Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1937)
- Date
- 1937-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9, 2.11.1937 JODISCHF RUNDSCHAU SeÜi 1 Palästina-Wanderung 1933 bis 1936 vomWeAdorfamWieringerMe«» Von Walter Llndensirau Will man an Hand nüchterner Zahlen prüfen, inwieweit bei der bisherigen ciiiwandertmgspoh.ischcn Lage das Wanderungsbedürfnis nach Palästina befriedigt wurde, so sei zunächst von der allgemeinen jüdischen Einwände: ung ausgegangen, um dann die uns besonders interessierende jüdische Einwanderung aus Deutschland zu überblicken. A. Allgemeine jüdische Einwanderung Das vorliegende statistische Material der J c w i s h Agcncy ergibt für die Jahre 1933 bis einschließlich Oktober 1936 folgendes Bild: Einwanderung Ober Jaffa und Haifa Einwanderung ührr andere Grenzen Legalisierte Touristen Gesamt ein wanderuny 19M 27 209 573? 465 1934 36 619 1625 4115 1935 1936 fnur bi» einschl. Okt.) 5S 407 25 400 2 643 819 3804 1 666 31) 327 42 359 61 854 27t85 Für die letzten Monate des Jahres 1936 liegen noch keine substantiierten Angaben der Jewisii Agency vor. Nach einer amtlichen Mitteilung der Regierung sind im November 1936 938 Personen eingewandert. Diese besonders niedi i'je Ziifer, die auch im Dezember schätzungsweise nicht überschritten sein _ wird, erklärt sich im wesentlichen daraus, daß wegen der im September 1930 befürchteten Eimvanderungsspcrre ein großer Teil der Palästina-Wanderer die beabsichtigte Auswanderung vorverlegt hat. Wenn man für die beiden Monate November und Dezember 103«) in der Statistik noch 20C0 Palästina-Wanderer berücksichtigt, kommt man zu einer Ocsamtein Wanderung v o n an n ä h e r n d 30 (500 J u - den i in Jahr e 1936. Die Einwanderung hat sich zwar gegenüber den Jahren 1931 und 1935 vermindert (gegenüber 1934 um etwa 30 und gegenüber 1935 um etwa 50 ".'„). Wenn man aber andererseits berücksichtigt, daß die Einwanderung 1936 im Schatten des abessinischen Konfliktes stand, daß sechs Monate lang die arabischen Unruhen das Land wirtschaftlich und politisch bedrohten, und dieser Druck auch heute noch anhält, so beweisen diese Zahlen unverkennbar das Vertrauen der jüdischen Welt zur Stabilität des Aufbaues und im besonderen Maße die innere Festigkeit der Palästina-Wanderung. Wenn der Einwanderungskommissar der aPiästinaregierung in seinem Wanderungsbericht für das Jahr 1935 schreibt, daß ,,die Einwanderung tlas Ergebnis des Zusammenwirkens Palästinas als Säugpumpe und des Auswanderimgslandes als Druckpumpe'' ist, so hat dieses Gleichnis auch für die Einwanderung 1936 seine volle Bedeutung beibehalten. Auch die soziale Struktur der Einwanderung war in diesem Zeitabschnitt mehrfachen Schwankungen unterworfen, was ein Vergleich der wichtigsten Zahlen des Jahres 1936 mit den entsprechenden Zahlen für 1933/35 beweist. Einwanderung nach Kategorien Kategorien 1933 1934 1935 1936(nur bi,. inkl. Okt.) % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl Kapitalisten 3 250 5124 6 309 2116 deren Angehörige 3 350 4 578 5 694 2 228 21,8 6 600 22,9 9 702 19.4 12 003 17,1 4 344 Arbeiter 11 165 10 882 14 653 6 533 deren Angehörige 7 7SS 11 153 13 076 3 796 62,5 18 953 52,1 22 035 44,8 27 7Z9 40,6 10329 Angeforderte Eltern um! Verwandte* 9,4 2 846 16,2 6 879 26,9 16 610 32,2 7 891 Sonstige Gruppen 6.3 1 92-i 8,8 3 741 8,9 5 512 10,1 2 8'6 Insge&nmt 100,— 30 327 100.