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Jüdische Rundschau · 1937-02-09 · Heft 11 (9.2.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 11 (9.2.1937)
Date
1937-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 11, 9. II. 1937 Ehrungen für Huberman in London Der Anglo-Palcstinc-Club in London veranstaltete zu Ehren I I n b e r m ans einen Empfang, an dem Persönlichkeiten der musikalischen Kreise und der Diplomatie teilnahmen. Den Vorsitz führte der Direktor des Royal College of Music, Sir I!u;;h Allan. Ansprachen hielten der tschechoslowakische Gesandte Jan M a s a r y k und Graf M i c h a c l o \v s k i in Vertretung des polnischen" Botschafters Oraf Raczvnski. Der Protektor des Clubs, Viscount Cccil of Chc'lwood, Abg. James de Rothschild, Sir Thomas Bc cell am, Sir Landon Ronald, Sir Hamilton H a r t y, Mrs. Blanche Dugdale, Lord Mclchett, der polnische Botschafter Oraf Raczynski, der österreichische Gesandte Baron Frankenstein und eine Reihe anderer hervorragender Persönlichkeiten hatten ihr Fernbleiben schriftlich entschuldigt. Gesandter Masaryk erklärte, er sei stolz darauf, an dieser Huldigung für einen grollen Musiker, einen großen luden um! giolU-n Europäer teilnehmen zu können. Man sage, Palästina gehöre nicht zu Europa. In dem Hubennanschen Orchester aber besitze Palastina einen Wert, der zu dem besten Kulturgut Europas gehört. Er glaube, daß Europa in diesem Augenblick Mensehen wie Huberman brauche, die durch die Reinheit ihrer Auffassung von Musik und den ihnen zur zwciU-n Natur gewordenen Sinn für Humanität imstande sind, Europa aus einer Situation tu retten, die nicht sehr erfreulich sei. Graf A\ i e h n e 1 o w s k i führte aus, er empfinde es als persönliche Ehre, den polnischen Botschafter bei dieser Huldigung fiir Huberman vertreten zu können. Huberman sei vor allein Künstler; er könne Anspruch darauf erbeben, zu jener hervorragenden Gruppe von Vertretern der jüdischen Nation zu zahlt ii, die ihr Leben der Kunst geweiht haben. Er sei alier auvh nulir als Künstler: denn er habe Zeit gefunden, einen großen Teil seiner Kraft der Sache der Menschlichkeit zu widmen und sieh in den Dienst seines Volkes zu stellen. Von ihm die Inspiration und die Hilfe für jene Pioniere ausgeg.uigim. deren Leistungen in Palästina man mit stärkstem 1mm >se uml Sympathie verfolge. Gibt es sonst jemanden in der weilen Welt, fragte der Redner, der fiir Revisionistische Unruhen in Warschau Warschau, 3. Februar, (JTA.) Dreihundert Mitglieder des i cvi-iuniMi^clK-n Brith Trumpeldor und andere der NZ< K .angeschlossenen Organisationen stürmten am Dienstag die B ü r o r a u in e d e s W a r s e h a u e r P a 1 ä s t i n a - aiütcs, zerti um inerten die Inneiieimichtung und griffen die An ..!■-U ik.i'.i dl r /io:vsti!.chai Organisation an. Polizei drängte die Angrviier /muck uml verhaftete 10 von ihnen. Ursache der Unruhen i»i der bekannte Konflikt um die Alijahrechte lies l'eäar. Da* Palästiuaatnt eikeuut dem Betar, seitdem er aus der /ionist:-eben Organisation ausgeschieden ist, nicht mehr Alijahiechte zu, sondern will ein/einen Betarun auf Grund lies I lachs» hansh-Schlüs»eK Zertifikate geben, während die Iktar-Lvitun:; auf dem Standpunkt steht, daß diese Praxis einer Ve: \ve< :o :;mg der Alijahrechte überhaupt gleichkommt, weil das PalaMina mit keine Kontrolle über die I iachscharah- Kibhii/iiu iii> Bvi.ir haben kann. Die Betar-Leitimg fordert, daß ihr die dem Betar zukommenden Zertifikate kollektiv zur Verteilung an die einzelnen Betaruu übergeben werden. 