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Jüdische Rundschau · 1937-02-12 · Heft 12 (12.2.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 12 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Rundschau Nr. 12, 12. II. 1937 Der Weg der türkischen Juden Von unserem Berichterstatter Istanbul, Anfang Februar Das Judentum in der Türkei, das eine große historische und kulturelle Vergangenheit hinter sieh hat und bis in die jüngste Zeit ein reges jüdisches Leben besaß, befindet sieh in einer Periode unverkennbaren Niedergangs. Noch vor einigen Jahren erschienen in der Türkei vier jüdische Zeitungen, und jetzt ist-dieses gau/e Leben wie ausgelöscht. Das türkische Judentum ist stumm geworden. Ls gibt kein Symptom dafür, daß die „Krankheit" durch eine organische Degeneration hervorgerufen worden sei; das türkische Judentum welkt vielmehr infolge Fntkräffting dahin; es verhungert, weil sich niemand darum kümmert; es leidet unter einem chronisch gewordenen Hebel -■ dem völligen Fehlen von Führern. Fs ist wie eine Herde ohne Hirten; es zerfallt, da es ohne Leitung ist. Auf dem Gebiete der F. r / i e h u n g bietet sich uns hierfür ein tragisches Beispiel: Schulen mit einer langen Vergangenheit sind geschlossen worden; die Stadt Brussa mit ihren mehreren tausend Juden besitzt seit zwei Jahren keine jüdische Schule mehr. Man hat im Ausland vielfach behauptet, die türkische Regierung habe die jüdischen Gemeinden gezwungen, ihre Schulen zu schließen; aber in Wirklichkeit ist solch ein Zwang niemals von den Behörden ausgeübt worden, sondern die jüdischen Not.ahtln von Brussa haben sich einfach entschlossen, die judische Schule aufzugeben, um ... sie nicht finanziell erhalten zu müssen. Juden schließen ihre Schule aus Geldgründen: dies ist ein Merkmal für die Epoche, in der wir in der Türkei leben, und für die Oberflächlichkeit der jüdischen Anschauungen der Notabein, die '-ich als Führer aufspielen, ohne dazu berufen zu sein. Hunderte von Kindern sind jeder jüdischen Schulbildung beraubt. Leider M das Beispiel von Brussa auch von arideren Gemeinden b* foigt worden; mau kann sagen, daß d i e g a n / c P r o v i n z k c i n e j u d i s c h e n S c h Ii 1 c n in e!i r besitzt; selbst die judeureichen Vorstädte Istanbuls hallen diesem Vorbild nachgeeifert Balat, das eine so reiche jüdische T-adition hat. hat /. B. seine Schule zugemacht 1 I >•'•* türkische Judentum lebt in einer Periode der Liquidation. Man hat den Weg bei der Sihule begonnen und geht ihn konsequent weiter, I ine lüstor^che Position nach der anderen wird geraum!; der A s s i in i 1 a t i o n s p r o z e ß schreitet rasch fort, und nichthalt ihn auf. Dieses Judentum wird s\--Ii mensch seines Inhalts entleert, und der Tag scheint nicht fern zu sein, da wir nur noch ein Gerippe vor uns haben werden. Nach dem Abwerfen des jüdischen Ballastes beginnt diese Gemeinschaft auch, sieh den „Notwendigkeiten" der Zeit" anzupassen, indem sie ihre jüdischen Namen in türkische umwandelt. Lau Gesetz verpflichtete die ■Mohammedaner, Familiennamen anzunehmen, eine sehr vernünftige und richtige .Maßnahme für die Türken, die bisher keine Familiennamen besaiten. Nach der Verkündigung dieses Geset/es jtdoch ist unter den Juden eine spontane Bewegung zur Annahme türkischer Namen aufgekommen; die Nachahmung wurde ein chronisches Hebel, die Snobs waren zahlreich, Und von einem Tag zum anderen verwandelte sich mein Freund