Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 12. II. 1937 Realitäten und Hirngespinste in USA. Von unserem Berichterstatter einstehen und sich zur Mitwirkung an einer auch für diese befriedigenden Lösung verpflichtet fühlen. Aber wenn von der Unmöglichkeit einer generellen Assimilation der Juden gesprochen wird, ja wenn wir von den Versuchen zwangsweiser Assimilation eher eine negative Wirkung befürchten, so muß klargestellt werden, w;\ s hier g e m eint ist. Das jüdische Volk ist ein Sonderfall der Geschichte, und alle Begriffe, die man bei der Betrachtung seines Schicksals anwendet, bedürfen einer speziellen Interpretation, um falsche Analogien auszuschließen. Es sind jetzt (am (L Februar) genau 130 Jahre her, daß das von Napoleon einberufene „Svnhedrion" zusammentrat, das die Emanzipation der Juden vorbereiten sollte. In jeuer Zeit glaubten alle verantwortlichen Staatsmänner, es komme auf eine Zerstreuung und Assimilierung der Juden an; den Juden als Einzelnen sollten allmählich alle Rechte gegeben werden, den Juden als Volk alle entzogen werden. In unserer Zeit erleben wir ähnliche Tendenzen in manchen Ländern; es sei z. B. auf die moderne Türkei verwiesen, in.in könnte auch Aeußerungen aus anderen Ländern anfuhren. Inzwischen haben wir in Deutschland die Erfahrung gemacht, daß die Hingabe an hemmungslose und restlose Assimilation, die jede natürliche Differenzierung und Notwendigkeit einer Distanz, in Abrede stellt, zu einer besonders heftigen Gegenaktion gegen das Eindringen der Juden in den Volkskörper geführt hat. Die Eigenart und Komplikation des Problems zeigte sich im V o rk r i e g s - R u ß 1 a n d, wo man die Juden in An4cdluiigMTivüiis zusammenpferchte, um ihre Zerstreuung im Rievenreich und ihre AsMiiiilution zu verhindern. Sie zeigt sieh in einer spezifischen Weise heute in Polen. In einer (im Inseratenteil amerikanischer Zeitungen abgedruckten) Zuschrift, die das polnische Jouni:ili>ten-Si iRÜkat Amerikas an die Führer des „Amerikanisch-jüdischen Kongresses", die die Protestaktion gegen Polen führen, gerichtet hat, heißt es u.a.: „Millionen \on Juden in Polen bestehen darauf, altmodische Kleidung zu tragen, die jiddische Sprache zu benutzen, jüdische Schulen zu haben und eine jüdische Partei im Parlament zu bilden, keligiunsfanntismus separiert sie not Ii mehr v<m der übrigen Nation." klier wird vor dem amerikanischen Publikum, das die Dinge amerikanisch sieht, ekti Juden der Vorwurf mangelnden Assimilationswillctw gemacht. Würden die drei Millionen Juden Polens über restlos zur Assimilation drängen, dann wäre ein scharfer Ztisammenprall und darüber hinaus sicherlich der Vorwurf der Verfälschung der polnischen Kultur — unvermeidlich. Ein besonderer Fall ist Rumänien, wo jetzt die Frage der Einbürgerung wieder aufgerollt wurde. Man erinnert sich, daß die Stellung der Juden im Vorkriegs-Rumänien als „Fremde ohne ausländische Staatsbürgerschaft" die europäische Diplomatie seit dem Berliner Kongreß von 1878 bis zum Vorabend des Weltkrieges beschäftigt hat. Dem .Umgreifen Deutschlands und Oesterreichs im Frieden von Bukarest ist es gelungen, den Juden Rumäniens Gleichberechtigung zu verschaffen, die dann auch im Frieden von Trianon aufrecht blieb. Aber das Problem ist in diesem Nationalitätenstaat noch weit entfernt von wirklicher Lösung. Die Geschichte der Neuzeit beweist; Die Juden sind ein assimilierbares Element, wenn man sie assimilieren w i 1 i. Wir seilen jetzt davon ab, daß manche Juden bereit sind, einen sehr hohen Preis zu zahlen und alle ihre Zusammenhänge mit dem Judentum aufzugeben, zugleich ihre judische und oft ihre menschliche Würde. Aber auch dir Juden, die ihr jüdisches Bewußtsein bewahren und ihr Judentum