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Jüdische Rundschau · 1937-02-02 · Heft 9 (2.2.1937) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 9 (2.2.1937)
Date
1937-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sehe 4 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 2. II. 1937 Seefahrts-Hachscharah Rassenunterschied als Ehescheidungsgrund inOesterreich Zum ersten Male ist laut .,Frankf. Ztg." vom 31. 1. 37 von einem österreichischen Gericht die Verschiedenheit der Rassen — es handelt sich um einen Reichsdeutschen und seine jüdische Gattin — als Ehescheidungsgrund anerkannt worden. Das Ehepaar hatte im beiderseitigen Einvernehmen die Scheidung ausdrücklich wegen der durch die Rassenverschiedenheit verursachten (gegenseitigen) unüberwindlichen Abneigung begehrt. Das Gericht gab der Klage statt und trennte die in Berlin geschlossene Ehe des Paares unter Anerkennimg dieses Grundes. In der Urteilsbegründung heißt es, ohne daß ein Werturteil über die einzelnen Rassen abgegeben werden solle, es sei festzustellen, daß es auch innerhalb der einzelnen Hauptrassen verschiedene Rassen gebe; dies sei eine für die wissenschaftliche Forschung feststehende Wahrheit. Das habe nichts damit zu tun, daß aus der Rassenfrage ein Politik um wurde. Die Rassenwissenschaft lehre auch, daß die Vermischung mancher Rassen ein gutes, anderer wieder ein schlechtes Ergebnis habe. Viele Menschen wollten Unterschiede zwischen Deutschstämmigen und luden nicht zugeben. Diese Ansicht sei aber falsch. Die Verschiedenheit zwischen Deutschen und Juden bestehe unzweifelhaft. Dieser Rassenunterschied sei nicht nur an der äußeren Erscheinung, sondern vor allem auch in der anderen Art des Charakters, des Geistes und der Seele feststellbar. Die Neigungen und Abneigungen seien andere. Die verschiedene Art der Stellungnahme zum I eben müsse daher in einer ehelichen Gemeinschaft besonders schwer empfunden werden. Aus diesem Grunde könne das Gericht wohl mit Recht annehmen, daß die Ehepartner einander auch wirklich abgeneigt seien und daß sich daran nichts andern lasse. Da dem Mann außerdem Ehebruch nachgewiesen werden konnte, wurde die Ehe aus seinem Verschulden geschieden. „Jüdische Abstammung;" keine Verleumdung: Budapest, 30. Januar. (JTA ) Der Advokat Dr. Kar! Kiss in Bekasmegyer hatte gegen den pensionierten Finaii/ininisteriimis - Rechmuigskontrollcur Georg V i d o v o c s die V e r 1 e u m d u n g s k 1 a g e angestrengt, weil dieser bei einem Anlaß behauptet hatte, Kiss sei „jüdischer A b s t a m in u n jj". Dies sei für ihn beleidigend gewesen, da man weit und breit in der Umgebung seine christliche Auffassung kenne. Der Gerichtshof hatte sich schon früher mit dieser Angelegenheit befallt. Der Verteidiger des Angeklagten argumentierte damit, daß es in Ungarn ja keinen Arierparagraphen gebe, daher könne es weder als Beleidigung i!