Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1937)
- Date
- 1937-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8, 29.1. 1937 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Die französischen Ansiedlungspläne Der Charakter der Landgebiete — Geringe Chancen Budapester Brief Von unserem Berichterstatter Budapest, 25. Januar Die Bewegung des Blauen Kreuzes In Litigant mehren sich in letzter Zeit die Anzeichen, daß besonders aut dem flachen Lande und in den Provinzstädten eine rechtsradikale Agitation überhand nimmt, die nicht nur gegen Kapita! und Liberalismus arbeitet, sondern auch vor Inhalt und f orm des Parlamentarismus der heutigen Verfassung nicht haltmacht. Jungst organisierte sich in Budapest die B e w e g u n g de s B 1 a u tu Kreuze s, die den Kampf gegen den Bolschewismus auf ihre 1 ahne geschrieben hat. Bei der konstituierenden Generalversammlung in der hauptstädtischen Redoute fehlte es nicht an Ausfällen gegen das Judentum. Unsere Bewegung — sagte der eine Redner — stehe zwar dem aggressiven Antisemitismus fern, aber es müsse konstatiert werden, daß Liberalismus, Sozialismus, Bolschewismus, I reimaurerei aus der jüdischen Mentalität entsprungen seien und den Zwecken der jüdischen Weltherrschaft dienen. Auch der Vorsitzende der Versammlung, Dr. A. C s i 11 e r y, der präsumtive Leiter der hauptstädtischen christ'ichen Partei, bedauerte, daß der numerus clausus nicht auf allen Gebieten des nationalen Lebens durchgeführt worden sei; dann wäre das Land heute glücklicher. Der Stimme der liberalen Presse und öffentlichen Meinung, die gegen derartige Agitation die Gewalt der Regierung und des Staatsanwaltes — bisher vergebens — anrief, gab in einer Versa.....iluug der Szcgeder bürgerlichen Freiheitspartei der Abgeordnete Dr. Karl Rassay Ausdruck, der — nach „Ujsäg — folgendes ausführte: Das Vertrauen, Z&UfHOftft HafänOHH Herren- und Damen-Ausstattungen Berlin SW, Friedrichstraße 50-51 das er und seine Gesinnungsgenossen dem neuen Ministerpräsidenten Uaränyi entgegengebracht hätten, sei im Seilwinden begriffen. Er sehe in diesem Augenblick, daß all jene Kräfte und Leidenschaften, die von der Hand einer starken, zielbewußten Regierung niedergehalten wurden, jetzt das Schweigen der verantwortlieben Slellen ausnützend zum Sturm gegen die staatliche und gesellschaftliche Ordnung vorrücken. Das Land wird mit Büchern, Plakaten, Flugschriften überschwemmt, die offene revolutionäre Propaganda treiben, den Sturz der Verfassung, den Bankerott der jetzigen Wirtschaft verkünden und dem Privatbesitz die Fehde ansagen. Linter den Verbreitern derartiger Schriften und Ideen befinden sich auch Parlamentarier, Aristokraten, Besitzer von Latifundien. Nur die Minister schweigen und die Gerichte, wiewohl diese Machinationen den gesellschaftlichen Frieden im Laude, seinen Kredit und seine Interessen im Auslände schädigen. R a s s a v richtet zum Schluß eine Aufforderung an den Ministerpräsidenten, sich von dem Terror kleiner, gewalttätiger Gruppen zu befreien. Der Äianister des Innern, Nikolaus von Ko/mj, gab in dieser Angelegenheit folgende Lrklärung ab: „Bezüglich der Flugschriften und 1 lug/ettel ist die Untersuchung eingeleitet. Die zuständige Abteilung der Polizei