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Jüdische Rundschau · 1937-02-12 · Heft 12 (12.2.1937) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 12 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 12, 12.11.1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 15 Briefe an die Redaktion Revcillon in Paris —MAGISTER KIRSCH—i Per gute Likör Maglmter-Llkörfabrik, Mttnchan VII. In Barlin zu bezieh, durch üis W«lnj)roßh»ndlung Bernhard Brauer, Burgstrafln 3 / Ruf: 5143 40 Paris, den 4. Februar 1937 Verehrte Redaktion! Ich bin ein eifriger Leser Ihres Blattes und freue mi< h, regelmäßig Ihre geschätzte Zeitung in den Kiosks auf den Grands Boulevards in Paris zu finden. Da ich in Paris lebe, und weil ich auch Zionist bin, erlaulic ich mir zu Ihrem Artikel Ihrer Ausgabe vom 22. Januar: „Revcillon in Paris" Stellung zu nehmen. Revcillon ist in Paris eine rein gesellschaftliche Veranstaltung und hat mit religiösen Dingen nichts zu tun, steht auch in gar keinem Zusammenhang mit der Feier des Weihnachtsfestes in anderen Ländern. Für uns emigrierte Juden, die wir hier wohnen und bewußt versuchen, uns den .Sitten und Gebräuchen des Landes anzupassen, ist es nichts Vei wunderliches, dieses Festtreiben anzusehen und mitzumachen. Ith habe auch diese nächtliche Feier miterlebt und mich sehr wohl gefühlt inmitten f anz'bischer Freunde, gleich ob sie Juden oder Nichtjuden waren. Wir freuten uns alle, unbelastet und freimütig, ob in den reichen Quartiers der ("hatnps Klvsecs oder in den einfachen Vierteln um den Place de Kepul>li(|iie. diesen Volksfeicrtag mitmachet: zu dürfen und es ist kaum anzunehmen, daß sich viele als „nicht dazugehörig" fühlten. Diejenigen, die den franz. isbohjüdischen Boden suchen wollen, firuxellcs, 7. Februar 1937 Sehr geehrte Redaktion! Frlaubcn Sie mir zu dem Artikel „80 Jahie Lacmcl-Schule" in Ihrer Zeitung vom 5. d. M. eine kleine Berichtigung zu machen. Xicht David Jellin hat die palä.-Mucnsischc Loge „Hnc Brith" in Jerusalem gegründet, sondern mein Vater Dr. \V. Ilerzberg (Verfasser der „Jüdi- Bcrün, 7. Februar 1937 Cechrte Redaktion! In Nr, 10 Ihrer Zeitung wird berichtet, daß die „Fdler von Lacmcl-Schule" in Jerusalem ihr SOjahriges Jubiläum gefeiert hat. Für die meisten Juden in Deutschland dürfte der Name des Prager Bankiers, Simon von Lacmcl, ein unbekannter sein. Da ist es vielleicht von Reiz zu erfahren, daß Lacmcl im jalnc 1811 Goethe in Karlsbad kennen gelernt hat. Beide trafen finden ihn gut vorbereitet, da die Großgemeinde Paris alle Institutionen und Hinrichtungen ik:s israelitischen Kults in der entgegctikommendsle.n Webe zur Verfügung stellt. Die Bildung jüdischer Emigrantenzentren erübrigt sieh von selb..!. Jeder Auswanderer, gleich, wo er sich hinwendet, muß sielt erst in die neue Heimat einleben. Heimatgc ühl kann aber nur dort entstehen, wo Menschen einen als Mensch treundlicl: empfanden und aufnehmen. Der Pessimismus des Autors, von Leuten zu sjirerlien, die nicht wissen, wo sie hingehören, ist unberechtigt. Ks mögen Sehwach'inge sein, die auch früher nicht wußten, Wo sie hingehören. V'nd letzten Fildes kann der Zionismus nur ei-Unken, wenn die Juden in den westlichen Ländern der Diaspora, obwohl sie gute Juden blci! en, sich dem Volk vc bunden fühlen, das ihnen die Mo-Ii. hkeit g bt als Mensch und Ju 'c trei zu leben. Mit zi mistlsi heu Grüßen Siegfried K a u f m a n n *,* I'n.scr Mitarbeiter hatte di ' Tei nähme der Joden am Leben dt bmwclt positiv bcm teilt; was die seelische Situation der neu eio -eu an 'ert en I nden betii.ft, läßt sich nicht gettet a i h ren, und Cs gibt zweitcllo.s >ehi \i!e. de ,cti die liinordnung nicht o 1er noch ni' hl so glihkli h gelungen ist, w-ie o n loci '■! des vorstehenden Briefes. (Red.) sehen F'anii!icnpnpierc'*t. und zwar im Hause des Jüdischen Waisenhauses in feiu-alem. bevor noch dcsM-n Schule mit ihr Laemel Schtile verein gl. w urde, zu deren Vcrwitküchung mein Vater viel beigetragen bat. In dein Weike von Dr. Jc.-aias Picß, welches Sie erwähnen, wird dieses auch gewüidigt. Hochachtungsvoll Rudolph 11 e r z b e r g sich auf einer einsamen Bank im Walde und tuitcrlnt Iten >:c!i über jüdische Dir,ge. Goethe erwähnte u. a.. diö die Gestalten, die er in seiner frühen Jugend in der Frankfurter Judetistadt ge-ehen hatte, einen fremdartigen und schrecklichen Findttn k auf ihn gemacht hatten. Er konnte lange nicht glauben, daß „dieses Volk das nicrkwürdig-tc Buch dei Welt gc-chrioben habe" .....Frst später, ab ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der bewundeiung, die ich für das bibebchöpicrische Volk hege, und für den Dichter, der das hohe Liebeslivd ge-iingen hat. Heide Büchel haben mich niauuig'ach bcscbatlig:." Goethe blieb auch später noch in Beziehungen zu der Familie Mainz, den 9. Februar 1037 Sehr geehrte Reduktion! Ich vermisse in dem Artikel in Xr. 2 uni. r den namentlich a.g iiiti len khabrn von Samuel Haer seinen zweiten Solm | o . s c I, meinen Vater, der durch ■ein beiden schon sehr buh von der ( U'ibntli. hkoil zurückt!eleu mußte; doch gebuhlt ihm wagen seiner Verdi, n-te um die l .emeinilc und Schule gh iebe W'niiligung und Fbiiing wie den ande en Soimcn. So hatte er unter an,deiem jahrelang die K..-tcn de-, l.aleioinilcniebtes in einer Klasse allein bc-biln n. um den FoitlKs'mid dieser Kla--c für die S. hule noch iüi einige Zeit zu . i he n. Die wenigen, die durch die langen Jahre seines bei kns London, den 4. Februar 1937 Sehr geehrte Redaktion! Line bespi echung der Berliner Ausstellung der . Nmen Naturali-len" i u Klnhh als. Mmbuiger St ake. beginnt mit folgenden Sätzen: .,11, war «obl im Jahre 1932 oiler 1933. ab in clor Sitzung des e:wciierien Vor-tandos des ehenia igen Kei bs\ e; bände, bildender Kiin-Mcr ein Hiicl des Maleis Segab verli seil wurde, der von einem neuen Xntuialisnius sprach, iiber den er einen Vortrag halb n wollte. Fisiges Schweigen der Anwe-en den. Plotzlnh eine Stimme: „Der Bi iei kommt niindcstt res fünf Jahre zu spat, seit zehn Jahren zeichnet man in Paris wieder so wie Ingies!" Da die zwei Ausstellungen der Neuen Xattnalhsieii starkes Interesse c.regt haben, wie die Fre.s.-estiiuinen zeigten und wie erneut au. h diu lii'sp'ecbiiiig der Kun-tk i ikerbi llanna Sehbsioge' (Ruth Moroldl in der „Judithen Rundschau" vom 12. Januar 1937 bewies, glaube ich. daß es intetes-iereu winde, wie sich die olieti zitierten Sätze zu den wirklichen Tatsachen verhalten. Ich stand dem erweiterten Vorstand des ehemaligen Reichs- Verbandes bildender Kun-l 'e ■ .-ehr nahe und vermute, daß es sich nicht um einen H, icf. sondern um einen Artikel in der Zeitschrift des Verbandes „Kunst Lacmcl. Abgesehen von öfteren Begegnungen in Kailsbad, war er einmal Gast im Hause Laernels in P ag. und gelegentliche Briefe und Besuche in Weimar hitlten die Verbindung noch eine Reibe von Jahren aufrecht. 