Haltung der Legion Im Kriege und die Leistungen, die in allen Armeen und auf allen Kriegsschauplätzen von Juden vollbracht worden sind, warf der Redner die Frage auf, ob England nicht klug daran tun würde, zur Ergänzung seiner eigenen Kräfte eine Legion des Nahen Ostens aufzustellen, die sich aus den besten Elementen der dort lebenden Völker zusammenzusetzen hätte. Ein unentbehrlicher Bestandteil einer solchen Legion würde ein aus den judischen Siedlern Palästinas gebildetes Korps sein. Ein jüdisches Heim könne kaum als ein solches im vollen Sinne des Wortes angesehen werden, wenn seine Bewohner nicht irgendeinen Anteil an seiner Verteidigung hätten. Man höre viel von der Teilnahme der Araber an der Befreiung ihres Landes. Zweifellos hätten die Araber eine große Rolle gespielt, aber keineswegs die Araber Palästinas, weder diejenigen, die dort leben, noch diejenigen, die sich dort niederlassen wollen. Andererseits höre man nie vollständig, welche Rolle die Jüdische Legion an dem heißen Tage im Jordantal gespielt hat. Amery gedachte Trumpcldors und drückte sein Bedauern darüber aus, daß das Andenken eines so tapferen Mannes mit Vorfällen, wie sie kürzlich in Jerusalem sich ereigneten, verknüpft sein sollte. (Eine Anspielung auf den vom revisionistischen „Brlth Trumpeldor" verübten Ueberfall auf das Gebäude der „Jcwish Agency", vgl. S. E3 der heutigen Nr. — A.d. R.) sionistischen Jugend zum Symbol erkoren worden. Im Sinne dieses Mannes lag der Parteistreit gewiß nicht, da er den nationalen Aufbau zugleich als eine soziale Neugestaltung empfand und mit der Verwirklichung dieser Idee in seinem Leben Ernst gemacht hat. In einer schweren Zeit wie der heutigen, in der Palästinas Lcbcnsgnindlagen erneut zur Diskussion stehen und in der das jüdische Volk um sein Dasein kämpft, sollte eine Figur von solcher menschlichen Kraft, wie sie uns in Josef Trumpeldor gegeben ist, eine Mahnung zur Besinnung i>uf das, was uns eint, darstellen. K. L. Litauen für unbeschränkte Palästina-Einwanderung Erklärung des Außenminister« Kaunas, 15. Februar. (JTA.) Der litauische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Dr. Stasys L o z o r a i t i s, empfing die Führer der Agudath Jisracl in Palästina, Rabbiner Blau und Dr. Isaak Breuer, und besprach mit ihnen die gegenwärtige Lage in Palästina. Außenminister Lozoraitis bekundete lebhaftes Interesse für die Probleme der jüdischen Palästina-Einwanderung und versprach, dal» seine Regierung die Forderung der Juden nach uneingeschränkter Einwanderung nach Palästina unterstützen werde. Anläßlich der Unabhängigkeitsfeier in Litauen sind drei jüdische Persönlichkeiten, der Ingenieur im Heeresflugwesen Adolf Blumenthal und die Herren Wolf David und Jakob Mcdzanskf, vom Staatspräsidenten Prof. Antonas Smetona durch Verleihung des Gedimin-Ordens ausgezeichnet worden. An unsere Abonnenten! In diesen Tagen wird die Zahlung für das Abonnement der „Jüdischen Rundschau" im März fällig. Die Zahlung muß etwa eine Woche vor Ultimo geleistet werden. Besonders praktisch ist es für diejenigen Abonnenten, die ein Postscheckkonto besitzen, uns die Erlaubnis zu geben, die Abonnementsgebühr von ihrem Postscheckkonto abzubuchen, was ohne Portokosten möglich ist. Wir bitten alle unsere Abonnenten, die Abonnementsgebühren pünktlich zu überweisen, damit unnötige Mahnkosten erspart werden. Abgesehen davon, daß hierdurch eine erhebliche Arbeitsbelastung entsteht, bitten wir alle unsere Leser zu bedenken, daß die Unkosten dieser Mahnungen in einer Zeit besonders schwer tragbar