unter Leitung des Polizeiliauptntanns I I e t e n y i hat den Auftrag, energisch vorzugehen. Was aber die radikale Agitation anbelangt, kann ich erklären, daß die Regierung Ruhe und Sicherheit des Landes unter allen Umständen bewahren wird." — Im übrigen wird in dieser Sache die Aeußerung des Ministerpräsidenten Da ran vi im Parteiklub der Einheitspartei erwartet und auch im Parlament durfte sie zur Sprache kommen. Aus den Gemeinden Der von der jüngsten Generalversammlung der Pest er I s r. G c m e i n d e genehmigte Kosten vor an sc Ii lag f ü r 1037, in dem dem Bedarf von Pg. 4327000 eine Bedeckung von Pg. 4 013 000 gegenübersteht, ist an Größe denen der Großgemeinderl Wien und Berlin vielleicht unterlegen; da aber hier die „Chewra Kadischa" mit ihrem Millionenetat eine Reihe von Aufgaben jener Gemeinden selbständig besorgt, dürfte die Pester Gemeinde heute den Großgemciudcti Mitteleuropas gleichgestellt werden. In den Einzelheiten gibt der Etat eine klare Uebersicht über die Zweige der Verwaltung Chaim Weizmann e. j. Jerusalem, Ende Januar Weizmann ist unterwegs nach Amerika, wo er mit führenden Persönlichkeiten der USA. zusammenkommen wird. Muß man einen solchen Anlaß suchen, um Chaim Weiz.manns, des Juden und Führers, zu gedenken? Vor einigen Tagen spazierte ich mitternachts mit zwei Freunden, einem Egged-Chauffeur und einem Bauarbeiter, durch die King Georg Avenue in Jerusalem. Wir hatten alle drei au dem und an jenem manches zu bemängeln. Wir kritisierten — oder besser gesagt — wir „raunzten", wie es im Wienerischen heißt, bis schließlich der Bauarbeiter stehen blieb, auf die wundervolle Silhouette starrte, die sich in der Richtung des arabischen Friedhofes abzeichnete, und dann leise sagte: „10 Jahrhunderte hat unser Volk darauf gewartet, damit wir hier in diesem hochgebauten, neuen jüdischen Jerusalem spazieren können. Man darf daran nicht vergessen." — In dieser Nacht wagte keiner von uns, noch irgendein Wort der Kritik auszusprechen. Sicherlich, Chaim Weizmann hat nicht nur Gegner, sondern auch Eigenarten. Und oft ergehen sich nicht nur seine intimsten Feinde, sondern auch seine erbittertsten Freunde in Erörterungen dieser seiner Sonderlichkeiten. Aber nach Theodor Elerzls Tode blickte das jüdische Volk sehnsüchtig und vergeblich nach einem Führer aus, der — unbeirrt durch Lob und Tadel — seinen Weg, unseren Weg, zu gehen imstande gewesen wäre. Bis Chaim Weizmann kam: kein Gewählter, sondern ein Berufener; die Wahl erfolgte erst hinterher. Daran darf man nicht vergessen. Der Zufall fügte es, daß ich Chaim Weizmann immer aus verschiedenen Anlässen in verschiedenen Städten zu sehen Gelegenheit hatte. Die letzten Male in Paris, Luzern, Zürich und in Jerusalem. In der Malindhapana, dem ältesten Sagen- und Weisheitsbuch der Inder, steht gesehrieben: Ein Wächter fragte den König Malindha: „Ist die Fackelflamme der ersten Nachtwache die gleiche, welche im Morgengrauen flackert?" Worauf Malindha antwortete: „Es ist die gleiche Flamme, doch wird sie von neuem Stoffe genährt, wie es stets derselbe Fluß bleibt, wiewohl in ihn fortwährend frisches Wasser strömt." — An diesen Ausspruch mußte ich denken, so oft ich Chaim Weizmann sah. Es ist stets die gleiche Flamme, es