Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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?-'»-U JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 12. II. 193? Schach Bearbeitet von J. Mieses Endspielstudie Von A. Nimzowitsch Der leider vor etwa zwei Jahren — im besten Mannesalter und auf der Hohe seiner Leistungsfähigkeit stehend — verstorbene Großmeister Nimzowitsch hat sich ausnahmsweise auch auf dein Gebiete der Studienkoniposition betätigt und eine in ihrer Art ganz rei/ende Studie geliefert. « K e d e f g h Weiß am Zuge ^evuniit L o S U II 1. T t-7—u7 S Im alz hat dum m! 1 -('»Ii,!.! H'u 2. dti —>!7 , "1" i.' i — h 7 cti—c7 ab m; Lösung der Aufgabe ' Nr. 10 1. D,7—a5 T <)2—dl 2. I) aS— i)2 matt. 1...... I <!2- >2 2, T (4—d4 malt. 1....... S a7)<cR 2. D aSXb5 matt. 1...... Sg+—fo 2. 5 ,G—c7 matt. 1...... c3— c2 2. \. 11—g2 matt. 1...... T .12—(13 2. L il—g2 malt. 1...... beliebig anders 2. I. Ii— '. matt. Lösung der Aufgabe N r. 17 1. I. c4™,-6 f7Xe6 2. D c7—ti7 matt. 1...... 14—f 3 2. I)c7—h4 malt. 1...... D b8—c8 2. Dc7—b4 malt. 1...... beliebig anders 2. t. 16—15 matt. Heide Aufgaben w u ril eil richtig g e I ö s t v o n: Theodor Moitek in Osterode, I)r, i;rnst Boehm in Brieg, I i. "I öpfer in Magdeburg, Rosa uml Margot Süssermann in Herün,!)r. Herbert I Hirschberg in Berlin - Gharlottenburg. Ludwig Windniuilcr in 1. im. en. S, Rosenfeldcr in N'ahana-Haifa, L. K. in Pirmasens. Ans jüdischen Sdiathvcroincn Jüdische Scrn-Khlurnicre tu I rankfurt am Main. Die jüdische S. lischveiei:.:.ri:,g '.ir :«e vtn 8. bi- 11. M.i/ zu |..|grn.lrn Vt>r- »••.<ia''<;.._., ,, McMem-haftstumier mit ltSch<k>n» 16 Teilnehmern. Der Sieger erhält den Titel „Jüdischer Schachmeister in Deutschland lür 1137". .— Omer ein „Cieminchte* Turnier", ohne Betchränkung der 1 eilnehmcr/nhl. - I > <■ \ j.ir.i..iiy il. r Turm-'ie nfolgt naeli dem >;e;< : acuten '»--haet/er Syrern, und es Herden in jedem Turnier .-ieben kund- <i <.;,■„• ,,■><. — U,,. T-chii-hmer am MpM.-t-aliafKturnier cih.iaeu kl--1, -i! um .\ :i >!•■.> r b .!r. e, ubien-u S s v; nur. «owfit noch!"•'«• M'MHi.-!,. vi!,,- Vü -"«l. A-im.-.! mgeii an J-i.-giimiid Steinbt-r... I U-:it a.„ M.i.ii. I! in.« .\:V<. 6. Die Jüd. Scha.'hverclnigung Frankfurt Khrtc wh-der vin "ruinier zu Pude. a:i <ji .• 11 :m: de >;.:, kl der 2. tin 1 3. Kla^-i' iciluahmen. Sieger: 2- Kl.» «sc: 1. W.nbvimT «><_, I'.iüWu-; 2. Barr 8 Punkte; 3. Meyer 5«Punkte; 4. S|..-v,r 4f, Punkte; 5.,'ti. S. bloß Seli;;m..nn je 3';'; Punkte: 7. Kl>!u'3 I.....kte; 8. Hing 1 Punkt. -- 3. Klttssc: 1. Wimrr 7 Punkt. : 2. l-Yk-lma-m Punkte; 3. I.elimanu S'.'j Punkte; 4. Laib 4 Punkte; 5,(5. J-tiilwger-Rami je 3 Punkte; 7. Feuer 1 Punkt. Westfalen besiegt Rheinland mit Mi'., :14t'. Punkten. Mehr ab, ii hu :u)tuii!nier waten 4:11 3. Januar einer Auf- 1 n \ 1 „ 1 11 -ehalt muh (i e I :, e 11 - , "1 , ' D, , uni;. M'. 