<nh als Verleumdung gelten, wenn von jemandem behauptet wird, er sei jüdischer Abstammung. Das Gericht sprach dann auch Vidovoes von der Anklage frei mit der Begründung, daß in Ungarn die jüdische Religion eine anerkannte Konfession sei. Die /weite Instanz bestätigte das Urteil mit der Begründung, es könne vom Gesichtspunkt Karl Kiss' schmerzlich oder tinangenehm sein, was Vidovoes von ihm behauptet habe, doch eine Strafhandlung habe der Angeklagte nicht begangen. Zionismus in Jugoslawien Von unserem Berichterstatter J. IL, Beograd, 28. Januar Dieser Tage wurde in Zagreb die jährliche Tagung des Verbandsausschusses des jugoslawischen zionistichen Landesverbandes abgehalten. Die Tagung wurde von zahlreichen Deleierten aus vielen Städten des Landes besucht. Sie stand im eichen der Situation in Palästina im Zusammenhange mit der Arbeit der Kgl. Kommission. Es war erfreulich feststellen zu können, daß trotz der sehr schweren Situation in Palästina die jugoslawischen Zionisten in dieser Berichtsperiode weitere Fortschritte auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit erzielen konnten; besonders gilt das für die nationalen Fonds und den Schekel. Die Tagung schloß mit einer Rede des Landespräsidenten Dr. Alexander Licht, der alle anwesenden Zionisten zur Pflichterfüllung in dieser schweren Zeit aufrief. Der Hauptdelegierte des KKI. aus Jerusalem für Mittel- und Westeuropa, Adolf P o 1 1 a k, weilt soeben in Jugoslawien und hat bereits eine sehr erfolgreiche Arbeit in Zagreb hinter sich. Besonders erwähnenswert sind zahlreiche Zusammenkünfte, die er in früher assimilatorisch betonten Kreisen abhielt. Adolf Pollak ist es durch seine Ausführungen gelungen, ans diesen Kreisen zahlreiche neue Freunde für die zionistische Idee zu gewinnen. Herr Poilak wird sich in Jugoslawien längere Zeit aufhalten und alle größeren Städte des Landes besuchen. Zur Zeit weilt, in Jugoslawien Fräulein Martha Ooldberg von der Jugend-Alijah. Sie hielt bereits in Beograd und in Zagreb erfolgreiche Vortrage mit Filmvorführungen über die Jugeml-Aliiah und es gelaug ihr, nicht nur Freunde zu gewinnen, sondern auch Mittel für die Arbeit der Jugend- Ali iah zu sichern. Fräulein Goldberg wird auch in den anderen grölieren Städten Vortrage über die Jugend-Alijah abhalten. Notizen aus Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, den 26. Januar Der vor einiger Zeit eingewanderte jüdische Innenarchitekt und Maler Günter Hirse hei (früher Breslau) führte eine Ausstellung seiner Arbeiten in der Galerie Montparnassc durch. Diese Ausstellung brachte einen großen Erfolg. In sehr eindrucksvoller Weise zeigt die Ausstellung dem Besucher, wie man eine moderne Wohnung zweckmäßig einrichtet, und sowohl die ausgestellten Möbel als auch die Malstudien Hir- Schcls, sowie seine Photornontagen verraten den Künstler von Ruf. Die gesamte Presse sprach lobend über die Ausstellung. Nach Beendigung der panamerikanischen Friedenskonferenz in Buenos Aires stattete der brasilianische Außenminister H. Macedo S o a r e s Chile einen Staatsbesuch ab. Bei dieser Gelegenheit überreichte er am 30. Dezember in der brasilianischen Botschaft in Santiago de Chile hohen chilenischen Regieruitgsbenmten Orden seiner Regierung. Dabei wurde dem Chef der diplomatischen Abteilung im Außenministerium. Benjamin Cohen, die zweithöchste Auszeichnung, der Orden de! Cruzeiro do Sul, im Grade eines Großoffiziers verliehen. Der Vertreter der chilenischen Juden auf dem jüdischen Weltkongreß in Genf, M. G r a i v c r, hielt in diesen Tagen in Santiago mehrere Vorträge über seine Eindrücke in Palistina, das er bereist hat. Eine große Zuhörerschaft folgte Seinen Ausführungen mit lebhaftem Interesse. Nach Zeitung-mieldungen wurde der Universitätsprofessor Victor Loe wc n warter eingeladen, an einem internationalen Rechtskongreß teilzunehmen, der am 4. August 1937 im Fricdcnspalast im