ist immer derselbe Fluß der Bemühungen, Gedanken und Wünsche. Doch so wie die Flamme gebändigt wird durch die Hülle der Fackel und der Fluß eingezwängt wird durch die Ufer, so auch die Glut des Wollens und Wünschens Chaim Weizmanns durch die Wirklichkeit. Ich habe vor Jahr und Tag die Frage aufgeworfen: Was ist Chaim Weizmann? Ein Chassid, ein Inbrünstiger, oder Der Hilfsvercin der Juden in Deutschland teilt zu den Plänen, in französischen Kolonialgebieten Juden anzusiedeln, u. a. folgendes mit: 1. Die N e u e n H e b r i d e n und N e u - K a 1 c d o n i e n sind Inselgruppen im Stillen Ozean, die (istlich von Australien liegen. Das Klima ist verhältnismäßig heiß; die Durchsehnittstemperaturen bewegen sich zwischen 27 und 22 Grad Celsius — im Vergleich zu einer Berliner Jahresdurchschui'tstcinpctatur von etwa 8 Grad. Die Regenfälle sind typisch tropischer Art. Neu-Kaledonien liegt zwischen dein 20. und 23. Grad südlicher Breite und hat einen < iesamfumfang von etwa IS 500 qkm, d. h., es ist ungefähr so groß wie Württemberg. Die Bevölkerung betrug etwa 57 000 Seelen, davon knapp ein Drittel Weiße. Es wanderten auch bisher wenig Weiße ein, dagegen viele Farbige, wie Inder, Javaner und Chinesen. Die hauptsächlichsten landwirtschaftlichen Produkte sind Kaffee, Kopra, Baumwolle usw. Auf der Insel sollen große Bodenschätze vorhanden sein, vor allem Nickel, aber auch Chrom, Kobalt, Eisen und Manganerze. Die einheimische Industrie ist wenig entwickelt. Die Neuen Hebriden sind eine Inselgruppe, die aus etwa sechs größeren und vielen kleineren Inseln bestellt, die zum Teil noch heute unerforscht sind, und zusammen einen Flächeninhalt von etwa 13 000 qkm (etwa der Hälfte Thüringens entsprechend) haben. Die Einwohnerzahl der Inselgruppen beträgt etwa 05 000, wovon nur ein geringer Teil aus Weißen besteht. Aut einigen Inseln herrscht noch Kannibalismus. Politisch stehen die Neuen Hebriden unter französisch-englischem Kondominium, in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Erzeugung tropischer Früchte (Bananen, Orangen) und von Zuckerrohr hcrvorzuhelvn; verschiedene englische und französische HandelsgescT chaflcn vermitteln die Ausfuhr dieser Produkte. Der geographi-chen Lage entsprechend ist die wirtschaftliche Verbindung mit Australien am engsten. Im Gegensatz zu der verhältnismäßig geringen Fläche dieser Inselgruppe umfaßt die Insel Madagaskar, die sich an der Ostküste Afrikas vom 12. bis 25. Grad südlicher Breite erstreckt, eine Fläche von etwa 027 000 qkm - was dem Umfang des Deutschen Reiches und der Tschechoslowakei entsprechen winde. Doch gilt das Klima Madagaskars als mehr oder weniger ungesund, vor allem im tropischen und deren Bewertung. Mit dem beträchtlichsten Betrag von 11.. Millionen figurieren die humanitären Anstallen, vor allem die Hospitäler, wiewohl das große Siechen- und Altersheim der Chewra Kadischa, sowie die beiden Waisenhäuser ebenfalls außerhalb des Gemeindeetats blieben. In zweiter Reihe folgt die Kultusscktion mit Pg. 600 000, dann die Bedürfnisse der UntcrridiKanstalten (darunter zwei Gymnasien) mit Pg. 500 000, während die Sektion für den Religionsunterricht (die Zahl der Rchgionslchrcr ist leider nicht augegeben), ebenso wie die