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Jüdische Rundschau · 1937-02-16 · Heft 13 (16.2.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 13 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SeTt« 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, TA. 0.1W7 Um das Recht auf Arbeit Neue Judendebatte im Sejm Weil {{wo od kritisierte auch die Linanzverwalturig, wobei er zugab, daß manche Dinge, die er bei seinem Besuch irn Jahre 1(>25 für schlecht befunden habe, seither besser geworden sind. Die Erhebung von Zollen auf Rohstoffe habe sich für die Entwicklung von Tel-Awiw schädlich ausgewirkt. Lord Peel: Aber die Entwicklung von Tel-Awiw konnte dadurch nicht aufgehalten werden. Steuersystem und städtische Verwaltung; Colone! W e d g w o o d beschrieb das Zehent-Systcm, das ursprünglich die Abgabe von einem Zehntel der Ernte bedeutet habe. Dieses System sei heute glücklicherweise beseitigt und ein System vom Durchschnittszehenten an seine Stelle gesetzt worden. Seine Grundlage bilde die tatsächliche Produktion. Wo aber die Produktionskosten im Verhältnis zu den Preisen ungeheuer groß sind, wie dies bei der Orangenproduktion der Fall ist, sei der Zehent außerordentlich drückend. Im allgemeinen behauptete Colone! Wedgwood, daß die Verwaltung eher dazu neige, die Araber als die Juden zu begünstigen. Wahrend für den Kau von Wasserleitungen für Jerusalem und Hebron und für andere öffentliche Arbeiten eine Anleihe aufgelegt wurde, seien für die jüdischen Siedlungen bei Tel-Awiw solche Arbeilen nicht durchgeführt worden. Auch das System der städtischen Verwaltung sei so geartet, daß dadurch eher die Araber als die Juden begünstigt werden. Die neue üemeindeordnung habe nicht so sehr den Zweck gehabt, Selbstverwaltung zu gewähren, als Gehälter für Bürgermeister zu sichern. Es gebe viele Stadträte in kleinen Städten, wo die Verwaltung durch englische Beamte vorzuziehen wäre. Professor Coupland: Würden Sie die Unterstützung der Juden hierzu finden? Coloncl Wedgwood (lächelnd): Nein, ich möchte dies nicht sagen. Der Zeuge fügt hinzu, daß Leitung durch Engländer in den ersten Stadien der einzige Schutz gegen Korruption sei. Lord Peel: Bringen Sie dies als eine arabische oder jüdische Beschwerde vor? Colone! W e d g;w o <> <l: Die gegenwärtige Gemeindeverwaltung in Palästina liegt mehr im arabischen als im jüdischen Interesse. Die britische Neuerung hat in Berücksichtigung arabischer Vorurteile den Lianen Wahlrecht verweigert. Sie habe es so eingerichtet, daß die Stimmen der Siedler von denjenigen der Eingeborene« erdrückt weiden. Es werde hier gerade die entgegen«rset/te l'o'it-.k befolgt wie in Kenya. Ein Jude, der Ciiylaniar oder Amerikaner ist, ziehe es vor, seine Staatsangehörigkeit /u behalten. Er werde damit von der palästinensischen Bürgerschaft ausgeschlossen und verliere das Wahlrecht. Sir Harold Morris: Ich dachte, wenn jemand seinen dauernden Wohnsitz in Palästina hat, dann wäre es für ihn weit besser, Palästinenser zu sein. Colone! Wedgwood: Warum sollte er das werden? Sie würden es nicht wollen. Sir Harold Morris: Ich würde niemals hingehen außer in einer Kgl. Kommission. Sir lloraee R u in h o I d machte den Zeugen darauf aufmerksam, daß es n: Jerusalem einen judischen Vizebürgermeister gebe. Col. Wedgwood antwortete, dies sei ihm bekannt. Aber der Vi/ebiirgermeister habe keine Machtbefugnisse. Sir Horaee Ruinbold: Aber er ist sehr aktiv. Col. Wedgwood führte sodann Beschwerde darüber, daß die jüdischen Kolonien bei der Anlage der Straßen benachteiligt werden. Sir Harold Morris bemerkte, in den sechs Jahren, die seit dem Besuch Wedgwoods in Palästina verllossen sind, hätten sich die Verhältnisse auch in dieser Beziehung gebessert. Der Zeuge beschäftigte sich sodann mit der arabischen Polizei und fragte, ob es noch ein anderes Land gebe, in dem Leute, die gemeutert hätten, wiedercine?teilt werden, als ob nichts geschehen wäre. Sehr