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Jüdische Rundschau · 1937-02-16 · Heft 13 (16.2.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 13 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JDDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, 16. II. 1937 Jüdische und arabische Rechte schließendes auf diesem Gebiete ist jedoch vor Ende der Saison noeh nicht zu sagen. In den gemischten landwirtschaftlichen Betrieben hat das letzte Jahr den Anreiz zur Vergrößerung der Gemüse-, liier- und Milchproduktion wegen Ausfalls der arabischen Wirtschaft durch den Streik gegeben. Die Wirtschaften hatten bessere Absatzmöglichkeiten und gute Preise. Es bleibt freilich abzuwarten, wie sich unter normalen Bedingungen die Absatzmöglichkeiten und die Preise gestalten. Die sich verringernde Kaufkraft tendiert dahin, daß bei geringerer Nachfrage auch die Absatzmöglichkeiten und damit die Preise sinken, (lieber die Lage im Orangenhandel und in der gemischten Landwirtschaft werden wir gesondert berichten.) Anregende Faktoren des Wirtschaftslebens Die* Unruhen, die politische Unsicherheit, die sich naturgemäß negativ auf ökonomischem Gebiete auswirken, haben jedoch auf bestimmten Gebieten auch eine ankurbelnde Tendenz gehabt. Die Truppenkontingente, die heute im Lande sind, stellen eine beträchtliche Zufügung von Kaufkraft dar, die zwar nur zu einem Teil der judischen Wirtschaft zugute kommt, sich jedoch in Auftragen, Lieferungen und den Käufen der einzelnen Soldaten bemerkbar macht. Die Gebäude, die die Regierung für die Truppen errichtet, sind eine Arbcitsquelle, die zu einem Teil auch den Juden zugute kommt. Die Herstellung des Tel-Awiwer Hafens, ebenfalls durch die Unruhen erzwungen, gibt neue Arbeitsmöglichkeiten, ebenso wie die Wegebauten und öffentlichen Arbeiten, die in letzter Zeit in größerem Umfange begonnen wurden. Fazit und Aufgaben Das hier skizzierte Bild der jüdischen Wirtschaft zu Beginn des Jahres 1W7 zeigt al'-o ein beträchtliches Absinken der K o n j u n k t u r k u r v e, in der Hauptsache hervorgerufen durch außerökonomische Faktoren, also die politische Uiisichtrheit, die eine Verringerung des Kapitalimports und der Immigration veranlalUcn. Uei dieser politischen Unsicherheit spielen auch Faktoren der internationalen Politik eine Rolic, woraus sieh bereits ergibt, daß über die nähere und fernere Zukunft sich schwer etwas sagen läßt, weil wir e» mit sehr unübersichtlichen und komplizierten Faktoren zu tun haben. Vielleicht wird sich nach dein Bericht der Kgl. Kummi»»i«m auch die Wirtschaftslage durchsichtiger gestalten. Im Moment kämpft die jüdische Wirtschaft im Lande darum, dem weiteren Abstieg entgegenzuarbeiten und wenn möglich auch die Stagnation zu überwinden. Es ist auch unverkennbar in den Monaten seit Abschluß der Unruhen eine gewisse Belebung zu bemerken. in den wirtschaftlichen Diskussionen der letzten Zeit hört man hier und da gelegentlich das Wort „Krise" auftauchen. Diese Bezeichnung entspricht nicht den Tatsachen und ist geeignet, oberflächliche Beurteiler irrezuführen. Wir kennen Krisen in Palästina und wissen, daß sie mit massenhaften Bankrotten, großer Arbeitslosigkeit, dem fast völligen Stillstand neuer Unternehmungen verbunden sind. Schon das äußere Bild der Städte in jenen Perioden mit den massenhaften leeren Häusern und Wohnungen, den unbenutzten Geschäften und Lokalen zeigte damals an, wie die Lage war. Jetzt haben wir ein ganz anderes Bild. Die Wohnungsnot, die für die letzten Jahre charakteristisch war, ist einem, bisher noch nicht übermaßigen, Vorrat an leeren Wohnungen und Zimmern gewichen. Der Umsatz in den Geschäften ist zwar stark gesunken, hat jedoch bisher kaum zu Schließungen geführt, weil die Möglichkeit bestand, auf Reserven zurückzugreifen oder üankhilie