Wohltätigkcitsabtcilung nur über ungefähr '', Million verfügen. Am schwächsten dotiert erscheint die Kultursektion (Gemeindebibliothek, Museum), deren Weiterentw icktimg anscheinend der tätigen Mitarbeit der Gesellschaft anheimgestellt ist. Die größte Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ergibt sich int Schulwesen, besonders dadurch, dal! Hofrat S. Stern alle bisher geleisteten Zuschüsse zu den Volksschulen vom nächsten Jahr eingestellt hat. Die B u d a p e s t e r orthodoxe G e m c i n d e hat, wie Zrids Ujsag meldet, diese Woche zwei neue humanitäre Institutionen ins Leben gerufen. Einerseits hat ihre Chewra das parkartig angelegte, bisher enge A'tcrshe m vergrößert und mit einem Stockwerk verscheu, andererseits ihrem seit einiger Zeit in Vorbereitung gewesenen jischuw Erez Israel eine feste Organisation gegeben. Wie das Programm ausdrücklich betont, ist und bleibt die neue Vereinigung — den heimischen Verhältnissen angemessen — von jeder anderen ausländischen Organisation (Ägudah) unabhängig; ihr einziger Ausgangspunkt sei die Chibbas haare/, ihr Zweck die Besiedlung des Heiligen Landes auf religiöser Grundlage zu unterstützen. Zum Vorsitzenden wurde der Vorsitzende der orth. ein Misnagid, ein Rationalist? In Rede und Handlung erscheint Chaim Weizmann der jüdischen Umwelt oft als Misnagid, als Bremser, Mahner, a's Zers'.örer von Illusionen, als Rufer zur Wirklichkeit. In Wahrheit aber ist er ein inbrünstiger Chassid, dessen Wesensurgrund Glaube und Wollen sind. Allerdings versucht er stets, stärker und rücksichtsloser gegen sich und die anderen als je ein Wortführer unseres Volkes in der letzten Zeit es getan, sein Temperament und unsere Illusionen zu bändigen. Ich kenne Weizniann noch aus der Zeit, da er Privatdozent an der Universität in Genf war. Als ich zuletzt vor einigen liinc neue Aufnahme von Dr. \\' eiz uann in seinem Garten in. Reelwwoth, tiiimiltelhtir vor s'iiier Ahn ine n ieh Amerika. Links von ihm der Tosennini als Sekretär und Dolmetsrher beigegebene Heinz Sußmann Amairurtcio Monaten diese Stadt besuchte, wurde mir von einem Freunde eine Photographie gezeigt, die Chaim Weizmann, als er um 30 Jahre junger war, darstellt. Weizmann trug damals einen kurzen Vollbart, nach der Mode der Zeit eine hochgeschlossene Jacke, und die Konturen seines Schädels traten noch nicht so eckig und scharf hervor wie heute. In seinen Zügen drückte sich Weichheit und Träumerei aus. Die Stirn ist glatt (es handelt sich um ein nicht-retouehiertes Bildnis), die Augen offener als heute und der Mund voller, nicht nur, weil er jünger war, sondern weil noch nicht soviel Leid und kummervolles Sichbcberrschenmüsjen ihre Spuren auf die Lippen gedrückt hatten. Außerdem fehlt auf jenem Bilde der Zug der Herbheit, der heute in Chaim Weizmanns Zügen eingebrannt ist. Aber die Weisheit, welche Veranlagung und Küstengebiet, wo die Uurchschnittstemperaturen 25—26 Grad Celsius betragen. F" ü r ei n e e u r o p ä i s c h e B e s i c d I u n g k o m in e n daher die K u s t e n g e b i e t e u n d d a s Tiefland kaum in I rage; dagegen ist das Klima des Hochlandes zwischen 1000 und 1600 m gemüßigter. Die Bevölkerung der Insel zahlt etwa 3,S Millionen Seelen, davon 3,7 Millionen