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Jüdische Rundschau · 1937-02-09 · Heft 11 (9.2.1937) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 11 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU E^T &J9 imd Nr. 11, 9. FEBRUAR 1937 Araberführer beim High Commissioner Jerusalem, 6. Februar. (Palcor.) Zum erstenmal seit den Unruhen hat der High Commissioner heute, kurz vor seiner Abreise nach London, den Mufti von Jerusalem, Nasch aschibf, und Auni Bey Abdul Hadi zu einer Besprechung zu sich gebeten. Wie Palcor erfährt, wies Sir Arthur im Laufe der einstündigen Unterredung auf den verstärkten Terror, insbesondere im Norden des Landes, hin und verlangte, daß das Oberste Arabische Komitee seinen Einfluß aufbieten solle, um dem Terror ein Ende zu machen. Die Araber erwiderten darauf, daß sie nicht in der Lage wären, die Terroristen zu beeinflussen. Der High Commissioner berührte außerdem auch die Frage des Legislativ e C o u n c i I und bat die Araber, ihm ihre Stellungnahme dazu noch vor seiner Abreise bekanntzugeben, da er diese Frage während seines Aufenthaltes in London zur Sprache bringen wolle. Die Araberführer haben daraufhin auf morgen dringende Sitzung des Obersten Arabischen Komitees berufen, um darüber zu beraten. Streiflichter auf die Wirtschaft eine ein- „Die doppelte Verpflichtung" In einer Zuschrift an die „Times" vom 5. Februar antwortet Leonard Stein auf einige Bemerkungen in dem Artikel des Blattes vom 25. Januar über die Interpretation des Mandats, vor allem die Frage der „d o p p e 11 e n Verpflichtung". Artikel 2 und 15 des Mandats, so schreibt Stein, fordern, daß niemand aus Gründen der Rasse, Religion oder Sprache benachteiligt werde. Dies bezieht sich gleicherweise auf Juden und Araber. Die ein/igen Stellen, die als spezielles Versprechen an die Araber aufgefaßt werden könnten, seien die in Art. 2 erwähnte Balfour-I)eklaration und Art. 6. Die Balfotir-Deklaration besagt, daß nichts getan werden dürfe, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestellender nichtiüdischer Gemeinschaften beeinträchtigen könnte. Art. 6 verlangt, daß bei der Erleichterung der jüdischen Einwanderung und Aiisiedltmg die Verwaltung Vorsorge treffen solle, daß „die Rechte und die Lage anderer Teile der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden". Dies seien also Sicherheitsklauseln fnr die Araber. Wenn diese Umschreibungen manchem nicht deutlieh genug erschienen, so sei dies ein Vorwurf gegen die Verfasser des Mandatstextes, aber nicht die Schuld der Jewish Agency, die das Mandat annahm, wie es gegeben wurde. Stein fügt hinzu, daß er nicht behauptet habe, daß diese Formulierungen die Frage der arabischen Rechte erschöpften; in einem Memorandum der Jewish Agency an die Kommission mit Bezug auf die „doppelte Verpflichtung" heiße es ausdrücklich: „Die " ' ' wünscht es klarzustellen, daß sie weit davon Jewish Agency entfernt ist, zu glauben, daß der Mandatar nicht mehr für die nichtjüdischen Einwohner Raiastinas tun solle, als ausdrücklich in den Bestimmungen des Mandats gefordert wird." Die Bilanz der Unruhen Jerusalem. (Palcor.) Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem veröffentlichte in Buchform eine Reihe von Tabellen, die eine umfassende und erschöpfende Ucbersicht in Ziffern über die letzten Unruhen in Palästina geben. Die Tabellen enthalten ein chronologisches Verzeichnis der großen Zahl von Verbrechen, die im Laufe der sechs Monate des arabischen Streikes und Terrors verübt worden sind. Wie in der Einleitung betont wird, beruht der Bericht auf einem ausführlichen Tagebuch der Ereignisse, das vom Tage ihres Ausbruchs an, vom 19. April bis Oktober 1936, auf Grund der offiziellen Regicrungsdokumentc und gewissenhaft nachkontrollierter und untersuchter Presseberichte geführt worden ist. Von dem Umfang der Willkür, die länger als ein halbes Jahr das Land überschwemmte, gibt einen Begriff die folgende Bilanz, die auf den Ziffern der einzelnen Tabellen beruht: 82 Juden wurden ermordet, ferner sind 9 Juden gestorben aus Ursachen, die eine direkte Folge der Unruhen waren. 