Kameiii in einen Bav Kabul. Einige zufallig herausgegriffene Beispiele für diese Namensänderung mögen den Weg der Assimilation illustrieren: Aller Same Israel Cohen Dr. Behar Abraham Naon Mosche Cohen Nessiin Guerera Kemai Lew A'i uer Same Ismail Kan Dr. Bayar Ibrahim N'om Tekin Alp Orhan Guaer Kemal Leventer Auf den ersten Blick könnte man glauben, daß es sich um Belanglosigkeiten handele; aber in Wirklichkeit wird diese Bewegung die Periode der Auflösung des alten Judentums in der Türkei abschließen. Die eiste Ltappe dieser Auflösung begann mit dem Zerfall des Ottoiiianischen Reiches. Mit der Ablegung der jüdischen Namen — eine kleine Hrsachc, aber mit großen Wirkungen -~• weiden die Verbindungen mit dem Rest des sefardischen Judentums aufgelöst. Der sefardische Jude «i:d abgelost werden durch den Türken mosaischer Konfessien. Im Abendland hatte die Emanzipation zu ihrer Zeit eine große Bedeutung für da* Oesamtleben der Juden. Für das türkische Judentum ist es bezeichnend, da Ii diese Bewegung weder in der I ifratur nieh in (kr jüdischen Presse einen Ausdruck fand. sje wird von keiner Parole getragen, sie hat keinen geeigneten Führer und kein Zentrum der Organisation und der Propaganda. Hin! dennoch würden die objekthen Bedingungen eme solche Initiative sehr erleichtern, denn die Assimilut;■ ,n wird von der Regierung gewünscht. Die türkische Regierung fuhit gegenüber allen Minderheiten des türkischen Gebietes eine Politik der Assimilation und wünscht diesen Prozeß zu beschleunigen. I in Judentum, das seihst noch in der Verneinung steril ist, eine Gemeinschaft von rund SOlioO Juden ohne jüdische Zeitung (aus .Mangel au geeigneten Redakteuren), mit allmählich verschwindenden Sihulen, ein Judentum ohne Leitung, eine Herde ohne Hirten ■-- das ist die gegenwärtige Lage der Juden der Türkei. Wird die Assimilation wenigstens den kulturellen Nied'-rgang des jüdischen Elements in der Türkei aufhalten? Wer vermag es zu sagen,... B a r t i I a y G i I a d i Zionistische Aktivität in Frankreich. Unser Pariser K.- Berichterstatter schreibt uns: Der Schatzmeister der ZionistisJieii Exekutive in Jerusalem, Flies er Kaplan, hat bei seiner Anwesenheit in Paris vor einem kleinen Kreis von Zionisten über die Vorgänge in Palästina und die Arbeiten der Royal Commission gesprochen. Fr betonte, daß „die Fage in Palästina nach wie "vor gespannt, daß aber der Jischuw für alle Eventualitäten vorbereitet ist. Der Jischuw rechnet mit der Unterstützung der Juden in der Gallith". -- Vor der zionistischen Jugend von Paris sprach Fdmond F 1 e g, der bekannte französisch-jüdische Dichter, über ,.Probleme der jüdischen Jugend". l ieg wies darauf hin, „daß in der Jugend eine tiefe Wandlung eingetreten ist. Die jüdische Jugend in Frankreich beginnt sich für die Probleme des Judentums, für die judische Tradition und Kultur zu interessieren. Aufgabe der jüdischen Jugend in Frankreich, die unter günstigen Bedingungen lebt, ist es, an dem Schicksal der jüdischen Jugend in den anderen Ländern, vor allem im Osten, Anteil zu nehmen tmd zu versuchen, deren hartes Los zu erleichtern. Sie muß begreifen, daß die einzige Hoffnung iles jüdischen Volkes Palästina ist. Die Aufgabe der französischen Juden ist es, an dem Aufbau des Jüdischen Nationalbeiins mitzuwirken." — Die französische Wizo hat unter Leitung von Jubelte Stern in den letzten Wochen eine lebhafte Propaganda für die Gründung neuer Wizogruppen