1 io hachtungsvoll Else Ephraim tteu zu ihm hnlten, werden sich noch gut des gib igen, humorvollen Manne> ei iuuern. dessen ganzes Wc-.cn heilere Frömmigkeit ausstiahltc. Mit welcher Fieude verhall er anderen zur Ausübung einer Mizwah. So mußten wir Kind r z. B. alljährlich im Xissan bei den drei Rabbonim austichten, elaß unser Apnkos-cnstrauch (damals eine Seltenheit in 1 lalbersladl) blühe; die Herren möchten meinem Vaicr die Fhre antun, in seinem Gauen die B'rocho über die eiste Obstblüte zu machen. Jo-et Bacr war der Vater dein dc:n Auikel des Herrn Aron 1 i seh genannten Professor Fritz Baer, Jerusalem. Hochachtungsvoll Julie Schlesinger und Wirtschaft" handelte. Mein Artikel in K. u. W. erregte damals sowohl Aneikennung ab auch Wide: Spruch in den Kün-tleikreisen. Fs entspann sieh eine Polemik in der Zeibchr i l. und ein gegne,i.siher Kollege schlich, daß mein Aitakel über den Xeuen Naturalismus einen Verrat, an der Kunst bedeute und den Bcweis erbringe, daß meine vorheiigc PetitKle in der Malerei nicht ehrlich wäre. Dieser gegnerische Kollege lebte damals in Paiis und lebt n-."di jetzt dort. Ich glaube mich bestimmt zu erinne n. daß ich in diesem Aulsatz —■ ich halre in meinen Artikeln und in meinen Vorträgen immer darauf hingewiesen — schrieb, daß man sich jetzt auch in Paiis einem neuen Natuiulistnus zuwendet. Das war im Jabie 1932, denn kurz vorher las ich das Interview einer deutschen Künstlerin mit dem bei ülunten, jetzt verstoi benen Xeoimprcssior.blcn Signac. Signac sagte, dal!» die jungen Künstler in I'aiis sieh jetzt der Natur zuwenden und daß eine neue Maieiei im Entstehen sei, die die Natur in den Vordcrgiund stellt im Gegensatz zu den subjekti.i,' i-< hen Schulen, die .sich von der Natur loslösen. Ich setzte mich mit Signac in Verbindung, denn es freute mich, daß ich nicht allein dastand. Meine eisten naturalistischen Bilder stammen aus dem Jahre 1929 und waren die Folge meiner liliekpunktbilder. die zueist im Jahre 1926,2V cnUa.nl. n und ein Studium nach der Natur verlangten. Ich bat Sigoae, mir über seine Anschauung zu sibreibcn, da .-ich in Bei lin ähnliche Besiieiein;.;e:i spürbar ma. hen. Meine Schüler und ich malten schon seit Jahren naturalistisch — ich Iii. Ii \'orträge und schlich Artikel in diesem Sinne. Sienac schrieb sehr freiin.1licli: „Nolls autioos une peiiitiirr: objeetive et pas-ionnee - . ." Leidet staib er bald daraul. Die „Stimme", die abei s.ig'C. „daß mein I! iei nunde-t n> fünf Jalnc zu spid käme und dal.', man seit zehn jahion in Pa:is wieder wie Ingies zei. hnet", i.t. meiner Ansicht nach in Jolgeiider Weise mit den Tat-acncn zu-anuncn/ubi in^en. Ingies bt nieiit Natur.ilisf. br ist Klassi/bt, tlei woid eine intensive Naturbeoba. h'ung au:- wei-t. un<l r.u-.tmmen not!.icr.ax ab \ ,it 1 ui e: ein. - l > ..»- be' zu bei rat bleu ist. Cour'- .< t ist der er.te |4..i;«c.|iie:>t'* X.cnraiisi in brnnkieich. beib! ak. r zu gleicher Z< It der erste Naluia'ist in Deutschland. Wahr ist. daß I'ie c,so «hört lange mit unter wie Ingres zenchn-ei, d. h. kla-i-i-ti-ch, akei d is hat mit Natiiiaiisiiius mchu Ri hm. Auf meiner Dur, In ei -c durch I'a is im t Iktober 193ö hatte ich t ■;egeuh"it zu sehen. . daß im S..I011 rl'.Tit..mne einige wtrkl.eii na. u aü-ti-che Stilleben von -.. honer (Qualität hingeit. Die absoakte und kubi sti.sb" Maler, i war la>t ganz \ er-ch« und"n. Der g.ol'ae I eil gehörte einer im- [i! cd..; i :: . Ii - e\prr ■ -iom i i-.'heri Komain :k an, \. io sie last uber- ..,11 zu -eben i-t. I ler X ..tma i 'aus, w \r ihn die N'e.ii n Na u .i'.i-'-n zeigen. i-(. eine stoiige v. Iiulung nach der Xatui, e 11 i i si c1 .he .iie Meioerweike, der N l u: ah-t en Veki.