Malagassen, d. h. eine Mischrasse aus Eingeborenen-Stämmen, ludern. Chinesen und Arabern. Die Zahl der I ranzosen auf der Insel betrug etwa 23 000, die Zahl der übrigen Weißen war gering. Das Land ist durchweg in zwei Regionen eingeteilt, von denen eine der europäischen Bewirtschaftung offen steht, wahrend die andere Eingeborenen-Reservat ist. Auf der Insel wird hauptsächlich Reis, Zucker, Kaffee. Manioka und Baumwolle angebaut: die Eingeborenen betreiben auch in größerem Maße Viehzucht, für die das Land teilweise sehr gceigin t ist, Die Industrie ist noch wenig entwickelt; die Ausfuhr geht hauptsächlich nach Frankreich, welches auch in der Einfuhr an erster Stelle steht. Die französische Kolonie Guayana liegt au der Nordosiktiste Südamerika--, in durchaus tropischen Breitengraden. Die Bodenfläche betragt etwa OS DUO qkm, d. Ii. das Land ist so groß wie das heutige l.'ng.iru. Fs zahlt aber nur '22 Ott) Einwohner, abgesehen von den statistisch nicht erfaßbaren Lingeborcuen-St,minien und einigen tausend Sträflingen. Das Klima des Landes soll trotz seiner Lage mehr subtropisch als tropisch sein. Das Land ist /war nicht tiei von 1 ropenkrankheiten (besonders Dwnteiie und Malaria), doch soll das Klima an der Küste und in den ei»i lilossuivn Savannen- Gebieten f Ii r L u i o p a e r e r t r a g lieh sein. Wirtschaftlich ist das 1 uid noch \m n;:> entwickelt, von der < iesanufläche sind nur Mm ha landwn tschattUrli genutzt. Wie aus diesen Angaben hervorgehen durfte, gehören die Gebiete, den n I igitung fur (he Ansiedbuig gnölieier jüdischer Massen untersucht werden soll, I, c l n c * I ,i 1 I s zu d e n für I u r " |> .i e r w i r lieh g u u s i i g r n > i c d - I Ii n g s g e b i e t e ii. Vor allem gehen sie in klimatischer Hinsicht fast durchweg Anlaß /u sihw. n-n Bedenken. So sehr die ernste Ausw■.uiderungslage in .Wittelum! '• >st<'mropa die so sorgfaltige Prüfung jeder M<»gSMtke:t zur Lmlilicliung neuer Ein wanderuiigsgebicte ei fordert, -u falsch wäre es jedenfalls, von den hier in Rede stellenden Gebieten in Kürze eine fühlbare Erleichterung des jüdischen Auswandertmgsprobiems zu erwarten. (Vgl. >. 21 Gemeinde, Abraham F r e u d i g e r d e O b u d a, gewählt, zum gcschäftsl'ührendt ii Stellvertreter Markus klein, wahrend Dr. Adolf Deutsch, der Direktor des orth. Schulwesens, die Leitung der Hachscharah übernahm. Persönliches Leopold Aschncr, Generaldirekfor der Vereinigten Glühlampen A.-G., der sich als prominentes Mitglied der N'cupesler Israelitischen Gemeinde schon oft bei Wohlfahrtsinstitutionen und Wohltätigkeitsaktioncn großzügig beteiligt hat, hat einen Betrag von 300 000 Pengö zwecks Errichtung eines Lehrstuhls und Instituts für Atomphysik an der Budapester Technischen Hochschule gespendet. In Budapest verstarb der kön. Notar Dr. Ludwig P a I m a i, der während der Nenaufrichtimg des Landes nach dem Kriege eine bedeutende Rolle gespielt hat. Während der Kominuna 1910 half er in Ar ad die erste gegeiirevoiutionare Regierung des (irafen Julius Karolyi organisieren, deren Justizminister er wurde. Später bekleidete er dasselbe Amt in dem Szcgeder Abraham-Kabinett, wo er an der Schaffung des Antiboischewisfenkomitee (ABC) tätigen Anteil nahm und den Ministereid