405 Juden wurden verwundet, 3b von ihnen tödlich (diese 36 Juden sind in der Ziffer der 82 Getöteten enthalten). Die Zahl der Uebcrfällc auf Juden in den einzelnen Städten, Kolonien und an anderen Plätzen betrug 1996. Ferner wurden 895 Verbrechen durch Beschädigung jüdischen Besitzes in Stadt und Land verübt. Im Gefolge hiervon wurden vernichtet: über 200 0(10 Obst- und Waldbäume, ca. 17 000 Dunam Getreidefelder, Hunderte von Wohnungen, eine erhebliche Menge von Waren usw. Die Zahl der Uebcrfällc auf Vertreter der Regierung, Polizei und des Heeres usw. betrug 795. Uebcrfällc und Sabotageakte gegen Verkehrsmittel (Eisenbahnen, Autobusse usw.) wurden 380 verübt. Schriften zum Palästinamandat. In der letzten Zeit erschienen von jüdischer Seite einige Schriften zu Fragen des Palästinamandats. Wir erwähnen zunächst eine Broschüre von Dr. Nathan F e i n b c r g, Professor an der Haager Akademie für Internationales Recht, „Some Problems of the Palestine Mandate" (Tel-Awiw 1936). Diese englische Broschüre ist eine Sammlung von Artikeln, die der Verfasser in den letzten drei Jahren veröffentlicht hat und die sich mit einzelnen Fragen der heutigen Palästina-Politik befassen, ohne etwas wesentlich Neues zu bringen. — In deutscher Sprache veröffentlicht Dr. Josef ü o 111 i e b eine Schrift .Juden und Araber im Mandat" (gleichfalls Tel-Awiw 1936). Der Verfasser untersucht die juristischen Seiten des Mandats, ist sich aber bewußt, daß juristische und politische Argumente nicht identisch sind. Er kommt zu dem Ergebnis, daß sich die Araber unter dem Zwange des Mandats mit einer weiteren Minderung ihrer politischen Stellung im Lande abfinden müssen. — Eine sachliche populäre Einführung in das Palästinamandat gibt Dr. Franz Friedmann in einer Schrift „Das Palästina-Mandat", die als ein Heft der in Prag erscheinenden kleinen zionistischen Bücherei erschienen ist, die von Prof. Samuel Ooldclmann herausgegeben wird und bereits eine große Anzahl recht brauchbarer knapper Monographien über zionistische Themen hervorgebracht hat. — Demselben Thema ist auch eine Schrift in französischer Sprache gewidmet, verfaßt von einem rumänischen Juden, David Pardo: ,.Le problerne palestimen et sa Solution" (Galata, Vovvoda Caddosi, Bahtivar Han Nr. 32). Pardo, der vor 32 Jahren als Rabbinatskandidat in Palästina gelebt hat, gibt einen interessanten Ueberbhck über die Entwicklung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern seit jener Zeit, sowie weiter eine Auseinandersetzung über die panarabischen Bestrebungen und ihren Zusammenstoß mit den europäischen Mächten usw. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß England schon im eigenen Interesse den Zionismus unterstützen muß. Kein Grund zum Pessimismus Daß die Fragen der Wirtschaft, die Monate lang etwas weniger beachtet wurden, wieder in den Vordergrund des öffentlichen Interesses nicken, bewies das Interesse an einem Vortrag, den Fritz Naphtali in Tel-Awiw gehalten hat. Nap'htali ist Mitarbeiter des „Instituts für Wirtschaftsforschung" der Jewish Agency, das von Dr. A. Ruppin begründet wurde und geleitet wird. Diesem Institut stehen die wichtigsten Materialien zu den Wirtschaftsfragen des Landes zur Verfügung, so daß Darstellungen und Urteile seiner Mitarbeiter wertvoll sind. Naphtali ging von der Feststellung aus, daß es eigentlich erstaunlich sei, wie gut sich im großen und ganzen der jüdische Sektor der Wirtschaft nach einem Jahre so schwerer Erschütterungen gehalten habe. Deutliches Symptom für diese Feststellung ist die Höhe der Arbcitsloscnziffcr. Nach den Schätzungen — und leider sind nur Schätzungen möglich — beträgt zur Zeit die Zahl der Arbeitslosen 6000. In diese Ziffer sind diejenigen Arbeitslosen eingeschlossen, die höchstens drei Tage in der Woche arbeiten. Diese Ziffer ist nicht größer als die Arbeitslosigkeit im gleichen Monate des vergangenen Jahres. Trotzdem muß festgestellt werden, daß bestimmte Zweige der Wirtschaft zur Zeit besonders stark darniederliegen. Die dort freigewordenen Arbeitskräfte sind aber in anderen Zweigen, besonders bei Arbeiten der öffentlichen Hand, absorbiert worden. Die Histadruth und die Jewish Agency haben sich seit der Krise im Zusammenhange mit dem abessinisch-italienischen Konflikt mit Erfolg um eine konstruktive Konjunkturpolitik bemüht. 