Haag eröffnet wird. Der Präsident der Zionistischen Vereinigung von Argentinien, Samuel Rabinovich, hielt sich einige Tage in Santiago auf. In den Besprechungen mit den Führern der hiesicn Zionisten wurde betont, daß es nötig sei, die zionistische rbeit in allen südafrikanischen Ländern zu zentralisieren, wobei die einzelnen Landesgruppen im ständigen Kontakt miteinander bleiben sollen. Aus der Arbeit des Hechaluz Wir erhalten vorn „Hechaluz" nachstehende Mitteilung: Der Hechaluz als Träger der Umschichtungsbewegung innerhalb der jüdischen Jugend hat seit drei Jahren die Seefahrts-Hachscharah in sein Hachscharahwcrk mit einbezogen 30 Chawerim des Hechaluz aus Deutschland fahren heute auf jüdisch-palästinensischen Schiffen teils als Matrosen, teils als Heizer und Maschinisten. 30 Chawerim sind zur Zeit noch auf Hachscharah, weitere 50 werden im Laufe des Frühjahrs 1937 mit der Hachscharah beginnen. Wenn nun in den letzten Monaten der Hechaluz sein besonderes Augenmerk gerade der Seemanns-Hachscharah zuwandte, so deshalb, weil das Land und seine Notwendigkeiten, der Kampf um die wirtschaftliche Unabhängigkeit des jüdischen Jischuw, der Hafenbau von Tel Awiw und der Ausbau der jüdischen Schiffahrt in erster Linie die Berufswahl seiner Chawerim bestimmt. Der Kampf um die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Jischuw darf steh nicht allein auf die mit dem Land verbundenen Wirtschaftszweige beziehen. Ohne Eroberung des Meeres werden wir immer in Abhängigkeit bleiben. Ein Volk, das an den Ufern eines bedeutenden Meeres wohnt, kann nicht ohne schwere wirtschaftliche Nachteile und Schäden auf die Dauer ohne diesen Wirtschaftszweig leben. Deshalb ist der Seemann für die normale Struktur sozial und gesellschaftlich so wertvoll wie der Bauer und Landarbeiter. Und genau so, wie vor Jahren die Landwirtschaft erschlossen wurde, ist heute die Eroberung des Meeres mit die wichtigste chaluzische Aufgabe. Zu den äußeren Schwierigkeiten dieses Unternehmens kommen die inneren. Vorläufig stehen uns weder Menschen noch Kapital zur Verfügung. Auch ist die Arbeit des Seemannes schwerer als andere Arbeit. Alle Vorstellungen über die Erlebnisse der Seefahrt, über das Sehen fremder Länder, die wir aus der Lektüre unserer Knabenjahre hergeleitet haben, sind falsch und erwecken Illusionen. Seefahrt bedeutet härteste Arbeit, oft Einsatz des Lebens, einen normalen Arbeitstag von 8 Stunden gibt es nicht, ein Familien- Eine revisionistische Opposition Eine außerordentliche Konferenz führender Revisionistcn-Zion isten Oesterreichs hat folgende Entschließung gefaßt: „Die außerordentliche Landeskonferenz der Neuzionistischen Organisation Oesterreichs konstatiert mit Bedauern, daß die oberste Leitung der Weltbewegung, die Ncssiut, in ihren beiden Zweigen (London und Warschau) einer Meisterung der gegenwärtigen katastrophalen Situation des jüdischen Volkes nicht gewachsen ist. Die personelle Zusammensetzung der Ncssiut, ihre absolute Passivität und ihre ideologische Einstellung, die einem Abbau des revolutionären, nationalen Grundprinzips des Revisionismus gleichkommt, machen eine radikale Änderung notwendig. Die Ncssiut hat zu den umstürzenden Ereignissen im Lande Israel nichts zu sagen, sie weiß im Angesicht des britischen und arabischen Generalangriffes auf die jüdische Freiheitsbewegung und deren Bestrebungen im jüdischen Heimatlande