schart emüngeltc es Col. Wedgwood, daß die Palristinaregicrung keine Arbeiterschut/gesetzgebung erlassen habe. Dies sei ganz bestimmt gegen die Juden und auch gegen die Interess'ai der grofiVn Mehrheit der Araber gerichtet. Nur die reichen arabischen I'ntenielinier /('igen Nut/en daraus. |n eleu Arbeitsverträgen der Regierung fehle die sonst uberall ubüihe Mm!r«.tloh nUau-e!, wodurch die Unterbietung der Lohne de-, zivilisierten leiis der Bcvölkciung durch den unziv ihsit i ti n leil e: imigl unt werde. Nur durch vollständige Reform der Verwaltung kenne eine Aenderung herbeigeführt werden. In Palästina herrsche der alte Beamtenapparat gegen das Parlament und gegen ehe Juden. Eine Forderung an die Beamten Lord Peel: W.K lies sind üne Vorschläge neben der Kritik in dieser I lui-icht? Col. Wedgwood: Daß niemand nach Palästina geschickt wude, ohne daß man ihm sagt, daß er die Besiedlung des Landes durch Juden begunstigen und sich für die Durchf ü h r u n g d e s M a u dats einsetzen müsse. Gegen schwächliche Politik Col. Wi'd:nv und wandte sich weiter dagegen, dal) die arabischen Beamten, die gegen die Politik der Regierung protestiert hatten, nicht gemalircgelt worden sind. Auch die arabischen Polizisten, die dasselbe getan haften, seien nicht entlassen vvoiileii. Nur weinte Verbrecher seien bestraft, ja wenige auch mir verhaftet worden. Die Kollektivstrafen, von denen man cikl.ct hatte, sie würden dem Aufruhr ein Ende machen, wurden als ungesetzlich erklärt. Die Juden wurden für die wahrend der Unruhen erlittenen Schäden nicht entschädigt, wohl aber die Araber. Das Empörendste sei, daß man den Juden nicht erlaubt habe, Waffen' zu ihrer Verteidigung zu besitzen. An allen Straßenecken seien sie niedergeschossen worden. Aber man habe ihnen nicht erlaubt, Waffen zu tragen. 3tXK) Juden wurden wohl in die Polizei aufgenommen. Aber es geschah zögernd, und die Kosten für die Unterhaltung hatten die Juden zu tragen. Die Verluste wurden so angezeigt, daß kein Unterschied gemacht wurde zwischen Anführern, die von der Polizei erschossen wurden und Menschen, die kalten Blutes hingcinordet worden sind. Diese Art, wie die Verluststatistik der britischen (Öffentlichkeit vorgelegt wurde, sei ein immer wiederkehrender Beweis für die Parteilichkeit der Verwaltung gewesen. Col. Wedgwood schloß diesen Teil seiner Darlegungen mit der Erklärung ab, Haft ihm s c h w ,i c h I i c h e Politik der britischen Regierung in einem orientalischen Lande ein Wahnsinn zu sein scheine. Schließlich verlas Col. Wedgwood einen Brief von Lady Rcading über die gegenwärtige Lage in Palästina. Sie schildert ihre Eindrücke im Lande dahin, daß die Regierung, wenn sie gewollt hätte, die Unruhen im April beim ersten Aufflackern hatte unterdrücken können. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Der Termin der nächsten Sitzung wurde nicht bekanntgegeben. Die Kgl. Kommission hat In vertraulicher Sitzung Sir John Chincellor, der in den Jahren 1928—1931 High Commissioner für Palästina war, vernommen. Anläßlich einer Debatte im Warschauer Sejm über die neuen großen Investition«- und Arbeitsbeschaffungspläne der polnischen Regierung wurden von den Abgeordneten Dr. Göttlich und Dr. Sommerstein auch jüdische Probleme zur Sprache gebracht. Der Abgeordnete Dr. G o 111 i e b wies darauf hin, daß die judenfeindliche Bewegung in Polen das gesamte Wirtschaftsleben des Landes unterhöhle. Es sei unmöglich, einen Investitionsplan durchzuführen, wenn gleichzeitig jener andere Plan geduldet werde, der als seine Spuren Vernichtung hinterläßt. Ziel des Investitionsplanes müsse es sein, alle Kräfte des Landes zur Arbeit heranzuziehen. Soziale Gerechtigkeit gäbe es nur dann, wenn sie alle umfaßt. Es sei unmöglich, an eine bessere Zukunft zu denken, wenn friedliche Bürger dem Terror ausgesetzt sind und gegen Wohnungen von Sejmabgeordneten Bombenanschläge verübt werden, wie dies am Montag in Wilna geschehen, ist, wo