in der französischen Provinz unternommen. Die Gruppen in Lyon, Ronen, Beifort und Bcsanccm haben ihre Tätigkeit aufgenommen. Zu Börnes 100. Todestag / Es ist in dem letzten Jahrzehnt verschiedentlich versucht worden, Ludwig Börnes Leben und Meinungen durch Biographien und Auszüge aus seinen Schriften zu aktualisieren. Für unsere Betrachtung hat er vornehmlich historische Bedeutung als ein Sonderfall der F m a, n z i p a t i o n s t r a g ö d i e, und wir können seine politische Haltung nur aus seiner Zeit heraus erklären und nur als für seine Epoche von Belang erkennen. Börne kam unmittelbar aus dem Ghetto in die deutsche Literatur; was er suchte, war ein Ideal, das er nicht verwirklicht finden konnte, und so konnte seine Assimilation nur Kritik sein. Er wurde als Löh ßaruch in der Frankfurter Judengasse gelxiren. Sein Vater, der vor tiein Wiener Kongreß die Rechte der Judenschaft vertreten sollte, war Gemeindevorsteher. Für ihn als einen hervorragenden Mann der ersten Eman/ipationsgeneration bezeichnend sind zwei Momente: er ließ den Sohn orthodox erziehen und wollte ihn in der Wiener Staatskanzlei unterbringen (Metternich soll Jakob Baruch den Titel „Kaiserlicher Rat" für den Sohn angeboten haben). Für Ludwig Börne bezeichnend ist, daß der jüdische Unterricht .ihn langweilte und abstieß und daß er auf die Karriere nach dem Wunsch des Vaters verzichtete. Die erste Emanzipationsgeneration strebte nach Einordnung, Sicherung, Erfolg, die zweite nach Recht, Freiheit, Politik und gab das Judentum dafür hin. Die erste fühlte die Chancen, die zweite die Hemmungen. Die Folge war in der zweiten Generation Flucht aus dem Judentum und jüdischer Selbsthaß, wie er bei Börne auftritt. Mit vierzehn Jahren, als Student in Gießen, gewöhnt sich Lob Baruch „das edle Frankfurter Judendeutsch" ab, um die deutsche Sprache bald „deutscher als die Deutschen" zu schreiben. Er studiert Staats- und Finanzwissenschaften, um künftig einmal Gcklgeist und Judentum zu identifizieren und zu bekämpfen. Er wird Polizei-Actuar und wird 1S14 als Jude pensioniert. Er läßt sich 1818 als Ludwig Börne taufen; später gereut ihn das Taufgeld. Er gründet Zeitschriften, unterliegt der Zensur und wird durch Theaterkritiken bekannt, deren Schärfe durch die Dramen und das Schauspielen hindurch gegen das poli'ische Welttheater gerichtet ist. Fr schreibt aus Paris an Madame Wohl die 115 „Pariser Briefe". Er ist schwer leidend, schwindsüchtig, schwerhörig, reizbar, eigensinnig. Er starb vor hundert Jahren, am 12. Februar 1S37, in Paris." „Sie haben mir viel Freude gemacht!" sagt der Sterbende zu Madame Wohl. Sie war eine geschiedene, sanfte, wohlwollende Frau, die ihn auf Reisen und in Briefen geistig und seelisch bemutterte, immer geduldig, immer freimütig, die ihn bewunderte und, wenn es nottat, mit warmer Offenheit zurechtwies, z. B. wenn sein jüdischer Selbsthaß über die Stränge schlug. Sie war Börnes guter Engel, nur Seele für ihn, es war ein platonisches Verhältnis trotz allen bösen Zungen; der Zwiespalt seines Wesens ging auch durch seine Beziehung zu den Frauen hindurch. Jeanette Wohl heiratete wieder, als Börne noch lebte, und vcranlaßte, als er gestorben war, ihren Mann zu einem Duell mit Heine, der ihre, will sagen: Börnes Ehe angetastet hätte. Börne konnte keinen besseren Freund haben als diese Frau und keinen besseren Feind als Goethe. Nur war diese Feindschaft einseitig, Goethe nahm keine