in der Synagoge ablegte. Ebenfalls verstarben in den letzten Tagen: Rechtsanwalt Dr. Emerich Frank! de S / c p h e g v i, der Vorsitzende des Schiedsgerichts im VI. Gemeindcd'strikt, Frau Dr. B e r n a r t E" r i e d m a n n, Wiiwe des bekannten Verteidigers von lis/a- Fszlär, sowie die nachweislich älteste Frau ch - Landes, die lOlialirige I, Pause Ii bürg in S/cged, demit dem Gebetbuch in der Hand ihre Augen schloß. Dr. A. F. Erfahrung Chaim Wei/mann gegeben haben, ist schon im Ansatz auf seinem Gesieht zu erkennen. Chaim Wei/mann ist jeder Schaustellung', jedem Prunk und allem Theater abhold. Lh kann mir nitiit gut vorsullen, daß er jemals einem Maler oder einem Bildhauer rui-giehig Modell gesessen hatte. Schade darum! Ich wurde wünschen, daß ein begnadeter Porträtist Weizmanns < iesicht, das von innen so sehr erleuchtet ist, in einem monumentalen Bildnis der Ewigkeit schenken winde. Allerdings zweifle ich. ob es gelingen konnte, dieses Spiel der Augen und lies Mundes, dieses Vibrieren der Muskeln und Fähchcn aufzufangen und auf der Leinwand sinnfällig zu machen. Ich habe mich oft gefragt, woraus die Wirkung strömt, d. Ii. das I-'luidimi, das von Chaim Weizmann ausgeht. Ich habe ihn gesehen, wie er in aufgeregten 'lagungen die I ribüne b .hritt und in die brodeiude Unruhe gespannteste Aufmerksamkeit und Stille trug. Ich habe erlebt, daß schon sein Erscheinen Geborgenheit erzeugte. Und dabei gebrauchte er nur die einfachsten Worte, die er überdies mit leiser, monotone Stimme vorbringt. Er wiul von vielen Engländern Zauberer genannt. Und tatsächlich ist sein Einfluß im Zwiegespräch überwältigend. Worin sind Fluidum und Zauber Chaim Weizmanns begründet? Ich meine darin, daß er am stärksten von uns allen will, weil er am tiefsten von uns allen glaubt. Man erzählt von einem General und einem Leutnant, die während einer tobenden Schlacht mitten im Kugelregen stehen. Der General fragte den Leutnant: ..Haben Sie Angst?'1 Schmetternd rief der junge Leutnant: „Nein, Herr General!" Darauf der General: „Sie sind ein schlechter Soldat. Ich zittere vor Angst, aber ich stehe da, weil ich muß und weil ich will." — Viele von uns sind glattwegs Feiglinge. Manche von uns sind unwissende Tollkühne. Chaim Weizmann kennt: die Gefahren besser als wir alle. Er durchlebt stärker Aengste, als so manche, die mit ewig kummervollem Antlitz herumrennen. Aber er stellt aufrecht da, weil er muß, weil er glaubt, weil er will. ... Und dies, meine ich, ist das Geheimnis seiner außerordentlichen Wirkung. Zuletzt sah ich Weizmann nach dem Toscanini-Konzert in Jerusalem im Pitmkfover des Hotels King David. Es war nach dem Souper, welches er Toscaniui und Hubcrmaii im Anschluß an das Konzert gab. Hochaufgerichtet stand Chaim Weizmann da. Im Mantel, den Huf in der Hand und plauderte noch vor dem Abschiednehmen mit seinen Gästen. Ich beobachtete Weizmann und hatte als beherrschenden Eindruck: Welch ein Gratidscigneur! Welche Würde! Ich weiß, man kann raunzen, man kann kritisieren, man kann bemängeln, aber man darf nicht vergessen, daß W ü r d e und Schicksal unseres Volkes in seine Hand gelegt sind, und daß er der zuverlässigste Treuhänder all dessen ist, worauf wir 19 Jahrhunderte lang gewartet haben. r