- 42 359 100,- 61854 100,— 25 400 Kapitalisten: Der kapitalistische Anteil an der Einwanderung hat sich in geringem Umfange rückläufig bewegt. Während der prozentuale Anteil 1933 noch 21,8 o/o, 1934 22,9 «b betrug, ist er 1935 auf 19,4 <y0 und 1936 auf 17,1 o/o zurückgegangen. Diese Tatsache ist im wesentlichen auf die objektiven juristischen Schwierigkeiten dieser Immigration zurückzuführen, insbesondere auf den immer schwieriger werdenden Transfer des Vermögens der Palästina-Wanderer aus verschiedenen europäischen Ländern. Arbeiter: Der prozentuale Anteil der Arbeitereinwanderung zeigt schon frühzeitig eine sinkende Tendenz. Während er 1933 noch 62,5 <><> der Oesamteinwaiideriing betrug, 1934 52,! «o, 1935 44,So(), ist er 1936 nur noch 40,6 o/o. Die Arbeitnehmer bilden zwar nach wie vor die stärkste Einwanderungskategorie. Die ungünstigen einwanderungspolitischen Maßnahmen der Regierung bei der Zertifikatszuteilung' haben sich aber in der letzten Zeit immer stärker gerade gegen diese Gruppe ausgewirkt. Interessant ist übrigens die Feststellung, daß im Jahre 1936 im Gegensatz zu den früheren Jahren auf 6533 Arbeitnehmer nur noch 3396 Familienangehörige einwanderten. Auch dies zeugt für die einwanderungshemmenden Maßnahmen der Regierung, welche die der Jewish Ageney zugeteilten Zertifikate offenbar aus bevölkerungspolitischen Gründen in der Mehrzahl für ledige Arbeiter und Arbeiterinnen bestimmt hat. Eltern: Die Eltern-Alijah zeigt seit 1933 ol|ne Unterbrechung eine steigende Tendenz. War der Anteil an der Gesamteinwanderung 1933 nur 9,4 <>'o, ist er 1934 schon 16,2 o/0j 1035 26,9 o/o und 1936 32,2 "... Diese erhebliche Steigerung ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Erst 1934 hat die Einwanderuiigsbehördc in Palästina nach ihrer Reorganisation mit der Aufarbeitung der unzähligen angesammelten Gesuche begonnen. Ferner hat sich im Laufe der Jahre durch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Auswanderer zu ihren zurückgebliebenen Angchö,igen der Familiencharakter der Wanderung immer stärker ausgeprägt. Auch die wirtschaftliche Festigkeit im Lande ermöglichte es dem Jischuw, einen großen Teil der Eltern bzw. Angehörigen nachkommen zu lassen. Mau soll allerdings dabei nicht verkennen, daß oftmals wirtschaftliche Erwägungen bei der Anforderung mitsprechen. Sie stützen sich darauf, daß es für den Einzelnen weniger belastend ist, die Eltern bzw. Angehörigen im Lande aufzunehmen als nach Europa Unterstütz.ungsbcträge zu schicken, die überdies auch der Wirtschaft Palästinas verloren gehen würden. Selbstverständlich ist unter dein Gesichtspunkt der sozialen Verlagerung die Entwicklung dieser Einwandcrungsgruppc aufmerksam zu beobachten. Im Interesse einer gesunden sozialen Schichtung des Jischuws muß von der Regierung die stärkere Förderung der Einwanderung von Kapitalisten und Arbeitnehmern erwartet werden. Was die Flerkunftsländer der Einwanderer betrifft, steht Polen seit 1933 ununterbrochen an der Spitze. Es hat während der letzten vier Jahre etwa 45 "jo der Einwanderer gestellt. Dann folgt Deutschland, dessen Einwanderungsquote im Durchschnitt der Jahre 1933/36 etwa 25 n/o beträgt. Die weiteren 30 °/o verteilen sich auf kleinere Länder, beginnend mit Rumänien, Litauen usw. B. Einwanderung aus Deutschland Das vorliegende statistische Material der Jewish Agency ergibt für die Jahre 1933 bis einschließlich Oktober 1936 folgendes Bild: 1933 1934 1935 Einwanderung über Jaffa und Half. 6803 8 497 7447 7 381 Legalisierte fouri»ten 407 932 413 327') Gesamteinwanderung aus Deutschland 7 210 9 429 9 860 — *) Nur bi. inkl. Juni 1936 Für die Monate November und Dezember 1936 liegen auch hier noch keine genauen Zahlen vor. Man kann aber die Einwanderung für diese Zeit auf etwa 500 Personen schätzen, wenn man die allgemeine jüdische Einwanderung von 2000 Personen für diesen Zeitabschnitt zugrunde legt. Es ergibt sich dann eine Ziffer von zirka 7900 Einwanderern aus Deutschland, ein überraschendes Ergebnis, wenn man berücksichtigt, daß im Jahre 1935 die entsprechende Ziffer zirka 7500 gewesen ist. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, festzustellen, wieviel Juden aus Deutschland Palästina seit 1933 bis Ende 1936 überhaupt aufgenommen hat. Um diese Ziffer zu errechnen, ist von der obigen Tabelle auszugehen. Diese weist bis inkl. Oktober 1936 einschließlich legalisierter Touristen 32 207 Einwanderer aus. Hinzu kommen laut obiger Schätzung 500 Einwanderer für November und Dezember 1936. Ferner weitere 125 (geschätzte) legalisierte Touristen, die in der Statistik nur bis Juni 1936 berücksichtigt sind. Logischerweise sind bei der Einwanderung aus Deutschland auch die Flüchtlinge zu berücksichtigen, die von Deutschland aus über Nachbarländer nach Pa'ästina eingewandert sind. Man schätzt die Gcsamtziffer vorsichtig bis Dezember 1936 auf etwa 5500 Personen. Da in der Statistik der Jewish Agency bis Oktober 1936 nur 1364 Flüchtlinge, una zwar nur die deutscher Staatsangehörigkeit, berücksichtigt sind, kommen für Flüchtlinge nichtdeutscher Staatsangehörigkeit weitere 4136 Einwanderer hinzu. Schließlich ist noch die Einwanderung über andere Grenzen als Haifa und Jaffa zu berücksichtigen, die in der Statistik der allgemeinen jüdischen Einwanderung bis Oktober 1936 mit 5660 Personen angegeben wird und bis Ende 1936 schätzungsweise die Ziffer von 5800 Einwanderern erreicht hat. Diese Einwanderung ist auf die einzelnen Länder statistisch nicht verteilt. Nimmt man an, daß Deutschland auch hieran mit etwa 25 o/o partizipiert, so kommt man zu einer weiteren Ziffer von 1450 Einwanderern. Die Gcsamtziffer der jüdischen Einwanderung aus Deutschland beträgt demnach bei vorsichtiger Schätzung zirka 38 500 Personen für den Zeitraum 1933 bis Ende 1936. Im Verhältnis zu der Gesamteinwanderung hat der Anteil im Jahre 1933 25 ",o betragen, 1934 23 ist 1935 bis auf etwa 13 o,'o herabgesunken und ist 1936 auf die bisher höchste Quote von zirka 30 o/o gestiegen. Die Einwanderung aus Deutschland ist damit zu einer besonders starken Komponente der Gesamteinwanderung geworden. Die s o z f ale Struktur der Einwanderung aus Deutschland weist bei einem Vergleich mit der Gesamteinwanderung wesentliche Unterschiede auf, wie dem folgenden Querschnitt zu entnehmen ist: Kategorien Einwanderung nach Kategorien 19M 1934 1935 b"nH(Okrt.) % Aniahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl Kapitalisten 43.8 2 982 36,9 3 128 35,9 2 666 343 2 575 Arbeiter 46,0 3129 48,0 4 082 38,6 2 871 343 2 562 Angeforderte Eltern und Verwandte 7,7 524 9,0 758 17,0 1 J«9 19,5 1444 Schüler 1,3 89 4,5 386 4,5 337 8,4 626 Sonstige Gruppen 1,2 79 1,6 143 4,0 304 23 174 Insgesamt 100,- 6 803 100,— 8 497 100.— 7 447 100,- 7 381 Das neue Gemeinschaftshaus im jüdischen Werkdorf am Wieringer Meer, das vor kurzem eingeweiht wurde. 4 Foto: Werner l.eborg, Amsterdam i Mll r i 111111111 < i; 11111 r r n t n 111 u u i H111 u) 111M11111 i 11M i M m i i i m t:: 111111 u 11 t 11 n i: <: 1111) t f 11 r; <.....• ■ l 11 m 11 < 11 m t i! i n 11M11 u 11! 11 ti i n tt 111111 tit Die Einwanderung der Kapitalisten aus Deutschland ist im Jahre 1936 gegenüber 1!