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Jüdische Rundschau · 1937-02-16 · Heft 13 (16.2.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 13 (16.2.1937)
Date
1937-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13, 16.11.1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Königliche Kommission in London Die Londoner Sitzung der Kgl- Kommission in einem Zimmer des House of Lords, bei der der Präsident der Neuzionistischen (Revisionisten) Organisation, Jahotinsky, vernommen wurde. Von link-, na eh rechts im Halbkreis; Sir Morris Carter, Sir liorare Rambold, Lord Ree!, Sir Laurie Hamrnond, Sir Harold Morris, /><>/>• w/r Coupland. Jahotinsky (Kopf zwischen l'rofessor Coupland und Sir Laurie Hamrnond) sitzt der Kommission gegenüber, Polo: w. /.. p.ucb. i.ondo* (Fortsetzung von Seite 1) Die Kommission wisse, fuhr Jahotinsky fort, daß es für die Abwehr in Palästina genügend prächtige junge Menschen gibt, wenn man ihnen von Anfang an erlaubt hätte, ihre Rolle zu spielen und wenn man sie ausgebildet hätte. Warum hat man es zugelassen, daß die Araber glauben, die Juden seien unfähig, sich zu verteidigen. 23 britische Bataillone wurden mobilisiert — wie er glaube, ein Sechstel der Armee —, um den Aufruhr in einem Lande niederzuwerfen, das nicht den tausendsten Teil des britischen Reiches umfaßt, so daß der Mann auf der Straße glauben mußte, dieses Aufgebot „aller Rosse und Mannen des Königs" sei notwendig. Hätte man 5000 junge Juden im April mobilisiert, dann hätte man die Unruhen verhüten können. Ein Weg, hier Abhilfe zu schaffen, wäre es, die Schuldigen herauszufinden und sie zu bestrafen und auch eine Untersuchung über den Obersten Moslcmitischen Rat durchzuführen. Eine Unabhängige Kommission müßte das Ausmaß der Schuld untersuchen. Er glaube, daß es sich hier um eine Schuldfrage handele und daß eine Person, die sich schuldig gemacht habe, bestraft werden müsse. Das sei es, worum er ergebenst bitte. Letzter Auswegs Rückgabe des Mandats Jahotinsky befaßte sich sodann mit dem Programm der Jewish Agency und äußerte die Ansicht, daß sie reformiert werden sollte. Es sei nicht richtig, daß diejenigen, die er hier vertrete, durch ihre Forderungen versuchen, das Empire in große Schwierigkeiten zu stürzen. Aufs entschiedenste stellen sie es in Abrede, daß Groß-Britannien dadurch in Konflikt mit der Welt des Islam gerät. Die Juden, erklärte Jahotinsky weiter, könnten kein Zugeständnis machen. Es gäbe nur einen Weg für ein Kompromiß: man solle den Arabern die Wahrheit sagen. Der Araber sei vernünftig, klug und gerecht. Werde man ihnen die Wahrheit sagen, dann werde bei den Arabern eine Sinnesänderung eintreten. Es sei für ihn eine höchst unerfreuliche Pflicht, den Gedanken zu erwägen, was geschehen würde, wenn die Wünsche der Juden von Groß-Britannien nicht erfüllt werden könnten. Er hätte gewünscht, diese Frage nicht erwähnen zu müssen. Er beantworte sie im Namen des extremen Flügels der zionistischen Bewegung: Wenn Groß-Britannien wirklich nicht in der Lage wäre, dies zu tun, dann solle es sein Mandat zurückgeben und dies in einer Weise ttfn, die die Sicherheit der Juden und die Aussichten des Zionismus für die Zukunft nicht gefährdet. Er sei vollkommen davon überzeugt, daß es dazu nicht kommen werde, denn er glaube an Groß-Britannien. Das Kreuzverhör Nachdem Jahotinsky seine zusammenhängende Darstellung beendet .hatte, richtete der Vorsitzende Lord Peel an ihn einige Fragen. Lord Peel: Stimmen Sie und diejenigen, die Sie vertreten, einerseits und diejenigen, die ich als die mehr rechtgläubigen Zionistcn bezeichnen möchte, in vielen Punkten überein? Jahotinsky: Das müssen die anderen entscheiden. Lord Peel: Ihre Haltung ist eine so kritische, daß ich fast fürchte, die folgende Frage an Sie zu stellen. Welches ist die politische Haupt Ii nie, in der Sic sich Ihrer Meinung nach von den allgemeinen rechtgläubigen Zionisten unterscheiden? Jahotinsky: Sie würden mir einen persönlichen Gefallen erweisen, wenn Sie mir gestatten wollten, diese Frage zu übergehen. Ihre Beantwortung würde mich zur Kritik an einer anderen jüdischen Körperschaft zwingen, was ich vermeiden mochte. Lord Peel: Ich will Sie nicht drängen, wenn Sie die Frage nicht zu beantworten wünschen. Jahotinsky: Ich kann es sehr milde fassen: Ich glaube, es