zu erhalten. Die Zahl der Arbeitslosen (vor allem in den Städten, denn in den Kolonien liefert die Orangeiipflücke zur Zeit Beschäftigung), ist gestiegen, steht jedoch zur Gesamtzahl der Arbeiterschaft noch in einem relativ niedrigen Verhältnis. Diese Tatsachen jedoch, daß die Verhältnisse im ganzen gesehen sich noch nicht krisc n fi a f f gestalten, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie eine genaue Beobachtung und verschiedene Stützungsaktionen einerseits, andererseits für den Betroffenen, also den Arbeitslosen, Hilfsaktionen erfordern. Wir erwähnten bereits die Bemühungen der Ageiicy und der Anglo Palestiue-Bank um eine Stützung der Industrie, die auch in der Tat bisher die betroffenen Neue Rede Ben Gurions Der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, nahm zum Problem der jüdisch-arabischen Beziehungen in einer zweiten Rede auf der Histadruth- Tagung in Tcl-Awiw am 8. Februar Stellung. (Ueber die erste Rede vgl. vorige Nummer.) In dem ersten Teil dieser Rede, die sich mit den Beziehungen zwischen Juden und Arabern befaßte, betonte Ben Gurion vor allem den Grundsatz, daß Palästina Sache des gesamten jüdischen Volkes und nicht nur derjenigen Juden sei, die bereits im Lande leben. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag in der Hervorhebung des wesentlichen Unterschiedes zwischen den jüdischen und den arabischen Ansprüchen auf Grund des Mandats. Der Von der Woche M. Schertok ist am Sonntag nach London abgeseist. Auf das Haus der jüdischen Bürgermeisters von Tiberias, Zaki Hadef, wurden nachts eine Anzahl von Schüssen abgegeben. Verletzt wurde niemand. Auf das Haus eines Verwalters der beiden Taha, Vater und Sohn, die vor kurzem von Terroristen in Haifa ermordet wurden, wurde ein Bombenanschlag verübt. Die Explosion verursachte materiellen Schaden, verletzt wurde jedoch niemand. Der Attentäter wurde verhaftet. Mehrere Schüsse wurden auf Bath Schlomo bei Sichron Jacob abgegeben. Jüdische Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und schlugen die Angreifer zurück. Mehrere jüdische Wächter, die in den Bolania-Zitrusplantagen Dienst taten, sind am Freitag von Arabern angegriffen worden. Bei dem Feuerübet fall wurde einer der Wächter, Joseph Blumenfeld, verwundet. Es besteht Grund zur Annahme, daß das vor vierzehn Tagen aus einem Militännagazin in Haifa gestohlene Dynamit in die Hände von Terroristenbanden gelangt ist. Ein arabischer Angestellter im Militärlager zu Haifa wurde unter dem Verdacht, 20 Pfund Dynamit für die Terroristen gestohlen zu haben, verhaftet. Im Hinblick auf die letzten Terrorakte in Haifa hat die Polizei in der Nacht eine Straß enrazzia und mehrere Haussuchungen bei arabischen Nationalisten in Haifa durchgeführt. Dreißig Araber, die der Terroristenorganisation angehören und denen eine Verbindung mit den letzten Terrorakten gegen gemäßigte Araber nachgewiesen werden konnte, wurden verhaftet. In Durchführung des Befehls betreffend die Entwaffnung der Polizei, wurden den Polizisten in Jaffa und Tel- Fabriken gehalten und ihnen die Weiterarbeit zum größten Teil ermöglicht haben. Außerdem sind eine Reihe von öffentlichen Arbeiten gestartet worden, vor allem Wegebau, die eine Aufnahme von Arbeitslosen ermöglichten und damit dem Druck auf dem Arbeitsmarkte entgegenarbeiteten. Man wird auch in Zukunft in dieser Richtung gehen müssen, um eine Verschlimmerung zu vermeiden und eine Beschleunigung d e s Wirtschaftstempos anzubahnen. Auch auf dem Gebiete des gemeinnützigen Wohnungsbaus bieten sich hierfür gute Möglichkeiten. Freilich liegt es im Charakter solcher öffentlichen oder halböffentlichen Arbeiten, daß sie für die Arbeiter nur Minimallöhne abwerfen, während der Bau viel größere Verdienstmöglichkeiten ergab. Wird so auch ein gewisses Absinken der