'ik) Ibach und I 1) K 1 k i r e I, ( i \\ II i „ PI 1 . . ih I;nhvii ■:' : w M l\ I „ I ahliiiate . .:.,. a; > \ ( ein Spiel Heil <üe m 1' i in I In .11 1 <'i kk I ' 'an S,h h 1' 1 dil. d r t 1 n 1 1 Ii f 11I 1 1 ' r '< u zu Paläsiina Ani4 JBorliit IIL SfcWtftM ASjBNCV FOa PALIITINI Berlin W 15, Meinekestraße 10. Telefon; Sammel-Nummer J 1 (Bismarck) 9031. Schachwctlkampl /wischen Hakoah Köln und Makkabi .«.-Gladbach am 24. Januar. /.•> 1,,- nu 1 :\tu•.! . ha't-k . nj.1 \\\tu beide Am Mittwoch, dem 17. Februar, sind alle Abteilungen des Palästina-Amts Berlin für den gesamten Publikumsverkehr geschlossen. Am Donnerstag, dem 18. Februar, werden lediglich die auswärtigen Teilnehmer der Palästina-Amts- Tagung empfangen. Palästina-Amt, Abt. Organisation Juden und Jüdisches im Rundfunk Sonnabend, 13. Februar> Paris Nord: 20.30: Uebertragunjaus der (.Vniedie Fiam.abc: „Der polnisehc Jude'' von Krekmann-Charliian. — Strasburg (349), 21.30: „Die Geigenspieler". Operette von Dtienbaeh. Sonntag: 14. Februar: Paus (1648), 17: Eine Stunde biblischer Poesie. Todesfall. Der vor einigen Wochen erfolgte Heimgang des Obermedi/inalrats J. D r e y f u ß, der in einigen pfälzischen Städten, zuletzt in Ludwigshafcn a. Rh., als Bezirksarzt tatig war und die kurze Zeit seines Ruhestandes mit seiner Gattin in Mainz verbrachte, hat in der pfälzischen Judenhcit eine sehr schmerzliche Lücke gerissen. Seit vielen Jahren der zionistischen Bewegung nahestehend, hat er immer dem Gesamtjudentuui seine Kraft und seine Arbeit zur Verfügung gestellt. Ich möchte besonders auf seine Mitarbeit im Vorstande des Israelitischen Altersheim in Neustadt a. d. Hdt. hinweisen. Die Insassen des Heims betreute er als Arzt in einer besonders liebevollen Weise. Bei den Sitzungen im Altersheim fehlte er nie und man hörte immer gerne seinen Rat. Ein tiefemplindendes Gemüt und ein scharfer Verstand waren bei ihm wunderbar vereinigt. Vom Reichtum seines Herzens und aus dem Schatze seines umfassenden Wissens vermochte er viel zu geben. Rabb. Dr. Ernst S t e c k e I b a c h e r, Ludwigshafcn a. Rh. Zum Tode von Dr. Fritz Kassel wird uns geschrieben: In Dr. med. Fritz Kassel, der kürzlich nach langem Leiden im 64. Lebensjahre in Berlin-Wittenau verschieden ist, hat der Zionismus in Deutschland einen setner besten Pioniere verloren, der noch der ersten Periode der zionistischen Bewegung in Deutschland angehörte. Schon in den l)0er Jahren lies letzten Jahrhunderts hatte sich Kassel als junger Student in Berlin den ersten nationaljüdisclien Studentenzirkeln angeschlossen. Anfang dieses Jahrhunderts war er in Ratibor einer der ersten, die den Zionismus in Obersclilesien propagierten. Es gelang ihm trotz heftiger Widerstände, die Zionistische Ortsgruppe Ratibor zu gründen, die er mehrere Jahre als Vorsitzender leitete und die er auch auf dem Hamburger Delegicrtcntag vertrat. Dr. Curt Block (London) Die Kataloge Nr. 4 und 5 der Buchhandlung E. Packter Ec. Drs. (2 de Boerhaavestraat 78, Anisterdam-O.) zeichnen sich durch ihren reichhaltigen Inhalt aus sowie durch die bibliographische Zuverlässigkeit, mit der sie bearbeitet sind. Sie enthalten