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Jüdische Rundschau · 1937-02-12 · Heft 12 (12.2.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 12 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JTDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 12. II. 1937 Jüdische Märchen Kaiser Joseph IL Emst Benedikt! „Kaiser Joseph II." Verlag Gerold & Co., Wien 1936. Im Geschichtsbewußtsein der Juden nimmt Joseph II. eine ganz besondere Rolle ein. War er doch der erste Fürst in Europa, der durch sein berühmtes Toleranzedikt, durch die Abschaffung des Leibzolls und ähnlicher Einrichtungen wenigstens äußerlich der Judenschaft der österreichischen Monarchie die Grundlagen eines neuen Lebens bereitete. Joseph ist eine sehr interessante Gestalt, und mit Recht macht sein neuester Biograph Benedikt darauf aufmerksam, daß man trennen müsse zwischen dem reinen Wollen dieses Monarchen und den Fehlschlügen, die seine innere und äußere Politik aus mancherlei Gründen erlitten. Sehr eingehend legt der Verfasser die Entwicklung Josephs dar, und es zeigt sich dabei, daß er von frühester Jugend an — im Gegensatz zu seiner Erziehung — für Toleranz schwärmt; als er Mitregent seiner Multer Maria Theresia wird, führt er einen dauernden Kampf um die Gleichstellung der Protestanten mit den Katholiken in Oesterreich, eine Entwicklung, die er erst als absoluter Herrscher vollenden kann. Dabei ist Joseph ein innerlich kühler Mensch, der allen Menschen, und auch den Juden, sehr fremd gegenübersteht. Dubnow weist darauf hin, welche unerfreulichen Bestimmungen das Tolcranzedikt enthielt; aber andererseits ist es richtig, wenn Benedikt feststellt: „Die Schlacken der Unvollkommcnheit haben die überströmende Huldigung für den Befreier nicht gemindert"; denn die Ausstrahlungen dieser Politik erstreckten sich noch bis ins Jahr 1848. Und auch Benedikt erkennt an, daß es im Grunde Nützlichkeitserwägungen waren, die Joseph zu seiner Judenpolitik führten. Er wollte keine verarmte Schicht; er schätzte die Juden, wie er in einer Rede im Staatsrat sagte, als Konsumenten: Ich habe sie ais Handelsleute betrachtet, die sich mit einem sehr kleinen Gewinn begingen, die schlechten Waren umtauschen und viel Geld in Umlauf bringen." Auf seinen zahlreichen Reisen durch die Provinzen des Reiches lernt Joseph die Juden in Galizien und in anderen Teilen des Landes kennen, und in einem Schriftstück an Graf Brigido in Lemberg vom b. Mai 1787, das Benedikt zum erstenmal veröffentlicht," spricht sich der Kaiser dafür aus, die Juden zum Ackerbau zuzulassen, und er ordnet an, daß den zur Siedlung entschlossenen Juden „ohne weiters ein Vorschuß von 50 fl. tur jede Familie zur Anschaffung der nötigen Gerathc ah aerario zu verabreichen" sind und ihnen auch Hoden zuzuweisen ist. Bekanntlich gib es ja noch heute in diesen Gegenden nicht wenige ackerbautreibende judische Familien. In den ebenfalls erstmalig publizierten Reisenotizen des Kaisers zeigt sich, daß er für judische Dinge ein ebenso offenes Auge hatte wie für andere. Auf einer Jjeise durch Galizien im Jahre 1771 besucht er in Brody die Synagoge und findet sie „sehr schön und groß"; nach dem Essen gibt er den jüdischen Handelsleuten eine Audienz zur Beratung über ihre Auslandsgeschäfte. Auf seiner holländischen Reise im Jahre 17S1 besucht er die Synagoge der Portugiesischen Juden in Amsterdam, „so in der Runde gebauet und besonders schön ist". Unter den wenigen geistigen Köpfen des damaligen Oesterreichs taucht die Gestalt Josefs von Sonnenfels auf, des Sohnes eines Rabbiners in Nikolsburg, der trübzeitig getauft und geadelt wurde und das Rechtsdenken der Zeit entscheidend mitbestimmte. Ein lesenswertes Buch, das auch in dem jüdischen Leser eine Fülle von Vorstellungen über den Weg von der Emanzipation zur Assimilation erweckt und wichtige Erkenntnisse vermittelt. Dr. N. Die Amsterdamer Diamantarbeiter H. Heertje: De Diamantbewerkers van Amsterdam. Verlag