1 liehe Exzesse fanden ein Echo in der Weltpresse. Auch dein sehe Zeitungen 1k richteten darüber. Die Londoner „Times" sagt, die Vorfalle gaben Anlaß zur Ucbcrprüfung der jetzigen Eiuwanderungsregulierung. Jüdische Volkshochschule in Prag z. r. Prag, im Januar Kürzlich wurde hier die „Jüdische Volkshochschule" als Fortsetzung der bisherigen Zionistischen Volkshochschule, die zwei Jahre >vhr erfolgreich wirkte, eröffnet. Prof. Salonion Gold et man als Leiter der Schule und Dr. Felix R e s e k als Obmann des zionistischen Distriktskoniitecs wiesen einleitend auf die Bedeutung und Notwendigkeit der jüdischen Bildun»»arbeit hin. Der Vortragende des Abends, Dr. Felix Weltsch, entwickelte in seinen Ausführungen seine Theorie des „Nationalhuinanismus". Der indische Vizeköniß und das Palästinaproblem. Unser ParWr K.-Be; ii hbi stattcr schreibt uns: Nach einer Mit« tuhi'\g der- „l'iaij.a" hat der cugINche Vizekönig in Indien, Lord L i n 1 i t h ' o sv dem inoliaminedanischen Komitee in Ilombay, das seit laiigerer Zeit in Indien Sympathiekundgebungen für die palaslineiisis.clien Araber organisiert, ein au «fithi In lies, ,M e ::: o r a n d u in ii h er die P a 1 a s t i n a - frag e n /ti:',i I.tti l.i.-seii. In diesem Memorandum unter- Mieieht Loui Linlitisv.ow alle Vorteile, die die britische Vcrwaiuiug dea p il.t^tiransi-chen Arabern gebracht hat und betont die Ab-kht der .\\amla1>rigicrung," auch weiter die Liiere-seu der Aiaber zu fördern. Palästina hat unter der Mam;at>vcfwj!tti!i': eine Zeit der wirtschaftlichen Prosperital erlebt und ist ans einem Emigrationsland für die Araber zu einem Jiniri.o.iHonskmd geworden. Die Mitteilungen von u:ur lirf.ihi.l.isig der heiligen Statten der Mohammedaner ihnen die >,ia!ia:ig des Jüdi-ihcn Nationalhcims bezeichnet Lmd Liiilr,li.;i..w ais \ollig unbegründet. Er unterstreicht auf der anderen Si ite, daß England entschlossen ist, das ihm vom Völkci buiid übertragene Mandat im Interesse und mit voller Loyalität gegeniiber beiden Be\ ölkertmgsgruppen in Palästina zur Durchführung zu bringen. (Wir haben über diese Antwort des. Vizekönigs, die schon mehrere Monate zurückliegt, seinerzeit berichtet. — A. d. R.) Der Circolo musieale letterario in Mailand, Via Pasquirolo 12 (Direktion Hans Baer), beging im Januar sein einjähriges Bestehen. Im Januar sprach u. a. Dr. Ouido L u z - zatto in deutscher Sprache über „Das letzte Werk Jacob Wassermanns". Ein Fest „Notte Veneziana" beendete die Veranstaltungen des Monats. Die dekorative Ausgestaltung der Räume besorgte für diesen Abend Peter Fingesten. Im Februar wird man u. a. den jugendlichen Geiger Tino Bacchette lue en, aiilieidcin sieht das Programm einen Vortrag der Graphologiii. Frau Dr. Alice Kitzinger vor. Der Bericht des Breslauer Jüdisch-Theologischen Seminars für das Jahr W'lb ist im Druck erschienen und enthält neben zahlreichen Mitteilungen über die Arbeit der Anstalt eine Untersuchung des Tabnuddo/eiiten Dr. Efraim Urbach über „Die Entstellung und Redaktion unserer Tossafot", in der eine zeitliche Festlegung der unter dein Namen „Tossafot" bekannten Glo-sen zu den verschiedenen Abschnitten des Talmuds versucht wird. Die