sind ihnen dieselben Vorwürfe zu machen, wie dem Colonial Office. Lord Peel: Sind Sie in Ihrem Plan bestimmter als die anderen? Jahotinsky: Ich bin gezwungen, das zu sagen: Ich glaube, daß wir bestimmt sind und jene nicht. Lord Peel: Sie glauben, daß die Einsichtigen auf Ihrer Seite sind? Jahotinsky: Das ist eine große Frage. Es erfordert mehr Einsicht, gerade auf das Ziel loszugehen als es nicht zu tun. Sir Horace Rum hol d befragte Jahotinsky nach seinen Ansichten über die Fruchtbarkeit Palästinas. Jahotinsky: Wir sehen sicherlich ein, daß die Fruchtbarkeit des Bodens unbefriedigend ist; aber im modernen Staat spielt die Landwirtschaft nicht dieselbe entscheidende Rolle wie in früheren Jahren. Mangelnde Fruchtbarkeit ist zwar ein Hindernis, aber nicht entscheidend. Wesentlich für ein Handel und Industrie treibendes Volk sind die Qualitäten der Einwohner. Die Aufnahmefähigkeit eines Landes hängt von der Beschaffenheit seiner Bevölkerung ab. Jahotinsky führte zur Illustrierung dieser Tatsache die Baumwollindustrie in Lancashire an; diese Industrie habe sich entwickelt, obgleich in Lancashire keine Baumwolle wächst. In der Schweiz gibt es eine Schokoladenindustric, obwohl dort kein Kakao gebaut wird. Würde in England Baumwolle wachsen, aber die Bevölkerung von Lancashire dort nicht vorhanden sein, dann hätte es niemals seine Baumwollindustrie. Die natürlichen Schätze eines Landes bestünden seiner Ansicht nach in den menschlichen Hilfsquellen, ihrer Hingabe, Schulung und Kultur und in den Weltverbindungen zur Erleichterung des Warenaustausches, sowie in der Fähigkeit, Kapital zur Verfügung zu stellen. All dies würde auf die Juden in Palästina zutreffen. Wir können, sagte Jahotinsky, Palästina zu einem sehr mächtigen Industrieland machen. Der Mangel an Rohstoffen ist hierfür kein größeres Hindernis als für die Baumwollindustrie in Manchester. In Beantwortung einer Frage von Sir Laurie Hamrnond erklärte Jahotinsky, es gebe keine Bestimmung im Mandat, derzufolgc die Araber um ihre Meinung befragt werden müßten. Man könne England mit der Aulgabe betrauen, sich um die Interessen der Araber zu bekümmern. Sollte jemals eine neue Mandatarmacht eingesetzt werden, dann könne man es England überlassen, dafür zu sorgen, daß der neue Mandatar Garantien für den Schutz der Araber leiste. Jahotinsky meinte, es gebe viele andere Mächte, die als Mandatar in Betracht kämen. Lord Peel: Es ist besser, keinen Namen zu nennen. Auf weitere Fragen von Sir Laurie H a m m o n d sagte Jahotinsky, er glaube, man sollte den Arabern zu verstehen geben, daß das Mandat die Schaffung eines Juden Staats bezwecke. Die High Commissioner, die man nach Palästina entsendet, sollten Männer sein, die für diesen Gedanken Sympathie haben. Auf die Frage, ob er der Ansieht von Sir Herbert Samuel zustimme, daß das Maß, in dem die jüdischen nationalen Bestrebungen in Palästina verwirklicht werden können, bedingt sei durch die Rechte der gegenwärtigen Einwohner, antwortete Jahotinsky: Ich stimme mit ihm hierüber nicht überein. Der Zionismus erstrebt, daß Palästina in entsprechender Zeit in ein sich selbst verwaltendes Gemeinwesen umgewandelt werde. Die von Winston Churchill seinerzeit abgegebene politische Erklärung, wonach es auf Grund der Bestimmungen Der Abgeordnete Col. Josiah Wedgwood erklärte zu Beginn seiner Vernehmung, er habe sich zur Aussage gemeldet, weil er derjenige sei, der in den letzten achtzehn Jahren am stärksten Kritik an der Palästina-Verwaltung geübt habe. Es gebe heute in Palästina auf die Quadratmeile vermutlich mehr Beamte , als in jedem anderen Lande unter britischer Verwaltung. Die Beamtenzahl sei in den letzten Jahren bedeutend erhöht und der Beamtenkörper fortschreitend arabisiert worden. Seiner Meinung nach sei der Gedanke, durch Verleihung von Stellen zu beschwichtigen, in Palästina bis zum Extrem getrieben worden. Er wolle in seiner Aussage zeigen, daß die Verwaltung in Palästina a n t i i ü d i s c h und proarabisch eingestellt war und daß diese Vorherrschaft des arabischen Elements vor allem daran schuld sei.!n Paläslina gebe es zwischen Verwaltung und jüdischer Bevölkerung keinen gesellschaftlichen Kontakt. Unter den Beamten könne man alle möglichen sonderbaren Meinungen über die Juden hören und unter den Juden ebenso sonderbare über die