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Jüdische Rundschau · 1937-02-19 · Heft 14 (19.2.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 14 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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22 2.1937 Jfe. 14/ Jahrgang 42 Prefe 29 Rp*. JÜDISCHE RONP ejafcrKtleltnaj,Verlar «. AnKalranverwaltanzt Bariln W15, Mainakeatr.l« f/anxtrfi lunowl-Nnuuril (Blemarrk) »031. — Betngepreia eiiudilieBtidi BmIsII(«U fe Monat RM 2,—. j. Viertelishr RM 5.75, bei Abholuiig RM 1,88 bzw. |tM 5,39. — Poiticheck . Konten der Vertrieb! Abteilung Berlin 71573 (für Gr* - BerllD), Berlin 17392 (für da* Ebrig* Reich), h Fälle» häherer GewaK («etefat kain Aniprurfi auf Nachlieferung »der Entartung etwa achoo gezahlter tMipriUb» — Eraehalnt Jedaa Dienstag «ad Fraltne;. BERLIN rann "hn 'n FREITAG, 19. FEBRUAR 1937 Astgabel 4^4Ü %> ^XvN**... lw >d. r4>* %/> «4 >Ä£ Aö aVftfäw ■ ae^eW. Wmis •*» bar Mantel Dieaatag Aa Mittweeh IS Uat. 'O Der Zionismus erstrebt für das JOdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Fällst!? % */■ ',1618 TA far Sm Auf iba 13 U») Programm) Roosevelts Botschalt „Jüdische Träume und amerikanische Träume" Wir erhalten jetzt per Post das Protokoll der großen amerikanisch-jüdischen Palästina-Konferenz in Washington am 7. Februar, über die wir bereits auf Grund der telegraphischen Nachrichten in Nr. 11 der „Jüdischen Rundschau" berichtet haben. Wir entnehmen diesem Protokoll den Wortlaut der Botschaft des Präsidenten Koosevelt, die die Form eines Briefes an den Vorsitzenden der Konteren/, Dr. Stephen Wise, hat. Der Brief lautet in deutscher Uebersetzung: Weißes Haus, Washington, 6. 2. 1937 Lieber Dr. Wise, Bitte übermitteln Sie den Männern und Frauen, die sich hl Washington zu der vom United Palestine Appeal einberufenen Landeskonferenz für Palästina eingefunden haben, meine guten Wünsche. Das amerikanische Volk, stets eifernd für die Sache der menschlichen Freiheit, hat mit Sympathie und Interesse die Anstrengung der Juden in Palästina beobachtet, die Bande zu ihrem alten Heimatland zu erneuern und die jüdische Kultur an dem Platze, wo sie jahrhundertelang blühte und von wo sie später in die fernsten Winkel der Welt getragen wurde, wieder aufzurichten. Dieses Jahr bringt den zwanzigsten Jahrestag der Balfour-Deklaration, des Schlüsselpunktes der zeitgenössischen Aufbauarbeit im jüdischen Heimland. Diese zwei Jahrzehnte haben ein bemerkenswertes Zeugnis für die Lebenskraft und Vision der jüdischen Pioniere in Palästina abgelegt. Es sollte eine Quelle des Stolzes für die jüdischen Bürger der Vereinigten Staaten sein, daß auch sie an diesem großen Werke des Wiederauflebens und der Wiederaufrichtung einen Anteil gehabt haben. Es ist mir eine große Freude, allen, die an Ihren Beratungen teilnehmen, meine herzlichen Glückwünsche uiid meine wärmsten persönlichen Grüße zu senden. Ihr aufrichtig ergebener Franklin D. Roosevelt Der Landwirtschaftsminister der amerikanischen Regierung, Henry A. Wallace, hat, wie wir gleichfalls bereits gemeldet haben, eine Ansprache an die Konferenz gehalten, der er den Titel gab, „Jüdische Träume und amerikanische Träume". In dieser Rede führte der Minister folgendes aus: Drei Jahrtausende hatten die Juden einen Traum und drei Jahrhunderte hatten die Amerikaner einen Traum, und beide diese Träume sind erstaunlich ähnlich. Träume sind es ja, die einem Volke sein Ziel geben, über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg, und sich schließlich in Taten verwandeln. Der alte Traum der Juden und der moderne Traum der Amerikaner, beide beziehen sich auf den Frieden, auf Bauern, die ihr Land in Frieden bebauen, auf Bedrückte in Dorf und Stadt, denen der Weg zum Aufstieg geebnet wird, auf die Verehrung Gottes in eigener Art. Von allen Kapiteln der Bibel ist es das vierte Kapitel des Buches Micha, dem zweiten Kapitel Jesaja so ähnlich, das am eindrucksvollsten den Traum versinnbildlicht, der