Cellistin Regina Schein, ein« junge jüdische Künstlerin, konzertierte in Prag und fiel durch ihr kultiviertes, außerordentlich musikalisches Spiel auf. Dieser Schülerin Joachim Stutschweskys kann nian wohl noch eine beachtensweite Laufbahn voraussagen. sich den Ruhm in Anspruch nehmen könnte, in so kurzer Zeit und unter solchen Umständen ein Orchester begründet zu haben, das von seinem ersten Auftreten an als eines der bedeutendsten der Welt anerkannt wird? Besonders glucklich, sagte Oraf Miehaclowski zum Schiuli, bin ich darüber, diese Huldigung Huberman als einem polnischen Bürger darbringen zu können. Wir alle in Polen bewundern die Art, wie er in Treue zu Polen seinem Volk diesen Dienst geleistet hat. Es sprachen noch Leonard Stein im Namen der Jewish Agency und die Pianistin Miß Harriet Colie n. Zutiefst bewegt dankte Huberman für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Ansprach« Dr. Weizmanns Im Hause von Israel M. S i c f f fand ein Empfang zu Ehren von Huberman statt, dem führende Persönlichkeiten der englischen Gesellschaft beiwohnten. Dr. Weizmann, hob Hubermans großes Verdienst um die Musik in Palästina hervor. Er bemerkte, daß es verständlich sei, weshalb der Eindruck entstanden sei, daß das jüdische Nationalheim bereits bestehe, denn die 400 000 Juden in Palästina besitzen ein Symphonie-Orchester, das von einem Künstler von Hubermans Rang geschaffen und von Toscanini dirigiert wurde. In seiner Antwort sagte Huberman, daß er anläßlich seines ersten Besuches in Palästina vor sieben Jahren von der großen Kultur- und Musikbegeisterung der Bevölkerung hingerissen worden sei; auf diese Weise sei bei ihm der Oedanke entstanden, ein Orchester ins Leben zu rufen, Er dankte Herrn und Frau Sieff für ihre großzügige Hilfe bei der Verwirklichung dieses Gedankens. B r o n i s 1 a w H u her m a n wirkt am 9. Februar in Prag als Solist in einem Orchester-Konzert mit, das von Haus Wilhelm S t c i n b e r g, dem ehemaligen Berliner Kulturbund-Dirigenten, der kürzlich in Palästina auftrat, dirigiert wird. Zum Delegiertentagdes Misrachi Uns wird geschrieben: Der Deiegierfentag des Misrachi, der zu dem für Ende Dezember FJ36 vorgesehenen Zeitpunkt nicht abgehalten werden konnte, findet nunmehr am 14. Februar in Berlin im Logenhaus, Kleiststr. 10, statt. Es ist seit langer Zeit der erste Delegicrtentag, der Misrachi-Vertreter aus dem ganzen Reiche vereint. Wir haben seit längerer Zeit eine Hinwendung der Menschen zu den geistigen Gütern des indischen Volkes und ein wachsendes Interesse für die religiösen Grundlagen des Judentums beobachten können. Der Fk-sueh der Synagogen und Lehrhäuser nahm zu, Bücher, die in volkstümlicher Weise das religiöse Leben der Jugend darstellen, wurden geschrieben und viel gelesen. Trotzdem haben nur wenige Menschen mit einer wirklichen Umstellung ernst gemacht und nur wenige ihr ganzes Leben den religiösen Gesetzen untergeordnet. Viele Besucher Palästinas haben ihre Unzufriedenheit mit dem Mangel an religiösem Leben im Lande zum Ausdruck gebracht. Wir sprechen nicht von denen, denen die Unzufriedenheit mit dein religiösen Leben des Jischuw nur ein Vorwand für ihren Anii/iouismus ist. Wir denken an Menschen, die wirklich der Ueberzeugung sind, daß in einem jüdischen Land die jüdische Religion das Leben beherrschen muß, weil die religiöse Aufgabe von dem