sind, in der alle öffentlichen jüdischen Gelder eine äußerst sparsame Verwaltung erfordern. Oerade unsere Leser, die durch die Verbindung mit der „Jüdischen Rundschau" bewiesen haben, daß sie ein starkes und lebendiges jüdisches Interesse leitet, werden für diesen Gesichtspunkt Verständnis aufbringen und daher durch pünktliche l'ebcrwcisung der Abonnementsgebühren dazu beitragen, daß überflüssige Ausgaben vermieden werden. Zahlungen sind zu leisten auf Postscheckkonto Berlin 715 73 (für Groß-Berlin) und Berlin 173 92 (für das übrige Reich). Die engUach-jüdische Partnerschaft Der Schriftsteller Herbert S i d e b o t h a m sagte, er habe seit langem die Ucbcrzeugung gewonnen, daß kein Land im weiten Erdenrund für England so viel bedeute wie Palästina und daß es kein wertvolleres Bündnis gebe, als das zwischen dem Britischen Reich und den Juden. Zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen den Revisionisten und offiziellen Zionisten erklärte der Redner, angesichts der gegenwärtigen Situation in der Welt hätten die Juden allen Grund, ihre Reihen zu schließen und Gegensätze z u ü b erbrücke n. Die Leistungen der Legion Mit langanhaltendem Beifall begrüßt, dankte der ehemalige Kommandant der Jüdischen Legion, Oberstleutnant Pattcrson, den Vorrednern, Ehrende Worte widmete der Redner auch dem Andenken Josef Trumpeldors. Die Jüdische Legion habe aus Juden bestanden, die aus vielen Teilen der Welt kamen im Vertrauen auf das Versprechen Englands, ein Jüdisches Nationalhcim für die Juden in Palästina zu errichten. An der palästinensischen Kampffront am äußersten rechten Flügel im Jordantal eingesetzt, auf einem gefährlichen und ehrenvollen Posten, rechtfertigten sie das hohe Vertrauen, das das Oberkommando in sie gesetzt hatte, in hohem Maße. König Georg V. habe der Legion seine Anerkennung dadurch bekundet, daß er ihr den Namen „Judcans" verlieh, in der Absicht, daß die Jüdische Legion ein Teil der palästinensischen Garnison bleiben solle. Colonel Pattcrson schloß, indem er darauf hinwies, daß schon Disraeli den Wert Palästinas für das Britische Reich erkannt hat. Es sei zu hoffen, daß Ministerpräsident Baldwin erkennen wird, wie wichtig es für die Sicherheit des Reiches ist, in Palästina eine freundlich gesinnte und ergebene Bevölkerung zu haben. Und an der freundlichen Gesinnung und der Ergebenheit des jüdischen Volkes gegenüber England könne nicht gezweifelt werden. Jabotinsky: „Glaube an England" Ate letzter Redner sprach der Präsident der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky. Den Appell Herbert Sidebothanis zu imicrzionistischcm Frieden beantwortete er mit der Feststellung, daß er und seine Freunde jederzeit bereit seien, nach altenglischer Art den Frieden durch eine Round Table-Konferenz herzustellen. Jeder Jude, fuhr Jabotinsky fort, empfinde es als Demütigung, daß der Platz, an dem in gewissem Umfang ein jüdisches Regiment stehen sollte, von Engländern, Schotten und Walisern zum Sehaden unseres guten Rufes eingenommen wurde. Der Redner sprach von den großen Enttäuschungen, die die Juden über die Art, wie das Palästiiiaversprechen erfüllt wird, zu erleiden hatten. Trotzdem hätten sie das Vertrauen nicht verloren. In Polen habe er versucht, dieses Vertrauen aufrechtzuerhalten und die Massen davor zu bewahren, aus Geschehnissen des Tages Schlüsse zu ziehen. Bei dem Bankett ließen sich einige .Londoner Gesandtschaften vertreten. Die Einwanderung nach Südafrika Johannesburg, 16. Februar. (ITA.) In einer amtlichen Bekanntmachung wird mitgeteilt, daß die