egen das Haus der Abgeordneten Rabbiner Rubinstein eine ombe geschleudert wurde. Nach den Ausführungen des Abgeordneten Oottlieb, die wiederholt durch lärmende Zwischenrufe judenfeindlicher Deputierter unterbrochen wurden, nahm der Abgeordnete Dr. S o in m e r s t e i n das Wort. Er forderte gleiches Recht auf Arbeit für alle Bürger des Staates. Gute Arbeit werde nur geleistet, wenn sie mit Begeisterung getan wird. Begeisterung aber entstehe aus Liebe, nicht aus Haß. Im Zusammenhang mit dem Investierungsplan werde von manchen Kreisen anscheinend auch die Forderung nach Auswanderung der Juden aus Polen erhoben. Die Juden haben in Polen 900 Jahre lang gelebt und werden sich aus dem Lande nicht vertreiben lassen. Eine ausgesprochen judenfeindliche Rede hielt dann der nationaldemokratische Abgeordnete Marchlew ski. Wenn Oottlieb behauptet habe, daß die Wirtschaftsentwicklung durch Das Beschäftigungsverbot arischer Hausgehilfen In einem Urteil des Reichsgerichts vom 17. Dezember 1930, das in der „Deutschen Justiz" veröffentlicht wird, wird die Frage behandelt, in welcher Weise die Bestimmung des Blutschutzgesetzes über das Verbot der Beschäftigung arischer Hausgehilfinnen in dem Falle auszulegen ist, in dem eine Angestellte als Verkäuferin angestellt, Frühstück und Mittagessen aber bei der Familie des jüdischen Angeklagten einnahm. Sie hat ferner gelegentlich Wurstteller, Käsehcbel und sonstige in dem Lebensmittelgeschäft des Angeklagten benötigte Gegenstände in der Küche aufgewaschen. Bis zum 31. Dezember 1935 war sie bei dem Angeklagten als Hausgehilfin tätig. Das Reichsgericht tritt der Auffassung entgegen, die annimmt, bei diesem Sachverhalt sei § 3 des Blutschutzgesetzes nicht verletzt. Das Verbot der Beschäftigung weiblicher deutschblütiger Staatsangehöriger in dem Haushalt eines Juden — so sagt das Reichsgericht — wird in der Ersten Ausführungsverordnung dahin erläutert, daß „im Haushalt beschäftigt ist, wer im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses in die Hausgemeinschaft aufgenommen ist oder wer mit alltäglichen Haushaltsarbeiten oder anderen alltäglichen, mit dem Haushalt in Verbindung stehenden Arbeiten beschäftigt ist". Diese Vorschriften dürfen, wenn die Zwecke des Gesetzes erreicht werden sollen, nicht eng ausgelegt werden. In die Hausgemeinschaft ist nicht nur aufgenommen, wer in den Haushalt völlig eingegliedert ist, mit der Familie unter einem Dache schläft und jede Mahlzeit in der Wohnung einnimmt. Die regelmäßige Einnahme gewisser .Wahlzeiten in der Familie ist, wenn sie im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses geschieht, ausreichend, um eine Aufnahme in die Hausgemeinschaft anzunehmen. In vorliegendem Falle gilt dies um so mehr, als die Hausgehilfin bis zum 31. Dezember 1035 als Hausangestellte ganz zur Hausgemeinschaft gehört hatte; hier hätte die Scheidung besonders scharf durchgeführt werden müssen. Die Annahme sei auch berechtigt, daß die Hausgehilfin mit alltäglichen, mit dem Haushalt in Verbindung stellenden Arbeiten beschätigt worden ist. Daß es sich bei dem Abwaschen von Geräten um „alltägliche" Arbeiten handele, unterliege keinem Zweifel; daß es sich dabei um Arbeiten handeln müsse, die Tag für Tag verrichtet werden, sei der Vorschrift nicht zu entnehmen. Ehen dadurch, daß die Arbeit in der zur Wohnung des Angeklagten gehörenden Küche verrichtet wurden, sei auch die weitere Voraussetzung erfüllt, daß die Arbeiten mit dem Haushalt in Verbindung stehen. Delegiertentag des Deutschen Misrachi Am Sonntag fand in Berlin im Logenhaus Kleiststraße ein Delegierten tag des Deutschen Misrachi statt, der von Teilnehmern und Gästen aus Berlin und dem Reich sehr stark besucht war. Rabb. Dr. Hoflmann sprach über „Die politische Lage im Zionismus und den Misrachi" und Dr. Sulz berger, Berlin, referierte über ,,Die Misrachi- Arbeit in Deutschland und der Golah". Am Vorabend fand eine sehr stark besuchte öffentliche Kundgebung des Misrachi statt. Lieber den Verlauf der Tagung werden wir in unserer nächsten Ausgabe berichten. Aus der Erziehungsarbeit. Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Am 10. und 11. Januar fand eine Arbeitsbesprechung der Leiter und Leiterinnen der jüdischen Erziehungsheime in Deutschland in Form einer Freizeit im Jüdischen Erholungsheim Lehnitz statt. Fräulein Betty Rothschild sprach über die „Notwendigkeit der Spezialisierung der Heime, Einrichtung von Beobachtungsstationen, Frage, ob Heime, Sonderheime oder Familicncrziehung, Länge der Unterbringung", Dr. Siegfried Rothschild (Dinslaken) und Direktor Bein (Beelitz) über „Normalheime oder Sonderheime unter besonderer Berücksichtigung von Schwachsinnigen- und Psychopathenheimen'' und Dr. L u b i n s k i über „Aktuelle Fragen der Anstaltsführung, u. a. Berufsfragen der Jugendlichen mit besonderem Hinblick auf die Auswanderung, Siedlungs-, Steuerfragen ti. ä." Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Bedeutung eines geschlossenen Systems pädagogischer Einrichtungen, um dem Normalkinde und dem schwierigen Kinde in der pädagogischen Arbeit gerecht zu werden. So wurde besonders über die Notwendigkeit der Spezialisierung von Heimen, Einrichtung von pädagogischen Beratungsstellen, Bcobachtungsstationen, Sonderhorten und Sonderklassen ge- «prochen. Die Möglichkeiten der Unterbringung schwieriger Kinder in Normalheimen und in Eamilicnpflcge wurden eingehend erörtert. Es wurde auf die Notwendigkeit der Schulung heilpädagogischer Kräfte hingewiesen und eine Kommission au« pädagogischen Sachverständigen gewählt lieb behauptet habe, daß die Wirtschaftsentwicklung durch den Antisemitismus gestört werde, so sei darauf zu «rwidern, daß es den Juden durch die Toleranz der Polen ermöglicht wurde, in Handel und Industrie einen Vorsprung zu gewinnen, jetzt aber sei das polnische Volk erwacht. Abg. Dr. Göttlich richtete später an die Regierung eine Interpellation, in der er sie aufforderte, Maßnahmen?.u treffen, um den Ausschreitungen an den Hochschulen ein Ende zu machen. Er legte hierbei ein Verzeichnis der durch Nationaldetnokraten verwundeten jüdischen Studenten vor. Hungerstreik jüdischer Studenten Die jüdischen Hörer an der Universität Wilna haben zum Zeichen des Protestes gegen die passive Haltung, die die Universitätsbehörden gegenüber den Exzessen an den Tag legen, einen 21stüudigen Hungerstreik durchgeführt. Am 9. Februar, 9 Uhr abends, schlössen sich 550 jüdische Studenten im Studentenheim ein und sperrten die Wasser- und Elektrizitätszufuhr ab. Der Jüdische Parlamcntsklub, alle jüdischen Organisationen und die polnischen Arbeitergewerkschaften haben den Studenten Sympathiekundgebungen geschickt. Bevor die Studenten in den Streik traten, waren sie von dem Rektor der Wilnaer Universität aufgefordert worden, sich damit einverstanden zu erklären, daß ihnen in den Hörsälen die Plätze auf der linken Seite vorbehalten werden. Die Studenten haben diesen Vorschlag einmütig zurückgewiesen. Der Rektor der Universität hat mit Rücksicht auf die andauernden Angriffe auf jüdische Studenten d« ersten Jahrgangs der juristischen Fakultät die Einstel- Iungder Vorlesungen an dieser Fakultät bis auf weiteres verfügt. Vom „Pro Palästina-Verband" Von unserem Berichterstatter Budapest, 12. Februar Im überfüllten Herzl-Saal fand am 10. Februar die diesjährige Generalversammlung des „Pro Palästina-Verbandes Ungarischer Juden" statt. (Dieser „Pro Palästina-Verband", im Gegensatz zu der kürzlich vom Kultuspräsidenten Stern gegründeten antizionistischen Palästina-Vereinigung, ist -ein neutraler Verein, der Zionisten und Nichtzionisten unifaßt — A. d. R.) Dr. Joseph Patai, als geschäftsführender Vizepräses eröffnete die Versammlung mit der Verlesung der eingelaufenen Bcgriißungsdencschcn, von denen besonders die von Lord Meie nett große Begeisterung hervorrief. Sodann widmete Patai den Toten des Jahres, vor allem Sokolow und Dizengoff einen warmen Nachruf, auch den zwei Ehrenpräsidenten des Verbandes, Franz Sickelz und Baron!