jüdischen Volk nicht wegzudenken ist. Aber auch diese Menschen begnügen sich meistens mit einer Erklärung ihrer Ueberzeugung, ohne sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Verwirklichung dieser Ueberzeugung einzusetzen. Aufgabe des Misrachi ist es, die Kenntnis des Wertes der jüdischen Tradition zu verbreiten und ihre Bedeutung für das Leben des jüdischen Volkes aufzuzeigen, um in dem Juden den Willen zu erwecken, die Thora in seinem Leben zru verwirklichen und beim Aufbau Erez Israels auf der Grundlage der Tiiora mitzuwirken. Aufgabe des Misrachi ist es ferner, die der Tradition nahestehenden Menschen für die Mitwirkung beim Aufbau Erez Israels zu gewinnen, ihnen zu zeigen, daß Jischuw Erez Jisrael eine Mizwah ist, die erfüllt werden muß mit Einsatz der ganzen Person, ihnen vor Augen zu führen, daß Erez Israel durch die Menschen geformt wird, die im Lande arbeiten, daß wir dafür verantwortlich sind, daß die Jugend im Geiste der Thora erzogen wird, und daß die Thora zur Richtschnur für das Leben in Erez Israel wird. Der Delegicrtentag wird beraten müssen, in welcher Weise der Misrachi diese grollen Aufgaben erfüllen kann, wie seine Organisation gestärkt und gefestigt wird, und wie der Einfluß des Misrachi in den zionistischen und in den allgemeinjüdischen Körperschaften in erhöhtem Maße geltend gemacht werden kann. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wendet sich mit einem Aufruf an die Gemeinden, des 500. Geburtstages Don Isaac Ahrabanels zu gedenken. Da das Datum der Geburt nicht feststellt, können die Veranstaltungen zu jeder Zeit in diesem Jahre abgehalten werden; der Vereinheitlichung wegen bringt der Laudesverband die Zeit um das Peflachtest in Vorschlag. Arbeitsgemeinschaft jtidischer Amateurphotographen. Der Von der Arbeitsgemeinschaft mit Unterstützung des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland veranstaltete Wettbewerb der jüdischen Amateurphotographen Deutschlands ist abgeschlossen. Es kamen ca. 400 Anfragen aus ganz Deutschland, die das Interesse der jüdischen Amateure an der Veranstaltung bewiesen. Zum Wettbewerb selbst erfolgten ca. 100 Einsendungen mit ca. 600 Bildern. Unter diesen befand sich ein kleiner Bruchteil weniger brauchbarer Leistungen, dagegen zeigte die Mehrzahl der Einreichungen ein hohes Niveau der jüdischen Amatcurphotographic. Es befanden sich darunter «inige ausgesprochene Spitzenleistungen. Folgende Einsender wurden prämiiert: GruppeA (Anfänger): 1. Preis: Bruno Roth, München; Dr. Hugo Stern, Frankfurt a. M. 2. Preis: Rudolf Heymann, Berlin-Wilmersdorf; Frau Lucy Jourdan, Frankfurt a. M.; Kurt Strauß, Ludwigshafen. 3. Preis: Heinz Bauer, Mannheim; Leonhard Kahn, Frankfurt a. M.; Albert Adler, Frankfurt a. M.; Julius Kahn, Hamburg; Rosie Stern, Frankfurt a. M. — Gruppe B (Fortgeschrittene): I. Preis: Dr. Fr. Frankfurter, Frankfurt a. M.; Walter Drevfuhs, Mannheim. 