südafrikanische Regierung beschlossen habe, im Monat April 1937 200 Einwanderern, die zum großen Teil Juden sind, die Genehmigung zu vorübergehendem Aufenthalt zu erteilen. Der Einwantlerungsausschuß (Immigration Selcction Board), dem Innenminister P, I. Hougeubotit, Einwanderungskommissar F. F. Kincaid, Arbeitsminister I. E. Walker und der Minister für Handel und Industrie, W. J. Lamont, anehören, bat bisher 03 "o der vorliegenden Bewerbungen um inwanderung und dauernde Niederlassung in der Südafrikanischen Union zurückgewiesen. Eine Aeußerung Trotzkis zur Judenfrage. Wie aus Amerika berichtet wird, hat Trotzki, der bekanntlich jetzt einen scharfen Kampf gegen die Machthaber in Sowjetrußland fuhrt, in einem Gespräch mit dem Vertreter einer jüdischen Zeitung Amerikas auch zur Juden frage Stellung genommen. Lr soll gesagt haben, er sei zu der Erkenntnis gekommen, daß die Judenfrage durch Assimilation nicht zu lösen ist und die Juden ein eigenes Land besitzen müßten, freilich nicht Palästina, aber ein anderes Territorium, das noch gefunden werden müsse. Die amerikanische zionistische Zeitung „The New Palcstinc" nimmt mit Entschiedenheit dagegen Stellung, daß Trotzki, der sein ganzes Leben lang jeden Zusammenhang mit dem Judentum für seine Person abgelehnt und sieh auch niemals um jüdische Angelegenheiten gekümmert hat, in diesem Moment' in die jüdische Diskussion eingreift. Es scheint, so schreibt das Blatt, als ob es sich hier nicht um eine wirkliche Ucbcrzeugung handelte, sondern um eines der vielen Mittel, deren sich Trotzki im Kampfe gegen Stalin bedient. In Wahrheit muß Trotzki nach der Theorie, die er selbst immer vertreten hat, ein entschiedener Gegner von jeder Art Nationalismus und auch von jeder jüdisch-separatistischen Tendenz sein, denn innerhalb seiner Ideologie der Weltrevolution gibt es ja keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtiuden. Er hat längst alle Beziehungen zum Judentum durchschnitten und es besteht nicht der geringste Grund dafür, daß die Juden jetzt von ihm Meinungsäußerungen über jüdische Dinge entgegennehmen, — Obwohl es sehr schwer ist, das Spiel der sogenannten trotzkisfischen Politik, eines der sonderbarsten Phänomene unserer Zeit, zu durchschauen, so ist wohl anzunehmen, daß Trotzki gewünscht hat, durch die zitierte Acußerung sich Sympathien unter den jüdischen Massen Amerikas zu gewinnen. Daß er ein scharter Gegner des Zionismus und der jüdischen Palästina- Arbeit ist, versteht sich von selbst; da aber der Tcrritorialismtts vagester, unverbindlichster Prägung in Amerika besonders bei den jüdischen Intellektuellen und den Arbeitern um sich greift, will Trotzki anscheinend an diesen Sympathien partizipieren. Uns scheint es eine besonders tragische Illustration zu der Vcrirrung jüdischer Intellektueller in das Gestrüpp des Kommunismus, wenn der von Land zu Land gejagte revolutionäre Emigrant nach dem Zusammenbruch seiner ganzen Macht und seiner Illusionen sich plötzlieh seiner immer verleugneten jüdischen Abstammung erinnert. Hauptachtih leiten Dr. Robert Weltlich, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahmt; von Mildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anicigenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anieigen: Hermarm Kinn. Berlin W 15. Gültig Atueigen - Prciilinte 6 vom 1. April 1938, Verlag und Anxeigenverwahung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekertr. 10. D.A. Januar 34 275. — Druck: Skcfried Schokm, Bta-Schäfteb««. 1

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