D B. Ctnten's Uitgevers-Maatschappij N. V. Amsterdam 1C36. Es gibt nicht viele Arbeiten, die mit den Mitteln moderner soziologischer Wissenschaft wichtige Teilgebiete des jüdischen sozialen Lebens zur Darstellung gebracht haben. Und abgesehen von dem großen umfassenden soziologischen Werk Ruppins haben wir meist nur Untersuchungen über ostjüdischc Verhältnisse. Dagegen weiß man von den Westjuden in soziologischer Beziehung nicht allzu viel. Eine bedeutsame und interessante Erscheinung unter den westeuropäischen Juden ist das Bestehen einer jüdischen Arhcitcrschicht in Amsterdam, unter denen die Diamant- Bücherstube, Hamburg, I Mod. Literatur — Megilloth, Purimtheaterbogen | arbeit er von jeher eine besondere Stellung eingenommen haben. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß H. Heertje es unternommen hat, die sozialen Verhältnisse dieser Arbeiterruppe — da ehe Diamantarbeiter überwiegend Juden sind, ■mclelt das Buch auch fast ausschließlich von den jüdischen Arheitern — einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen und uns die Ergebnisse in ausführlicher Beschreibung vorzulegen. Nicht nur die geschichtliche Entwicklung der Diamantindustrie und ihrer Technik, sondern auch die Geschichte der Organisation der Diamantarbuter und der heutige Stand werden dargestellt. Besonders aufschlußreich sind aber die Untersuchungen über Lebensweise und soziale Zustände unter der Diamantarbeiterschaft. Familienleben, Wohnungsverhältnisse, Gesundhcitsverhäitnisse, Freizeitgestaltung, Stellung zur Religionsgemeinschaft und zum politischen Parteiwesen sind die Stichworte, die zeigen, was in Heertjos Buch zu finden ist. Für die weitere Arbeit auf diesem Gebiet wird auch das Literaturverzeichnis wertvoll sein, das zahlreiche in Vergessenhei' geratene Zeitsehriftenartikel enthält. R. L. Literarische Notizen Der französisch-jüdische Historiker Albert Le'vy hat eine „Geschichte der Juden in Bayonne" veröffentlicht. Im Saturn-Verlag Wien erschien eine Publikation von Dr. W. Eliasberg unter dem Titel „Arzt und Propaganda", ein Stuck medizinische Soziologie aus der ärztlichen Wirklichkeit. Der Verfasser behandelt in dem Buch ein für das moderne Leben sehr wichtiges Thema und beleuchtet es von den verschiedensten Gesichtspunkten gleichzeitig belehrend und amüsant. „Sherstons Progreß" heißt der dritte Band von Siegfried Sassoons Kriegsroman-Trilogie, der kürzlich bei Faber in London erschienen ist. Das Warschauer jiddische Experimentiertheater Junge Bühne gab Georg Büchners „Wozzek". Die Uebertragung ins Jiddische hat Itzig Manger besorgt, ein junger Dichter, von dessen Lyrik Mascha Kaleko hier kürzlich einige Proben vermittelt hat. Kurt Katsch, früher im Berliner Kulturbund, führt Regie und spielt die Titelrolle. Musik: Henoch Kohn. Der Komponist Edvard Moritz gab „Acht Klavierstücke nach jemenitischen Motiven" heraus. Die Stücke sind anspruchslos, jedoch durchaus neuartig bearbeitet, so daß die Struktur der Melodie nicht verloren geht und trotzdem eine konzertante Wirkung bleibt. Ludwig Strauß: Die Zauberdrachenschnur. Märchen für Kinder. -- Schockcn-Bücherei 69. Jeder jüdische Dichter unserer Tage, dem das Glück zuteil ward, ins Land Israel zu wandern und dort Wurzel zu fassen, steht vor der Frage: wird es mir gelingen, mein Werk, das bisher in der Sprache meiner eigenen Ktnderzeit mühelos sich aussprach, von nun an in der Sprache m einer Kinder und in ihrer Welt weiterzuführen? Wir alle wissen, daß vor nicht langer Zeit manches dichterische Erzeugnis erst durch die Vermählung mit dem alten Mutterboden des Landes Israel erwuchs und reifte; so ging es etwa den vielbesungenen Liedern der Rachel Bluwstein, die erst im Lande selbst von den Kindern in Rechowoth und aus der Bibel hebräisch sprechen gelernt hatte. Aehnliche Wandlung etwa vollzog sich im Leben jener neujüdischen Lyrikerin, die man unter dem Namen Elischewa kennt; sie kam aus noch entfernteren