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Jüdische Rundschau · 1937-02-16 · Heft 13 (16.2.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 13 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU PALÄSTI NA-1IAT Nr. 13, 16. FEBRUAR 193? Die ',ü*!™*™?l??!?lerä*n Oekonomischer Rundblick Denkschrift der Jewish Agency an die Königliche Kommission Die Jewish Agency hat an die Königliche Kommission eine Denkschrift gerichtet, in der die jüdischen Beschwerden übersichtlich dargelegt sind. Grundsätzlich wird erklärt, daß die Politik des Jüdischen Nationalheimes nicht mit Entschlossenheit und klarer Zielsetzung durchgeführt worden ist. Die unschlüssige Haltung der Regierung gegenüber ihren mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen hat bei den Arabern den Eindruck entstehen lassen, daß die Politik des Jüdischen Nationalhcimes nicht ernst gemeint sei. Von den Rcgierungsbearnten seien viele nicht geeignet, die einzigartige Aufgabe, die das Mandat der Palästina-Regierung auferlegt, zu erfüllen. Die wiederholten Versuche der Regierimg, ihren Verpflichtungen gegenüber den Juden eine begrenzte Auslegung zu geben — so ließ sie den Unruhen vom Jahre 1921 und 1920 die Weißbücher von 1922 bzw. 1930 folgen; außerdem wurde nach beiden Ausbrüchen die jüdische Einwanderung fesperrt — haben den arabischen Widerstand verstärkt. Die ewish Agency muß daher feststellen, daß Art. 2 des Mandats betreffend die Schaffung von Bedingungen, die das Jüdische Nationalheim sichern sollen, nicht in genügender Weise durchgeführt worden ist. Dasselbe trifft auf Art. 6 des Mandats, das die Einwanderung behandelt, zu. Die Regierung trifft ihre Entscheidungen betreffend die Anzahl der halbjährlich zu gewährenden Arbeiter-Zertifikate ohne genügende Berücksichtifung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes; sie at in letzter Zeit allzu strenge Bestimmungen in bezug auf die Einwanderung von Angehörigen eingeführt; sie hat die Einwandererkategorien der Handwerker mit einem Kapital von £ 250 und der Personen mit .C 500 so gut wie abgeschafft. Als weitere Beschwerden werden angeführt: die Einschließung von Zertifikaten für Studenten und junge Umschichtlcr aus Deutschland in die Arbeiter-Schedule; die Nichtberücksichtigung des jüdischen Anteils an Regierungsarbeiten bei der Festsetzung der Arbeiter-Schedules; die Nichtbcgründimg gegenüber der Jewish Agency der Differenz zwischen der von der Agency angeforderten und der tatsächlich gewährten Zertifikatcnanzahl; die Duldung der grollen illegalen Einwanderung aus den Nachbarländern. Die Denkschrift zählt folgende Beschwerden in bezug auf Boden auf: Mangel einer aktiven Regierungspolitik in der Frage der Förderung der jüdischen Siedlung auf dem Lande; Mangel an genügenden Maßnahmen zur Abgrenzung der Regicrungsländercien und zur Sicherung des Staatsrechts auf diese Böden; die Regierung ist nicht ihrer Verpflichtung nachgekommen, Staatsländcreien für jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen; sie hat die Bcisan-Bödcn auf unökonomischc Weise zur Verteilung gebracht; Art. 11 des Mandats betreffend Einführung eines den Erfordernissen des Landes angepaßten Bodensystems ist nicht durchgeführt worden; die von der Regierung eingeführte Bodengesetzgebung hat die Sicherheit des Landbesitzes geschmälert, während die vor kurzem vorgenommenen Aenderungen des Gesetzes zum Schutz der Bauern zu schweren Mißbräuehen geführt haben; die von der Regierung geplanten grundsätzlichen Aenderungen der bestehenden Bodengesetze sind unbegründet; die Regierung hat den Tausch von Böden zum Zwecke der Schaffung jüdischer Gebiete nicht gefördert; sie hat es auch versäumt, Ameliorations-, Entwässcrungs- und Malariabekämpfungsarbeitcn