Kaufkraft unvermeidlich, so werden doch größere Zahlen von Arbeitern aufgefangen und vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Neben der Arbeitsbeschaffung, die selbstverständlich sowohl vom ökonomischen wie vom sozialen Standpunkt an erster Stelle steht, muß die Hilfsleistung für Arbeits - und Erwerbslose gehen. Der Jischuw hat während der Jahre der Prosperität die Möglichkeit gehabt, gewisse Reserven aufzuspeichern, die er in der Zeit der absinkenden Konjunktur ausnutzen kann. Diese Reserven sind jedoch naturgemäß begrenzt, und da wir im Lande weder Arbeitslosenunterstützung Redner erklärte, es gebe eine Entstellung des zionistischen Gedankens, die sieh hinter Formeln, wie „politische Parität" und „binationalcr Staat" verberge. Diese Entstellung rühre von der falschen Auffassung her, daß die jüdischen und die arabischen Ansprüche gleicher Art seien, während in Wirklichkeit die Juden ihre Rechte auf Grund des Mandats nicht von der Tatsache herleiten, daß einige von ihnen Landeseinwohner sind — das Recht dieser, in Palästina zu leben, habe nicht einmal der Mufti in Abrede gestellt —, sondern von der Tatsache, daß sie Juden sind und daß der historische Anspruch des gesamten jüdischen Volkes auf seine alte Heimat anerkannt worden ist. Nicht das sei das Problem, wie die Rechte derjenigen Juden, die Einwohner Palästinas sind, geschützt werden sollen, sondern wie die Tore des Landes für diejenigen offen gehalten werden sollen, die noch nicht Einwohner Palästinas sind. Awiw die Feuerwaffen abgenommen; je 8 Gewehre wurden von der Polizei beider Städte zurückbehalten. Es verlautet, daß der Mufti von Jerusalem, begleitet von Izzat Darwaza, einem Mitglied des Obersten Arabischen Komitees, die Pilgerfahrt nach Mekka machen werden, um mit König Ihn Saud zusammenzutreffen und unter den Pilgern Propaganda zu treiben. Die Stadtverwaltung von Tel-Awivv hat einen neuen Versuch gemacht, den Streit zwischen Mitgliedern der Histadruth und dem Bauunternehmer, der sie entlassen und durch revisionistische Afbeiter ersetzt hat, zu schlichten. Im Frühjahr wird das Höchstmietengesefz in Tel-Awiw ablaufen. Bei einer Erörterung über die Verlängerung wurde im Stadtrat von Tel-Awiw zum Ausdruck gebracht, daß die Höchstmietenregehing überflüssig geworden sei, da sich gegenwärtig die Mieten dadurch regulieren, daß die Nachfrage geringer ist als das Angebot, was schon zu Mietssenkungen geführt hat. Einer der letzten Sitzungen des Tel-Awiwer Stadtrats wohnte als Gast Mr. N a a r, der Bürgermeister der englischen Stadt Hendon, die eine ungefähr ebensogroße Bevölkerung hat wie Tel-Awiw, bei. Aut Grund eines Berichtes der städtischen Gesundheitsabteilung, wonach die 76 jüdischen Straßenkehrer in Jerusalem die Stadt jährlich 1300 Pfund kosten, hat der Bürgermeister vorgeschlagen, diese Arbeiter zu entlassen. Die jüdischen Stadtverordneten wandten sich entschieden gegen diese Absicht, indem sie darauf hinwiesen, daß die Straßenreinigung in den zwei Drittel des Stadtgebietes umfassenden jüdischen Vierteln von diesen 76 Arbeitern besorgt wird, während für die Reinigung des restlichen Drittels der Stadt 122 Araber erforderlich sind, deren Taglohn nur um 20 o/o niedriger ist als der der Juden. noch ein System der Sozialversicherung haben, mußte bald nach Verschlechterung der Konjunktur ein Minimum an Hilfe neu organisiert werden. Anleihen in beschränktem Umfange durch „Misch an", einem Hilfsfonds der Arbeiterschaft, und eine bestimmte, freilich ungenügende, Sozialhilfe, sind hier zu erwähnen. Was in dieser Beziehung bisher geleistet wird, ist wichtig genug, reicht jedoch schon heute nicht mehr aus und dürfte bei einer weiteren Verschlechterung der Verhältnisse noch weniger ausreichen. Die Sozialhilfe muß also mrt der wirtschaftlichen Stützungsaktion