Werke auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft, außerdem zahlreiche seltene bibliophile Werke und stellen deshalb für Wissenschaftler ein wichtiges Hilfsmittel dar. Mannjefmflcn 15 Spieler. Es entspann «ich ein scharfer Kampf, der scIiüelMii h unentschieden 71,'s; 7'/j endete. Das Ergebnis überrascht insofern, nb die f Urtdbacher seither .stets unterlegen waren. Diese Mannschaft hat sich seil einiger Zeit, unter der Leitung von Hans Flörsheim, gut entwickelt. Die Jüdische Schachvereinigung Breslau ve;an,t;dtctc am 2. Februar ejneu Vortrag ilucs Spitzenspielers J. Ilarnik über: „Jüdische Schachmeister und Wduin.i»ter»eliait-anwärter'. -\ai Ii dem Turnier von Notiingb.iiu 193Ö, das die Uaikskn Spieler der Welt vereinigt •-ah, hätten einige Spieler der jüngsten jtidiwlu'lt Schachgencratiors, besi)jidet.s Hutniniiik, l' iuc, l'iohr und Kcschew 4»y, große -Aussichten auf d;c lariiijjnny des Weltmeist ei tili b. Rechtsanwalt Dr. F. b a t e i n dankte als \oisti/.cnder dem Reieicnlcui für die iniere.ssanlcit Ausfiilu unqen. In d"ui nun bald beendeten ..Fianz-HiMlündcr-Turmcr" tübrt in der 1. Klasse weiter ilarnik ohne Niedcilage mit ßl/j, Punkten bei acht Pallien, wahrend in der 2. Klasse der an der Spitze siebende Sehenirc:" seine Spiele beendet hat. Um die Platze dürften sich in den letzten Partien noch harte Faidkanipfe ergeben. Dbg. KÖLN Montag, 15. Februar, 2030 Uhr, im Gioßen Saal des Gemeindehauses, Cäcilienstraße 18-22 Dt. Michael 7raub "Das jüdische Volk vor der Königlichen Kommission Synagogengemeinde Köln Ortskomiiee der Jewish Agency for Palestine L *••■ •••■•••►•«»»■•»ti»!»»» n>Hi«Hiift|M«t|iHHii>«ininH|iMii»itiinmmiHi«aHi'nia»i»" Der Turm von Babel. In der Vorderasiatisch-Aegyptisehen Gesellschaft in Berlin sprach Professor Dr. O. R a v n (Kopenhagen) über das Thema „Der Turm zu Babel". Der Redner führte aus: Die philologisch-archäologische Auslegung der hebräischen Erzählung ergibt, daß der Schreiber zwar geographische und kulturelle Kenntnisse von der weiten südniesopotamischcn Aüuvialcbenc besessen haben muH, die aber nicht unabweisbar zu dem Schiuli zwingen, daß er etwa durch eigenen Anschein die groben Sikkaruts, die bergähnlichen babylonischen Tempel, gekannt hat. Die biblische Erzählung weiß wohl von dem Namen Babel, der aber mit dem kultischen Wort „halal"', d. h. Diircheiuandeirühruug, zu verbinden ist. Wir kennen zwar aus Mexiko und Afrika Sagen von einem Riesenbau und seiner Zerstörung. Der hebräische Text stellt nicht den Turin in den Vordergrund, sondern die Ueberleguiigeu Gottes. Außerdem sind in Palästina Stadtburgen aus der jüngeren Steinzeit freigelegt wurden, die den Worten der Erzählung entsprechen können. Die Assyriologie vermag festzustellen, daß der Urheber der Legende auch von den Ziegelbauten in Babylon wußte, aber wahrscheinlich nicht von Babylon inspiriert wurde, da der Name Babel völlig umgedeutet wird und eine Erklärung für die Verschiedenheit der Sprachen gegeben werden soll. Zeitschrift „Palästina", Herausgeber (i. FT.) Adolf Böhm, Wien. Die erste Nummer des zwanzigsten Jahrgangs ist den Fragen des Zusammenlebens mit den Arabern gewidmet. Die wirtschaftlichen Beziehungen beleuchtet M. Ettinger- Itter in seinem übersichtlichen Aufsatz: „Die jüdischarabische Zahlungsplan z". Michael Assaf gibt in seiner „Kritik der arabischen Bewegung" Aufklärung über deren Wurzeln. Daran schließt sich eine möglichst genaue Wiedergabe der Auseinandersetzungen vor der Königlichen Kommission. In der ersten Rundschau werden in Politik von a. b. die verwickelten Vorgänge und Fragen der politischen Bewegung in der Levante erörtert und Spectat or gibt in Jewish Agency einen Bericht über den Hintergrund der Sitzungen der Königlichen Kommission. Daran schließt sich der allmonatliche Bericht über Wirtschaft von Dr. A. Michaelis. Iis folgen reichhaltige Nachrichten und Daten. DÜSSELDORF Sonnabend, 13. Februar, 20.30 Uhr Kettelerheim, Lindenstr. 178 (strb. 3, e, 12. U) Dr. Joachim Prinz Schicksalstunde des jüdischen Volkes Zionistische Ortsgruppe Düsseldorf ANTWORTEN DER REDAKTION „Berliner Taßeblatt"-Leser. Sic machen uns darauf aufmerksam, daß in der Würdigung des „B. T." zum 70. Geburtstag von Prof. Max Dessoir ein Hinweis auf seine Abstammung fehlt. Es ist richtig, daß Desaoir der Sohn des berühmten Hofschauspielers Ludwig Dessoir ist, der ursprünglich Dessauer hieß und bereits als Kind getauft worden ist. Hochzeit am Hofe von Ger C.hnssidisdics Lehen in dieser Zeit Im Kreise der G e r e r C I; a s s i d i m gab es eine kleine Sensation: ein Enkel des Rcbbe hielt! loih/eit. Es war nur eine kleine Sensation, denn der Rcbbe hat vier Söhne und vier Tochter, deren Kinder jetzt alle in heiratsfähigem Alter sind, und so ist das H»elizeitftieni am Gercr Hofe keine Seltenheit. Aber die-e Iii irat, kurz vor den hohen Feiertagen, war doch Sensation genug, um viele hundert Chassidim nach Ger zu loikui, und au. Ii die rSc 1. iitci s.aller mancher jüdischen Zeitung ließen sieh die Gelegenheit nicht entgehen, einmal etwas Fiöliücheres zu berichten, als sie gewöhnlich mitzuteilen haben, i'ml doch machen auch diese Schilderungen keinen ungetrübten Eindruck; sei es, daß die Ereignisse des allgemeinen jüdischen Lebens in dieser Zeit ihre Schatten auch auf diese „Oasen" werfen, sei es, daß man selbst freudige Ereignisse heutzutage anders sieht, — aber immerhin dürfte auch das Bild des chassidischen Lebens interessant genug sein, um auch hier wiedergegeben zu werden. Ger, polnisch: Gora Kalwarya, liegt unweit von Warschau, mit einer Kleinbahn fährt "man in anderthalb Stunden hin. in der „Hochsaison", vor dem Neujahrstag und dem Versühnungstag, ist die Kleinbahn gewöhnlich mit Anhängern des Rebben überfüllt. Seit der Zeit „des Gerer", Rabbi J i z. c Ii a k M e i r, der lSbb starb, ist Ger eine der großen chassidischen Residenzen, und auch der jetzige Gerer Rcbbe ist eine ungemein einflußreiche Persönlichkeit nicht nur im polnischen Judentum, einer der maßgeblichsten Führer der Orthodoxie