durchzuführen, wie auch die Wasserquellen des Landes festzustellen; schließlich ist die Bodensiedlung in allzu langsamem Tempo vor sich gegangen. Die Beschwerden in bezug auf die Industrie im allgemeinen und auf die Zitrus-Industric im besonderen sind u. a. die folgenden: Mangel einer aktiven Regierungspolitik in bezug auf Förderung der Industrie; keine Aenderung der bestehenden Zölle, die längst nicht mehr den Bedürfnissen des Landes entsprechen; Mangel an notwendigen Maßnahmen zur Abschaffung der Einfuhrzölle für Zitrusfrüchte in verschiedenen Ländern, insbesondere aber innerhalb des britischen Reiches; ungenügende Lagermöglichkeiten im Haifaer Hafen; ungenügendes Betiiehsmaterial auf der Eisenbahn, ungenügende Chausseen und Nebenstraßen: die Regierung hat es versäumt, Untersuchungen der Ursachen der Fäulnis von Zitrusfrüchten auf der See anzustellen. Grund einer weiteren Beschwerde bilden die ungenügenden Regierungszuschüssc zu den Erhaltungskosten des jüdischen Gesundheits- bzw. Schulwesens. In bezug auf öffentliche Arbeiten und Regiert! ngsdienste werden folgende Beschwerden aufgezählt: Mangel einer bestimmten Regierungspolitik zur Sicherung eines ferechten jüdischen Anteils an Regierungsarbeiten, in den läfen und auf der Eisenbahn, in der Polizei und im Staatsdienst im allgemeinen; ungenügende Beschäftigung von Juden in den aufgeführten Diensten; Mangel an Vorkehrungen zur Sichcrstellung des dienstfreien Schabbat für jüdische Beamte. Die Denkschrift enthält eine Anzahl von Anregungen betreffend Maßnahmen zur Behebung der angeführten Beschwerden. Was die hebräische Sprache anbetrifft, so wird festgestellt, daß Hebräisch nicht von allen Regierungs-Abtcilungen in gleicher Weise als offizielle Sprache anerkannt wird, wofür Beispiele angeführt werden; ferner wird Einspruch gegen die Benutzung der Buchstaben E. I. anstatt der Worte „Ercz Israel" im Rundfunk erhoben. Die Beschwerden in bezug auf öffentliche Sicherheit sind wie folgt: ungenügende Anzahl jüdischer Polizisten; allzu niedrige Entlohnung der Polizei; unbefriedigende Tätigkeit des Departements für Kriniinaluiitersuchimgen während der letzten Unruhen; ungenügender Anteil an dem Transjordanischen Grcuzkorps (2««); Mangel an wirksamen Regierungstnaßnahmen zur Unterdrückung der Hetze in der arabischen Presse. Das letzte Kapitel der Denkschrift behandelt die letzten Unruhen. Es wird festgestellt, daß beim Ausbruch der Unruhen ein beklagenswerter Mangel an Bereitschaft seitens der Regierung an den Tag trat, da trotz vieler Anzeichen eines nahenden Ausbruchs nichts getan worden war, um einen solchen zu verhindern. Am 19. April, als die Unruhen in Jaffa begannen, war eine ganz ungenügende Anzahl von Polizisten zur Stelle; die vorhandene Polizei war entweder unbewaffnet oder nur ungenügend bewaffnet. Es wurden keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Unruhen zu verhüten. Es wäre möglich gewesen, dem Ausbruch an Ort und Stelle «in Ende zu bereiten. Als der arabische Streik proklamiert wurde, tat die Regierung nichts, um ihn zu unterdrücken oder auch nur als ungesetzlich zu erklären; auf diese Weise konnte die Verwaltung und die Wirtschaft des Landes lahmgelegt werden. Die Regierung hat das Oberste Arabische Komitee faktisch anerkannt und mit ihm verhandelt. Die Maßnahmen der Regierung standen im Widerspruch zu ihren energischen Erklärungen, so daß der Eindruck entstand, daß der Streik und die Verbrechen mit relativer Straflosigkeit fortgesetzt werden durften. Die Herbeischaffung von Die jüdische Wirtschaft zu Beginn des Jahres 1937 Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl., T e 1 - A w i w, Anfang Februar Die jüdische Wirtschaft in Palästina darf nicht wie die europäischer Länder