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Jüdische Rundschau · 1937-02-16 · Heft 13 (16.2.1937) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 13 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13,16.11.1937 JODISCHE RUNDSCHAtJ Seit« 7 Sitzung des Kleinen A.-C. Jerusalem, 11. Februar. (Palcor.) Das Kleine Aktions- Comite trat heute zu einer Sitzung zusammen, auf der Dr. Kupp in über die wirtschaftliche Lage sprach und ein Programm zum weiteren Ausbau der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und Autarkie des Jischuw entwickelte. Nach einer Diskussion sprach M. Schertok über das Problem der Sicherheit und die Tätigkeit der Jewish Agency auf diesem Gebiet. Er befaßte sieh ferner mit der politischen Situation in Palästina und im Nahen Osten. Zehn Jahre Rechtspflege Jahrestagung der Sozial-Arbeiter Im Vcrsammlungssaal des Gebäudes der Jewish Agency In Jerusalem fand unter Beteiligung zahlreicher Delegierter und Gäste aus dem ganzen Lande die fünfte Jahresk onfere n z der Sozialarbeiter Palästinas statt. Miß Henrietta Szold gab in ihrer Eröffnungsansprache einen Ucberblick über die seit dem Jahre 1032 auf dem Gebiet der Sozialfürsorge erzielten Fortschritte. Während sich die Konferenz vor zwei Jahren hauptsächlich mit Problemen der Kinder- und Jugendfürsorge und vor einem Jahr mit der Einwandererfürsorge beschäftigte, werde es die Aufgabe der diesjährigen Konferenz sein, Pläne für die Arbeit in der Zukunft und bessere Kooperation festzulegen. Ein Referat über jüdische Sozial- und Wohlfahrtsarbeit im Laufe der Geschichte erstattete Prof. Assaf von der Hebräischen Universität. Er hob die Bedeutung hervor, die von Juden dieser Betätigung stets beigemessen wurde, lieber neuere Arbeiten auf diesem Gebiet berichtete Rabbi Cohen. Die weiteren Sitzungen der Konferenz: fanden teils im Gebäude der Jewish Agcncv, teils im Nathan-Straus-Gesimdheitszentrum statt. Es sprachen das Mitglied des Waad Leuini, Dr. Abraham K a t z n c I s o n , der verlangte, daß der sozialen Fürsorge für die Einwanderer größeres Augenmerk zugewandt werde, Dr. Arthur R tippin, Frau \V i I e n s k y, Dr. Prcuß und Ada Fisch man. In das Präsidium der Konferenz wurden gewählt: Dr. Moses, Frau A. Eisenberg, Abraham Elmaleh, Frau Debora Nosoviskv und Frau Blumenfeld. _ Innerarabische Spannungen Angesichts des herannahenden Festes von Nebi Musa macht sich eine Verstärkung der von jeher bestehenden Feindschaft zwischen den Familien llusseini und Nashashibi und ihren Anhängern in Palästina, insbesondere in Jerusalem, bemerkbar. Zwischen den beiden Parteien sind in letzter Zeit mehrere Zus a m m e n s t ö ß e vorgekommen. Wie bekannt, kam es nach Beendigung der Unruhen wieder zu einem Bruch zwischen den llusseiuis und den Nashashibis, die separate Streikausschüsse in Jerusalem bildeten. Die neuerlichen Zusammenstöße führten zu der Ermordung eines Anhängers des Mufti, der Verwundung von mehreren anderen und der Verhaftung von 13 Personen. (Palcor.) Eine Stimme aus dem Libanon Jerusalem, 9. Februar. (JTA.) In der libanesischen Zeitung „AI Wahda al Libanania'' wird die Zuschrift eines christlichen Arabers aus Haifa veröffentlicht, die sich entschieden gegen die Aussagen des Haifaer katholischen Bischofs Hosiar vor der Kgl. Kommission wendet. Dem Bischof wird das Recht abgesprochen, im Namen aller christlichen Araber Erklärungen