und der Agudas Jisroel, deren Entscheidungen nie ohne seinen Rat getroffen werden. Die kleine Stadt Ger ist nicht durchaus eine Judenstadt, die 700 jüdischen Familien, die da leben, sind die Minderheit der Einwohnerschaft. Wovon leben diese 700 Familien? Ihre Haupteinnahmequclle ist der Flof des Rebben. Der vergangene Winter war für die Gercr Juden katastrophal, weil der Rebbe eine Palästina-Reise machte. Es war eine regelrechte Hungersnot, in vielen Häusern gab es nicht einmal Kartoffeln. Man muß bedenken, daß es in Ger kein größeres jüdisches Geschäft gibt, die Juden haben kleine Kramläden und kleine Werkstätten, und seit Jahren schon ist die Geschäftslage so miserabel, daß diese kleinen Geschäftsleute und Handwerker regulär bestenfalls die Hälfte ihies Bedarfs decken können. Ohne den chafsidischen Hof kann in Ger niemand leben, die chassidischc Fremdenindustrie ist die einzige Rettung. Zu den Feiertagen kommen durchschnittlich 6000 bis 7000 Chassidim nach Ger, dann reichen die zwanzig „offiziellen" jüdischen Herbergen natürlich nicht aus, um die Gäste zu fassen, in jedem jüdischen Haus gibt's Logiergäste, und so billig sie da auch wohnen und essen, so bleibt den Wirten doch noch genug dabei, um einige Schulden zu zahlen und etwas für den Winter zurückzulegen. Am Nachmittag vor der Hochzeit machte Ger bereits einen festlichen Eindruck. Nur wenige Bachurim sitzen um die Tische im großen Beth hamidrasch des Rebben, die meisten stehen draußen in Gruppen. Sic tragen lange Kaftane, hohe Stiefel und ungewöhnlich lange Schläferilocken. Das ist sehr auffällig und hat seine Geschichte. Vor einigen Jahren noch pflegten sich die jungen Leute in Ger „modern" zu machen, indem sie die Schläfenlocken hinters Ohr kämmten. Der Rebbe wurde darauf aufmerksam, schalt die Schüler, ob sie sich am Ende gar schämten, und seitdem hält die Gerer Jugend es für eine Ehrenpflicht, die Schläfenlocken so lang und auffällig wie möglich zu tragen. Es ist bemerkenswert, daß diese jungen Leute, die Bachurim, sich in der Mehrzahl aus den vermögenden Schichten der Chassidim rekrutieren. Die meisten sind weniger als 2i) Jahre alt, Söhne und meist auch Schwiegersöhne kapitalkräftiger (für riolnische Verhältnisse) Kaufleute, und man sorgt sich nicht darum, ob sie einmal einen Beruf ergreifen sollen, sie lernen nur „Lernen". Der Hof füllt sich immer dichter mit jüngeren und nun auch älteren Chassidim, eilig kommt ein Schammes mit zwei Tellern voller Kuchen, einer die Arme voll Branntweinflaschen, nun füllt sich auch der Warteraum, in dem man gewöhnlich auf Einlaß zum Rebbe wartet, und jetzt kommt der Bräutigam. Ein junger Mann in seidenem Kaftan, einen hohen Hut auf dem Kopf, und ihm folgt ein Schwärm von Chederknaben, die die feine Seide seines Kaftans bestaunen. Sofort ist er umzingelt von Chassidim, die ihm den Scholern- Gruß geben, und dann setzt man ihn an den langen Tisch, die Gabbaim fordern teilweise sehr energisch jung und alt auf, sich gleichfalls zu setzen, es gibt Schnaps und