unter einem statischen Gesichtspunkt betrachtet werden. Da es sich um eine Wirtschaft handelt, die in ihrer Entwicklung und damit auch in ihrem jeweiligen Stand entscheidend durch Immigration und Kolonisation bestimmt wird, mit allen Begleiterscheinungen des importierten Kapitals und der damit ausströmenden Kaufkraft, darf man im Grunde niemals die Frage stellen: Was ist, sondern nur was wird. Nicht der gegenwärtige Status der Wirtschaft ist bestimmend, sondern die Tendenz, die Richtung, in der sich die ökonomischen Faktoren bewegen. Diese Richtung war bekanntlich bis zum Jahre 1935 eine steil aufstrebende. Sic war so auffallend, daß sich in der Welt das Wort des ^palästinensischen Wirtschaftswunders" einbürgerte, und die Konjunktur und Prosperität des kleinen Landes hat die Aufmerksamkeit der Oekonoinisten auf der ganzen Weit erregt. Diese steile Konjunkturkurve, die durch die starke Einwanderung und das sie begleitende Kapital verursacht wurde und sie zugleich ermöglichte (haben wir es doch hier mit einer befruchtenden Wechselwirkung zu tun), hat die Maßstäbe für die ökonomische Lage im Lande verändert und das Publikum hier, wie auch in der Gallith, anspruchsvoll gemacht in bezug auf die Schnelligkeit der kindlichen und städtischen Siedlungsarbeit und die Höhe der Einwandcrungszahlen. Da man auf dauerndes Ansteigen eingestellt war, erschien schon ein Stillstand als Rückgang. In dieser Einstellung liegt nicht nur psychologisch, sondern auch wirtschaftlich etwas Berechtigtes. Das Wachstum des jüdischen Palästina zieht ja seine Kräfte bisher nur zu einem Teile aus dem Vermögen und der Entwicklungsfähigkeit des Landes selbst. Der entscheidende Faktor der Ausbreitung liegt außerhalb, in dem Druck, der die Juden der Gallith und mit ihnen ihre Initiative und ihr Geld nach Palästina preßt. So ist es zu erklären, daß sich bei Verringerung der Einwanderung und des Kapitalimportes die ökonomische Lage verschlechtert und damit auch für den Moment wieder die Aufnahmefähigkeit. So wie wir bei aufsteigender Konjunkturkurve die befruchtende Wechselwirkung von Einwandererstrom und Aufnahmefähigkeit finden, so erzeugt sinkende Konjunktur eine Abnahme der einfließenden Gelder und Menschen, was wieder die Wirtschaftslage verschlechtert. Unter diesen Umständen darf man in Palästina als Maßstab für die wirtschaftliehe Lage und die Tendenz der Entwicklung die Einwanderung und den Kapitalimport annehmen. Eine Untersuchung der ökonomischen Situation läßt sie als die Schlüsselstellung der gesamten Wirtschaft erkennen. Kapitalimport und Einwanderung Die Zahlen, die die Lage zu Ende des Jahres 1936 resümieren, bestätigen den Abstieg der Konjunkturkurve, die im Sommer 1935 bereits ihre Höhe überschritten hatte, durch den abessinischen Konflikt einen starken Stoß erfuhr, sich dann in den Winterrnonaten des Jahres 1935/36 vorübergehend besserte, um in den Unruhemonaten des letzten Sommers einen weiteren Rückschlag zu erfahren. Das Jahr 1936 brachte einen erheblichen Niedergang des nach Palästina importierten Kapitals. Die. Zahl der einwandernden Kapitalisten verringerte sich ebenso wie die Durchschnittssummc, die der Einzelne mitbrachte. Am ausgeprägtesten ist dieser Niedergang in dem Halbjahr der Unruhen, also von April bis Oktober 1936, die nachfolgenden Monate bis zum Jahresende zeigen wieder eine bessere Tendenz, jedoch kann man zur Zeit nicht sagen, ob dieser Aufstieg anhalten wird. Es ist interessant, daß die Unruhen im Wirtschaftsleben des Landes keine Panik hervorriefen. Es gab keinen Run auf die Banken wie zu Beginn des abessinischen Krieges und die Depositen wurden nicht angegriffen und hielten sich mehr oder minder stabil. Freilich zeigt sich in dieser geringen Beanspruchung der