>35 im wesentlichen unverändert geblieben, was angesichts der schwierigen Trausferlagc beachtenswert ist. Der Anteil der Kapitalisten ist im Jahre 1936 doppelt so stark gewesen (31,8 "u) wie der Anteil der Kapitalisten (17,1 <•■„) aii der allgemeinen jüdischen 1 Umänderung. Während sich bei der allgemeinen jüdischen Einwanderung das Verhältnis (1er Kapitalistenzur Arbeiteremwamlerung durchschnittlich wie 1:2,1 verhalt, entfallen bei der Einwanderung aus Deutschland auf einen kapitalistischen Einwanderer nur 1.1 Ai beitiieliiner. Auch die A r b c i l e r e i n w a n d e r u n g ist konstant geblieben. Der prozentuale Anteil der Arbeitnehmer war auch in den früheren Jahren ei lieblich niedriger als bei der allgemeinen jüdischen Einwanderung. Die Spanne ist aber in der letzten Zeit bedeutend geringer geworden. Wahrend bHJ der Anteil der Arbeitnehmer an der jüdischen Ge-amfwamlmitig 62,5 "■> und an der Einwanderung aus Deutschland 46 betrug, ist heute der Anteil bei der allgemeinen Ein Wanderung 40,6 ':•>, bei der Einwanderung ans I icutschland 32,2 ... Eine wesentliche Stütze hatte die Ai beitnchmei einwan Jerung aus Deutschland 1936 in den S a in u e I / e r t i f i k a t e n, die dank der Finanzierung des Council of German Jewry in London eine' erhöhte ArbeitcreinWanderung ermöglichen. Die E I t e r n a I i j a h zeigt eine steigende Tendenz. Auch hier sprachen im wesentlichen dieselben Gründe mit, wie sie von uns bei der allgemeinen jüdischen Einwanderung erwähnt wurden. Allerdings bewegt sich die Kurve bei der Alijah aus Deutschland nicht so sprunghaft. Dies beruht einmal darauf, daß die drückende soziale Lage der zurückgebliebenen Angehörigen in den osteuropäischen Ländern ein besonders schnelles Tempo der Familienwanderung diktiert. Es kommt hinzu, daß die große Immigration aus Deutschland erst 1933 einsetzte und sie erst: eingeordnet sein mußte, bevor es dem Einzelnen möglich war, seine Angehörigen anzufordern. Immerhin beweisen die vorliegenden Zahlen, daß schon eine stattliche Anzahl von Einwanderern die Eltern bzw. Angehörigen nachkommen lassen konnte. Bei der Einwanderung aus Deutschland ist schließlich noch die Alijah der Schüler erwähnenswert. Ihr Anteil hat sich im letzten Jahre gegenüber 1935 verdoppelt. Im wesentlichen handelt es sich dabei um Jugendliche von 15—17 Jahren, die auf Grund von Sonderzertifikateti durch die Jugendalijah ins Land kamen. Man kann heute schon sagen, daß diese Einwanderungskategorie eine besondere Bedeutung gewonnen hat. Zur S f a a t s a n g e Ii ö r i g k e i t der Einwanderer aus Deutschland ist es interessant festzustellen, daß durchschnittlich zirka 79 "•„ deutsche Staatsangehörige waren und daß dieser Prozentsatz im wesentlichen stabil blieb. Die polnische Staatsaiigehöi igkeit besaßen etwa 15 der Rest verteilt sich auf Einwanderer anderer Staatsangehörigkeit bzw., Staatenlose. Zur politischen Lage in Ungarn Von unserem Berichterstatter Budapest, 29. Januar In der ersten Sitzung der neuen Parlamentscssion äußerte sich Ministerpräsident Koloman von Daränyi im Rahmen einer Programmrede auch über die radikale Agitation im Lande. „Wir leben im Zeitalter der Weltanschauungskämpfe. In Ungarn ist diese Frage bereits entschieden: Regierung und Bevölkerung stehen auf dem Boden christlicher Weltanschauung und nationaler Gesinnung. Aber wir leben auf keiner isolierten Insel. Gewisse geistige Strömungen ergießen sich über die Welt und unsere Pflicht ist es, diese zu beobachten und sofern sie gefährlich werden und die