nichts zu tun! Die außerordentliche Landeskonferenz der NZO Oesterreichs, die zum Zwecke der Betrachtung des gefährlichen Krisenzustandes in der Weltbewegung einberufen wurde, sieht sich daher gezwungen, der ob e rsten Leitung, der Nessiut, das tiefste Mißtrauen auszusprechen, die Forderung nach deren schleunigster Demission zu erheben und Nassi Jabotinsky zu bitten, neue, den Aufgaben der Zeit gewachsene Männer, mit der Leitung der Bewegung zu betrauen." Auf der Konferenz gaben einige Revisionistenführer Oesterreichs mit Zustimmung von Revisionistenführern in anderen Ländern die Gründung einer oppositionellen Fraktion innerhalb der NZO mit dem Namen „Die Aktion" (Brith Halochmim) bekannt. Verschiebung der A. C-Sitzung? London, 28. Januar. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die von der Zionistischen Exekutive bereits für Mitte April einberufene Tagung des Zionistischen Aktions-Comites, die in Jerusalem stattfinden soll, verschoben werden wird, bis die Vorschläge der Kgl. Kommission veröffentlicht sein werden. In den Kreisen der zionistischen Leitung in London glaubt man, daß diese Veröffentlichung erst Anfang Mai erfolgen wird. Aus dem jüdischen Leben in Frankreich. Aus Paris schreibt unser K.-Bcrichterstatter: Dr. Wci 11- Halle, der Direktor des Institutes für Säuglingspflege in Paris, hielt einen Vortrag über seine Palästinareise, in dem er besonders seine Eindrücke von der Entwicklung der hygienischen Bedingungen im Lande schilderte. — Die Pariser Wizo- Gruppe hielt zur Feier ihres zweijährigen Bestehens eine Festtagung ab, auf der die Vorsitzende Frau Scherman die Eiitwicklung der Gruppe schilderte. Im Namen der französischen Wizo überbrachte Madame Fildermann Glückwünsche. — Der französische Keren Kajemcth legt jetzt seine Arbeitsergebnisse für 1036 vor. Die Einnahmen sind auf 0 30 (XX) Frcs. gegen 488 000 Frcs. im Vorjahre, d. h. um 25 "'o, gestiegen. Der Einnahmenzuwachs war besonders stark in den letzten vier Monaten des Jahres. — Der bekannte katholische Publizist O s c a r de Ferency sprach in einer Pariser Synagoge über „die antisemitische Bewegung in Frankreich". „Die katholische Religionsgemeinschaft lehnt diese Propaganda ab. Sie führt mit der jüdischen Gemeinschaft den Kampf gegen die antireligiöse Bewegung, die sich unter der Jugend aller Konfessionen ausbreitet. Der Redner forderte eine gemeinsame katholischjüdische Front zur Verteidigimg der geistigen Werte der zivilisierten Welt." — Der Sohn des Hauptmanns Alfred Dreyfus, Pierre Dreyfus, der kürzlich die Tagebücher und Briefe seines Vaters veröffentlichte, hielt im Kähmen der „Ose" einen Vortrag über die „Affaire". — Im Rahmen der Vorträge des „Chema Israel" hielt Professor Marcel Brunschvlg einen Vortrag Aber „den Einfluß der Bibel auf die französische Literatur in der romantischen Periode". „Besonders drei große französische Dichter dieser Ztit: Lamartine, Vigny und Victor Hugo sind in ihren Werken entscheidend von der Bibel beeinflußt worden. Der Vortragende betonte, daß die Bibel stets eine der großen Quellen der menschlichen Dichtung bleiben wird." Die Auswandcrungsgesellgchaft Hias-ka (Hicem) hat im Verlaufe des Jahres 1936 2396 Auswanderer aus Deutschland befördert, davon 1965 nach Ucbcrsee. Aus den Ländern Osteuropas hat die Hicem im Jahre 1936 insgesamt 6687 jüdisch« Auswanderer befördert. leben ist viel schwerer zu