Depositen nicht nur die feste Haltung der Wirtschaftenden, sondern auch die Verringerung der Umsätze, die weniger Kapital als vor den Unruhen verlangten. Das Durchhalten der Wirtschaft manifestiert sich auch in einem zweiten charakteristischen Punkte: wir haben in dem schweren Jahre 1936 relativ wenig Bankrotte zu verzeichnen. Auch wenn man die privaten Vergleiche mit einrechnet, die in Palästina häufig sind, weil nur relativ wenig Bankrotte vor Gericht ausgetragen werden, so sieht man zwar eine Verschlechterung im Verhältnis zu 1935, das sehr wenig Bankrotte aufzeigte, aber keine massenhafte Aufgabe von Unternehmungen, wie sie sonst krisenhafte Zeiten charakterisieren. Es ist auch in den Monaten nach Aufhören der Unruhen eine Verringerung der zum Protest gebrachten Wechsel festzustellen und ein besserer Verkauf in den Obligationen der Hypothekenbank. Auch in diesen besseren Monaten wird natürlich der Standard der Jahres 1935 nicht erreicht. Verstärkungen, sowohl was Militär aus dem Ausland als die Anwerbung jüdischer Hilfspolizisten anbetrifft, geschah erst nach langem Zögern, so daß am Ende sehr große Militäraufgebote notwendig wurden. Die Kriminaluntersuchung lag fast ausschließlich in den Händen arabischer Beamter, so daß die Maschinerie des Strafwesens vollkommen lahmgelegt wurde. Die Nichtüberwachung der'Grenzen ermöglichte den Waffcnschmuggel und das Eindringen bewaffneter Räuberbanden, deren Anführer nach den Unruhen das Land verlassen konnte, während die Veröffentlichung seines Bildes und seines herausfordernden Briefes an die arabische Presse Palästinas geduldet wurde. Die Regierung hat die Intervention von Nun Pascha Said faktisch anerkannt und damit sowohl den Zustand der Anarchie verlängert, w-ie das Recht der Einmischung der arabischen Regierungen in die Angelegenheiten Palästinas zugegeben. (Palcor.) Ein Maßstab für den Rückgang im Entwicklungstempo ist schließlich in den E i n w andcrungszahlcn erfcr zwei letzten Jahre zu erblicken. 1935 hatte die Rekordziffer von über 60 000 Einwanderern, 1936 erreichte nicht einmal die 30 000. (Man soll sich freilich vor den Maßstäben der Prosperity hüten; ist es doch noch nicht so lange her, wenn auch die meisten es vergessen haben, daß uns eine Zahl von 30 000 pro Jahr einigermaßen utopisch erschien!). Bauwesen Da die Konjunkturkurve Palästinas in erster Linie mit der Einwanderung zusammenhängt und da die einwandernden Menschen zuerst einmal untergebracht werden müssen, hat immer in Jahren der Abwärtsbewegung das Bauwesen die entscheidende kolk in der jüdischen Wirtschaft gespielt und sowohl Kapital als auch Menschen in großen Maasen absorbiert. Im Bauwesen spiegelt sieh dalier auch sofort eine Senkung der Konjunkturkurve, die eine geringere Nachfrage nach Wohnungen und einet) niedrigeren Wohnungskomfort mit sich bringt. Das Jahr I9j(> zeigt denn auch in Uebcreinstimmung mit den Zahlen der Einwanderung und des Kapitalimports ein starkes A b s i n k e n d e r B a u b e w e - g u n g. Iis wurden weniger Neubauten gestartet und an manchen Stellen auch solche, die bereits angefangen wurden, gestoppt. Auch die Gesuche für neue Baucrlaiibnissc sind weniger geworden. Dabei ist zu bemerken, daß es sich bei diesem Absinken nicht um Mangel an Geld für Investitionen handelt. Hypotheken sind in ausreichendem .Malte zu bekommen. Hier wirkt sieh in erster Linie die politische Unsicherheit aus, die die Bauliist dampft und den Entschluß erschwert, mit neuen Gebäuden zu beginnen. Außerdem sind der geringeren Nachfrage halber und da viele gezwungen sind, ihre Ausgaben zu verringern und (Salier kleinere Wohnungen zu beziehen, die M i e t e n gefalle n und der Anreiz zu neuen Bauten dadurch geschwächt. Die Verringerung der