abzugeben. Er vertrete nicht einmal, wie er dies vor der Kommission behauptet habe, alle katholischen Gemeinschaften, sondern mir die G r i e c h i s c h - K a t h o 1 i s e h e n, die im ganzen 10 000 Seelen im Lande umfassen. Die Röniisch-Katliolischen, Maronitcn, Armenier und Syrer hätten ihre eigenen Bischöfe. Auch der Inhalt seiner Aussage könne nicht unwidersprochen bleiben. Es widerspreche durchaus der Wahrheit, daß es den christlichen Arabern zur Zeit des türkischen Regimes besser fegangen sei als heute. Das Gegenteil sei der Fall. Damals äffen sich die Christen in gewissen Fällen mohammedanischen religiösen Gerichten stellen müssen, Sie seien damals völlig rechtlos gewesen, während sie heute im Genuß aller religiösen Freiheiten sind. Aus Anlaß der Pensionierung des höchsten Richters und des in diesen Tagen erfolgten Amtsantritts seines Nachfolgers bringt der „Dawar" einen von J. S c h u c h m a n n verfaßten Ucberblick über die palästinensische Justizverwaltung während der letzten zehn Jahre: Zehn Jahre etwa hat der frühere Oberste Richter Sir Michael Mac Don eil seines Amtes gewaltet und einen großen Einfluß sowohl auf die Rechtsprechung wie auf die Oeriehtsvcrwaltung ausgeübt. Sein einziger Vorgänger im Amte war Haycraft gewesen. Aber er hatte eine weit längere Amtszeit als dieser und war unter den hohen Regienmgsbcamteii fast der amtsälteste. Er war kein Kenner des palästinensischen Rechts. Er hatte von früher her keine spezielle Erfahrung als Richter. Er hatte das Amt des Obersten Richters noch nie ausgeübt und auch als Richter nicht längere Zeit und nicht auf einem wichtigeren Posten gearbeitet. Er hatte ganz andere Aemfer bekleidet, die zum Teil in keinerlei Zusammenhang mit der Justizverwaltung standen. Seine geringe Erfahrung im palästinensischen Recht und in richterlichen Aufgaben überhaupt beeinflußte den Standard des palästinensischen Gerichtswesens während seiner Amtsepoche. Man könnte eigentlich von englischen Beamten erwarten, daß sie überall bestrebt sein werden, der Rechtspflege die Stellung zu verschaffen, die sie in ihrer Heimat genießt. Und das um so mehr hier, wo das englische Recht in all den Fällen, auf die das palästinensische Recht keine Antwort gibt, in Geltung ist. In England ist das Gericht die Gruudinstitution des öffentlichen Lebens und es wird sehr viel Wert darauf gelegt, ihr das Vertrauen der Oeffentlichkcit zu erhalten. Deshalb werden die Richter sehr hoch bezahlt, um sie über jeden Verdacht eines persönlichen Interesses zu erheben. In Palästina hingegen machte man in den letzten zehn Jahren aus den Gerichten eine E i n n a h m e q u e 11 e f ii r d i e Regier u n g. Vor dem Amtsantritt des letzten Obersten Richters hatte die Justizverwaltung fast stets ein Defizit aufzuweisen. Später arbeitete sie mit beträchtlichen immer mehr steigenden lieber- Schüssen. Das mag für Zoll, Eisenbahn- oder Postwesen ein Zeichen guter Verwaltung sein. Beim Gerichtswesen aber wird die Rentabilität mit schweren Nachteilen erkauft. Zunächst wurden alle nichtenglischen Richter sehr schlecht bezahlt. Sie arbeiteten unter „türkischen" Bedingungen. Auch wurden die Richter nicht nach ihren besonderen juristischen Kenntnissen und Fähigkeiten gewählt. Der Oberste Richter ernannte dazu Beamte der Gerichtshöfe und seihst wenn die Rerhtsanu■altschaft und die Oeffentlichkcit gegen die Wahl dieser oder jener