solange das Bewußtsein sowohl der Juden als auch der Amerikaner erfüllt hat. F.s ist die Vision von der Zeit, in der die Schwerter u m g e s c h miedet werden zu Pflugscharen und die Speere zu Winzcrmessern, in der keine Nation das Schwert gegen eine andere Nation erheben und man nicht mehr die Kriegskunst erlernen soll, sondern jeder Mensch soll unter seinem Weiustock und unter seinem Feigenbaum sitzen und soll sich nicht fürchten; denn der Mund des Flerrn hat gesprochen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies dann der Minister auf die Politik der amerikanischen Regierung hin, den verelendeten Farmern zu Hilfe zu kommen. Diese Aktion sei ebenso im Geiste des Propheten Micha wie die Aktion der amerikanischen Juden für ihre Brüder in der Welt. Es sei interessant festzustellen, daß ein Mann wie Justice B r a n d e i s ebenso tiefes Interesse m dem Schicksal des verelendeten Farmers wie des verelendeten Juden nehme. Er glaubt, daß das ideale Leben das eines Mannes ist, der mit seinen eigenen Händen den Boden bebaut, frei von der Furcht vor Krieg, und Gott in seiner Weise dient. Wir dürfen uns aber keiner Täuschung darüber hingeben, so schloß der Minister, daß die Vision des Propheten Micha noch lange nicht erfüllt ist. Noch gibt es Erniedrigte und Bedrückte, noch gibt es Kriegsfurcht, und die Zahl der in ihrer Existenz bedrohten Farmer steigt. Aber in amerikanischen und jüdischen Herzen bleibt die Sehnsucht bestehen, die prophetische Vision der sozialen Gerechtigkeit und Verehrung Gottes nach dem Trieb des eigenen Gewissens zu verwirklichen. Für Oefinung Transjordaniens Arisches Personal in jüdischem Hotel „Daily Telegraph" veröffentlicht eine von 27 hervorragenden Persönlichkeiten, darunter dem früheren französischen Ministerpräsidenten F I a n d i u, unterzeichnete Zuschrift, in der eine Z u s a m in c n a r b e 11 der Juden und Araber in Palästina gefordert wird. In der Zuschrift wird erklärt, daß die Araber Palästinas aus der jüdischen Einwanderung Vorteil gezogen hätten und daß sowohl die Araber wie die Juden in Palästina unzufrieden sein und vom Arbeitsmarkt verdrängt werden würden, wenn dieser allen Elementen aus den Nachbarländern zugänglich gemacht werden wurde. Die Bestrebungen der Araber nach Selbständigkeit seien durch die Errichtung der arabischen Staaten bereits verwirklicht worden. Jetzt sei es an der Zeit, die seinerzeit zwischen Emir Feisal und Dr. Weizmann getroffenen Vereinbarungen zu erfüllen. Im Anschluß daran wird die O c f f n u n g Transjordaniens und anderer arabischer Lander für jüdische Einwanderung gefordert. General Dill bleibt in Palästina Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" teilt mit, das Colonial Office habe den überkommariciierenden der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalleutnant John 0. Dill, ersucht, für einige Zeit nach London zu kommen. Generalleutnant Dill habe sich aber außerstande erklärt, dieser Aufforderung Folge zu leisten, da seiner Meinung nach die Lage in Palästina seine Anwesenheit im Lande unbedingt erforderlich mache. Er erwarte zwar für die nächste Zukunft keine ernsteren Unruhen, glaube aber vor Veröffentlichung der nächsten Arbeitereinwanderungs-Schedule seinen Posten selbst auf kurze Zeit nicht verlassen zu dürfen. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" fügt hinzu, daß die Arbeitereinwanderungs-Schedule für das Halbjahr April bis Oktober W17 diesmal nicht, wie sonst üblich, bereits im April, sondern vermutlich erst im Juni bekanntgegeben werden wird. „Daily Telegraph" bringt gleichzeitig noch die Nachricht, daß der jetzt in London weilende High Commissioner Sir Arthur Wauchope nicht mehr nach Palästina zurückkehre. Es soll vielmehr ein High Commissioner ernannt werden, der nicht Militär ist, damit Kompetenzkonflikte zwischen dem Oberkommandierenden der Truppen, Generalleutnant Dill, und der Leitung der Zivilverwaltung vermieden werden. (Diese Meldung über Watichopes