- . jiiez, I l ,ds. Kein! n andt u -w. In b t n i, -... h. h w loi, 1)(n d ei ehrlich und intensiv nöi ,li Kur ' ring n len X, uro X ,0 ii ,t i ien c< n " ' öai um m, nie A i : h u r S c g a 1 Neuer Naturalismus b b;en , k> ..45 t ki, 1 in.en -svkreis; Halberstadl: An. Io. F. bin u. in , | ,i,./ig: ..Dijink. an- V.dk vor Halle: \|..n K-< g. 1 gtbt am \ ,ii der Ankündigungen aus dem Reich Breslau: hr-aci klubn.n lunittag der \\ ,//> ,m. 10. lebnnn, 1C.30 bin, bei (doeow-ki, S. bweiiirh/c: y.i hgi .l.cii 0 Duisburg: Z' H L Am bä. Fcbiuar, -Albe:: -kl. i- .mn Düsseldorf: 7.(1(1. Am 13. 1',' Prinz. S. Anzeige. — - Am 1' (henung ,\--es-,.,! du bn .ann n der böge. Yorit ag Kum 1 e n kn; der Kunigkeben ' K.enim „an;-. 13. febrne im Judo, Inn Kail' aller Landei". -- Hamburg: Znui. S'.uningi uppe .,/nn". Am 18. Fcbin.u. In. Ib. Inn ..Der Hegufi <\r: N.)'.,,:, im 19. J alu hundert". Am 25. F. jiru.it: Pili min ier. Am 4. Mar/. Dr. Mendel: ..Staat und Nation im modernen S'aai-re In". Alle A' beb „,d>en!e im Heim, V.p. peiidoil. lbamo 0. - Hannover: Veri; l'ok,, her luden. Am 13. Februar Wittag Dr. Salinger, Hrikri: ,.D,e Ke ■ hl .,-,tellu:ig der polims, hen Staai.sangdioiigrn im dieuts. 'hen Recht". — Solingen: Zl >G. Arn 10. Februar, Vm bihrung de, K K b -1-ich 11 n!d-! i ei lens durch Hans Damidt, Düsseldort. Familien - Nachrichten Herr Moses Frank, Halle a. cl. S., begeht am 19. Februar den 70. Geburtstag. Frau Jeanette Marx (bei beopold Oppenheim). Bibra (Ilcs.scn- Nassau), begeht am 20. Febniar den 80. Geburtstag. Herr Simon R o s e n m a n n und Flau Fa..nv. geh. Ke-ieu, Viersen, Hauptstr. 16, begehen am 18. Fcbiuar che silbeine Um lack. Bar Mizwah-Termine Am 13. Februar (2. Adai): Arthur Schwabe. Sehn von Kurt Schwabe, Vatel (Ol.l.i. — Am 20. I\biii.ir ',9- Ako): .\t.-,e!m Fürst, Sohn von Marg. Fürst, 1,.., kmiz n I'otn. — Manlifd Frenz- I ,r ii, Solm von RuöoU Picozkni. Halle a, S.. M-jilitt-.tr. 9, — Ingbert K o s e n t r e t e r, Sohn von s. Ro.rusutci, All ma, 1'-- gi■ 1" rg-i i. 99. — Am 27. Februar (16. Adai): M,.x X a g e 1 b e r g, Sohn von bidor Nagelberg. Altona, X.:;:. Imig 27. Wie uns mitgeteilt wmrl, hat Hamburg 1, Bmihatd-tr. 24, MusieimCs.se, die vom 5. bis . bn ma!'. (kifiln'r S- C. o., renne ib \,i:!-':n- .|. r Präger Eine Richtigstellung Goethe und Laemel Die Sdiule in Halberstadt ritn aber sind auf die hohen eisernen Pfeiler und Pfosten im Beth hamidrasch geklettert, haben sich mit Stricken angebunden und hängen da oben stundenlang, bis die Tafel aufgehoben wird. Diese Art, sich festzubinden, ist oft erprobt und so kompliziert, daß keiner von den Burschen allein sich losbinden und wieder herunterklettern könnte, es sei denn, er risse auch die andern mit. Dafür haben sie die beste Aussicht. Die Braut hat den ganzen Tag in einem Nachbarhaus verbracht, zum erstenmal kommt sie nun auf den Hof des Rebben. Ihre Leute führen sie, chassidische Musikanten eröffnen aufspielend den Zug, und obwohl der Weg nur so kurz ist, folgt doch die ganze Stadt, man bewundert ihre Anmut und das kostbare Hochzeitskleid. Auf der Schwelle zum Qerer „Hof" kommt die Rebbizin ihr entgegen. Sic ist die zweite Frau des