Hand in Hand gehen. Die Verstärkung der Einwanderung und des Kapitalimports wird in nächster Zeit nicht nur von jüdischen Faktoren, sondern von allgemein-politischen abhängen, die wir zum Teil kontrollieren können. Die innere Stabilisierung der Wirtschaft jedoch, ihre Vorbereitung für eine neue Expansion, die den gegenwärtigen Stillstand ablösen soll, ist zu einem guten Teil in die Hände des Jischuw gegeben, der die Zeit geringeren wirtschaftlichen Tempos für eine Konsolidierung seiner Position benutzen muß. Die nächsten Monate werden vermutlich im Lande selbst keine außergewöhnlichen politischen Ereignisse bringen. Es müßte daher möglich sein, alle Aufmerksamkeit auf die durch die Entwicklung des letzten Jahres entstandenen wirtschaftlichen Fragen zu konzentrieren. Zwei palästinensische „Liebes - Geschienten" Von C. Z. K I o e t z e 1, Jerusalem Dir hier berichteten beiden liecehenheiten sind keine Phantasiot>rhiltlc eines Schriftstellers; sie haben sich wirklich und erst rar kurzem so zugetragen, wie sie hier geschildert werden. Der „Kaub der Soi'unlm" Das „Cinema Eden*' in Jerusalem liegt in einem Stadtteil, der zum größten Teil von sefardischen und orientalischen Juden bewohnt wird, und die Jugend dieser Gemeinden stellt daher einen großen Teil seines Publikums. Es hat einen großen Vorraum und einen Garten. Es sind hier immer einige von den feingebauten, dunkelhäutigen und großäugigen sefardischen Mädchen anzutreffen, die — meistens paarweise — die Huldigung der etwas übereleganten, aber schlanken und graziösen jungen Männer ihrer Kaste entgegennehmen. In alier Stille nimmt hier manche Liebesgeschichte ihren Anfang, ohne daß es der Strom der Kinobesucher merkt. Aber dieser Tage hat sich dort in aller Öffentlichkeit eine Tragikomödie abgespielt, die das Tagesgespräch von Jerusalem bildete. Nachher behaupteten natürlich einige Leute, es sei ihnen gleich aufgefallen, wie die drei jungen Leute immer wieder versucht hätten, sich dem schönen jungen Mädchen zu nähern und wie insbesondere der eine sie mit seinen Augen geradezu verschlungen habe. Es war kurz vor Beginn der ersten Vorstellung, der Vorraum des Kinos war ziemlich voll, man wartete auf das Oeffnen der Türen, die drei jungen Leute — achtzehn- bis neunzehnjährig — strichen immer in der Nähe des jungen Mädchens herum. Sie waren schon dagewesen als sie erschien, und hatten sie in chevaleresker Weise durch anmutige Verbeugungen begrüßt, aber sie hatte nur sehr kühl gedankt. Als schließlich die Türen geöffnet wurden, drängten sie sich dicht hinter das Mädchen. Dieses spürte, wie ihr ein kleiner runder Gegenstand in die Hand gedrückt wurde, stand aber so eingekeilt in der Menge, daß sie nicht nachsehen konnte, was es war. Erst als sie die Billettkontrolle passiert hatte und sich im Zuschauerraum befand, sah sie nach — es war ein Zehnpiasterstück. Und in demselben Augenblick, da sie es in der offenen Hand hielt, riet der junge Mann, der sie mit den Augen verschlungen hatte: „Harre att mekudescheth Ii____", die vorgeschriebene Formel, mit der nach jüdischem Recht der Mann sich ein Weib antraut. Und seine beiden Freunde riefen: „Anachnu edim! —- Wir sind Zeugen!" Das Mädchen starrte die drei einen Augenblick an — dann begriff sie. Man hatte sie überlistet, vor zwei Zeugen hatte ihr Verehrer die Trauformel gesprochen und sie damit (so glaubte sie, wie jene es geglaubt haben) zu seiner Ehefrau gemacht. Setardinnen verfügen meistens über etwas schrille Stimmen und über ein reichhaltiges Vokabular, urn ihren Mißmut zu äußern. Diese hier reagierte mit einer Schimpfkanonade, die schließlich in einen Weinkrampf überging. Das Publikum begann unruhig zu werden, zu fragen — und im Nu sprach sich der „Raub der Sefardin" herum. Man war empört, man packte den kühnen jungen