Baubewegung als Ganzes (sie ist nicht überall gleichmäßig; in Haifa ist in den letzten Monaten, die überhaupt eine etwas steigende Tendenz zeigten, eine Besserung zu bemerken. Auch Tel-Awiw zeigt wieder eine gewisse Belebung) hat einen einschneidenden Einfluß auf große andere Wirtschaftsgebiete im Lande. Sie bestimmt in einem beträchtlichen Umkreis den Arbeitsmarkt, der von ihr abhängig ist, und ein Abflauen der Bautätigkeit wirft sogar eine Anzahl von Leuten aus dem Arbeitsprozeß. Zudem sinken bei diesem Vorgang naturgemäß die Löhne, und das System, bei den Arbeiten abzuwechseln, um den Kreis der Beschäftigten möglichst weit zu halten, verringert das Einkommen des Einzelnen. Der Einfluß auf die allgemeine Kaufkraft wird dadurch um so spürbarer. Industrie Aber nicht nur beim Bau selbst ist der Niedergang zu spüren, sondern auch bei all den Gebieten, die mit dem Bau in Zusammenhang stehen und von ihm abhangig sind. Dahin gehört vor allein die Industrie, die ja zu einem beträchtlichen Teil direkt für den Bau arbeitet. In allen derartigen Betrieben ist eine Beschränkung des Atisatzes zu spüren. Und eine Verringerung der Arbeit-im'iglichkeiten zeigt sieh auch bei bestimmten W a r e n t r;i nsp orte n und im Handel, bei dem sieh das Sinken der Kaufkraft auswirkt. Aber auch in den Industrien, die keine direkte Verbindung in dem Baugewerbe haben, ist eine Verlangsamung des Tempos zu bemerken, die bei verschiedenen, auch größeren Betrieben zu Schwierigkeiten geführt bat. Die Verkleinerung des Arbeitsradius in der Industrie zeigt sich zahlenmäßig in einem Rückgang der Rohstoffimporte, die die Betriebe verarbeiten, so wie sieh die 1 lerabsetzung des Gründungseifers bei neuen Betrieben im Rückgang lies Maschinenimporls für den Aufbau neuer Industrien äußert. Es ist charakteristisch für die beträchtliche Widerstandskraft der jungen palästinensischen Industrie, daß es trotz der großen Marktverengung bisher im allgemeinen gelungen ist, die Betriebe aufrechtzuerhalten, und wir außer wenigen Einzelfällen keine großen Schließungen zu verzeichnen haben. Daß dem so ist, verdanken wir zu einem Teile der Aktivität der Jewish Agency und der Anglo Palestine-Bank, die eine genaue Untersuchung über die Lage der einzelnen Betriebe haben durchführen lassen (ausführendes Organ ist das Wirtschaffsinstitut der Agency) und, wo es nötig war, Stützungsaktionen durchführten. Diese bringen Einfluß neuen Kapitals in die Betriebe, und es ist auch in Fällen, wo es nottut, eine Reorganisierung und Rationalisierung der Fabriken in Aussicht genommen. Der Grund für gewisse Schwierigkeiten ist nicht nur in einem verringerten Markt zu suchen, sondern gelegentlich auch in ungenügender Leitung der Fabriken, mangelnder Anpassung an die bestehenden Bedingungen, Ueberschätzung der gegebenen Möglichkeiten, kurz in allen denjenigen Faktoren, die in der Regel mit dem Wachstum einer jungen Industrie verbunden sind. Eine gewisse Beschränkung des Exports, z. B. nach Syrien, nach der Abwertung des Franc und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen aus Europa seien schließlich noch als erschwerende Faktoren der letzten Zeit genannt. Landwirtschaft Die Lage in der Landwirtschaft Ist leichter als in den städtischen Gewerben. Die Orangensaison hat sich bisher nicht schlecht angelassen und trotz der großen Stürme der letzten Zeit, die viel Schaden angerichtet haben, rechnet man mit einer starken Vergrößerung des Exports im Verhältnis zum Vorjahre. Bis Weihnachten 1935 wurden 1900 000 Kisten exportiert, in derselben Zeit im Jahre 1936 2 600 000 Kisten. Auch die Preisgesfaltung war infolge eines Teilausfalles der spanischen Ernte nicht unbefriedigend. Ab-

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