>r. Adolf K o h n e r, die in schwerer Zeit die Möglichkeiten der Palästina-Arbeit sicherten. Dem Andenken des jüngst verstorbenen reformierten Bischofs von D e« brecen, Dr. Desid'erius B a 11 h a s a r,„ den ob seines verdienstvollen Einstehcns fürs Judentum die Hebräische Universität in Jerusalem zu ihrem Ehrendoktor gewählt hatt», widmete Großrabbiner Dr. Arnold Kiss eine Ode, die ^«r selbst vortrug. Nun meldete Patai an, daß der seit zehn Jahren an der Spitze des Verbandes stehende I lochschtilprofessor, Dr. Ignatz Pfeiffer, die Absicht habe, von diesem Amt zurückzutreten. Dr. Nissan Kahan entwarf dann ein Bild der Lage in Palästina. Ing. Sigmund Stern referierte über den Stand der Hachscharah, die eigentlich nur von der Wizo und einiren Aerztcn und Freunden unterstützt werde, dennoch schon, manche Erfolge aufzuweisen habe. Seminarprofessor Dr. Bernhard Heller schilderte Werdegang und Aufgaben der Jcrusalemer Nationalbibliothck, die aus Ungarn ihren Schatz der O o f d z i t z e r - Bibliothek erworben habe, Univcrsitäts-I'ro- Dr. Julius Donath, als Vorsitzender des Universitätsaiisschtisses rief zur Unterstützung der „Freunde der Universität" auf. Nachdem noch der Jahresbericht des Obersekretärs Oi rd o s zur Kenntnis genommen und dem Vorstand das Absolutorium erteilt worden war, wurde einstimmig der neue Vorstand gewählt, an dessen Spitze nunmehr Dr. Josef Patai tritt. Dr. A. F. Kleine Nachrichten Der High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Winchope, ist am Donnerstag in London eingetroffen. Einer Meldung in der amerikanischen Presse zufolge soll der Präsident der Vereinigten Staaten die Ernennung Joel Slonims, des bekannten jiddischen Schriftstellers und Dichters, zum Einwanderungskommissar auf Elbs Island in Betracht ziehen. Auf eine Anfrage im Weißen Haus wurde eint Aeußerung zu dieser Nachricht abgelehnt. Im Arbeitsministerium wurde zugegeben, daß Slonim für den Posten qualifiziert sei und daß seine Bewerbung neben anderen in die enger« Wahl kommt. Eine französische Handelsmission, die unter Führung des Abgeordneten Hymans steht, besucht zur Zeit Aegypten. Von dort aus wird sie sich nach Palästina begeben, wo sie sich einige Zeit aufhalten wird, um die Möglichkeiten eines verstärkten Warenaustausches zwischen Palästina und Frankreich zu untersuchen. Der Mission gehören verschiedene Beiräte für den Außenhandel, u. a. auch der Spezialist für Palästinafragen im Rat für den Außenhandel, Raoul Aghion, an. Der französische Professor Joseph Delpech hielt in Straßburg einen Vortrag über die Hebräische Universität und den französischen Einfluß in Palästina. In Warschau ist der als aufrichtiger Freund der Juden bekannte Universitätsprofessor für semitische Sprachen, Pater Dr. Broinski, gestorben. Vor dem Kriege lebte Pater Bromski in Piotrkow, wo er bei dem als Aufklärer bekannten M. H. Feinkind Jiddisch und Hebräisch lernte. Durch das Eingreifen Pater Bromskis konnten in Piotrkow wiederholt judenfeindliche Ausschreitungen vermieden werden. Mozarts Operntexte, Der „Völkische Beobachter" vom 13. Febr. bringt anläßlich einer Erstaufführung von Mozarts „Gärtnerin aus Liebe" in der Uebcrsetzung von Dr. Siegfried A n h e i ß e r einen Artikel „Gleichgeschalteter Mozart", der sich gegen die Behauptungen ausländischer Blätter wendet, wonach Anhcißcr zu Mozartopern einen neuen Text geschrieben habe, um die Texte des Nichtariers Da Ponte durch neue Texte zu ersetzen. In Wirklichkeit handele es sich bei Anheißcrs Arbeit nicht um eine Schaffung neuer Texte, sondern um diie Ersetzung der deutschen U e h ersetz ungen der italienischen Texte Da Pontes, die von dem Juden Hermann Levi stammen, Diesen Opernübersetzungen gelt« Anheißers Kampf und sein Erneuerungswerk.

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