Mann, er bekam zunächst einmal eine gehörige Tracht Prügel. „Aber was wollt ihr von mir?" schrie er schmerzlich, „ich liebe sie, ich kann ohne sie nicht leben, ich werde nicht von ihr lassen!" — „Er hat mich entehrt!" schrie die Schöne dazwischen, „er ist mir widerwärtig, ich will nichts von ihm wissen, alle Flüche sollen über ihn kommen, er muß mir sofort den Get (Scheidebrief) geben, ich werde mein ganzes Leben lang eine Geruschah (Geschiedene) sein!" Man entschied, daß das Ganze eine kriminelle Angelegenheit sei und schleppte die drei jungen Leute auf die Polizeiwache in Machancs Jchudah. Das Kino leerte sich; der Film, der auf dem Programm stand, konnte es an Spannung nicht aufnehmen mit dem Kinodrama, was sich da vor den Augen des Publikums in der Wirklichkeit abspielte. Auf der Polizeiwache tat gerade ein jüdischer Offizier Dienst, und ihm berichtete man in der dramatischsten Weise das Geschehene. Er machte ein verblüfftes Gesicht: „Was wollt ihr nun eigentlich von mir? Was soll ich denn tun?" „Verhaften!" schrie man, „die drei Burschen müssen verhaftet werden!" Aber der Offizier schüttelte den Kopf: „Kein Grund zur Verhaftung. Die Jungen sind aus Jerusalem, ihr kennt sie, wißt wo sie wohnen.... Was wäre damit geholfen, wenn ich sie verhaftete? Das ist keine Angelegenheit für die Polizei. Geht zu eurem Chacham Baschi, zum sefardischen Oberrabbiner. Der wird die Angelegenheit schon ordnen. Ich.... hm, ich weiß nicht einmal, ob die beiden nun wirklich verheiratet sind. Und wir haben hier keine Formulare für Scheidebriefe...." Ich habe mich erkundigt, die junge Dame braucht keinen „Get", die ganze, romantische Zeremonie hat nicht die mindeste religionsgesctzliche Bedeutung, sie war juristisch betrachtet nichts als grober Unfug. Aber diese Tatsache ist durchaus nicht überall bekannt, in den orientalischen Quartieren glaubt man steif und fest daran, daß man auf diese Weise ein jüdisches Mädchen auch ohne ihren Willen heiraten kann----Außerdem: Jerusalem ist eine Kleinstadt, und die „geraubte Sefardin" kann natürlich keinen Schritt über die Jaffastraße tun, ohne daß sich alle Leuta nach ihr umdrehen und sich zuflüstern: „Das ist sie!" Sie wird wohl aus dieser Stadt verschwinden müssen. Aber ihr „Zwangsgatte" auch. Denn die junge Dame hat einen „Bachur", den sie wirklich heiraten möchte, und der zur Zeit nicht in Jerusalem ist. Aber wenn er zurückkommt, wird er dem andern alle Knochen im Leib entzweischlagen .... falls er ihn noch findet. „Zivil-Ehe" Im Jerusalemcr Gefängnis sitzt zur Zeit ein sehr frommer junger Mann und wartet auf seine Deportation oder vielmehr darauf, daß ein Gesuch an den High Commissioncr den Erfolg hat, daß er nicht abgeschoben wird. Sein Verbrechen besteht darin, daß er gleichzeitig verheiratet und doch wieder nicht verheiratet ist. Und an der ganzen Geschichte ist gar nicht er schuld, sondern sein Großvater in Ungarn. Vor anderthalb Jahren lebte der junge Mann selbst noch in Ungarn und hatte gerade ein Zertifikat bekommen. Bevor er nach Erez Israel abreiste, fuhr er im Lande umher, um von seiner weitverbreiteten Familie Abschied zu nehmen. Vor allem wollte er sich den Segen seines Großvaters holen, der ein wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmter „Rebbe" in einem kleinen Städtchen war. Der Großvater empfing ihn mit gemischten Gefühlen. Natürlich freute er sich darüber, daß der Enkel nach „Erez Jisroel" gehen wollte — das ist ja eine besonders große Mizwe. Aber er sah leider auch ernste Gefahren für den jungen Mann voraus. Die palästinensischen Frauen 1 Vor allem diese Chaluzoth, die, wie man ihm erzählt hatte, in Hosen herumgingen und keine Ahnung davon haben, wie man einen koscheren Hausstand führt. Wenn sich nun —

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