Gebieten, aus der katholischen Welt Rußlands zu jüdischem Leben und jüdischem Schaffen. Unter den vielen, die in den Popuiärw issenschaftlidie Literatur in Palästina Der Verlag Rubin Maß, Jerusalem, hat mit der Herausgabe einer populärwissenschaftlichen Bibliothek in hebräischer Sprache begonnen. Die wichtigsten Gebiete aus Wissenschaft und Technik sollen zur Darstellung gelangen, so daß dem Jugendlichen und Laien eine von ersten Fachleuten gebotene allgemeinverständliche Orientierung ermöglicht wird. Der 1. Band der Reihe heißt: „Lehre vom Radio (Torath haradio), Grundlagen der Elektrizitätslehre, der Schwingungen und der Akustik" von Dr. N, Robinsohn vom Technikum in Fiaifa. Er enthält, wie der Untertitel ankündigt, außer einer Einführung in die wichtigsten Erscheinungen der elektrischen Schwingungsiehrc auch eine ziemlich ausführliche Erörterung der Grundlagen der Elektrizität und der Lehre von den Schwingungen. Den in klarem, leicht verständlichem Hebräisch geschriebenen Text begleiten eine Reihe einfacher Skizzen zur Veranschaulichung der elektrischen Grundversuche und Schaltungen, sowie Tabellen. Besonders dankbar wird man für den Anhang sein, der, von Ingenieur S. G o 1 d b e r g vom Waad Halaschon mit Anmerkungen versehen, eine Uebersetzung der hebräischen Fachausdrucke ins Englische, Deutsche und Russische gibt. Dient der 1. Band der praktischen Orientierung des Lesers, so will der zweite ihm einen Einblick in die Welt der modernen Physik gewähren. In der Tat ist die Besprechung der verschiedenen „Erseheinuntrsformen der Energie in der Natur" — so lautet der Titel des von Prof. A. Tscher niawski verfaßten Buches — besonders geeignet, den Außenstehenden mit einigen Fragen und Theorien der heutigen Naturwissenschaft bekanntzumachen. Die ersten Kapitel dienen der Klärung und Veranschaulichung der physikalischen Begriffe von Arbeit und Energie; dabei glückt es dem Verfasser durch Zahlcnverglcich und Umrechnung die Brücke zu schlagen vom Alltäglichen zum Unbekannten, etwa der Atom- oder Sternenwelt. Die Besprechung der Zusammenhänge zwischen Energie und Masse (eine Frucht der modernen Molekularphysik); Probleme der Atom- Kurz angezeigt Hans Margolius: „Ideal und Leben". M. & H. Marcus Verlag, Breslau 1936. In sechs Gesprächen sucht der Verfasser die Antinomien des menschlichen Lebens darzulegen: Ideal und Leben, Sympathie und Ordnung, Reiz und Wert, Sehnsucht und Gemeinschaft, Ethos und Werk, Problem und Interesse sind die Themen, um die sich die Unterhaltungen drehen. Die Form der Dialoge ist nicht immer dem philosophischen Gegenstand angemessen, und vor allem wird dem Leser bei diesen Auseinandersetzungen nicht immer klar, worum es dem Verfasser eigentlich geht. Dali kein entschiedener Standpunkt des Autors vorhanden ist, erschwert die Lektüre zweifellos. Andererseits beruht der Reiz, der Gespräche in der Fülle der Meinungen, die aufeinanderprallen und selbst ohne endgültige Lösung etwas von der Buntheit des reflektierenden Lebens widerspiegeln, das es in vielem schwerer hat als das vitale Leben, weil es sich nicht so robust entscheiden kann wie dieses. Franz Michael Willam: Das Leben Maria, der Mutter Jesu. Herder Co. Verlag, Freiburg 1936. Von dem Verfasser des bekannten „Leben Jesu" ist ein umfangreiches Werk über das Leben Marias erschienen, das von den Gegebenheiten des Landes Palästina, das der Verlasser gut kennt, und den Volksbräuchen im alten Israel ausgehend eine Darstellung dieses Lebens gibt. Die Einbettung der Erzählung in die israelitische Volkskunde ist für uns von besonderem Interesse. Auch die Illustration mit Bildmaterial aus dem arabischen Leben von heute ist erwähnenswert. Das Problem der Soziologie des Wissens. Von Ernst G r ü nw a 1 d. — Wilhelm Braumiillcr, Wien. Dieses Buch stammt von einem jungen Wissenschaftler, der im Jahre 1933 als Opfer eines Bergunfalls im Alter von 21 Jahren verschieden ist. Das Manuskript ist nach dem Tode des