angeblich beabsichtigten Rücktritt bringen wir mit allem Vorbehalt. Watichopes Amtszeit ist erst vor u* Jahr für 5 Jahre verlängert worden. — A.d. R.) Den Inhabern eines Hotels in W i e s b a d e n, das fast ausschließlich von Nichlariern besucht wird, wurde auf Grund des Runderlasses des Chefs der deutschen Polizei vom 11. Juli 1936 die Verpflichtung auferlegt, die bei ihnen beschäftigten vier arischen Angestellten unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten / u entlassen. Es handelte sich um eine Büroangestellte, eine Wäschebeschließerin uncl zwei Küchenmädchen. Gegen diese polizeiliche Auflage, mit der gleichzeitig bei Nichtbefolgung die Entziehung der Konzcssion angeordnet wurde, erhoben die Inhaber laut „Höchster Krcisb'att" beim Stadtvcrwaltungsgerieht Einspruch. Sie machten gelt.'nd, daß ihr Betrieb n i c Ii t ausschließlich von Juden besucht werde, und daß der Ruuderlaß keine Anwendung auf bereits bestehende Konzessionen finde. Auch andere Unternehmen, z. B. Warenhäuser, dürften ihr deutsches weibliches Personal beibehalten. Das Stadtverwaltungsgericht w ies die Klage a b, wobei besonders hervorgehoben wurde, daß zwischen einem Hotel und einem Warenhaus ein großer Unterschied zu machen sei. Auf die Bcrufungsklagc entschied das Bezirksvcrwalttmgsgericht, daß die Inhaber alles deutschblütige Personal unter 43 Jahren, soweit es sich nicht um Küchenpcrsona! handelt, entlassen müssen und kein arisches Personal wiedereinslellen dürfen. Durch den angeführten Ruuderlaß des Chefs der deutschen Polizei wurde eleu die Genehmigung zum Betriebe einer Gastwirtschaff oder Schankwirtschaft erteilenden Behörden empfohlen, in den Fallen, wo eine jüdische Gaststätte neu errichtet wird, als besondere Auflage vorzuschreiben, daß in dem Betriebe kein d e u t s c h b I ü t i g e s weibliches Personal beschäftigt werden darf. Bei bereits erteilten Erlaubnissen sollen entsprechende Auflagen alsbald nachgeholt werden. Die Boykott-Frage in Norwegen Oslo, 12. Februar. (JTA.) Ein Fall antijiidischcn Boykotts ist von einem norwegischen Gericht zugunsten des jüdischen Klägers entschieden worden. Der Besitzer einer Klciderfabrik hatte die Ausführung eines früher von ihm entgegengenommenen Lieferungsauftrages an ein jüdisches Kieklergeschäft mit der Begründung verweigert, daß er aus persönlicher Abneigung keine Geschäfte mit Juden machen könne. Dieses Vorgehen ist als ungesetzlich erklärt worden. In der Entscheidung wird darauf hingewiesen, daß in Norwegen alle Rassen und Nationalitäten vor dem Gesetz gleich seien. Tagebuch der Zeit Die Reichsvertretung Die Reichsvertretimg der Juden in Deutschland ist diejenige zentrale jüdische Organisation, von deren Arbeit die Oeffentlichkeit verhältnismäßig am wenigsten weiß. Während die Großgemeinden und Landesverbände wie auch die großen jüdischen Organisationen, die sich über das ganze Reich erstrecken, eine gewisse Publizität erlangt haben und von ihren Arbeiten vor der jüdischen Oeffentlichkeit immer wieder berichten, hat sich die Tätigkeit der Reichsvertretung zumeist im stillen abgespielt. Es ist daher zu begrüßen, daß man aus der Reserve, die man wohl mit Absicht geübt hat, nunmehr etwas herauszutreten beginnt und in einer Kundgebung in Berlin, über die wir au anderer Stelle der heutigen Ausgabe berichten, über die Probleme gesprochen bat, die bei der Schaffung der Reiclisvertrefting zu bewältigen waren, sowie über die Arbeiten, die die Reichsveiiietung in den abgelaufenen V .'.