Fundamente des Staates untergraben sollten, im Keime zu ersticken. Die Polizei hat darauf zu achten, daß unberechtigte Agitationsmittel verhindert werden. In diesem Sinne hat der Minister des Innern bereits die notwendigen Erklärungen und Instruktionen gegeben." Zum Schluß machte der Redner die Tagespresse darauf aufmerksam, daß sie unkonsequent handle, wenn sie auf der einen Seite die gesteigerte Ausbreitung der Freiheitsrechte fordere, auf der anderen aber nach dem Staatsanwalt rufe. Auch in der Vereinigten Christlichen Partei, die neuorganisiert vorläufig als wohlwollende Opposition der Regierung gegenübersteht, ließ sich ihr Präsident, der greise Graf Johann Z i c h v, über dieselbe Frage folgendermaßen vernehmen. Unsere Aufgabe ist einstweilen negativ: uns von jedem Extrem und jeder Demagogie fernzuhalten, ebenso von jeder aggressiven Bewegung, die sich gegen einzelne Gesellschaftsschichten oder Konfessionen wendet. Dies der konstruktive Gedanke, der unsere Vergangenheit mit der Zukunft verbinden kann. * Eine ungarische Köpenickiade hat mit dem Urteil des Pestcr kgl. Gerichtshofes, das den vielnamigcn und vielgenannten Moses Nikolaus Kahan-Kaufmann-Kenyer e s zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte, ein Ende genommen. Der Angeklagte, geboren aus der nur nach jüdischem!' Recht geschlossenen, also gesetzlich „unehelichen" Ehe des Rabbiners von Bei, legte sich im htdestoweniger den Namen des Vaters bei, besuchte dann als magyarisierter evangelischer Kenyeres das Gymnasium und ein bis zwei Semester die Technische Hochschule, woran! er sich Ingenieur, sogar technischer Rat nannte. Im Jahre des Umsturzes tauchte er in der Hauptstadt als Fachmann in Kohlen auf und machte in diesen irreale Geschäfte; während der jüngsten Wahlen aber erschien er in politischen Kreisen und wurde auf Grund:' seines sicheren Auftretens, seiner angeblichen Verbindungen und Dokumente zum Abgeordneten der Einheitspartei gewählt. Der gestürzte Kandidat ging den persönlichen Daten Kenyeres nach, worauf sich herausstellte, daß derselbe nicht weniger als zwölf Dokumente, tiarunter Geburtsund1 Taufschein, sowie das Diplom gefälscht hatte. Der Staatsanwalt geißelte in scharfen Worten das Vorgehen des Angeklagten. _ Dr. A. F.( Gemeinsame Sammel-Aktion in Amerika Philadelphia, 31. Januar. (JTA.) In Philadelphia fand eine Konferenz von Vertretern des American Jewish Joint Distribution C o m m i 11 c e und der im United Pal est ine Appeal vereinigten Fonds und Institutionen für Palästina-Aufbau statt, bei der beschlossen wurde, die Durchführung gemeinsamer lokaler Sammlungen zu empfehlen. Die aufgebrachten Mittel sollen zu 60 <»n dem Joint, zu 40»,, dem United Palestine Appeal zufließen. Im Anschluß an die Konferenz fand ein Bankett statl, bei der der Direktor des Agro-Joint, Dr. Joseph Rosen, auf die Notwendigkeit hinwies, Answaiiderungsmöglichkciten für Juden in Ost- und Mitteleuropa zu untersuchen. Er betonte, daß die wirtschaftliche Struktur der Juden in Osteuropa weder gesund noch sicher sei. Der Ehrenpräsident des Joint Distribution Comniittee, Felix M. W a r b u r g, unterstrich die Verpflichtung der amerikanischen Juden, ihren Brüdern in Europa beizustehen. Die amerikanische Judenheit sei „der große Bruder" der europäischen. Ermäßigung für Palästina-Reisen Auereite ab Triest 17. Februar bis sunt SO. Min 1937 Rückfahrt ab Haifa 3. Mär* bis zum I. April 19S7 PALESTINE EXPRESS CO. G.m.b.H. BERLIN NW? Friedrichstraße 100 (an su. u-Bahnhof) Fernruf 16 2916 /