Rebben und sieht noch sehr jung aus, übrigens soll sie eine auch weltlich gebildete Dame sein und mehrere Sprachen beherrschen. Herzlich umarmt sie die jüngste Schwiegertochter, und dann wird die Braut zur Chuppa, dem Traubaldachin, geführt, der unter freiem Himmel errichtet ist, auf dem großen Platz vor dem Beth hamidrasch des Rebben. Nach der Trauungs-Zeremonie, die in der allgemein üblichen Weise vorgenommen wird, entsteht geradezu ein Tumult des Olückwünschens, alle drängen sich zum — Rebben, jeder will der erste sein, der ihm Maseltow wünscht. Die Musikanten spielen auf, und man geht zu Tisch. Draußen auf dem weiten Platz stehen, während drinnen die große Festmahlzeit feierlich beginnt, allerlei Gruppen von Chassidim und Oerer Juden. Die letzten jüdischen Abendzeitungen sind mit dem Warschauer Zug eingetroffen, hier und dort liest einer noch im Halbdunkel vor: Zwischenfälle in Lodz, in Warschau, in Lemberg, in Erez Israel, „was wird aus uns werden?", seufzt ein Zuhörer auf, und ein anderer stöhnt: „Eigentlich müssen wir uns doch heute freuen." Es ist fast Mitternacht, drinnen im überfüllten Beth hamidrasch sitzt der Rebbe obenan und sagt „Thora", spricht von den jüdischen Sorgen heute und daß nichts helfen könne als Zuversicht und Glauben. Und die Chassidim stehen in dichten Reihen tan die Tafel, mit verklärten Augen saugen sie Wort für Wort ein, und die Verwandten und vornehmsten Gäste sitzen bei Tische und lauschen, und die jungen Bachtirim hängen oben an den Pfosten und Pfeilern, mit Stricken festgebunden, und lauschen. Und dann spielen die Musikanten wieder auf, und der Rebbe selbst tanzt das Mizwe-Tänzchen. Jüdischer Humor Im neuesten Heft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" macht der Budapestcr Professor Bernhard H eile r in einer umfangreichen Studie über das „Neuere Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stof geschiente" auf das größere Werk des Herausgebers des Schockenbüllcltcns „Rejte Pomeranzen", Dr. Inimanuel ü I s v a n g e r, aufmerksam: die Sammlung „Rosin k es mit Man dien", in der eine ,s{roße Fülle von Material verarbeitet ist. Nicht minder wichtig ist sein Hinweis auf die mehrbändige hebräische Publikation von A. Drujanow IHmT) MITHan nBO (Buch der Anekdote und des Witzes), von der in Tel-Awiw bisher zwei Bände erschienen sind und drei weitere vorbereitet werden. Einige Proben (nach Heller zitiert) aus diesen beiden für die jüdische Volkskunde wichtigen Werken mögen etwas von der Eigenart des judischen Humors vermitteln. Da ist die Anekdote von dem reichen Fischhändler, der um ein Darlehen angegangen wird und darauf erwidert, er habe einen Vertrag mit seiner Bank, wonach die Bank keine Fische verkaufen und er keine Geldgeschäfte machen dürfe. Oder wie anschaulich wird das Wesen eines Menschen geschildert, von dem der Volksmund sagt, er sei winzig wie „a tal-umotor in a klein ssiderl". Dazu muß man freilich wissen, daß die Gebctscinschaltung um Regen (Tal u'Motor") in der Schemone Esre in besonders kleiner Schrift gedruckt zu werden pflegt. Aus dem Schatz der Volksweisheit ragt auch jene Anekdote hervor, nach der zwischen einem jüdischen Oelhäridlcr und einem nichtjüdischen Blumenhändler Streit über das Geld im Laden des Juden entsteht und ein Kind diesen Streit schlichtet, indem es entscheidet, das Geld ist fettig, also gehört es dem Oelhändler. Die folgende Erzählung war in den „Rejte Pomeranzen" abgedruckt