zu einer Quelle stets regenerierenden inneren Lebens machen wollen, fügen sich wiilig in den Kähmen ihrer Lander und Staaten ein. Sie uhi rnehmni nicht nur Sprache, Sitten, Lebensformen und (ieisie<lKj!tung, sondern sie verbinden sich besonders eng mit den politischen Interessen ihres Heimatlandes (siehe obiges Hetvl-Zitat). Wir haben Beispiele dieser Art aus unserer Gegenwart vor Augen. Die Juden in den westeuropäischen Ländern, in I ngl-nd, Frankreich, Italien, Holland, in ESA. und in den englischen 1 )omimoits, nehmen vollberechtigt am Staatsleben teil, bekleiden zum Teil hohe Aetnter, erfüllen freudig all ihre Pflichten. Aber auch in der unpolitischen Sphäre1 identifizieren sich die Juden weitgehend mit der Umwelt; in einer in unserer heutigen Nummer veröffentlichten Zuschrift aus Paris wird ausgesprochen, was die grolle Mehrzahl der Juden in den genannten Ländern bewegt, auch diejenigen, die nationaljüdisch und zionistisch denken. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß z. B. ein amerikanischer Zionist, bei all seinem rückhaltlosen Bekenntnis zum jüdischen Volk, nicht weniger stolz ist auf sein Amerikanertum als irgendein anderer " amerikanischer Jude, ja als irgendein Amerikaner überhaupt. Wenn man dies „Assimilation" nennen will — und in dem südafrikanischen Gesetz kann dieses Wort nicht anders gemeint sein - so sind die Juden tatsächlich überall, wo man es ihnen gestattet, assimilierbar und assimilationsfrcudig. Gerade Amerika ist ja der Prototyp eines überseeischen Einwanderungslandes, und nach seinem Maßstab müßte z.B. Südafrika die Dinge beurteilen. Und doch stimmt etwas nicht: Das beweist dieses Gesetz, das beweisen manche Ansätze antisemitischer Art in Amerika und anderwärts. In Südafrika leben, abgesehen von den Schwarzen, zwei Völker verschiedener Herkunft in enger Gemeinschaft. Aus Buren und Engländern entsteht die neue afrikanische Kation. Die südafrikanischen Juden ~ und auch die neuen Einwanderer, die es werden wollen — fühlen sich dieser südafrikanischen Nation zugehörig. Aber sie werden dabei ihre jüdische Herkunft, Religion New York, Ende Januar Friede zwischen den Sammelfonds Die Spannung, die im Jahre 1936 die Kräfte des United Palestine Appeal und des Joint Distribution Committee spaltete, ist durch ein Abkommen zwischen diesen beiden grollen Organisationen beigelegt worden. Nach monatelangen Verhandlungen, die vom „Wohlfahrtsrat" („Council of Jcwish Federations and Weifare Funds"), der die Sammeltätigkeit von fast 30 amerikanischen jüdischen Gemeinden überwacht, angeregt worden waren, wurde eine Verständigung erzielt, nach der in allen Städten, die Gelder in der Form eines einheitliehen „Wohlfahrtsfonds" erheben (d. h. wo alle Aktionen für amerikanische und überseeische Zwecke jährlich in einer Aktion zusammennefabt werden), von den für uberseeische Zwecke gesammelten Geldern dem Joint 60 "<> und dem U. P. A. 10 (io zufließen sollen. Hiervon werden andere Organisationen, die Gelder für überseeische oder palästinensische Zwecke aufbringen, nicht berührt. Es mag auf den ersten Blick scheinen, dali die Palästina- Sache bei diesem Abkommen zu kurz, kommt. Aber praktisch bedeutet das Abkommen eine Vermehrung der Gelder für Palästina, wenigstens aus den durch den Vertrag berührten Städten — abgesehen von dem Frieden, den es für die jüdische Gesamtheit bedeutet. Lange Zeit hindurch hat sich der Joint auf den Standpunkt gestellt, daß der IL P. A. keine Parität der beiden Organisationen beanspruchen könne, weil er in Wirklichkeit kein einheitliches Instrument für die Palästinasammlungen sei. Die Hebräische Universität, die Haclassah, die Gewerksehaftsaktionen der Poale Zion und andere kleinere zionistische