> Jahren geleistet hat. Diese Berichte waren auch für den, der mit der Sache selbst vertraut ist, durch die l ulle des Materials überraschend und bewiesen, daß diese jüdische Instanz in Deutschland wirklich zu dem geworden ist, was ihre Initiatoren beabsichtigten, nämlich zu einer zentralen Stelle, die die wichtigsten Gebiete der jüdischen Arbeit plant und lenkt. Es wird von allen Schichten des Judentums in Deutschland nur begrüßt werden, wenn man von der Tätigkeit der Reichsvertretung in Zukunft in kurzer^; Abständen etwas erfahren kann; wir wissen, daß eine solche Arbeit von dem Vertrauen der breiten Masse getragen sein muß, um sieh auf die Dauer durchsetzen zu können. Von zionistischer Seite wird diese Arbeit zu einem erheblichen Teile mitgetragen, wenn es auch klar ist, daß hier nur Arbeit geleistet werden kann, die die gröbsten Notstände beseitigt, ohne daß eine wirkliche Gesundung des jüdischen Lebens in materieller uncl geistiger Beziehung damit angebahnt wird. Dennoch ist diese Arbeit wichtig, insbesondere im Hinblick auf die Frage der Auswanderung von Menschen, die wirklich für ein Leben in der Welt draußen vorbereitet sind und dort, mögen sie leben wo immer, sich als Juden bewähren sollen. Diese Gesichtspunkte der jüdischen Fundierung und der Lenkung der Arbeiten nach dem Gesichtspunkt ihrer Bedeutung für die Erhaltung jüdischer Volkss übst a n z gilt es, in immer stärkerem Maße in der Arbeit der Reichsvertretung zu verankern, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Beteiligung der Juden Deutschlands an dem 'Aufbau Palästinas und ihre Vorbereitung für diese zentrale judische Aufgabe unserer Zeit. Gegenüber Gedankengängen, die gelegentlich in der jüdischen Oeffentlichkeit aufgetaucht sind und eine „radikale" Umgestaltung der Reichsvertretung verlangten, und auch gegenüber Parolen, die an clie Stelle der sachlichen Arbeit mehr oder williger illusionäre Tendenzen setzen wollen, wirkt die Besinnung auf das wirklich Geleistete, die in der Berliner Kundgebung vorgenommen wurde, positiv und zukunftversprechend. Bevölkerungssorgen Im Englischen Unterhaus hat vor einigen Tagen eine Diskussion über die Probleme der britischen Bevölkern n g s p o 1 i t i k stattgefunden. Schon in der von uns seinerzeit erwähnten Erörterung über die Frage der Auswanderung ans England in die britischen Dominien war von Minister Malcolm MacDonald darauf hingewiesen worden, daß das Mutterland gar nicht di/u in der Lage sei, eine größere Zahl von Uebersceauswamlereni zu stellen, da seine Bevölkerungsentwicklung stagniere. Dieser Frage hat man jetzt eine besondere Aussprache im Unterhaus gewidmet, bei der insbesondere auch das Problem der Verteidigungskraft England-, berührt wurde Mau macht sieh ernste Sorgen über die Frage des genügenden Nachwuchses, und pessimistische Propheten haben eine Dezimierung der englischen Bevölkerung vorausgesagt. Diese Angelegenheit spielt bekanntlich auch innerhalb des jüdischen Bezirks seit vielen Jahren eine erhebliche Rolle, und es sind eine ganze Anzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen darüber geschrieben worden, wie die Entwicklung des jüdischen Volkes quantitativ verlaufen wird. Besonders die Arbeiten von Dr. Felix A. Th eil h aber sind in diesem Zusammenhange zu nennen, die für die Judenheit Deutschlands schon sehr früh eine pessimistische bevölkerungspolitische Prognose aufstellten. P a 1 ä s t i n a als Ort des jüdischen Neuaufbaus bietet rein äußerlich das Bild eines sehr fruchtbaren Jischuw, da die Zahl der Kinder im Verhältnis zur jüdischen Gesamtbevölkerung recht groß ist. Man darf sich jedoch von diesem äußeren Schein nicht täuschen lassen, da der Kinderreichtum nicht auf eine besondere Fruchtbarkeit der jüdischen Bevölkerung zurückzufuhren ist, sondern auf die Tatsache, daß infolge der Einwanderung die jungen Jahrgänge im Lande besonders stark vertreten sind, die naturgemäß als Eltern hauptsächlich in Betracht kommen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Kinder pro Familie in Palästina sehr gering, und diese Tatsache muß sich in einer gewissen Zeit auch äußerlich bemerkbar machen. Hierauf ist in Palästina selbst gelegentlich schon hingewiesen worden, da ja in diesem Lande ohne Zweifel ein Interesse daran besteht, die jüdische Bevölkerung, in Ergänzung der Alijah von außen, durch eineii starken Nachwuchs zu vermehren. Daß derartige Fragen

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