Notiz davon, und Börnes Urteile wirken heute fast wie das Gebell eines Hundes gegen den Mond. Goethe war ein Frankfurter Patriziersoltn, Börne ein Frankfurter Ghettosohn, Goethes körperliche Erscheinung geradezu apollisch, Börne schwächlich, krank, quecksilbrig, Goethe schien alles natürlich zuzufließen, Börne wurde alles schwer gemacht, er war kein Glückskind und sah überall Mühe, Not, Chaos, Knechtschaft, Unruhe. Also war ihm Goethe nichts als der Olympier, der sich dem tatsächlichen Leben entzog, Goethes reine Anschauung nichts als Flucht und Verantwortungslosigkeit, Goethes Stellung Fürstenknechtschaft. Fs war politisch großartig, daß Börne, da es sonst nicht möglich war, die Kunstbetrachtung zum Mittel der Politik machte, und es rächte sich tragisch, indem er damit nicht nur den Kunstsinn einbüßte, sondern auch seinen politischen Sinn verdarb, sofern Politik mehr als Kritik, sofern sie produktiver Umgang mit dem Bestehenden ist. Er rief so fanatisch nach Taten, Leben, Verwirklichung, daß er das verwirklichte Leben übersah. Er blieb ohne hinreichendes positives Eigengewicht zwischen den literarischen, politischen und philosophischen Strömungen: zu moralistisch, sowohl um Künstler wie um Sozialist der sich ökonomisch orientierenden Richtungen zu sein, und zu künstlerisch, um sein Denken und Wollen überhaupt zu systematisieren, ein, wie Hebbel ihn nennt, „blinder" Demokrat. Gleichwohl ehrt ihn diese Bezeichnung, denn sie bedeutet auch die Vorzitge fanatischer Einseitigkeit, Strenge, Unbestechlichkeit, Ablehnung aller Taktik und Kompromisse. Börnes Verhältnis zu Heine ist auch darum so negativ, Heine ist ihm nicht nur der „Aristokrat", sondern auch der Kompromißler, Genießer, Verräter aus Eitelkeit und Genußsucht, und Heine formuliert seinen Gegencindntck, indem er Börne als Prototyp des Asketen, Nazarcncrs und Prinzipienreiters darstellt. Börnes strahlendste Begeisterung galt Jean Paul, die Gedenkrede auf Jean Paul ist Börnes schönstes Werk, und Jean Pauls Stil ist Börnes Vorbild. Börne hat Jean Pauls Bilderreichtum geistreich zuweilen bis zur Stilblüte gesteigert und durch die Kürze seiner Sätze aktiviert, was Schetcr „hissig" und Heine eine „Fiundctrabprosa" nennt. Dieser Stil aber war es, der mit seinem geistreichen Prunk und moralischen Pathos die größte Wirkung tat, und weit mehr, wie Börne schrieb, als was er schrieb, machte Schule. Seine Stellung zu jüdischen Dingen ist nicht minder emanzipatorisch, zwiespältig und zeitbedingt. Die biblischen Juden kommen dem Neunzehnjährigen vor, „als hätten sie die allgemeine Weltgeschichte travestieren wollen", für seine jüdischen Zeitgenossen aber hat er noch weniger übrig: „Die tun»! das nicht einmal, höchstens parodieren sie jene Travestie. Drei Dinge sind, die sie zu schätzen wissen, erstens: Geld, zweitens; Geld, und drittens: Geld". (An Henriette Herz.) Später, IS'31, findet er hymnische Worte für die polnischen Juden: wenn der polnische Aufstand sie frei machte, würden sie in einem Jahr die herrlichsten Menschen, Polen werden, sie brauchten „nur ein einziges Jahr, um die Freiheit zu verdienen, um sie zu erkämpfen, um sich ein Vaterland zu erwerben." Seine Kritik der Deutschen habe mit seiner jüdischen Herkunft sehr wohl zu tun, die seinen Patriotismus nur steigere: weil er in keinem Vaterland geboren, wünsche er desto heißer ein Vaterland und „nur das ganze große Vaterland genügt mir, soweit seine Sprache