2. Preis: Frau Pauline Jacoksohn, Augsburg; Dr. Walter Katzenstein, Köln; Kurt Sel'dis, Berlin W. 3. Preis: Heinz -Hermann, Hamburg; Nachmann Lichner, Frankfurt a. M.; Gurt Pfeiffer, Breslau; Dr. A. Heller, München; Ernst Meier, Mannheim, Ferner wurden noch für besonders gute Leistungen elf lobende Erwähnungen in Diplomform erteilt. Die prämiierten Bilder und sonstigen guten Leistungen werden in einer Ausstellung zusammengefaßt. Wie gff**lalle ich den Sehitl»bat? Für Schabbat, 13. Februar Wochenabschnitt: „T'ruma" (II. B. M. Kap. 25, 1 — 27,10) Es ist ein ausdrückliches Gebot, einem Armen durch Darlehen behilflich zu sein (II. B. M. Kap. 22,24), das nach Ansicht unserer Weisen über dem Gebot steht, Zedaka zu üben, dem Armen mit Almosen auszuhelfen. Die Thora warnt davor, sich der Pflicht der Leihgabe zu entziehen. Streng verboten ist es, den Schuldner zu bedrängen. So ist es z. ß. untersagt, sich seinem Schuldner zu einer Zeit zu zeigen, wo der Gläubiger annehmen muß, daß der Schuldner nicht in der Lage ist, ihm die Leihgabe zurückzugeben. Er darf nicht bei ihm vorübergehen, um dem Schuldner nicht zu beschämen oder Angst einzujagen. Andererseits darf der Schuldner nicht böswillig den Gläubiger hinhalten. Man darf sich auch nicht ein Darlehen nehmen und es für überflüssige Dinge ausgeben, auch dann nicht, wenn der Gläubiger ein sehr reicher Mann ist. Fordert der Gläubiger sein Darlehen zurück und ist der Schuldner nicht in der Lage zu bezahlen, so hat der Gläubiger das Recht, sich am beweglichen Gut des Darlehenempfängers schadlos zu halten. Reicht dieses nicht aus, so erhält er sein Geld aus den Immobilien. Kleidungsstücke, die der Frau oder den Kindern des Schuldners gehören, darf der Gläubiger nicht zu sich nehmen, selbst wenn sie noch neu sind. Dem Schuldner ist genügend Nahrung für 30 Tage zu lassen und angemessene Kleieiung für ein Jahr. Auch ein Bett muß ihm zur Verfügung gestellt werden. Ein Teil seines Werkzeuges ist dem Schuldner zu belassen. Einige Bemerkungen zu unserem Wochenabschnitt finden sich in dem Aufsatz von Franz Rosenzweig: „Die Schrift und Luther", wieder abgedruckt in: Martin Buber und Franz Rosenzweig: „Die Schrift und ihre Verdeutschung". Wir verweisen hier insbesondere auf S. 115 ff. und S. 120. I.E. Die Entwicklung der Aggadah (II) Heimat der Aggadah. Als Heimat der talmudischen Aggadah gilt Palästina. Hier im Lande der jüdischen Vergangenheit, wo die schöpferischen Kräfte mit ununterbrochener Intensität noch Jahrhunderte nach dem Erlöschen der jüdischen Staatlichkeit fortwirkten, konnte das Volk über seine geschichtliche Wirklichkeit vor allem nachsinnen und den Traum seiner einstigen Herrlichkeit fortspiunen. Die Schönheit des Landes und die geschichtlichen Erinnerungen gaben der Phantasie des Volkes ihren Antrieb und bereicherten sie. Andererseits wirkte es sich aus, daß die Lehrer und Führer des Volkes in ständiger Berührung und Auseinandersetzung mit den verschiedenen Sekten, mit den Gnostikern und Minäern (= Judenchristen) standen, was der Aiggadah einen besonderen Ansporn gab und ihre Entwicklung förderte. Dagegen scheint Babyloni'en in seiner Leistung auf dem aggadisenen Gebiete, im Gegensatz zur Halachah, völlig sekundär und von geringer Bedeutung zu sein. Der bekannte Erforscher der Aggadah, Wilhelm Bacher, bezeichnet „die Aggadah der babylonischen Amoräer als Episode in der Geschichte der Aggadah". Die Sprache der talmudisch-midraschischen Aggadah ist das Hebräisch der Mischria, in der der klassische Prosastil der nachbiblischen Zeit, in seiner ganzen mannigfaltigen Lebendigkeit, in seiner dichterischen Pracht, in der Farbigkeit seiner echt-orientalischen Schilderung zum Ausdruck kommt. Die Zeit, in der die Aggadah entstand, war reich an Verfolgungen und Unterdrückungen, und so tönt oft von dort