Verfassers herausgegeben worden und stellt eine Studie dar. die der Verfasser wohl selbst bei Lebzeiten nicht veröffentlicht hätte, da er an die Fortführung der Arbeit dachte, die als Beifrag zur Klärung wissensso/iologischer Fragestellung nach dem Tode des Verfassers jedoch, der schon In früher Jugend große Begabung zeigte, veröffentlichenswert war. Die Verbreitung der Juden in der Welt. Von Friedrich Hermann Zander. — Robert Kämmerer Verlag, Bcrlin-Charlottenburg 4, 1937. In diesem Buch wird eine Uebcrsicht über die zahlenmäßige Verbreitung der Juden in der Welt gegeben, wobei der Verfasser in der Hauptsache die wichtigsten jüdischstatistischen Quellen benutzt. Das Buch vermittelt eine gute Uebersicht über alle Länder, in denen überhaupt Juden leben, und insbesondere auch eine Uebersicht über die Verbreitung der Juden in den einzelnen deutschen Landesteilen bzw. in den deutschen Städten nach der Volkszählung von 1933. Es ist klar, daß insbesondere diese letzteren Angaben heute m einem erheblichen Teil schon überholt sind. Allerdings liegt ein Mangel des Buches darin, daß es sieh damit begnügt, die Zahlen zu nennen, ohne auf die historischen Entwicklungen einzugchen und auch ohne die sozialen und ökonomischen Verhältnisse zu untersuchen, was nur in wenigen Worten im letzten Abschnitt geschieht. Ein Anhang bringt das Zahlenmaterial über die Verteilung der Juden auf Länder und Städte der Welt sowie auf die einzelnen deutschen Orte und Bezirke. letzten Jahren zur Alijah kamen, ist Ludwig Strauß einer der wenigen, denen es gelang, in ihren neuen Werken etwas von der Luft und dem Licht des Landes einzufangen und zur Gestalt zu ballen. So erschien es schon in seinem Gedichtband „Land Israels"; so auch klingt es jetzt aus seinen Märchen, die auf der schwanken Brücke zwischen Gestern und Heute, zwischen West und Ost ein buntes Leben führen. Märchen für Kinder nennt er sie; an die Kinder der Einwanderer aus Deutschland dürfen wir wohl dabei denken. Denn diese Märchen sind zwar in seiner alten gepflegten deutschen Prosa geschrieben, aber tief eingetaucht in palästinensische Landschaft und Sagenwelt. Selbst seine Märchcnnamen öffnen den Kindern eine Pforte zur hebräischen Sprache: mit dem guten Zauberer Madualo und dem bösen Zauberer Lama Madua werden die Kinder gern in das Riesenreich Auakia und das Zwergenreich Gamadia wandern; und daß sie ab und an auch von Kasper und dem Tannenbaum und der Ruhr mit ihren Bögen hören, das ist recht und gut. B. B. St Zertrümmerung; Fragen des Energiehaushalts der Gestirne bilden die Hauptthemen des Buches. Der 3. Band der Sammlung heißt „Jediath-ha-Karka — Entstehung und Eigenschaften der Böden, sowie ihre besondere Rolle in der Landwirtschaft". Ein besonderer Band wird sich mit den palästinensischen Verhältnissen beschäftigen, die in diesem allgemeinen Zusammenhang nur gestreift wurden. Das ganz vorzügliche Buch (mit hebräischem Fachwörterverzeichnis, Literaturübersicht und einer Reihe Tabellen) sei allen empfohlen, die an Problemen des Bodens, Klimas und Anbaus interessiert sind. Z. Silberstein nla'SrtB niTSlR — („weise machende Buchstaben") — heißt der hebräische Lesekasten für unsere Kleinen (von Dr. M. Wos k i n - N a h a rta b i), den der Verlag Rudolf Schick & Co. in Leipzig herausgebracht hat. Der Kasten wird mit großer Freude begrüßt werden, denn er bedeutet eine wichtige Bereicherung unseres hebräischen Lehrmaterials. Mag auch die Ausstattung eine Höherentwicklung noch zulassen, — seine Vorzüge sind groß und mannigfaltig. Die Konsonantentäfelchen in ihren klar gekennzeicheten Fächern tragen deutlich die prachtvollen Formen der Frank-Rühl- Type. In kleinen Seitenfächern schmale Streifchen mit n'kudoth, die (schneller verlierbar) von den Kindern mit Leichtigkeit ergänzt und vermehrt werden können. Die Rückseite jeder Konsonantentafel trägt den gleichen Buchstaben in Kursivschrift — eine weitere große Annehmlichkeit (besonders, wenn