und wird noch manchem in Erinnerung sein: Ein Rabbiner will seine Gemeinde verlassen. Die fünf reichsten, doch zugleich engherzigsten Mitglieder der Gemeinde sollen ihn zurückhalten. „Wenn ich nur fünf solche Balbattim hätte wie ihr, bliebe ich." — „Zu viel der Ehre", meinten die Balbattim geschmeichelt. — Fährt der Rabbiner fort: „Nun ja, wenn ich nur fünf hätte, bliebe ich; da ich aber hundert solche habe wie ihr, muß ich gehen." Von den zahlreichen Scherzfragen erwähnen wir zwei: Woraus folgt, daß Rabbiner nicht zu Israel zählen? Weil es im Kaddisch heißt: ]m tyl "JKIW . Woher ist es klar, daß Adam ein Jude war? Weil ihm die Aufenthaltsbewilligung entzogen wurde. In tiefere Schichten jüdischen Wesens führen Jene Erzählungen, in denen Verhaltensweisen deutlich werden. Dem Aradcr Rabbiner Chorin waren viele Leute nicht wohlgesinnt, weil er ein Aufklärer war; darum erzählte matt sich, daß ein Jude, der einen Rechtsstreit mit (iott hat, sich nicht an seinen eigenen Rabbiner wende, weil dieser für Ciott voreingenommen sein konnte, sondern an Ghorin, da dieser - - (mit nicht huckte. Eben diesen bissigen Spott atmet auch die Anekdote, nach der einige Sozialisten in (iali/ien den Rabbi (dieser Rabinotvitz zur Mitarbeit auffordern. Er erklärt sich bei cot unter der Bedingung, daß die Arbeit geteilt werde: die So/ialisieu sollten die Reichen bewegen, Geld zu gebe»: er werde die Annen überreden, es anzunehmen. — bin „Freigeist" taucht am Schabbat zwei Zigarren, tun das Gebot "TOT und das Gebot HOP zu übertreten (es gibt nämlich zwei Fassungen des Schabbatgeset/es in der Bibel), lind welche tiefe Bedeutung gewinnt jene groteske Haltung des Juden, der einen Bissen Schweinefleisch zum Mund fuhrt, und im gleichen Augenblick kracht ein Donner. Da ruft er zum Himmel: Wegen eines Stückes, das kleiner ist als eine Olive, erschütterst Du die Welt! Das ist die Judaisierung des bekannten „Taut de bruit pour une omelcttc". Besonders schlau dünkt sich ein Jude, der am Mittag des Versöhnungstages angeklagt wird, soeben sein Kapporohuhn aufgegessen zu haben. Um tlie Anklage zu widerlegen, schluckt er sofort ein Stück Käse und meint: er würde doch nach Fleisch nichts Milchiges zu sich nehmen. Und nicht minder schlagfertig ist jener Geizhals, von dem man einen Beitrag zur Errichtung einer Friedhofsmauer erbittet. Er lehnt ab mit der Begründung- Wozu dem Friedhof eine Mauer? Die drinnen wollen nicht hinaus, die draußen woüen nicht hinein. Die wenigen Beispiele, die wir hier angeführt haben, sind nur wie ein Tropfen aus dem großen Meer der Schätze, die die wissenschaftliche Sammelarbcit bereits zusammengetragen hat. Das Wesen des jüdischen Humors wird damit noch nicht restlos geklärt; aber wir erkennen doch deutlich gewisse Züge, die uns zumindest charakteristisch dünken: lebensvoller Spott, der den Narren einen Narren heißt; Kampf gegen diejenigen, die das Gemeinschaftsleben stören, und im Letzten die Kraft zur Selbstironisierung, jene wertvolle G a b e der Selbstkritik, aus der das jüdische Volk immer wieder seine Kraft zum Neubeginn geschöpft hat. Die Selbstkritik ist die fruchtbarste Ader im Lcbensstrom unseres Volkes. I>. Gerhardt Neu mann Kapellmeister Hans Bernstein dirigierte das Q0 Mann starke Civic-Orchestra in New York und erzielte einen großen Erfolg mit Werken von Beethoven, Berlioz, Borodine und Debussy.

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