die" Stimme der Unterjochten,'des um seine Erlösung ringenden Volkes zu uns herüber. Zahllose Stellen zeugen von hohem dichterischem Schwung und Pathos, von Erhabenheit und Reinheit der Gesinnung. Oft werden wir von der leidenschaftlichen Tiefe des Gedankens, von dem kühnen Anflug der Phantasie und von der Sehnsucht nach Erlösung ergriffen. Mündliche und schriftliche Ueberlieferung. In ältester Zeit wurde die Aggadah in mündlicher Ueberlieferung fortgepflanzt und durfte, ähnlich wie bei der Halachah, nicht aufgezeichnet werden. Dennoch haben wir zahlreiche Beweise, daß schon lange, bevor die ersten Sammlungen entstanden, Aufzeichnungen aggadiseher Textevorhanden waren. In den tahnudischen Quellen finden wir u. a. erwähnt: 1. Eine Genealogien-Rolle (Megillat Juchassin) mit zahlreichen Aufzeichnungen historischer und sonstiger Ereignisse (vgl. Jcbamot 40 b). 2. In Sanh. 57 b wird ein „Aggadah-Buch des Lehrhauses Raw" (Sefcr Agadta d'be Raw) erwähnt, und 3. Pesaehim 52b spricht von einem „Genealogien-Buche" (Sefer Juchassin). 4. Auch eine „Megillat Chassidim" war in alter Zeit vorhanden, und daneben wird noch B. Batra 52 a ein anderes „Aggadah-Buch" (Ssifra d'Agndta) erwähnt. 5. In diesem Zusammenhange wird auch noch die bekannte „Fastenrolle", die Megillat Taanit aufgezählt. Diese Rolle enthält ein Verzeichnis jener Tage, an denen nicht gefastet werden darf, zumal an ihnen einst freudige Ereignisse geschehen sind. J. M. Einer der bekanntesten französisch-jüdischen Dichter, Henri Duvcrnois, ist, wie unser Pariser Korrespondent berichtet, plötzlich gestorben. Duvcrnois, dessen eigentlicher Name Schwabacher lautet, ist 1S75 in Paris geboren und entstammt einer angesehenen elsässisch-jüdischcn Familie. Er hat neben einer ausgedehnten journalistischen Tätigkeit eine große Anzahl von Romanen und Theaterstücken geschrieben, in denen er sich als feinsinniger Schilderer der französischen Gesellschaft, insbesondere des Lebens der Hauptstadt, zeigte. Man hat ihn oft als den Nachfolger Guy de Maupassants bezeichnet und ebenso wie bei dem großen Sittenschildcrer des Zweiten Kaiserreichs und der Dritten Republik lag auch Duvcrnois' Hauptstärke in der Novelle und Kurzgeschichte. Von Beginn seiner literarischen Tätigkeit an sind Duvcrnois reiche Erfolge zuteil geworden. 1033 zeichnete ihn die französische Akademie mit dem großen Literaturpreis aus und die französische Regierung hat ihm das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion verliehen. Die französische Presse hat Duvcrnois lange und sympathische Nachrufe gewidmet und betont, daß mit ihm einer der besten Vertrete des Pariser Geistes dahingegangen ist. Im jüdischen Leben Frankreichs ist Duvcrnois nicht hervorgetreten. Der Im Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete (Herford, Bielefeld, Detmold, Paderborn, Minden, Rheda, Hamm, Münster, Osnabrück und Oldenburg) veranstaltete Gesangs- und Klavierabend mit Grete Rosenbaum, Düsseldorf, und Gerhard Berkowitz, Hannover, war ein großer Erfolg, Beide Künstler ernteten in allen Vortragsorten reichen und ehrlichen Beifall. — Julius 1} a b hielt im Kulturbund für Ostwestfalen in den zehn angeschlossenen Städten zwei Vorträge: „Der Widerhall der Bibel in der europäischen Dichtung" und „Der Jude als Motiv in der europäischen Dichtung".

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