1 >ic Gesellschaft „B i z u r" z. B., die mit einem Kapital von mehr als ,CP SO000 ausgestattet ist, hat in Stadt und Land öffentliche Arbeiten beginnen lassen, die mehr als ,CP 300 000 Kapitalinvestitionen ermöglicht haben. Auch der Sicherheitsdienst hat nicht unerheblich Arbeiter absorbiert. Naphtali behandelte dann die vier wichtigsten Sektoren der jüdischen Wirtschaft: die P a r d e s s i m, die G c m i s c h t- Wirtschaft, das Bauwesen und die Industrie. — Die Lage in den Zitruspflanzungcn ist als normal zu bezeichnen. Die bisher erzielten Orangenpreise sind nicht so hoch, wie Optimisten es erwartet haften, aber sie sind gut. Wegen des Bürgerkrieges in Spanien glaubte man annehmen zu können, daß die spanische Apfelsine überhaupt nicht auf den Markt kommen würde; und so hatte man geglaubt, außergewöhnlich hohe Preise erzielen zu können. Die spanische Orange ist indessen exportiert worden, wenn auch nicht in bedeutenden Quantitäten. Die Preise für Grapefruit muß man bis jetzt als schiecht bezeichnen. Durch die großen Stürme sind viele Zitrusfrüchte vom Baum gefallen und exportunfähig geworden. Für die Preisgestaltung im Auslande ist das nicht wichtig, während die Preise auf dem Inlandsmarkte dadurch einen noch nicht beobachteten Tiefstand erreicht haben. Ein großer Teil jüdischer Arbeiter ist durch die Orangenpflücksaison absorbiert worden. Ob das Eindringen jüdischer Arbeiter in erhöhtem Ausmaß in der Pfanzungswirtschaft definitiv gesichert sein wird, läßt sich heute noch nicht übersehen und kann erst nach Beendigung der Ernte beurteilt werden. In den landwirtschaftlichen Gemischtbetrieben läßt sich eine Konsolidierung feststellen. Durch die Bemühungen um eine gewisse Autarkie in der jüdischen Wirtschaft haben die landwirtschaftlichen Produkte guten Absatz in den Städten gefunden. Man kann nicht sagen, daß die Wirtschaften Reichtümer gesammelt haben; aber bei den schweren Bedingungen, denen die Landwirtschaft in der ganzen Welt ausgesetzt ist, muß man sagen, daß dieser Zweig der Landwirtschaft „seinen Mann ernährt". Wenn die Preise der landwirtschaftlichen Produkte gestiegen sind, so erklärt sich dies aus der Verteuerung der Produktionskosten, insbesondere der aus dem Auslande einzuführenden Futtermittel, deren Weltmarktpreise stark angezogen haben. Durch Intensivierung der Wirtschaften und durch Einführung neuer Kulturen hat die Landwirtschaft einen nicht unerheblichen Teil neuer Arbeiter absorbiert. Es läßt sich also abschließend sagen, daß auf dem Lande die wirtschaftlichen Bedingungen gut sind. Die wirtschaftliche Basis in den Städten hat sich keineswegs als so kiisenfest erwiesen. Für das gesamte Bauwesen hat sich eine Verminderung von ca. 50 "b gegenüber der Zeit vor dem Ausbruch der Unruhen herausgestellt. Es ist klar, daß diese Reduktion durch den Rückgang der Einwanderungsziffern verursacht worden ist. Für den Wohnungsmarkt bedeutet das Schwinden der „Hausse" auf dem Baumarkte eine gesunde Erleichterung. In einer solchen Zeit könnte auch die öffentliche Hand helfend für die Arbeiter und die Bauindustrie eingreifen, wenn ihr genügende Mitte! zur Verfügung; ständen. Es gäbe dringende Bauaufgaben, wie Beseitigung der „Slums" in Jerusalem, Tel- Awiw und Haifa; Neubauten von Schulen, da fast alle Schulgebäude unzulänglich sind; die Stadtverwaltung von Tel- Awiw konnte endlich an den Bau des längst notwendig gewordenen Rathauses gehen usw. Die Privatwirtschaft im Baugewerbe* zieht sich auf dir Erstellung von Bürohäusern zunick. Ob wirklich ein so