Persönlichkeit protestierten, schenkte er dem keine Beachtung. Der Gerichtsapparat arbeitete dabei langsam und schleppend. Prozesse kamen oft erst nach Jahren mm Austrag. Line Erörterung dieser Zustände in der Presse war nicht möglich, denn es war der Presse nicht nur untersagt, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, sondern diese frühere Bestimmung wurde dahin verschärft, daß auch abgeschlossene Pro/esse nicht kritisiert werden durften. Dabei hatte der Oberste Richter selbst wenig Kontakt mit den Gerichtshöfen. Er besuchte sie selten. Es bleibt zu entscheiden, ob die herrschenden Verhältnisse auf eine mangelnde Gerichtserfahrung des Obersten Richters oder auf seine _ negative Einstellung zu dem Entwicklungsgang, den Palästina infolge der jüdischen Einwanderung genommen hat, zurückzuführen ist. Ein Fischerdorf bei Haifa Fünfundzwanzig bis dreißig Hochseefischkutter und einige hundert Küsten-Fischerboote waren notwendig, um Palästinas Bedarf an hochwertiger, frischer Fischnahrung zu decken. Fünf Schiffe mit einem täglichen Fangergebnis von 3','L- Tonnen wie bisher reichen nicht aus, die Einfuhr aus dem Ausland mit ihren unerwünschten Folgen des Kapitalexports und — wie im vergangenen Sommer — gelegentlichen Massenvergiftungen auszuschalten. Erst die Verwirklichung des Projektes „K f a r Dajagim" wird Palästina seine eigene Fiscnereiflotte mit jüdischen Mannschaften zur Versorgung des einheimischen Marktes verschaffen. Die K w ii z a t Ii - D a j a g i m, im Juli vorigen Jahres als Kooperative registriert, ist dabei, in der Ilaifabay — hinter Kirjath Motzkin — ein Fischereidorf zu begründen, wozu der Kercn Kajemeth zunächst 200 Dunam Land zur Verfügung gestellt hat, während für die Errichtung der Gebäude eine Anleihe aufgenommen wird. In diesem Fischerdorf werden nur Menschen wohnen, die sich mit der Fischerei beschäftigen. Mit 40 Chavvcrim (darunter 15 Olim aus Deutschland) wird die Arbeit begonnen. Für den Fischfang wird ein Spezialist aus Jugoslawien, für den Bootsbau ein Spezialist aus Polen und Ingenicure des Technikums hinzukommen. Die Zahl der Mitglieder, die aus den verschiedensten Berufen stammen sollen, wird bis auf 450 gesteigert werden. Jeder zahlt £ 200 ein, die verfallen, wenn er sich nicht mehr mit Fischerei beschäftigt, und erhält 5 Dunam Land, eine Kuh und KMj—2(K) Hühner. Mit der Kwu/alh-Dajauim wird erstmalig in Palästina die Fischerei in größerem Maßstabe organisiert mi! dem Ziel, den Genuß frischer Fische aus einem Firnis, den er trotz der Lage Palästinas am .Meer in gewisser Beziehung noch immer bildet, /ti einer populären Angelegenheit zu machen. Dazu ist mit den italienischen I ischcrn, die seit fünf Jahren vor Palästina fischen, ein Abkommen geschlossen worden, nach welchem die Kwu/ah deren fünf Honte mit je zwei Italienern der alten Besatzung zur Instruktion der Neulinge souie den gesamten Fang übernimmt. Die Schiffe werden dann täglich kurz nach Mitternacht in die etwa 20 Meilen von Ilaita entfernt liegenden Fischgründe fahren und nachmittags mit dem Fang (Makrelen, Sardinen, Seebarsehen, Barhen, Brassen usw.) zurückkehren, so daß eine regelmäßige Versorgung des Landes mit frischen i isehen gewährleistet ist. Solange die Schiffe selbst keine Kühlanlagen besitzen, werden die toten Fische auf den Schiffen zwischen Eis gelagert, während für den lebenden Fang Bassins vorgesehen