britischen Beamten. Solange dieser sozialen Isolierung kein Ende gemacht werde, könne es auch mit den antijüdischen Empfindungen nicht viel anders werden. Ein Kommissionsmitglied: Die soziale Isolierung bezieht sich nicht auf den High Commissioner? Colone! Wedgwood: Nein, nicht auf das Haus des High Commissioner. E>ort kommen Juden und Araber nach Tisch zusammen, aber außerhalb des Hauses ist dies leider nicht der Fall. Colonel Wedgwood wies weiter darauf hin, daß mit dem ehemaligen Oberstaatsanwalt Norman Ben t wich der letzte Jude aus der iPalästina-Verwaltung hinausgedrängt worden sei. Bodenrechtliche Entscheidungen würden ständig gegen die Juden getroffen. Der ganze Kampf in Palästina sei ein solcher zwischen dem nomadisierenden Araber und dem Siedler, ein „Kampf der Ziege gegen den Siedler". des Mandats nicht beabsichtigt sei, ganz Palästina in ein Jüdisches Nationaihcim umzuwandeln, sondern daß ein solches Heim in Palästina gegründet werden solle, bezeichnete Jahotinsky im weiteren Verlaui des Kreuzverhörs als ausweichend. Sir Laurie Hamrnond: Dieser Satz deutet an, daß die Regierung damals nicht glaubte, ganz Palästina werde ein Jüdisches Nationalheim sein. Behaupten Sie, daß die Einwanderung nach Palästina rechtmäßig nur durch die Bedürfnisse der Juden bedingt sein darf? Sieherlich werden damit die Rechte der Araber außer acht gelassen. Jahotinsky: Wir werden beweisen, daß es in Palästina für .Willionen Juden Raum geben wird, für drei, vier oder fünf Millionen. Wenn die Juden die Mehrheit erlangt haben, durfte bei den Arabern eine Sinnesänderung eintreten. Wir werden das Land reich und die Araber glücklich machen. Sir Laurie Hamrnond: Wenn dies der Fall ist, warum laden dann die an Palästina angrenzenden Staaten die Juden nicht ein und verlangen von ihnen, ihnen die Möglichkeit zu geben, glücklich zu werden? Jahotinsky stellte es nochmals in Abrede, daß die jüdische Politik Härten für die Araber mit sich bringt. Allerdings müßten jedoch die Araber unzufrieden über die Errichtung eines Judenstaates sein, wenn sie aut die Errichtung eines Araberstaates hoffen. Kritik an der Justiz Die richterlichen F.nUrncidtingrn seien zu beargwöhnen. Wohl in keinei britischen Kolonie und bestimmt nicht in Indien stehe die Justiz in so sehivvlitem Ruf wie in Palästina. Die Justiz wäre in den I landen des unerfahrensten Engländers besser aufgehoben als in den Händen der Landesbewohner, seien es Araber oder Juden. Ein K o m m i s s i o n s in i t g I i e d: Sind nicht manche Richter Engländer? Colonel Wedgwood: Nein, ich glaube nicht. Das Koramissi o nsmitglied: Es gibt drei Richter am Obersten Gerichtshof. Coionel Wedgwood: Ich sprach nicht vom Obersten Gerichtshof. Sir Harold Morris: Sie üben eine ziemlich allgemeine Kritik an der Justiz. Erstreckt sie sich auch auf die englischen Richter? Colonel Wedgwood (nach einer Pause): Noch nicht. Aber ich glaube, es wird geschehen. Sir Harold Morris: Ich wollte Sie dazu nicht drängen. Ich wollte nur die Tatsachen wissen. Nunmehr erklärte Colonel Wedgwood, er schließe die englischen Richter in sein Urteil nicht ein. Aber der Staatsanwalt sei ein Araber. Erst vor kurzem sei dessen Ernennung zu einem Posten, den früher nur immer ein Engländer innegehabt habe, erfolgt. Es sei zu einer Kritik gerade an der Sache gekommen, die man in England am meisten hochhalte. Früher hätten die Leute die Engländer zwar für einfältig und hochmütig gehalten, aber immer erklärt, daß man unter der Herrschaft der britischen Flagge zu seinem Recht kommc- (Fortsetzung nächste Seite) Col. Wedgwood, M. P„ sagt aus 7 TaffC in PAL ASTIN A Gesellschaftsreise VULCANIA ^.ZJ^^fZ^^JL^J^ -* 24000 to MotorschiH * Ul^Vrtrtl/i I. M&rr ab Neapel über Messina - Palermo - Biserta - Malta - Tripolis - Port Said - Wüste Sinai - Tel-Aviv - Kolonien - Jerusalem - Jericho - Totes Meer - Emek - Tiberiaa - Safed - Haifa - Beirut - Rhodos - Istanbul - Athen - Korfu - Cattaro - Ragusa - Venedig an 25. März Kreditbrief- Besorgung für Landaufenthalt in Italien ¥1.. _ ■ _ einschl. Landausflüge in Palästina, Dlt/f CIA JsTTClS Istanbul, Athen laut Programm ab H.1V1 ^l\ß0mm PALESTINE EXPRESS CO. ■JrsSSJSy ATLANTIC EXPRESS GMBH. Berlin NW 7, Friedrichstraße 100 (am Uand S-BhI.) Fernrai: 16 2916

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