reicht." „Nein, daß ich ein Jude geboren, das hat mich nie erbittert gegen die Deutschen. Ich wäre ja nicht werth, das licht der Sonne zu genießen, wenn ich die große Gnade, die mir Gott erzeigt, mich zugleich ein Deutscher und ein Jude werden n\ lassen, mit schnödem Murren bezahlte — wegen eines Spottes, den ich immer verachtet, wegen Leiden, die ich liingst verschmerzt." In der Schrift „Für die Juden" von 1S19 untersucht Börne einige Gründe das zweitausendjährigen Judenhasses, das Judentum flöße ein unerklärliches Grauen ein, es habe „wie ein Gespenst, wie der Geist einer erschlagenen Mutter, das Christcnthum von seiner Wiege an höhnend und drohend begleitet". Der Olaubenseifer war ehemals der Grund zu Judenverfolgungen, der Haß gegen die Franzosen, die die Gleichberechtigung brachten, habe dann Juden und Franzosen identifiziert und sei somit zum Grund der Entrechtung geworden, die Fremdartigkeit der Juden und die Gemeinsamkeit der Interessen von Feudal- und Kapitalaristokratic seien die letzten Gründe. In dieser Schrift ist Börne in aller Begeisterung für die Menschenrechte sehr mäßig, seine Argumente und Forderungen decken sich mit denen der Emanzipation überhaupt, das Pathos seiner jugendlichen Aeußcrungen ist gemildert, und ebenso hätten auch seine Kritiken der antisemitischen Posse „Unser Verkehr", die he* sonders .umsichtig und vernünftig, und des Schauspiels „Det Jude" von Cnmberland, die gefühlvoll menschlich ist, und seine Glosse „Zwangsgottesdienst" in einer jüdisch-assimilatorischen Zeitung der Jahrhundertwende stehen können. Er nimmt die jüdische Empfindlichkeit (gegen das karikierende Jüdeln auf der Bühne) in Schutz, trifft aber später die gleiche Empfindlichkeit selber so sehr, daß Jeanette Wohl ihn zurechtweist. Er erkennt gelegentlich, daß keiner „aus diesem magischen Judeukreise" hinauskann, daß es auf Argumente für die Juden nicht ankomme, „als wäre seit einem halben Jahrhundert nicht alles ausgeschöpft worden", was man für jüdische Rechte sagen könne, und bleibt doch so ganz im allgemeinen Fahrwasser, daß er schließlich Gabriel Rießer quasi als Zionisten ablehnt: „Rießer möchte die Nationalität der Juden gewahrt sehen", die doch glücklicherweise zur Universalität geworden und damit zugrunde gegangen wäre. L. H. IN ALLER KURZE Anläßlich der Zwanzigjahres-Feier der Gründung der Jüdischen Legion, die innerhalb des Heeresverbandes des Feldmarschalls Allenby an der Eroberung Palästinas teilgenommen hat, findet am 15. Februar in London unter dem Vorsitz des Abgeordneten Colone! W e d g w o o d ein 1 estbankett statt. Ansprachen auf dem Bankett werden der ehemalige Ko.'onienminister L. S. Amery, der seinerzeitige Kommandant der Legion, Oberstleutnant P a 11 e r s o n, und der Präsident der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotin sky, halten. Auf einer in Pittsburgh abgehaltenen Beratung hat das Planungskomitce des American j e w i s h Joint D i s - tribution Committcc für das Jahr 1937 eine Verteilungsquote von TöMüfKI Dollar festgesetzt. Zum Vorsitzenden des neuen Joint Campaign wurde der Ehrenpräsident des Joint Distribution Committcc, Felix M. Warh u r g, gewählt. Mitvorsitzende sind der Präsident des Joint, Paul B a e r w a 1 d, Julius R o s c n w a I d und Rabbi Jonah B. Wise. Der Staatspräsident von Estland, Konstantin Paets, hat unter den 10 von ihm zu bestimmenden Mitgliedern der Volksvertretung auch den Vizepräsidenten des