sind. Line besondere Gesellschaft wird den Vertrieb des Fanges, der bisher auf den arabischen Markt ging und nun zum jüdischen Konsumenten umgelenkt werden soll, übernehmen, die notwendigen Kühlanlagen schaffen und die Verbindung mit der Weiterverarbeitung (Räucherei, Konservenfabrikation, Fischmeliihersteilung usw.) herstellen. Alfred Markus, Haifa Ein arabischer Aspirant der Polizeischule in Jerusalem fand durch einen unglückliehen Zufall den Tod, als das Gewehr eines jüdischen Aspiranten sich unversehens entlud. Letzterer, ein erst vor kurzem aus Deutschland eingewanderter Immigrant, wurde in Haft genommen. Erfolge einer palästinensischen Pianistin. Die palästinensische Pianistin Nadja Eitingon-Reichert hat im Vorjahr eine Europa-Tournee absolviert, die zu einem großen Erfolge wurde. Nadja Fitingous künstlerischer Ruf ist im Orient auch über die Grenzen von Erez Israel hinausgedrungen. Sie wurde zu Konzerten in die Nachbarländer eingeladen und hat in Nikosia auf Cypern, dann in der American University Beirut gespielt. Ihre größten Leistungen hat die jüdische Künstlerin durch Vorträge klassischer, namentlich Chopinscher Musik, sowie russischer Lieder errungen. Sie hat der palästinensischen Kunst im Osten einen Namen gemacht. — Nach ihrem Wiener Konzert, über das wir seinerzeit berichteten, unternahm sie eine Tournee in die Tschechoslowakei, Polen, nach Jugoslawien, Rumänien, Paris und London. Die Künstlerin war noch ein Kind, als sie ihr erstes Konzert in Kiew geben konnte. Nach dem Umsturz wanderte die Familie aus, und Nadja fand in Deutsehland ihre zweite musikalische Heimat. Die Wiener Presse widmete ihrem Auttreten sehr anerkennende Besprechungen und hob die sichere Musikalität der Künstlerin hervor. Ebenso rühmten die französischen und englischen Zeitungen ihre Leistung und hoben den Beifall hervor, den ihre Darbietungen auslösten. Dr. Isaac Herzog, der vor kurzem zum Oberrabbiner von Palästina gewählte ehemalige Oberrabbiner von Irland, ist nach einmonatigem Aufenthalt in Palästina in London eingetroffen und nach Dublin weitergereist. Todesfall. Vor kurzem verschied in Haifa Frau Zipora Gutmann, Allzufrüh für alle, die sie kannten, hat dieses wertvolle Leben geendigt. Von einer selbstverständlichen Jüdischkeit erfüllt, übte die Verstorbene an der Seite ihres um die Pflege traditionellen Judentums in Haus und Gemeinde verdienten Gatten ihre unzähligen Werke der Liebe- Unter starker Beteiligung hat man sie zu Grabe getragen. Au der Bahre sprach Rabbiner 1 inuhug Worte der Trauer« Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 4. Februar hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel-Avviw folgende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank 5 "-Aue Pfandbriefe 38 55 07, 6 «..ige Pfandbriefe 3i 3S, 3139 l()2i/lf 6'Oiige Pfandbriefe 3-1'51 103' .., 0 "-ige kuro. Vorzugsaktien III, gewöhnliche Inhalu raktien 1 l'M ., P. L. D. C. gewöhnliche Inhaberaktien V>'.., o .-ige kum. Vorzugsaktien <>!