die Schreibtypen in einer späteren Auflage — in Form und Proportion und in Anpassung an die Literatur — mit der hier gebräuchlichen Schulschrift völlig in Einklang gebracht werden). — Dem Lesekasten ist eine interessante (vierseitige) kleine Schrift beigegeben, in der besonders die methodische Anleitung für den ersten Unterricht im Lesen manch wertvolle Anregungen enthält. Der gelehrte Herausgeber, zugleich voll Verständnis für die Gesetze der Kindessecie, ist Gegner jeder Buchstabiermethode und gestaltet die Lesestunde zur Singestunde. — Dankbar werden die Kleinen die neue Gabe benützen. Else Jncobus Stimme aus Oesterreich zur Judenfrage Prof. A. Drexel: „Die Judenfrage in wissenschaftlicher Beleuchtung". — Universitäts-VerTag Wagner in Innsbruck. Der Leiter des Instituts für Rassenforschung an der Innsbrucker Universität, Prof. A. Drexel, äußert sich in dieser Broschüre zur Jtidenfrage und ihrer Lösung. Er schildert zunächst die Tatsache der Judenfrage, insbesondere auch nach der wirtschafrsnolitischcn Seite hin, und behandelt dann das rassenbiologische Moment und das Verhältnis des Judentums zum Wirtschaftsleben, um sodann das Problem der Lösung der Judenfrage anzugreifen, wobei er wohl an spezifisch österreichische Verhältnisse denkt. Er erörtert dabei die Möglichkeiten der Angleichung, der Ausscheidung und der Absonderung und kommt auch auf den Zionismus zu sprechen, von dem er glaubt, daß seine Aussichten „ungünstig, ja beinahe vernichtend" sind, weil er meint, daß der Zionismus den Wirklichkeitsfaktoren entgegengesetzt sei und daher scheitern müsse. Drexel behauptet, daß die jüdischen Ansiedler zum größeren Teile unfähig zum Ackerbau seien. Auch fehle der Idee die Basis, da das religiöse Judentum immer seltener werde und der Begriff des Volkstums mangels rassischer Einheitlichkeit der Juden nicht genüge. Schließlich führt er das arabische Problem als Gegenargument gegen die Verwirklichung des Zionismus an. Jedenfalls zeigt sich hier wie auch an zahlreichen anderen Punkten der Schrift ein weitgehender Mangel an Verständnis für das wirkliche Problem. Drexel selbst meint, daß es jedem Land und Volk überlassen bleiben müsse, ob und wie es zur ludenfrage Stellung nehme. Die Lösung müsse von den Grundsätzen der Menschlichkeit bedingt sein. Die Uebcrwindung des Judentums durch „Veredlung der Geister" sei unmöglich. Der gangbarste Weg führe zwischen den Wegen der Assimilierung und Eliminierung hindurch, d. h. er bestehe in einer Absonderung im Sinne einer Einschränkung und im Sinne einer klaren Trennung der Personen, Sachen und Beziehungen beider Teile, d. h. des Wirtsvolkes und des jüdischen Elementes. Professor Drexel, der in erster Linie an österreichische Verhältnisse denkt, fordert, daß die hierher gehörigen Bestimmungen in einem Judengesetz zusammengefaßt werden sollen. Dem Antisemitismus gibt Drexel den Sinn der Wahrung der rassenbiologischen Reinheit und des wirtschaftspolitischen Schutzes des angestammten Volkes. —n. Francois de Pomiare: Die fröhliche Kunst des Kochens. Mit 33 Zeichnungen. Berlin, Bruno Cassirer Verlag. Dieses Kochbuch ist zwar nichts für das jüdische Haus, denn es ist nicht auf jüdisch-rituelle Küche zugeschnitten. Aber wenn man lernen will, wie amüsant über Kochkunst geredet werden kann und wie ästhetisch und zweckmäßig man Rezepte geben kann, dann nehme man sich ein Vorbild an diesem von H. Rey entzückend illustrierten Buch. Es ist diktiert von der Fürsorge für den Geschmack des Gastes, also ein Buch der Gastfreundschaft. Die PeßaclibroschOre des Brit Hartoar schal Zeire Misrachl von Bernhard S. Jacobson enthält einen Arbeitsplan und eine Stoffsammlung für die Behandlung des Peßachfestes in der Schule und in der Bundesarbeit. Sie dient auch zur Vorbereitung des Sederabends. Die Broschüre ist für 0,50 RM. zuzüglich Porto bei der Bundesleitung des Brit Hanoar zu beziehen.

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