grober Bedarf an Geschäftsräumen vorliegen wird, wenn diese Bunten einmal fertig sein \yerdcn, laßt sich heute noch n muß in diesem Zusamm Awiw genannt werden, teilten Gaskouzcssion d sorbieren. Schwer ist I n d u s t r i e. 11 Schaden der Um Schäden, die nur waren. Neben i Betriebe war le t sagen. An öffentlichen Arbeiten lange der Bau des Hafens in Telrner wird die Ausnutzung der cr- Stadt Tel-Awiw Arbeitskräfte abdie Situation der jungen palästinensischen erbei handelt es sich nicht nur um direkte üben, sondern auch um die Aufdeckung von durch die Hausse des Jahres l'ijj verdeckt 'er allzu häufigen Dulcrkanitalisicrung der der festzustellen, daß in der Industrie an leitender Stelle teilweise Menschen arl .k gäbe nicht gewachsen waren. nach dem f wieder den Ruf ungelernten Arbeiter erschallen nach dem „Faehuntcrnchmcr" g tcrneiimer deutlicher hörbar Polster an Reserven hat, gewissen Erschütterungen f wurde durch den RuckL'an; des arabischen Konsumenten, Konkurrenz nach der Wäbrun die ihrer Auf- Wenn man in Palästina immer charbeiter im Gegensätze zum so müßte auch der Ruf n-r d ••> ungelernten Undie Industrie keine Absatzstockung zu Ab-atz Verminderung durch den Ausfall ' tc ausländische und das Nach- Da ede werden mußte ihren. Diese; der Alijah die s-Al verstarl vrtuu" lassen der Kaufkraft sehr starkspürbar. Einige industrielle Betriebe waren zur Schließung gezwungen; viele mußten ihre Produktion einschränken. Trotz der nicht unbedeutenden Schwierigkeiten der städtischen Privatwirtschaft läßt sich zusammenfassend feststellen, daß nach einem Gesundungsprozeß, der einzelne bisweilen schwer treffen mag, die Gesamt läge zu keinem Pessimismus Anlaß gibt. Bei dem weiteren Ausbau einer konstruktiven und harmonischen Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Kapital ist es nicht nur möglich, so manche Schäden zu beseitigen, sondern es haben sich viele neue Möglichkeiten in mannigfachen Zweigen der Wirtschaft gezeigt, die bei richtigem Kräfteeinsatz den Weg zur weiteren Entwicklung freimachen. Werner Bloch * Nach dem letzten Wirtschaftsbericht der Barclay's Bank zeigen die Lebensmittelpreise in Palästina weiterhin steigende Tendenz. Die Nachfrage ist stark. Infolge des schlechten Wetters ist ein vorübergehender Stillstand auf dem B a u m a r k t zu verzeichnen. Aus Syrien wurden in letzter Zeit 100 t Weizen und 500 t Gerste importiert. Der Markt in allen Getreidearten ist fest. Auch der Kolonialwarenmarkt ist lebhaft, die Preise sind gestiegen. Infolge der kalten Witterung finden wollene, baumwollene und Seidenwaren guten Absatz und werden im Durchschnitt auch gut bezahlt. Trotz des vorübergehenden Stillstands im Baugewerbe haben die Preise fnr Eisen infolge zu geringen Angebots angezogen. // „Müdes Miüehnmktima Die neuen Einwanderer, insbesondere die aus Deutschland, sind wieder einmal enttäuscht und erstaunt. Man hat sie gründlich betrogen. Am schlimmsten ergeht es denen, die ihre Palästinakurse ernst genommen haben. Die haben es doch ausdrücklich gelernt, daß sie in ein mildes Mutelmccrklinia kommen, der und jener erinnert sich auch noch dunkel an den Ausdruck subtropisch, der so etwas wie warm, Kaktus, Feigen und Kamele umfaßt. Angst hat man vielleicht manchmal vor dem Klima gehabt, und zwar weil es zu heiß sei, und es hat sich auch bereits herumgesprochen, daß die bösesten Tage in Palästina zur Zeit der Chamsine wären, wenn der heiße Sandwind aus der Wüste weht. Was aber jetzt hier seit zwei Monaten tobt, ist absolut regelwidrig, paßt nicht in die Palästinakunde, und die neuen Einwanderer sind mit Recht ungehalten. Die „Schleusen des Himmels" sind geöffnet, und der liebe Gott hat entweder vergessen, sie wieder zuzumachen, oder er will es einfach nicht. Es regnet nicht, es gießt wie aus Kannen vom Himmel herunter. In den Städten sind die Gummistiefel Trumpf, und es wäre Zeit natürlich besonders gemütlich, und viel Zähne/usammenbeißcn dazu, um se'm< den man sich ziemlich unweigerlich unter , holt, mit Eleganz zu tragen. Wenn der alte es gehört schon ai Rheumatismus, Uesen Umstanden Palästinenser den neuen Einwanderer, der diesen endlosen dem dauernden Slunnbeiilen nicht immer Himmelsfluten und gewachsen ist, noch Jen „guten Regenschirm besaß), wo vollkommen wahrscheinlich das beste, die Straßen, die sich mehrmals am Tage in Sturzbäche verwandeln, zu überschwimmen. Dazu ist es so kalt, daß sich die „berühmten ältesten Leute", die an solchen Tagen immer zitiert wenden, nicht darauf besinnen können, daß es jemals so war, es hagelt mit einem geradezu bedrohlichen Prasseln, sogar Tel-Awiw sieht viertclsttmdcnweisc weiß aus von Reif und Hagel, und in den Bergen ist es einmal richtig winterlich. Die Luxuriösen, die in den modernen Häusern in den Städten wohnen, wo es neuerdings Zentralheizung gibt, sind stolz und froh, wenn — die Heizung funktioniert. Wer nicht zu diesen wenigen Glückliehen gehört, besitzt vielleicht einen Pctroleumofen, der gelegentlich, wenn der Wind nicht zu temperamentvoll durch die verschiedensten Ritzen pfeift, eine behagliche Illusion von Wärme verbreifet. Aber die Heizungs- und Ofenbesitzer sind ja nur eine kleine Minorität. Für den Großteil der Palästinenser sind das unerschwingliche Luxuseinrichtungen, und nachdem man ein halbes Jahr mit Genuß über die Hitze gestöhnt hat, lernt man wieder einmal, daß alle Häuser in Palästina nicht auf den Winter eingerichtet sind und darf einmal gründlich frieren. Am besten ist es natürlich in den Siedlungen, besonders denen auf schwerem Boden, wo man, recht gesehen, eigentlich gar nicht mehr vor die Tür kann, wenn man nicht versinken und den Boden kiloweise an den Stiefelsohlen mitschleppen will. Baracken, die schön zugig sind, und Zelte sind bei den tollen Stürmen der letzte« besonders ärgern will, so erzählt er ihm von alten Zeiten", wo es ganz üblich war, mit dem schlafen zu gehen (wenn man notabeue einen Pctroleumofen ganz selten und Zentralheizung unbekannt war. Ks ist etwas Beruhigendes dabei, daß die schlechten und die guten Hauser in diesem Jahre sich nicht mehr so stark voneinander unterscheiden. Ueberall scheinen plötzlich die Dächer „als Sieb gebaut" zu sein, es regnet mit Vergnügen an den unwahrscheinlichsten Steilen durch. Will man einmal warm und trocken werden, so muß man eine Grippe bekommen, die es einem dann gestattet, ein paar Tage trocken und manchmal auch warm im Bett zu liegen. Aber bei alledem gibt es einen großen und einen kleinen Trost: wenn der Regen nächstens aufhört, dann wird es warm, und es kommen bald die Frühjahrschamsine, und was man aus Europa und Amerika in den Zeitungen liest, über Kältegrade und Schnee und Uebcrschwcmmungen, läßt uns einsehen, daß wir wirklich das große Los gezogen haben und im gelobtei Land mit seinem milden Mittelmeerklima sitzen ... W. K. Etwas über die palästinensische Post. Ein Leser schreibt uns: Folgende kleine Episode, die vielleicht die palästinensische Post charakterisiert, hat den Vorzug, tatsächlich wahr zu sein. Vor Haifa liegt der nicht unbekannte Ort Atlit. Eine Firma in Atlit korrespondiert sehr viel mit Haifa und bekam des öfteren ihre Post nicht direkt, sondern — über Athen, obwohl der Weg über Athen viel weiter sein soll. Seheinbar konnte der betreffende Beamte nur die beiden ersten Buchstaben lesen, und so wurde die Post dann nach Athen befördert. Der betreffenden Firma in Atlit lief dann doch die Galle über und sie schrieb einen geharnischten Brief an den Postmaster in Haifa mit dem Ersuchen, doch endlich für richtige Beförderung besorgt zu sein. Auf diesen Brief gab es auch Antwort, wenn sie auch erst nach sc-chs Wochen eintraf. Der Postmastcr entschuldigte sich in höflichen Worten, man wäre der Sache nachgegangen, hätte den betreffenden Beamten zur Rechenschaft gezogen und man versprach reumütig Besserung, es solle nie mehr vorkommen. Dieser Entschuldigungsbrief kam auch über — Athen. L.v.d,W. I! _____

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