jüdischen autonomen Kulturverbandes für Estland, Heinrich G tt t k i n, zum Abgeordneten des cstlaudischen Parlaments ernannt. Der Verband der Assistenten der Lemberger Hochschulen hat die Einführung des Arierparagraphen in seinen Satzungen beschlossen. Es heißt darin, daß Mitglieder des Verbandes weder Juden, noch jüdischer Abstammung sein dürfen. Zehn jüdische Assistenten wurden aus der Mitgliederliste gestrichen. Der Lodzer Staatsanwalt hat gegen zwei nationaldemokratische Führer im Stadtrat, Adv. Kowalski und Adv. Czern i c k, wegen aufreizender Zwischenrufe, die sie bei der letzten Sitzung des Stadtrats gemacht haben, Anklage erhoben. Die beiden Stadtverordneten hatten ihrer Freude über die Ermordung Simon Chclmncrs, des Sohnes des Vorsitzenden der agudistisch.cn Ortsgruppe in Lodz, dadurch Ausdruck gegeben, daß sie riefen: „Bravo, wieder einmal ein Jude getötet!" Fa'ls die beiden Nationaldemokraten der Aufreizung zum Mord schuldig befunden werden, droht ihnen eine fünfjährige Gefängnisstrafe. Auf einer Tagung des polnischen S c h w i m m v e r b a Ildes wurde von dem Distrikt Posen der Antrag gestellt, jüdische Schwimmklubs in den Verband nicht aufzunehmen. Der Antrag wurde jedoch aus formellen Gründen nicht zur Abstimmung gebracht. Ein Versuch, in dem litauischen Städtchen Krunot's judenfeindliche Ausschreitungen hervorzurufen, ist von der Polizei energisch unterdrückt worden. Eine Reihe von LJogromhetzern wurde im Verwaltungsweg zu Gefängnisstrafen verurteilt. In dem litauischen Regierungsorgan war ein Aufsatz, des Vorsitzenden des Ticrschut/verbandes erschienen, in dem ein Verbot des rituellen Schlichtens gefordert wurde. Gleichzeitig vcranlaßte der Tierschutzverband die Vorführung eines Films in sämtlichen Lichtspieltheatern, der die jüdische Schächtmethode als tierquälerisch schildert. Innenminister General C z. a p I i k a s erklärte jedoch, es könne keine Rede davon sein, daß in Litauen ein die religiösen Gefühle der jüdischen Bevölkerung verletzendes Gesetz erlassen werden könnte. Wie aus Wien gemeldet wird, ist in der Generalversammlung der Tobis-Sascha-AO., des bedeutendsten österreichischen Filmunternchmens, bekanntgegeben worden, daß die Hälfte des Aktienkapitals, das sich bisher im Besitz der jüdischen CT r tippe Dr. Pilz er befand, in die Hände der Oesterreichischen Krcdit-Anstalt-Bankverein übergegangen ist. Die andere Hälfte der Aktien befindet sich unverändert im Besitz der Berliner Tobis. Der brasilianische Bundessenator Machad aus dem Staate Sao Paulo hat bekanntgegeben, daß er eine Abänderung der Verfassungsgesetze beantragen werde, durch die Beschränkungen der Einwanderung, insbesondere für den Staat Sao Paulo, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht, aufgehoben werden sollen. Der Bürgermeister von Bietigheim hat verfügt, daß in Zukunft zu den Viehmärkten in Bietigheim Juden keinen Zutritt mehr haben und Viehhandel von jüdischen Händlern ausgeschlossen ist. In einer Sitzung der Gesellschaft der Aerzte in Wien berichtete der jüdische Chirurg Dozent Dr. Felix Mandl über eine bahnbrechende Methode zur Behandlung der gefürchteten Schultergelenkverrenkungen und Kretizbandverletzung des Kniegelenkes. Linoleum t?:Tr#pp*"-?nic™*?zo%X9:iii;ro^^",B i A^hr %^äss»% ■IIIVI%lllll Zlmmsr und KQchan la Refer. / Gegr. 1892 Bouc.16-u. Velourläufern I rilll «IWIll ciB.roim>uM.«7 %

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