Kuchen, Bachurim erzählen „Wörtchen", und der Bräutigam lächelt verlegen. Der Bräutigam heißt Dan Alter, sein Vater, Reh Itsche MeTr Alter, ein Sohn des Rebben, ist Buchhändler in Ger. Man spricht von der Gercr Sitte, sich nicht bloß mit chassidischen Rebbe-Faniiiien zu verschwägern, sondern auch die finanzielle Seite zu berücksichtigen, und der Schwiegervater des jungen Bräutigams soll ein reicher Lodzer Kaufmann sein, der seiner Tochter ganze 23 000 Zloty mitgibt, iWas wird der Bräutigam mit dein Geld anfangen?, fragt einer. Keine Sorge, das Geld wird in eins der Geschäfte des Rebben investiert werden. Tatsächlich ist der Gerer Rebbe ein großer Geschäftsmann, und denen, die ihm das verübeln möchten, ist nur zu sagen: der Rebbe nimmt von seinen Chassidim keinen Pfennig an. Kommt ein Chassid zum Rebbe, so läßt er erst im Vorraum ein „Quittel" schreiben, wird dann für einige wenige Minuten vorgelassen und darf, wenn der Andrang nicht zu groß ist, den Rebbe wegen all seiner Sorgen interpellieren. Daun zahlt er dem Quittelschreiber eine kleine Münze, sonst aber nichts. Der Rebbe deckt den recht beträchtlichen Bedarf seiner großen Hofhaltung aus den Erträgen sejner Geschäfte. Er besitzt in Ostpolen große Waldungen und ist außerdem an verschiedenen geschäftlichen Unternehmungen in Warschau und Lodz beteiligt. Gelegentlich seiner Palästina-Reise im letzten Winter hat er auch dort Grundstücke und ein Haus in Tel-Awiw gekauft. So ist er nicht nur auf die Chassidim nicht angewiesen, sondern er unterstützt noch die Bedürltigen unter ihnen. Viele Chassidim schlagen ihm vor, sich an ihren Unternehmungen zu beteiligen. Aber woher nimmt der Rebbe die Zeit für alle diese Dinge? Seine Tageseinteilung ist folgendermaßen. Er steht jeden Morgen um t/.o l'hr früh auf und lernt dann drei Stunden. Gegen 8 Uhr wird das Morgengebet verrichtet. Von 10 bis 12 Uhr vormittags und von 4 bis 6 Uhr nachmittags empfängt er die Chassidim, bespricht mit ihnen ihre privaten und auch ihre geschäftlichen Sorgen; in diesen Dingen soll er vorzüglich orientiert sein. Abends wird wieder gelernt, und dann erst widmet er sich seinen eigenen Angelegenheiten. Obwohl er längst die Siebzig überschritten hat, nält er diese Tagesordnung unbeirrbar durch und überwacht noch heute jede Einzelheit in all seinen verschiedenartigen Unternehmungen. Nur an Festtagen wird der übliche Tageslauf durchbrochen. Am Hochzeitstag empfangt der Rebbe keinen Chassid, nur unmittelbar vor der Trauung werden einige bevorzugte Gäste vorgelassen. Da geht Rabbi Abraham Mordechai Alter eilig im Zimmer auf und ab, begrüßt die Eintretenden und lächelt. Er hat trotz seinem Alter eine imponierend aufrechte Haltung, und sein Gesicht ist voller Heiterkeit. Gegen 0 Uhr abends sind endlich alle Vorbereitungen getroffen, alle Verwandten und Freunde versammelt. Die lange Tafel im Beth hamidrasch, an welcher der Rebbe obenan sitzen wird, ist schon vorher mit mehreren Reihen von Chassidim und älteren Bachurim umstellt. Die jungen Bachu-