Gruppen sammeln ständig Gelder neben denen, die dem U. P. A. für Kcren Hajesscxi und Kcren Kajemeth zur Verfügung stehen. Durch das neue Abkommen ist es nicht unwahrscheinlich, daß zwischen allen Palästinafonds und dem J. D. C. wirkliche Parität herrsch e n wird. Der Zank, die Anschuldigungen und der unselige Streit, die die Sammelaktionen im Jahre 1UJ0 charakterisierten, werden min weitgehend ausgeschaltet, wenn auch noch nicht völlig beendet sein. Man nimmt an, daß das oO:!0-Abkoinmen nur in den Städten mit einheitlicher Aufbringungsaktion gelten w ird, aber es ist wahrscheinlich, dal! der J. D. C. darauf bestehen wird, dali das gleiche Verhältnis auch in anderen Orten eingeführt wird, wo nur U. P. A. und J.D. C. gemeinsame Aktionen durchführen. In den 40" . des U.'P. A. ist auch der Mifal Rizzaron miteinbegriffen. Die zionistischen Führer wollten diesen Fonds aus dem Abkommen herausnehmen, aber die Leitung des J.D. C. gab in diesem Punkt nicht nach. Es wird allgemein erwartet, dal! in diesem Jahr für beide Fonds m ehr Geld z u s a m m e n k o in m e u wird als i in Vorjahr e, das das beste seit 1029 war. Die wirtschaftliche Lage hat sieh sehr verbessert. Ob dies anhalten wird, hängt von der Wirkung der Uebersehwemmungssehäden ab, die jetzt sieben Staaten heimsuchen und gewaltige Zerstörungen und Verluste verursachen. Andererseits wird wohl die Bundesregierung Hunderte von Millionen Dollar in diese Notstandsgebiete fließen lassen. Ferner findet die Lage der Juden in Oste u r o p a er h ö Ii t e A u f m c r k s a m k c i t. Man beginnt hier allmählich zu erkennen, wie katastrophal die Situation der polnischen Judenheit ist. Die diesjährige Aktion des J. D.O. wird wohl hauptsächlich auf der polnischen Lage basiert sein. Gegen Judenhaß in England Aus London wird berichtet: Unter dem Vorsitz des Unterhausmitgliedes Friedensrichter Fred Messer fand in der Stadthalle von Tottenham eine Kundgebung gegen die jndenfeindliche Propaganda in England statt. An der Versammlung nahm ein zahlreiches gemischt jüdisch-christliches Publikum teil. Der Vorsitzende des Board of Deptities of British Jews, Neville Laski, und der Abgeordnete Morgan Jones, der in den Jahren 1929 bis 1931 parlamentarischer Sekretär des Erziehurigsausschusses war, hielten Ansprachen. Neville Laski führte u. a. aus, die Juden seien keine Neuerscheinung in England. Vor etwa 3Ü0 Jahren seien sie auf Einladung Cromwells in das Land gekommen. Als religiöse Gemeinschaft genössen sie hier die gleichen Privilegien wie die übrigen Religionsgemeinschaften, und wenn er, Neville Laski, demnächst an der Spitze einer Abordnung neben zwanzig anderen Körperschaften, die der gleichen Auszeichnung teilhaftig werden, Seiner Majestät eine Adresse überreichen wird, so werde dies nicht im Namen der Juden, sondern im Namen der Bürger jüdischen Glaubens geschehen, ebenso wie der Erzbisehof von Cantcrbury im Namen der Bürger protestantischen Glaubens eine ähnliche Denkschrift überreichen wird. Abg. Morgan Jones bezeichnete die Judcnfeindschaft als eine bedauerliche Erscheinung im gesellschaftlichen Leben Englands, der so früh wie möglich Widerstand zu leisten Pflicht jedes Bürgers sei. Die Menschheitsgeschichte kenne keinen anderen Stamm, der auf so viel Verfolgungen zurückblicken könne. Von den frühesten Zeiten bis auf den heutigen Tag hatten die Juden jede Art Verfolgung keimen gelernt. Dieses Volk wisse, was es bedeutet, für das Recht, nach seiner Art zu beten, mit Tränen und Blut zu bezahlen. Das Gesetz, das Moses seinem Volke gegeben habe, sei bis heute vom moralischen, religiösen und sozialen Gesichtspunkt aus unanfechtbar. Aus f ünfunddreißigjähriger Erfahrung im öffentlichen Leben, erklärte der