führen. All dieser Dinge müssen sich die Menschen, welche diesen schweren aber wichtigen Beruf ergreifen wollen, bewußt sein. Andere Völker haben eine Jahrhunderte alte Tradition in der Seefahrt. Bei den Küstenbewohnern europäischer Völker trat der Sohn in die Fußtapfen des Vaters. Wir haben nichts, wo wir anknüpfen können. Wir müssen erst einmal den Anfang machen. Und darum geht es. Die beim Mcrkas Hechaluz neu gegründete Machleket Hajam hat folgende Arbeitsgebiete und Ziele: die geeigneten Mensehen auszuwählen und für ihren Beruf vorzubereiten, sie in Gruppen zusammengefaßt zur Hachscharah auf Schulschiffe oder zur Fischcrei-Hachscharah zu bringen, für ihre weitere Ausbildung zu sorgen und ihnen nach ihrer Alijah Stellen bei den jüdischen Scniffahrtsgescllschaften zu verschaffen, weiterhin auch während der Hachscharah in ständiger Verbindung mit ihnen zu bleiben durch Versorgung mit hebräischem Lehrmaterial und den Veröffentlichungen des Hechaluz. Auch in den Ausbildungsplan der Mittleren-Hachscharah wird die Seefahrts-Hachscharah einbezogen werden. Von einer Einzelausbildung werden wir bei der besonderen Problematik der Mittleren-Hachscharah Abstand nehmen, hier kommt nur eine Kollektivausbildung auf einem Schulschiff in Frage. Regelmäßiger hebräischer Unterricht, Palästinakunde, Beschäftigung mit zionistischen und allgemeinjüdischer. Fragen neben gründlichem theoretischem Unterricht werden auch hier mit zum Ausbüdungsplan gehören. Im Zusammenhang mit der Seemanns-Hachscharah ergeben sich sehr viele Fragen, z. B. um nur eine herauszugreifen: die Schaffung von Seemannsschulen, die über den Rahmen der Hachscharah hinausgehen und von uns allein nicht gelöst werden können. In einzelnen Ländern existiert bereits seit Jahren eine Organisation zur Förderung der Seefahrt unter den Juden mit dem Ziel der Schaffung von Scefahrtschulcn und der Ausbildung von qualifizierten Seeleuten, sowie des Ankaufs von Schulschiffen und Errichtung von für die Fischerei wichtigen hydrobiologischen Stationen. Arierparagraph im neuen Beamtengesetz Das neue Deutsche Beamtengesetz, vom 26. Januar 1936 bestimmt in seinem § 25, daß Beamter nur werden kann, wer deutschen oder artverwandten Blutes ist und, wenn er verheiratet ist, einen Ehegatten deutschen oder artverwandten Blutes hat. Ist der Ehegatte Mischling zweiten Grades, so kann eine Ausnahme zugelassen werden. Ein Beamter darf eine Ehe nur mit einer Person deutschen oder artverwandten Blutes eingehen. Ist der Verlobte Mischling zweiten Grades, so kann die Eheschließung genehmigt werden. Ferner ist nach § 26 als zweite Voraussetzung für die Ernennung zum Beamten das Erfordernis der Reichsbürgerschaft autgestellt worden. Nach § 51 scheidet der Beamte mit Ablauf des Tages, an dem er das Reichsbürgerrccht verliert, aus dem Beamtenverhältnis aus. Die oberste Dienstbehörde kann im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern die Fortdauer_ des Beamtenverhältnisses anordnen. Nach § 59 ist der Beamte zu entlassen, wenn sich nach seiner Ernennung herausstellt, daß er oder sein Ehegatte nicht deutschen oder", artverwandten Blutes ist, oder wenn er nach seiner Ernennung; die Ehe mit einer Person nicht deutschen oder artverwandten Blutes ohne die erforderliche Genehmigung geschlossen hat. Dies gilt nicht, wenn bei der Ernennung oder bei der Heirat ohne sein Verschulden angenommen worden