•'.., Kercn Kaiemeth Lejisrael 2' •> >ige Pfandbriefe b'» ., Bizur Ltd. 6 <ndge Pfandbriefe 00. Gott behüte! — der Enkel in so eine verliebte und sie ihn vom Wege der Frömmigkeit fortlockte? Der Großvater fühlte sich für den Enkel verantwortlich. „Schloime", sagte er zu ihm, „du mußt heiraten, bevor du nach Erez Jisroel gehst. Ich weiß hier ein Mädel für dich!" Schloime hatte an sich nichts dagegen aber ... „Nein, es geht nicht", antwortete er dein Großvater. „Wenn ein Mann heiratet, muß er nach dem Din (Vorschrift) mindestens ein Jahr bei seiner Frau bleiben. Inzwischen aber verfällt das Zertifikat, und dann kann ich nicht mehr nach Erez. Jisroel fahren." „Narr", erwiderte der Großvater, „meinst du, das habe ich nicht schon alles überlegt? Du wirst das Mädchen heiraten — aber nur auf dem Standesatnt. Dann bin ich sicher, daß du drüben keine andere heiraten wirst. Aber Chuppe machen werdet ihr hier nicht — also brauchst du noch kein Jahr bei ihr zu bleiben, sondern kannst reisen. Wenn du mit Gottes Hilfe drüben eine Parnosseh gefunden haben wirst, läßt du deine Frau nachkommen." Schloime bewunderte den Scharfsinn seines Großvaters und handelte nach seinen Worten. Er heiratete das Mädchen vor dem Standesamt — und war somit gegen weitere Versuchungen1 gefeit. ..Aber die religiöse Eheschließung verschob er, ging nach Erez Israel und jetzt, nach anderthalb Jahren, war er soweit, seine Frau nachkommen lassen zu können. Er schrieb das vorschriftsmäßige Gesuch, füllte die nötigen Formulare aus — und wurde acht Tage später verhaftet. „Sie werden ausgewiesen!" sagte man ihm auf der Polizei. „Aber um Gotteswillen, warum denn?" „Sie haben sich das Zertifikat unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen!" „Nein!" rief der fromme junge Mann empört, „das habe ich nicht getan!" Da hielt man ihm sein eigenes Gesuch unter die Nase, auf das er vor anderthalb Jahren sein Zertifikat bekommen hatte. „Hier haben Sie erklärt, Sie seien lcdig, und jetzt fordern Sie Ihre Frau an. Sie müssen also schon verheiratet gewesen sein, als Sie ins Land kamen. Sie haben also eine wissentlich falsche Angabe gemacht." „Aber als ich das Zertifikat bekam, war ich ja wirklich noch unverheiratet!" beteuerte der junge Mann. „Ich habe erst zwei Tage vor meiner Abreise geheiratet!" Und er wies zum Beweise den Trauschein des ungarischen Standesamtes vor. Der Beamte las es kopfschüttelnd. „Schön", sagte er, „in Ungarn haben Sie anscheinend nicht geschwindelt. Aber als Sie hier landeten, hat man noch einmal Ihre Personalien aufgenommen, und da haben Sie wieder angegeben, daß Sie ledig seien .... und damals waren Sie doch schon verheiratet?" „Aber das ist doch unmöglich", rief der fromme Jüngling, „ich werde doch nicht lügen! Das ist doch eine Sünde." Da zeigte man ihm das auf dem Schiff aufgenommene Protokoll —- mit seiner eigenen Unterschrift. Und dann sperrte man ihn ein. Er bekam einen Anwalt, und der ging der Sache nach. Und nun stellte es sich heraus: beide Seiten hatten recht! Der junge Mann hatte zwar eine falsche Erklärung unterschrieben, aber er hatte sie nicht abgegeben. Aut dem Schiff hafte ihm ein Mitglied der Landungskommission den Paß abgenommen, seine Personalien daraus abgeschrieben und ihn das Formular unterschreiben lassen. In dem Paß stand noch „ledig" — und so kam es auch ins Protokoll. Und der junge Mann hatte es unterschrieben, ohne auch nur hinzusehen. Aber jetzt gibt es ein unterschriebenes Dokument mit einer falschen Angabe, und das ist bei einer so bürokratischen Gerichtsbarkeit, wie sie die Engländer in Palästina eingeführt haben, ein unübersteigbares Hindernis, um den jungen Mann aus dem Gefängnis zu holen. Und nur der Fligh Commissioner selbst kann das Malheur wieder gutmachen, das ein all/u besorgter und allzu „kluger" Großvater in Ungarn angerichtet hat. Neues vom Palästina-Film. Die seit zwei Jahren existierende „Carmcl-Wochcnschau" Nathan Axelrods, die ihren Wirkungskreis vor kurzem über ihre engere Heimat Tcl-Awiw hinaus nach Haifa erweiterte, erscheint seit einiger Zeit mit nach eigenem System aufgenommenem Ton. Die direkten Tonreportagen sind allerdings noch selten und werden nur gelegentlich zur Aufnahme von Ansprachen benutzt. Bevorzugt wird die Methode, zu den stumm aufgenommenen palästinensischen Aktualitäten nur einen Begleittext zu sprechen. Der Aufnaltmesta- 1 reicht einstweilen an den der großen internationalen Wu äenschauen noch nicht heran, doch sind die bisherigen Leistungen schon recht befriedigend und stoßen beim Publikum auf großes Interesse. Neben diesen „Carmel Sound News" soll nun bald eine zweite palästinensische Wochenschau in Aktion treten, herausgegeben von den „Aga-Films", für die B. Agadati unlängst eine moderne Filmappnratur aus dem Ausland mitgebracht hat, die für zwei Tel-Awiwer Kinos eine Spezialwochenschau liefern soll. — Das letzte Produkt der palästinensischen Filmproduktion ist der Knr/fihn vom Bau des Hafens Tel- Awäw, in dem die Entstehung dieser. Hafens vom ersten Bautag an bis zu seinem jetzigen Stadium von der „Carmel- Film" geschildert wird. A I f r c d M a r k u s, Haifa Eine Schulausstellung in Jerusalem. Unter den Schulen Jerusalems hat sich die verhältnismäßig junge Maaleh- Schule einen eigenen Platz erobert. Von der Basis der alten Tradition aus versteht sie es, den ihr anvertrauten Kindern neben dem Verständnis für unser Religions- und Kulturgut, die Liebe zum Land, Hingabe an das Aufbauwerk und einen wachen Sinn für die Umwelt zu vermitteln. Es ist daher verständlich, daß die Schule, wie sie jetzt berichten konnte, ihre Schülerzahl in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppeln konnte. Die Schule hatte Eitern und Freunden der Anstalt in Form einer Ausstellung von Schülcrarbcitcn gezeigt, was die Kinder hier aufnehmen. Zweifellos stehen eine Reine von Arbeiten über dem Durchschnitt, aber nicht die Spitzenleistung interessiert, sondern der breite Querschnitt« der zeigt, was Schule und Lehrer den Kindern zu geben vermögen. Und gerade -von diesem Gesichtspunkt aus kann die Ausstellung gar nicht genug anerkannt werden. Erstaunlich der Schwung und die Bewegung, die aus den gezeigten Zeichnungen und Linolcumschnittcn spricht. Man sieht, wie es der Lehrer versteht, in den Kindern das Gefühl für Linie und Bewegung zu wecken. Die Handarbeiten der Mädchen fallen nicht nur wegen der hübschen Farbmuster und Formen auf, sondern auch durch exakte, saubere Arbeit. Verschiedentlich ist auf jemenitische Muster zurückgegriffen worden. Die aufgelegten Hefte zeigen ebenfalls, daß die Schule besonderen wert darauf legt, daß die Kinder ihre Hefte und Bücher sauber und ordentlich halten. Besonders eifrig werden die Hefte für Arabisch betrachtet. Die Kinder sollen auch hierin gute und schnelle Fortschritte machen. Der Raum, in dem die Arbeiten für Geographie und Naturkunde aufgestellt sind, macht einen besonders erfreulichen Eindruck. Die schönen, gut ausgearbeiteten Karten, Statistiken usw. beweisen, daß die Kinder nicht nur mechanisch lernen, sondern den Wissensstoff sich wirklich erarbeiten. K.O, (Schluß des Palästinateils)

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