Abgeordnete, könne er sagen, daß die Juden während ihrer ganzen Geschichte und Volkstum, nicht aus ihrem Bewußtsein streichen dürfen, denn sonst entsteht statt einer wohlgeordneten politischen Gemeinschaft ein Chaos. Dies wird wohl ein Mann wie z. B. der südafrikanische Minister Smuts, einer der Initiatoren der Balfour-Deklaration, der sehr schöne Worte über Judentum, Humanität, Judenfrage gesprochen hat, nicht wünschen. Bei der Neuordnung des jüdischen Lebens* — die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihren fünf Millionen Juden bilden da das Hauptproblem — darf der Fehler Napoleons nicht wiederholt werden. Hundert Jahre schmerzensreicher Erfahrung dürfen nicht umsonst gewesen sein. Die Einsicht und der Wille der Juden bejahen ihre positive Einordnung in das Leben der Nationen, die sie aufnehmen. Aber nur wenn sie auch dem Judentum und dem jüdischen Volke die Treue halten, wird diese Lösung, der Versuch einer echten Symbiose, sich bewähren. Die historisch gewordene Position der Juden in Sowohl der L D. C. wie der U. P. A. wollen ihre vorjährigen Sätze um mindestens je eine Million Dollar erhöhen. Obgleich in Amerika solche Sainmelziele nicht mehr als eine Sammel-Parolc bedeuten, sind sie doch ein Zeichen dafür, was man von der amerikanischen Judenheit erwartet, Wenn der Erfolg des J. D. C. größer ist, wird der U. P. A. davon durch eine proportionale Erhöhung seines Anteils profitieren. — Im übrigen wäre noch -zu bemerken, daß durch die Rührigkeit des „Jewish National Fund" unter der Leitung von Dr. Israel Goldstein eine freundschaftliche Rivalität mit dem Keren Hajesscxi entstanden ist, die der ganzen Arbeit einen beträchtlichen Auftrieb gegeben hat. Das neueste Auswanderungsprojekt: San Domingo! Es ist nicht verwunderlieh bei der heutigen Lage der uden, daß ständig in der Presse neue Nachrichten über risch entdeckte Ansiedlungsmögliehkeiten erseheinen; stets erweisen sich diese Mitteilungen als bloße Sensationshaschereien, oft verursacht durch das Geltungsbedürfnis von Einzelpersonen. Es wurde hier bereits mehrfach (zuletzt in Nr. 6 der „J. R.") auf die Illusionen hingewiesen, die sich an eine Einwanderung nach Kuba knüpften. Jetzt ist ein neues mittelamerikanisches Projekt aufgetaucht: San Domingo. Der New-Yorker Zahnarzt Dr. Howard W. Blake kam kürzlich von einem Besuch in San Domingo zurück und berichtete den Zcitutigsreportern bei seiner Ankunft, dali er Vereinbarungen über ein sich auf 25 Jahre erstreckendes Ansiedlungsprogramm getroffen habe, das eine Million J u d e u aus D e u t s c h I a n d, Polen und Rumänien (!) versorgen solle. Blake teilte auch mit, daß der Präsident der Dominikanischen Republik, Trujillo, den Plan gutgeheißen und ein formelles Landangebot an den Amerikanisch-Jüdischen Kongreß zu Händen von Dr. Stephen Wise gemacht habe. Die amerikanischen Zeitungen gaben dieser Nachricht viel Raum, und wahrscheinlich ist sie auch nach Uebersee gedrungen. Aber leider entsprechen die Tatsachen nicht diesen Mitteilungen. Dr. Wise, der von der. Veröffentlichung außerordentlich überrascht war, erklärte, daß Dr. Blake ihn nur um einen Empfehlungsbrief gebeten habe, bevor er nach San Domingo reiste. Als Blake sagte, daß es dort Möglichkeiten für eine jüdische Einwanderung gäbe, bat ihn Dr. Wise, einen privaten Bericht über seine Erkundungen zu erstatten. Statt dessen tat Blake bei seiner Rückkehr so, als ob er in offizieller Mission gereist wäre. Dr. Wise erklärte: „Ich würde bedauern, wenn die Einwanderungsmöglichkeitcn in San Domingo — wie begrenzt sie auch sein mögen — durch die verfrühten und (was den Amerikanisch-Jüdischen Kongreß betrifft) unautorisierten Veröffentlichungen Dr. Blakes ungünstig beeinflußt würden. Ich