ist, daß er oder sein Ehegatte deutschen oder artverwandten Blutes ist Ein Untersuchungsbericht Ober die britische Dominionentwicklung. Der konservative Unterhausabgeordnete Sir P. H a n n o n veröffentlichte gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeister von Newcastle Councillor R. S. Dalgleish einen Bericht an das Forschungsinstitut für Empire-Entwick'r lung und -Siedlung. In dem auf Grund von persönlichen Eindrücken abgefaßten Bericht heißt es u. a.: „In gewissen Kreisen der Ueberseebevölkerung herrscht das utfühl, daß die englische Regierung und die Regierungen der Dominions nichts für die Erhaltung des Empire für die britische Rasse tun, und es wird immer wieder kritisiert, daß die englische Regierung eine konstruktive Einwanderungspolitik sehr vermissen läßt. ... Regierung und Parlament können nicht energisch genug darauf hingewiesen werden, daß fremde Siedler mit Anschauungen, die britischen Ideen und Traditionen vollkommen fremd sind, Bewohner großer fruchtbarer Gebiete werden und die britischblütige Bevölkerung von diesen Gebieten ausschließen, die in dem Gedanken, daß das Empire ihr Geburtsrecht ist, erzogen wurden. Die Durchführung von Maßnahmen, dieser wachsenden Gefahr fremder Beherrschung in gewissen Teilen des Empire entgegenzutreten, ist dringend notwendig und verdient die unmittelbare Aufmerksamkeit des Dominions Office." Zionistische Frauenarbeit in Oslo. Unser Osloer JS.- Berichterstatter schreibt: Die durch die Initiative von Frau Hanna Steiner (Prag) gegründete Wizo-Organisation in Oslo hielt ihre erste Veranstaltung ab. Die Vorsitzende, Frau Rabbiner Samuel, hielt einen Vortrag über: ,,Die Bedeutung der Wizo für die jüdische Frau". Fräulein Cäcilie Levinsohn brachte Auskünfte und Vorschläge für die praktische Arbeit der Oslo-Gruppe vor. Es knüpfte sich daran eine sehr rege Diskussion. Sodann las Fräulein Elsa Rubinstein aus dem Wizo-Heft „Die jüdische Mutter" und zum Abschluß sah man den Lichtbildstreifen „Die arbeitende Frau in Palästina", den Fräulein Ella Bernstein mit einem erläuternden Vortrag begleitete. Hachscharah In Holland. Unser RL.-Berichterstattef schreibt uns: Eine seit dem Jahre 1910 bestehende Stiftung zur Förderung der Hachscharah in Holland, die aus verschiedenen Gründen bisher nicht zu selbständiger Tätigkeit gelangt war, hat jetzt einen für den Gartenbau geeigneten Komplex in der Nähe von Gouda, der auch ein großes Gebäude zur Aufnahme der Lehrlinge umfaßt, erworben und will dort Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren — bis zur Höchstzahl von 20 — in einem zweijährigen Lehrgange die für den Gartenbau notwendige Ausbildung geben. Durch Personalunion zweier Vorstandsmitglieder Ut die Zusammenarbeit mit der Deventer Hachscharah-Vereinigung gewährleistet. Josef Braslawskl, der Gemeinde der hebräisch Sprechenden in Berlin noch aus seinem Berliner Wirken in bester Erinnerung, veröffentlichte in der letzten Zeit zwei interessante Arbeiten, und zwar über die Palästina-Wanderung der deutschen Juden im 15. Jahrhundert, erschienen im Sammelbuch -Zion", 2. Jahrg., Bd. 1, ferner eine Arbeit über den Palastina-Reisenden Jakob von Bern im 14. Jahrhundert, der sich über die Juden Palästinas geäußert hat (Mitteilungen der Oesellschaft zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer, IV. Heft 1—2>. Ä

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