bedauere die Angelegenheit vor allem deshalb so, weil ich mich seit einiger Zeit mit Berichten aus Kuba befasse, die zeigen, daß die Veröffentlichung der Pläne des Abgeordneten Sirovieh über eine geplante jüdische Ansiedlung in Kuba hauptsächlich den Erfolg gehabt haben, antisemitische Ausbrüche seitens gewisser Gruppen in Kuba hervorzurufen." Tatsächlich verhält es sich so, daß San Domingo wahrscheinlich sehr gern jüdisches Kapital hereinnehmen würde; aber es ist abwegig zu glauben, daß es jüdische Arbeiter wünscht — es wäre schon deshalb nicht möglich;' weil Juden nicht mit den billigen eingeborenen Arbeitern konkurrieren könnten. in England den Gesetzen eher mehr als weniger ergeben waren als die übrige Bevölkerung. Aus den Ocrichtsprotokollen gehe hinreichend hervor, daß der Jude Wert darauf legt, in seinem Verhalfen als Bürger ein ebenso hohes Niveau zu wahren wie jeder andere. Ergänzt werde dieses Bild durch die Werte, die die Zivilisation dem jüdischen Volk verdanke. Den jüdischen Beiträgen zum Sittengesetz, zur Kunst, Literatur und Wissenschaft habe keine andere Gemeinschaft Gleichartiges gegenüberzustellen. Ausschreitungen in Wilna Warschau, 8. Februar. (JTA.) Am 8. Februar ist es an der vor kurzem wieder eröffneten Universität Wilna zu blutigen Ausschreitungen gegen jüdische Studenten gekommen. Um 10 Uhr morgens stellten sich mit Stöcken bewaffnete nationaldcmnkratische Studenten an den Eingängen zur Universität auf und mißhandelten blutig jüdische Studenten, die das Gebäude betreten wollten. Eine zweite Abteilung von Nationaldemokrater| suchte das Innere des Gebäudes systematisch nach jüdischen Studenten ab, um sie zu verprügeln. Der Rektor, Prof. Staniewicz, der die aufgeregten Studenten zu beruhigen versuchte, wurde von ihnen mit feindseligen Zurufen empfangen. Mittags drang eine dritte Gruppe von Nafionaldemokraten in die Universität ein und vertrieb aus ihr die jüdischen Hörer. Ucber 10 Studenten wurden erheblich verletzt. Die Behörden haben eine strenge Untersuchung eingeleitet. Der Oberste Gerichtshof hat das Urteil des Wilnaer Kreisgerichtes gegen die Studenten B a rann w i c z. und Kucz inski sowie gegen den Ingenieur G a n i e w i c z, die gegen eine Reihe jüdischer Geschäfte in Wilna Sprengstoffanschläge verübt haben, endgültig bestätigt. Das Kreisgericht hatte Baranowäcz und Ganiewicz zu drei Jahren, Kuezinski zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Berufung in erster Instanz war abgewiesen worden. Bei der Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof hielten die nationaldeniokratischen Advokaten heftige judenfeindliche Reden. Mittel - und Osteuropa ist in eine Liquidation eingetreten, die Jahrzehnte dauern wird und schließlich zu einer Neuordnung führen muß. In Palästina entsteht etwas ganz Neues, ein Zentrum, desscu moralische und geistige Wirkung nicht vorhergesehen werden kann. Die Judenhciten der Länder des Westens und in Hebersee aber müssen heute schon bedacht sein, eine Lebensform zu schaffen, die die legitimen Notwendigkeiten ihrer Einordnung mit jüdischer Zukunftsfreudigkeit verbindet. Dazu gehört Realitätssinn, klarer Blick, Wahr« hcitswille und schließlich — lebendiges Gefühl für die jüdische Geschichte und ihre einzigartige Lehre. Ilauplsrhriftleitor: Dr. Robert W c I t s c h, Berlin - Ohadottcnlmrg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt I. o e w e n s I c i n. Berlin W 15. An/rigrnleitrr und verantwortli.-h fü» den Inhalt der Anzeigen: Hermann Kinn. Merlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1836. Verlag und An- «cigcnverwaltung i Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekettr. 10. D.A. Januar 34 278. — Druck: Siegfried Scholem, Bin.-Schöneberg.